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Herr Albers (Kurzgeschichten)
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Ramujan



Beiträge: 6288
Wörter pro Beitrag: 44

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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 16:31                                  

Herr Albers und der Versicherungsvertreter



„Ich bin ein Drache“, sagte der Drache.

„Oha“, sagte Herr Albers, der eigentlich nur nach einem Feuerzeug gesucht hatte.

Der Drache hatte die Farbe einer vier Tage alten Banane, Krallen wie Obsidian, eine unter das linke Vorderbein geklemmte Krücke, die verdächtig nach dem seit Tagen vermissten Rohrreinigungspömpel aussah, und ganz gewiss hatte er nichts im Küchenschrank zu suchen.

Genauso wenig wie der Gnom etwas in der Mikrowelle verloren und der Kinderschreck seine Dusche zu blockieren hatte. Der empfindliche Lampenschirm mit den chinesischen Motiven war sicher kein geeigneter Ort für einen Klabautermann und Poseidon, Gott der Meere und Herr über Gezeiten, hätte sich bestimmt einen romantischeren Ort aussuchen können, um die Meerjungfrau zu verführen als ausgerechnet die Spülmaschine. Poseidon hatte Herrn Albers aus dem algenverhangenen Besteckkorb angeschaut, als dieser sein dreckiges Geschirr einräumen wollte, und die Meerjungfrau hatte wie wild angefangen zu kreischen.

Der Drache im Küchenschrank legte nur den Kopf schief und stank nach Schwefel.

Das war zu viel! Herr Albers schlug den Küchenschrank zu, verscheuchte die Dreizehnte Fee mit einer Fliegenklatsche und wählte die Nummer von Herrn Lübeck, mit dem die Geschichte angefangen hatte. Angefangen, jawohl. Ja. Wohl. Herr Lübeck war Versicherungsvertreter. Und wie jeder anständige Versicherungsvertreter, der etwas auf sich und seinen Stand hielt, hatte Herr Lübeck einen Bauch, perfekt geeignet, um auf dessen Wölbung die Arme verschränken zu können, zwei außerordentliche Geheimratsecken und eine Brille aus Horn. Herr Albers hatte an jenem verfluchten Tag die Tür geöffnet und wollte sie schon wieder schließen, weil er an einen leider nicht zu vermeidenden Klingelstreich der Nachbarskinder glaubte, als er nach unten schaute.

Dort schaute Herr Lübeck nach oben.

„Ja, bitte?“ fragte Herr Albers.

„Gestatten, Herr Lübeck“, sagte Herr Lübeck. Wenn sein Grinsen aus Rasierklingen bestanden hätte, die Ohren wären entzwei gewesen:

„Hagelkorn und Feuersbrunst,
versichern, das ist eine Kunst,
Hausflurrisse, Hundebisse,
kaputte Ställe, Unglücksfälle,
die Beulenpest und Mumps und Gicht,
doch das ist unsere Sache nicht.
Erst Irrwegslicht und Grabeswicht,
Gespensterflattern, Todesnattern,
Gnom, samt Troll und Hexenbesen –
wir versichern gegen Fabelwesen.

Haha. Zwinker, zwinker. Ich sehe schon, wir verstehen uns.“

Herr Albers verstand nicht die Hälfte, was Herr Lübeck damit kompensierte, doppelt so schnell zu sprechen: „Nicht zwei, nicht drei, nicht fünf Gnomsichtungen in den letzten drei Wochen – und die Erdbeerfelder habe ich jetzt gar nicht mitgerechnet -, nein: Sieben Sichtungen! Sieben! Und ein zerbrochenes Essservice in der Schillerstraße. Die Zwergtrollkinder haben die Lockenwickler der ollen Leipzig in die Morgenmarmelade von Herrn Ulm getunkt, und keiner will’s gesehen haben. Achtzehn kaputte Dächer, ein Auto ohne Zündkerzen, die olle Leipzig ruht in Ohnmacht und alle Rasensprenger der Umgebung geklaut. Doch wenn Gespenster lachen und die Wichte kichern, kommen wir, um zu versichern. Haha. Wenn Sie hier bitte unterschreiben wollen?“ Herr Lübeck hatte seinen Aktenkoffer geöffnet und eine stattliche Anzahl an Dokumenten hervorgeholt. Er hielt Herrn Albers eine Teilmenge der Papiere entgegen. „Und da auch. Und da. Und da. Und da. Hier bitte doppelt, da rückwärts und das da können Sie getrost ignorieren.“ Herr Albers wollte keine Versicherung kaufen. Keine gegen Hagelkörner und eine gegen Fabelwesen eigentlich auch nicht.

„Ich möchte eigentlich keine Versicherung kaufen“, sagte er.

Das Lächeln im Gesicht des Versicherungsvertreters fiel in sich zusammen, entsann sich knapp unterhalb des Kinns eines Besseren, legte den Rückwärtsgang ein und erstrahlte erneut wie eine Messerspitze im Sonnenlicht.

„Keine Versicherung. Soso. Sie haben den Schaden bedacht, den Sie mit dieser Entscheidung anrichten können? Keine Versicherung? Sie wissen, dass Klabauterkerle binnen vier Komma drei Stunden eine komplette Wohnung auseinander nehmen können? Dass Gnome imstande sind, in der gleichen Zeit die Einrichtung zu fressen? Ihren Rasen zu pflügen? Den Guppy zu töten? Nach dem unvorhergesehenen Auftauchen eines Hausgeistes steigt die Mortalitätsrate von Rosengewächsen um elf Prozent. Um achtzehn Prozent, wenn die Rosen weiß sind. Um vierunddreißig bei Gnombefall. Sie sinkt um fünf Prozent, falls der Geist eine Elfe ist, allerdings haben Sie dann in den meisten Fällen kein Haus mehr. In den letzten Jahren zählte der Verein Zur Bekämpfung Unerwünschter Fabelwesen allein …“

Herr Albers versuchte, sich so unnachgiebig und hartnäckig zu zeigen, wie es derartige Eingriffe in die Privatsphäre erforderten: Er stand etwas verdattert mit offenem Mund da und schüttelte in kalkulierten Intervallen den Kopf. Schließlich unterbrach er den Redefluss Herrn Lübecks: „Keine Versicherung“, versicherte er so betont wie möglich und schlug die Tür zu. Herr Lübeck, ein Experte auf diesem Gebiet, stoppte sie mit dem Fuß. „Allein achtzehn Fälle unerklärlicher Tintenflecke auf Kleinkindern im Großraum Dingstätten“, rief er so laut wie ohne Erfolg – Herr Albers stemmte sich gegen die Tür und drückte sie ins Schloss. Draußen raschelte es kurz. Eine Visitenkarte wurde durch den Briefschlitz geschoben und fiel auf die Fußmatte. Herr Albers nahm a) die Karte auf und b) sich vor, sie unbedingt wegzuschmeißen; allerdings steckte er das Papier mit den goldenen Buchstaben erst einmal in die Hosentasche.

Zwei Tage später zerbrach das erste Porzellan, ein Teller, den er von seinen Großeltern mütterlicherseits geerbt hatte und der so gewaltig war, dass man ihn als Tischplatte verwenden konnte. Herr Albers machte sich keine Gedanken über den Vorfall, und er machte
sich immer noch keine Gedanken, als dem Teller eine dickbauchige Teekanne, sämtliche Tassen mit Zeichentrick-Motiven und der traurige Clown mit dem breitkrempigen Hut folgten, dessen Spardosen-Funktionalität er schon lange nicht mehr in Anspruch nahm. Er hätte stutzig werden müssen, als in der Dusche plötzlich ein Schwall eisigen Wassers auf ihn herabregnete, obwohl er nicht in die Nähe des Temperaturreglers gekommen war. Wer zog ihm des Nachts die Bettdecke weg, was raschelte hinter den Tapeten und Mauern, warum waren die Kleidungsstücke, die er stets am Vorabend auf dem Stuhl zurechtzulegen pflegte, am Morgen auf links gedreht?

Herr Albers wusste es nicht. Er zog die Bettdecke zurück an seinen Körper, ignorierte das Rascheln und drehte – wenn er nicht allzu schlaftrunken war – Hemd und Hose wieder auf rechts. So hielt er es, bis eines Tages ein verschrumpeltes Wesen in der Dusche stand, die Seife fraß und Blasen aus Nüstern und Hintern pustete. Es kicherte und warf die Shampoo-Flasche nach Herrn Albers. Dieser konnte sich gerade noch ducken. Hinter ihm kroch die geplatzte Flasche langsam die Kacheln herab und das Wesen hüpfte erst in die Höhe und dann in die andere Ecke des Badezimmers, wo es im Klo verschwand.

Doch Herr Albers ließ sich nicht einschüchtern, weder von diesem Ereignis, noch von den folgenden. Manchmal griff er zur Visitenkarte, die Herr Lübeck durch den Briefschlitz geworfen hatte, drehte sie in der Hand, betrachtete sie lange und nachdenklich - nur letztendlich legte er sie immer wieder beiseite. Unterdessen legten die Gnome Bücher in die Waschmaschine und Heftzwecken auf den Bettvorleger. Aber mit den Problemen würde jemand, der aus dem Holze eines Herrn Albers geschnitzt war, alleine fertig, er benötigte keine Versicherung. Die Dreizehnte Fee würde mitsamt ihren Zaubersprüchen verschwinden, als deren Folge es über der Spüle fortwährend aus einer Gewitterwolke regnete und blitzte und seine Eltern im sepiafarbenen Portrait über dem Bett lautstark stritten und zofften.

Das Geschirr könnte man ersetzen, das Fahrrad und das Dach flicken, die Leitungen richten, den Fernseher umdrehen – er könnte sich gewiss daran gewöhnen, den Einschaltknopf über der Mattscheibe zu suchen -, der Teppich ließe sich reinigen, der Inhalt des Kühlschranks austauschen – und tapezieren wollte er ohnehin seit zwei Jahren.

Nur der Drache, der Drache im Küchenschrank war zuviel. Irgendwo musste die Grenze gezogen werden. Herr Albers zog die Visitenkarte hervor und wählte die Nummer des Versicherungsvertreters.

„Herr Lübeck“, meldete sich Herr Lübeck. „Herr Lübeck am Apparat – Rat brauchen Sie? In der Tat. Stets zu Ihren Diensten, auch den höheren. Wo brennt es, wer verbrennt es? Juckt es, ziept es …?“

„Herr Lübeck, wir müssen uns unterhalten“, sagte Herr Albers.

Es knackte in der Leitung. Es knackte im Küchenschrank. Die Dreizehnte Fee kroch unter der Fliegenklatsche hervor und bemühte sich, das Telefon zu verwandeln, was aber nur insofern gelang, als dass es die Farbe in schweinchenrosa änderte. Die Schleifgeräusche, die im oberen Stock einsetzten, rührten vermutlich vom Bett, die Stimme ganz sicher von seiner verstorbenen, portraitierten Mutter. „Jaja, schiebt ihr nur“, krächzte sie, gefolgt von der besänftigenden Stimme des Vaters: „Nun lass sie doch!“

Ein erneutes Knacken im Küchenschrank, dann brach er zusammen. Der Drache plumpste auf die Anrichte und schüttelte die Sägespäne ab. Er wurde der Gewitterwolke gewahr, hinkte hüpfend auf den Pömpel gestützt zur Spüle und fauchte sie an. Es blitzte, dann stoben aus seinen Ohren und Nasenlöchern Funken wie von einer Wunderkerze.

Herr Albers hielt die Fliegenklatsche weit von sich und wünschte, man könne mit ihr schießen. Er drehte sich im Kreis, während er verschiedene Strategien zur Problembewältigung verwarf. Die Dreizehnte Fee flog zur Gewitterwolke und bemühte sich, den Drachen zu verscheuchen. Sie richtete ihren Zauberstab auf die Nase des Untiers, aus dem es noch immer Funken regnete. Der Drache schaute lediglich erstaunt drein, breitete Flügel aus, die kaum größer waren als diejenigen einer Fliege, und fiel beim Versuch nach oben zu schweben hinterrücks und Pömpel voraus von der Anrichte. Vom Lärm angelockt kam eine Horde Zwergtrollkinder aus dem Keller und strömte unter euphorischem Grunzen auf den Drachen zu. Aus der Spülmaschine kam der sehnliche Wunsch nach Ruhe – ausgesprochen von der sonoren Stimme Poseidons, des Gottes der Meere und Herrn über Gezeiten.

Ding-Dong – jemand klingelte. Herr Albers bewegte sich rückwärts zur Tür und öffnete sie einen Spalt weit.

„Guten Tag, guten Tag“, strahlte der Versicherungsvertreter.

„Herr Lübeck!“ Herr Albers seufzte erleichtert. „ Wie schön, dass Sie da sind.“

„Und schöner, dass Sie zur Räson gekommen sind“, sagte Herr Lübeck freundlich wie eh und je, öffnete die Tür und trat ein, den Versicherungskoffer wie einen Schutzschild vor sich her tragend.

Er sah sich mit Kennerblick um, schnüffelte mal in jener Ecke und mal in dieser Nische; schließlich befeuchtete er den linken Zeigefinger mit Spucke und hob ihn prüfend, so als wolle er die Windrichtung feststellen. „Gnombefall. Feeninvasion und schlimmer noch: Klabauterberangriff, Trollplage, unerwünschter Besuch verschiedener Wesen, entschieden erschienen, um zu zerstören und Schabernack zu treiben.“

Nun ging er in die Küche. „Und was haben wir denn da?“ Herr Albers folgte ihm. Die Zwergtrollkinder saßen mit versenktem Fell in der Spüle, aus der es dampfte wie aus einer Lokomotive; der Regen hatte aufgehört, dafür kam aus der Wolke ein schwacher Blitz, der eines der Kinder zusammenzucken ließ. Die Fee lag ohnmächtig auf dem Mikrowellengerät. Auf dem Boden hockte noch immer …

„Ein Drache“, rief Herr Lübeck und setzte sich Hände reibend an den Tisch. Er holte Stapel auf Stapel an Formularen aus seinem Koffer – weitaus mehr als dort eigentlich hätten hineinpassen dürfen -, und legte sie vor sich hin. „Wollen mal sehen. Hohe Risikostufe, höhere Risikostufe, höchste Risikostufe, Sonderfall“, murmelte er und blätterte durch die Papiere. „Sonderfall!“ Jetzt sprach er deutlicher: „Selbstverständlich können wir den bereits entstandenen Schaden nicht ersetzen. Und genauso selbstverständlich können wir Ihnen keine Police gegen Gnombefall oder ähnliche Vorkommnisse verkaufen. Aber falls Sie eine Versicherung gegen Kalkriesen oder Seelenfresserchen abschließen möchten, können wir uns sicher einigen, zwinker, zwinker. Sie hatten doch noch keine Kalkriesen? Andernfalls müsste ich Sie noch höher stufen.“

„Eigentlich möchte ich nur, dass es weggeht“, sagte Herr Albers.

„Oh, Sie müssen verstehen, ich bin nicht Ihr Kompetenzpartner für Fabelwesenbeseitigung. Ich bin Ihr Versicherungsfreund: Wenn Sie bei mir eine Versicherung abschließen, können wir gemeinsam hoffen, dass nichts Schlimmes geschieht.“

„Und es gibt tatsächlich keinerlei Möglichkeit …“, setzte Herr Albers an.

„Ich kann mich bemühen, Ihnen ein Angebot vorzulegen, dass optimal für uns beide und insbesondere für Sie auf die gegebenen Umstände abgestimmt ist“, sagte Herr Lübeck.

„Ich bin ein Drache“, sagte der Drache, der unterdessen Richtung Tisch gestolpert war und Herr Lübeck aus großen Augen ansah. „Drache, Drache, Drache.“ Er stieß sich vom Boden ab und kämpfte gegen die Schwerkraft, die Flügel flatterten und schwirrten, aus den Nüstern paffte schweflig-gelber Qualm. „Drache, Drache, Drache.“ Er hatte die Tischplatte erreicht, ließ sich auf ihr nieder und begann freudig und zufrieden eine Hälfte des Papiergebirges in Unordnung zu bringen und die andere in Brand zu setzen.

Herr Lübeck sprang mit einem Grunzen und einem halben Dutzend anderer, weniger dominanter Laute auf – „Geh weg! Weg! Ungeziefer, vermaledeites!“ – und bemühte sich, die kleinen Brände mit dem Aktenkoffer zu ersticken.

Herr Albers schaute dem Schauspiel im ersten Moment verdutzt zu; wenige Sekunden später jedoch eilte er, um die Küche fürchtend, zur Hilfe, indem er mit der Fliegenklatsche auf die Flammen einschlug.

„Weg! Hau ab!“ rief Herr Lübeck und drückte den Drachen Richtung Tischkante. Das Untier fauchte so laut, dass die Dreizehnte Fee aus ihrer Ohnmacht erwachte – dann biss es zu. Im Reflex zog der Versicherungsvertreter die Hand zurück und rettete damit seine Finger. Die Papierhaufen auf dem Tisch waren inzwischen heruntergebrannt, das Feuer gelöscht, die Fliegenklatsche zu einem stinkenden Klumpen Plastik geschmolzen.

Doch der Drache gab nicht auf, erhob sich unter Ächzen und flatterte, bis er die emporgestreckte Hand erreichte. Es machte Schnapp. Herr Lübeck zog die Hand auf seine linke Seite. Der Drache flog wütend hinterher. „Aus“, schrie Herr Lübeck, „Aus!“ Schnapp – das Untier hatte den begehrten Finger erneut verfehlt. „Aus! Aus, aus, aus!“ Der Versicherungsvertreter hob die Hand über seinen Kopf, auf Brusthöhe, fuchtelte auf seiner linken und rechten Seite herum, während der Drache – schnapp! – den Bewegungen mit zunehmender Eleganz und fliegerischer Ästhetik hinterher jagte.

Nun war die Hand auf der rechten Seite. Schnapp. Auf der linken. Schnapp. Oben. Schnapp. Links. Rechts. Schnapp, schnapp. Oben, unten, schnapp, oben, schnapp, schnapp, links, unten, schnapp, schnapp, rechts, schnapp, oben, schnapp, schnapp, unten, schnapp …

„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh ….“ Herr Lübecks Kopf hatte inzwischen die Farbe einer Tomate angenommen, die man in Blut getunkt hatte. Er war nach vorne gesprungen, um den Drachen mit seiner anderen Hand zu verscheuchen und das Untier hatte den Umstand, es auf einmal mit einer zweiten Hand zu tun bekommen zu haben, gnadenlos ausgenutzt, sich von dem fuchtelnden Objekt des Interesses abgewandt und in das zweite, näher kommende gebissen.

„„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh …“, machte Herr Lübeck so laut, dass die Dreizehnte Fee ein weiteres Mal in Ohmacht fiel. Er griff in Schmerz und Panik zu einem Stapel der vom Brand unversehrt gebliebenen Dokumente und hielt sie sich an die verletzte Hand. Das Papier färbte sich rasch rot. Der Drache drehte den Kopf und spuckte den Zeigefinger auf den Tisch. „Ich bin ein Drache, Drache, Drache“, fauchte er. „Ahhhh-ha-ahhh …“ schrie Herr Lübeck gleich bleibend laut und wandte sich an Herrn Albers: „Sie … Sie … Sie … Ahh-ha-hahhaha-ahhhh …“ Darauf machte er einen Schritt rückwärts, wirbelte herum, rannte durch die Küche, durch die kleine Diele, zur Tür hinaus und, eine tröpfelnde Blutspur hinter sich herziehend, die Straße entlang.

Der Drache landete auf den Fliesen, griff sich den dort liegen gelassenen Pömpel und eilte, halb hinkend, halb durch die Luft flirrend, hinterher. An der Tür hatten ihn die Zwergtrollkinder eingeholt und stürmten lärmend nach draußen. Es folgten der Kinderschreck, die Poltergeister und Klabautermänner, selbst Poseidon und die Meerjungfrau tippelten und schlängelten Händchen haltend und Pfützen bildend über Fliesen und Teppich und verließen das Haus. Die zum zweiten Mal an diesem Tage rekonvaleszierte Dreizehnte Fee stupste die Gewitterwolke mit dem Zauberstab an und verstaute sie, nachdem sie auf Erbsengröße geschrumpft war, in ihrer Handtasche. Schließlich flog auch sie davon. Sämtliche Fabelwesen zogen aus, verschwanden aus dem Haus! Herr Albers konnte sein Glück kaum fassen. Er ging zur Tür, um dem Trupp hinterher zusehen und – so nahm er es sich mutig im Stillen vor – diejenigen der Kreaturen, die es sich anders überlegen und die Dreistigkeit besitzen sollten, zurückzukommen, zu verscheuchen. Auf den Eingangsstufen humpelte noch immer der Drache. Er drehte sich zu Herrn Albers um. „Ich bin ein Drache“, sagte er und fauchte und pustete und gluckerte ihm ein paar Funken entgegen. Dann machte auch er sich endgültig auf den Weg.

(c) Juli 2005



Zuletzt bearbeitet von Ramujan am 26.09.2005, 23:37, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Ramujan



Beiträge: 6288
Wörter pro Beitrag: 44

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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 16:32                                  +/-

So, bitte schön. Viel Spaß beim Lesen. Ich erstelle vielleicht noch eine vernünftige druckbare PDF-Version mit Tex. Wenn die jemand haben möchte - bitte hier schreien.

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 16:58                                  +/-

Das ist SO cool! Spitze

Allein einer der ersten Sätze 'Der Drache hatte die Farbe einer vier Tage alten Banane, Krallen wie Obsidian, eine unter das linke Vorderbein geklemmte Krücke, die verdächtig nach dem seit Tagen vermissten Rohrreinigungspömpel aussah, und ganz gewiss hatte er nichts im Küchenschrank zu suchen'! Irre.

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 17:36                                  +/-

Ramujan
„Eigentlich möchte ich nur, dass es weggeht“, sagte Herr Albers.

Bei dem Satz bin ich das erste Mal in Lachen ausgebrochen. Davor war es nur grinsendes, gespanntes Lesen. Und was für ein außerordentlich sympathischer Drache! *kugel*

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 17:54                                  +/-

Sehr, sehr cool, Ramujan. Spitze grins

Wetterhexe
Ramujan
„Eigentlich möchte ich nur, dass es weggeht“, sagte Herr Albers.

Bei dem Satz bin ich das erste Mal in Lachen ausgebrochen. Davor war es nur grinsendes, gespanntes Lesen. Und was für ein außerordentlich sympathischer Drache! *kugel*


Bei mir war es dieser:

Zitat:
Herr Albers wusste es nicht. Er zog die Bettdecke zurück an seinen Körper, ignorierte das Rascheln und drehte – wenn er nicht allzu schlaftrunken war – Hemd und Hose wieder auf rechts. So hielt er es, bis eines Tages ein verschrumpeltes Wesen in der Dusche stand, die Seife fraß und Blasen aus Nüstern und Hintern pustete. "


Allein die Vorstellung... rolling on the floor...

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Gimli



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BeitragVerfasst am: 30.07.2005, 20:08                                  +/-

Geilomat! Spitze


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Yeah, well, you know, that's just, like, your opinion, man.
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 31.07.2005, 14:04                                  +/-

Ich las "Hans Albers" und erwartete eine Fanfiction, aber so ist auch okay.. Smilie

Schön skurril, nette Monster. Einiges ist mir zu dick aufgetragen, Poseidon als mächtige Gottheit passt nicht so recht zu Kobolden und Zwergdrachen und am Schluss geht mir zuviel kaputt. Und über eine Sache bin ich gestolpert:

Herr Albers hatte an jenem verfluchten Tag die Tür geöffnet und wollte sie schon wieder schließen, weil er an einen leider nicht zu vermeidenden Klingelstreich der Nachbarskinder glaubte, als er nach unten schaute. Dort schaute Herr Lübeck nach oben.

Da dachte ich, er schaut das Treppenhaus runter oder sowas, aber anscheinend steht Herr Albers direkt vor ihm, da er ihm nachher Papiere entgegenstreckt. Anscheinend ist er sehr klein. Das wird aber nicht weiter ausgeführt oder verwendet. Dieses Rauf/runter-Schauen ist daher bloß verwirrend.

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 02.08.2005, 01:16                                  +/-

Auch euch ein Danke für Lob, Kritik und Anmerkungen!

@Gimli: Deine Geschichte habe ich immer noch nicht gelesen. Vielleicht am nächsten WE.

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Arbrandir



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BeitragVerfasst am: 03.08.2005, 21:10                                  +/-

Ramujan
So, bitte schön. Viel Spaß beim Lesen. Ich erstelle vielleicht noch eine vernünftige druckbare PDF-Version mit Tex. Wenn die jemand haben möchte - bitte hier schreien.


[schrei]ERSTE SAHNE!!!! Her mit der PDF-Version!! [/schrei]


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Life is hard. After all, it kills you.
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 10:02                                  +/-

Ich will noch mehr Hans Albers-Geschichten hören Smilie

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Ramujan



Beiträge: 6288
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BeitragVerfasst am: 26.09.2005, 23:37                                  +/-

Herr Albers im Büro

„Die Herr Düsseldorfer Zahnstocher- und Zahnstocherzubehörproduktions-GmbH ist stolz, Ihnen das neueste Mitglied unserer Zahnstocherzubehörproduktpalette präsentieren zu können: Der Zahnstocherigel kann problemlos bis zu sechsundneunzig Zahnstocher (zwölf Reihen zu je acht Zahnstochern) aufnehmen, wobei die Zahnstocher einzeln hinzugefügt werden können, als auch einzeln entnehmbar sind. Wir bieten den Zahnstocherigel in vier geschmackvollen Farben an (schwarz, weiß, rot, grün) – Sie haben die Qual der Wahl. Der Zahnstocherigel passt in jedes Badezimmer und in jede Küche. Stellen Sie noch heute Ihren Zahnstocherigel neben den Zahnputzbecher oder den Elektroherd. Beeindrucken Sie Ihre Freunde mit einem Zahnstocherigel auf dem Nachtschränkchen. Bitte beachten Sie, dass wir nur für Zahnstocher der Herr Düsseldorfer Zahnstocher- und Zahnstocherzubehörproduktions-GmbH hundertprozentige Kompatibilität zum Zahnstocherigel garantieren können.“


„Das ist ein ausgezeichneter Text zu einem ausgezeichneten Produkt“, sagte Herr Düsseldorfer und legte Herrn Albers eine Hand auf die Schulter. „Sie können sehr zufrieden mit sich sein.“

Herr Albers legte den Zettel, von dem er vorgelesen hatte, zur Seite und wurde rot im Bemühen, nicht rot zu werden.

„Sie können Ihre Position einnehmen, bitte, bitte, aber nicht doch!“ sagte der Fotograph und Herr Albers stellte sich zwischen den Direktor und den Sohn des Direktors. Herr Düsseldorfer lächelte breit und bereit für die Aufnahme. Herr Düsseldorfer junior lächelte noch breiter und noch bereiter. Herr Albers hielt mit beiden Händen einen mit sechsundneunzig Zahnstochern aufgefüllten Zahnstocherigel auf Brusthöhe.

„Etwas mehr nach rechts bitte, rechts und ja, zusammen, zusammen! – und Sonne, Sonne, so ein Licht! Aber nicht doch.“ Der Fotograph schaute durch den Sucher und überprüfte das Licht, das durch die oberen Fenster ins Foyer fiel. Es schien nicht nur hell, sondern auch in Ordnung zu sein. Dann überprüfte er das Licht, das durch die offen stehende Tür hereinströmte.

„Und Zähne will ich sehen und Zähne und bitte – bitte! Und sagen Sie Iiiiiiiiiiiiiiihhh-gel: Iiiiiiiiiiiiiiihhh-gel … Und herrlich: Herrlich!“

Es blitzte, dann nahm Herr Düsseldorfer den Zahnstocherigel von Herrn Albers entgegen und stellte ihn zurück in die Vitrine. Sie schüttelten sich die Hände. „Großartig, wirklich ganz, ganz, ganz toll, was Sie da erfunden haben.“ Herr Düsseldorfer junior lobte ebenfalls: „Auch von mir die allerherzlichsten Glückwünsche zu dieser ausgezeichneten Idee.“

Es war ein Tag wie jeder sein sollte. Die Kollegen grüßten, als Herr Albers zum Fahrstuhl ging und auf dem Weg nach oben pfiff er eine fröhliche Melodie. Die Hände hinter den Rücken verschränkt und die Augen gen Decke gerichtet, stolzierte er zum Büro. Er hatte sich den Ruhm redlich verdient, ihn mit harter Arbeit erkämpft. Wochenlang hatte er die Dicke von Zahnstochern ausgemessen, Igelfiguren mit Modelliermasse geformt, die Mimik der Tiere verbessert und bis in die Träume hinein über die perfekte Anordnung der Lochmatrix nachgedacht. Er hatte die Igel verschiedenfarbig angemalt und sie immer wieder mit Zahnstochern be- und entstückt; er hatte verschiedene Größen ausprobiert und sie überall im Haus verteilt, um zu sehen, wie handlich sie waren und ob sie mit Tapete, Gardine und Küchengerät harmonierten.

Als er sein Büro betrat, brandete Applaus auf.

„Herr Albers, Sie wollen wohl ganz nach oben, was?“ Das sagte Herr Prag, der am Schreibtisch gegenüber der Tür arbeitete. Herr Prag rechnete den ganzen Tag und er hatte mit der Zeit auch das Aussehen der Zahlen angenommen: Die Krawatte saß wie eine Eins, die Brille wirkte wie eine Acht, die auf die Seite gekippt war, und im Profil konnte man seine Erscheinung vom Schmerbauch aufwärts über den Hals bis zum Kopf für eine grandios gekringelte Sechs halten. Wenn Herr Prag sich erhob, standen seine Beine so dicht zusammen wie die Ziffern der Elf und wenn er jemanden etwas an einer Tafel erklären wollte, formten sich Daumen, Mittel- und Zeigefinger zu einer Drei.

„Dann bekommen Sie ja bald den Ansteckzahnstocher in Gold!“ Das sagte Frau Wanne-Eickel, die ihren Schreibtisch links von der Tür und Herrn Albers gegenüber hatte. Welche Funktion sie in der Herr Düsseldorfer Zahnstocher- und Zahnstocherzubehörproduktions-GmbH ausübte, das wusste niemand so genau. Vielleicht hatte man sich an sie gewöhnt oder man befürchtete, dass ohne ihr Dasein die Telefonleitungen eintrockneten, aber wahrscheinlich lag der Grund ihrer Wichtigkeit in dem Kuchen, der sie jeden Mittwochmorgen begleitete. Herr Albers setzte sich an seinen Platz. Frau Wanne-Eickel wandte sich ihrem Telefonhörer zu und entschuldigte sich für die Unterbrechung. Herr Prag begann, Kugeln auf seinem Rechenschieber von links nach rechts und wieder zurück zu schieben.

„… ja genau, ist gerade ins Büro gekommen. Der Zahn-stocher-igel , ja, ganz genau …“, sagte Frau Wanne-Eickel. „Sechsundneunzig Zahnstocher in zwölf Reihen zu je acht. Ganz genau, hat er erfunden.“

Herr Albers griff sich einen Bleistift und ein Blatt Millimeterpapier. Zwei frühe Versionen der Zahnstocherigel zwinkerten ihm von der anderen Seite des Tisches als Anreiz zu weiteren kreativen Höhenflügen zu. Hinter ihm baumelten auf einem Plakat zwei Füße, darunter verkündete eine rote Schrift: „Zahnseide kann Leben nehmen.“

Herr Prag machte Klack-Klack, Klack-Klack. Er murmelte: „Siebenundsiebzig Prozent und sieben im Sinn, dies auf Aktiva und dies in die Tasche und eine Flasche Gin.“

Es war Montag. Am Dienstag hatte Herr Albers fünf Striche auf das Papier gezeichnet. Er hatte die Striche mit Pfeilen versehen und beschriftet. Bepfeilte Striche und bestricheltes Papier türmten sich im Abfallkorb. Zerknüllte Kugeln lagen daneben.

„Sieben Kinder“, sagte Frau Wanne-Eickel zum Telefonhörer.

„Sieben Prozent Überproduktion“, murmelte Herr Prag in die Richtung des Rechenschiebers.

„Meine Rede – und das in dem Haus.“

„Keine Rede – räumt das Lager aus.“

„Sie können kaum drei ernähren.“

„Schon zwei erschweren …“

„Und wie sie sich raufen!“

„ … effizientes Verkaufen.“

„Und wie sie weinen und grienen.“

„Drosselt die Maschinen!“

„Da muss das Sozialamt dran.“

„Facht die Werbung an!“ Klack-Klack.

„Ich kann dir sagen …“

Herr Albers ignorierte das Gerede seiner Mitarbeiter und schaute auf das Papier, das vor ihm lag. Fünf Striche unterschiedlicher Dicke. Auf beiden Seiten spitz. Doppelseitige Zahnstocher verschiedener Größen.

Neben ihm dampfte eine Tasse Kaffee. In ihm dampfte der Zweifel: Ließ sich die Idee verkaufen? Die Zahnstocher-Süd hatte jüngst eine Edition für Milchzähne in den Handel gebracht, die sich überaus formidabel an Mann und Kind bringen ließ. Ein anderer Konkurrent eroberte mit spülmaschinenfesten Kunststoffzahnstochern Marktanteile. Doch Herr Albers Idee, ebenfalls in diese Bresche zu springen, war bei seinem Vorgesetzten auf taube Ohren gestoßen: „Holz ist ein Naturprodukt“, hatte Herr Düsseldorfer gezetert. „Kunststoff, sagen Sie? Kunststoff? Warum nicht gleich in Zahnseide machen?“

Eine neue Innovation musste her! Wie wäre es mit Zahnstochern für ausgewählte Zielgruppen: Zahnstocher für Grillliebhaber und Zahnstocher für Vegetarier? Dünne Zahnstocher für empfindliche Zähne und gekrümmte für die hinteren Zahnreihen?

Am Mittwoch dampfte eine weitere Tasse Kaffee. Herr Albers nahm einen Schluck. Er verwandelte Koffein in Zahnstocherkonzepte. Der Mülleimer war in der Zwischenzeit geleert worden und schon wieder zur Hälfte aufgefüllt. Klack-Klack, machte es bei Herrn Prag, Tuschel-Tuschel bei Frau Wanne-Eickel. Es ging um Bilanzen und Haushalte, um Scheidungen und Abschreibungen. Bei ihm ging es um den besten und effizientesten Zahnstocher aller Zeiten: Die Bastion der Essensreste wollte endgültig genommen werden. Er spülte Kehle und Hirn mit dem letzten Schluck der erkalteten Flüssigkeit und machte sich auf dem Weg zur Küche, um eine neue Tasse zu holen.

Dort standen bereits Frau Kiel und Herr Bern vor der Kaffeemaschine. Oder besser: Sie standen vor dem Platz, wo die Kaffeemaschine sich hätte befinden sollen.

„Weg“, bemerkte Frau Kiel ganz richtig.

„Da sagen Sie was“, bestätigte Herr Bern.

„Und nun?“ fragte Frau Kiel.

„Kein Kaffee“, flüsterte Herr Bern.

„Die Kaffeemaschine …“, fiel Herr Albers ein, während er sich den beiden Mitarbeitern näherte.

„Die Kaffeemaschine!“, bestätigten Frau Kiel und Herr Bern unisono.

„Da sieh mal einer an.“ Nun war Herr Prag zu der Gruppe hinzugetreten. „Zwei und eins addiert, das ist aber mal eine Versammlung, was? Ja, Herr Albers, Sie hätten aber die Güte aufbringen können, so freundlich zu sein und mir eine Tasse mitbr … Oh!“

„Die Kaffeemaschine“, nickten Frau Kiel, Herr Bern und Herr Albers.

„Verschwunden“, keuchte Herr Prag.

„Ja, was ist denn hier passiert?“ Mit der Sekretärin Frau Zwickau wuchs die Gruppe um eine weitere Person. Sie benötigte keine Antwort auf ihre Frage. „Aber das ist doch die Höhe!“

Herr Albers blickte auf die leere Tasse in seiner Hand, die sich in absehbarer Zeit auch nicht füllen würde. Die Gesichter seiner Kollegen zeigten die Enttäuschung in nach unten gekrümmten Mundwinkeln und Ratlosigkeit in zu Furchen gekreuselten Stirnen.

„Aber vor fünf Minuten – da habe ich doch noch neues Wasser aufgesetzt.“ Frau Zwickau war sich keiner Schuld bewusst. „Aber wer kann denn bloß …?“

Frau Kiel begann mit der Notwendigkeit der Anschuldigungen. „Frau Zwickau, nun konzentrieren Sie sich mal: Sagen Sie, wer hat sich zu guter Letzt eingeschenkt?“

Frau Zwickau konzentrierte sich mal. Vor exakt fünfzehn Minuten hatte sie nach der Maschine gesehen, deren Kaffeekanne bis auf einen wirklich kaum erwähnenswerten Schluck leer gewesen war. Sie hatte den Schluck in den Abfluss geschüttet und den Kaffeesatz im Müll entsorgt. Sie hatte einen neuen Filter eingelegt und die Kanne so gründlich gereinigt, wie sie es selbstredend immer tat, bevor sie neuen Kaffee kochte. Sie hatte frisches Wasser nachgefüllt. Sie hatte …

„Ein Zettel“, rief Herr Albers.

„Nein, kein Zettel. Dann habe ich sechs gehäufte Löffel Pulver in …“

„Aber so sehen Sie doch!“ Am Küchenschrank über der Maschine hing ein Stück Papier, das mit Buchstaben beklebt war, die jemand aus einer Zeitung ausgeschnitten hatte. Kleine Buchstaben aus Fußnoten, große aus Überschriften, schwarze aus Artikeln, bunte aus der Reklame. Die so gefügte Nachricht lautete:

Code:

                                                    17 uHR
                                              schicken siE 2 Pers.
                                                 heizungskeller


Sie zogen Zahnstocher. So konnte niemand von mangelnder Gerechtigkeit sprechen, als das Los auf Herrn Albers und Herrn Prag fiel. Noch drei Stunden, dann sollte die Mission beginnen, dann sollten sich die zwei Personen im Heizungskeller einfinden.

„… ganz genau, die Kaffeemaschine“, sagte Frau Wanne-Eickel in den Telefonhörer. Herr Prag klackerte lustlos auf dem Rechenschieber. Herr Albers ordnete die Papiere neu, legte die Notizen jüngeren Datums auf die linke Seite des Schreibtischs und die älteren Zettel auf die rechte; er sortierte die besseren seiner Ideen nach oben; er blätterte ohne Konzentration und in Gedanken versunken in einem Katalog der Zahnstocher-Süd. Der Sekundenzeiger der Uhr neben der Bürotür drehte rastlos seine Runden über die Ziffernskala. Der Minutenzeiger folgte. Die Zeit verstrich. Der Zahnstocherigel zwinkerte Herrn Albers zu: Das schaffen Sie! „… ja, gleich – gleich, da geht es los …“ Frau Wanne-Eickel erstattete ihrer unsichtbaren Freundin Bericht. Um halb fünf standen Herr Albers und Herr Prag gleichzeitig auf, keiner von beiden sagte ein Wort. Auf dem Flur drückten die Mitarbeiter die Daumen.

„’s wird mal nichts Schlimmes sein“, munterte Frau Kiel auf.

„Wenn Sie in einer Stunde nicht zurück sind, rufen wir die Polizei“, machte Frau Zwickau Mut.

Sie gingen durch die Glastür, betraten das Treppenhaus. In der Ferne hörten sie die Sägen kreischen. Holzstaub verdichtete die Luft und bildete Woche um Woche einen Film auf den Marmorfliesen, den die Putzfrau erst am Freitag entfernte; das Atmen schmeckte nach morschem Wald.

Ein Stockwerk tiefer forschten die Wissenschaftler. Herr Albers vernahm das Knacken von durchbrechendem Holz, das den Tests nicht standhielt; hinter den Scheiben der Labore saßen Probanden, die Weißkraut aßen, Fleisch kauten, in Äpfel bissen. Manche lagen in Zahnarztsesseln und ließen es über sich ergehen, dass ihre Gebisse untersucht wurden. Assistenten kritzelten Blöcke voll, Forscher debattierten komplexe Formeln, die sie auf Wandtafeln geschrieben hatten, oder stocherten mit verschieden großen Holzstäbchen in Modellen von Zähnen und Nachbildungen von Kiefern aus Draht. Hier wurden die Konzepte erprobt, die Herr Albers sich oben in seinem Büro ausdachte: die Ingenieure und Wissenschaftler setzten seine Zeichnungen um, konstruierten die Zahnstocher und die Maschinen, die sie herstellen sollten, und prüften anhand von Freiwilligen die Prototypen auf ihre Leistungsfähigkeit.

Im Erdgeschoss ging es auf der einen Seite zum Foyer, die andere Tür führte ins Lager, in dem sich Stämme bis zu einer Decke türmten, die nur unwesentlich unter dem Himmel lag; Stämme von einstmals stolzen und von verkrüppelten Eichen, von Rotbuchen, Birnbäumen und Kiefern.

Von Kiefern.

Die Zahnstocher, die aus diesem Holz geschnitzt waren, verkaufte die Herr Düsseldorfer Zahnstocher- und Zahnstocherzubehörproduktions-GmbH unter dem Werbespruch „Kiefer für Kiefer“ – ausgedacht und ins Leben gerufen von Herrn Albers. Das lenkte ihn für kurze Zeit ab. Was für ein Spruch!

„Sieben, acht - gleich neun mal Kirsche“, zählte Herr Prag.

„Die Luxusedition verkauft sich gut“, sagte Herr Albers.

„Noch siebzehn Minuten“, bemerkte Herr Prag. Darauf sagte Herr Albers nichts.

Zwei Arbeiter ketteten Stämme an einen Kran und hievten sie auf ein Förderband, das zur Sägerei führte. Immer, wenn die Klappe vor dem Band sich öffnete, und der Stamm in die Produktionshalle ruckelte, nahm der Lärm ohrenbetäubende Ausmaße an; der Stamm erzitterte; Späne, Splitter, Holzstaub schossen in das Lager.

Am anderen Ende des Lagers wandten Herr Albers und Herr Prag sich nach links, gingen durch eine Seitentür und kamen in einen Flur. Milchglasfenster gaben einen verschwommenen Blick auf die Produktion frei, auf die Schemen flirrender Sägeblätter und auf die Silhouetten von Maschinen, aus denen dickbäuchige Rohre wuchsen und aus deren Rümpfen Schläuche pulsierten. Sie wirkten wie die Schattenschnitte exotischer Pflanzen; sie saugten die Silhouetten von Brettern an, spuckten Latten aus, spitzten Holz, machten Krach. Herr Albers spürte die Vibrationen bis in den Flur hinein. Spinnen hüpften in ihren Netzen auf und ab wie Kinder auf einem Trampolin. Vor ihren Schuhen flüchteten Sägespäne.

„Hier geht es … zum Keller“, hauchte Herr Prag.

„Also dann: Zählen Sie“, sagte Herr Albers. „Das ist Ihre Aufgabe.“

„Eins“, zählte Herr Prag und sie öffneten die Tür.

„Zwei“, und sie gingen die Holztreppe in die Katakomben hinunter. Hier gab es so etwas wie ein Zahnstochermuseum: Vergilbte Bilder der Gründungsjahre hingen an den Wänden; es gab ein Portrait von Herrn Düsseldorfer senior und den ersten Zahnstochern; ein Plakat der großen Zahnseide-Verbrennung. Fotographien von der Feier, als Herr Düsseldorfer die Firma übernommen hatte. Reklametafeln, Werbeprospekte, Hinweise auf Sonderangebote. In einer Ecke verstaubte eine Litfasssäule. Eine lächelnde Hausfrau aus Pappe mit funkelnden Zähnen hielt ein Kästchen in die Höhe: „Der Vorratspack. Jetzt sichern und zwanzig Stocher gratis.“ Und überall und über allem Kartons, Pakete und Paletten mit den Zahnstochern der verschiedenen Serien, anfangs noch chronologisch sortiert – „1967, ein guter Jahrgang für Tanne“, dann: Die bunten und farbenfrohen Zahnstocher der Siebziger und die überwiegend splitternden Zahnstocher der Achtziger –, später dann in Tohuwabohu übergehend.

„Drei.“ Der Heizungskeller: Sie atmeten tief durch und traten ein. Sekunden, nachdem sie den Schalter gedrückt hatten, flackerte das Licht auf. Sie sahen die Konturen der Ölleitungen und der Öfen. Die Luft fühlte sich warm und trocken an; von weit her kam das gedämpfte Brausen der Sägen. In der Mitte des Raumes stand auf einem Klapptisch die Kaffeemaschine.

„Und nun?“ fragte Herr Prag.

„Nehmen wir sie einfach mit“, schlug Herr Albers vor. Sie machten einen vorsichtigen Schritt nach vorne, so als ob das Gerät plötzlich zubeißen und sie mit einem Happs verschlingen könnte.

„Und was ist …?“ Herr Prag duckte sich hinter Herr Albers.

„Was ist wann?“

„Was ist, wenn die Sache einen Haken hat?“

„Einen was?“
„Einen Haken.“

„Die Sache hat keinen Haken.“

Die Sache hat einen Haken.

Jemand war in die Tür getreten. Die Person trug einen Kaschmirmantel und einen wollenen Schal um Hals und Mund. Der Versuch, sich unkenntlich zu machen, setzte sich in der Sonnenbrille und der tief über die Stirn gezogenen Mütze fort. Nur die Nase blieb frei.

„Herr Düsseldorfer junior“, erschraken sich Herr Albers und Herr Prag.

„Nennen Sie mich nicht beim Namen“, rief der Erkannte und zog den Schal höher. „Die Sache hat einen Haken.“

Eine dramaturgische Pause entstand.

„Äh, ja?“

„Einen Haken hat die Sache. Ich nehme alles mit. Zuerst die Kaffeemaschine. Die hab ich sogar schon. Dann nehme ich die Sekretärin, also mit nehme ich sie, und den Kaffee und die Filter und alles andere. Ich räume die ganze Abteilung leer. Den Kühlschrank nehme ich auch mit und den Wasserkocher auch. Und die Steckdosen. Ich werde sie alle abschrauben. Es sei denn …“ Es folgte eine weitere dramaturgische Pause.

„Es sei denn, was?“ setzte Herr Albers zögernd an.

„Es sei denn … Aber hier muss ich abschweifen: Mein Vater ist ein Narr! Also nicht mein Vater, also der auch, aber ich meine Herrn Düsseldorfer. Herr Düsseldorfer ist ein Narr. Ein Narr! Er wird die Firma zugrunde richten. Die Verkäufe gehen zurück. Die Umsatzziele werden nicht erreicht, wir fahren Verluste.“ Er räusperte sich. „Und Schuld trägt die Sturheit, diese … diese Halsstarrigkeit meines … Herrn Düsseldorfers. Holz ist tot! Niemand kauft mehr Dinge aus Holz. Die Leute wollen spülmaschinenfeste Kunststoffzahnstocher. Möglichst bunt. Möglichst nicht aus Holz. Bei Holz denken die Leute an Eichhörnchen und Raupen und Spechte. Das ist unhygienisch. Die Zukunft heißt Kunststoff. Und was spricht eigentlich gegen Zahnseide? Was? Unsere Kampagnen gegen Zahnseide sind lächerlich. Zahnseide ist nicht aus Holz.“

„Aber, äh, ja, was haben wir damit zu tun?“

„Zählen Sie Eins und Eins zusammen Herr Prag. Sie sollen die Kunde verbreiten. Reden Sie mit Herrn Düsseldorfer. Sagen Sie ihm, Kunststoff lautet der Schlüssel zum Erfolg. Erläutern Sie ihm die Vorteile von Zahnseide. Entwickeln Sie einen Zahnstocherigel für spülmaschinenfeste Kunststoffzahnstocher.“

Herr Düsseldorfer junior war nun ganz nah herangetreten. Sie konnten erkennen, dass dort, wo der Schal den Mund bedeckte, der Stoff feucht von Speichel war. Die linke Hand hatte der Firmenerbe zur Faust geballt. Er wollte erneut zum Sprechen ansetzen, als etwas passierte, mit dem er nicht gerechnet hatte.

„Sohn!“ Die Stimme hallte von den Rohren wieder.

Herr Düsseldorfer junior drehte sich um.

„Vater …“

Herr Düsseldorfer betrat den Heizungskeller. Sein Gesicht war rot vor Zorn, der Blick so scharf und durchdringend wie ein Zahnstocher aus Diamant. „Ich hätte vieles von dir geglaubt, aber das, mein Sohn, das nicht.“

„Vater, was machst du hier?“

Ich bereite kein Komplott vor!“

„Nein, kein Komplott, ich doch auch nicht. Du verstehst das falsch. Ich will doch nur das Beste …“

„Pah! Das Beste!“ Herr Düsseldorfer spuckte aus. Eine Motte umschwirrte eine der Lampen, warf flackernde Schatten auf das Gesicht des Firmenchefs. Hell, dunkel. Hell, dunkel. „Du bist nicht mein Sohn. Du bist ein Bastard. Du hast dich doch nie für die Familie interessiert. Ich hätte wissen müssen, dass du kein Düsseldorfer bist, die ganze Zeit. Hast im Laufstall mit Plastikklötzen um dich geworfen. Hast dich nie in der Produktion sehen lassen, noch nicht einmal beim großen Streik damals, als alle mit anpacken mussten und die ganze Familie hätte zusammenhalten sollen. Dich interessiert doch höchstens die Pressearbeit, in deren Ruhm du dich sonnen kannst. Für die Firma bist du nicht zu haben.“

„Aber Vater, …“

„Kein Wort mehr, Bastard.“

„Ich habe die Bilanzen durchgesehen.“

„Kein. Wort. Solange ich noch da bin, wird kein Plastik die Hallen der Herr Düsseldorfer Zahnstocher- und Zahnstocherzubehörproduktions-GmbH verlassen.“

„Vater …“

„Nenn mich nicht Vater, Bastard.“

„Ich habe alles durchgerechnet.“

Herr Düsseldorfer junior schaute sich Hilfe suchend um, doch Herr Albers und Herr Prag hatten sich in eine Ecke verzogen und wünschten, bald wieder zur Arbeit gehen zu können. Herr Düsseldorfer riss in seiner Raserei Mütze und Sonnenbrille vom Sohn, der kein Sohn mehr war. „Du kannst so viel reden, wie du willst, du wirst die Firma nicht bekommen, nie. Du bist enterbt. Lieber gebe ich einer Wanze das alles hier. Enterbt, hörst du? ENTERBT!“

Herr Düsseldorfer keuchte vor Wut. „Hau ab, verschwinde!“ Die Sägen schienen auf einem anderen Kontintent zu sägen, von weit entfernt kam ihr Heulen, schwach, kaum vernehmbar. Herr Düsseldorfer junior sagte nichts mehr. Geduckt schlich er davon. Kurze Zeit später kam aus dem Museum der Zahnstocher das Geräusch umfallender Kisten, gegen die er gestoßen sein musste.

„Sie gehen wohl auch besser zurück ins Büro.“ Herr Albers und Herr Prag lösten sich aus dem Schatten, gingen zur Tür.

„Und nehmen Sie das Ding da mit.“ Herr Albers griff sich die Kaffeemaschine, Herr Prag nahm die Kanne. Die beiden machten sie sich auf dem Weg nach oben.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 10:17                                  +/-

Schön, gefällt mir gut grins Sehr gut getroffene Büroszenerie. Kommt mir alles so bekannt vor...

Jetzt die Kritik:

Dieses lustige Stilmittel, dessen Name ich vergessen habe, du weißt schon, Es schien nicht nur hell, sondern auch in Ordnung zu sein, damit übertreibst du es etwas.

Die Firma wirkt oben im Büro recht klein und angestaubt, nur ein paar Hansel, doch die Labors und das Holzwerk wirken viel größer und professioneller, das passt in meiner Vorstellung nicht so ganz zusammen.

Der Schluss ließ mich etwas enttäuscht zurück, irgendwie müsste noch was passieren. Es bleibt ja alles beim Alten, das geht zu leicht.

Ansonsten Spitze

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 10:43                                  +/-

Zeugma, Nichraucher. zwinkern
Ja, ich muss auch sagen, die Geschichte wirkt etwas ziellos. Aber ansonsten: Astrein! Spitze Du hast, finde ich, sehr schön das Alltägliche mit dem Absurden verknüft. Das klappt hier fast noch besser als in der ersten Albers-Geschichte.

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 21:31                                  +/-

Ich habe in dieser Geschichte doch nur eins von diesen Zeugmas (seltsames Wort - und den Plural kenne ich auch nicht) drin.

Zitat:
Die Firma wirkt oben im Büro recht klein und angestaubt, nur ein paar Hansel, doch die Labors und das Holzwerk wirken viel größer und professioneller, das passt in meiner Vorstellung nicht so ganz zusammen.

Ich hab mir die Firma so als größeren mittelständischen Betrieb vorgestellt, mit vielleicht 100-150, maximal 200 Mitarbeitern: Jeder kennt den Chef persönlich, aber der Chef kennt nicht jeden persönlich. Oben befindet sich die Chefetage und die Personalabteilung, drunter die Buchhaltung, Werbung und ein wenig Entwicklung, im ersten Stock auch noch Entwicklung und die Labore, ganz unten ist das Sägewerk.

Aber die Geschichte erlebt ab der Mitte schon einen kleinen Bruch, auch stilistisch, den Hut muß ich mir wohl aufsetzen: Im ersten Teil geht das Büroleben noch gemütlich zur Sache, im zweiten habe ich alles etwas größer gebaut.

Zitat:
Ja, ich muss auch sagen, die Geschichte wirkt etwas ziellos.

Dabei hab ich den Plot schon vorher festgemacht. Ich wußte am Anfang also durchaus, wie es ausgeht. Naja, das Ende war dann wohl doch zu unbefriedigend. Aber ich hab ja noch ein paar Ideen für Fortsetzungen.

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rareb



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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:28                                  +/-

Meine Haarspaltereien sind bei Glir Tegol.

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Ramujan



Beiträge: 6288
Wörter pro Beitrag: 44

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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 23:09                                  +/-

Danke für das Lesen - an Helcaraxe und Nichtraucher und an alle stillen Schon- und Nochleser natürlich auch!

Ich schreib dann morgen noch was bei den Federn rein, jetzt geh ich erst mal ins Bett. Nacht.

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Wichtel



Beiträge: 18045
Wörter pro Beitrag: 28

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BeitragVerfasst am: 03.10.2005, 22:19                                  +/-

Ramujan
Herr Prag rechnete den ganzen Tag und er hatte mit der Zeit auch das Aussehen der Zahlen angenommen: Die Krawatte saß wie eine Eins, die Brille wirkte wie eine Acht, die auf die Seite gekippt war, und im Profil konnte man seine Erscheinung vom Schmerbauch aufwärts über den Hals bis zum Kopf für eine grandios gekringelte Sechs halten. Wenn Herr Prag sich erhob, standen seine Beine so dicht zusammen wie die Ziffern der Elf und wenn er jemanden etwas an einer Tafel erklären wollte, formten sich Daumen, Mittel- und Zeigefinger zu einer Drei.

Das gefaellt mir.

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