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Sunny



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BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 21:16                                  +/-

Ich hab mir letzte Woche auch mal wieder 2 Alben gekauft die es verdient haben zumindest kurz vorgestellt zu werden.

Das erste ist die neue Scheibe von "Ash" - "Twillight of the Innocents"

Gekauft hab ich mir die Platte vor allem aus nostalgischen Gründen, denn eigentlich waren Ash schon tot. Ein sehr durchwachsenes letztes Album und dazu noch der Ausstieg von Gitarristin Charlotte Heatherley, die meiner Meinung schon immer die Seele der Band war verhieß jedenfalls nichts gutes.
Die gute Charlotte (bitte die böse Assoziation die jetzt mit einer grauenhaften anderen Band kommt ignorieren..) hat übrigens auch ein wundervolles Soloalbum, "The Deep Blue", aufgenommen. Kann ich nur empfehlen.
Aber zurück zu Ash, die es trotz allem geschafft haben Lieder zu schreiben die an ihre großen Hits von früher herankommen. "You can't have it all", "Polaris" und vor allem das abschließende Titellied "Twillight of the Innocents" schaffen es zu begeistern. Hätte ich ihnen nicht mehr zugetraut, wenn sie es jetzt noch schaffen in nächster Zeit mal hier in der Nähe aufzutreten bin ich wieder komplett mit ihnen versöhnt.

Die zweite CD die ich mir gekauft habe ist die neue "Tocotronic" namens "Kapitulation".

Viel möchte ich dazu auch nicht schreiben, denn entweder man mag diese Band oder man mag sie nicht. Ich mag sie und auch das neue Album. Bin immer wieder erfreut wie sehr sich die Jungs von einer scheppernden Krachband zu dieser großen mit melodiösen und intelligenten Gitarrenliedern umsich werfenden Gruppe entwickelt hat.


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Shut up, Crime!
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 28.07.2007, 01:50                                  +/-

Was ich an Tocotronic doof finde, ist, dass das alles Männer sind.


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You met me at a very strange time in my life.
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Gimli



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BeitragVerfasst am: 28.07.2007, 15:03                                  +/-

Möchte man gar nicht meinen, wenn man sie so singen hört.


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Yeah, well, you know, that's just, like, your opinion, man.
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Craggan



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BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 10:42                                  +/-

Sunny

Die zweite CD die ich mir gekauft habe ist die neue "Tocotronic" namens "Kapitulation".

Viel möchte ich dazu auch nicht schreiben, denn entweder man mag diese Band oder man mag sie nicht. Ich mag sie und auch das neue Album. Bin immer wieder erfreut wie sehr sich die Jungs von einer scheppernden Krachband zu dieser großen mit melodiösen und intelligenten Gitarrenliedern umsich werfenden Gruppe entwickelt hat.


Yes Spitze


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Mond



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BeitragVerfasst am: 21.01.2008, 21:45                                  +/-

Ich würde auch gerne mal eine CD-Kritik schreiben. Aber mir fehlen bei der genialen Musik, die ich höre immer die Worte.
Ich werde es demnächst mal versuchen. Yes


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The Art of Happiness
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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 21.01.2008, 21:51                                  +/-

Mond
Ich würde auch gerne mal eine CD-Kritik schreiben. Aber mir fehlen bei der genialen Musik, die ich höre immer die Worte.
Ich werde es demnächst mal versuchen. Yes


Da muss ich mal sagen, dass es mir genauso geht zwinkern


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 21.01.2008, 22:09                                  +/-

Ich habe nie das Verlangen, über Musik zu reden oder zu schreiben. Gefällt mir oder gefällt mir nicht, aber viel sagen kann ich dazu nicht. Kann meistens nichtmal begründen warum es mir gefällt (oder eben nicht). Winzige Nuancen können entscheiden, ob ein Stück herausragend, mittelmäßig oder schlecht ist.


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I have come here to chew bubble-gum and kick ass. And I'm all out of bubble-gum.
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Craggan



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BeitragVerfasst am: 22.01.2008, 00:24                                  +/-

letztens für 6 Euronen auf dem Krabbeltisch erworben:




Die kann ich mir nur im hellen anhören, ansonsten bekomme ich Angst


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 22.01.2008, 13:34                                  +/-


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Eiranion
Dr. rer. nat Frühstück


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BeitragVerfasst am: 11.02.2008, 21:21                                  

So, da ich nun seit einigen Wochen das Cover als Avatar durch die Gegen schleppe und ich gerade nichts besseres zu tun habe, eine kurze Präsentation meines Lieblingsablums:


Angefangen hat die Enstehung diese Albums in den frühen 70er Jahren mit den Entwürfen für ein auf Peter Pan basierendes Musical "Neverland" des Songwriters Jim Steinman, der schließlich für den Sänger Meat Loaf aus diesem Material ein Album bastelte, für das nach jahrelanger vergeblicher Suche endlich eine Plattenfirma gewonnen werden konnte, die es Ende 1977 auf den Markt brachte.
Die Verkäufe begannen schleppend, nahmen aber dann an Fahrt auf und belaufen sich mittlerweile weltweit auf etwa 35 Millionen Exemplare.

Zum Album:

1. Bat out of Hell
Der Song beginnt mit kräftigen Schlägen der Drums und bietet dann etwa 2 Minuten temporeiches Intro, bevor zum ersten Mal Meat Loafs Stimme erklingt und er beginnt eine dramtische und düstere Landschaft zu entwerfen, aber im Endeffekt gehts natürlich um eine Frau, eingeführt mit den Worten

"Oh baby youre the only thing in this whole world
Thats pure and good and right
And wherever you are and wherever you go
Theres always gonna be some light"

In den folgenden sieben Minuten Song wird diesem Mädchen auf dramtische und von Pathos triefende Weise klar gemacht, dass dies die letzte Nacht der beiden zusammen seien wird, und sie doch bitte jetzt unbedingt mit ihm schlafen muss.

Kritiker werfen dem Lied, wie dem ganzen Album, eine starke stilistische Ähnlichkeit zu Bruce Springsteen vor, die auch nicht von der Hand zu weisen ist, bedingt unter anderem durch die Beteiligung einer Musiker der E-Street Band bei den Studioaufnahmen.

2. You Took The Words Right Out Of My Mouth (Hot Summer Night)

Eingeleitet wird der Song durch das kurze Wortgefecht "Hot Summer Night", bevor Produzent Todd Rundgren einen wunderbaren Sound in der Tradition von Phil Spector vom Stapel lässt.
Inhalt des Songs ist kaum vorhanden, Kerl besingt seine Freundin und preist ihre Qualitäten.
Das Stück hat großes Ohrwurmpotential und macht einfach tierisch Spaß.

3. Heaven Can Wait

Ein sehr ruhiger Song, nur Klavier und ein paar Streicher.
Er beschäftigt sich mit dem Tod und dem Paradies, aber so richtig hab ich die Intention dahinter nie verstanden.
Trotzdem einer meiner Favoriten, weil er einfach so verdammt schön ist. Typisch für den Meat Loaf, oder besser Steinman-, Sound ist der exzessive Einsatz von Backgroundgesang, der 16 Jahre später auf Bat II noch viel ausgeprägter war.

04. All Revved Up With No Place To Go

Ein Partysong. Junge am Wochenende nachts in der Stadt unterwegs mit seine Leuten und er singt darüber, wie ihn das Fieber packt, etwas unternehmen zu müssen, und natürlich hat er da ein Mädchen im Auge, das er angraben will.
Tolle Saxophonarbeit.

05. Two Out Of Three Ain't Bad
Ein Nicht-Liebeslied.
Sehr ruhig und fast auschließlich vom Klavier getragen.
Meat Loaf macht mit einem Mädchen Schluß, sagt ihr das es keinen Sinn mehr macht zu reden und verabschiedet sich mit den Worten
"I want You
I Need You
But there ain't no way I'm ever gonna love you
But don't be sad, Two out of Three ain't bad"
Im zweiten Teil des Songs erklärt er sein Verhalten damit, das ihm vor Jahren von einem Mädchen das selbe erzählt wurde.

06. Paradise By The Dashboard Light
Der Klassiker, eine verhängnisvolle Liebesgeschichte in 3 Akten.
Junge und Mädchen auf dem Rücksitz eines Autos, er will vögeln, sie will einen Liebesschwur fürs Leben. Er lässt sich breitschlagen und schwört er schließlich, sie nie zu verlassen, bis ans Ende der Zeit.
Jahre später hängen die beide durch ihren Schwur aneinader gekettet und beten für das Ende der Zeit um endlich voneinander los zu kommen.
Besonders Live ein absoluter Kracher, mehr Musical als Rocksong, macht einfach irre Spaß.

07. For Crying Out Loud
So ziemlich mein Lieblingssong überhaupt.
3 Klaviere, das LA Symphony Orchestra und Meat Loafs Stimme in Bestform brillieren in dem totalsten Liebeslied das ich kenne. Natürlich Kitsch pur, aber herrlich herrlich herrlich, und natürlich nicht frei von Humor, so lässt der Sänger sein Mädchen zwischen zig Liebesschwüren wissen, sie bringe gerade seine Hose zum Platzen.


So, das wars, bin mal gespannt ob sich irgendwer dieses Traktat komplett durchliest, aber mir hats Spaß gemacht und ich hab das Album dabei mal wieder gehört.

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Craggan



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BeitragVerfasst am: 11.02.2008, 23:56                                  +/-

"Two out of three" habe ich im vorigen Jahrtausend mal (auf Kassette!!!) als subtile Botschaft an eine Buhlschaft versendet *schwelg*

[/Highlander]


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Craggan



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BeitragVerfasst am: 23.05.2008, 22:57                                  +/-

Beatsteaks live, Kanonen auf Spatzen



Vor 1 Woche erschienen, dreht sich derzeit auf meinem Plattenteller CD-Laufwerk.
2 Cd's und 1 DVD (letztere habe ich noch nicht gesehen, kommt heute abend). Bewertung folgt auf dem Fuße, naja mindestens zeitnah...

So viel vorab: Sie hat sich spontan einen Platz in Craggans Live-Alben-Top-10 erworben. Diese geballte Power muss man erst mal auf Vinyl Plastik bannen. Wahnsinn, was die Beachbuletten da hinlegen. geniale Mitschnitte einer genialen Tour.

Hier, damit ihr es einordnen könnt (und weil ich gerade Lust darauf habe) mal die spontane, unreflektierte, aber einigermaßen valide aktuelle Craggans Live-LPCD-Top-10 (alphabetisch sortiert - innerhalb der 10 möchte ich dann nicht noch mal sortieren müssen):

Beatsteaks - Kanonen auf Spatzen
Hammerharte Athmosphhäre auf CD gebannt. Man spürt förmlich die Stimmung!

Christian Mc Bride - Live at Tonic
Christian Mc Bride ist der fantastischste lebende Jazz-Bassist (und wenn er tot wäre, wäre er immer noch fantastisch). Die Doppel-CD ist eine Aufzeichnung eines Konzerts in seiner Heimatstadt New York. Die zweite CD ist ungeschnitten. Wenn man die Augen zu macht, steht man live im Tonic. Ich kriege jedes mal gänsehaut, wenn ich die höre, obwohl die Musik z.T. schon etwas ins freirockjazzige abrutscht, das ich normal nicht so mag. Dazu kommen audiophile 4 Sternchen

Eric Clapton - Just One Night
Geile Aufnahme. Geiles Konzert. Clapton hat es einfach drauf. Lay down Sally und Wonderful tonight sind hier besser als im Original!

Holly Cole - It happened one Night
OK - Ihr wisst schon: Ich bin in Holly Cole verliebt. Diese Frau. Diese Stimme. Live dann noch diese Atmosphäre. Und - diese Aufnahme. Man hört auf dem Röhrenverstärker die irrsten Geräusche aus den irrsten Richtungen. Nur Hollie und Gitarre, Bass, Klavier. Hammer!!!

Doors - Live at the Hollywood Bowl
Wenn ich einen Wunsch für eine Zeitreise frei hätte, wäre es ein Livekonzert mit den Doors. The End Live und dann tot umfallen. Morrison war DER charismatische Sänger schlechthin. Ever. Nicht Elvis, nicht Caruso. Nein. Jim! Live ja gerne mal mit dem Rücken zum Publikum oder mit den Hosen runter. Anhören!

Eagles - Live
relativ neu, erst vor ein paar Jahren rausgekommen. Bin ich erst rangekommen, weil es so tolle Audio-Bewertungen bekommen hat. Ist auch kein reines Livealbum, sondern enthält auch Studiostücke (get over it und so). Steht auf dieser Liste nur wegen eines Songs. Hotel California. Live. Das haut Dir am Anfang die Bongos nur so um die Ohren und fast den Tieftöner aus der Box. Geeeile Aufnahme (scheint bei Livealben einfacher zu gehen irgendwie). Dann diese knackige Flamencogitarre und dann der Song selbst. Wer's noch nicht hatte: Anhören!

Fleetwood Mac - The Dance
Gut. Fleetwood Mac. Seeeehr alte Band. Black Magic Woman kommt von denen, nicht von Santana. Auch diese Live-CD eine Reunion-CD jüngeren Datums. Mein Favorit ist Rhiannon. Die brüchig gewordene Stimme von Stevie Nicks passt sooo gut zu diesem traurigen Song. Wunderbar! Aber auch The Chain und die anderen Klassiker kommen einfach wahnsinnig relaxt und musikalisch gigantisch gut rüber. Auch hier wieder geniale Aufnahme!

Farin Urlaub - Live Album Of Death
Muss ich den Ärzetverrückten Kneiplern ja wohl nicht vorstellen. Ganz ganz viel Energie auf Cd. Mit der Platte kann man 3 Tage lang Strom erzeugen. Besonders geil der Mann mit der Posaune!

Nirvana - Unplugged
Meine Lieblings-Unplugged vor Rock'n'Roll Realschule. Die ollen Grunge-Rebellen mit akustischen Instrumenten kommen wider Erwarten genial gut rüber. Come as You are fällt mir spontan als gelungener Song ein. Mal reinhören!!

Yes - Livesongs
Die kennen allerhöchstens noch PK und Guy. Ich bin auf Yes über den fabulösen Rick Wakeman gekommen, damals als ich Keyboard gespielt habe. 3-fach-LP (ja - die habe ich noch als Vinyl) mit schenialer Cover-Art. Experimenteller Bombast-Rock mit klassischen Implikationen (schöner Satz, gelle grins ?). Leider eine beschissene Aufnahme, aber musikalisch ein Reinhörmuss.

Feedback erbeten!


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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 24.05.2008, 00:22                                  +/-

Mein liebstes Live-Album:

Haaaaaaaaaaaaach!



Mein zweitliebstes Live-Album:

Wenn man ganz genau hinhört, kann man mich bei manchen Liedern singen hören.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 31.03.2009, 00:08                                  


Große Cover-Art!

Reine Nervensache (1981), (Heinz Rudolf Kunze

Das muss jetzt sein, mach grad ne kleine Retrowelle durch. Kunze hören ist wie es sich durch die Ruinenschichten Trojas zu graben sein muss - je weiter man sich nach unten durchgräbt, um so interessanter wird's.

Heute ist Kunze für mich nur ein komischer Giftzwerg, der ab und zu lächerliche Sachen sagt und bei irgendwelchen Gutmenschenprojekten mitmischt. Seine neueren Sachen habe ich gar nicht auf dem Schirm. Reine Nervensache war hingegen seine Debütplatte und ist so gut, dass er danach auch gar nicht mehr viel hätte machen müssen, wenn es nach mir ginge.

Neun Songs (ja nur neun, so war das damals, da hat man LPs mit neun Songs veröffentlicht *tatter*), und ich mag alle. Liegt sicher auch an der Instrumentierung, die akustiklastig und neo-folkig ist, noch kaum fiese 80er-Synthies, dafür locker pickende Gitarren, swingender Kontrabass und ein bisschen Mundharmonika. Recht melodisch und einen Song wie "Balkonfrühstück" würde ich auch hören, wäre er auf russisch gesungen.

Dabei sind die Texte natürlich wichtig, ist ja deutsches Liedermachergut, nicht wahr? Muss man mögen. Kunze war hier zwar erst 25 Jahre alt, aber bereits vollkommen verbittert und menschenfeindlich, großartig hähö Wenn er was kann, dann ist es ätzen, und das macht er hier sehr gut. In Balkonfrühstück persifliert er eine halblinke, trostlose Neo-Spießer-Existenz ...im Gewerbegebiet Nürnberg-Süd, ...gegenüber bei Nordmende, ...und die Autobahn rauscht zum Kaffee fast wie das Meer. Wunderbare Sätze fallen wie in den Parteitagsgeländeruinen spielt die deutsche Jugend Schaumgummisquash. Er mag lange Wörter, ich mag das.

In Mit meinem leeren Glas tigert er als Gastgeber durch seine eigene Party und fühlt sich einfach nur unglücklich und überflüssig... ich hoffe, ihr fühlt euch wohl - ein Wäschekorb Kartoffelchips und 25 Flaschen Wein... . Er will ja keinen mit seiner schlechten Laune anstecken, bei mir wird's ohne mich erst schön, und verbreitet doch gleichzeitig seine misogyne Weltsicht, sie ist dich gar nicht wert, du machst dich umsonst kaputt... entführe sie, kassiere und vergiss sie irgendwo!

Der Gipfel der Trostlosigkeit aber ist Romanze, wo er einen One-night-Stand mit sich selber beschreibt.. das müsst ihr euch reinziehen.. hähö

Ich seh mich auf der Straße und bin begeistert. Ich spreche mich beherzt an und lade mich zum Kaffeetrinken ein. Ich plaudere mit mir den ganzen Nachmittag hindurch, ich stelle fest dass ich die gleichen Filme mag wie ich.
(...)
Zu Hause hören wir Theodorakis bei Kerzenlicht, ich lese mir noch zwei Gedichte von F. C. Delius vor, dann streichle ich mich sanft und schließlich schlafe ich mit mir...

Und natürlich gibt es auch hier kein Happy end:

Der nächste Morgen ist ein trüber Tag, ich öffne sacht die Augen, seh mich um, doch das Bett neben mir ist leer. Ich bin anscheinend schon gegangen, und ich weiß nicht mal meinen Namen.

Hier kann man ja über die surreale Situation noch lachen, aber das soll einem spätestens bei An nichts gewöhnt abgewöhnt werden:

Zum Beispiel dass ein naher Mensch
vor Schmerzen schreit und stirbt.
Der Tod schlechthin ein Fakt, das nicht
für Gottes Schaltplan wirbt.

Zum Beispiel dass man Liebe kaum
zu dritt erleben kann,
und mancher den als Frau man wünscht
verkehrt nun mal als Mann.


Der junge Kunze findet vieles nicht okay Echt schlimm Aber vieles IST ja auch nicht okay. Und da hilft so ein bisschen totale Misanthropie schon recht gut. Also mir auf jeden Fall. Ich kann über seine Texte sowohl lachen, wie auch in ihnen eine gewisse Katharsis finden. Der junge Kunze nahm sich, so habe ich den Eindruck, auch noch nicht so ernst wie in der "wir singen alle gegen Aids"-Stadion-Rock-Phase der späten 80er. Da gibt es auf der Platte zum Beispiel noch den knackig hingerotzten Rocksong Abstinenzler, in dem es schlicht eine Absage an einfach alles vor den Latz gibt:

Mancher schmaucht'n Pfeifchen,
mancher mampft'n Kuchen,
mancher muss für seinen Kick
'n bischen länger suchen.

Mancher nimmt 'ne Frau,
mancher nimmt'n Mann,
mancher findet dass man auch
was andres nehmen kann.

Ich nehme gar nichts!
Rein gar nichts!
Was für'n Kick,
wenn die Sucht
nicht das kriegt,
was sie sucht.
Ich nehme gar nichts!


Gewalt ist keine Lösung

Es geht immer mehr oder weniger um Leute, die sich in den 70ern irgendwie mehr erhofft hatten, als es die nun anbrechenden 80er zuzulassen bereit sind. Während andere wie BAP noch die linken Ideale beschwören, hat Kunze längst aufgeben und seine Gesinnunggenossen sind sogar in erster Linie Ziel seines Spotts. Die Platte zu "Neue Vahr Süd" vielleicht. Herrn Lehmann hätte Reine Nervensache gefallen. Ja, könnte passen. Auf jeden Fall ein authentisches Stück musikalisches Deutschlandbild der Wende-Zeit.

Die Platte schließt dann auch mit dem dylanesken 8:25-Minuten-Stück Bestandsaufnahme, wo er, gerade mal 25 Jahre und damit kein Alt-'68er, so tut, als wäre er doch einer:

Es gab mal Zeiten, wo die Brüste unserer Mädchen
noch kein Geheimnis waren, kein Privatbesitz.
Wir wussten alles voneinander, nicht wie heute,
wo man vereinzelt auf der Dauerdame schwitzt.
(...)
Wir sind jetzt mündig und wir haben nichts zu sagen.
Wir wählen selbstverständlich weiter SPD.
Wir haben keinen Grund, uns wirklich zu beklagen.
Der Sozialismus täte uns ein bisschen weh.


Ich glaube, sein Problem war, dass er so eine Art Zwischengeneration ist: zu jung für Woodstock, zu alt für Punk. Blieb wohl nur der ätzende und zugleich sehnsuchtsvolle Spott über die Revolution, die gerade vorbei war, als er endlich alt genug war, daran teilzunehmen. Manche Zeile sind immer noch (bzw. gerade wieder) top-aktuell:

Es spielen immer öfter Gruppen, die wir mögen,
in unsrer vollgefressnen, geisteskranken Stadt.
Doch wir verzichten auf den Anblick unserer Helden,
weil uns Enttäuschung unverhofft verbittert hat:
sind sie denn wirklich schon so abgrundtief gesunken,
dass sie es nötig haben, hier zu konzertier'n?

Frei nach Groucho Marxs ich will nicht in einem Club Mitglied sein, der Leute wie mich aufnimmt.

Ach herrlich Smilie Tolle Platte, wenn auch nur für bestimmte Stimmungen geeignet. Könnte Morgi, Craggan und Wolter gefallen, wenn auch jeweils aus völlig anderen Gründen.

9 von 10 leeren Gläsern


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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 31.03.2009, 09:48                                  +/-

Es ist so schade, dass Morgi keine Popmusik hört, die frühen Kunze-Alben könnten der Soundtrack zu seinem Leben sein. Auf "Wunderkinder" von '86 findet sich zum Beispiel mit "Kadaverstern" ein Song über Tierversuche, der auch als Tierrechtshymne taugen würde:

Für euch bin ich gestorben,
damit ihr euer krankes Leben überlebt.
Wie könnt ihr bloß ertragen,
daß ihr mir von Geburt an keine Chance gebt?


und es geht tatsächlich weiter mit

Für mich ist täglich Treblinka, Soweto und My Lai,
für mich ist täglich Golgatha
und nie der Krieg vorbei.


Kunze hat gerne so was Morbides, auf den Tod Fixiertes, was Morgoth gefallen würde. Und natürlich die hoffnungslose Sicht auf die Welt, das Leben an sich und die Unerreichbarkeit toller Frauen:

Zum Beispiel, daß der Dicke dort
mit Postbeamtenblick
die Frau ansieht und wissen muss,
die Frau schaut nie zurück.


Ist eigentlich alles da. Ich brenn ihm die mal einfach Yes


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BeitragVerfasst am: 31.03.2009, 11:50                                  +/-

Nichtraucher
Es ist so schade, dass Morgi keine Popmusik hört



Mir geht es genauso mit Morgi und sogenannter PD-Musik. Traurig Ich würde mir immer wünschen, dass er die Band Samsas Traum für sich entdecken könnte.

Samsas Traum aus dem Interview-Track "Vegan oder tot":

Zitat:
Wenn man nicht so ist wie alle anderen und nicht so sein möchte, und nicht so werden will, und die ganze Geschichte, diesen Planeten einmal von oben betrachtet, dann wird man auch wenn man kein Misanthrop ist sehr schnell zu dem Schluss kommen, dass es ohne uns Menschen auf diesem Planeten einfach besser wäre. Und es gibt mich für überhaupt keine Ausnahme.

Das heißt: Ich möchte alle verschwinden sehen. Ich möchte frei von allen Unterschieden keinen Menschen mehr sehen. Es ist sehr interessant, wie man dann überhaupt leben kann. Ich weiß auch nicht, wie Ich damit leben kann. Es ist so, dass ich diese Meinung so stark in mir empfinde, wie kaum etwas anderes. Und Ich habe für mich selbst meinen Platz und meine Zukunft und meinen Weg in der Welt gefunden. Und dieser Weg führt entweder in den Freitod oder in eine Isolation, in einen Lebenszustand, den ich als autark und autonom bezeichnen würde, irgendwo, wo ich niemandem anderen schade und von dem Rest nichts mitbekomme. Und Ich glaube, dass Ich nichts anderes zum Wohle dieses Planeten beitragen kann, als dass mein Körper irgendwann einen Baum nährt, oder den Wind, oder die Blumen, oder die Steine oder das Meer. Ich kann keinen Nutzen aus den Eindrücken ziehen, die täglich auf mich einprasseln. Ich finde, dass wir nicht von Belang sind für einen Baum. Und sogar der kleine private Rahmen, indem sich das Leben abspielt, wird dann belanglos, wenn all die nicht mehr sind, die sich daran erinnern konnten, dass das mal empfunden wurde, was da empfunden wurde. Von belang ist schlussendlich nur das kosmische Prinzip, das den Kosmos existieren lässt. Alles andere ist nicht von Belang. Alles andere ist immer nur von so großer Wichtigkeit, wie der Rahmen ist, den man dafür gesteckt hat.

Jedenfalls hat all das, worüber Ich die letzten 30 Minuten drüber geredet habe, das hat für mich einen höheren Stellenwert eingenommen, als der Veganismus. Weil mein Veganismus für mich aber auch normal geworden ist. Ja, es ist jetzt so, dass Ich die Zeit wo Ich massiv Bücher gelesen habe und Flugblätter und Zeitungsauschnitte und Internetseiten, und so weiter und so fort, wo die ganzen Zahlen heruntergebetet werden...diese Phase habe Ich hinter mir gelassen. Ja, das heißt, Ich kenne mich aus. Ich weiß, was Ich esse, Ich weiß, was Ich essen will, Ich weiß, wieviel Ich wovon essen muss, wieviel Ich wovon essen sollte, Ich weiß, woher Ich es bekomme, und Ich weiß, das alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Und wer das nicht versteht, der hat Pech gehabt und wird es in ein paar Jahren am eigenen Leib erfahren, was mit ihm passiert und was sein Körper mit ihm anstellt. Ich habe kein Mitleid für Menschen die an einem Herzinfarkt sterben, Ich habe kein Mitleid für Menschen die übergewichtig sind, Ich verabscheue Dicke...Ich habe einfach, ich habe einfach nichts übrig für Menschen.


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„Hm, ich hätte Appetit auf generell asiatisch.“
(Tyler D.)
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BeitragVerfasst am: 06.04.2009, 19:39                                  



Ivenberg - Leben heißt Sterben

"Gute Musik kommt doch nur aus Norwegen" (PD). So oder so ähnlich äußert sich mancher Fan härterer Metallmusik. Stimmt aber nicht immer. Ivenberg sind ein dynamisches Quartett hinter dem Frontmann Morsan, der einst bei Varg jaulte, und kommen aus dem beschaulichen Coburg. Mit dem Album Leben heißt Sterben zeigen sie der internationalen Konkurrenz, wo Thors Hammer hängt. Traut man den Oberfranken gar nicht zu. Bei myspace haben sich Ivenberg unter "Modern Viking" eingeordnet - gemeint ist Viking Metal, aber eben der raffinierteren Art. Und genau den bieten sie. Der ganze Wikinger- und Heiden-Kram ist eigentlich so gar nicht meins, weder musikalisch noch von den Texten oder den Auftritten, mehr so eine Begleiterscheinung härterer Musik, die man inklusive Wacken-Mittelaltermarkt notgedrungen in Kauf nimmt. Ivenberg verstehen ihr Handwerk aber so gut, dass definitiv kein Methorn trocken bleibt, und auch ich sofort mit ins Drachenboot springen möchte. Wobei die Lyrics eigentlich nur sehr moderat gimlig sind.

Wenn die Songs auf Leben heißt Sterben eines gemeinsam haben, dann ist es ihre Vielfalt. Musikalisch klingt nahezu jede Extreme Metal-Spielart irgendwo auf dem Album an. Nach dem genreüblichen Intro mit pseudo-bedeutungsvoll Geflüstertem geht es natürlich gleich richtig zur Sache. Levande Helvete geht in Richtung kraftvoller, aber noch sehr fröhlicher Death Metal mit peitschenden Drums - ein Partyhit zum Mitgröhlen. Mit Simfonie der Nacht geht es brutal weiter. Hier reiht sich Break an Break und ein Tempowechsel an den anderen. Dazu wird sommerliche Naturlyrik abwechselnd gegröhlt und gekeift:

Dunkle Wälder Blätterrauschen
Farne wiegen sich im Wind
Ein Bach stört leis´ und zart die Stille
Der Sommerduft verwöhnt die Sinne

An meinen Füßen,
Weiches kühles Sommergras
Am Himmel jagen sich die Wolken
Ich atme tief find´ endlich Ruh´


Der Titelsong Leben heißt Sterben schmiegt sich ebenso knüppelhart ins Gesamtbild und hält, was der Titel verspricht. Die Melodie ist eingängig und schlicht. Die Dynamik entsteht wiederum durch die wechselnden Rhythmen und hier auch durch die vielfältigen Voice-Parts. Nachdem die Viking-Partykracher gezündet wurden, geht es ab Ein Tier ruhiger, schleppender, gekrächzter - kurz Black Metaliger zu. Da geht auch mal eine akustische Klampfeinlage zwischendurch. Bis ans Ende aller Tage erschallt noch düsterer und schleppender mit sich hypnotisierend wiederholenden Riffs und schlichten Finster-Lyrics:

Die Zeiten steh´n am Wendepunkt
Der letzte Tanz er hat begonnen
Und aus den Trümmern dieser Welt erklingt der Dämonen schallend Lachen
Der Dämonen schrill Gelächter!
Und aus den Trümmern dieser Welt
Erklingt der Dämonen schallendes Gelächter!


Mit Im Namen meines Blutes geht es ähnlich weiter. Deswegen vielleicht auch nicht gerade der beste Titel auf der Platte, eher ein Tiefpunkt, würde ich sagen. Obwohl mit dem Song formal alles in Ordnung ist, ist das so ein Punkt, wo wieder ein Wechsel schön gewesen wäre. Man hat dort das Gefühl, dass bei aller Abwechslung eine gewissen Monotonie einkehrt - unter Kennern auch als Children of Bodom-Effekt bekannt. Aber das Album ist ja auch noch nicht vorbei. Mit Siechtum wird es sehr geerdet. Recht einfaches Getrommel, aber das ist nur das Atemholen zum großen Finale. Denn mit Wir sind die letzten Krieger wird uns noch mal ein richtiger Gassenhauer vorgesetzt. Das ist bestimmt so ein Lied, das live als vorletztes Lied oder als Zugabe gespielt wird - eine richtige Partyhymne eben. Das nur gut dreiminütige Kracherl kommt fröhlich daher, fast schon Melodic Death Metal, mit Männerchor und so. Dann gibts noch einen akustischen Rausschmeißer und das war's. Keine 40 Minuten ist das Album lang, was aber angesichts der enormen musikalischen Dichte und Vielfalt keinen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Ganz viel Musik in ein winziges Zeitfenster gepresst - ein Album wie gemacht für unsere schnelllebige Zeit.

Für mich jedenfalls sind Ivenberg das neue Ding in Sachen Extreme Metal. Ich höre sowieso immer Sachen, die auch regional zu meinen aktuellen Interessen passen. Man muss nur mal ein bisschen nachdenken: Norwegenurlaub - True Norwegian Black Metal. Käsefondue an Silvester - Schweizer Bands von Samael bis Metallspürhunde. Frankenwandern - Viking Metal aus Coburg. Prost!


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„Hm, ich hätte Appetit auf generell asiatisch.“
(Tyler D.)
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einBaum



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BeitragVerfasst am: 08.04.2009, 11:25                                  

17 Hippies - el dorado





Die 17 Hippies (eigentlich sind es nur 13) habe ich vor kurzem zufällig über eine Radiosendung entdeckt. Dabei haben sie schon so viel gemacht, in Berlin scheinen sie unumgänglich zu sein, wieso hab ich diebisher verpasst? Für den Film "Halbe Treppe" haben sie den Soundtrack begesteuert und mitgespielt: Jeden Tag steht ein anderer Musiker an der Currywurstbude, erst ein Dudelsackspieler, dann einer mehr, und am Schluss tutet und trompetet das ganze Orchester wilde Klezmer-Sounds in den tristen, ostdeutschen Frankfurter Himmel.

"El Dorado" ist das bisher rundeste Album der Band, finde ich: Ausgelassenes osteuropäisches Rumgetute, das entfernt an Goran Bregovic erinnert (Uz), mischt sich mit tieftraurigen Balladen (das wunderschöne "Adieu"), französischen Chansons ("Solitaire") und Irish Folk ("Six Green Bottles"). Gesungen wird auf Deutsch, Englisch und Französisch, schöne Texte, finde ich. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass viele Köche nicht immer den Brei verderben, sondern sich manchmal auch gegenseitig befruchten.


Wer reinhören oder über Tylers Link runterladen möchte: El Dorado bei Amazon als mp3-Download



Roter Mond – die Sonne wirft den Abend
über unsere Köpfe weit hinab.
Da sitzten wir nun, rastlos wie die Raben …
Roter Mond – am Ende vom Tag.

Stolz versinkt die Stadt in tiefes Schweigen.
Ziellos treiben wir umher.
Dann geh’n die Lichter aus am Atchafalaya,
roter Mond – die Strassen sind leer.

Am Atchafalaya, Atchafalaya …
der rote Mond und wir
warten hier auf den Morgen.

Hinter weissen Türen tausend Blicke,
sehen aus den Fenstern nur die Nacht.
Prophet im eigenen Land
sind meist doch nur die anderen.
Die von hier verlaufen sich im Sand.

Am Atchafalaya, Atchafalaya …
dann geh’n die Lichter aus am Atchafalaya,
roter Mond – die Strassen sind leer.

Ich bin nur ein Zaungast eurer Träume,
gehe nur vorbei und nirgends ‘rein.
Die Azaleen leuchten gelb, als wollten sie beweisen:
Was schön ist, bleibt nicht für Ewigkeit.

Am Atchafalaya, Atchafalaya …



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Craggan



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BeitragVerfasst am: 17.04.2009, 20:11                                  

Ganz großes Kino für die Ohren

Depeche Mode - Sounds Of The Universe



Depeche Mode? '80er Jahre Synthiepop? Was will er denn jetzt schon wieder?

Tja, meine Lieben, ihr wisst: Craggan macht sich immer nur dann die Mühe einer CD-Review, wenn er den Eindruck hat, dass da wieder etwas revolutionäres auf den Markt gekommen ist. Und das ist mit dem heutigen Datum zweifelsohne geschehen! Die Herren Gahan , Fletcher und Gore (damals genau gesagt auch noch der nicht zu vernachlässigende Herr Wilder) haben ja spätestens mit dem legendären Album Construction Time Again einen klassiker der Rockgeschchte auf den Markt geworfen, das monolithisch, genial und unerreicht aus ihrem sonstigen Schaffenswerk herausragt. Herausragte muss man nun sagen, denn das heute erschienene Album Sounds Of The Universe kommt dem schon recht nahe.

Ich habe lange überlegt, ob dieser Beitrag hierher (Albumvorstellungen) oder nicht doch eher in den High End Thread gehört. Denn das Album reicht nämlich vielleicht hinsichtlich seiner musikalischen Originalität nicht ganz an Construction Time heran, akustisch ist es jedoch ein absoluter Leckerbissen. Eine qualitativ so gute Aufnahme, wie sie nur alle Jubeljahre einmal erscheint. Da kracht und zischt es aus allen Winkeln der heimatlichen Wohnstatt und es werden elektronische Geräuschwelten aufgebaut, die in den letzten Jahren kaum eine andere Band auf Platte gebrannt hat.

Ein Hoch an dieser Stelle also zuallervorderst auf die Herren Ben Hillier (Produzent), Tony Hoffer (Mix) und Ferg Peterkin (Engineering). Studiogötter höchsten Ranges!

Aber nicht nur akustisch, auch musikalisch hat SOTU einiges zu bieten. Mehr wahrscheinlich, als ich jetzt nach dem dritten Anhören sagen kann. Das Album arbeitet sich langsam in mein Hirn, jedes mal entdecke ich etwas neues. Wahrscheinlich tue ich der Scheibe also hier sogar noch Unrecht und sie ist auch musikalisch (nicht nur akustisch) auf dem Niveau von CTA!

03 Wrong

kennt ihr vielleicht schon aus dem Radio. Die Singleauskopplung, die sich wie ein Korkenzieher ins Ohr bohrt. Treibende Beats, klare Soundstrukturen. Extremer Hüftenschwinger

Aber der Reihe nach! Es geht los mit

01 In Chains

Fängt an wie ein Boxentestgeräusch. Geht dann über in eine sich langsam steigernde, soundtrackige Hymne mit gitarrenriffartigen Synthi-Einwürfen

02 Hole to Feed

Depeche Mode goes Hand Jive! Klassischer Hand Jive Rhythmus mit viel Drums. Könnte anders instrumentalisiert auch von Bo Diddley sein!

04 Fragile Tension

Bezieht seine zerbrechliche Spannung aus klassischen 80er Synthi-Mustern einerseits und der traurigen Stimme von Dave Gahan andererseits

05 Little Soul

Da sind sie wieder , die klassischen Depeche Mode Samples, mit denen sie erstmals auf CTA für Furore sorgten. Das ganze auf einem getragenen Latino-Rhythmus (Merengue?). Bizarre Mischung aus Baustellengeräuschen, lateinamerikanischen Weisen und süßlichem Text ("my little soul will leave a footprint")

06 In Sympathy

akustischer Gitarrensound (wahrscheinlich ja simuliert) zu sehr trockener Percussion. Der geniale Beat zum joggen, Radfahren und jeder art von aerober Ausdauertätigkeit

07 Peace

Etwas spät (früh?) für die Weihnachts-Auskopplung, aber im Hinterkopf für das nächste Fest der Freude behalten. Choralartiger Chorus, souliger Gesang und sehr elektronischer Backtrack dazu. Auch sehr geil, der Song!

08 Come Back

Direkt nach dem harmonische Peace kommt als disharmonisches Gegenstück Come Back. Wobei der Gesang wiederum fast schon Spandau Ballet artig, süßlich ist, wie oft bei Depeche Mode, der Klangteppich allerdings voller akustischer Dornen und Scherben liegt. Die Gitarre klingt fast schon Adrian Belew-artig. Definitiv kein Song für Depeche-Neulinge. Eine Art Cohiba für die Ohren.

09 Spacewalker

Klar, warum dieser Song so heißt! Der Soundtrack zum Mondspaziergang. Man sieht Herrn Armstrong förmlich zeitlupenhaft über die Krater fliegen. Reines Instrumental. Im Hinterkopf für die nächste Vertonung des schwarz-weiß Videos eines extremen Katerfrühstücks behalten

10 Perfect

Auch klar, warum dieser Song so heißt! Der ist nämlich perfekt. Mit Sicherheit haben Band und Studiobosse lange geknobelt, ob sie Perfect oder Wrong auskoppeln sollen. Jean Michelle Jarre-hafte Strings fliegen eingestreut durch den Äther, während im Vordergrund klar strukturiert ein astreiner Synthie-Popsong erklingt. Geniality lies in Simplicity!

11 Miles Away

Wäre Depeche Mode eine Durchschnittskombo, hätte sie Miles Away auskoppeln können und damit immer noch einen Top 10-Hit gelandet. So passt er gut ins Bild / aufs Album, wird aber nicht als herausragend empfunden

12 Jezebel

Könnte auch ein Robby Williams Song sein (anders instrumentiert selbstredend). Wäre dann aber voraussichtlich unerträglich schmalzig. So ist es ein Liebeslied für Wall-E, wenn er mit seiner Robobraut über die verbrannte Erde schwebt

13 Corrupt

Zum Schluss noch ein Knaller mit interessanten Samples (ist das dieses Geräusch einer 45er Magnum, wenn sie durchgeladen wird?). Dazu ein Jive-Rhythmus und... ????? was kann man denn noch anstatt "treibender Beat" schreiben?




Also Leute: ran an die PC's, über den Kneipenlink die Amazons angefunkt und die CD bestellt. Bitte dieses Album NICHT als mp3 downloaden, da ginge 90% des oberhammergeilen Sounds verloren, da bin ich mir ziemlich sicher. Ich habe heute bei Saturn lächerliche 9 EURO für dieses nagelneue Juwel bezahlt! Das ist es allemal Wert. Dazu bekam ich noch einen Downloadgutschein für 3 weitere Tracks.

Hätte ich gewusst, was mich hier erwartet, hätte ich die Special Edition mit einer DVD erstanden (19,90), auf der neben diversen Videos auch weitere Songs sind. Dann gibt es noch eine riesige Box für 60 EUR mit 3 CDs, DVD, Poster und sonstigem Schnickschnack. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber vielleicht wird das ja mal ein Sammlerstück und man sollte es sich doch kaufen. Humhom....

Falls von Euch jemand das Album für 9 EUR kaufen möchte, soll er/sie sich per PN melden. Ich würde mir dann das Special Edition Album zulegen. Vielleicht ja auf Vinyl, das muss erst knallen. Booh ey. Ich bin begeistert! Kauft dieses Album! Kauft, kauft, kauft! Spendet den Tonmeistern Eure Unterhosen und kauft ihnen Nelken!


Axo - ganz zum Schluss noch der Hinweis: Ich bin KEIN Depeche Mode Fanboy! Ich fand bis gestern nur ein Album von denen gut - und ab heute eben Zwei!


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 17.04.2009, 22:30                                  +/-

Klingt gut! Spitze Hab ich dann mal gebloggt (erscheint Sonntag, 17 Uhr).

Ich habe mich bei Depeche Mode ausgeklinkt, nachdem irgendwer von ihrem letzten Album geschrieben hatte, dass sie jetzt vollends abgetakelt seien.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 04:45                                  +/-

Hmm... bis eben gerade hätte ich vermutet, daß die Leute von Depeche Mode längst tot und vergraben sind... und das, obwohl ich Wrong letztens noch auf MTV gesehen habe.

Imho ist Diorama ja das bessere Depeche Mode, aber ich werde trotzdem mal reinhören.


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 11:04                                  +/-

Ich frage mich auch, warum Depeche Mode momentan so gehyped werden. Die Medien haben sich ja schon im Vorfeld der Veröffentlichung ähnlich überschlagen wie Craggan hier. Die Single "Wrong" gefällt mir aber sehr gut und ich werde auch in das Album mal reinhören.


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