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Audiokommentare und Bonusmateralien
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.07.2005, 19:42                                  +/-



Heute habe ich mir den kompletten Audiokommentar von The adventures of Robin Hood angehört, man hat ja Urlaub.

Der Filmhistoriker Rudy Behlmer erzählt uns mit einer beruhigenden Samtstimme und in lupenreinem Hochenglisch spannende, weniger spannende und vollkommen sinnlose Details rund um die Warner-Produktion von 1938. Herrlich, man kuschelt sich mit einem Tee aufs Sofa, draußen rauscht ein sanfter Sommerregen, die quietschbunten Technicolor-Bilder tanzen über die Mattscheibe und Onkel Rudy weiß alles! Zum Beispiel dass Errol Flynn eigentlich nur zweite Wahl war, es war bereits James Cagney gecastet, sprang aber nach einem Streit mit Warner ab. Flynn war ein Newcomer und galt als Risiko, der Film wurde erstmal auf Eis gelegt, bis ein kluger und weitsichtiger Entscheidungsträger bei Warner doch noch grünes Licht gab. Wir alle stehen in seiner Schuld Smilie

Mittendrin wurde dann der Regisseur gefeuert, er hinkte hinterm Zeitplan her. Tja, das waren raue Zeiten, das Studio war allmächtig, alle Kreativen waren nur Angestellte in 3-Jahres-Knebelverträgen und hatten nichts zu melden, Superstar hin oder her. Ersetzt wurde der Unglücksrabe durch einen berüchtigten Leuteschinder, Michael Curtiz, der dafür bekannt war, ebenso schnell wie gut zu arbeiten, ohne Rücksicht auf Verluste. Alle am Set haben ihn gehasst, was aber dem Film keinen Schaden zufügte und mal wieder zeigt, dass Filme drehen keinen Spaß machen muss. David Lean war ja auch ein harter Hund und Kubrick ein Sadist Na warte...

Historisch korrekt ist überhaupt nichts, aber das macht nichts. Die Robin-Hood-Sage ist so oft durch den Wolf gedreht worden, da kommt es nun auch nicht mehr drauf an, dass Sir John in Wirklichkeit gerade in Frankreich weilte, als Löwenherz nach England zurückkehrte und der Bischof das Phantasieornat einer Kirche trägt, die erst noch gegründet werden muss und so weiter und so weiter.. in den alten Balladen aus dem 13.-15. Jahrhundert gab es auch den Konflikt Sachsen-Normannen noch nicht, da ging es nur um Reich und Arm. Löwenherz, Marian, Bruder Tuck wurden erst im Lauf der Jahrhunderte hinzugefügt, Elemente einer französischen Legende flossen ein, ect. Die Herkunft der Sage verliert sich im Dunkel, in den ältesten Balladen ist Robin ein einfacher Mann, der mit seinen Burschen im Wald haust, ein Räuber eben. Onkel Rudy erwähnt auch den möglichen Bezug zu heidnischen Waldgeistern, Robin Goodfellow, dem Grünen Mann. Robin war Jahrhunderte eine feste Figur beim Maifest, später bei Weihnachtsspielen, und auch beim Erntedankfest und ist immer stark mit bäuerlichen Traditionen verbunden gewesen, ein echter Volksheld eben Gewalt ist keine Lösung

Dann erfahren wir noch so nützliche Details wie z.B. die damals bahnbrechenden Bogenschieß-Effekte gemacht wurden: Teilweise bekamen die Opfer einfach eine Polsterung unters Hemd geschoben und Howard Hill, ein legendärer Sportschütze und Bogenschieß-Oberexperte des Films, schoss den Armen dann einen Pfeil rein Überrascht . "Robin Hood" ist der Film mit den meisten Stuntmännern in der Filmgeschichte, ich ahne, warum... hähö In anderen Einstellungen wurde der Pfeil bereits reingesteckt, an einem Draht wieder rausgerissen und die Aufnahme rückwärts in den Film eingefügt. Das ist heute sicher Standard, aber das musste alles irgendwann mal ausgetüfftelt werden. Für die Bogengeräusche bastelte Howard Hill spezielle Pfeile, die besonders gut surrten, in tagelanger Arbeit wurden die Geräusche aufgenommen, wanderten dann in die Warner-Soundbibliothek und werden bis heute immer wieder verwendet. Legolas schießt vielleicht mit dem Howard Hill-Sound von 1938. Ach, ich liebe diesen ganzen unwichtigen Scheiß! grins Der Film war übrigens ein gigantischer kommerzieller Erfolg und belebte das damals totgeglaubte Genre des Kostümfilms neu. Sieh an, alle paar Jahrzehnte wird irgendwas totgeglaubt und wiederbelebt, das ist also nichts Neues.

So, jetzt warten noch Tonnen an Bonusmaterial auf mich. Es ist toll, man bekommt viel mehr als nur einen Film. Audiokommentare höre ich mir selten an, weil ich in der Regel den Film nicht gleich nochmal sehen will, aber im Prinzip ist das eine sehr gute Einrichtung. Ich werde meine ganze Sammlung nach und nach durchhören, nur den Audiokommentar von Richard Taylor nicht, der ist so anstrengend Geschockt

Und, was sind eure Lieblingsbonusgeschichten?



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 28.07.2005, 23:47, insgesamt einmal bearbeitet
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.07.2005, 23:41                                  +/-

Mann, ich bin so schlau jetzt... und auch wenn's keinen interessiert, hier nun also die

Geschichte des Farbfilms

Dr. Kalmus, ein Chemiker von der Ostküste, hatte für Filme nichts übrig, aber die technische Herausforderung eines möglichen Farbfilms reizte ihn. Anfang der 20er gründete er die Firma Technicolor, die 16 Jahre lang rote Zahlen schrieb hähö Bereits 1922 gab es zwar den ersten Farbfilm, aber die Technik war teuer, störanfällig und das Ergebnis äußerst bescheiden. Die Studios sprangen nicht drauf an, sie betrachteten den Farbfilm als Jahrmarktsattraktion. Dr. Kalmus tüftelte weiter und 10 Jahre später hatte er seine Erfindung grundlegend verbessert und ging in die Marketingoffensive.

Das Prinzip ist simpel, aber dennoch sehr aufwendig: in der Kamera werden gleichzeitig 3 Filmstreifen belichtet, jeweils mit einem Farbfilter versehen, Rot, Blau, Grün. In einem zweiten Schritt werden die 3 Streifen übereinandergeklebt, erst dann entsteht die Farbe. Die Kameras waren monströse Ungetüme, wahnwitzig teuer und wurden von Technicolor nicht aus der Hand gegeben: die Studios musste sie mieten, dann wurden sie morgens von einer Technicolor-Crew aufs Gelände gebracht, gut bewacht und abends wieder mit in die Firma genommen.

Anfang der 30er setzte sich der Farbfilm langsam durch, auch wenn er viele Widerstände überwinden musste. Die Studios scheuten die hohen Kosten, viele Stars fürchteten, scheiße auszusehen und weigerten sich, in Farbfilmen aufzutreten und die Kamerleute und Regisseure ahnten den Untergang ihrer über die Jahre perfektionierten Schwarz-Weiß-Ästhetik. Der kommerzielle Erfolg von "The wizard of Oz" aber brachte den Durchbruch und "Gone with the wind" räumte mit seiner oskargekrönten Optik mit allen Vorurteilen auf. "Robin Hood" schaufelte dann die ganz große Kohle in die Kassen und ab da konnte sich kein Studio mehr leisten, auf Flaggschiff-Filme in Farbe zu verzichten, auch wenn die Masse an Filmen schwarz-weiß blieb.

Technicolor hatte das Monopol auf Farbe, Kodak hatte 20 Jahre zuvor eine Zusammenarbeit mit Kalmus abgelehnt und ärgerte sich seitdem schwarz. Da es Kalmus sehr wichtig war, dass seine Erfindung immer gut aussah, redete er den Studios andauernd rein, seine Ex-Frau Natalie war als Farbberaterin bei jedem Farbfilm am Set und stritt sich mit jedem Regisseur über die richtigen Farbverhältnisse. Sie war die meistgehasste Frau Hollywoods. Kaum mehr vorstellbar, dass eine Materialfirma bei den künstlerischen Aspekten eines Film mitentscheidet, aber wie gesagt, sie hatten das Monopol. In den 40ern entstanden dann unglaubliche Revuefilme, der Farbrausch wurde ins Extreme gesteigert, das kann man nicht erklären, das muss man gesehen haben.. ugly sehr psychedelisch. So etwa wie die Homepage von Karl Fritsch, die ich hier mal verlinkt habe.

1949 erfand Kodak den viel billigeren und unkomplizierteren Ein-Streifen-Farbfilm und der Traum war aus. Nachdem Kodak die Kinderkrankheiten überwunden hatte, schwenkten in den 50ern alle Studios auf Kodak um, noch ein paar Großproduktionen wurden in Technicolor gedreht, dann war Schluss. Anfang der 60er verkaufte Kalmus Technicolor an einen Großkonzern, kurz darauf wurde das Technicolorverfahren eingestellt und der Betrieb bekam andere Aufgaben zugewiesen. In den 90ern zeigte sich dann, dass die Kodakfilme verbleichen, während die Technicolor-Filme ihre Farben behielten, tja, so kann's laufen. Fairerhalber muss man sagen, dass Kodak stets auch ein Farbkonservierungsverfahren angeboten hatte, aber die Studios hatten es aus Kostengründen nie benutzt. :dumm: Heute wird wieder mit der 3-Streifentechnik experimentiert.

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 01:00                                  +/-

Zitat:
und auch wenn's keinen interessiert


Doch mich! Ich bin für Lehrstunden aus der Technikgeschichte immer zu haben.

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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 11:31                                  +/-

Weiß jemand, wie das Kodak-Patent mit einem Filmstreifen funktioniert? Es müssten dann drei Farbinformationen bei der Belichtung auf dem selben Stück Film gespeichert werden, oder?

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 11:42                                  +/-

Jo, das war ziemlich interessant. Danke, pk. Dass das Technicolor-Verfahren so funktioniert, wusste ich bis eben auch noch nicht.

Ich habe mir kürzlich die Audiokommentare zu Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter in voller Länge gegeben, das musste mal sein. Und wirklich, es ist gar nicht so langweilig, wie es sich vielleicht anhört. Wusstet ihr beispielsweise, dass die weiter entfernten Asteroiden im Asteroidenfeld des zweiten Teils aus Kartoffeln bestehen?

Carrie Fisher spart auch nicht mit teilweise herrlich sarkastischen Kommentaren über ihre Dialoge, und George Lucas ist immer noch ein bisschen beleidigt, weil niemand seine Ewoks leiden kann - dabei sind die doch so niedlich und liebenswert. (O-Ton! Mit den Augen rollen-) Die nervigen Pelzbälle sollten ja ursprünglich Wookies sein, aber die hatte man leider schon als technisierte Rasse eingeführt, was wiederum nicht zur Handlung des dritten Teils passte. Die tolle Schlacht um Endor ist übrigens nur deshalb so läppisch geraten, weil GL ständig Angst hatte, der Film könnte für Kinder zu brutal und düster werden. rolling on the floor...
Ian McDiarmid, also Palpatine, war auch hinter den Kulissen der Coolste. Weil er jeden Drehtag drei bis vier Stunden in der Maske verbringen musste, kam er schon frühmorgens ans Set und schlief dort weiter, während man ihn in den Imperator verwandelte. hähö

Am spannendsten sind immer die Kommentare von Ben Burtt, der so ziemlich im Alleingang für das Sounddesign aller drei Filme (und auch für die neue Trilogie) verantwortlich war. Auf dem Bild sieht man, wie der Sound für einen Laserschuss aufgenommen wird:



Man schlägt mit einem Hammer auf einen dicken Stahldraht ein - eigentlich ganz einfach und offensichtlich, oder?
Man erfährt auch, dass R2-D2 mit elektronisch verzerrter Baby-Sprache 'spricht', dass ein "TIE Fighter"-Antriebsgeräusch aus dem verzerrten Trompeten eines Elefanten besteht und das Summen des Lichtschwertes mit einem alten Fernseher und dem Einschaltgeräusch eines 35mm-Projektors simuliert wurde.

Die Ewoksprache ist übrigens ein tatsächlich existierender chinesischer Dialekt eines Nomadenvolkes aus Zentral-China. Man hat damals einige Flüchtlinge aus der Gegend kurzerhand in ein Tonstudio gesetzt und sie Geschichten aus ihrer Heimat oder Lieder vortragen lassen. Eines der Lieder kommt gleich mehrfach im Film vor, z.B. in der Szene, als Luke und Han über offener Flamme geröstet werden sollen. hähö
Und die Stimme von Landos Copiloten stammt von einem kenianischen Austauschstudenten, der seinen Text 1:1 übersetzen konnte. Daher konnten Kenianer an der Stelle alles verstehen, was für den Rest der Welt wie reines Kauderwelsch klang.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 12:16                                  +/-

Das Problem bei Technicolor war, dass die Filmfirmen keine eigenene Farbfilmkameras hatten, sondern diese zusammen mit einem Techniker (und der gehassten "Farbberaterin" Natalie Kalmus) mieten mussten. Diee frühen Technicolorfilme auch enorm grelle Beleuchtung und einige Schauspieler haben dadurch Augenschäden davontrugen.

Ich hatte mir mal American Beauty von einem Freund ausgeliehen und als ich ihm die DVD mit dem Urteil zurückgab, der Audiokommentar (Regisseur und Kameramann die über Licht und Schatten philosophieren) sei ja ganz interessant, schaute er mich an wie ein Mondkalb und gab zu, ich sei der erste seiner Freunde der sich solches Bonusmaterial freiwillig anschaut. Tja, wird wohl oft vergebene Liebesmüh von den Filmemachern sein.



Zuletzt bearbeitet von Tyler Durden am 28.07.2005, 18:12, insgesamt einmal bearbeitet
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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 12:28                                  +/-

Tyler Durden
Das Problem bei Technicolor war, dass die Filmfirmen keine eigenene Farbfilmkameras hatten, sondern diese zusammen mit einem Techniker


Lass mich raten, die Kameras wurden morgens von einer Technicolor-Crew aufs Gelände gebracht, gut bewacht und abends wieder mit in die Firma genommen?

Tyler Durden
(und der gehassten "Farbberaterin Natalie" Kalmus) mieten mussten.


Kaum mehr vorstellbar, dass eine Materialfirma bei den künstlerischen Aspekten eines Film mitentscheidet.

Tyler Durden
Ich hatte mir mal American Beauty von einem Freund ausgeliehen und als ich ihm die DVD mit dem Urteil zurückgab, der Audiokommentar (Regisseur und Kameramann die über Licht und Schatten philosophieren) sei ja ganz interessant, schaute er mich an wie ein Mondkalb und gab zu, ich sei der erste seiner Freunde der sich solches Bonusmaterial freiwillig anschaut. Tja, wird wohl oft vergebene Liebesmüh von den Filmemachern sein.


Verständlich, ich schaue das Bonusmaterial auch fast nie an. Bisher habe ich es bei der HdR-Reihe und bei Gladiator angesehen. Es war tatsächlich ganz interessant. Aber solange es noch Filme gibt, die ich nicht kenne, schaue ich mir lieber die an als die Kommentare.

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Triskel
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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 20:05                                  +/-

Psycho Dad
Weiß jemand, wie das Kodak-Patent mit einem Filmstreifen funktioniert? Es müssten dann drei Farbinformationen bei der Belichtung auf dem selben Stück Film gespeichert werden, oder?

Klick.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 20:25                                  +/-

Ja, da lernt man was beim Filmglotzen. Das Special über Technicolor fing allen Ernstes mit Newton und der Spaltung des Lichts an, wie im Schulkanal.

Schön aber waren die ganzen Ausschnitte aus den prächtigen Farbschinken, die ich alle nicht kannte (bis auf "Gone with the wind"). Das ist irgendwie schade, dass die nirgends mehr laufen, sahen toll aus. "Moby Dick" mit Gregory Peck als Ahab, "The wizard of Oz", sehr LSD-mäßig, "The red shoes", dann so ein prunkvoller Saharafilm mit Marlene Dietrichs, Südstaatendramen, Western, 1001Nacht-Schwarten und natürlich die ganzen Revuefilme mit Esther Williams und Co. Die kennt man eigentlich nur noch als Parodien, so Sachen, wie dass 100 Badenixen, von oben gefilmt, allerlei Rosen, Sterne und kaleidoskopartige Figuren mit ihren Körpern bilden, ect. Ds gab's mal alles wirklich!

Die Filmmusik wurde von Erich Wolfgang Korngold komponiert, ein berühmter jüdischer Opernkomponist aus Wien. Max Reinhardt brachte ihn zum Film, für "Robin Hood" ging er nach Hollywood, dann kam der Anschluss Österreichs ans Dritte Reich. Korngold konnte noch seine Frau und seinen Sohn retten, dann wurden die Grenzen geschlossen, seine gesamte restliche Familie starb im Holocaust. So hat "Robin Hood" immerhin 3 Menschenleben gerettet. Er machte dann sehr erfolgreich Filmmusik, aber ob der Oskar für "Robin Hood" ihn so richtig freuen konnte... ich weiß nicht.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 29.07.2005, 14:59                                  +/-

It's about fun, you know

Heute gab es den Audiokommentar zu Charlie's angels II, gesprochen vom Regisseur McG. Er quasselt ohne Punkt und Komma, und jeder zweite Satz beginnt mit Oh, THIS was fun! Smilie Ziemlich uneitel weist er uns auf Dinge hin, die nicht geklappt haben und auf zahllose Details, die niemals jemand sehen würde. Parallel dazu leiten Kreise und Pfeile den Blick, das ist mal eine sinnvolle Idee. Man kann einiges über das Filmemachen lernen, er zeigt, wo die versteckten Schnitte sind, wo z.B. vom Stuntgirl zur Schauspielerin geschnitten wird, was Puppen sind und was echte Menschen, was CGI ist und was real, ect.

Er gibt auch offen zu, sich bei vielen Filmen bedient zu haben, er nennt es nicht mal "Hommage", sondern sagt ganz offen We took this from 'Blues Brothers', sorry John, but we found the idea sooo funny! Insgesamt erwähnt er rund ein Dutzend Filme, in denen gewildert wurde, darunter auch eher Unerwartete wie "Titanic" und "Singing in the rain". Hauptsache fun. Fun ist wohl das meistbenutzte Wort im gesamten Audiokommentar, typisches Zitat: This was a bit redundant, blowing the car off, but I thought, it was fun, so we did it. grins Er liebt es, in den Stilepochen der Filmgeschichte zu plündern und sie bis hin zu winzigsten Details zu zitieren, This is the same haircut as Jodie Foster had in "Taxi driver"... - "Big Lebowski" was shot in this house, you know.. Und in einer Szene gibt es eine sterile Vorortsiedlung (You know, like in "Edward Scissorhands"..), und jedes Auto, das in den Einfahrten steht, ist exakt der gleiche Typ in der gleichen Farbe. Hätt' ich nie gesehen.

Er bestätigt meine These, dass der Film keine Sekunde lang ernst genommen werden will, er sagt, sie haben extra einen völlig ausgelutschten Plot mit gestohlenen Micro-Daten genommen, um zu zeigen, dass es nicht um den Plot geht, sondern um den "style". You know, everything in this movie is just about style! Im Folgenden nennt er die Titanringe mit den superwichtigen Zeugenschutzprogrammdaten auch gerne nur die McGuffins. Interessant auch, dass sie extra so beleuchtet haben, dass auch die Aufnahmen im Freien etwas nach Studio aussehen, er wollte denselben künstlichen Look für den ganzen Film.

Ich glaube jetzt auch, dass er ein bisschen in Drew Barrymore verknallt ist, immer und immer wieder weist er den Zuschauer auf sie hin, weit öfter als bei beiden anderen zusammen. Look at Drew...so cute! I like this little smile.. - Oh, you must look at Drew, when the camera turns.. how she licks her lips.. I love it! So sweet.. - I love this soft light on Drew's face.. she's so gorgeous...she's a classic beauty, isn't she? Die beiden anderen kommentiert er eher aus der professionellen Warte des Regisseurs, auch wenn manchmal mit ihm die Gäule durchgehen: Look at Cameron's body in the bikini scene.. fantastic! She gave birth to three children, coming out of this body, unbelievable! This is the body of a 17-year-old highschool beauty... *sabber*

Und am Schluss geht er noch auf den Sexismus-Vorwurf ein, Some people found this outreagous... but, man, it's just about having fun and a good time! I think, if you like yourself, you can have fun in any way, like the girls. If you don't like yourself, you won't like "Charlie's angels." So kann man's natürlich auch sehen..

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 29.07.2005, 17:24                                  +/-

Die Audiokommentare BEIM Film habe ich mir bisher glaub ich nur bei 'From dusk till dawn' angeschaut. Bzw da gibt es ein weisses Kaninchen (oder was ähnliches), wenn man das angestellt hat, dann taucht das immer bei den Szenen auf, zu denen es noch spezielle Hintergrundinfos gibt.

Seit ich aber bei einem Film mal entdeckt habe, dass eine komplette Filmfigur herausgeschnitten wurde, angeblich um den Actionfluss des Films nicht zu stören (die Figur hatte einen 'romantischen Bezug' zu einer der Hauptfiguren), schaue ich mir fast immer die nicht verwendeten Szenen und die Outtakes an. Die dann aber auch mit Audiokommentar. Das ist oft wirklich spannend, weil man schon anhand von den Erklärungen warum und wieso diese oder jene Szene nicht mit reingenommen wurde sehr viel von der intendierten Wirkung des Films und seiner Figuren mitbekommt. Und persönlich abschätzen kann, inwieweit sie dann auch gelungen ist.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 17:34                                  +/-

Ja, ich hab heute nicht viel zu tun.. Mit den Augen rollen



Wissenswertes über "Das Boot"

Das Boot sollte eigentlich ein Hollywoodfilm werden, Bavaria, die die Filmrechte hielten, trauten sich eine Produktion dieser Größenordnung nicht zu und hatten sich in Columbia Pictures einen finanzstarken Partner gesucht. John Sturges (Gesprengte Ketten, Eisstation Zebra und viele mehr) reiste mit einer Crew an, aber bekam sich mit Lothar Günter-Buchheim, dem Buchautor, derart in die Wolle, dass er nach fast einem Jahr Vorbereitungen das Projekt hinwarf. Robert Redford hätte dabei übrigens den Kaleun gespielt. Schwer vorstellbar. Buchheim muss ein unausstehlicher Menschenfeind sein, auch Petersen lässt im Audiokommentar durchblicken, dass er es mit ihm nicht leicht hatte, aber in diesem Fall muss man ihm wohl dankbar sein.

Eine Weile ruhte das Projekt, dann kam eine zweite US-Crew unter einem ebenfalls bekannten Regisseur, aber ich komm grad nicht auf den Namen. Diesmal sollte Paul Newman den Kaleun spielen, das wird ja immer besser. Dieser Anlauf versandete, weil Columbia das Budget zusammengestrichen hatte und schließlich fragte Bavaria Wolfgang Petersen, ob er nicht Interesse hätte. Es sollte nun eine rein deutsche Produktion werden, auf deutsch und nur mit deutschen Schauspielern. Durch die Idee mit der TV-Langversion als Zweitverwertung kam das nötige Geld zusammen und man legte los, mit nichts als der Vision, den größten, realistischsten und besten U-Boot-Film aller Zeiten zu drehen.

Ein Jahr lang wurde gecastet, Jürgen Prochnow war von Anfang dabei, er brachte Klaus Wennemann ins Boot, ein guter Freund von ihm, der aber bis dahin nur Theater gespielt hatte. Später wurde er als "Fahnder" TV-Urgestein. Fast alle Schauspieler waren vor dem Boot No-names, die maximal in kleinen TV-Rollen zu sehen gewesen waren, für viele war es die erste Arbeit. Man castete in Deutschland und Österreich, in Schauspielschulen, Boxschulen und Unis, verschiedene Dialekte und Bevölkerungsschichten sollten vertreten sein, um eine authentisch wirkende Mannschaft zusammen zu bekommen. Und man machte seine Sache gut, im Boot saßen schließlich neben Prochnow und Wennemann Uwe Ochsenknecht, Herbert Grönemeyer, Ralf Richter, Heinz Hoenig, Martin Semmelrogge und in anderen Rollen waren noch Günther Lamprecht, Otto Sanders und Sky Dumont zu sehen. Ein beachtliches Who's-who, wer damals ein junger deutscher Schauspieler war und nicht im "Boot", muss sich ja vorkommen wie jemand, der nicht in Woodstock war, weil er an dem Wochenende was anderes vorhatte.. hähö

Die Dreharbeiten waren die Hölle. Petersen entschied, nicht wie geplant von außen ins Boot hinein zu filmen, sondern die abnehmbare Außenwand wieder einzusetzen und alles von innen zu filmen, in der qualvollen Enge des Stahlröhre. Es war so eng, dass kein Platz für ein Stativ war, fast der ganze Film ist mit Handkamera gedreht, für die berühmten Rennszenen, in denen es in wilder Jagd durch die Röhre geht, wurde so etwas wie eine kleinere Version der Steadycam erfunden, Marke Eigenbau. Diese Kamera surrte so laut, dass alle Innenaufnahmen nachsynchronisiert werden mussten. Doch Petersen war es wichtig, die klaustrophobische Enge des Bootes auf die Leinwand zu bekommen, und das gelang ihm, weiß Gott. Es war so eng, dass sich die Filmcrew, die ja auch noch reinpassen musste, sich mitunter gegenseitig auf die Schultern nahm, um Platz zu sparen. Andere mussten sich unter Tischen und Röhren verstecken, um nicht ins Bild zu kommen (in einer Szene allerdings kann man verschwommen einen Frauenkopf im Hintergrund erkennen, das "Propgirl" grins ).

Alle Innenaufnahmen entstanden in einem Nachbau eines Originalbootes im Innern einer Metallröhre, die auf einem hydraulischen Gerüst, dem Gimple, gelagert war und in alle Richtungen gedreht werden konnte. Der Nachbau war extrem detailversessen, bis zur letzten Schraube wurde Wert auf absolute Authentizität gelegt. Jedes Kabel, jedes Rädchen, jedes kleine Schildchen ist authentisch, bis hin zur Biermarke (Beck's, die sich sicher gefreut haben für die kostenlose Werbung), unglaublich! Alles ist aus Originalmaterialien, Eisen und Holz, keine bemalten Pappen o. ä. . Es wurde fast nur mit Originallicht gedreht, also mit dem, was das Boot bietet, ohne Filmleuchten. Die Einrichtung, die wenigen persönlichen Dinge, die die Besatzung überall verstaute, wo noch Platz war, das Essen, das überall rumhängt, die Versuche, die Kojen mit Fotos und Bildchen aufzuhübschen, all das wurde nach den Originalfotos von Buchheim angefertigt, der ja als Kriegsberichterstatter zwei Feindfahrten mitgemacht hatte. Die Fotos in den Kojen zeigen die Schauspieler in einem fiktiven Zivilleben, viele Gegenstände sind Originale, auf Flohmärkten und Sammlerbörsen zusammengekauft, alles andere wurde nach Buchheims Fotos angefertigt. Faszinierend dieser Detailwahn.

Neben dieser Röhre baute man noch ein schwimmfähiges Boot in Originalgröße, das war aber nur eine leere Hülle, die gerade mal bei stiller See ein bisschen tuckern konnte. Das Ding zerbrach bei einem Sturm und versank, was die ganze Produktion an den Rand des Ruins brachte. Sie hoben es wieder und flickten es zusammen, aber danach durften sie es nicht mehr komplett ins Bild bringen, zuviel war daran rumgeschweißt worden. Durch raffinierte Schnitte schaffte es Petersen bei den Aufnahmen im U-Boot-Hangar in La Rochelle (der echte übrigens), es so aussehen zu lassen, als würde dort ein halbes Dutzend Boote liegen, es gab aber nur dieses eine. Für die Aufnahmen in voller Fahrt gab es ein leistungsstarkes 11-Meter langes Modell, das anfangs von einem Mann gesteuert wurde, der darin in Taucherausrüstung auf dem Bauch lag. Nachdem er sich bei hohem Seegang (sie filmten all diese Szenen im offenen Meer vor Helgoland) komplett vollkotzte, wurde er durch eine Fernsteuerung ersetzt. Auf dem Turm standen Barbypuppen (kein Witz), die als U-Boot-Fahrer verkleidet waren und sich ferngesteuert unter die Reling ducken und winken konnten. Petersen, der sie selber bediente, schwärmt immer noch von ihnen, muss ihm Spaß gemacht haben. Desweiteren gab es noch drei kleine Modelle, die tauchen und Torpedos abfeuern konnten. Übrige Kulissen wurden kaum gebraucht, man konnte alles in die Boote stecken.

Für die Sturm- und Wasserbomben-Szenen wurde die Röhre so durchgerüttelt, dass die Männer darin wild herumpurzelten und sich Rippen prellten und Platzwunden schlugen. Von außen schlugen Männer mit Vorschlaghammern gegen die Bordwand, um Explosionen zu imitieren und Petersen ließ die Mannschaft bewusst im Unklaren, wann der nächste Rüttler kommt. So ging das stundenlang, der pure Sadismus. Die Panik in den Gesichtern der Besatzung, die sich an allem festkrallen, was in der Nähe ist und mit weit aufgerissenen Augen nach draußen lauschen ist echt! Das war kein Spaß. Zur Abwechslung wurden sie bei Wassereinbrüchen und Turmszenen mit Tonnen und Tonnen von Wasser überschüttet, ganze Sintfluten wurden auf sie herabgelassen, kaltes Wasser, denn für Heißwasser reichte das Budget nicht. Petersen geriet selber mal in eine fehlgeleitete Welle, die ihn fünf Meter durchs Boot wirbelte, danach war er etwas netter seinen Jungs gegenüber. Er meinte, heute könnte man das aus versicherungsrechtlichen Gründen gar nicht mehr so drehen.

Man drehte chronologisch, denn die gesamte Mannschaft musste sich ja einen Bart wachsen lassen, wie es früher üblich war. Daher musste jede Szene genau zur richtigen Zeit gedreht werden, Nachdrehs waren lästig, da mit künstlichen Bärten gearbeitet werden musste, die nie echt genug aussahen. Man kann den Unterschied in ein, zwei Szenen sehen. Dieses Vorgehen hatte aber noch andere Vorteile: die Dreharbeiten dauerten ein Jahr und waren furchtbar anstrengend und der gesamten Mannschaft war es verboten, in dieser Zeit in die Sonne zu gehen (junge junge, was für Sitten.. Überrascht ). Sie sollten den bleichen U-Bootfahrer-Look haben, und wenn man dann noch bedenkt, dass sie täglich gedreht haben, dabei zwischen München, La Rochelle und Helgoland pendelten und sich nicht rasierten, kann man sich vorstellen, wie echt, nämlich ziemlich fertig, sie schließlich wirkten. Das Gehalt war schlecht, das Budget reichte vorne und hinten nicht, aber alle hielten durch, zusammengeschweißt durch die Strapazen. Dazu wurden sie noch als U-Bootsoldaten gedrillt, sie mussten ja ihre Handgriffe im Schlaf können, zwei U-Boot-Veteranen brachten ihnen alles bei, was sie wissen mussten. Am Schluss hätten sie so ein Ding beinahe wirklich fahren können.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der ursprüngliche Kinofilm, in Deutschland heiß diskutiert, wurde zum Überraschungshit in England und den USA, es regnete 6 Oskarnominierungen, dann begann ein für den deutschen Film bis heute beispielloser Erfolgszug um die ganze Welt. Dabei war diese 2 1/2-Stunden-Version übelst geschnitten gegenüber der sechsstündigen TV-Fassung und nie ließ Petersen die Idee los, den "perfekten Cut" zu schneiden. 1995 dann trat Columbia, die die Vermarktungsrechte in den USA haben, auf ihn zu und bot ihm genau das an. Ein Jahr lang wurde neu geschnitten, restauriert, neu vertont. Alle Geräusche bis auf die Dialoge mussten neu eingespielt werden, auch die Musik, die aber Doldinger noch in brauchbarer Qualität in seinem Privatarchiv hatte. Teile der Synchro wurden neu aufgenommen, aber die ist so murksig, die Mühe hätten sie sich auch sparen können. Einige Schauspieler haben sich selber gesprochen wie Prochnow und Grönemeyer, mit starkem deutschen Akzent, die Besatzung wurde, wohl in Hinblick auf die deutschen Dialekte, von Engländern in verschiedenen Dialekten gesprochen, was für ein Durcheinander... der Kaleun befiehlt in deutschem Schulenglisch, ein Schotte antwortet, ect. Dazu wurde auch noch mitunter der Sinn grob entstellt und alle sexuellen Anspielungen entschärft oder entfernt, mal wieder. Kleine Kostprobe:

Matrose (freut sich auf den Landgang):
D: Ahh, ein schöner, gemütlicher Nachmittagsfick!
US: Ahh, a Valkyre, in shiny armour, big and fat!

Matrose (sinniert über Gibraltar):
D: Das ist wie ne Jungfrau - da müssen wir unseren Kahn mit Vaseline einschmieren, wenn wir da durchwollen.
US: It's like the eye of a needle - almost impossible to get through..

Mit den Augen rollen

Tut euch die nicht an, höchstens zum Lachen.

Die 3 1/2-Stunden-Extended Edition, die bereits 1996 als Laserdisc raus kam, gibt es für unter 10 €, ein lohnender Kauf. Zumindest solange es die TV-Version nur auf VHS gibt, was irgendwie echt peinlich ist. Man muss eine DVD kaufen, die für den US-Markt gemacht ist, mit englischen Texttafeln, englischem Kommentar ect. Man bekommt hier alle Folgen von "Friends" in schicken Pappschubern, aber der erfolgreichste deutsche Nachkriegsfilm? Fehlanzeige. Wir müssen Columbia danken, dass sie wenigstens überhaupt diesen Cut möglich gemacht haben. Sitzen die bei Bavaria auf ihrem Gehirn oder was? zeter und mordio


Noch ein paar "Trivias":

- Der echte U-96-Kapitän, Heinrich Lehmann-Willenbrock, besuchte die Dreharbeiten und krabbelte mit Buchheim zusammen durchs Boot, wobei der erfolgreiche Autor gegenüber dem alten Mann wieder zum kleinen Befehlsempfänger wurde, wie Petersen staunend erzählt. Die Rollen hätten sich nicht geändert. Willenbrock legte nach dem Krieg weiter ein steile Karriere hin und kommandierte das erste und einzige deutsche Atomschiff, die "Otto Hahn". Er starb 1986.

- Die 1:1-Replik taucht auch in "Indiana Jones I" auf, sie haben sie Spielberg ausgeliehen. Kurz darauf sank sie dann, was Petersen bis heute scherzhaft Spielberg ankreidet.

- Bei imdb hält sich der Film mit Platz 45 der Top 250 als höchstbewerteter deutscher Film.

- Petersen dreht seitdem nur Müll. Warum? ?????



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 27.09.2005, 21:24, insgesamt einmal bearbeitet
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 18:09                                  +/-

Erstens sieht er selbst das mit dem Müll sicher ganz anders, und zweitens sind vermutlich all seine kreativen Energien in dieses eine Meisterwerk geflossen! Genau wie bei Tolkien mit seinem Herrn der Ringe grins

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 21:58                                  +/-

Du hast nur die erste und die letzte Zeile gelesen, stimmt's?

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:13                                  +/-

hähö

Nein, aber die Idee ist witzig!

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:41                                  +/-

Okay, schaun mer mal, was imdb sagt.. seit dem Boot drehte Petersen:

Die unendliche Geschichte
Schrott. Megaschrott sogar, ich hab selten bei einem Film, nein NIE bei einem Film, solche Schmerzen gehabt. Eines der Lieblingsbücher meiner Kindheit wurde obszön geschändet, das vergess ich ihm nie! Okay, die Effekte waren toll Mit den Augen rollen

Enemy Mine
Hat mir damals gut gefallen, auch wenn ich immer nur einen US-GI und einen japanischen Soldaten auf einem Südseeatoll vor mir gesehen habe. Besonders innovativ war das nicht, ich mein, für einen Science-Fiction. Aber ein interessanter Ansatz und zumindest der Versuch, ein wenig hinter die Fassade des Krieges zu sehen. Verglichen mit den psychologischen Fallstudien im "Boot" aber eher banal.

Shattered
Nie gehört.

In the Line of Fire
Saubere, professionelle Arbeit, spannend, mit exzellenten Darstellern. Allerdings auch etwas zu routiniert, um wirklich mitreißend zu sein.

Outbreak
Sehr professionell, das hat er mittlerweilen wirklich drauf. Einige Ansätze fand ich bewegend, die Frage, wie man mit einer verseuchten Stadt umgeht, der gewisse Zynismus, der ab und an durchblitzt. Aber insgesamt einfach zu sehr Hollywood-Heldenmaschine.

Air Force One
Nicht gesehen, klang einfach nicht interessant genug. Der Präsident als Actionheld? Give me a brake..

The Perfect Storm
Dito.

Troy
Sauberes Sandalenspektakel, aber vom Psychospiel des "Bootes" 20 000 Seemeilen entfernt.

Nein, ich bleib dabei, Petersen hat nie wieder etwas gedreht, das so unter die Haut geht. Das ist merkwürdig, denn ich glaube schon, dass es seine Leistung als Regisseur war, die das "Boot" zu dem gemacht hat, was es ist. Damals legte er noch viel Wert auf das Spiel der Gesichter, auf feinst ziselierte Beziehungen zwischen den Akteuren (der Alte und Kriechbaum z.B. Da steckt soviel drin), auf sich langsam aufbauende Spannung, auf den Horror, der von innen kommt. Später hat ihn das anscheinend nicht mehr so interessiert. Schade. Als Realisateur großer, perfekter Filmprojekte ist er immer noch das Beste, das wir zu bieten haben, aber er "rührt" mich nicht mehr.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:43                                  +/-

Nichtraucher
Give me a brake..

Was willst du denn mit einer Bremse? hähö

Air Furz One war großer Schrott. Der Sturm hingegen gefiel mir im Kino sehr gut, ich weiss aber nicht mehr warum.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:47                                  +/-

Mit den Augen rollen

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:49                                  +/-

Ich sag's ja: der Mann hat sich mit dem Boot völlig verausgabt! Er hat seine ganzen kreativen Energien dort hineinfließen lassen. Das ist wie mit Sauron und dem Einen Ring: nachdem er das Ding geschmiedet hatte, ist ihm eigentlich alles mißlungen. Er war nie wieder der Alte.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 22:51                                  +/-

Bitte verrat nicht alles, ich bin immer noch im Alten Wald.

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 27.09.2005, 23:05                                  +/-

Interessanter geschichtlicher Abriss zum Boot und volle Zustimmung, was die anderen Filme von Petersen angeht. Die unendliche Geschichte war, denke ich, so ziemlich der erste Film, den ich aus tiefster Überzeugung hassen gelernt habe, Air Force One ist Schrott, da gibt es nichts schönzureden, Outbreak ist am Anfang sehr spannend, aber dann stark nachlassend, Troja ist stinklangweilig.

Ich habe bei Petersen immer das Gefühl, dass er bessere Fernsehfilme dreht. Das ist seltsam, Das Boot war ja - um ihn finanzieren zu können - als besserer Fernsehfilm konzipiert, ist aber 1A-Kino.

Übrigens dreht Petersen gerade wieder einen Film über ein Boot.

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Arbrandir



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BeitragVerfasst am: 28.09.2005, 01:52                                  +/-

Zitat:
Petersen entschied, nicht wie geplant von außen ins Boot hinein zu filmen, sondern die abnehmbare Außenwand wieder einzusetzen und alles von innen zu filmen, in der qualvollen Enge des Stahlröhre. Es war so eng, dass kein Platz für ein Stativ war, fast der ganze Film ist mit Handkamera gedreht, für die berühmten Rennszenen, in denen es in wilder Jagd durch die Röhre geht, wurde so etwas wie eine kleinere Version der Steadycam erfunden, Marke Eigenbau. Diese Kamera surrte so laut, dass alle Innenaufnahmen nachsynchronisiert werden mussten. Doch Petersen war es wichtig, die klaustrophobische Enge des Bootes auf die Leinwand zu bekommen, und das gelang ihm, weiß Gott.



Du kannst einfach nicht verbergen, daß Du ein schamloser Anhänger der auteur-Theorie bist, pk. Der Regisseur als gottgleicher Ordner aller Wirrnis, dessen goldenes Händchen/Öhrchen/Äuglein allein dem Film Tiefe und Bedeutung verleiht. grins

Aber Ehre, wem Ehre gebührt - Es war Jost Vacanos geniale Kameraarbeit, die die klaustrophobische Enge im Boot so unmittelbar und eindringlich zum Zelluloidleben erweckt hat.


Ansonsten: Danke für diese spitzenmäßige Hintergrundbesprechung!


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