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Gimli



Beiträge: 23155
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BeitragVerfasst am: 11.03.2006, 17:08                                  +/-

Naaaa gut, dann antworte ich mal auf mich selbst. Geschockt



Syriana


Schon zweifach besprochen, pro und contra und gebloggt noch dazu. Aber da ich ihn am letzten Montag gesehen habe, kann ich mir jetzt einen Kommentar nicht verkneifen.

Achtung: Wahrscheinlich werde ich in diesem Posting mit Spoilern nur so um mich werfen, daher besser nicht weiterlesen, wenn ihr ihn unverspoilert sehen wollt. Wobei ich bei diesem Film eher nicht von Spoilern sondern von Verständiserklärungshilfen sprechen würde. hähö


Vorgewarnt war ich, daher haben mich die vielen Handlungsstränge nicht mehr so wirklich überrascht. Interessant waren sie trotzdem, besonders das gute Gefühl, wenn man so langsam beginnt die Zusammenhänge zu begreifen, da man im ersten Moment keinen Plan hat, warum diese Personen jetzt alle etwas miteinander zu tun haben.
Aber erstmal zur groben Handlung. Stein des Anstoßes ist ein neu entdecktes Erdgasfeld in Kasachstan (wenn ich mich jetzt nicht irre). Eine kleine Firma hat sich irgendwie die Abbaurechte erschlichen, die daraufhin von einem internationalen Riesenkonzern aufgekauft wird. Ein Anwalt in den USA soll klären, ob es dabei mit rechten Dingen zugegangen ist. Gleichzeitig steht in einem Golfstaat ein Regierungswechsel an, der alte Emir ist schwerkrank und die Söhne streiten sich um die Nachfolge. Der eigentlich erbberechtigte will die Reformen für sein Land, der andere mit dem Westen kooperieren. Der Vater bestimmt den Jüngeren zum Nachfolger, der Ältere will die Macht an sich reißen und die USA haben ebenfalls ihre Finger im Spiel und schicken einen alternden CIA-Agenten ins Rennen, der als Sündenbock herhalten soll, nachdem er bei einem Auftrag eine Rakete an einen Terroristen verloren hat.
Puh. Und das nur eine sehr kurze Zusammenfassung. Dann haben wir noch die führenden Personen der großen Firma, der Anwaltskanzlei, CIA-Bonzen, einen Wirtschaftsberater und seine Familie, den Vater des Anwalts, die Hisbollah, ein paar junge arbeitslose Pakistani und einen Araber mit blauen Augen. Eine unglaubliche Menge Sprechrollen also (dazu auch noch immer in ihren Muttersprachen mit Untertiteln), ein halbes Dutzend Handlungsstränge, die teilweise nur sehr lose miteinander verknüpft sind, kein Happy End, keine fest Erzählstruktur und überhaupt gar nichts, was man von einem Film aus Hollywood erwarten würde.
Und er ist toll.

Es ist faszinierend wie konsequent ein Ausschnitt aus unserer Welt gezeigt wird mit vielen Zusammenhängen und Verwicklungen und Hintergründen. Wir haben Nebengeschichten über die Familie des Wirtschaftsberaters, praktisch unwichtig für die eigentliche Handlung, aber sie gehört natürlich zum Leben des Mannes hinzu. Der Vater des Anwalts lungert ständig vor dessen Wohnung herum, meist besoffen, und ganz offensichtlich hassen sie sich. Warum? Das bleibt im Dunkeln. Es ist aber auch nicht Ziel des Filmes dies zu zeigen, er zeigt nur den kleinen Ausschnitt des privaten Lebens dieser einen Person, die auf der beruflichen Ebene in soviel größere Dinge verstrickt ist. Vom Prinzip her erinnert es mich etwas an "Lola rennt", wo man ja auch in kurzen Bildabfolgen die kleinen Geschichten der Menschen zu sehen bekommt, die für die Handlung wirklich nebensächlich sind, nur dass es dabei noch zu Variationen kommt.

Trotz aller Komplexität und der Abwesenheit jeglicher Vereinfachung (zumindest erschien es mir so) hat man es mit einem sehr ruhigen Film zu tun, der sich Zeit lässt, nur manchmal wirklich erschüttert und fast keine Action bietet. Ein Auto explodiert, ein Kind stirbt in einem kurzen Moment der Panik, die Folterszene lässt einen zusammenzucken - aber das war es auch schon. Der Film gleitet dahin durch die Komplexität, die Einfacheit, die Tragik und die Langeweile des Lebens, so als hätte man ein Kamerateam losgeschickt, das rund um den Erdball ein paar Menschen beobachtet. Und das reicht dem Film. Er fängt es in schlichten aber schönen Bildern ein und begnügt sich damit.

Ein sehr guter Film, da schließe ich mich thanil vorbehaltlos an.


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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 11.03.2006, 22:19                                  +/-

Vorgestern war ich in Brokeback Mountain – verwegenerweise in der OV. Dies sei keinem geraten, der sich nicht sehr, sehr sicher fühlt, was (pseudo-)amerikanisches Genuschel angeht. Insofern kann ich zum Drehbuch nicht übermäßig viel sagen. Was ich verstanden habe, hat mir gefallen, überhaupt war der ganze Film zwar vielleicht nicht grandios, aber wunderschön.

Einige sehr, sehr schöne Szenen sind dem Film gelungen; der erste Abschied beispielsweise zwischen Ennis und Jack, der betont männlich-karg verläuft, doch als Jacks Wagen verschwunden ist, bricht Ennis zusammen, würgend, aber sich nicht wirklich übergebend: Das kann direkt so als Metapher stehenbleiben für seine Verschlossenheit, er kann nichts 'rauslassen', was seine Gefühle angeht. Um so plötzlicher wirken dann die wenigen Ausbrüche, die er sich gestattet, das Erste Mal, später nach Jahren das erste Wiedersehen mit Jack, sein Verhalten in Faustkämpfen (er meint es stets bitterernst), sein Beinahe-Gewaltausbruch gegen seine Frau, als sie ihn erahnen läßt, was sie weiß. Beeindruckend, wie Ledgers verschlossenes Gesicht sich dennoch wandelt im Verlaufe des Films: von einer Art verdrossenen Schüchternheit zu versteinerter Trauer. Ob dieses Lob dem Schauspieler oder dem Film gebührt, sei dahingestellt.

Ich rechne dem Film hoch an, daß er die Möglichkeiten zum Überzeichnen nicht nutzt. Der Familienalltag ist stressig, die Kinder schreien – aber es bleibt im Rahmen, und Ennis ist nicht einfach abgestoßen von allem, sondern müht sich nach Kräften, selbst beim Sex mit seiner Frau. Ein anderes Beispiel ist Jacks Schicksal: die Geschehnisse finden bloß in rascher Schnittfolge ziemlich vage in Ennis’ Kopf statt, es ist kein dramatisch ausgewalztes Geschehen. Auch eine allgemeine Predigt zum Leiden der Schwulen fehlt – dem Film geht es um Einzelschicksale.

Gut auch das Nichtfestlegen auf Rollenklischees: Jack ist der schneidige Rodeoreiter, der bei der Cowboy-Arbeitsteilung zu den Schafen reitet, Ennis der Zurückhaltende, der beim Zelt bleibt und kocht – im Bett ist es dann andersherum, zumindest bei dem einen Mal, das der Film zeigt, übrigens auch eine hervorragende Szene, ein verschämt-betrunkenes, hilflos-gewaltsames Zueinanderwollen. Man wünscht sich so sehr, daß die beiden sich küssen, aber dazu ringen sie sich erst viel später durch. Am nächsten Morgen findet Ennis oben bei der Herde ein gerissenes Schaf – die Eingeweide klaffen derart auseinander, daß es als Bild der Defloration ein bißchen holzhammermäßig wirkt, aber gut gewählt ist es allemal, Sündenfall und Ende der Unschuld im Tod des Lammes.

Was ich beim besten Willen nicht verstehe, ist, wieso die Filmmusik den Oscar gewonnen hat. Sobald die Marlboroberge (ich will da mal hin! *hachseufz*) auftauchten, kam dieses Zeugs – romantiktriefende Gitarrenakkorde, für meine Ohren wie Versatzstücke aus für die Allgemeinheit handzahm gemachten Countryballaden. Badldaschrumm! – halliges Nachklingen (*Übrigens, wir sind im Wilden Westen, deshalb die Gitarre, aber es ist nicht wild, sondern romantisch hier, deshalb der nachdenkliche Hall!*) – Badldaschrimm! – Entsetzlich. Die stimmungsvollsten Szenen hat mir das verdorben. Und gerade die Schwenks über den Brokeback Mountain – ich kann ja verstehen, daß ein Filmkomponist da die Sau rauslassen möchte, aber ich denke, sie hätten ganz ohne Musik am besten gewirkt, weite, tiefe Stille am Ort des Glücks für die beiden im Kontrast zu Rodeolärm und Kleinkindergebrüll.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 12.03.2006, 10:26                                  +/-

Harald Schmidt
Der ganz große Abräumer bei der Oscarnominierung ist der Film 'Brokeback Mountain', Thema: schwule Cowboys! Was für viele von Ihnen zunächst klingt, wie eine Tautologie, ist in Wirklichkeit eine Sensation.

hähö


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I'm tired of everyone and that includes myself
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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 12.03.2006, 14:16                                  +/-

Seit gestern Abend weiß ich dann auch, was brokeback heißt.

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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 16:11                                  +/-

Dann erklär doch mal!


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„Hm, ich hätte Appetit auf generell asiatisch.“
(Tyler D.)
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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 17:34                                  +/-

Das ist ohne Gewähr, mir wurde das so erzählt und ich habs nicht nachgeprüft. Brokeback bedeutet, dass zwei heterosexuelle Männer etwas miteinander machen. Man sagt also zum Beispiel "Wo sind denn John und Thomas?" "Ach, die sind brokeback miteinander einkaufen." Oder "Ach, die sind miteinander brokeback einkaufen." An welche Stelle im Satz das gehört habe ich wohl vergessen. "He went brokeback bowling with Dave." Das sagt zumindest ein Mensch im LEO-Forum.
Ich habe nämlich gerade mal nachgeschaut. Außer dem Menschen im LEO-Forum sagt das allerdings so gut wie keiner. Das Urban Dictionary kennt das Wort erst seit dem Film und führt es als Synonym für 'schwul', was nun gerade das Gegenteil wäre. Ansonsten kommen Diskussionen auf keinen grünen Zweig und der eine sagt, es sei einfach eine Landschaftsbeschreibung und der andere, das sei ein Wortspiel mit bareback oder swaybacked oder was auch immer.
Okay, jetzt seid ihr kein bisschen schlauer. Geschockt

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Gimli



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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 17:40                                  +/-

Ich mag mich verlesen haben, aber sagen die bei LEO nicht, dass es die Nutzung dieses Wortes erst seit dem Film gibt? Also einerseitz für "schwul" und andererseitz wie in deinen schönen Beispielsätzen? ?????


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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 17:56                                  +/-

Das kann sein, das habe nicht ich nachgeschaut, sondern mein inkompetenter Freund. Ein Wort für zwei völlig gegensätzliche Dinge ist aber trotzdem eigenartig.

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Wildrose



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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 19:58                                  +/-

So, ich habe es gestern auch endlich geschafft mir den Film "Walk The Line" anzuschauen....

Waldelb
Spitze Schöne Kritik, spricht genau meine Gedanken. Interessant finde ich es, dass ich bisher (von den verschiedensten Leuten die den Film gesehen haben, noch keine negative Filmbewertung gehört habe. Selbst von denen nicht, bei denen ich es erwartet hätte.


...und muss dieser schönen Kritik von Gimli fast nichts mehr hinzufügen, weil ich ähnlich empfinde wie Waldelb es schon erwähnt hat.
Eine Kritik habe ich allerdings schon an dem sonst sehr gelungenen Film.
Er ist teilweise ein wenig langatmig, wie ich finde, was allerdings ja nicht zu ändern ist, da es sich ja um eine Biografie von Johnny Cash handelt, dessen Lebensinhalt man ja nicht so einfach ändern kann.

Gimli
Ich weiß nicht wie das bei der Synchronisation geregelt wurde, aber wenn die Lieder Original blieben, dann hat Mr. Phoenix schon eine tolle Singstimme.

Dem kann ich auch nur mit Yes zustimmen!

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Akt



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BeitragVerfasst am: 13.03.2006, 20:02                                  +/-

nach dem was ich so alles gelernt habe in meinem studium heißt brokeback sowas wie wertlos. denn broken back ist der gebrochene rücken und somit kann nicht mehr geschafft werden, man ist wertlos.

demnach finde ich die schwul-konnotation irgendwie...doof.


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And she will look upon him with forgiveness... and everybody will forgive and love. And he will be loved.
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Waldelb



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BeitragVerfasst am: 14.03.2006, 20:38                                  +/-

Also im Film ist das schlicht und einfach der wirkliche Name des Berges. Warum muss das denn umbedingt eine Bedeutung haben?

Übrigens dachte ich vorher, dass "brokeback" sowas wie ein Rückfall ist. Das hätte zumindest auch inhaltlich gepasst.


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Schalk



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BeitragVerfasst am: 15.03.2006, 00:22                                  +/-

Ein Telephongespräch letzten Donnerstag mit meiner Exfreundin

J.: Was hieltest du davon, wenn wir am Samstag ins Kino gehen. Ähm, äh, ja.
S.: Leises Gekicher In welchen Film denn?
J.: Naja, Brokeback Mountain, den würd'ich doch recht gerne seh'n und brauch' noch jemanden mit dem ich da reingeh'n kann.
S.: Lachen SCHÖN. Geht mir genauso, hier wollte niemand.
J.: Gut, dann können wir gegenseitig als Alibi herhalten.


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Der Wahn betreugt.
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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 15.03.2006, 00:45                                  +/-

Gimli
Ich mag mich verlesen haben, aber sagen die bei LEO nicht, dass es die Nutzung dieses Wortes erst seit dem Film gibt? Also einerseitz für "schwul" und andererseitz wie in deinen schönen Beispielsätzen? ?????

Vielleicht versucht man dem Wort auch erst seit dem Film eine schwule Bedeutung anzudichten.

Vielleicht heißt der Film einfach so, weil dieser markante Berg darin vorkommt - und der heißt so, weil er aussieht, wie ein gebrochenes Rückrad/Rücken.

Wie Twin Peaks... der Ort heißt schließlich auch so, weil zwei fast gleiche Berg dort stehen und nicht, weil zwei Zwillinge miteinander vögeln...

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Gimli



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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 01:17                                  +/-

Der total schwule Kinoabend



Zuerst Capote, dann Brokeback Mountain. Die Hauptrollen in beiden Filmen sind schwul, wobei ich gestehen muss, dass im erstgesehenen Film dies eindeutig nicht im Vordergrund stand. Trotzdem ist es mir amüsiert aufgefallen, als ich "Capote" ziemlich spontan anschaute.



Möglicherweise kennen einige hier den amerikanischen Schriftsteller Truman Capote, ich tat es nicht und realisierte erst nach ca. 10 Minuten Film, dass es sich hierbei auch um einen biographischen Film handelt, genau wie bei "Walk the Line". Hier der Wiki-Artikel, für Leute, die sich näher mit der Person auseinandersetzen wollen.

Der Film handelt von eben jenem Schriftsteller und seiner langjährigen Recherche für seinen Roman "Kaltblütig", mit dem er internationalen Ruhm erntete. Es soll um den Mord an einer Farmersfamilie in Kansas gehen, über die Capote in der Zeitung gelesen hat. Er ist später live dabei, wie der Fall erst aufgeklärt und dann vor Gericht gebracht wird.

Kurz gesagt, der Film ist kalt. Dies ist wirklich das erste Wort, das mir dazu einfällt. Die Bilder zeigen fast ausnahmslos den Winter in Kansas, einer wirklich sehr weiten, flachen und trostlosen Landschaft, oder Räumlichkeiten, die ebenso kalt sind. Und auch bei der Hauptfigur gewinnt man bald den Eindruck, dass er innerlich kalt ist. In Gesellschaft seiner Freunde erscheint er ausgelassen, unterhält locker ein dutzend Personen, was wohl auch mit seinem famosem Gedächnis zusammenhängt. Aber als Künstler ist er selbst mindestens so kaltblütig wie die Mörder, über die er das Buch schreibt. "Ich lüge nie" sagt er zu seiner besten Freundin (der Autorin von "To Kill A Mockingbird"-) und lügt doch mehr als nur einmal Personen mitten ins Gesicht, die er an anderer Stelle behauptet zu lieben, nur um an Informationen für sein großes Werk heranzukommen.

Am ehesten ließe sich der Film wohl als Charakterstudie des Menschen Truman Capote bezeichnen. Die Handlung ist eigentlich kurz erzählt, Nebenfiguren sind wirklich Nebenfiguren und bleiben, bis auf den einen Mörder, sehr unscharf. Nicht umsonst hat der Hauptdarsteller, Philip Seymour Hoffman, den Oskar und den Golden Globe für die beste Hauptrolle erhalten. Der Film steht und fällt mit der Darstellung dieser Rolle und Hoffman schafft dies mit Bravour. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass er die Rolle lebt. Er verstellt nicht nur seine Stimme, so dass sie etwas albern klingt, er lässt sie echt klingen und daraus resultierend wirkt sie albern. Und aus dieser perfekten Rolle heraus zeigt er auch alle Gefühle so real, dass man beinahe nicht mehr merkt, dass er überhaupt schauspielern muss.

Doch was lässt sich über Truman Capote sagen? Ich bezeichnete ihn als kalt. Doch das ist auch nur eine Schicht dieses mehr als nur leicht exentrischen Genies.
Mit Schmiergeld erkauft er sich den Weg zu einem der Täter des Massakers und unterhält sich wochen- und monatelang mit ihm. Scheinbar liebt er ihn, sein Gegenüber sieht ihn als guten Freund, und doch ist der Drang ein Meisterwerk zu schaffen, woran Capote von Anfang an glaubt, stärker. Lügend und alle Mittel einsetzend schafft er es aus dem Mörder seine Beschreibung der Tatnacht herauszuholen. Und dann bricht er dabei in Tränen aus. Capote beschafft den zum Tode verurteilten einen besseren Anwalt. Weil er sie retten will? Weil er sie noch lebend braucht? Erst ignoriert er die Briefe, dann kommt er doch noch zu der Hinrichtung. Auf einer Feier seiner Freundin Nelle Harper Lee betrinkt er sich maßlos und lamentiert darüber, dass die beiden möglicherweise freigesprochen werden könnten. "Wenn sie freikommen, erleide ich einen Nervenzusammenbruch!" verkündet er und macht den Eindruck, als wünschte er ihren Tod.

Kälte. Unterbrochen von sehr emotionalen Momenten. Und gleichzeitig weiß man nie, ob man ihm glauben kann oder nicht. Der Film gewinnt an dieser fehlenden Aufklärung, lässt Teile der Seele dieses Mannes im Dunkeln, die nunmal niemand kennt und damit muss man wohl leben. Hat er den Mörder geliebt? Und wenn er doch kaltblütig alles daransetzte sein Meisterwerk zu vollenden, was er ja auch schaffte, warum ging er dann an diesen Jahren zugrunde und vollendete danach nie wieder einen Roman?

Ein Film der ruhigen Bilder, Totalen der kalten Weite Kansas, der leisen Dialoge und unerhellten Abgründe der Seele eines Genies.



Danach der Film, über den ich im Vorfeld schon soviele überschwengliche Kritiken gelesen habe, dass ich beinahe kotzen musste. Speziell der Kultur-Spiegel hat sich auf eine so widerliche Weise an der Genialität dieses Streifens aufgegeilt, das es nicht mehr feierlich war.
Aber wir haben ja keine Vorurteile.
Hier in Münster läuft "Brokeback Mountain" übrigens nur in einem Winzigkino, keine Ahnung wieso. Die Abendvorstellungen sind alle ausverkauft und das große Cineplex könnte mit dem Besucheransturm locker einen gigantischen Saal füllen. Aber vielleicht wollte man ihn tatsächlich abschieben, dieses Winzigkino mit angeschlossenem Café ist nämlich bekannt für Filme über Homosexualität und als Szenetreffpunkt sowieso.
Vor dem Film lief Malboro-Werbung. grins

Fangen wir mal mit negativen Dingen an. Die Musik ist wirklich mittelmäßig, da gebe ich Celebrian recht. Man hört die ganze Zeit nur ein eintöniges Gitarrengezupfe im Hintergrund, das einen nie wirklich fesselt. Dafür kann ich mich nicht Waldelbs Kritik an der Langatmigkeit anschließen, ich fand den Film absolut passend von der zeitlichen Ebene her.

Also schwenken wir gleich auf positiv um. Der Film ist ein typischer Ang Lee, jedenfalls in meinen Augen (und "The Hulk" mal ausgenommen). Es ist ein Film, der dominiert wird von sanften Darstellungen der Natur, langen Einstellungen und einer allgemeinen inneren Ruhe. Das kriegt Ang Lee irgendwie immer wieder hin. Ich muss wohl nicht sagen, dass ich die Landschaftsaufnahmen wunderschön fand. Trotzdem hatte ich von der Handlung an sich lange Zeit das Gefühl, dass sie nicht besonders herausragend ist. Ja gut, es sind zwei Männer, aber wenn man den einen durch eine Frau ersetzen würde und man andere gesellschaftliche Hürden einbauen würde, könnte man den Film fast genauso lassen. Den Terz, der um diesen Film gemacht wird, kann ich daher nur schwer nachvollziehen.

Die Cowboys in der Malboro-Werbung trieben übrigens Pferde durch die Lande. Als dann die beiden Hauptfiguren ins Bild ritten und eine riesige Herde Wollknäule vor sich hertrieben, musste ich erstmal herzhaft lachen. Diese absoluten Klischeebilder schlichtweg dadurch zerstört und somit interessant gemacht, dass die Kühe oder die Pferde durch blökende Schafe ersetzt wurden.
Ansonsten musste ich in der ersten Viertelstunde häufig an Teenagerliebeskomödien denken. Der Coole auf der einen Seite, der sich lässig an seinen Truck lehnt, und der Schweigsame, der sich an seine Brottüte klammert. Verstohlene Blicke und wenn man nicht schon wüsste, dass die beiden sich ineinander verlieben, würde man sie wohl für verrückt halten.

Zum Glück entfernt sich der Film schnell davon. Das Zusammenleben mit den Schafen wird unkompliziert gezeigt, manchmal einfach nur ruhig, dann wieder kurzzeitig amüsant. Überraschenderweise ein paar total unpeinliche Nacktszenen - und dann das Besäufnis. Der Sex dann .. ehrlich gesagt weiß ich nicht was ich davon halten soll. Zwei Kerle halb zwischen sich Prügeln und Vögeln. Aber diese Härte ja Brutalität scheint auch das Einzige zu sein, das ihnen ermöglicht ihre Gefühle auszudrücken und verlässt die Beziehung ja auch über die Jahre nicht.
Auch eine der Szenen, bei denen teilweise gelacht wurde. Ich hatte da einen ähnlichen Eindruck wie Waldelb. Das Publikum überdeckt eigene Unsicherheit mit Gelächter.

Das weitere Leben war dann ebenfalls gut in Szene gesetzt. Wie meine Vorredner schon sagten, man hatte nie das Gefühl, dass hier übertrieben wurde. Die Ehen sind in ihrer Weise normal und nicht überzogen, nur die Treffen am Brokeback Mountain fallen dabei aus der Rolle, was ja auch die erste Ehe zerstört.

Am Ende hatte ich das Gefühl eine romantische Tragödie gesehen zu haben, die hin und wieder bewusst Ausflüge hin zur Komödie macht. Und das verfilmt von Ang Lee.
Als solche ist der Film auch wirklich verdammt gut. Ob er aber eine gewisse Zeitlosigkeit bewahren wird oder es auch hierzulande schafft die Kultur zu beeinflussen oder allgemein den Olymp der filmischen Meisterwerke erklimmt, wage ich mal zu bezweifeln. Dafür habe zumindest ich ihn als etwas zu normal empfunden.

Trotzdem ein sehenswerter Film mit eindeutigem Wiederanschauwert.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 11:42                                  +/-

Schöne Besprechungen Spitze

Kaufst du eigentlich zwei Karten für zwei Vorstellungen hintereinander, gibt es die als Doppelvorstellung oder wechselst du einfach die Säle nach dem Ende des ersten Films?


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Gimli



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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 15:28                                  +/-

Das war Zufall. Um genau zu sein habe ich sogar das Kino gewechselt hähö
Eigentlich wollte ich "Brokeback Mountain" schon in der Abendvorstellung sehen, die war aber, wie erwähnt, ausverkauft. Also habe ich mir schonmal die Karte für die Spätvorstellung gekauft, stellte dann fest, dass in dem Winzigkino sonst nichts lief oder ausverkauft oder schon angelaufen war und bin dann losgetigert zu einem anderen Kino. Dort habe ich mir dann einen Film ausgesucht, der gerade anfing und mir von der Länge her noch ermöglichte zur Spätvorstellung wieder im ersteren Kino zu sein und das war dann "Capote". grins


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Oxford
Dr. Olympics


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Wörter pro Beitrag: 34

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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 15:36                                  +/-

Gimli
Das war Zufall. Um genau zu sein habe ich sogar das Kino gewechselt hähö
Eigentlich wollte ich "Brokeback Mountain" schon in der Abendvorstellung sehen, die war aber, wie erwähnt, ausverkauft. Also habe ich mir schonmal die Karte für die Spätvorstellung gekauft, stellte dann fest, dass in dem Winzigkino sonst nichts lief oder ausverkauft oder schon angelaufen war und bin dann losgetigert zu einem anderen Kino. Dort habe ich mir dann einen Film ausgesucht, der gerade anfing und mir von der Länge her noch ermöglichte zur Spätvorstellung wieder im ersteren Kino zu sein und das war dann "Capote". grins


Lass mich raten. Du bist vom Cinema ins Stadt New York und wieder zurück getigert Yes

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Gimli



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Wörter pro Beitrag: 35

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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 16:06                                  +/-

Naheliegend, wenn man Münster kennt. zwinkern


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Waldelb



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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 18:29                                  +/-

Was du über den Anfang vom Film schreibst ist wahr. Ich habe ähnlich gedacht, als sich die zwei zum ersten Mal gegenüber standen.

Gimli
... Dafür kann ich mich nicht Waldelbs Kritik an der Langatmigkeit anschließen, ich fand den Film absolut passend von der zeitlichen Ebene her.

Wie gesagt, ich bin mir auch nicht sicher, ob es den Film verbessert hätte, wenn Szenen weggelassen worden wären. Aber ging es dir gegen Ende nicht auch manchmal so, dass du es schwer fandest daran zu denken, dass zwischen den beiden noch was ist? Neben all dem was gezeigt wurde. Mir ging ein wenig(!) der Grund verloren, warum sie das alles noch auf sich nehmen... "Ach, die zwei lieben sich immer noch?"

Apropos, kann es sein, dass die über den ganzen Film hinweg nicht einmal sagen "Ich liebe dich" oder etwas in der Art?


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Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 19901
Wörter pro Beitrag: 22

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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 18:43                                  +/-

Ich hab den Film zwar nicht gesehen, aber mein Mitbewohner bemängelte, dass sich die beiden vor (also unmittelbar vor) der Sexszene im Zelt nicht mal geküsst haben, sondern direkt übereinander her gefallen sind.

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Schalk



Beiträge: 3194
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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 19:23                                  +/-

Triskel
Ich hab den Film zwar nicht gesehen, aber mein Mitbewohner bemängelte, dass sich die beiden vor (also unmittelbar vor) der Sexszene im Zelt nicht mal geküsst haben, sondern direkt übereinander her gefallen sind.

Es war eigentlich eher eine Vergewaltigungsszene als eine Sexszene, nur dass die Vergewaltung auf beiderseitigem Einverständnis beruhte.


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Der Wahn betreugt.
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Triskel
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BeitragVerfasst am: 16.03.2006, 19:33                                  +/-

Aha? Wie ist das zu verstehen?

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