Tylers Kneipe Foren-Übersicht Tylers Kneipe

 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste     RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 
Zum ChatSkypen

Die Arena der Gladiarhetoren (Battlethread)
1, 2  Weiter Alle
 
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Grünes Brett
 
 
Autor Nachricht
Oxford
Dr. Olympics


Beiträge: 50415
Wörter pro Beitrag: 33

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 07.05.2009, 19:53                                  

– In diesem Thread werden die Diskussionsbeiträge der Teilnehmer veröffentlicht –



Auf einen formschönen Einmarsch unserer Gladiarhetoren mit Fähnchen und Tamtam müssen wir leider verzichten, da wir eine stark anonymisierte Teilnehmerliste haben. Soviel sei jedoch verraten: es werden in den nächsten Tagen insgesamt 9 selbsternannte "Helden der Sprache" in den Ring steigen, um unter sich den Titel des Rhetorik-Meisters auszufechten.

Mögen die Spiele beginnen!

-----------------------------------

Die Regeln Klick!

-----------------------------------

Der Modus

Vorrunde
Gruppe A: 3 Teilnehmer: User A, B und C - 3 Duelle (zwei pro Teilnehmer, also jeder einmal gegen jeden) mit insgesamt drei verschiedenen Themen
Gruppe B: 2 Teilnehmer: User A und B - 2 Duelle (Hin- und Rückspiel) mit zwei verschiedenen Themen
Gruppe C: 2 Teilnehmer: User A und B - 2 Duelle (Hin- und Rückspiel) mit zwei verschiedenen Themen
Gruppe D: 2 Teilnehmer: User A und B - 2 Duelle (Hin- und Rückspiel) mit zwei verschiedenen Themen

Halbfinale
Halbfinale A: Sieger A vs. Sieger B (nur ein Duell)
Halbfinale B: Sieger C vs. Sieger D (nur ein Duell)

Finale
Sieger A vs. Sieger B (nur ein Duell)

Bei Gleichstand der gewonnenen Duelle entscheidet die Stimmverteilung. Sollte auch dort ein Gleichstand erzielt werden, gibt es Elfmeterschießen, d. h. ein kurzes Duell mit einem neu zugelosten Thema.


-----------------------------------

Die Termine (alle bisher [z.B. in PMs] genannten Termine sind nichtig!!!)

(zunächst nur für die Vorrunde)

Vorrunde, Hinspiele der Gruppen B, C und D sowie 1. Duell der Gruppe A
Gruppe A
Duell Nr. 1, Thema: Öffentliches Grillen - die Pest im Park?
User A (pro Grillen) vs. User B (contra Grillen)

Gruppe B

Hinspiel, Thema: Reisen bildet: Ist die reiselustige Gesellschaft immer auch die bessere?
User A (pro Reiselust) vs. User B (contra Reiselust)

Gruppe C

Hinspiel, Thema: No sports! Übertreiben wir es mit dem Fitnesswahn?
User A (Übertreibung: Ja!) vs. User B (Übertreibung: Nein!)

Gruppe D
Hinspiel, Thema: Stilposen - Gibt es den guten Geschmack?
User A (pro Stil) vs. User B (contra Stil)

Hauptbeitrag bis Freitag 20 Uhr an einBaum senden
Erwiderung bis Samstag 24 (!) Uhr an Oxford senden


Abstimmung möglich: ab Veröffentlichung der Erwiderungen, bis Sonntag 20 Uhr - AUSSCHLIESSLICH PER PM AN TRISKEL

Wichtig! Bei den Abstimmungs-PMs an Triskel jeweils das THEMA des Duells in den Betreff packen, bitte!! (Oder kenntlich machen, dass es sich um eine Sammel-PN mit der Abstimmung zu mehreren Duellen handelt.)

------------------------------------

Vorrunde, Rückspiele der Gruppen B, C und D sowie 2. Duell der Gruppe A
Gruppe A
Duell Nr. 2, Thema: Schuluniformen - potentiell sinnvoll?
User A (contra Schuluniformen) vs. User C (pro Schuluniformen)

Gruppe B

Rückspiel, Thema: Zentralabitur - ist die einheitliche Reifeprüfung sinnvoll?
User A (Zentralabi: Nichtsnützig!) vs. User B (Zentralabi: sinnvoll!)

Gruppe C

Rückspiel, Thema: Westliche Entwicklungshilfe für afrikanische Länder - schadet sie mehr, als sie nützt?
User A (nützt!) vs. User B (schadet!)

Gruppe D
Rückspiel, Thema: Ist Philosophie für das praktische Leben relevant?
User A (contra praktische Bedeutung) vs. User B (pro praktische Bedeutung)

Hauptbeitrag bis Sonntag 20 Uhr an Triskel senden
Erwiderung bis Montag 20 Uhr an einBaum senden



Abstimmung möglich: ab Veröffentlichung der Erwiderungen, bis Dienstag 20 Uhr - AUSSCHLIESSLICH PER PM AN TRISKEL

Wichtig! Bei den Abstimmungs-PMs an Triskel jeweils das THEMA des Duells in den Betreff packen, bitte!! (Oder kenntlich machen, dass es sich um eine Sammel-PN mit der Abstimmung zu mehreren Duellen handelt.)
------------------------------------

Vorrunde, 3. Duell der Gruppe A
Gruppe A
3. Duell, Thema: Früh übt sich: Kindergartenpflicht für alle?
User C (contra Kindergartenpflicht) vs. User B (pro Kindergartenpflicht)

Hauptbeitrag bis Dienstag 20 Uhr an Oxford senden
Erwiderung bis Mittwoch 20 Uhr an Triskel senden


Abstimmung möglich: ab Veröffentlichung der Erwiderungen, bis Donnerstag 20 Uhr - AUSSCHLIESSLICH PER PM AN TRISKEL

Wichtig! Bei den Abstimmungs-PMs an Triskel jeweils das THEMA des Duells in den Betreff packen, bitte!! (Oder kenntlich machen, dass es sich um eine Sammel-PN mit der Abstimmung zu mehreren Duellen handelt.)


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 07.05.2009, 20:17                                  +/-

Ergänzung: Bitte für allgemeine Postings und Spam den allgemeinen Rhetorik-Battle-Thread benutzen.

Nach oben
Antworten mit Zitat
einBaum



Beiträge: 7915
Wörter pro Beitrag: 49

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 08.05.2009, 18:59                                  

Ladys and Gentlemen, verehrte User!


We're ready to ruuuuuumble!



Die Hinrunde von insgesamt vier Matches wird heute Abend ausgetragen. Bis morgen Abend, 24 Uhr, haben die Kombattanten Zeit, die Pamphlete ihrer Kontrahenten sacken zu lassen und sie mit maximal 250 Worten zu vernichten. Diese Beiträge senden sie an den geschätzten Oxford, der sie veröffentlichen wird.

Sie, verehrte Ladys and Gentlemen, liebe User, werden ab morgen, 24 Uhr, per PM an Triskel darüber abstimmen, welcher Duellant das Match ihrer Meinung nach gewonnen hat. Die Abstimmung endet am Sonntag um 20 Uhr. Dann erwartet Sie die Rückrunde der heutigen Matches.

Gepostet am 08.05.2009, 20:10:

Das erste Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Captain Kirk und Lieutenant Uhura. Thema des Duells ist:

No sports! Übertreiben wir es mit dem Fitnesswahn?



+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Lieutenant Uhura behauptet: Nein! Fitness ist wichtig!


Der Fitnesswahn ist der Spross einer hässlichen Familie. Seine engsten Verwandten sind der Gesundheitswahn und der Schönheitswahn. Der Wettbewerb um die beste Figur geht einher mit einem Streben nach perlweißen Zähnen und der größten Potenz. Jeder Greis muss heute noch unbeeindruckt von seiner Prostata seinen Mann stehen!

So ähnlich ist das Bild, das durch den Begriff „Fitnesswahn“ bei den allermeisten Lesern ausgelöst wird. Wie kann man sich also allen Ernstes für den Fitnesswahn in die Bresche werfen? Ich will es trotzdem versuchen.

Niemand würde bezweifeln, dass körperliche Gesundheit ein hohes Gut ist. Warum sollte man das Streben danach also als „Wahn“ bezeichnen? Ebenso sehe ich das mit körperlicher Fitness. Ich bin nicht für den Gesundheitswahn, sondern für ein langes, gesundes Leben. Analog dazu befürworte ich natürlich die körperliche Fitness und das Bemühen um sie. Und es muss ein gesellschaftliches Klima geben, das körperliche Fitness begünstigt.

Woher kommt also der Wahn? Beispiel: Kochsendungen. Seit einigen Jahren – Alfred Biolek war nur die Vorhölle der Kochshows – gibt es im Fernsehen eine Menge Sendungen, die sich mit Kochen beschäftigen. Perfektes Dinner, Star-Kochs hier, Kochduell da. Wieso gucken das so viele Menschen, dass sich das für die Sender lohnt?

Einfache Antwort: Weil heute kaum noch jemand ordentlich kochen kann! Das eigene Unvermögen zu kochen bei gleichzeitigem Bewusstsein um die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung wird durch Interesse für Kochshows kompensiert. Wer weiß, vielleicht lerne ich noch was, während ich bequem auf meiner Couch sitze und mein Magnum lutsche?

Ganz ähnlich ist es mit dem Fitnesswahn. Es gibt Millionen von Fettleibigen, denen man jedes Magnum ansieht. Gleichzeitig gibt es Millionen mit normalem Körperumfang – aber leider haben sich deren Muskeln aufgrund fehlender Betätigung längst in Pudding verwandelt.

Damals, als die meisten Menschen harter körperlicher Arbeit nachgingen, erübrigte sich die Frage nach körperlicher Fitness. Aber heute gibt es fast nur noch Sitzarbeiter in Büros und Dienstleistungen. Und die wissen tief in ihrem Hinterkopf, dass sie eigentlich etwas für ihren Körper tun müssten.

Also bricht der Wahn aus: Kurse werden besucht, Fitnessvideos gekauft und Bodyshaper aus Werbesendungen bestellt, die fast ohne eigenes Zutun den Körper in Form bringen sollen.

Hier rächt sich einfach mangelnde Bildung in Bezug auf Ernährungsfragen und körperliche Gesundheit. Wer weiß schon, wie der Körper funktioniert? Kinder lernen das fast nicht, und für die Erwachsenen kommt jede Hilfe zu spät.

Der Wahn ist der falsche Weg, aber das Ziel ist richtig: wir brauchen fitte Menschen bis ins hohe Alter. Gerade in einer überalternden Gesellschaft. Wer will mit 75 Jahren schon bettlägrig sein und noch weitere 20 Jahre vegetieren?

Doch wie können wir das erreichen? Fitness sollte belohnt werden! Kinder sollten bereits in der Schule genug über gesunde Ernährung und die Funktionsweise des Körpers erfahren. Statt tumber Laufrunden auf dem Schulhof sollte gelehrt werden, wie und warum man sich fit hält. Für nachweislich fett machende und gesundheitsschädliche Lebensmittel könnte eine erhöhte Mehrwertsteuer eingeführt werden, wodurch Rabatte bei den Krankenversicherungsbeiträgen von Gesunden finanziert würden.

Haltet euch fit! Dann endet der Wahn von ganz alleine.



+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++



Captain Kirk hingegen ist überzeugt: Wir übertreiben den Fitnesswahn!





„Der Sellerie ist im Gefrierfach festgefroren. Gut so. Je kälter, je besser. Sellerie hat negative Kalorien, weil man beim Kauen mehr Energie verbraucht, als im Sellerie steckt. Lagert man das Zeug im Drei-Sterne-Fach, ist es eiskalt und der Körper braucht zusätzliche Energie, um das Knollengemüse auf Körpertemperatur zu bringen.“


Spiegel Online ist die reichweitenstärkste deutschsprachige Nachrichtenseite im Internet mit 89 Millionen Besuchen pro Monat. Seit vier Jahren schreibt dort Achim Achilles regelmäßig Kolumnen über sein Fitnessprogramm. „Freizeitsport“ nennt er es und spiegelt damit eine Einstellung wider, die inzwischen viele Deutsche Sport und Gesundheit gegenüber haben. In seinen Anfängen stand der Freizeitsport noch für die Befreiung von der körperlichen Arbeit und den notwendig gewordenen Ausgleich zur Bürostuhlakrobatik. Aber wie frei macht uns der Sport, so wie er heute von den Medien und der Fitnessindustrie propagiert wird?


„Jede Saison aufs Neue war ich abhängig von Klemmbretts Anweisungen. Sklavisch habe ich die Vorgaben zu erfüllen versucht. Ich war abhängig. … Die Verbissenheit der letzten Jahre hat zu wenig Erfolgen, aber viel schlechter Laune geführt. Immer war ich langsamer, als der Plan befahl. …
Deswegen dieses Jahr das komplette Gegenteil: Mit größter Selbstdisziplin für keinen einzigen Wettbewerb angemeldet, außer den Volkstriathlon natürlich und den Stör-Lauf und den Velothon und die 25 Kilometer von Berlin und den Allgäu-Marathon…“



Während viele Religionen das ewige Leben versprechen, ist in unserer bekenntnislosen Gegenwart für Manchen die Gesundheit zu einer Art Ersatzreligion geworden, die uns ewige Jugend und Schönheit verspricht. Und doch verstreicht sie unsere Lebensspanne nur wie Butter auf zuviel Brot.
Von der Angst vor der eigenen Endlichkeit werden wir zu einem Wettrennen getrieben, das wir am Ende nur verlieren können.

Und längst durchbrechen auch sogenannte Freizeitsportler die Grenze, an der der körperliche Leistungswahn nichts mehr mit dem Vorbeugen von Zivilisationskrankheiten zu tun hat. Stichwort Adoniskomplex: 1972 waren in den USA 15% der Männer mit ihrem Körper unzufrieden, 1996 waren es bereits 43% (Frauen jeweils etwas mehr). Auf 1-3 Millionen wird die Anzahl männlicher Amerikaner geschätzt, die schon einmal zu Anabolika gegriffen haben.
Der Fitnesswahn verdirbt uns das Leben, aber nicht nur unser eigenes. Um sich trotzdem überlegen zu fühlen, werden diejenigen auf der Strecke gelassen, die nicht auf der Überholspur zum Lara Croft- oder Wolverine-Körper mitfahren wollen oder können. Auch A. Achilles sonnt sich im Spott über seinen adipösen Nachbarn:


„Schwer atmend öffnet Roland die Tür. Er sieht aus wie eine Rügenwalder Wurst. Obwohl er bisher höchstens achtmal in seinem Leben gelaufen ist, hat er sofort die teuersten Laufklamotten gekauft. Leider helfen bei Roland nicht mal diese enganliegenden Superman-Hemdchen mit Problemzonenkaschier-Einsätzen. Einst gab es Playtex-Zaubermieder für die Damen, jetzt gibt es Laufstützhemden für den lappigen Herrn. Roland keucht.
Wo sich normalerweise die ein oder andere Rippe abzeichnet, ist Roland überwiegend weich. Austernpilz auf zwei Beinen.“


Ganz ehrlich, ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der der Leistungswahn auch auf die letzte Minute unserer Freizeit übergreift und Menschen nur noch nach ihrem Gesundheitsverhalten und dem äußeren Erscheinungsbild bewertet werden.

Gepostet am 08.05.2009, 20:21:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++



Das zweite Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Pille und Scotty. Thema des Duells ist:

Stilposen - gibt es den guten Geschmack?




+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Scotty behauptet: Ja! Es gibt den guten Geschmack! Yes


"Kanon! Bevormundung! Diktatur einer selbsternannten Ästhetik-Elite!“ plärren die pseudoliberalen Geschmacksdemokraten, deren Sinn für Kunst geschult wurde, indem man sie im Deutschunterricht Beipackzettel analysieren ließ und deren Kleidung einen mühsam errungen Kompromiss zwischen der Rebellion gegen die mütterlicherseits aufgezwungenen Cordhosen und der zähneknirschenden Anpassung an die Uniform des jeweiligen Arbeitsmarkt-Sektors darstellt.
Immer mit der Ruhe: Um Bevormundung und Dogmatismus soll es hier nicht gehen. Das überlassen wir getrost den Päpsten – dem vatikanischen Fossil ebenso wie seinen Flitterbrüdern aus dem Modezirkus. Denn so naiv wird doch keiner sein, anzunehmen, guter Geschmack sei eine Art Etikett, das man bestimmten Dingen ein für allemal aufkleben könnte.
Was aber dann?
Van Gogh hat bekanntermaßen zu Lebzeiten nur ein Bild verkauft – der, der es kaufte, bewies guten Geschmack. Lieschen Normalverbraucher, die die Reproduktion dieses Bildes in ihrem Flur hängen hat, beweist sowenig guten Geschmack wie der Millionär, der sich aus aller Welt teure Originale zusammenrafft, deren Wert und Würde ihm ein dutzend Kunstschwätzer oder die Weltöffentlichkeit versichert hat. Warum? Guter Geschmack ist eigener Geschmack. Wer ihn hat, kopiert weder den Stil der andern, noch verausgabt er sich in der pubertären Anstrengung, alles, was nach Massengeschmack aussieht, aus seiner Sphäre zu verbannen. Er gibt sich auch nicht der Illusion hin, es sei möglich, dem Einfluss der anderen durch Flucht und Ignoranz zu entkommen. Eignen Stil zu haben, das heißt: Sich bewusst zu bedienen aus dem Vorrat dessen, was da ist - und zwar in Kenntnis des symbolischen Gehalts der Dinge. Wer Stil besitzt, spricht eine stumme, subtile Zeichensprache. Sicher, Stil kann lügen. Und wer gekonnt lügt, wer eine Maske erschafft, die in sich stimmig ist, dem wird man den guten Geschmack nicht absprechen. Das in modetrunkener Naivität um den Hals gewickelte Palästinensertuch ist schlechter Stil. Dem Märchenprinzen hingegen, der sich so überzeugend mit den Insignien der Armut umgibt, dass die echten Bettler neben ihm wie Hochstapler wirken, können wir höchstens vorwerfen, dass er es sich ein wenig zu leicht gemacht hat. Denn auch das ist ja Stil: Eine Antwort auf die Pornografisierung unserer Wahrnehmung. Stil richtet sich gegen die bequeme Kapitulation des Betrachters vor den allersimpelsten Reizschemata. Weswegen es niemanden verwundern wird, dass Fotografien der Jungen sämtlicher Säugetiergattungen ebenso wie allzu üppiges Sonnenrot und die durch kein ironisches Beiwerk durchbrochene Präsentation weiblicher Brüste sich in guten Stil weitaus schwerer integrieren lässt als Sicherheitsnadeln, Gießkannen, Reptilien oder das verblassende Blau zwischen zwei Wolkenschichten am Abend. Allerdings, echte Meister des Stils müssen auch vor solchen schwierigen Utensilien nicht kapitulieren. Und dass gegen die Verkitschung (die Todsünde im Stiluniversum) kein Ding gefeit ist, davon legt die Weltgeschichte ein trauriges Zeugnis ab.
Ja, es gibt ihn, den guten Stil. Und er ist mitnichten Luxus. Denn indirekt legt er Zeugnis von etwas ab, wonach wir alle streben oder streben sollten: Von einem klaren Verhältnis zur dem, was uns umgibt und zu dem was wir sind. Über dieses Streben an dieser Stelle zu reden wäre allerdings unklug. Es verführt leicht zu Pathos, und das – man ahnt es – wäre nun wirklich: schlechter Stil.



+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++



Pille hingegen ist überzeugt: Den guten Geschmack, den gibt es nicht.


Gibt es den guten Geschmack? Um diese Frage zu beantworten, muss man doch nur mal in einer beliebigen Großstadt auf die Straße gehen und sich die Passanten anschauen. Böse gesprochen wird man binnen weniger Sekunden feststellen: nein, es gibt ihn offensichtlich nicht.

Fragt man hingegen die Leute, ob ihnen ihr eigenes Outfit denn gefalle, so müsste man danach wohl konstatieren: oh, es gibt ihn also doch, den guten Geschmack! In der Regel mag man den eigenen Stil. Schließlich hat man sich seine Klamotten, sein Styling und sein gesamtes Outfit ja auch selbst ausgesucht.

Offensichtlich leiden die meisten Menschen also unter Geschmacksverwirrung, denn die Selbstwahrnehmung unterscheidet sich enorm von der Fremdwahrnehmung. Um dieser Orientierungslosigkeit vorzubeugen, hat die Modeindustrie die so genannten „Trends“ erfunden. Das sind Modeleitlinien, an denen sich vor allem besonders unsichere und unentschlossene Menschen entlang hangeln können: „der diesjährige Frühlingstrend ist….“, „der neue Herbstmoden-Katalog ist da…“, „knallige Farben sind im kommenden Sommer ein Muss…“, „Ocker- und Pastelltöne sind schwer im Kommen….“. So oder so ähnlich wirbt die Marketingmaschinerie der großen Mode- und Kosmetikfirmen alljährlich um diejenigen, die zu wenig Selbstbewusstsein für einen eigenen Stil besitzen.

Ja, lässt sich über Geschmack denn überhaupt streiten, wird man nun fragen. Die Antwort lautet: ja sicher, aber nur über den Geschmack der Anderen. Die Modeindustrie versucht, den Streit zu übertünchen, indem sie den Konsumenten mehr oder weniger in Einheitsmode kleidet. Zielgruppenspezifisch, versteht sich. Man schaue sich beispielsweise nur die 16-20 Jährigen heute an. Wie viel Prozent von denen kauft bei H&M? Man möchte es doch gar nicht wissen. Und warum tragen alle Rentner grau-braun-beige? Passt das besser zu ihrem blass-toten Teint?

Echte Individualisten gibt es kaum noch. Gerade im Jugendbereich ordnen sich viele Menschen bestimmten Szenen oder Gruppen zu. Da sind der Stil und die Kleidung dann im Wesentlichen durch die Zugehörigkeit determiniert. Es gibt die Punks, die Hip-Hopper, die Skater, die Rocker, die Emos, die Gruftis, die Metal-Freaks, die lässigen Studenten (hören Sportfreunde Stiller und haben auch die gleichen Frisuren), die Nerds, die Spießer und und und.

Auf den ersten Blick wirkt das recht vielfältig. Und trotzdem ist es nur eine begrenzte Zahl an Wahlmöglichkeiten. Wieso trägt der Metal-Fan kein pinkes T-Shirt, wenn ihm danach ist? Wieso darf der Skater keine Hosen in seiner Größe kaufen?

Weil es Regeln gibt (wir sind ja schließlich nicht in Vietnam!). Und das Verlangen nach dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ist stärker, als der Drang, sich individuell zu geben. Man passt sich den Regeln seines Genres an. Oder auch den Regeln seiner gesellschaftlichen Stellung. Der Diplomat oder der Banker darf nicht in Badelatschen und zerschlissener Khaki-Hose herumlaufen. Im Gegenzug läuft der Bauarbeiter dafür auch nur zu seiner Hochzeit oder seiner Beerdigung im feinen Anzug auf.

Um abschließend auf die Eingangsfrage zurückzukommen: nein, es gibt ihn in der Tat nicht, den guten Geschmack. Es gibt eine Anzahl vorgefertigter Stile, von denen man sich einen aussuchen kann. Ist man beruflich oder gesellschaftlich gebunden, hat man sogar noch weniger Auswahl. Traurig, aber das ist nun mal die eintönige Wahrheit.

Nach oben
Antworten mit Zitat
einBaum



Beiträge: 7915
Wörter pro Beitrag: 49

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 08.05.2009, 19:37                                  +/-

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Das dritte Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Spock und Captain Picard. Thema des Duells ist:

Grillen - die Pest im Park?


Captain Picard musste sich für heute Abend leider mit einem Schaden im Warp-Antrieb verabschieden. Der Sieg geht deshalb - ohne genauere Hinweise auf die Stimmverteilung - automatisch an....


Spock, der findet: Grillen im Park muss man lieben!



Sobald im Frühling das Wetter besser wird und die Temperaturen steigen wird in den meisten deutschen Haushalten der Grill entstaubt und in den Supermärkten das Fleischsortiment um Grillwurst und -Fleisch erweitert. Doch einige Hindernisse stellen sich dem fröhlichen Fleischbruzzler in den Weg. In vielen öffentlichen Parkanlagen ist Grillen nicht gestattet und Bußgeldbescheide sind nicht selten die Folge des Genusses.

Dabei gibt es eine Vielzahl von Gründen warum es im Interesse der Allgemeinheit ist die semiprofessionelle Fleischbraterei in öffentlichen Grünanlagen zuzulassen. In der deutschen Gesellschaft ist der gemeinschaftliche Verzehr von Grillgut aller Art, natürlich aber nicht ausschließlich, Fleisch in verschiedensten Zubereitungsformen, ein zentraler Bestandteil der sommerlichen Freizeitkultur. Leider verfügt nicht jeder über einen ausreichenden Garten für ausschweifende Grillpartys und müsste damit auf dieses Vergnügen verzichten wenn er nicht in Parks ausweichen könnte. Gerade in größeren Gruppen ist es schwierig eine geeignete Örtlichkeit zu finden sollte der Weg in den Stadtpark verwehrt bleiben.

Als öffentlicher Raum der explizit für die Naherhohlung der Bevölkerung vorgesehen ist muss ein Park oder ähnliches selbstverständlich die Möglichkeit bieten dort den gängigen Freizeitaktivitäten nachzugehen, zu denen Grillen unzweifelhaft dazugehört. Nun ist es so dass beim Grillen wie bei jeder anderen Form der Nahrungsmittelzubereitung Gerüche entstehen und es soll Menschen geben die den Geruch von Fleisch beim Garen nicht angenehm finden. Außerdem ist dass Grillen mit Holzkohle mit einer gewissen Rauchentwicklung und ebenfalls einem charakteristischen Geruch verbunden den nicht jeder zu würdigen weiß. Doch gerade deswegen ist es unverantwortlich den Menschen das Grillen in den öffentlichen Grünanlagen zu untersagen.
Denn ohne Grill kommt man nicht durch den Sommer ohne erheblich in der Wahrnehmung seiner sozialen Verpflichtungen eingeschränkt zu werden. Und so wäre ein jeder gezwungen auf dem Balkon seiner Wohnung oder auf jedem noch so kleinen Fleckchen zu Grillen das irgendwie mit dem Wort „Garten“ beschrieben werden kann. In dicht besiedelten Stadtgebieten ist es also ohne Frage die einzig vernünftige Wahl die Menschen mit ihren Grills in die Parks zu verfrachten, da die Belastung durch Geruch und Rauch dort weit besser verteilt wird und im Allgemeinen weniger Menschen stören kann.

Bei wirklich guten Wetter wird es auf den Wiesen in zentraler Lage natürlich schnell voll. Das ist eine großartige Gelegenheit für die vielen jungen Mensch unter den Parkgrillern dass rücksichtsvolle Zusammenleben mit ihren Mitmenschen zu üben und sich in der schwierigen Aufgabe zu trainieren auch unter Alkoholeinfluss möglichst gewaltfreie Konfliktlösungen zu entwickeln. Wenn dies nicht gelingt steigern sich wenigstens ihre Nahkampffertigkeiten.

Das Entzünden eines Holzkohlegrills ist eine althergebrachte Kulturtechnik die es in aller Regelmäßigkeit zu trainieren gilt damit man nicht auf Gas- oder gar Elektrogrills umsteigen muss und so seinen sozialen Status verliert. Daher sollte das Grillen in öffentlichen Parkanlagen nicht nur weiter erlaubt bleiben sondern es sollten auch weitere Grünflächen dafür freigegeben werden.

Gepostet am 08.05.2009, 20:56:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Das vierte Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Commander Riker und Lieutenant Worf. Thema des Duells ist:

Reisen bildet: Ist die reiselustige Gesellschaft immer auch die bessere?

Sowohl Commander Riker als auch Lieutenant Worf scheinen allerdings auf dem Schnarchplaneten in eine Art Schreckstarre verfallen zu sein. Der eine hat zu viele Wörter verwendet, der andere wähnte die heutige Deadline bei 24 Uhr.

Da die Beiträge beider Duellanten nicht gewertet werden können, wird beiden - ausnahmsweise - ein Aufschub von vier Stunden gewährt. Mögen sie vom Schnarchplaneten wieder in unsere Welt finden. Das Match findet heute Nacht um 24 Uhr statt.

Nach oben
Antworten mit Zitat
einBaum



Beiträge: 7915
Wörter pro Beitrag: 49

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 08.05.2009, 23:32                                  +/-

Der Warp-Antrieb hat mit Fehlzündung doch noch funktioniert, die Schnarchplanetierten sind zu Potte gekommen. Und weil heute der erste Abend ist, machen wir Ausnahmen. Ausnahmen, Leute, exzeptionelle Ausnahmen! Alle Battles finden statt. Dies bedeutet:


+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Das dritte Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Spock und Captain Picard. Thema des Duells ist:

Grillen - die Pest im Park?


Captain Picard hatte sich mit einem schweren Hardware-Schaden im Warp-Antrieb verspätet. Sei Beitrag wurde darum nachgereicht. Ausnahmsweise hat die Jury dies akzeptiert:


Spock findet: Grillen im Park muss man lieben!



Sobald im Frühling das Wetter besser wird und die Temperaturen steigen wird in den meisten deutschen Haushalten der Grill entstaubt und in den Supermärkten das Fleischsortiment um Grillwurst und -Fleisch erweitert. Doch einige Hindernisse stellen sich dem fröhlichen Fleischbruzzler in den Weg. In vielen öffentlichen Parkanlagen ist Grillen nicht gestattet und Bußgeldbescheide sind nicht selten die Folge des Genusses.

Dabei gibt es eine Vielzahl von Gründen warum es im Interesse der Allgemeinheit ist die semiprofessionelle Fleischbraterei in öffentlichen Grünanlagen zuzulassen. In der deutschen Gesellschaft ist der gemeinschaftliche Verzehr von Grillgut aller Art, natürlich aber nicht ausschließlich, Fleisch in verschiedensten Zubereitungsformen, ein zentraler Bestandteil der sommerlichen Freizeitkultur. Leider verfügt nicht jeder über einen ausreichenden Garten für ausschweifende Grillpartys und müsste damit auf dieses Vergnügen verzichten wenn er nicht in Parks ausweichen könnte. Gerade in größeren Gruppen ist es schwierig eine geeignete Örtlichkeit zu finden sollte der Weg in den Stadtpark verwehrt bleiben.

Als öffentlicher Raum der explizit für die Naherhohlung der Bevölkerung vorgesehen ist muss ein Park oder ähnliches selbstverständlich die Möglichkeit bieten dort den gängigen Freizeitaktivitäten nachzugehen, zu denen Grillen unzweifelhaft dazugehört. Nun ist es so dass beim Grillen wie bei jeder anderen Form der Nahrungsmittelzubereitung Gerüche entstehen und es soll Menschen geben die den Geruch von Fleisch beim Garen nicht angenehm finden. Außerdem ist dass Grillen mit Holzkohle mit einer gewissen Rauchentwicklung und ebenfalls einem charakteristischen Geruch verbunden den nicht jeder zu würdigen weiß. Doch gerade deswegen ist es unverantwortlich den Menschen das Grillen in den öffentlichen Grünanlagen zu untersagen.
Denn ohne Grill kommt man nicht durch den Sommer ohne erheblich in der Wahrnehmung seiner sozialen Verpflichtungen eingeschränkt zu werden. Und so wäre ein jeder gezwungen auf dem Balkon seiner Wohnung oder auf jedem noch so kleinen Fleckchen zu Grillen das irgendwie mit dem Wort „Garten“ beschrieben werden kann. In dicht besiedelten Stadtgebieten ist es also ohne Frage die einzig vernünftige Wahl die Menschen mit ihren Grills in die Parks zu verfrachten, da die Belastung durch Geruch und Rauch dort weit besser verteilt wird und im Allgemeinen weniger Menschen stören kann.

Bei wirklich guten Wetter wird es auf den Wiesen in zentraler Lage natürlich schnell voll. Das ist eine großartige Gelegenheit für die vielen jungen Mensch unter den Parkgrillern dass rücksichtsvolle Zusammenleben mit ihren Mitmenschen zu üben und sich in der schwierigen Aufgabe zu trainieren auch unter Alkoholeinfluss möglichst gewaltfreie Konfliktlösungen zu entwickeln. Wenn dies nicht gelingt steigern sich wenigstens ihre Nahkampffertigkeiten.

Das Entzünden eines Holzkohlegrills ist eine althergebrachte Kulturtechnik die es in aller Regelmäßigkeit zu trainieren gilt damit man nicht auf Gas- oder gar Elektrogrills umsteigen muss und so seinen sozialen Status verliert. Daher sollte das Grillen in öffentlichen Parkanlagen nicht nur weiter erlaubt bleiben sondern es sollten auch weitere Grünflächen dafür freigegeben werden.


+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Captain Picard findet: Grillen im Park ist die Pest!


Grillen - verbranntes Fleisch, verbrannte Erde!

Auf die Gefahr hin hier den Spielverderber abzugeben, muss ich hier den Volkssport Grillen seines verklärten alt-deutschen/neu-amerikanischen Heiligenscheins berauben:

Grillen ist nicht nur ungesund, es schadet auch der Umwelt und dem zwischenmenschlichen Zusammenleben. Begnügte man sich früher noch, im heimischen Garten ein oder zwei Steaks zu erhitzen, werden nun ganze Schweine- und Hammelhälften (je nach Konfession) in öffentlichen Parks der Glut und naturversessene Nachbarn meterhohen Rauchwolken ausgesetzt. Gerade in Großstädten wird dabei immer weniger Rücksicher aufeinander genommen.
Nicht nur auf ausgewiesenen Grillplätzen werden wahllos Grillkohle, Einweggrills und sonstiger Abfall in der Gegend verstreut. Auch die Grasnarben in städtischen Parks oder Flussufern müssen nun dem menschlichen Trieb zum Angrillen Platz machen. Dramatische Folge: Grasflächen werden durch Einweggrills beschädigt, Spaziergänger mit Rauch und Qualm belästigt und am nächsten Morgen muss für tausende Euro (Berlin-Mitte: 16000 € pro Wochenende) wieder aufgeräumt werden.

Die Gefahr, die durch offene Glut für Mensch und Natur ausgeht, ist auch nicht zu unterschätzen. Zwar gibt es dafür natürlich vernünftige Vorschriften, aber: "Die Grünflächenordnung schreibt zur Sicherheit einen Mindestabstand von 100 Metern zu Anwohnern und Bäumen und Sträuchern vor. Aber wir messen das jetzt nicht mit dem Maßband, zumal das auf vielen Flächen ja gar nicht möglich ist." Thomas Klein, Sprecher des Kölner Ordnungsamtes Selbst das Ordnungsamt sieht sich also nicht in der Lage, die Gefahr für städtische Parks oder Anwohner angemessen zu kontrollieren. In Berlin-Neukölln fordert der dortige Bezirksbürgermeister sogar schon eine „Hundertschaft“ Polizeibeamte, um der illegalen Griller überhaupt handhaft zu werden.
Abgesehen davon ist Grillen auch noch eine Art der Essenzubereitung, die schon völlig zu Recht in die Kritik geriet. Bei hohen Temperaturen bilden sich schnell schädliche Stoffe wie Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Heterozyklische aromatische Amine (HAA). Allzu oft wird auch besonders fetthaltiges Fleisch auf den Grill gelegt - eine Angewohnheit, die der Gesundheit der Griller sowieso abträglich ist.

Zusammengefasst lässt sich also gut begründet sagen: Grillen ist eine Belastung für die Natur, für die Gesundheit und für den Steuerzahler.



+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++



Gepostet am 09.05.2009, 00:42:

Das vierte Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Commander Riker und Lieutenant Worf. Thema des Duells ist:

Reisen bildet: Ist die reiselustige Gesellschaft immer auch die bessere?



+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Commander Riker findet: Bauchfrei rult!


Die Aussage ist banal: Will einer sich ein Bild von der Welt machen, muss er beizeiten auf Reisen gehen, möchte er nicht vom Geschehen auf diesem Planeten soviel Ahnung haben wie Zonen-Uschi von Bananen oder der Weltwirtschaft.

Eine Bemerkung sei gestattet. Zu diesem frühen Zeitpunkt möchte man die Diskussion bereits für beendet erklären und dem ohnehin nicht für großartiges Reisen bekannten Mitdiskutanten ein herzlich klingendes "Viel Glück!" zurufen. Ein Blick in ein beliebiges Geschichtsbuch macht es ja deutlich: Die reisende Gesellschaft war immer auch die offenere, freiere, bessererere. Der Contra-Beitrag kann also getrost übersprungen werden.

Nehmen wir zum Beispiel eine Gesellschaft im Kleinen. Dieses Internetforum. Seit jeher treffen sich dort Menschen aus allen Regionen Deutschlands zum Plausch, und auch solche aus exotischen Ländern wie Holland oder Österreich. Könnten diese Menschen jemals einander begegnen, ohne zu reisen? Wären Freundschaften, ja sogar dauerhafte Beziehung zwischen ihnen ohne das Reisen möglich? Nein, das wären sie natürlich nicht. Reisen führen also zu erhöhtem Wohlbefinden und angelegentlich zu hartem Sex. Schon so mancher überwand sich selbst in der Eishölle des Harzes, fand zu tiefsinnigen Erkenntnissen beim Wandern auf dem Jakobsweg oder meditierte auf der Chinesischen Mauer. Eine kämpfte sich sogar durch den Dschungel Neuseelands - und überlebte, um davon zu berichten. Selbst der Geschmack von Fish & Chips lässt sich anscheinend nur vor Ort richtig beurteilen.

Doch andererseits erkennen wir auch: Wer nicht reist, vielleicht weil er dazu keine Lust hat, vielleicht des Geldes wegen, der teilt schon mal die Schweiz zwischen Deutschland und Frankreich auf. Offenbar verfügt so jemand über sehr unzureichende Einblicke in die Psyche unserer Nachbarn. Sein Wissen darum ist in den eigenen vier Wänden verkümmert. (*) So entstanden in früheren Zeiten Kriege!

Dieses Stichwort führt uns von den virtuellen Mikrokosmen zu den großen realen Gesellschaften. Warum schickt man denn Kinder im Sprachunterricht nach Frankreich, zum ehemaligen Erbfeind (seit 1640), den unsere Großväter und Urgroßväter höchstens als Landser und mit dem Spruch "Jeder Stoß ein Franzos'" begegneten? Eben. Um Vorurteile abzubauen. Reisen ist gelebte Friedenspolitik. Deshalb sage ich: Wir wissen immer noch zu wenig von unseren unmittelbaren Nachbarn den Franzosen, Niederländern, Belgiern, Dänen, Österreichern, Schweizern, Polen. Kein europäisches Land hat so viele Nachbarn wie wir, das muss man sich nur mal vorstellen! Nichtreisen - ein absurder Gedanke!

Auch ist das Reisen im Wesen des Menschen begründet. Seit jeher reist er, entweder weil er es musste - siehe Stammesgeschichte des Menschen / Out of Africa / große Völkerwanderungen - oder weil er es wollte, des Erkenntnisgewinns wegen. Nur deswegen wurde ein James Cook auf Reisen geschickt. Richard Feynman, einer der bedeutendsten Teilchenphysiker des 20. Jahrhunderts, überwand während einer Gastprofessur in Rio seine Schüchternheit und kam zu der Erkenntnis: "Bauchfrei ruled!" Und was die Reisen eines Humboldt und Bonpland angeht, muss man wohl kaum auf deren Bedeutung für unsere moderne Gesellschaft eingehen, das hattet ihr ja auch alles in der Schule. Ich denke, diese Runde habe ich so oder so gewonnen.


* E. Baum: Vom Wesen des Schweizers in Zeiten der Migration


+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Lieutenant Worf hingegen befindet: Nö!


Reisen bildet also. Und eine Reise, die ist lustig. Ach je… Die Frage ist schon suggestiv gestellt. Ich bitte für meinen Standpunkt also vorab für die unvoreingenommene Sympathie, die die Grundlage allen Verständnisses ist.

Ist eine die eigene Scholle liebende Gesellschaft die schlechtere? Natürlich nicht. Aber um nicht in Allgemeinplätze zu verfallen brechen wir die Streitfrage mal runter auf die unterste Ebene: Ist ein reiselustiger Mensch immer auch ein besserer? Denn es ist doch so: Das einem Fernweh und die Fremde als die oberste Rezeptionsstufe der Coolness aufgezwungen wird ist die Pest! Jeder Schüler der nach dem Abi nicht ein Jahr Vegemite und Toastbrot erleidend durch den australischen Busch tingelt hat angeblich sein Leben vergeudet. Jeder Student muss mindestens ein Erasmus-Semester im Ausland in sinnlosen Kursen verschwenden. Filme, Gradmesser aller Realität, versprechen turbulente WGs mit heißblütigen Spanierinnen und großgewachsenen Schweden. Aber stattdessen sitzt man in einem überteuerten Apartment und ist furchtbar einsam. Und langweilt sich zu Tode. Und kennt niemanden. Und wenn man zuhause keinen Sex hat, bekommt man ihm Ausland auch keinen. So siehts aus.

Um es mal klar zu sagen: Der Vorgang des Reisens ist total banal und stinklangweilig. Man sitzt stundenlang im Flugzeug, oder wenn man Pech hat in einem Bus und wenn man irgendwo angekommen ist, ist man verschwitzt, hat nichts anzuziehen, hofft dass man nicht krank wird und überlegt sich wie man möglichst schnell wieder woanders hinkommt. Und hat man, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, einen wirklich schönen Ort gefunden, sind dort soviele Touristen, dass es einem das eigene Touri-Dasein wieder verleidet. Irrsinn!

Das einzige was mehr nervt, sind die Weitgereisten, die Weltenbummler, die Globetrotter, die sich was auf ihre Fähnchen auf der Landkarte einbilden. Arrogante Arschlöcher my Ass! Denkt euch die coolen Typen aus The Beach die auf sich allein gestellt alle gegenseitig umbringen. Oder um William Sutcliffe zu zitieren: "Und als ich mich da so ganz allein an diesem tropischen Strand sitzen sah, wie durch eine Filmkamera, bittersüße Melancholie in meinen Gesichtszügen, überkam mich plötzlich eine Woge: Ich war so arschcool! Die ganze Szene hätte Teil eines Aftershave-Werbespots sein können. Es war genau das, was man in seinem freien Jahr zwischen Abi und Uni macht. Das war's, das war der Moment. Ich war dabei mich selbst zu finden.
Ich fühlte mich derart in Hochstimmung, dass mir die Tränen in die Augen schoßen - was mir seltsam vorkam, weil es nicht Freudentränen waren, sondern Das-Leben-ist-doch-scheißegal-Tränen. Sofort bekam ich eine Sauwut auf mich, dass ich diesen großen Augenblick durch mein Nachdenken über Weinen zerstörte. Und von der Sauwut war es nur ein kurzer Sprung zurück mich wieder deprimiert und elend zu fühlen. Ich kam zur Überzeugung, dass das Stöbern im Gefühlshaushalt eine schlechte Idee gewesen war. Und sich selbst finden? Das führt doch zu nichts."

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 09.05.2009, 11:07                                  +/-

Zur Erinnerung: Die Erwiderung (maximal 250 Wörter) muss bis heute 24 Uhr an Oxford geschickt werden.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Oxford
Dr. Olympics


Beiträge: 50415
Wörter pro Beitrag: 33

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 09.05.2009, 23:00                                  +/-

So, ihr interstellaren Galaxis-Amöben!!! Jetzt gehts ans Eingemachte. Hier kommen jetzt gleich die Erwiderungen unserer Space-Gladiarhetoren. Damit ist das Hinspiel der Vorrunde KOMPLETT!

Und daher: nicht vergessen! Ab sofort könnt ihr abstimmen (bis morgen Abend 20 Uhr). Und zwar per PM an Triskel!

Gepostet am 10.05.2009, 00:06:

No sports! Übertreiben wir es mit dem Fitnesswahn?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Die Erwiderung von Lieutenant Uhura:


Lieber Kontrahent,

du stehst mit deiner Argumentation leider auf verlorenem Posten.

Wer sagt denn, dass sich die 43% nicht ganz zu Recht unwohl in ihren Körpern fühlen? Man muss nicht lange recherchieren, um zu erfahren, dass beispielsweise 60% der Deutschen im medizinischen Sinne übergewichtig sind! Davon sind 20% sogar adipös. Dass die sich in ihren Körpern unwohl fühlen ist doch ganz normal und ein wichtiges, natürliches Alarmsignal.

Dass sich viele Fitnesstreibende an gängigen Schönheitsidealen orientieren ist klar. Aber diese Ideale haben sich ja nur deshalb entwickelt, weil sie mit der Realität so wenig gemeinsam haben: Ikonen wie Lara Croft und Wolverine sind doch nur deshalb welche, weil die schwabbelige Realität so trostlos ist. Vor Jahrhunderten, als die Menschen aufgrund von Unterernährung und harter Arbeit hager waren, galten mollige Menschen als schön. Der Schönheitswahn endet nie, nur die Ideale, nach denen er sich ausrichtet. Damit müssen wir einfach leben!

Du schreibst, dass wir aus Angst vor der eigenen Endlichkeit zu einem Wettrennen getrieben werden, das wir nur verlieren können. Richtig: am Ende sind wir alle sterblich. Aber ich sterbe lieber in meinen Stiefeln beim Ringen mit einem wilden Bären, als an Muskelatrophie im Pflegeheim. Soll ich dir schon mal die Schnabeltasse bestellen?

Ausgehend von den bedauerlichen, wahnartigen Begleiterscheinungen der Fitnessbewegung lieferst du all jenen Munition, die bequeme Ausreden suchen, um ihren schädlichen Lebenswandel nicht ändern zu müssen.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Captain Kirk meint hingegen:


Eigentlich wollte ich an dieser Stelle auf Uhuras Position eingehen. Leider hat er/sie keine vertreten. Statt einem klaren Bekenntnis zum Körperkult positioniert sich Uhura irgendwo zwischen Pro und Contra. Eine angenehme, neutrale Position, ein Kompromiss, dem man gerne zustimmt. Leider geht das an der gestellten Aufgabe vorbei.

Immerhin meinst Du, geehrte Uhura, dass wir alle etwas tun müssen, und uns ändern sollen. So wie wir sind, sind wir nicht gut genug. Wir dürfen nicht einfach nur „Sitzarbeiter“ sein, ob wir es wollen oder nicht. Unser „falsches“ Verhalten wird auch noch in Krankenversicherungsbeiträgen quantifiziert. Das „gesellschaftliche Klima“ soll Druck erzeugen auf die, die nicht mitziehen wollen. Wer nicht hungert und trainiert, liegt uns allen auf der Tasche, ist die Botschaft. „Rabatte für Gesunde“ – das heißt doch nichts anderes als „Kranke müssen mehr bezahlen“.

Ich sage dazu, nein Danke! Gesundheit muss Privatsache bleiben. Man sollte die Zufriedenheit mit dem eigenen Körperbild fördern, statt bereits bei Schülern den Eindruck aufzubauen, mangelnde Fitness sei ein Defizit und ein Makel. Warum bringen wir unseren Kindern nicht bei, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen? Warum erklären wir nicht, dass die makellosen Körper der Topmodels und Hollywood-Stars nur Illusionen sind? Auch als die Menschen noch körperlicher Arbeit nachgingen, hatten sie keine Leiber wie gephotoshoppte Unterwäsche-Models. Man muss sich nur mal die Vertreter von Stammeskulturen ansehen. Mein Aufruf daher: Statt noch mehr Sportunterricht anzubieten, brauchen unsere Kinder Bildung – Bildung als Prävention gegen Magersucht und Fitnesswahn und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Gepostet am 10.05.2009, 00:11:

Stilposen - gibt es den guten Geschmack?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Scotty erwidert:

Was versteht Pille unterm „Guten Geschmack“?

Der ersten Ausführungen zufolge: Eine gesellschaftlich vorgegebene Geschmacksnorm, die für sämtliche Schichten der Bevölkerung gilt. Diese also, entnehme ich seinen Ausführungen, gibt es heute nicht mehr.
Gegen die Diagnose selbst ist wenig einzuwenden. Es stellt sich allerdings die Frage: Wann hat es sie je gegeben? Im Mittelalter mit seiner ständischen Kleiderordnung? In der beginnenden Neuzeit, wo Bürgertum und Adel sich nicht zuletzt durch die Länge von Haar und Hose voneinander abgrenzten? In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wo die Landmädchen noch ihre Zöpfe spazieren führten, während die jungen Frauen der Großstädte sich der ihren entledigten?
Nicht die Verkoppelung von Dresscode und Gruppe hat sich geändert –die Gruppen selbst sind bloß durchlässiger und vielfältiger geworden.

In der zweiten Hälfte seiner Argumentation verändert Pille seine eigene Definition von gutem Geschmack: Auf einmal ist von Individualismus die Rede. Verwirrend für den Leser – aber der Sache nach kann ich ihm nicht widersprechen: Guter Geschmack und Individualismus gehören zusammen. Allerdings, mein Kontrahent klingt allzu pessimistisch!
Heute gäbe es keine Individualisten mehr? Wieder möchte ich fragen: in welcher guten alten Zeit gab es denn mehr?
Die Individualisten sind nicht weniger geworden, sie fallen nur weniger auf. Sie haben es schwerer, sich kenntlich zu machen: Das liegt an der bereits erwähnten Vielfalt der Gruppen und der damit einhergehenden Uneindeutigkeit der Symbole. Die Sache selbst aber, die Verkörperung eigenen Stils, ist nicht schwieriger geworden, als sie es eh und je war.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Gleichzeitig meint Pille:

Scotty und ich sind uns in einem wesentlichen Punkt einig (auch wenn wir sonst aneinander vorbeireden): guter Geschmack ist (wenn überhaupt) individuell. Das ist natürlich ziemlich ironisch, angesichts der Tatsache, dass wir in unserem Raumfahrerjob allesamt in albernen, bunten Einteileranzügen herumlaufen.

Doch zurück zum Thema: eben diese geforderte Individualität führt doch das Konzept eines universellen guten Geschmacks (nach dem hier ja gefragt wurde) völlig ad absurdum. Will heißen: es gibt ihn eben nicht! Damit könnte man diese Diskussion beenden. Denn zu behaupten (wie Scotty es tut), guten Geschmack gäbe es zwar, aber er sei nicht wirklich greifbar, ist schon ein ziemlich verzweifelter Versuch, diese Debatte zu überleben.

Scotty sagt: van Gogh sei zwar guter Geschmack, aber nur wenn man ihn sich aus den richtigen Motiven heraus an die Wand hängt. Dieser Ansatz ist elitär und arrogant. Demzufolge könnte Lieschen Müller niemals guten Geschmack haben oder beweisen. Denn legt man Scottys Maßstäbe an, so wird sie ihnen niemals genügen. Ihr wird die geistige und kulturelle Kapazität abgesprochen, einen eigenen, guten Geschmack zu besitzen. Dies wird in Scottys Beitrag sehr deutlich.

Ich sage: ein eigener „guter“ Geschmack ist in unserer vermarkteten, kommerzialisierten Gesellschaft gar nicht mehr möglich. Man gehört automatisch immer einem gewissen (Main-) Stream an. Denn was man auch macht und tut: es gibt immer schon jede Menge Leute, die genau dasselbe machen und mögen. Also sollten wir auf Kategorien wie „Stil“ und „Geschmack“ einfach scheißen und immer nur das tun, tragen, spielen, gucken oder hören, was uns Spaß und Freude macht.

Gepostet am 10.05.2009, 00:17:

Grillen - die Pest im Park?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Captain Piccard erwidert auf seinen Kontrahenten Folgendes:


Die angekündigten Gründe, weshalb das Grillen als essentiellen Bestandteil der „sommerlichen Freizeitkultur“ zu preisen sei, habe ich bei Mister Spock leider vergeblich gesucht. Dass das Grillen im heimischen Garten oder Balkon eingeschränkt möglich ist, ist doch kein Argument für das Grillen im Park sondern zeigt im Gegenteil wie sehr Mitmenschen durch das Grillen belästigt werden. Auf engem Raum werden hier Nachbarn mit Rauch und Müll belästigt - warum sollte das Parkbesuchern stattdessen zugemutet werden? Weil man denen nicht jeden Morgen in die Augen schaut?
Für die erwähnten größeren Gruppen stehen im Übrigen auch viele offizielle Grillplätze zur Verfügung. Aber diese werden auf eine Art und Weise genutzt, welche Ordnungsämter überfordert und manche Städte nach einer „Grillpolizei“ rufen lässt. Das „Üben“ des rücksichtsvollen Zusammenlebens ist hier offensichtlich gescheitert. Überhaupt scheint mir der Park dafür ein ungeeigneter Ort zu sein.
Gefreut hat es mich natürlich, dass Mister Spock auf die zahlreichen Nachteile zu sprechen kam, welche durch das Grillen für andere entstehen. Allerdings werden Gerüche und Rauchentwicklung sehr wohl als Belästigung angesehen und nicht nur „nicht von jedem gewürdigt“. Von dem Müll, der dann auch auf Kosten der belästigten Parkbesucher aufgesammelt werden muss, gar nicht erst zu sprechen.
Als soziale Tätigkeit nun könnte Grillen in der Tat angesehen werden, doch wie sieht es dann mit Drogenkonsum oder Steine Werfen aus? Sollten alle Aktivitäten, bei denen Menschen zusammenkommen prinzipiell erlaubt sein, weil sonst jemand in seinen „sozialen Verpflichtungen“ eingeschränkt werden könnte?
Ich meine nein. Grillen ist schädlich, störend und teuer für die Gemeinschaft.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Demgegenüber findet Spock:


Wir haben nun einiges gehört was uns davon abhalten soll die Parks der deutschen Städte mit dem betörenden Geruch von Fleisch über Holzkohle zu erfreuen. Mit Zahlen aller Art und nicht wenigen wunderlichen Fremdwörtern sind wir bombardiert worden. Da fragt man sich warum nicht längst alle Deutschen dem Grillen abgeschworen haben und sich zu Hause zu Tode langweilen.

Es liegt daran dass man genug hat von all den Mahnungen der Weisen in ihren Elfenbeintürmen. Esst dies nicht. Tut das nicht. Es ist ungesund, so hört man es aller Orten. Bis über die Schmerzgrenze genervt und bedrängt brät man sich also sein Steak besonders gut durch und verspeist es mit den Worten „Ein bisschen Krebs ist immer“.

Keine Frage, das Grillen im Park ist der Sieg der Lebensfreude über die eintönige Welt des Vernünftigen. Es ist der Triumph der Sehnsucht nach Geselligkeit, Sonne und leckerem Essen über das Bloß-keinen-Stören.

Mit dieser Einsicht im Herzen ließen sich auch viele weitere Problem umgehen. Mit ausreichend Möglichkeiten seinen Müll nah am Grillplatz zu entsorgen wäre sicherlich schon viel erreicht um die Ausgaben für die Müllbeseitigung zu reduzieren. Und wer Grillen erlaubt braucht auch keine Hundertschaften um Verstöße gegen das unsinnige Verbot zu verfolgen.

Gepostet am 10.05.2009, 00:24:

Reisen bildet: Ist die reiselustige Gesellschaft immer auch die bessere?

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Commander Riker äußert sich wie folgt:

Sympathie mein Arsch

Was will uns dieser zur Hälfte aus einem Zitat bestehende und dann mit dünnem Mörtel eigener Gedanken mühsam zusammengehaltene Beitrag denn eigentlich genau sagen? Das möchte man supergern wissen! Ist dem Verfasser etwa nichts zum Thema eingefallen? Oooh! Und dann weht durch den ganzen Text noch diese unerträglich bräsige Linkspartei-Message. Man sehe es ein: Oft ist die angebliche Arroganz des homo viator nur der eigene Neid!

Nach dieser etwas grundsätzlichen, doch leider notwendigen Bemerkung noch einige Worte zu Erasmus & Co. In unserer durchakademisierten Individualgesellschaft sind Erasmus-Semester und freiwillige soziale Auslandsjahre nur die Fortsetzung der Walz mit anderen Mitteln. Warum sollte man jungen Leuten das missgönnen, was jahrhundertelang bewährte Praxis der Handwerksgesellen war? Im Globalisierungszeitalter erscheint mir diese Einstellung zumindest fragwürdig, um nicht zu sagen gefährlich.

Was Geschlechtsverkehr im Urlaub angeht, so mag jeder davon halten was er will. Der schwedische Soziologe und Sexualforscher Ake Rinstrøm hat allerdings schon in den 60er Jahren durch empirische Forschung nachgewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür das Produkt aus Flirtfähigkeit des Mannes x Willigkeit der Frau x Entfernung zum Quadrat zu …skjgbuvi ogutjz

WIR UNTERBRECHEN DIESEN BEITRAG FÜR EIN WICHTIGES ZITAT!!!

"Wenn du für dein Glück sorgen willst, so ändere oft deinen Aufenthalt, denn die Süßigkeit des Lebens besteht im Wechsel - stehendes Wasser wird faul."

Ja, das ist natürlich richtig scheiße, wenn der Autor endlich zum Kern seiner Ausführungen kommt und dann der Text einfach unvermittelt abreißt, um Platz für ein Zitat zu schaffen. Haben wir das jetzt alle kapiert? Gut!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Lieutenant Worf entgegnet:

Warum schickt man denn Kinder im Sprachunterricht nach Frankreich…


Damit die Blagen aus dem Haus sind und damit sie das in den Lebenslauf schreiben können?

Eben. Reisen ist gelebte Friedenspolitik.


Ach so. Gut, dass Parasite in Warschau Frieden vorlebt. Es wäre sonst Winter für Poland and France.

Puh, wie argumentiert man gegen die Weltkriege? Völkerverständigung in allen Ehren, aber die Auswirkung auf Krieg und Frieden wird überschätzt. Der herrschende europäische Hochadel war eng miteinander verwandt und trotzdem gabs Kriege. In Wahrheit ist die Gleichung einfacher: Autoritäre Regime führen Kriege untereinander, Demokratien nicht. (Vgl Rummel 1975 - 1981. Nach Analyse internationaler Beziehungen ist dies allgemein verifiziert.)

Aber ich will nicht abschweifen. Wenn man die Prämissen meines Gegenübers akzeptiert tut sich tatsächlich ein Jiu Jitsu-mäßiges Gegenargument auf. Ein gnadenloser Knockout. Ich nenne es den Auenland-Uppercut: Nehmen wir an die reiselustigste Gesellschaft sei wirklich immer die beste. Und wir wissen Deutschland ist Reiseweltmeister. Leben wir dadurch in der bestmöglichen aller Gesellschaften? Nur Pessimisten würden dies bejahen. Tatsächlich müsste bei gleichen Rahmenbedingung (z.B. in Europa) das reisefaulste Land das glücklichere sein.

Bitte folgendes Bild vor dem geistigen Auge entstehen lassen:
Auf der linken Seite steht in golden-blinkenden Lämpchen „Irland“ und rothaarige Frauen mit Sommersproßen sitzen um einen Topf Gold und trinken Guinness. Ein Dinosaurier spielt Harfe. Alle tragen grüne Partyhüte.
Auf der rechten Seite sehen wir einen trostlosen Wohnblock in Berlin. Ein von der spanischen Sonne gebräunter Rentner lässt die Luft aus einem widerrechtlich im Hausgang abgestellten Fahrrad.


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.05.2009, 19:12                                  +/-

Verehrte Damen und Herren,

das Wahllokal ist geschlossen. Die Sieger der ersten Duelle stehen fest. In wenigen Minuten wird es mit den Wortgefechten des Rückspiels bzw. des zweiten Duells weitergehen.





Zuletzt bearbeitet von Triskel am 10.05.2009, 19:53, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.05.2009, 19:42                                  +/-

*************************************************************************************
Am heutigen Abend wird das Rückspiel der Gruppen B, C und D sowie das zweite Duell der aus drei Gladiarhetoren bestehenden Gruppe A ausgetragen. Bis morgen Abend (Montag 11. Mai), 20 Uhr, haben die Kombattanten Zeit, die Pamphlete ihrer Kontrahenten sacken zu lassen und sie mit maximal 250 Worten zu vernichten. Diese Beiträge senden sie diesmal an die geschätzte Frau Baum, die sie alsbald veröffentlichen wird.

Das Wahllokal für diese Runde öffnet morgen um 20 Uhr. Bis Dienstag 20 Uhr können Sie Ihre Stimme abgeben. Anschließend erwartet Sie das dritte und letzte Duell von Gruppe A.
*************************************************************************************




Das erste Match des heutigen Abends – das zweite Duell der Dreiergruppe – wird ausgetragen zwischen Seven of Nine und Spock. Thema des Duells ist:
Schuluniformen – potentiell sinnvoll?

ACHTUNG: Seven of Nines Beitrag hat für seine Reise leider einige Minütchen zu lange gebraucht. Dies hat leider leider einen Punktabzug zur Folge. Echt schlimm

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Seven of Nine behauptet: Schuluniformen sind sinnvoll

Bei uns waren es die Individualisten. Jeder war einer, oder wollte einer sein. Und wer „Ich nicht!“ brüllte und mit gängigen Markenklamotten die Schule betrat, war raus aus dem Kreis der coolen, politisch radikal linken Pubertierenden, die das Bild auf dem Schulhof prägten.

Der Veganer flickte seine durchlöcherte Armeehose im Lateinunterricht mit dicken Juteseilen zusammen. Die Ökos verhüllten die unkontrolliert sprießenden Gliedmaßen in selbst gestrickten Norwegerpullis, die beim Betrachter augenblicklich das Bedürfnis auslösten, sich heftig zu kratzen. Und die zu spät gekommenen Popper setzten sich ihre Baseballmütze verkehrt herum auf und stolperten über ihre weiten Hosenbeine.

Die meisten waren also gar nicht so individuell, wie sie gern sein wollten. Sie entsprachen vielmehr bis auf die Strümpfe genau den gängigsten Klischees der Subkultur, der sie sich vorgestern gerade angeschlossen hatten. Die Kleidung stiftete denn auch nur scheinbare Identität. Sie brüllte dem Betrachter eine Meinung entgegen, wo oft gar keine dahinter steckte. Die spezielle Kleidung lenkte den Blick auf das, was sie eigentlich kritisieren wollte: auf Äußerlichkeiten. Die Nonkonformität wurde zur Konformität, zur Attitüde, zur hohlen Symbolik, der mit Argumenten nur schwer oder überhaupt nicht beizukommen war. Und vor allem: Sie verwies all jene auf die Bänke, die weder im Schlafanzug in die Schule wanken noch zum Frühlingsbeginn als Bienchen und Blümchen verkleidet über den Schulhof hüpfen wollten. „Unkreativ! Angepasst! Strunzlangweilig!“ lautete das Urteil der durchgeknallten Elite über die Normalos.

Gerade in der Phase der Identitätsfindung kann das Aufhängen an Äußerlichkeiten verheerende Wirkung entfalten. Wer Meinung ausschließlich über inhaltsleere Symbole auszudrücken lernt, verlernt in letzter Konsequenz das Argumentieren, die direkte Konfrontation und die verbale Auseinandersetzung mit konträren Einstellungen. Gelästert wird schließlich selten offen, sondern meist hinter vorgehaltener Hand.

Schuluniformen sind sinnvoll. Sie können die Ausgrenzung derjenigen, die nicht mit dem modischen Strom des Gulags schwimmen, zumindest eindämmen. Und vor allem lenken sie den Blick zurück auf das Wesentliche: Auf echte, gut ausformulierte Meinungsäußerung. Auf innere Werte. Sie fordern dazu auf, ab und an auch hinter die Fassade zu schauen und nachzufragen. Und sie lehren, ein Buch nicht umstandslos nach seinem Umschlag zu bewerten. Noch mehr als für meine zugegebenermaßen absurde Schulzeit gilt dies für den heutigen Markenwahn, in dem Schülerinnen und Schüler ihren Status durch besonders teure modische Verirrungen zu zementieren suchen. Hier können Schuluniformen auch sozial integrierend wirken. Denn dass Kindern sozial schwacher Eltern die Schuluniform gesponsert wird, versteht sich von selbst.



Spock behauptet: Schuluniformen sind so sinnvoll wie ein Kropf

Schuluniformen kennt jeder aus Filmen und Serien oder bildgewordenen Manifestationen gewisser Männerfantasien. An deutschen Schulen sind sie nach wie vor sehr sehr selten. Ein Glück.
Denn vieles spricht dagegen die Kinder dieses Landes während ihrer schulischen Ausbildung in diese Stofffetzen zu zwingen.

Man mag es gut finden oder nicht, gerade junge Menschen definieren sich sehr über ihr Äußeres. Zu einer Persönlichkeitsbildung wie sie ein jeder in der Pubertät durchläuft gehört oft auch ein Zurschaustellen dessen was einen Menschen seiner Meinung nach an Haltungen oder Gruppenzugehörigkeiten auszeichnet.
Die Zeit die ein Schüler in der Schule verbringt wird mit der Einführung etwa des Abiturs nach 12 Schuljahren oder dem fortschreitenden Übergang zur Ganztagsschule immer weiter steigen. Und auch so findet der Kontakt zu Gleichaltrigen schon jetzt zum größten Teil in der Schule statt. Sich mit anderen zu vergleichen und, ob in schwarz und mit Nieten oder im Paris-Hilton-Look, sich selbst zu präsentieren gehört gerade in dieser Lebensphase einfach dazu und sollte nicht dadurch eingeschränkt werden dass man den Kleidungsstil für alle gleich definiert.

Gerade in der Jugendzeit beginnt der Mensch große Probleme mit der starken Fremdbestimmtheit seines Lebens zu haben und sehnt sich nach mehr Einfluss über sein Leben. Besonders die Schule mit ihren festen Unterrichtszeiten und der geforderten Unterordnung unter die Autorität der Lehrer wird da schnell zum Feindbild, Leistung und Motivation lassen nach. Hier noch einen Schritt weiter zu gehen und Disziplin und Ordnung noch durch dass erzwungene Tragen von Uniformen zu unterstreichen wird das Verhältnis dieser Schüler zu den Bildungsinstitutionen nicht gerade verbessern. Es fördert eher ein Bild von Disziplin und Gehorsam dass seit vielen Jahren im deutschen Schulwesen keine Rolle mehr spielen, im Dunkel der Geschichte langsam vor sich hin modern und nur noch zu CSU-Parteitagen ab und an ans Licht gelassen werden sollte.

Im Gegenteil, gerade in der Pubertät ist unsere Gesellschaft, der es doch eigentlich daran gelegen ist mündige und eigentverantwortliche Bürger hervorzubringen die ihren eigenen Weg als Individuum gehen können, dazu verpflichtet den Jugendlichen mehr und mehr Entscheidungen zu überlassen und nicht mehr durch stumpfe Anweisung sondern mehr und mehr durch Vernunft zum Lernen zu motivieren. Jetzt hier durch einen so eklatanten Eingriff in einen wichtigen Teil der Individualität genau das Gegenteil zu erreichen ist dann doch völliger Unsinn.

Besonders negativ würde sich die Einführung von Schuluniformen in Deutschland auf Schüler auswirken die auf Schulen mit geringen Ansehen gehen müssen. Gerade der Ruf der Hauptschule hat in den letzten Jahren massiv gelitten, sie ist in Teilen der Öffentlichkeit mittlerweile als Resterampe der Gesellschaft verschrien. Einen Hauptschüler schon auf dem Weg zur Schule mit der Uniform hervorstechen zu lassen wo es doch viele gibt die in ihm nur den Hartz IV-Empfänger von morgen sehen grenzt schon fast an Grausamkeit.

Um so etwas zu vermeiden gilt ganz klar: Schuluniformen sind abzulehnen!


********************************************************************************************


Das zweite Match des heutigen Abends – das Rückspiel von Gruppe B – wird ausgetragen zwischen Worf und Riker. Thema des Duells ist:

Zentralabitur – ist die einheitliche Reifeprüfung sinnvoll?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Worf behauptet: Zentralabitur olé olé
So. Zentralabitur. Worum gehts? Schulwesen ist Ländersache und wie jeder weiß gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: in Bremen kriegt man das Abitur mit einem feuchten Händedruck geschenkt, in Bayern und Baden-Württemberg muss man es sich mit Blut, Schweiß und Tränen erarbeiten oder reiche Eltern für die Nachhilfe haben.

Lange Zeit hat man das so hingenommen, die CSU ist sogar stolz, dass nur eine Elite die Hochschulreife kriegt. Doch dann kam 2001. PISA-Studie. Schock! Die schlechten Bundesländer zogen den gesamtdeutschen Schnitt nach unten und wir fanden uns bei der Lesekompetenz hinter der Schweiz und bei den Naturwissenschaften gleichauf mit Italien wieder. Italien! Wenn Deutschland sich international messen muss, dann brauchen wir eine Bundesliga.

Es kam deshalb zu allerlei Intitiativen und Reförmchen. Unter anderem werden Studienfächer mit Numerus clausus bundesweit vergeben. Und ein wesentliches Kriterium für die Zulassung ist die Abitur-Durchschnittsnote, deren Prüfung sich aber weiterhin je nach Land unterscheidet. Das ist schlicht ungerecht! Wenn Studienbewerber um die besten Hochschulen miteinander konkurrieren, muss es auch gleiche Anforderungen dafür geben. Und wenn man gemeinsame Standards setzen will, darf man nicht auf halber Strecke stehen bleiben.

Leider geht alles unendlich langsam vorwärts. Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen planen bis 2012 ein „Süd-Abitur“. Mal sehen was daraus wird. Denn jeder Provinzfürst klebt natürlich an seinen Pfründen und versucht sich mit dem Kultusbereich zu profilieren. Kompetenz will niemand abgeben. Jede Reform wird mit den Mahlsteinen der Kleinstaaterei zerrieben. Bitte dies immer im Hinterkopf behalten bei den Argumenten meines Kontrahenten.



Riker ist sicher: Zentralabitur – so ein Quatsch

Abi-solierzange

Da! Hört ihr's auch? Ein Geräusch aus vielen tausend Kehlen, das gerade jetzt wieder besonders häufig zu vernehmen ist und frappierend an eine Mischung aus Oppas letztem Todesröcheln und dem Klagen eines langsam strangulierten Katzenbabys erinnert. Es sind die verzweifelten Hilferufe von Schülern und Lehrern im ganzen Land, die sich mit einer Kopfgeburt namens "Zentralabitur" konfrontiert sehen.

Ach ja. Auch ohne Kristallkugel oder Zeitmaschine weiß ich, wie die Bewertungen meines Beitrags hinterher aussehen werden. Im günstigsten Fall wird man mir Stammtischgerede oder Polemik, wahrscheinlich sogar beides vorwerfen. Denn das Zentralabitur verkörpert ja den gerade in diesem Land so gern geträumten feuchten Traum von Gleichheit und Gerechtigkeit. Doch wird meine Hand beim Verfassen dieser Zeilen nicht zittern! Schließlich geht es mir nur um das Wohlergehen unserer Kinder. Der Kinder!! (In zweiter Linie darf dieser Text durchaus als Loblieb auf den Beruf des Lehrers verstanden werden.)

Das große Dilemma am Zentralabitur lässt sich leicht mit folgendem Gedankengang beschreiben: Welche Berufsgruppe ist wohl am ehesten geneigt, eigene Fehler einzugestehen? Es ist die Gruppe der Lehrer. Klar, wer ständig erzieht und wertet, wer eine Vorbildfunktion zu erfüllen hat, der wird sich auch selbst ganz genau beobachten und sein Verhalten ggf. korrigieren. Ganz anders, geradezu ins Gegenteil verkehrt sieht es mit der Gruppe der Politiker aus, die oft aus weltanschaulichen Gründen oder Parteiräson, jedenfalls nicht immer aus fester Überzeugung bestimmte Standpunkte vertreten. Erweisen die sich irgendwann als schlecht, wird deren Zurücknahme oft mit einem Gesichtsverlust verbunden.



Die Angst vor dem drohenden Gesichtsverlust ist besonders gut an Barbara Sommer - genannt Babsi, selbsternannte Schulkaiserin von Gottes Gnaden in NRW - zu beobachten. Was macht nun diese dauerverschnepfte Grinsekatze einer bornierten CDU-Regierung nach der beispiellosen Pannenserie der letzten Jahre? (Man erinnere sich an unlösbare Matheaufgaben wie den sprichwörtlich gewordenen Oktaeder des Grauens.) Zur Sicherheit hat Babsi rund 1150 mögliche Abi-Aufgaben von einer Kommission prüfen lassen. Mehr als 100 Bildungsforscher, Fachwissenschaftler und Lehrer untersuchten Richtigkeit, Verständlichkeit und Einsatzreife - eine Art "Abi-TÜV", wie Babsi es nennt. Konsequenz daraus: Bürokratisches Chaos und Kosten bis der Arzt kommt.

Stehen das Chaos und die Kosten denn wenigstens in Relation zum Ertrag? Nein, das ist leider ebenfalls nicht der Fall. Große Überraschung allerorten!

- Das Zentralabitur macht die Leistungen nicht besser! Sie sind ja von ganz vielen Variablen abhängig. Vor allem aber von der Fähigkeit der Lehrer, den Schülern beim Lernen zu helfen, und von den individuellen Lernvoraussetzungen.

- Die PISA-Studie zeigt, dass zentrale Abschlussprüfungen gar nicht generell zu höheren Leistungen oder gar zu einer geringeren Leistungsstreuung führen.

- Da auch das Zentralabitur nicht auf standardisierte Inhalte verzichten kann, kommt es zu einer Uniformierung des Lehrplans, in dem nicht mehr die individuellen Unterschiede der Schüler im Vordergrund stehen.

- Das Zentralabitur wirkt durch festgelegte Prüfungsinhalte normierend auf den gesamten Unterricht. Das Testverfahren des Zentralabiturs entscheidet darüber, was tatsächlich gelernt wird und führt zum pädagogisch wertlosen "teaching to the test".

Letztendlich fördert das Zentralabitur also eher Formen des reproduktiven Lernens und vernachlässigt problemlösende bzw. kreative Denkstrategien. Und unkreatives Gelöt suckt!


********************************************************************************************


Das dritte Match des heutigen Abends – das Rückspiel von Gruppe C – wird ausgetragen zwischen Kirk und Uhura. Thema des Duells ist:

Westliche Entwicklungshilfe für afrikanische Länder – schadet sie mehr, als sie nützt?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Kirk behauptet: Sie nützt viel mehr als sie schadet

Ich will ganz ehrlich sein. Bis in die 80er Jahre wurden in der Entwicklungshilfe viele Fehler gemacht. So wurden Regimes unterstützt. Die afrikanischen Entwicklungsländer sammelten Schulden an und mussten oft ihre Rohstoffe zum Tausch anbieten.

Die moderne Entwicklungszusammenarbeit hat jedoch aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt. Heute weiß man z.B., dass die Hilfe von Staat zu Staat problematisch ist, und hat alternative Wege gefunden, um die Hilfe dorthin zu bringen, wo sie zu nachhaltigen Verbesserungen führt. Nach einer Studie des MIT sind vor allem folgende Maßnahmen besonders wirksam:


  • Direkte Unterstützung von Familien für die Bildungs- und Gesundheitsausgaben der Kinder
  • Bildungsgutscheine für Schuluniformen und Schulbücher
  • Sprachunterricht für erwachsene Analphabeten
  • Entwurmungsmedikamente sowie Vitamine und Nahrungsergänzungen
  • Impfungen und HIV-Vorsorgeprogamme
  • Mückenspray und Moskitonetze
  • Geeignete Düngemittel
  • Frischwasserversorgung


Für diese Mittel stellen die OECD-Länder jährlich ungefähr 100 Milliarden US-Dollar an staatlicher Entwicklungszusammenarbeit bereit. Damit erfüllen viele Industriestaaten bereits jetzt die international geforderte Benchmark von 0,7% des BIP. Dazu kommt nochmal ungefähr das Doppelte an privater Unterstützung.

Leider ist das noch zu wenig. Doch auch das Wenige zeigt bereits heute Wirkung. 1996-2005 verzeichnete die Mehrheit der Staaten Afrikas hohes wirtschaftliches Wachstum, niedrige Inflation sowie sinkende Haushalts- und Handelsdefizite. Der Anteil der Armen an der afrikanischen Gesamtbevölkerung sinkt kontinuierlich.

Durchschnittliche Wachstumsraten 1996-2005 (in %)

  • Äquatorial-Guinea 20,9
  • Mosambik 8,4
  • Angola 7,9
  • Tschad 7,8
  • Ruanda 7,5
  • Kapverden 6,5
  • Sudan 6,4
  • Uganda 6,1
  • Mali 5,7
  • Botswana 5,7
  • Äthiopien 5,5
  • Nigeria 4
  • Kongo, Republik 3,5
  • Gabun 1,7
  • Elfenbeinküste 1,5
  • Burundi 1,2
  • Sierra Leone 1,1


Und dieses Wachstum überträgt sich auch auf die Lebensbedingungen. So wuchs das Prokopfeinkommen zwischen 1997 und 2007 in den einzelnen Ländern zwischen 1% und mehr als 4%.

Uhura wird wahrscheinlich Zahlen anführen, nach denen die afrikanische Wirtschaft im Vergleich zur Weltwirtschaft immer noch schlecht dasteht. Das liegt eben daran, dass sich die westlichen Industriestaaten immer noch zurück halten mit ihrer Unterstützung.

Die afrikanische Wirtschaft hat eine sehr schwierige Ausgangslage und kann sich daraus nicht ohne fremde Hilfe befreien. Afrika ist als Wirtschaftsstandort wie ein Wassergraben, in dem man die Enten füttern muss, weil er eben nicht günstig ist, was die Ernährung angeht, keine Pflanzen, keine anderen Tiere, nur brackiges Wasser.

Die Entwicklungszusammenarbeit zu reduzieren wäre daher Falscheste, was wir tun könnten. Wir müssen nicht weniger sondern mehr leisten. Leider sind in den letzten Jahren die absoluten Hilfszahlungen zwar gestiegen, die relativen aber gesunken. Daran ist auch das negative Bild der Entwicklungszusammenarbeit in der öffentlichen Meinung schuld. Hier ist es wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern und den Regierungen der OECD-Mitgliedsstaaten zu verdeutlichen, dass Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll, notwendig und wichtig ist.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte 2008 die Geberländer auf, ihre Hilfszahlungen bis 2010 um 18 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufzustocken. Mit folgenden Worten versuchte er, seiner Forderung Nachdruck zu verleihen: „Wir befinden uns bereits in der letzten Halbzeit in unserem Kampf gegen die Armut. Die Zeit rinnt uns davon.“



Uhura ist sich sicher: Sie schadet leider mehr als sie nützt


Au weia, was ein Thema! Ich sehe schon förmlich meinen Kontrahenten die Bilder von afrikanischen Kindern mit großen, traurigen Kulleraugen und dicken Hungerbäuchen hervor kramen. Vielleicht gräbt er auch ein Zitat von Albert Schweizer aus. Und wen packt da nicht das Mitleid? Wer fühlt nicht den Impuls etwas zu tun. Irgendwas! Irgendwie muss man doch helfen können? Es ist unsere gottverdammte Pflicht! Ja, so wird mein Kontrahent vorgehen.

Ich habe nichts gegen Katastrophenhilfe und das Welternährungsprogramm, das in akuten Notsituationen eingreift. Aber Entwicklungshilfe im klassischen Sinne von Industriestaaten für afrikanische Länder? Das funktioniert einfach nicht. Warum sollte man eine U-Bahn in der Sahara bauen, wenn viele Leute dort nicht einmal den Fahrplan lesen können?

Die älteste Form von Entwicklungshilfe für Afrika war der Kolonialismus. Ganze Schwärme von Europäern – viele durchaus „gut meinend“ – fielen im 19. Jahrhundert über Afrika her. Christliche Missionare, Unternehmer und Bürokraten wollten aus afrikanischen Ländern europäische Länder machen und dem „Schwarzen Mann“ die Segnungen europäischer Kultur bringen. Und ganz nebenher noch ein Riesengeschäft machen. Das war eine beispiellose Menschheitskatastrophe und hat Abermillionen das Leben gekostet.

Heutige Entwicklungshilfe ist weniger blutig – aber hilft sie auch? Nein. Vor über 40 Jahren wurde das letzte afrikanische Land von seinem europäischen Kolonialherrn unabhängig. Hat es seitdem irgendein afrikanisches Land geschafft auch nur einen annähernd westlichen Lebensstandard zu erreichen? Ich würde es nicht einmal wagen das für Südafrika zu behaupten.

Wo viel staatliches Geld fließt, da greifen Diktatoren, Autokraten und korrupte Bürokraten dankend zu. Aber auch Entwicklungshilfeprojekte wie Staudämme, Straßen und Eisenbahnlinien helfen den Nehmerländern wenig, wenn das technische Knowhow bei den Geberländern bleibt und man bei denen sogar alle Ersatzteile und Reparaturen bestellen muss. Sogar die Bundesregierung wirbt ganz offen damit, dass für jeden ausgegebenen Entwicklungshilfe-Euro satte drei Euro an Exportprofiten zurück fließen!

Ich sage nichts gegen privates Engagement wie Patenschaften und Spenden für Hilfsorganisationen. Das sind Projekte, die ganz konkret einzelnen Menschen in einer akuten Notlage helfen. Aber ihre Staaten müssen die Afrikaner selbst aufbauen. Dazu benötigen sie in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe und faire Handelsbeziehungen, keine fertigen Staudämme. Es würde Afrika tausendmal mehr helfen, wenn die EU beispielsweise aufhören würde die eigene Landwirtschaft zu subventionieren. Diese Subventionen führen dazu, dass deutsche und französische Bauern mit Hilfe unserer Steuergelder manche Produkte billiger in Afrika verkaufen können, als dort angesiedelte Bauern selbst produzieren und vor Ort verkaufen können!

Meine Entwicklungshilfe sähe so aus: freier Zugang für afrikanische Studenten zu unseren Universitäten, weniger staatliche Handelsbarrieren in Form von Subventionen und Zöllen, allgemein fairere Handelsbeziehungen. Zudem sollten sich afrikanische Staaten ein wenig an China orientieren, die beispielsweise durch Joint-Ventures einen einzigartigen Technologietransfer organisiert haben, so dass es heute unglaublich viele chinesische Hightech-Produkte gibt.

Aber Steuergelder für europäische Transrapid-Strecken durch die Serengeti? Nein danke! Wir sollten einfach aufhören im Stile der europäischen Kolonialherren des 19. Jahrhunderts Afrikanern vorzuschreiben, was sie wie und wo tun sollen.


********************************************************************************************


Das letzte Match des heutigen Abends – das Rückspiel von Gruppe D – bestreiten Pille und Scotty. Thema des Duells ist:

Ist Philosophie für das praktische Leben relevant?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Pille philosphiert: Philosophen habens drauf

Ich sag’s mal lieber gleich vorweg. Ich halte von Philosophie nicht besonders viel. Ich mag sie nicht. Philosophische Bücher sind für mich fast unlesbar. Es handelt sich dabei um viel Geschwätz und Geschwurbel. Nichts Handfestes, nichts Konkretes. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass nun gerade ich hier pro Philosophie und ihre Bedeutung für den Alltag plädieren soll.

In der Schule hab ich in der elften Klasse Religion abgewählt und dafür Philosophie genommen. Ich hatte nicht gewusst, dass dieses Fach fast ausschließlich daraus besteht, Mengen an philosophischer (=unlesbarer) Texte zu lesen. Platon, Voltaire, Rousseau… die ganze Fuckerbande! In der Universität sind mir diese Kollegen alle erneut begegnet. Schlimm. Echt schlimm. Man musste sogar Referate drüber halten. Wen hatte ich denn noch mal? Ich glaub, Rousseau. Das ist der mit der volonté generale. Das ist der gemeinschaftliche Wille einer Gesellschaft. Ein übergeordneter Wille, der sich nicht aus der Summe aller Einzelwillen bildet (also demokratisch wäre), sondern automatisch weiß, was für die Gesellschaft gut und richtig ist.

Klingt visionär und toll oder? Falsch. Klingt doch wie halbschwules Apfelmus, das in den Komposteimer gekotzt wurde. Klingt für mich eher wie Hitler. Der wusste auch was gut für die Leute ist. Autobahnen und so.

Und wegen so Leuten wie Rousseau haben sich dann damals tausende Menschen auf Frankreichs Straßen begeben und gegen den König gekämpft. Ich mein, das muss man sich mal vorstellen. Der erzählt da irgendwas von einer neuen Gesellschaftsordnung, die er sich im Halbschlaf, zwischen Sexträumen mit Marie Antoinette und Alpträumen, dass sie sich dabei in Ludwig XIV. verwandelt, ausgedacht hat… und was machen die Leute? Sagen ‚Yay’, schwingen die Mistgabeln und reißen die Bastille nieder. Ich mein, das ist doch Hammer irgendwie. Oder?

Und darauf beruht dann ja letztlich irgendwie auch diese ganze liberale Scheiße… äh, ich meine Ordnung, in der wir alle so frei und froh leben dürfen. Die Franzmänner haben uns die demokratische Revolutionskultur gebracht. Die haben den König abgeschafft. Natürlich nur, um danach gleich wieder einen minderwertigkeitskomplexbehafteten Irren zum Kaiser zu krönen. Ach nee, warte mal. Der hat sich selbst gekrönt. So war das.

Naja, und später kam dann ja auch noch Hitler. Und da konnten dann selbst die Franzosen mit ihren Straßenbarrieren nix mehr ausrichten. Da mussten dann die Ammis kommen. Die hatten derweil auf ihrem Kontinent drüben auch so was entwickelt. Bill of Rights hieß der Typ glaub ich. Übersetzt: William, von den Rechten! Also wieder so ein Nazi. Aber der hat der Welt immerhin ein super Gesetzbuch gebracht. Mit Menschenrechten drin. Und so.

Also bei aller Kritik. Man muss ja schon sagen, dass diese Philosophen damals (als die Leute noch dumm und ohne Medien waren) schon einiges bewegt haben. Die haben da schon ab und zu einfach mal ganze Gesellschaften in Wallung gebracht und geltende Ordnungen mir-nichts-dir-nichts über den Haufen geworfen. Schon cool, irgendwie Superman-mäßig. Gut, Hitler hat das auch geschafft. Aber eben nicht so nachhaltig. Und sein Buch war sogar noch viel schlechter, als das der anderen Schlaumeier.



Scotty ist sich sicher: Philosophie und praktisches Leben passen nicht zueinander

„Sicher!“ wird der Anteil derjenigen unter den Besitzern des gesunden Menschenverstandes behaupten, der halbwegs vorurteilslos an die Frage herangeht. Es scheint ja augenfällig zu sein: Kein Tag vergeht, der nicht jeden von uns mit irgendeiner ethischen Fragestellung konfrontiert, kaum ein Tag, der uns nicht auf die eine oder andere Weise mit religiösen Themen in Berührung bringt und kein wacher Augenblick, indem wir uns nicht in irgendeiner Weise zu unserem eigenen Dasein positionieren. Alles hoch philosophisch?

Um diese Frage zu klären, müssen wir zunächst etwas in der Tat hoch philosophisches tun: wir müssen die Begriffe klären, um zu wissen, wie genau die Frage überhaupt aufzufassen ist.

Zunächst also: Was ist das „praktische Leben“? Das Leben schlechthin, könnte man meinen. Dann allerdings wäre das Adjektiv „praktisch“ überflüssig. Wenn wir also „praktisch“ als irgenwie sinnvolle Klassifikation betrachten, so muss diesem „praktischen“ ein „unpraktisches“ Leben gegenüberstehen. Welcher Art könnte dieses unpraktische Leben sein?
Klar ist jedenfalls, dass damit nicht ein geistiges, „theoretisches“ Leben gemeint sein kann: Denn ein ungeistiges Leben ohne jeden theoretischen Gehalt gibt es nicht, wo wir, wie es ja hier der Fall ist, über menschliches Leben sprechen und nicht über Vegetation. Es bleibt uns also kaum etwas anders übrig, als „praktisch“ und „unpraktisch“ in einem völlig funktionalen Sinn aufzufassen: Praktisches und unpraktisches Leben stehen einander gegenüber wie praktische und unpraktische Werkzeuge. Das praktische Werkzeug zeichnet sich durch die Eigenschaft aus, zum Zweck, zu dem wir es verwenden wollen, geschaffen zu sein. Analog dazu können wir sagen: Im praktischen Leben verwenden wir alle Werkzeuge zu den Zwecken, zu denen sie taugen. Dies gilt auch und vor allem für unser wichtigstes Werkzeug: für die Sprache und ihre Anwendung. Im praktischen Leben gebrauchen wir die Sprache ihrem Kontext und ihren gewünschten Funktion angemessen. Im unpraktischen Leben verhededern wir uns darin, scheitern und schaffen uns Probleme. Wer ein unpraktisches Leben führt, geht mit den Begriffen ähnlich hilflos um wie die Bewohner Schildas mit dem Licht, das sie in Säcken transportieren wollten.

Weiter: Was ist Philosophie? Ohne uns allzusehr in den zahllosen Antworten der zahllosen Schulen zu verlieren, können wir grob sagen: Philosophie ist der Versuch, Klarheit zu schaffen. Klarheit, die nicht nur einzelne Aspekte isolierter Erscheinungen betrachtet und sie zu ordnen versucht (das wäre Wissenschaft), sondern eine übergeordnete Klarheit, die uns befähigt, die eizelnen Methoden und Erklärungsansätze in ihrer Relation zueinander zu betrachten.
Diese Klarheit versucht die Philosophie herzustellen, indem sie die Tauglichkeit der (sprachlichen) Werkzeuge überprüft, derer die verschiedenen Methoden sich bedienen – und indem sie eventuelle Widersprüche aufzeigt.

Halten wir nun unsere beiden Definitionen nebeneinander, so sehen wir ohne Mühe, dass Philosophie für das praktische Leben nicht im Mindesten relevant sein kann. Denn das praktische Leben ist per Definitionem frei von jener Unklarheit, die die Philosophie zu beseitigen sucht – und liegt mithin jenseits aller Philosophie.



Zuletzt bearbeitet von Triskel am 10.05.2009, 21:15, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.05.2009, 20:14                                  +/-

Offizielles Endergebnis der Vorrunden-Hinspiele:


No sports! Übertreiben wir es mit dem Fitnesswahn?
Mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur einer Stimme konnte sich Fitnessgegner Kirk gegen Uhura durchsetzen.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Kirk


Stilposen – gibt es den guten Geschmack?
Doppelt so viele Stimmen wie sein Gegner Scotty konnte "Stil? My Ass"–Pille für sich verbuchen.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Pille


Grillen – die Pest im Park?
In diesem Duell konnte Grillliebhaber Spock mit einem leichten Vorsprung einen Sieg gegen Picard einfahren.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Spock


Reisen bildet: Ist die reiselustige Gesellschaft immer auch die bessere?
Mit einem deutlichen Sieg kann Worf dieses Duell gegen Riker für sich entscheiden und dem zweiten Duell entspannter entegensehen.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Worf



Für die Unterlegenen heißt es nun mit den noch außstehenden Beitragen das Ruder herumzureißen. Bei Gleichstand der gewonnenen Duelle entscheidet die Stimmverteilung. Sollte auch dort ein Gleichstand erzielt werden, gibt es Elfmeterschießen, d. h. ein kurzes Duell mit einem neu zugelosten Thema.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 13:21                                  +/-

Erinnerung:

Bis heute 20 Uhr werden die maximal 250-Wort-starken Erwiderungen auf die gestrigen Beiträge bei einBaum in Empfang genommen.



Boah…ich komm mir langsam vor wie Wolter. Neben den ganzen bunten Hervorhebungen fehlen zur kompletten Wolterisierung eigentlich nur noch die Links.

Nach oben
Antworten mit Zitat
einBaum



Beiträge: 7915
Wörter pro Beitrag: 49

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 19:55                                  +/-

Ladys and Gentlemen, verehrte User!

Auch heute erwarten uns wieder ein rhetorischer Schlagabtausch der Extraklasse. Weiter unten lesen Sie die Entgegnungen der Rückrunde. Dies bedeutet: Ab sofort können Sie über fast alle Halbfinalteilnehmer entscheiden. Wägen Sie also gut ab, wem Sie Ihre Stimme geben!

Und denken Sie daran: Bitte stimmen sie bis morgen Abend, 20 Uhr, per PM an die geschätzte Triskel ab!



********************************************************************************


Seven of Nine behauptete: Schuluniformen sind sinnvoll
Lesen Sie hier ihre Entgegnung auf den Kombattanten Spock:


Sie haben eine Fülle ganz unterschiedlicher Argumente angeführt, verehrter Kontrahent, weshalb Schuluniformen eine ganz und gar scheußliche Sache sind: Individuelle Kleidung stiftet Identität, behaupten Sie. Das morgendliche Geknäuel vor dem Kleiderschrank soll Schülerinnen und Schüler zu mündigen und eigenverantwortlichen Bürgern erziehen? Ihr Loblied auf die Oberflächlichkeit teile ich nicht.

Dass Identitätsfindung sich keinesfalls in der Wahl der täglichen Klamotte erschöpfen kann, versteht sich von selbst. Denn leider passiert auf vielen Schulhöfen genau das: „Ich bin, was ich trage!“ lautet die Maxime. Wozu sich mit Lebenssituation und Meinung der anders Bestrumpften auseinandersetzen, wenn schon an der Oberfläche deutlich abzulesen ist, dass der andere anders ist?

Die individuelle Klamotte auf Schulhöfen stiftet keine persönliche Freiheit, sie schränkt sie ein. Schubladen, die schon auf den ersten Blick geschlossen werden, lassen sich nur schwer wieder öffnen; ihr Inhalt bleibt schon aus Gewohnheit dort, wo er ist. Und die Beschriftungen fallen so mannigfaltig wie gehässig aus. Sie haben in einem Punkt recht: Der Kontakt zu Gleichaltrigen findet zum größten Teil in der Schule statt. Hier lernen Pennäler, Konflikte und Probleme zu lösen. Und dazu gehört vor allem auch die verbale Auseinandersetzung, gerade außerhalb des Unterrichts.

Wo wir bei der Identitätsfindung sind: Was spricht eigentlich dagegen, sich mit der guten, alten Penne richtig ordentlich zu identifizieren? Eine Schuluniform kann hier durchaus hilfreich sein. Stolz dürfen meiner Meinung nach auch die Hauptschüler sein, die Sie so ausgiebig bemitleiden. Denn eine Schuluniform kann ihnen helfen, selbstbewusster mit ihrer Identität umzugehen.




Spock behauptete hingegen: Schuluniformen sind so sinnvoll wie ein Kropf
Lesen Sie hier seine Entgegnung auf die Kombattantin Seven of Nine:


Oho! Seven of Nine präsentiert uns: „Die Leiden der jungen Spießer“. Eine bewegende Geschichte ohne Frage, wer hätte nicht Mitleid mit den armen Markenklamottenträgern die sich sicherlich jeden Abend wegen der Kritik der fiesen Ökos in den Schlaf geweint haben.

Dass Jugendliche sich über Äußerlichkeiten definieren ist also das große Übel dass mit den Schuluniformen ausgetrieben werden soll. Decken wir also die optischen Unterschiede zwischen den Leuten zu und schon werden sie sich in Diskussionsgrüppchen zusammensetzen und ihre unterschiedlichen Meinungen so lange auszuformulieren lernen bis sie jedes Kneipen-Rhetorik-Battle mit links gewinnen würden.

Dabei liegt es doch in erster Linie daran ob die Lehrer an der Schule in der Lage sind die Schüler zu Diskussionen zu ermuntern und ihnen das Handwerkzeug zu vermitteln dass es braucht um seine Meinungen und Einstellungen mit Leben zu füllen und auch argumentativ zu vertreten. Welche Klamotten die Schüler dabei tragen ist da doch völlig irrelevant.

Und wie furchtbar wäre es wenn die Jugendlichen den Stil ihrer vorgestern übernommenen Subkultur dann nur noch nach der Schule unter Ihresgleichen tragen würden.
Da sagt ihnen ja gar keiner mehr dass sie sich nur der Illusion einer total individuellen Meinung hingeben. Nur im eigenen Saft schmorend entwickelt man seine Persönlichkeit auch nicht gerade besonders viel weiter.

Den sozialen Druck soll die Schuluniform auch noch lindern. Ein Blick nach England zeigt dass dieses sehr beliebte Argument nur sehr bedingt zieht. Dort mobbt man mittlerweile einfach die Leute die eine Schuluniform von der Stange tragen anstatt sie sich maßschneidern zu lassen.



********************************************************************************



Worf behauptete: Zentralabitur olé olé!
Lesen Sie hier seine Entgegnung auf den Kombattanten Riker:


Kein sehr mitreißendes Thema, die Fakten sprechen eindeutig für das Zentralabitur. Fast alle Bundesländer, ob konservativ oder sozialdemokratisch regiert, sind inzwischen darauf umgeschwenkt. Glaubt Riker wirklich jede der 40,000 deutschen Schulen sollte sich einen eigenen Abschluss basteln? Nein, das Zentralabitur ist das bessere, vergleichbarere und vor allem das gerechtere System.

Dass Riker trotzdem mit geifernder Polemik „brillieren“ kann spricht für seinen Sieg. Aber nicht für ihn. Und genau deshalb darf er nicht gewinnen. Argumentum ad personam: Was er macht ist gefährlich. Mein Widersacher ist ein Demagoge, ein Faktenverdreher und Spindoktor. Seine Argumente sind nicht vorhanden. Seine Behauptungen nichtige Nebelgranaten. Jeder seiner Sätze steht im Dienst der Lüge. Jedes Wort von ihm verschleiert die Wahrheit. Alles was er sagt ist falsch.

Völlig abwegig zieht er über scheinbare Sündenböcke vom Leder und gibt ihnen Spottnamen; eine reine Diversion, er fängt von etwas ganz anderem an, als gehöre es zur Sache und wäre ein Argument gegen den Gegner. Mit einem Wortschwall versucht er zu imponieren und mit seinem eloquent klingenden Unsinn beim Leser Hören, Sehen und Denken zu lähmen. An Erkenntnisgewinn ist meinem Widersacher gar nicht gelegen. Was ihn antreibt ist nur die eigene Eitelkeit.

Diese eine Schwäche zeigt sich in seiner Rede. Selbstverliebt hat er am meisten Spaß beim Tüfteln möglichst boshafter Sticheleien. Aber fragt man „Where is the Beef?“, kommt es zur Substanz, da wird er faul und weicht auf dünne Stichpunkte aus. Ein Appell an alles Wahre, Gute, Schöne: Es gibt kein wahres Reden im Falschen, Riker muss verlieren!




Riker war sich hingegen sicher: Zentralabitur – so ein Quatsch
Wird es bei dieser Einschätzung bleiben? Lesen Sie hier seine Entgegnung auf den Kombattanten Worf:


Klingonisch? Ist es auch!

Worf
Bitte dies immer im Hinterkopf behalten bei den Argumenten meines Kontrahenten.

Stopp! Spätestens hier sollten wir einer weiteren Verlotterung des Diskussionsstils durch meinen Kontrahenten energisch Einhalt gebieten!

Zunächst mal redet Worf vom bundesweiten Zentralabitur, und das ist noch einmal etwas ganz anderes als die zentralen Länderprüfungen, die wir derzeit haben. Schon die führen zu den von mir oben beschriebenen massiven Problemen. Und das soll nun bundesweit allen Abiturienten blühen? Nicht mal einem Klingonen wünscht man das.

Und dann das: Mehr Gerechtigkeit für Studienbewerber und Transparenz für Arbeitgeber. Was kommen mir da Bilder in den Sinn! Großvater öffnet eine Whiskyflasche, er gießt sich ein. Die Enkel sind zu seinen Füßen vor einem lodernden Kaminfeuer hingelagert. Vom Plattenspieler tönt Besinnliches, Leonard Cohen singt "Hallelujah". Opi lächelt glücklich: Seine Enkel werden es einmal besser haben als er, dank bundesweitem Zentralabitur!

Na, es gibt schöne Träume und die Realität. Erstens bedeutet Zentralabitur nicht, dass zwei Schüler an zwei verschiedenen Schulen bei gleicher Prüfung auch gleich gut vorbereitet werden. Zweitens müssten, um wirkliche Gerechtigkeit herzustellen, auch alle Arbeiten von demselben Lehrer bewertet werden. Denn für viele Fächer kann es nur Richtlinien geben, um eine Aufgabe zu benoten. Viel bliebe der Auslegung des einzelnen Prüfers überlassen.

Außerdem besteht die endgültige Abiturnote nur zu einem geringen Teil aus den Prüfungsergebnissen – den größeren Anteil haben die Noten der vergangenen Zeugnisse, also der Unterricht der Jahre davor!

Verbindliche Bildungsstandards wären in Sachen Niveau, Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit die sehr viel bessere Maßnahme als zentrale Prüfungen.



********************************************************************************



Kirk behauptete: Westliche Entwicklungshilfe nützt viel mehr als sie schadet
Lesen Sie hier seine Entgegnung auf die Kombattantin Uhura:


Uhura werde ich es nicht Recht machen können. Prophylaktisch hat er mir vorgeworfen, traurige Kulleraugen zu zeigen. In der Erwiderung wird er mir vorhalten, nur mit nüchternen Zahlen zu arbeiten. Was ist daran falsch? Statt über den europäischen Kolonialismus der frühen Neuzeit zu schwadronieren, sollte er lieber mal selbst Fakten vorlegen. Denn "nur mithilfe der Mathematik kann man wirklich wissen, denn in jeder Wissenschaft ist nur so viel an Wahrheit enthalten, wie in ihr Mathematik steckt." (Roger Bacon)

Du nimmst wieder irgendeinen Standpunkt zwischen Pro und Contra ein. Ich will das nicht verurteilen. Lieber will ich nochmal klar machen, warum die Entwicklungszusammenarbeit noch verstärkt werden muss. Denn letzten Endes geht es mir tatsächlich um die Kinder mit den Kulleraugen.

Niemand will eine U-Bahn in der Sahara bauen. Deine Polemik wird den Hunger nicht besiegen. Und selbst wenn Entwicklungshilfe als Exportprofit zurückfließt, soll mir das gottverdammtnochmal Recht sein, wenn ein paar tausend Menschen Zugang zu Bildung und fließend Wasser erhalten und Malaria und HIV zurück gedrängt werden. Die nächsten Schritte müssen Zugang zu patentgeschützten Medikamenten und ein Schuldenerlass für die Dritte Welt sein.

Dein Vorschlag mit dem freien Zugang zu westlichen Universitäten ist eine Hilfe für die Eliten, für die Menschen, die nicht von Hunger und Gewalt bedroht sind. Außerdem führt das zum Braindrain. Wer geht denn nach Botswana zurück, wenn er seinen deutschen Dipl.-Ing. hat?



Sie brauchen Schulbücher und Zugang zu Wasser und die Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben. Und dann können wir nochmal über das Auslandsstudium sprechen.




Uhura behauptete: Westliche Entwicklungshilfe schadet viel mehr, als sie nützt!
Lesen Sie hier ihre Entgegnung auf den Kombattanten Kirk:


Schön dass du mit deinem sachlichen Beitrag nicht auf die Tränendrüse gedrückt hast. Wir liegen nah beieinander: wenn ich dein etwas trockenes Zahlenwerk richtig interpretiere, dann plädierst auch du für eine Abkehr von der klassischen Entwicklungshilfe, die darin besteht, Infrastruktur und staatliche Strukturen aufzubauen. Ich bin dir sehr dankbar für die Ergebnisse der MIT-Studie, denn die illustriert hervorragend den von mir vertretenen Standpunkt: die alte Entwicklungshilfe ist gescheitert. Wir müssen uns jetzt nur noch über das Nachfolgemodell unterhalten!

Wie gesagt: nichts gegen Soforthilfen bei Seuchen, Natur- und Hungerkatastrophen. Aber Entwicklungshilfe ist im besten Falle ein Almosen und im schlimmsten Fall ein Instrument, das fehlgeschlagene Regulierungen regulieren soll. Besser wäre auf die ursprüngliche Regulierung zu verzichten. Beispiel EU-Exportförderung: gäbe es sie nicht, dann müsste man nicht in Afrika den Lebensunterhalt von Bauern fördern. Was wir brauchen – und das wäre mein Modell für Entwicklungshilfe 2.0 – sind intelligente, sich selbst regulierende Systeme. Sie müssen vor Ort verankert sein und dürfen nicht übergestülpt werden.

Zwei Beispiele, wie es nicht geht: 2002 modellierte Deutschland in Afghanistan eine Autobahnpolizei und schenkte Ausrüstung in Form von Waffen und Einsatzfahrzeugen. Auch die Ausbildung übernahmen deutsche Beamte. Kürzlich wurde bekannt, dass die Autobahnpolizei wieder abgeschafft wurde: sie hatte ihre Machtstellung missbraucht und war zu Straßenräubern geworden.

Das zweite Beispiel stammt aus der letzten Sendung von Anne Will. Dort kritisierte Sozialarbeiter das System der Suppenküchen. Statt Obdachlosen Essen zu schenken, müsse man ihnen beibringen zu kochen und Geld zu verdienen. Genau das Gleiche gilt auch für Afrika.



********************************************************************************



Pille philosophierte: Philosophen habens drauf!
Lesen Sie hier seine Entgegnung auf den Kombattanten Scotty:


Ok, wenn ich das richtig verstanden habe, dann war es eigentlich Scottys Aufgabe, zu sagen, dass Philosophie grenzenloser Schwachsinn sei, der uns im Alltag nur das Leben schwer macht. Schwachsinn, den wir nicht brauchen und nicht anwenden können. Meine Aufgabe war es wohl, irgendwie das Gegenteil herauszuarbeiten.

Stattdessen habe ich betont, dass Philosophie grober Unfug ist. Unfug, der uns aber durch eine Laune des Schicksals unsere heutige aufgeklärte, tolerante Super-duper-Gesellschaft mit Regeln und sozialer Absicherung beschert hat; also automatisch auch unser praktisches Leben mitbestimmt hat.

Will sagen: Philosophie lässt uns zwar in der Schule die Birne rauchen, hat uns aber letztlich davor bewahrt, wie die Hottentotten durch die Wälder zu rennen und anderen Leuten die Köppe einzuschlagen.

Scotty hingegen meint wohl (wenn ich mich in seinem Geschwurbel nicht komplett verfranst hab), dass Philosophie irgendwie eine extrem geile Sache ist. Allerdings nur, wenn sie nicht durch so was Unnötiges wie „echtes Leben“ oder „Alltag“ verwässert wird.

Ich hatte ja damit gerechnet, dass Scotty sagt: „Ja gut, also praktisches Leben ist echt geil und mein Bier ist so lecker und der Arsch dieser hammergeilen Blondine da hinten… was juckt mich Philo-so-sowieso?“

Stattdessen sagt Scotty: „Praktisches Leben, my ass! Der Arsch der Blondine wirft nur einen hässlichen Schatten auf meine Hobbes-Gesamtausgabe. Und das ekelige Bier betüdelt mich bei der Lektüre von Descartes! Chhrrrchrrr!!“

Auf diese Auslegung der gestellten Aufgabe muss man erstmal kommen: das praktische Leben ist der Philosophie nicht würdig, sprich: behindert sie in ihrer vollen Entfaltung!

Bitte mal sacken lassen!




Scotty war sich hingegen sicher: Philosophie und praktisches Leben passen nicht zueinander
Lesen Sie hier seine Entgegnung auf den Kombattanten Pille:


Wäre die Philosophie eine Angeklagte vor dem Tribunal, es müsste einem bange um sie sein. Wenn die Damen und Herren Ankläger sie nicht erledigen – ihr Anwalt Pille schafft es allemal.
Nicht, dass es ihm an Eloquenz fehlte: Im Gegenteil, er hält ein wortreiches Plädoyer, das an Stuckrad-Barre-Poesie nur so überquillt. Man freut sich, derart schwungevolle Zeilen zu lesen. Kein Zweifel: Jeden Elftklässler könnte er damit begeistern und mühelos überzeugen – nur wovon eigentlich?
Filtere ich die paar Gramm an handfesten Aussagen aus Pilles Popcorn-Schreibe, halte ich ein einziges, magersüchtiges Argumentlein in Händen, das mir mit weinerlichem Stimmchen ins Ohr quäkt:
Philosophie ist aber doch nicht ganz nutzlos, weil sie ab und an feine politische Veränderungen zur Folge hat. Jawollll! Doch! Bestimmt!

Na bravo. Ebenso gut kann ich den Nutzen eines Bügeleisens dadurch belegen, dass man’s zur Not als Toaster verwenden kann. Und moderne Malerei kann man als Vorlage für Sofabezüge hernehmen. Und Beethovens größter Vorzug ist, dass er das Wachstum von Zimmerpflanzen beschleunigt. Und Hitler hat die Autob— - -
Lassen wir das.

Ich könnte mich eigentlich beruhigt zurücklehnen: Ein besserer Beweis für die völlige Überflüssigkeit der Philosophie als Pilles zaghafte Verteidigung muss erst noch ersonnen werden.

Wäre da nicht ein gravierender Haken an der Sache. Rousseaus Politgewäsch hin oder her: Weiß Pille eigentlich, was Philosophie ist?

Nach oben
Antworten mit Zitat
Oxford
Dr. Olympics


Beiträge: 50415
Wörter pro Beitrag: 33

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 18:23                                  +/-

Und auf gehts ins letzte Duell der Gruppe A, nachdem sich entscheidet ob SevenofNine, Spock oder Captain Picard ins Halbfinale einziehen wird.

Das erste Duell zwischen Picard und Spock konnte Letzterer für sich entscheiden.

Das Ergebnis des zweiten Duells zwischen SevenofNine und Spock steht noch nicht fest!

Heute also das dritte Duell zwischen SevenofNine und Captain Picard.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Thema: Kindergartenpflicht für alle?

Captain Picard meint: Jawoll, das ist eine gute Sache!


Ab auf’s Töpfchen.

Mit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens - ab auf die Schulbank, Hausaufgaben machen und Schulsport. Die armen Kleinen! Damit sie bis dahin noch ihre Kindheit aus vollen Zügen genießen können, entscheiden sich viele Eltern dafür, ihre Kinder bis zur Schulpflicht zu Hause zu erziehen. Da wird gemalt, gebastelt und im Garten rumgetobt: ideal!
Denkste, erstens haben viele Eltern keine Zeit oder Lust, sich um ihre Sprösslinge überhaupt zu kümmern und parken sie vor der Glotze, zweitens wollen viele Eltern ihre Kinder gerne in professionelle Obhut geben, kriegen aber keinen Kindergartenplatz.

Sein wir doch ehrlich, jedem Kind, das nicht in den Kindergarten geht, wird viel vorenthalten! All die Streitereien, Balgereien, Mobbereien und, natürlich auch, Bastelgruppen, sind notwendig für die Ausbildung erster sozialer Fertigkeiten und einer gelungenen Integration in die Gemeinschaft. Wer als Kronsohn vielleicht noch alles Spielzeug für sich hatte, muss im Kindergarten lernen, mit anderen zu teilen. Wer in einem nicht deutschsprachigen Elternhaus aufwächst, lernt hier schon in jungen Jahren die Sprache des Bildungssystems.

Eltern, die ihre Kinder in die Obhut professioneller Erzieher geben, können davon auch viele Vorteile haben und sind beileibe keine „Rabeneltern“. Ihnen wird durch die die Betreuung des Kindes zuallererst eine gewisse „freie“ Zeit eingeräumt. Fortbildungsmaßnahmen oder die Wiedereingliederung in den Beruf sind nur durch solche Erleichterungen möglich. Bis zum 6. Lebensjahr und damit dem Beginn der Schulpflicht kann die Zeit im Haushalt lang werden und die erworbenen Fachkenntnisse für den Job schnell veraltet sein.
Überdies lernen die Eltern so auch andere Erwachsene mit Kindern kennen, was natürlich je nach Persönlichkeit nicht immer erfreulich sein muss, aber in jedem Fall die Möglichkeit zum Austausch relevanter Informationen erhöht.

Natürlich liegt aber auch noch viel im Argen, bis diese Kindergartenpflicht eingeführt werden kann. Wo eine Pflicht ist, muss auch ein Angebot bestehen. Bis lang sind die Öffnungszeiten der KITAs und Kindergärten von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich. Von 10 bis 12 Uhr Mittags (so gesehen in Bremen) kann nicht viel Integration geschehen und die Eltern hätten gerade einmal Zeit für notwendige Besorgungen. Flächendeckende Kinderbetreuung muss überregional verfügbar und bezahlbar sein. Gerade für das Ziel mehr kinderreicher Familien dürfen Kindergartenplätze nicht zu einer finanziellen Belastung werden.

Sobald dieses Ziel aber erreicht ist, schließe ich mich dem BDA-Präsidenten an und fordere: ein Jahr beitragsfreie Kindergartenpflicht für alle! Das Jahr vor der Einschulung sollte für jedes Kind die Integration im Kindergarten beginnen. Natürlich darf das nichts kosten, wenn schon die Eltern dazu verpflichtet sind. Aber diese zwölf Monate würden alle Eltern dazu zwingen, ihren Kindern eine soziale Erfahrung zu ermöglichen, sie Deutsch lernen zu lassen (wo nötig, anderswo gibt es ja auch schon Chinesisch) und ihnen überhaupt eine Erziehung angedeihen zu lassen. Ich verspreche mir davon ein besseres Sprachniveau bei Schulanfängern aus Familien mit Migrationshintergrund und mehr berufstätige Eltern. Und vielleicht ein paar mehr Schulanfänger, die mit einer Bastelschere umgehen können.

++++++++++++++++++++++++++++++++++

SevenofNine hingegen denkt: nein, Kindergartenpflicht, das ist nichts!

Kindergartenpflicht? Nein danke!

Das Leben besteht aus neun konzentrisch angeordneten Höllenkreisen. Anschauen müssen wir uns bloß den typischen Lebenslauf eines westlichen Karrieristen: Im Zentrum des Elends, am Ende des Lebens, vegetiert er als verwirrter Rollbraten vor sich hin, alterschwach ans Bett gefesselt, von Demenz geplagt, von der Bagage verlassen und mit Magensonden gespickt. Um ihn herum schmachten – von innen nach außen – die gelangweilten Rentner, die aufs Abstellgleis gestellten älteren Arbeitnehmer, die gestressten Alleinerziehenden, die herzinfarktgefährdeten Erfolgreichen, die einsamen Alleingebliebenen, die ausgebeuteten Berufsanfänger, die planlosen Studenten und Azubis und letztlich auch die pubertierenden Schüler, die unter dem Leistungsdruck von Staat und Elternhaus bereits in jungen Jahren kollabieren.

Brauchen wir da noch eine Zwangsverpflichtung für die Vorhölle? Eine Vorhölle, in der winzig kleine Kinder mit schreckgeweiteten Kulleraugen nach Mama und Papa brüllen, bis die Kacheln krachen? Eine Vorhölle, in der sie bereits in frühesten Jahren an diesen Höllenplaneten sozialisiert und auf ihre spätere Karriere im Fegefeuer des Kapitalismus vorbereitet werden? Eine Vorhölle, in der sie Vokabeln wie „Dyslexie“ oder den Zitronensäurekreislauf lernen sollen, während sie eigentlich viel lieber auf blühenden Wiesen im Dreck wühlen, Ameisenkriege anzetteln und auf dem Kopf stehen möchten?

Eines muss klar sein: Ich argumentiere nicht gegen Eltern, die ihre Brut gestrengen Kindergärtnerinnen und ballaststoffreichen KiTa-Mensen anvertrauen wollen. Wer seinen Pimpf im Kindergarten besser aufgehoben glaubt, weil er Mittags nur Bratwurst mit Pommes zustande bekommt, weil er als Hamster in einem besonders stressigen Kreis der Hölle rotiert oder weil er einfach findet, dass der Pimpfe-Gulag die spätere Arbeitsmarkttauglichkeit der Brut steigert, der soll sie anmelden. Was aber, wenn die Eltern ihre Sprösslinge nach eigenen, privaten, möglicherweise weniger mainstreamtauglichen Werten erziehen möchte? Ihnen wird dies versagt. Für die Kinder bedeutet dies Konflikt und Ungewissheit: Im Kindergarten wird Fleiß gepredigt, zu Hause Kreativität. Vegetarische Kindergartenpfleger erzählen von der Bosheit fleischfressender Menschen, zu Hause wandert in diesem Monat schon das dritte, flauschie Kaninchen in den Kochtopf. Welcher Dreijährige kommt damit schon klar?

Ich kann mir ausmalen, wie mein Kontrahent argumentieren wird: „Chancengleichheit! Migratenintegration! Frühe Förderung! Emanzipation der Mütter!“ wird er politisch korrekt herunterningeln. Und dabei ganz vergessen, dass Pflicht immer auch Zwang bedeutet, dass Kinder gegen den Willen vieler Eltern, die ihre Sprösslinge individuell fördern wollen, stattdessen in der Aufbewahrungsanstalt weggeschlossen werden. Hinter der Forderung nach einer Kindergartenpflicht steht der Wunsch nach Gleichmacherei, nach zusammengerührter Instant-Soße, nach Mainstream. Alle sollen alles können, am besten natürlich arbeitsmarkttauglich, angepasst und im festen Glauben an Gott, Staat und Vaterland. Staatlich gesteuert, versteht sich, mit Curriculum und Werteunterricht. Die Zwangsverpflichtung ist es, die stört. Mit der Kindergartenpflicht würde sich der Staat durchschlagend in die Privatsphäre seiner Bürger einmischen – schon wieder! Und mit der Kindergartenpflicht sind schon die Jüngsten vom systematischen Kontrollwahn betroffen.

Lasst den Dötzen freien Auslauf! Zumindest für sechs oder sieben Jahre. Dann sind sie ohnehin verpflichtet, den ersten Kreis der Hölle zu betreten. Ohne Erbarmen!


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 19:26                                  

Offizielles Endergebnis der Vorrunden-Rückspiele:


Schuluniformen – potentiell sinnvoll?
Uniform-Befürworterin Seven of Nine konnte sich in diesem packenden Duell mit einigen Stimmen Vorsprung gegen Uniformverweigerer Spock durchsetzen.
Gewinner des Duells: Seven of Nine


Zentralabitur – ist die einheitliche Reifeprüfung sinnvoll?
Mit einem Erdrutschsieg konnte Riker das zweite Duell gegen Zentralabiworf für sich entscheiden.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Riker


Westliche Entwicklungshilfe für afrikanische Länder – schadet sie mehr, als sie nützt?
Auch in diesem Duell liegt nach Auszählung aller Stimmen Kirk denkbar knapp vor Uhura.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Kirk


Ist Philosophie für das praktische Leben relevant?
Wie Riker konnte auch Scotty in seinem Duell einen Erdrutschsieg erringen.
Gewinner des Hinspiel-Duells: Scotty


*************************************************************************************


Die Endauswertung der Vorrundenduelle der Gruppen B, C und D ergibt somit folgendes amtliches Endergebnis:

Gruppe B – Riker vs. Worf:
    Sieger Hinspiel-Duell: Worf
    Sieger Rückspiel-Duell: Riker

    Beide Kombattanten konnten jeweils ein Duell für sich entscheiden. Nach Auswertung aller abgegebener Stimmen beider Duelle, ergibt sich dennoch ein deutlicher Sieg für Riker.

Gewinner der Vorrunde: Riker


Gruppe C – Uhura vs. Kirk:
    Sieger Hinspiel-Duell: Kirk
    Sieger Rückspiel-Duell: Kirk
Beide Duelle konnte Kirk – wenn auch sehr sehr knapp – auf seiner Seite verbuchen. Demnach steht Kirk somit als Gewinner von Gruppe C fest.
Gewinner der Vorrunde:
Kirk


Gruppe D – Scotty vs. Pille:
    Sieger Hinspiel-Duell: Pille
    Sieger Rückspiel-Duell: Scotty
Nach einem Unentschieden bei den Duellen, musste auch hier die Anzahl der Gesamtstimmen entscheiden. Somit muss sich Pille Scotty geschlagen geben.
Gewinner der Vorrunde: Scotty


Für Gruppe A gab es noch keine Entscheidung.




Im Namen der Ausrichter gratuliere ich den Vorrundengwinnern zum Einzug ins Halbfinale. Die Paarungen, Termine und Themen werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.



Erste Reaktionen der glücklichen Gewinner.






.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 17:47                                  +/-

Ladys and Gentlemen, verehrte User!

Es ist soweit. Die letzten Entgegnungen der Vorrunde stehen an. Seven of Nine und Picard streiten sich über die Sinnhaftigkeit von Kindergartenpflicht. Ich wünsche Ihnen auch bei diesem Duell viel Vergnügen!

Ab sofort ist das Wahllokal geöffnet. Bis morgen Abend 20 Uhr haben Sie Zeit Ihre Stimme abzugeben.


********************************************************************************


Seven of Nine ist weiterhin der festen Überzeugung: Kindergartenpflicht? Nein danke!

Mein Kontrahent scheint durchgängig Möglichkeit und Zwang verwechselt zu haben. Gegen die Möglichkeit, die Brut im Kindergarten unterzubringen, hat niemand argumentiert. Die war auch gar nicht Thema unseres Duells. Wir reden über etwas ganz anderes: Über Pflicht, über Zwang, über staatliche Verordnung. Über die Arroganz des Staates zu glauben, er sei dem Seelenheil der lieben Kleinen stets zuträglicher als die eigenen Eltern. Zu diesem Zwang hat mein Kontrahent nicht viel gesagt.

Bei Licht betrachtet lässt sich ein Großteil seiner Argumente beiseite wischen: Es gibt Eltern, die sich aus beruflichen Gründen oder wegen ihres niedrigen Bildungsniveaus nur rudimentär um ihre Kinder kümmern können? Eltern, die ihre Kinder durch Bastelgruppen sozialisieren wollen? Ihnen rufe ich zu: Dann macht doch! Gehet hin und steckt eure Kinder in die KiTa! Wenn ihr wollt, dürft ihr anschließend sogar Polka tanzen! Ladys und Gentlemen, wir reden hier nicht über ein Kindergartenverbot.

Gleiches gilt für den Mangel an Kindergartenplätzen, den mein Kontrahent anprangert. Völlig anderes Thema. Erstaunlich. Dabei schien er sprachlich zunächst voll bei der Sache zu sein.

Derart von Ballast befreit, rettet sich ein einziges Argumentchen in die Gefilde der von staatlicher Einmischung Terrorisierten: Mein Kontrahent verspricht sich von einem kostenfreien Kindergartenpflichtjahr ein besseres Sprachniveau bei Schulanfängern aus Familien mit Migrationshintergrund. Wen betrifft das eigentlich? Ich lasse Zahlen sprechen: "Von den zehn Prozent der Kinder, die gar nicht in den Kindergarten gehen, stammt nur ein gutes Viertel aus Familien, bei denen eine Förderung besonders notwendig wäre.“ (Professor Thomas Rauschenbach, Leiter Deutsches Jugendinstitut München)




Picard hingegen ist immer noch der Meinung: Kindergartenpflicht ist eine super Sache

Der Kindergarten von SevenOfNine muss ja wirklich grässlich gewesen sein. Dyslexie und Zitronensäure waren in meinem Kindergarten noch Fremdwörter - gut dieser Aufenthalt ist auch schon etwas länger her, aber ich erinnere mich an Laternenumzüge, selbstgebackene Plätzchen und fröhliche Killerspiele. Ein Kindergarten muss nicht „die Hölle“ sein. Man muss die lieben Kleinen auch nicht zu Ballaststofffreien Erziehern schicken. Vorausgesetzt ein flächendeckendes Angebot an Kindergartenplätzen besteht, sollten Eltern sich natürlich den Platz für ihr Kind aussuchen, der ihnen und ihrer Weltanschauung am nächsten kommt.

Überhaupt finde ich die Argumentation meines Kontrahenten absurd bis beleidigend. Auf der einen Seite wird da ein Bild von Eltern gezeichnet, die nicht kochen können, auf die Karriere ihrer Kinder scharf sind und im Hamsterrad Runden drehen. Auf der anderen Seite stehen dann die verständnisvollen Kreativen, die das liebe Kind vor dem Mainstream beschützen möchten.
Eltern, die ihren Kindern aus welchen Gründen auch immer die Erfahrung eines Kindergartens angedeihen lassen, werden hier verunglimpft als Karrieristen, Gleichmacher und... schlechte Köche? Was ist mit den allein erziehenden Müttern und Vätern, die auf ihr Einkommen angewiesen sind? Was ist mit den Eltern, die einfach beide arbeiten möchten? Denen würde ich die Beschreibung von SevenOfNine gerne einmal vorstellen.

Im Kindergarten werden Sprachkenntnisse und soziale Fertigkeiten ausgebildet. Durch den Kindergarten können Eltern ihre Kinder in professioneller Obhut wissen und anderen Tätigkeiten nachgehen. Durch den Kindergarten könnte die Integration von Kindern mit Deutsch als erster Fremdsprache einen wesentlich leichteren Schuleinstieg erfahren. Dass dies keine sinnvollen und guten Ziele sind, konnte mir SevenOfNine nicht erläutern.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 14.05.2009, 19:12                                  +/-

Offizielles Endergebnis des letzten Vorrunden-Duells der Gruppe A


Kindergartenpflicht für alle?
Sehr knapp konnte sich Kindergartenverweigerin Sevenof Nine gegen Picard behaupten.
Gewinner des Duells: Seven of Nine


*************************************************************************************


Die Endauswertung der Vorrundenduelle der Gruppen B, C und D ergibt somit folgendes amtliches Endergebnis:

Gruppe A – Spock vs. Picard vs. Seven of Nine:
    Sieger Duell 1: Spock
    Sieger Duell 2: Seven of Nine
    Sieger Duell 3: Seven of Nine

    Von drei ausgetragenen Duellen konnte Seven of Nine zwei für sich entscheiden. Sich hat sich gegen beide Gegner durchsetzen können und steht somit im Halbfinale.

Gewinner der Vorrunde: Seven of Nine




Wir haben Seven of Nine auf einer Kostümparty erwischt. Sie war außer sich vor Freude.






.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46129
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 15.05.2009, 10:16                                  +/-

Du klaust zu oft Bilder.


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 23.05.2009, 22:08                                  +/-

*************************************************************************************
Am heutigen Abend wird das Halbfinale des großen Rhetorik-Battle ausgetragen. Bis morgen Abend, 20 Uhr, haben die Kombattanten Zeit, die Pamphlete ihrer Kontrahenten sacken zu lassen und sie mit maximal 250 Worten zu vernichten. Diese Beiträge senden sie bitte bis zum genannten Zeitpunkt an mich.

Das Wahllokal für diese Runde öffnet morgen um 20 Uhr. Bis Montag 20 Uhr können Sie Ihre Stimme abgeben und die beiden Finalteilnehmer bestimmen.
*************************************************************************************



Das erste Match des heutigen Abends wird ausgetragen zwischen Roland Emmerich und Lars von Trier. Das Thema des ersten Halbfinalduells lautet:
Blockbuster sind wichtig für die Filmindustrie

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Roland Emmerich verteidigt sein Tun:

KRACH! BÄNG! WUMMS! RUMMS!

Ganz bestimmt sind Blockbuster wichtig für die Filmindustrie! Das ist doch wohl keine Frage. Ich meine, man muss nicht gerade Thanil heißen, um das zu erkennen, nicht wahr? Man muss nur die eigene - vielleicht vorhandene - Abneigung gegen populäre Kassenschlager hintanstellen. Mal kurz Godzilla, Armageddon und Totale Scheiße IV vergessen. Einfach alle Filme, bei denen man das ganze Kino am liebsten bis unter die Decke vollreihern möchte. Okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. So schlecht sind diese Filme wirklich nicht.

Klar, vielen von uns ist ein Kaurismäki in einem schönen kleinen Programmkino lieber. Auch gibt es dort unter den Zuschauern gewiss weniger Agenten des Kapitalismus (=Kinder). Aber allegorisch gesprochen muss auch mal jemand den Karren aus dem Dreck ziehen, wenn ihr versteht was ich meine. Die fette Spinne im Bad töten, damit jemand anderes die Toilette benutzen kann. Nicht? Na gut, dann entführe ich euch, liebe Leser, jetzt auf eine Reise durch Raum und Zeit, in das Hollywood der 70er Jahre. Und zwar ganz ohne Spezialeffekte - KRACH! BÄNG! WUMMS! RUMMS! - und ohne reaktionären Macho, der die Welt rettet, weil die Kacke mal wieder richtig am Dampfen ist.

So. Hollywood, die 70er. Riecht ihr schon das Zelluloid…?

Das gesamte Studiosystem liegt am Boden. Nach Vietnam, Watergate, Öl- und Wirtschaftskrise herrscht im ganzen Land die totale Superscheiße. Die Nation ist politisiert, und das spiegelt auch die Populärkultur des Kinos wieder. Die Filme Anfang der 1970er Jahre sind wirklichkeitsnah, dystopisch und zeigen den sozialen und politischen Aufruhr im Land. Statt des herkömmlichen Helden dominieren abstoßende Antihelden, die sich mit den Traumata der Bürger befassen. Und das jahrelang.

Tja, irgendwann kann auch der politisch interessierte Mensch die öden Problemhansel nicht mehr sehen! Das ist Kassengift! Okay, das war Punkt eins. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt hinzu: Zuvor war das klassische Studiosystem in eine finanzielle Sackgasse geraten. Mitschuldig waren diverse Bankrotte, die aus den wirtschaftlichen Misserfolgen von gigantischen Produktionen der 60er wie "Meuterei auf der Bounty" (Lewis Milestone) und "Cleopatra" (Joseph Mankiewicz) herrührten. Erst die totale Kapitalvernichtung, dann das Kassengift. Das hat vielen Studios damals das Genick gebrochen.

Und dann kam Luke Skywalker und hat alle gerettet… Ehrlich, kein Witz. Es war George Lucas, der den wirtschaftlichen Aufschwung des US-Kinos einläutete. Nicht er allein, sicher, neben ihm gab es noch ein paar andere, damals noch gänzlich unbekannte Filmemacher. Steven Spielberg mit "Jaws", Francis Ford Coppola mit "The Godfather" oder Brian De Palma mit "Carrie" bzw. "Scarface". Wir vergessen heute nur zu gerne, dass diese von Kritik und Zuschauern gleichermaßen hochgelobten Filme die Kassenschlager ihrer Zeit waren. Das liegt am schlechten Image der Blockbuster, das diese manchmal zu Unrecht haben.

Dessen ungeachtet sind sie notwendig, wie wir gesehen haben. Heute ist das immer noch so, und niemand sollte darüber ernsthaft traurig sein. Denkt lieber daran, was Blockbuster alles ermöglichen! Die Weinsteins hauen auch immer mal wieder einen raus, um kleine, schräge Independentfilme zu finanzieren. Wer weiß, ohne Blockbuster hätte Quentin Tarantino noch lange Klinken putzen dürfen.




Lars von Trier setzt dagegen:

Moderator:
Sehr verehrte Zuschauer, Willkommen. Wir haben zwei Vertreter der Filmindustrie, einen Filmkritiker sowie zwei Kinogänger eingeladen, um mit ihnen zu diskutieren über -


Jerry (48, Blockbusterproduzent):
Money! Wir reden hier über Money!


Moderator:
Eigentlich wollte ich beginnen mit -


Jerry:
Sehen Sie das denn nicht? Ohne Geld keine Filme. Überhaupt keine! Und ohne Erfolg kein Geld. So einfach ist das.


Moderator:
Ja, äh. Eigentlich wollte ich einsteigen mit der Frage: Was sind Blockbuster eigentlich? Jürgen, was sagen Sie dazu?


Zach (28, Regisseur):
Blockbuster sind finanziell besonders erfolgreiche Filme....


Rüdiger (45, Filmkritiker):
... die speziell auf Erfolg getrimmt werden, möchte ich anmerken. Marketingkampagnen! Öffentlichkeitsarbeit! Haben Sie eine Ahnung, mit wie vielen Pressemitteilungen ich vor einer Filmpremiere beworfen werde? Mit wie viel Schwachsinn über das Privatleben der Starlets? Und dann darf ich mir Tag für Tag den gleichen Murks reinpfeifen. Beim nächsten Stereotyp platze ich! Ich bin unabhängiger Kritiker! Kein Erfüllungsgehilfe! Wo bleibt die Kultur? Wieso habe ich eigentlich studiert?


Moderator:
Ein guter Hinweis. Fritzchen, mit Ihren 19 Jahren gehören Sie zur wichtigen Zuschauergruppe der 18-49-Jährigen. Was sagen Sie zu Blockbuster-Stereotypen?


Fritzchen (19, Kinogänger):
*erratisches Starren*


Moderator:
Sich wiederholende Muster. Am Ende siegen immer die Guten. Wiederkehrende Elemente wie Action oder Liebesgeschichten, die nur leicht variiert werden. Ähnliche Konfliktmuster. Abziehbildchen-Charaktere.


Fritzchen:
....


Moderator:
Nun?


Fritzchen:
Action rult jetzt schon....


Zach:
Ursprünglich wollte ich Kunst machen. Für meine Abschlussarbeit, einen Kurzfilm, habe ich sogar einen Preis gewonnen.


Jerry:
So ein Scheiß. Kurzfilme, wer braucht Kurzfilme? Niemand kann 50 Kurzfilme sehen!


Zach:
Ja, das habe ich auch gelernt. Mein letzter Film war deshalb eine Comicverfilmung. Das Buch hatte sich vorher gut verkauft.


Fritzchen:
Warum ist eigentlich die Hose mitgewachsen?


Zach:
Ursprünglich wollte ich ein expressionistisch bebildertes Filmmärchen machen. Ich wollte auch unbekannte Schauspieler für die Rollen. Keine großen Namen, es sollte kein Star-Vehikel werden. Das wollte mir aber keiner finanzieren. Zu hohes Risiko. Die Summe, die ich für die Produktion zusammenkratzen konnte, hätte nichts übriggelassen. Und ohne Marketing schaut keiner hin. In der Branche giltst du schnell als erfolglos, und dann finanziert dich keiner mehr. Ein Teufelskreis.


Moderator:
Es gibt ja auch die deutsche Filmförderung. Mit 60 Millionen pro Jahr werden Filme unterstützt, die nationale Themen berühren oder einfach nur in Deutschland gedreht werden. Nun hat Kulturstaatsminister Neumann vor Kurzem gesagt, dass er vor allem größere, „thematisch interessantere Filme“ fördern wolle, die das Publikum auch emotional ansprächen....


Jerry:
Na Gott sei Dank hat ers endlich kapiert: Kein Schwein will Kulturdödelfilme sehen! Wir brauchen mehr Action! Emotion! CGI! Titten! Ärsche! Sexappeal!


Liese (64, Oma):
Wenn ich auch mal was sagen darf....


Jerry:
Dürfen Sie nicht. Für die Filmindustrie sind Sie völlig uninteressant.


Liese:
Also junger Mann! Ich tät ja auch ganz gerne mal ins Kino gehen. Es ist aber einfach nichts dabei für mich....


Moderator:
Wir müssen zum Schluss kommen. Halten wir fest: Blockbuster haben wenig künstlerischen Anspruch. Sie zementieren soziale Wirklichkeit, anstatt zum Diskurs anzuregen. Sie verdrängen mutige, kleine Filme. Und Filmproduzenten sind große Feiglinge. Guten Abend.






Im zweiten Halbfinale duellieren sich Verbotene Liebe und Gute Zeiten Schlechte Zeiten. Das Thema dieses Duelles lautet:
GEZ und Florii Silbereisen – Wer braucht die öffentlich-rechtlichen Sender?

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Verbotene Liebe sagt "Ja" zu den öffentlich-rechtlichen Sendern:

GEZ und Florii Silbereisen? Laut Thementitel habe ich schon verloren. Dabei ist öffentlich-rechtlicher Rundfunk so wichtig. Er wurde ursprünglich als Mittel der Demokratisierung eingeführt(1) und erfüllt diese Funktion bis heute. Von Buxtehude bis Breitenlesau kann ich unverzerrt von den Marktgesetzen, denen das Privatfernsehen unterworfen ist, das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender nutzen und genießen. Ohne teuren Internetanschluss oder PayTV kann ich mich über das politische Tagesgeschehen und kulturelle Ereignisse informieren. Bedürftige und Studenten werden von den GEZ-Gebühren freigestellt. Der öffentliche Rundfunk ist daher ein Mittel der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung und ein unverzichtbarer Bestandteil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik.
Diese Ansicht teile ich übrigens mit dem Bundesverfassungsgericht, welches im Rundfunkurteil von 1991 eine Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk festschrieb.

Nachdem die gesellschaftliche Bedeutung geklärt ist, bleibt die Frage, will man das sehen? Was habe ich davon? Die Stärken der privaten Sender sind neue Hollywood-Filme, US-Fernsehserien und Shows wie GNT oder DSDS - kurz Unterhaltung. Dies sind TV-Produkte, die Quoten bringen und deswegen gut durch ein werbefinanziertes Angebot abgedeckt werden können. Die Stärken der öffentlich-rechtlichen Sender sind dagegen Sport, Kultur, Politik und Bildung. Um Kultur- und Informationssendungen anbieten zu können, sind jedoch staatliche Regulation und Rundfunkgebühren notwendig. Denn durch Werbung ließen sich die Sendung mit der Maus, das Europamagazin, titel-thesen-temperamente oder W-wie-Wissen nicht finanzieren.

Fangen wir mit dem Sport an. Beliebte TV-Sportarten wie Schwimmen, Biathlon, Frauenfußball oder Handball hätten ohne das jahrzehntelange Engagement der ARD gar nicht erst erfolgreich werden können. Die Öffentlich-Rechtlichen berichten über alle Sportarten, auch wenn sie derzeit nicht kommerziell vermarktbar sind.

Ähnlich ist es mit der Kultur. Man muss nicht W.Olter heißen, um zu wissen, dass viele E-Musik-Veranstaltungen ohne die Übertragung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht stattfinden könnten. Auch deren Veranstalter könnten häufig nicht überleben ohne die Zusammenarbeit mit den Öffentlich-Rechtlichen. Und ich spreche nicht nur von Konzerthallen und Klassik-Events, sondern auch von Stadtfesten und Jazzfestivals, von der RuhrTriennale oder der Comedy N8schicht. Und wer – ich richte mich hier explizit an Thanil, Triskel, Olmops, Oxford – wer außer den Öffentlich-Rechtlichen würde den traditionellen Rosenmontagszug in voller Länge übertragen?
Aber warum Florii Silbereisen? Warum volkstümliche Musik? Weil sie sehr viele ältere Menschen gerne hören, diese jedoch nicht zur kaufstarken Zielgruppe gehören. Hier wird also auch noch ein sozialer Auftrag durch die Öffentlich-Rechtlichen umgesetzt.

Kommen wir schließlich zu Politik und Bildung. Wenn ich das Programm von Pro7 aufschlage, stoße ich gerade mal auf eine Informationssendung am Tag, nämlich Galileo.
Im ZDF laufen blickpunkt, Berlin-direkt, das philosophische Quartett und nano, um nur einen kleinen Programmausschnitt zu nennen. Von den Wissenssendungen der Landesrundfunkanstalten wie alpha-Centauri oder Quarks&Co will ich gar nicht anfangen.

Kurzgesagt, und das ist mein Resümee für den ersten Diskussionsbeitrag, der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet nicht nur einen notwendigen Beitrag zur Demokratie und zum kulturellen Leben in Deutschland, ich bin auch heilfroh, dass er mir persönlich die Freiheit gibt, mich mit meiner Fernsteuerung noch zwischen Galileo und Quarks&Co entscheiden zu können.



(1): Nach 1945 von den Alliierten. Vorreiter war die erfolgreiche BBC. Auch in Großbritannien gibt es ein duales Rundfunksystem.



Gute Zeiten Schlechte Zeiten sieht das anders:

Die Beste Eigenschaft der Öffentlich-Rechtlichen Sender besteht zweifelsohne darin, dass sie nicht die Privaten sind. Und ganz bestimmt ist es erfrischend, Heidi und Dieter eine Weile lang nicht zu sehen. Allerdings, wenn die Alternative dann in Guido Knopps Drittes-Reich- Light- Videoclips besteht, kann man eigentlich auch gleich zur Videothek laufen oder zu Galileo-Hysterics umschalten. Die Wissenschaftsparodien bei Pro Sieben sind so beruhigend wie die Bild: da weiß man wenigstens gleich, dass man kein Wort glauben muss.

Im Ernst: Der Anspruch der Öffentlich-Rechtlichen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit unters Volk zu bringen, ist ehrenwert. Einlösbar ist er nicht. Und das nicht nur deswegen, weil die völlige parteiliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Institutionen aufgrund der schlichten Tatsache, dass Institutionen letztlich aus beirrbarem menschlichem Rohmaterial gebildet sind, utopisch ist. Vor allem muss er daran scheitern, dass auch Auswahl Urteil und Deutung ist, und auch die Öffentlich-Rechtlichen müssen auswählen.

Aber angenommen, es gelänge ihnen, den Anspruch nach Objektivität annähernd einzulösen. Ja, angenommen sogar, ARD-Reportagen hätten einen Informationsgehalt von 100 Prozent, angenommen, dem BR gelänge es, in einem Interview dem Engel Aloisius persönlich die Ratschlüsse des Himmel zu entlocken: Rechtfertigte das dann den traurigen Umstand, dass unzählige Bundesbürger von paranoiden Ängsten befallen werden, sobald es an der Haustür klingelt? Dass sie, ehe sie endlich öffnen, in fliegender Eile den Fernseher unters Bett und das Radio ins Klo stecken – um dann festzustellen, dass das draußen doch nur der Postbote war, und nicht der GEZ-Mann, der Knecht Ruprecht der Erwachsenen?

Nein. Und die Situation der braven Gebührenzahler ist nicht wirklich zu rechtfertigen. Wenn Otto Müller sich seinen Fernseher einzig und allein zum Zweck gekauft hat, sich die Bundesligaspiele auf Sat1 zu Gemüte zu führen, wenn seine Frau Lieschen ausschließlich Actionserien auf RTL2 sehen mag, dann kann man das bedauerlich finden, wenn man mag. Man hat ihnen aber dabei keine Steine in den Weg zu legen. Man hat sie nicht dazu zu nötigen, für ein Essen zu zahlen, das sie nicht bestellt haben. Das Recht zur freien Information beinhaltete keine Pflicht, selbige auch wahrzunehmen; ebenso wenig wie es eine Wahlpflicht gibt.

Es ist ja auch beleibe nicht so, dass außerhalb der Öffentlich-Rechtlichen Sender keine Informationsquellen zur Hand wären. Im Gegenteil: In der gegenwärtigen Situation besteht größtmögliche Objektivität ohnehin darin, möglichst viele Quellen zu nutzen. Wenn sich also die Öffentlich-Rechtlichen nicht nach dem Modell des Pay-Tv’s, also durch freiwillige Nutzung ihres Angebotes gegen Bezahlung, halten können, dann mag das bedauern wer will: Die Medienlandschaft wird nicht nur von den geprägt, die sie aktiv gestalten, sondern vor allem von denen, die sie nutzen. Der Versuch, in diesen Selbstregulierungsprozess durch ein Zwangs-Zusatzangebot von mehr als zweifelhafter Qualität einzugreifen, ist eine bevormundende Geste, die in die Zeiten passt, als man noch ernsthaft von Vater Staat reden konnte. Das ist aber schon länger her.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 23.05.2009, 23:05                                  +/-

Die Halbfinals laufen.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 19:03                                  +/-

********************************************************************************

Geehrte Leserinnen und Leser,
der Schlussspurt des Halbfinals steht auf dem Programm. Ich wünsche Ihnen auch bei diesen Duellen viel Vergnügen!

Ab sofort ist außerdem das Wahllokal geöffnet. Bis morgen Abend 20 Uhr haben Sie Zeit Ihre Stimme abzugeben.

********************************************************************************




Zur Erinnerung: Im ersten Halbfinale streiten sich Roland Emmerich und Lars von Trier. darüber, ob Blockbuster in die Tonne gehören oder nicht. Die Behauptung lautet: Blockbuster sind wichtig für die Filmindustrie



Roland Emmerich bleibt dabei: er hat recht und Lars von Trier ist ne Hupe

Lars und seine unterirdischen Hohlköpfe

Schneidender als dein Witz sind nur deine messerscharfen Schlussfolgerungen, lieber Gegner.

Warum führst du eigentlich sechs "Abziehbildchen-Charaktere" ein, die dann nichts Wesentliches zum Thema zu sagen haben? Irgendwie widersinnig, dass du dich auf semantischer Ebene genau der Mittel der Blockbuster bedienst, die du zu kritisieren versuchst. Vergeblich!

Na ja, vielleicht lag genau darin deine Absicht. Aber wo steckt sie denn nun, die Quintessenz?

Ich will es dir sagen: In dem, was du alles nicht schreibst. Ein Rüdiger Suchsland hätte entgegen deinem Pamphlet überhaupt nichts gegen einen gut gemachten Blockbuster einzuwenden. Und es geht auch nicht darum, ob Blockbuster gute oder schlechte Filme sind. (Oft sind sie letzteres.) Es geht einzig und allein um ihre Bedeutung für die Filmindustrie. Das sei auch all jenen unter meinen Lesern gesagt, die sich eine Schmackhaftmachung solcher Filme gewünscht haben. Aber gerade das wäre eine Verfehlung des Themas gewesen.

Mein Kontrahent macht den Fehler, von einem idealisierten Soll-Zustand auszugehen. Doch bedenkt bitte eins: In keinem anderen Wirtschaftszweig wird ein Produkt mit Investitionen in Millionenhöhe vollkommen fertig produziert, ohne jede Gewährleistung, dass der Besucher es auch kauft, das heißt, die Kinokasse betritt, die DVD erwirbt. Solche Kosten sind irreversibel. (So genannte "sunk costs".) Im wahrsten Sinne des Wortes geht es hier um eine Industrie, die sich auf Träumen gründet, welche jedoch immer kostenintensiver werden. Deswegen sind Blockbuster und die mit ihnen verbundenen Marketingmechanismen schlicht und ergreifend notwendig.

Ach ja: LIMBO, FOTZEN! Scheiße! Yes



Lars von Trier sieht dies naturgemäß ganz anders und attestiert Roland geistige Verwirrung.

Moderator:
Verehrte Zuschauer, nach unserer letzten Sendung haben wir einen recht wirren Zuschauerkommentar erhalten. Laut Autor sind Blockbuster in den 70ern einmal gut und richtig gewesen. Was sagen Sie dazu, Rüdiger?


Rüdiger (45, Filmkritiker)
Das irritiert mich etwas. Wir reden ja über das Hier und Jetzt, und die Filmindustrie hat sich seitdem gravierend verändert. Alles ist teurer und aufwändiger geworden, von den Schauspielergagen über die Effekte bis hin zum Marketing. Selbst inflationsbereinigt. Das Absurde: Gerade die extrem teuren Komponenten der Filmproduktion generieren heute erst einen Blockbuster. „Der Pate“, der damals unbedingt ein Erfolg werden musste, wäre heute sicherlich ein ganz anderer Film geworden. Die Filmrechte für das Buch haben damals auch nur 7.500 Dollar gekostet.


Jerry (48, Blockbusterproduzent):
Wir Filmproduzenten müssen uns halt absichern. Mit prominenten Namen, mit erprobten Geschichten etc. Für künstlerische Freiheit oder unbekannte Gesichter bleibt dann wirklich wenig Platz. Immerhin gehen wir irrsinnige finanzielle Risiken ein. Ich finde es übrigens witzig, dass unser Zuschauer ausgerechnet Cleopatra anführt. Das war ein als Blockbuster konzipierter Giganto-Streifen, der die 20th Century Fox beinahe ausgelöscht hätte. Die Jagd nach dem Blockbuster kann auch Kapital und Arbeitsplätze vernichten, wenn man am Massengeschmack vorbeiproduziert.


Zach (28, Regisseur):
Lustig auch, dass der Zuschauer ausgerechnet Tarantino anspricht. Der hat sich an der Blockbusterindustrie vorbeigemogelt. Anhand von unabhängigen Festivals, die versuchen am monströsen Marketing vorbei zu arbeiten und auch kleine Filme auf die Kinoagenda zu bringen. Das Sundance Film Festival ist dafür ein schönes Beispiel. Tarantino oder Jarmush gäbe es ohne Sundance gar nicht.


Moderator:
Dankeschön.



********************************************************************************



Im zweiten Halbfinale diskutieren Verbotene Liebe und Gute Zeiten Schlechte Zeiten über den Sinn und Unsinn von ARD, ZDF & Co. Man fragt sich allerorten GEZ und Florii Silbereisen – Wer braucht die öffentlich-rechtlichen Sender?



Verbotene Liebe setzt auf Löwenzahn und Sandmännchen:

Herzelein, wenn Du Angst vor dem GEZ-Mann hast, hol' Dir die Gebührenbefreiung! So weit kann man sein Gesäß noch selbstreguliert hochkriegen. Smilie

Wir sind uns einig, dass Medien immer eine Informationsauswahl vornehmen müssen. Und ja, die Informationsauswahl der Öffentlich-Rechtlichen ist fehlbar. Der Staat ist jedoch nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde von uns allen demokratisch autorisiert. Auch deswegen ist der Staat als Auswahlmechanismus eine wichtige Ergänzung zum Markt.

Es geht nämlich nicht um ein Entweder-Oder. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind Teil eines dualen Rundfunksystems, in dem die privaten Medien die staatlichen jederzeit korrigieren können. Aber was, wenn es umgekehrt im Privatfernsehen zum Marktversagen kommt? Wie gesagt existieren Informationsbedürfnisse, die das Gesetz der Quote nicht stillen kann.

Größtmögliche Objektivität durch möglichst viele Quellen funktioniert nicht, wenn die Vielfalt der Quellen nur von DSDS (BertelsmannAG) über GNT (SabanCapitalGroup) bis Spiegel-Online (BertelsmannAG) reicht. Der Wert einer Sendung bemisst sich für die beiden Medienkonzerne exakt nach der Einschaltquote in der Zielgruppe.

Dein Vorschlag der Selbstregulation klingt wunderbar in der Theorie. Es sind aber nicht alle Konsumenten bildungselitäre Akademiker. In der Praxis werden Zuschauer nicht für die Tagesschau extra zahlen, wenn sie DSDS mit Werbung kostenlos sehen können. Unsere Jugend wüchse dann mit BigBrother auf, statt mit Löwenzahn und Sandmännchen.

Es ist legitim, wenn der Staat dafür sorgt, dass Zuschauer zumindest beim Durchzappen über Bildung stolpern. Sonst müsste man auch staatliche Bildungsreinrichtungen als "bevormundende Geste" abschaffen. Und wenn "Frau Lieschen" ihr Kind lieber zum Tellerwaschen schickt als in die Schule, auch dann darf sie der Staat "bevormunden". zwinkern




Gute Zeiten Schlechte Zeiten hält das Modell für veraltet:

Verbotene Liebe durchforstet das Fernsehprogramm, fördert Schlamm und Schätze zutage und wirft beides in die jeweiligen Waagschalen. Das läuft argumentativ aber auf nichts hinaus. Denn zur Debatte steht nicht, ob die Öffentlichen oder die Privaten das bessre Programm habe – das kann gar nicht zur Debatte stehen: Was dem (in seiner Kaufkraft nicht zu unterschätzende) Tattergreis sein Flori, ist dem Pubertierenden sein Raab. Das ist und bleibt Geschmacksfrage.

Keine Frage des Geschmacks ist es, ob es Rechtens sein kann, diejenigen für Flori oder Sloterdijks Tiefsinnsoberflächen zahlen zu lassen, die auf beide Herren keinen Blick werfen möchten. Der ARD-Konsument bleibt von Unmengen an Klingeltonwerbung verschont; den Klingeltonopfer sollte man - reine Fairness! – die Rundfunkgebühren ersparen.
Richtiger: Ihnen die Wahl, ob sie sich beides antun möchten, selbst überlassen.

Ob die Kosten, die eine Kindersendung mit hübschen Trickfiguren und eine um einen Tisch versammelte Runde von Akademikern, die für ein wenig Medienpräsenz vermutlich sogar noch draufzuzahlen bereit wären, wirklich ins Astronomische geht – sei dahingestellt. Möglich, das es so ist. Möglich auch, dass es genug Fans dieser Sendungen gibt, um sie bei freiwilligem kostenpflichtigem Konsum weiterhin produzieren zu können. Nicht dahingestellt ist, dass es sinnlos wäre, sie weiterhin zu produzieren, wenn die Nachfrage nicht dazu ausreicht, die am Leben zu halten.

Was indes die Demokratisierung betrifft: Heute, wo weit über die Hälfte der Bevölkerung bereits das Internet nutzt und ein Blick quer über die Schlagzeilen sämtlicher am Kiosk ausliegenden Zeitungen mehr Informationen enthält als fünf Minuten Tagesschau, ist die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen marginal.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 25.05.2009, 20:07                                  +/-

Offizielles Endergebnis des Halbfinales:

Blockbuster sind wichtig für die Filmindustrie
Im ersten Halbfinale konnte Roland Emmerich einen Sieg über Blockbustergegner Lars von Trier erringen und steht somit als erster Finalteilnehmer fest.

GEZ und Florii Silbereisen – Wer braucht die öffentlich-rechtlichen Sender?
Mit einem deutlichen Vorsprung hat sich Verbotene Liebe im zweiten Halbfinale gegen seinen Gegner GZSZ durchsetzen können und steht somit als zweiter Finalist fest.






Wir gratulieren den beiden Gewinnern und warten gespannt auf das große Finale unseres Rhetorik-Battles.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20050
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 04.06.2009, 18:10                                  +/-

Das Finale naht mit schnellen Schritten!



In rund einer Stunden werden sich an dieser Stelle die Kontrahenten ein Wortduell der Spitzenklasse liefern.

Seien Sie gespannt, wenn Schwergewicht PsychoDad, der bereits Thanil und Sphinx an die Wand diskutierte, gegen Helcaraxe antritt, der auf seinem Weg ins Finale Ty –den Ersteller– ler und einBaum ausschalten konnte.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Grünes Brett Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
1, 2  Weiter Alle
Seite 1 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Impressum. Powered by phpBB © 2001, 2006 phpBB Group. Deutsche Übersetzung von phpBB.de