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Wissenschaft ist famos
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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 14.04.2007, 20:39                                  +/-



Bin ich blind oder gibt es tatsächlich keinen Thread für die Wunder der Wissenschaft?

Passend zum tollen Wetter derzeit will ich nämlich zwei Phänomene vorstellen, die man am klaren, blauen Himmel testen kann.



Das erste ist der Haidinger-Büschel, benannt nach einem österreichischen Geologen, der schon lange tot ist.

Und zwar können manche Insekten und Fische die Polarisation von Licht sehen. Wir Menschen brauchten das nie, durch eine Eigenheit unserer Augen geht es aber doch. Am besten geht es wenn man auf einer Wiese liegt und in einem Winkel von 90 Grad zur Sonne in den Himmel schaut. (Der blau sein muss, im roten Bereich ist der Büschel unsichtbar). Man sieht dann in der Mitte des Gesichtsfeldes sehr schwach zwei Keulen, die je nach Neigung die Polarisation anzeigen. Den genauen Grund dafür kennt man noch nicht, man vermutet ein Pigment spricht leicht unterschiedlich auf die Lichtausrichtung an und durch die runde Anordnung im Auge kommt es zum Büschel.

Ehrlich gesagt habe ich es heute nachmittag im Stadtpark aber nicht geschafft das Dingens zu erkennen.


Links übertrieben veranschaulicht, rechts realistischer

Praxisbezug: Falls man jemals in einer einer philosophischen Diskussion auf die Farbe des Himmels zu sprechen kommt, kann man sagen "Der Himmel ist nicht nur blau, heute ist das Licht auch vertikal polarisiert".


Das ausgelutschte Toffifee links ist ein rotes Blutplättchen, das Raffaello rechts ein weißes Blutkörperchen

Zweitens kann man durch das Scheerer Phänomen seine eigenen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sehen.

Und zwar absorbieren die roten Blutplättchen blaues Licht (430 nm Wellenlänge) sehr gut. Damit man aber beim Blick in den Himmel nicht die Äderchen der Retina als lauter dunkle Linien sieht, gleicht das Auge, bzw das Hirn, dies aus. Das Hirn ist ja sowieso geschickt darin nur das zu sehen, was es will. Was der Äderchen-Aufhell-Sehfilter nicht bedenkt: Die weißen Blutkörperchen absorbieren blaues Licht nicht sehr gut, das Licht kommt also an diesen Stellen durch und und erscheint dort als besonders helle, herumzappelnde Punkte. Klappt sehr gut, wie kleine Kaulquappen sieht das aus. Aber auch etwas befremdlich, die Zellen aus denen man besteht so eigenständig herumwuseln zu sehen, man denkt ja meist von sich als singuläre Entität.

Praktikabilität: Bei schönem Wetter kann man so seinen Gesundheitszustand checken, ob die Gesundheitspolizei im Blut erhöhte Alarmbereitschaft zeigt oder gar nicht vorhanden ist und streikt.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 00:44                                  +/-

Heute: Spieltheorie

Zuerst die Erklärung des "Nash-Gleichgewichts" (Nash-Equilibrium, erdacht von dem Typen aus dem Film "Ein wunderschöner Verstand"-):
Vereinfacht gesagt, wenn in einem nicht-kooperativen Spiel sich die Spieler durch einen Strategiewechsel nicht mehr besser stellen können, dann befindet sich das System im optimalen Nash-Gleichgewicht und es wird postuliert, dass alle Systeme zu diesem Gleichgewicht streben.

Ein Beispiel ist tic-tac-toe. Ein rationaler Mensch wird seine Züge so wählen, dass er nicht verliert, wodurch immer Unentschieden rauskommt. Oder Firmen unterbieten sich gegenseitig mit Tiefstpreisen, obwohl (ohne Absprache natürlich!) sie auch hohe Preise und damit viel mehr Profit verlangen könnten (solange alle Firmen mitziehen). Ein weiteres bekanntes Beispiel ist das Gefangenendilemma:


> im Sinne von "ist besser als"

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt zehn Jahre. Beiden Gefangenen wird nun ein Handel angeboten, worüber auch beide informiert sind. Wenn einer gesteht und somit seinen Partner mitbelastet, kommt er ohne Strafe davon – der andere muss die vollen zehn Jahre absitzen. Entscheiden sich beide zu schweigen, bleiben nur Indizienbeweise, die aber ausreichen, um beide für ein Jahr einzusperren. Gestehen aber beide die Tat, erwartet jeden eine Gefängnisstrafe von vier Jahren.

Das beste Resultat (optimale Strategie) würden die Gefangenen erreichen, wenn sie beide dichthalten. Die schrittweise Analyse des Problems (wenn ich schweige, kann der andere mich denunzieren…) verleitet aber beide Gefangenen dazu zu gestehen, eine rationale Entscheidung, was zu einem schlechteren Ergebnis führt (aber einem Nash-Gleichgewicht).

As Ian Stewart put it, "sometimes rational decisions aren't sensible!"

Das nur als Vorwissen für das schöne Paper:
THE SOCIAL NORM OF LEAVING THE TOILET SEAT DOWN: A GAME THEORETIC ANALYSIS

Zitat:
We find that the social norm of leaving the toilet seat down is inefficient. However, to our dismay, we also find that the social norm of always leaving the toilet seat down after use is not only a Nash equilibrium in pure strategies but is also trembling-hand perfect. So, we can complain all we like, but this norm is not likely to go away.


1.Fall M:
Ein Mann und eine Frau leben zusammen. Der Mann klappt, die Frau macht nix.

Der Mann geht auf Toilette und muss die Klobrille hoch und wieder runterklappen - 2 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss nichts ändern
Der Mann geht auf Toilette und muss die Klobrille hoch und wieder runterklappen - 2 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss nichts ändern
…etc etc

2.Fall M&F kooperieren:
Der Mann geht auf Toilette und klappt die Klobrille hoch - 1 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss die Klobrille runter klappen - 1 x
Der Mann geht auf Toilette und muss die Klobrille hochklappen - 1 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss die Klobrille runter klappen - 1 x
…etc etc

Scheinbar sind beide Fälle gleich effizient, die Klobrille wird im Mittel pro Toilettengang einmal bewegt. Im dritten Fall und vierten Fall, mit nur leicht geänderter Reihenfolge sieht das allerdings schon anders aus:

3.Fall M&F kooperieren:
Der Mann geht auf Toilette und klappt die Klobrille hoch - 1 x
Der Mann geht auf Toilette und muss nichts ändern
Die Frau geht auf die Toilette und muss die Klobrille runter klappen - 1 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss nichts ändern
…etc etc

4.Fall M:
Der Mann geht auf Toilette und klappt die Klobrille hoch und runter - 2 x
Der Mann geht auf Toilette und klappt die Klobrille hoch und runter - 2 x
Die Frau geht auf die Toilette und muss nichts ändern
Die Frau geht auf die Toilette und muss nichts ändern
…etc etc

2x ist besser als 4x

Die soziale Norm, dass der Mann fürs Pinkeln die Klobrille hoch- und runterklappen muss, ist also nicht die effizienteste Problemösung. Wieso hat sie sich trotzdem durchgesetzt? Weil ein wichtiger Punkt außer acht gelassen wird: "If a female finds the toilet seat in a wrong position then she will most probably yell at the male involved. This yelling inflicts a cost on the male."



Das (effizienteste) Gleichgewicht (J,J) ist nicht Nörgel-perfekt, weil es kein Nörgeln vermeidet, während das Gleichgewicht (M,M) Nörgel-perfekt ist.

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Zarathustra



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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 09:49                                  +/-

Wann werdet ihr Kerle nur endlich begreifen, daß im Stehen pinkeln immer daneben geht? Da fliegen sie durch die weite Welt der Badezimmerkacheln, die kleinen Urintröpfchen. Und wer muss dann wieder saubermachen? Die kreischende Frau natürlich.

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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 10:25                                  +/-

Im Stehen pinkeln geht echt gar nicht, außer bei einem Pissoir... früher hab ich da auch mal anders drüber gedacht, aber das war völliger Blödsinn.

edit: ich glaube aber nicht, dass Tyler damit diese Diskussion anfachen wollte.


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 13:33                                  +/-

Oxford
Im Stehen pinkeln geht echt gar nicht, außer bei einem Pissoir... früher hab ich da auch mal anders drüber gedacht, aber das war völliger Blödsinn.


Spitze Endlich können wir männlichen Sitzpinkler uns outen ohne diskriminiert zu werden. grins

Als Mann macht man sowas glaube ich im Durchschnitt so lange (gedankenlos), bis man sein eigenes Badezimmer putzen muss. *g*


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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 13:41                                  +/-

rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor... rolling on the floor...


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I dont know, what you are talking about.
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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 13:58                                  +/-

Nimmermeer
Da fliegen sie durch die weite Welt der Badezimmerkacheln, die kleinen Urintröpfchen.

"Kachelpflege mit Eigenurin", nennt es der praktisch veranlagte Mann. Und die Eigenurinpäpstin, deren Name mir gerade entfallen ist, gratuliert dazu. Denk mal darüber nach!


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I'm not tired of everyone and that includes myself
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Olmops



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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 15:33                                  +/-

Besonders relevant für die Effizienz der Eigenurinpflege sind die Parameter Streuwinkel und Fallhöhe...

Und ab einer gewissen Fallhöhe sollte man es generell lassen. grins


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Urge to grill rising.
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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 16:03                                  +/-

Ich pisse immer im Stehen. Ich liebe es auch, ins Waschbecken zu pissen, das ist noch bequemer. Spitze
In letzter Zeit pisse ich gern in meinen Meßbehälter.

Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr bei mir zu Besuch wärt und ich euch ein Glas derartigen selbstbroduzierten Apfelsaft anbieten würde?

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 16:09                                  +/-

AdrianB
...wenn ihr bei mir zu Besuch wärt...

rolling on the floor... Hör auf so wirklichkeitsfremde Fragen zu stellen.


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#18



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BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 17:01                                  +/-

Na, solange nicht Kaviar dazu serviert wird Geschockt .


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Wann kommt er?
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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 08:57                                  +/-

Geniale Serie bei Spon, die jungen Leuten Vorurteile über bestimmte Studiengänge nehmen soll.
Hier z.B. über das Psychologiestudium in Österreich:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,488904,00.html
Man erfährt nicht nur, dass man da nichts über Freud lernt und auch nichts über sich selbst erfährt, sondern kann auch einen Piefke-Test machen. Bin mal gespannt, ob Oxford den schon bestehen könnte.
Und hier erfährt man die ganze Wahrheit über das Philosophiestudium:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,467443,00.html
Erklärt wird das von einem Typen, der aussieht wie ein untrainierter Adrian.


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(Tyler D.)
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Adrian
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BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 09:48                                  +/-

Zitat:
Erklärt wird das von einem Typen, der aussieht wie ein untrainierter Adrian.


Nicht wirklich. rolling on the floor...

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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 19.06.2007, 12:02                                  +/-

Übrigens ist dieses Gewäsch, das Studium der Philosophie sei ein Studium der Philosophen oder das der Geschichte das der Historiker oder das der Psychologie das der Psychologen SO natürlich völliger Bullshit. Man hat eine bestimmte Fragestellung und versucht diese nach bestem Wissen und Gewissen logisch stringent, empirisch tragfähig und theoretisch plausibel zu beantworten, ganz einfach. Nur muss man dabei selbstverständlich berücksichtigen und beurteilen, was andere Leute zu dieser Frage schon so alles gedacht und gearbeitet haben; das darf aber nicht zum Selbstzweck werden und die sachliche Fragestellung in den Hintergrund drängen. Die Erarbeitung des Forschungsstandes hat ja letztlich nur den Zweck, zu ermöglichen, es selber besser zu machen.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 02:40                                  

Hier ein kurzer Artikel auf deutsch über die Pirahã, das ist ein kleiner 300 Leute großer Amazonasstamm, der nicht einmal bis vier zählen kann:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/296131/

Und hier ein sehr, sehr, sehr, sehr, sehr langer Artikel im NewYorker auf englisch über diesen Stamm:

http://www.newyorker.com/reporting/2007/04/16/0...o?currentPage=all


Lustiges Bild: Wissenschaftler mit seinem Untersuchungsgegenstand

Bemerkenswert finde ich wie die Rivalität und Gehässigkeiten in der Wissenschaftswelt dargestellt wird. Dan Everett, ein amerikanischer Linguistik Professor, ist ein vom Glauben abgefallener Chomskyianer und seine Forschung bei den Pirahã scheint Noam Chomskys These einer angeborenen universalen Grammatik in der menschlichen Sprache zu widerlegen. Neben dem Streit ums Fachliche hat die Fehde auch eine schön persönliche Note:

Zitat:
Everett mentioned two professors who, he said, were “among the three most arrogant people I’ve met.”
“Who’s the third?” Fitch asked.
“Noam,” Everett said.
“No!” Fitch cried. “Given his status in science, Chomsky is the least arrogant man, the humblest great man, I’ve ever met.”


Die Theorie von der arroganten Koryphäe Noam Chomsky sagt also wie gesagt, dass dem Menschen eine universale Grammatik angeboren ist. Man kann da wohl mit Diagrammen alle bekannten Sprachen aufschlüsseln und auf gemeinsame Strukturen runterbrechen. Ein Beispiel für so eine gemeinsame Struktur ist Rekursion. Beispiel: "Indiana Jones stand vor dem Tiger und griff zu seiner Peitsche, die er erst neulich in Timbuktu gekauft hatte, hatte sie aber zuhause vergessen." Es ist offensichtlich, dass da in jedem Nebensatz die Peitsche gemeint ist. Die Pirahã können das aber nur mit getrennten Sätzen ausdrücken. Sie sind auch sonst ziemlich bemerkenswert: Nicht nur können sie nicht zählen, sie haben auch keine Begriffe für Farben (sie benutzen immer nur konkrete Vergleiche: Etwas sieht aus wie (rotes) Blut. Etwas sieht aus wie eine (hellrote) Frucht etc), haben keine Begriffe für links/rechts und ihre Sprache ist verdammt kompliziert. Teilweise lebten Sprachforscher Jahrzehnte mit ihnen und blicken ihre Sprache immer noch nicht. Trotz der vielen Forscher und Missionare die sie im Lauf der Zeit besuchten oder Händler mit den sie tauschen sind sie auch immer noch monolingual; sie können kein portugiesisch.

Everett argumentiert, dass das an ihrer einzigartigen Kultur liegt und man beim linguistischen die psychologische Komponente vernachlässigt. (Wie Wittgenstein mit seiner Sprache und Grenze der Welt und so.) Die Pirahã sind absolut in der Gegenwart verwurzelt, anders als andere Amazonasstämme haben sie keine Vorratshaltung, sondern leben in den Tag hinein. Sie haben kein kulturelles Gedächtnis, das weiter als eine Generation zurückreicht, tatsächlich haben sie keinerlei Mythen! Eine Frage was denn vor dem Urwald war oder dem Ursprung der Welt, würden sie nicht verstehen, den Wald gabs schon immer. Sie haben auch keine bleibende Kunst. Im Artikel wird das Beispiel eines Jungen gebracht, der ein Spielzeugflugzeug bastelt aus Holz (die Fähigkeit ist also vorhanden), aber am nächsten Tag ist es schon vergessen. Abstraktion scheint ihnen ein ganz und gar fremdes Konzept. Was dann bei den Versuchen von Forschern regelmäßig frustrierend wird, weil nicht einmal Tests klappen, die Affen oder gar Harvard Studenten bestehen.

Überrascht war ich dann, als ich am Schluss, erwähnte ich schon, dass es ein sehr langer Artikel ist?, als ich dann das hier las:

Zitat:
That evening, Everett invited the Pirahã to come to his home to watch a movie: Peter Jackson’s remake of “King Kong.” (Everett had discovered that the tribe loves movies that feature animals.) After nightfall, to the grinding sound of the generator, a crowd of thirty or so Pirahã assembled on benches and on the wooden floor of Everett’s “Indian room,” a screened-off section of his house where he confines the Pirahã, owing to their tendency to spit on the floor. Everett had made popcorn, which he distributed in a large bowl. Then he started the movie, clicking ahead to the scene in which Naomi Watts, reprising Fay Wray’s role, is offered as a sacrifice by the tribal people of an unspecified South Seas island. The Pirahã shouted with delight, fear, laughter, and surprise—and when Kong himself arrived, smashing through the palm trees, pandemonium ensued. Small children, who had been sitting close to the screen, jumped up and scurried into their mothers’ laps; the adults laughed and yelled at the screen.

If Fitch’s experiments were inconclusive on the subject of whether Chomsky’s universal grammar applied to the Pirahã, Jackson’s movie left no question about the universality of Hollywood film grammar. As Kong battled raptors and Watts dodged giant insects, the Pirahã offered a running commentary, which Everett translated: “Now he’s going to fall!” “He’s tired!” “She’s running!” “Look. A centipede!” Nor were the Pirahã in any doubt about what was being communicated in the long, lingering looks that passed between gorilla and girl. “She is his spouse,” one Pirahã said. Yet in their reaction to the movie Everett also saw proof of his theory about the tribe. “They’re not generalizing about the character of giant apes,” he pointed out. “They’re reacting to the immediate action on the screen with direct assertions about what they see.”


Die Vorstellung von fast steinzeitlich lebenden Ureingeborenen die King Kong schauen finde ich höchst launig. Und interessant, dass sie nach so einer Erfahrung keinen Riesenaffenmythos entwickeln.



Zuletzt bearbeitet von Tyler Durden am 31.07.2007, 10:56, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Alex



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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 03:18                                  +/-

Klingt ganz nach Untersuchungsobjekten, bei denen man zuallererst mal die Gehirnstrukturen untersuchen sollte. Bei so vielen ausgefallenen Eigenschaften wäre es nicht abwegig, eine gemeinsame (ererbte?) zerebrale Sonderentwicklung zu vermuten.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 09:36                                  +/-

So etwas ähnliches dachte ich auch. Ein Volk von 300 Leuten, das riecht nach tausend Jahren Inzucht hähö


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 10:52                                  +/-

Im Artikel ist auch der Frust bei den Versuchen beschrieben. Ein Forscher hat ein Computerprogramm geschrieben, das am Laptop ein Muster aus Frauen/Männerstimme ausgibt. Bei der einen Kombination (erst spricht ein Mann, dann eine Frau) bewegt sich ein Affenkopf über den Bildschirm, bei jeder anderen Kombination (z.B. Mann/Mann oder Mann/Frau/Frau) bewegt er sich in die andere Richtung. Das soll das lernen einer einfachen Grammatik veranschaulichen und selbst Tiere können das. Fragt man einen Pirahã aber in welche Richtung sich der Affenkopf bewegen wird, steht man dann schon vor schier unüberwindlichen kulturellen Verständnisproblemen:

Zitat:
It quickly became obvious that the Pirahã man was simply watching the floating monkey head and wasn’t responding to the audio cues.
“Maybe ask him to point to where he thinks the monkey is going to go.” Fitch said.
“They don’t point,” Everett said. Nor, he added, do they have words for right and left. Instead, they give directions in absolute terms, telling others to head “upriver” or “downriver,” or “to the forest” or “away from the forest.” Everett told the man to say whether the monkey was going upriver or downriver. The man said something in reply.
“What did he say?” Fitch asked.
“He said, ‘Monkeys go to the jungle.’ ”
Fitch grimaced in frustration. “Well, he’s not guessing with his eyes,” he said. “Is there another way he can indicate?”
Everett again told the man to say whether the monkey was going upriver or down. The man made a noise of assent. Fitch resumed the experiment, but the man simply waited until the monkey moved. He followed it with his eyes, laughed admiringly when it came to a stop, then announced whether it had gone upriver or down.


Verblödung durch Inzest wird von den Forschern aber ausgeschlossen und sie sind auch geschickte Jäger/Sammler. Sie erlauben auch ihren Frauen mit Fremden anderer Indiostämme zu schlafen (aber nicht zu heiraten). Es scheint tatsächlich ein Kulturding zu sein.

Obwohl es für mich selbst schwer vorstellbar ist, keinen Begriff von Zahlen zu haben. Selbst Raben können bis sieben zählen und einfache Mathematik wie 2 + 3, sollte jeder hinkriegen, notfalls wenn man mit den Fingern rechnen muss. Das schien mir offensichtlich zu sein.

Das Problem ist auch, dass sie nicht einfach ein neuentdeckter Stamm sind und man jetzt die Unterschiede erforscht, sondern sie seit Jahrzehnten Kontakt zur Moderne haben. Forscher/Missionare haben versucht ihnen Sachen beizubringen.

Zitat:
Other tribes, in Australia, the South Sea Islands, Africa, and the Amazon, have a “one-two-many” numerical system, but with an important difference: they are able to learn to count in another language. The Pirahã have never been able to do this, despite concerted efforts by the Everetts to teach them to count to ten in Portuguese.


Fast noch erstaunlicher finde ich, dass sie keine Mythen und kein historisch-kollektives Gedächtnis haben. Vielleicht braucht man aber auch eine Mindestanzahl von Menschen, damit sich eine tiefere Art Kultur bildet. Einen Geschichtenerzähler, der unermüdlich am Lagerfeuer schwafelt und fabuliert, selbst wenn man seine Lügenmärchen nicht mehr hören will. Einen besessenen Perversen, der Steine kunstvoll in die Form nackter Frauenkörper klopft. Ein Mädchen das krank wird und sich die Zeit auf dem Krankenbett mit dem Basteln einer Flöte vertreibt und dann eine Stepptanz-Gruppe bildet. Solche Sachen.

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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 11:01                                  +/-

Ich könnte mir Vorstellen, dass sie kein Bedürfniss nach diesen kulturellen Dingen haben. Schließlich haben sie auch schon lange Kontakt mit der westl. Zivilisation und sie leben immer noch wie vor dem Kontakt. Sie sind so stark in ihrer Welt verwurzelt, dass sie der Rest nicht sonderlich interessiert.
Ich entwickle nur Dinge oder Male oder mache Musik, wenn ich das auch will. Wenn ich alles habe was ich brauche und mir nichts fehlt, warum sollte ich etwas anders machen.

Eine Gesellschaft, die das schneller, höher, weiter des Westens nicht auslebt.

Sie sind einfach anders und lassen sich nicht so leicht umkrempeln. Finde ich klasse.
Das zeigt anschaulich, dass fundamental andere Kulturen wunderbar funktionieren können.


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 11:21                                  +/-

Klingt alles, als wäre der Forscher einfach ein Scharlatan. Das scheint mir die einfachste Erklärung. Wie Tyler schon sagte, auch Raben können bis sieben zählen. Das wird man diesen Leuten also auch beibringen können, wenn man will.

Tyler Durden
Einen Geschichtenerzähler, der unermüdlich am Lagerfeuer schwafelt und fabuliert, selbst wenn man seine Lügenmärchen nicht mehr hören will. Einen besessenen Perversen, der Steine kunstvoll in die Form nackter Frauenkörper klopft. Ein Mädchen das krank wird und sich die Zeit auf dem Krankenbett mit dem Basteln einer Flöte vertreibt und dann eine Stepptanz-Gruppe bildet. Solche Sachen.


Hört sich an, als bräuchten diese Wilden ein Internetforum.


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(Tyler D.)
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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 11:34                                  +/-

Psycho Dad
Klingt alles, als wäre der Forscher einfach ein Scharlatan. Das scheint mir die einfachste Erklärung. Wie Tyler schon sagte, auch Raben können bis sieben zählen. Das wird man diesen Leuten also auch beibringen können, wenn man will.

Warum sollte man den Leuten beibringen zu zählen?
Sie sind bis jetzt tausende Jahre ohne ausgekommen. Was soll der Scheiß?
Vielleicht sollte man akzeptieren, dass diese Leute nicht zählen wollen. Sie brauchen es nicht und gut.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 31.07.2007, 11:36                                  +/-

Das ist doch ein völlig anderer Ansatz. Natürlich muss man es ihnen nicht beibringen, aber man könnte es vermutlich trotzdem. Wenn sie Menschen sind, dann haben sie dazu ganz einfach die Fähigkeit.


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