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Fremdenfeindlichkeit in Deutschland?
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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 03.08.2015, 21:28                                  +/-

http://www.der-postillon.com/2015/08/gebiet-der...-zu-sicherem.html

Hammerhart, aber den Nagel auf den Kopf getroffen hähö grins


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.08.2015, 21:57                                  +/-

Aber… das toitsche Bloot!


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„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.08.2015, 22:50                                  +/-

Wenn die Kommentarsektionen von Artikeln wie diesem auch nur halbwegs aussagekräftig sind, dann haben wir in Deutschland ein MASSIVES Problem von Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit.


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„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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Gerstenbob



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BeitragVerfasst am: 04.08.2015, 00:38                                  +/-

Aber auch in diesem Forum!


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Das ist wie Pegida-Anhänger gegen Salafisten. Erdbeben vs Orkansturm. Pest vs Cholera. Der Riddler gegen den Pinguin.
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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 16:28                                  +/-

Sorry, aber so ein bißchen armselig ist das hier aber schon. Jeden Tag brennen mittlerweile Flüchtlingsheime, braune Mobs ziehen durch ostdeutsche Orte und greifen Flüchtlinge an und obendrein uriniert noch ein untermenschlicher Vollspast auf irgendwelche armen Kinder.

Was zum Geier geht hier eigentlich ab? Und wieso wird über dieses Thema hier nicht non-stop breaking news mäßig diskutiert? Wegsehen und ignorieren ist ist scheiße.

Selbst in anderen Ländern, in denen Rechtspopulismus viel salonfähiger ist, gibt es nicht eine derartig abartige Gewaltwelle. Ich finde das alles vollkommen unerträglich.

Warum kann man nicht endlich mal was tun? Zum Beispiel (analog zu den USA) und öffentlichkeitswirksam so genannte "hate crimes" juristisch aufwerten bzw. erst mal einführen?

Wiki
Als hate crimes (deutsch: „Verbrechen aus Hass“, „Hasskriminalität“) werden Straftaten bezeichnet, bei denen das Opfer des Delikts vom Täter vorsätzlich nach dem Kriterium der wirklichen oder vermuteten Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe gewählt wird und sich das Verbrechen dadurch gegen die gewählte Gruppe als Ganze richtet. So können beispielsweise antisemitisch, rassistisch oder ausländerfeindlich motivierte Straftaten unter den Begriff fallen, ebenso Straftaten gegen Mitglieder anderer gesellschaftlicher Gruppen wie Obdachlose, Behinderte, Schwule, Lesben und Transgender


Das deutsche Strafrecht kennt keine gesondert als Hassdelikte zu qualifizierenden Straftaten. Die Begriffsdefinition kann in Deutschland nur indirekt Relevanz in der Rechtsprechung annehmen, wenn sie teilweise oder gänzlich zur Klassifizierung einer Straftat nach bestimmten Merkmalen herangezogen wird, beispielsweise zur Feststellung der besonderen Schwere der Schuld oder der niedrigen Beweggründe bei Mord.




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Gurthang



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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 16:59                                  +/-

Was gibts denn da zu diskutieren?

Wer nicht ins selbe Horn stößt ist eh ein Nazi. (und bei den von Dir zitierten Fällen ist das ja auch wirklich so).

Und eine Lösung des ganzen Flüchtlingsproblems ist nicht in Sicht.

Die Frage wird sein, wie lange kann das mit den Flüchtlingen in dieser großen Zahl so weiter gehen?
Und wann wird sich der letzte gemeine Kleinbürger von "seiner Regierung" verkauft fühlen weil "die" alles reingeschoben bekommen und "sie" (obwohl "sie" XYZ Jahre Steuern gezahlt haben...) nur Hartz IV...

Versteh mich nicht falsch.

Moralisch ist das Thema so klar wie Klosbrühe.
Die Leute sind auf der Flucht, denen MUSS geholfen werden.

Das Problem ist die Perspektive.
Wo soll das hinführen?
Wie lange kann das so gut gehen?
und am Ende dann immer noch die Frage:
Wer zahlt das alles...


Ich habe heute einen Kommentar auf SPON gelsen der eigentlich so hilflos ist, dass er schon wieder gut ist:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/komme...en-a-1049724.html

Wenn also die Lösung des Problems eine neue Form von Kollonialismus 2.0 ist, der natürlich militärisch, aber aus rein humatitären Gründen durchgekäpft werden muss, dann weis ich nicht ob das wirklich so behämmert ist wie es sich anhört oder tatsächlich die einzige Option...

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 18:39                                  +/-

Das ist doch kein Kolonialismus!

Deutschland praktiziert gerne eine möglichst isolationistische Außenpolitik. Außenpolitik ist den Augen der meisten Bürger tragbar, wenn sie als kaum getarnte Außenhandelspolitik daher kommt.

Ich bin Interventionist und würde sofort eine Bundesregierung unterstützen, die gemeinsam mit den USA und anderen Staaten – auch mit militärischen Mitteln, wie z. B. bei dem IS – eingreift, wo es nötig ist. Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan – is mir wurscht. Wobei, Afghanistan ist vielleicht schon einen Ticken zu weit weg. Eine Mittelmacht wie Deutschland sollte sich nicht weltweit um Probleme kümmern, sondern im Vorgarten und in angrenzenden Gärten. Ich würde die Grenze des direkten Engagements an der nördlichen Sahara entlang, rund um die arabische Halbinsel und bis einschließlich des Kaukasus ziehen. Syrien und Irak sind Nachbarländer der Türkei, einem unserer engsten Verbündeten. Natürlich geht es uns DIREKT an, was dort geschieht. Was dahinter passiert müssen wir beobachten und diplomatisch begleiten, aber nicht mit direktem Einsatz.

Um Flüchtlingsströme einzudämmen könnte man beispielsweise Schutzzonen in Irak und Syrien einrichten und militärisch absichern. Die Menschen, die dort unterkommen, können dann Asylanträge stellen. Viele werden das natürlich auch nicht tun und auf verschlungenen Pfaden weiterhin nach Europa kommen. Aber einen Teil der Menschen kann man damit vielleicht in ihrer Region halten.

Die Menschen, die auf verschlungenen Pfaden in die EU kommen, müssten fair auf die Mitgliedsländer verteilt werden. Das bisherige EU-Recht scheint hier versagt zu haben. Am Ende bleibt dann das Kontingent, das in Deutschland landet. Für diese Menschen müssen wir Unterkünfte haben. Es ist klar, dass wir nicht von heute auf morgen eine Million neue Wohnungen bauen können. Aber dann müssen wir halt erfinderisch sein. Ich höre seit Jahren, dass es in Deutschland Millionen Quadratmeter Gewerbeflächen ungenutzt sind. Leer stehende Bürokomplexe und weiß der Teufel nicht. Wenn die Politik wirklich wollte, dann könnte man diese Liegenschaften auch kurzfristig in temporäre Unterkünfte umwidmen. Ist auch nicht schlechter als eine Turnhalle.

Was die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland angeht, habe ich jede Hoffnung aufgegeben. Wir sind ein xenophobes Volk, ist halt einfach so. Vielleicht nicht so schlimm wie andere Völker, aber definitiv schlimmer als weltoffene Länder. Leider adressieren viele Politiker diese fremdenfeindlichen Menschen und bestärken sie in ihrer Feindseligkeit. Und ich meine nicht NPD und Konsorten, sondern Leute in den großen Volksparteien. Da werd ich zur Claudia Roth, wenn ich solche Reden höre.


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Olmops



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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 19:05                                  +/-

Auch keine hundertprozentige Lösung.

Olmops
Dazu passend dieser Artikel...

Offenbar kommt ein Großteil der aktuell dramatisch angestiegenen Zahl von Flüchtlingen gar nicht aus Afrika.

Die Berichterstattung in den Medien ist z.T. irreführend. Und die Politik kommt nicht in die Puschen.
Hochgradig verantwortungslos.


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Urge to grill rising.
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 19:46                                  +/-

Bei den ganzen Balkan-Flüchtlingen ist das Problem, dass sie größtenteils dort schwer diskriminierten Minderheiten angehören. Staatliche Verfolgung gibt‘s da nicht, aber die Lebensbedingungen für Muslime, Sinti und Roma dürften dort teilweise katastrophal sein.


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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 20:16                                  +/-

Warum sind denn, abgesehen von Syrien die Flüchtlingszahlen plötzlich derartig angestiegen? Schwelen die Bürgerkriege in den anderen Herkunftsstaaten nicht schon länger? Was ist denn konkret vorgefallen? Haben die anderen EU-Staaten komplett dicht gemacht?

Die letzte Spitzenzahl gab es irgendwann in den 90ern mit 450.000. Letzte Woche wurden für Deutschland ja etwa 800.000 verkündet - das ist etwa eine Großstadt. Ich schätze, dass es schon etwas mit der bloßen Menge zu tun hat, dass nur Deutschland gewalttätige Unruhen hat. Da passiert derzeit wohl für einige mehr, als sie verarbeiten können (und dabei kommen scheinbar immer ein paar Schwachmaten auf die Idee, "die Dinge selbst in die Hand zu nehmen" m( ). Hinzu kommen noch einige Organisationsprobleme vor Ort - ein exzellenter Nährboden für Gerüchte. Das würde in anderen EU-Ländern genau so passieren, wenn sie sich denn mal EU-gesetzestreu zur Aufnahme eines angemessenen Anteils des aktuellen Flüchtlingsstroms bereiterklären würden. Zum Beispiel kommt mir in UK die öffentliche Diskussion deutlich heftiger vor (siehe Calais). Australien ist auch so ein Ding.

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Buchfaramir
Halb-Achtelfinalist


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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 21:07                                  +/-

Für das Thema Flüchtlinge gibt es doch einen anderen Thread!

Ich fände es besser, wenn man die beiden Themen separat diskutiert, denn Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit haben nur bedingt miteinander zu tun. Vor zwei Jahrzehnten gab es da eine äußerst üble Vermischung der Themen ("Wenn wir keine Asylanten mehr reinlassen, können ihnen die Neonazis nichts mehr tun"). Und die meisten Mordopfer fremdenfeindlicher Gewalt (Mölln, Solingen, NSU-Mordserie) waren eben keine Flüchtlinge.

On Topic:
Thanil
Was die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland angeht, habe ich jede Hoffnung aufgegeben. Wir sind ein xenophobes Volk, ist halt einfach so. Vielleicht nicht so schlimm wie andere Völker, aber definitiv schlimmer als weltoffene Länder.

Welche Länder sind denn "weltoffen"? Die Wahlerfolge rechtsradikaler/-populistischer Parteien in anderen Ländern (z.B. Frankreich, Österreich, Ungarn, Niederlande, Griechenland) sprechen nicht gerade dafür, dass es anderswo besser ist als in Deutschland.

Außerdem ist die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland auch regional sehr unterschiedlich. In bestimmten Gegenden ist es schlimmer als anderswo. Ich würde als Deutscher mit Migrationshintergrund nicht freiwillig in irgendwelche NPD-Hochburgen im östlichen Sachsen reisen.

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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 25.08.2015, 21:59                                  +/-

Buchfaramir
Für das Thema Flüchtlinge gibt es doch einen anderen Thread!


Danke. Du bist der Einzige der es blickt. Selbst wenn man der Meinung ist, dass Deutschland nicht so viele Flüchtlinge aufnehmen sollte, muss man sich doch als "normaler" Mensch die Seele aus dem Leib kotzen, wenn man sieht, wie einige "besorgte Bürger" sich verhalten. Unmenschlich, verbrecherisch, asozial, schlimmer als Nazis. Freital, Heidenau etc pp... mal ernsthaft. Es "Schande" zu nennen, wär doch noch geschönt.

@Gurthang, bla bla bla... "wer nicht ins Gleiche Horn stößt ist ein Nazi"... lies meine bekackten Beiträge zum Thema Flüchtlinge. Ich bin da sehr differenziert und mitnichten für grenzenloses Asyl. Hab ich alles hier dargelegt und du hast es sogar kommentiert. Also komm mir nicht mit dieser Opferscheiße nach dem Motto, man darf ja seine Meinung nicht sagen. Ich kotze ab.


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 01:48                                  +/-

Gurthang
Was gibts denn da zu diskutieren?

Eben: gibt es hier jemanden, der sich mit dem xenophoben Mob dergestalt identifiziert, daß er eine signifikant andere Meinung als "die" (in dieser Hinsicht doch eher homogene) Kneipe dazu hat und der diese Meinung hier zur Diskussion stellen würde? Und wenn es diese hypothetische Person doch gäbe, wie würde da ein Disput noch einigermaßen zivilisiert ablaufen können?

Morgi meinte ja vor seiner Bannung, man müsse (????? wie war das bei ihm: nur u. gewissen U. oder grundsätzlich immer?) auch mit Nazis diskutieren können – und hat dafür sein eigenes Forum aufgemacht.
Das kann man durchaus anders sehen, und auch ich finde diese Aussicht nicht besonders verlockend... andererseits gibt es in der Beurteilbarkeit von Leuten, die humane bzw. demokratische Schmerzgrenze schon tangierende Postings geschrieben haben, einen Grauzonenbereich, wo man von einer ideologisch gefestigten (z.B. nationalsozialistischen) Gesinnung des Verfassers nicht so zwingend ausgehen kann, weil Xenophobie ja auch ohne solche Ideologien möglich ist. Und da sollte man es vielleicht doch mal mit Argumenten versuchen. Vielleicht ist das jemand, der noch vor dem endgültigen Abdriften in den Extremismus bewahrt werden kann?

Der Mob in den asozialen Medien (Mein Titel des Artikels zwinkern)
In den vergangenen Monaten und Wochen ist es vor allem ein Thema, das die User zu Äußerungen im Netz herausfordert, die nicht gerade freundlich sind: die Flüchtlingspolitik. Da gibt es die Facebook-Gemeinschaft "Keine weiteren Asylantenheime in Deutschland" ("einfach mal abfackeln diese Maden!!!") Oder "Kontra Asyl" ("der pinkelende rechtsextreme, also wenn die wahl hätte, statt einem schlitzenden stechenden asylanten, einen pinkler zu bekommen, würde ich mich immer für den pinkler entscheiden") Oder "Asylflut stoppen" ("Raus mit dem Pack, de ham bei uns nix verloren weder zu suchen ............")
[...]
Eine Mitarbeiterin in der Altenpflege der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Thüringen bekam jetzt schon mal arbeitsrechtliche Konsequenzen zu spüren. Sie hatte am Wochenende einen mittlerweile gelöschten Post im Netz veröffentlicht, in dem sie schrieb: "Irgendwann wird es eh so kommen dass man hinz und kunz aufnehmen muss. dank meiner medizinischen Ausbildung wird bei mir keiner überleben."

hmmmm Was sind das für Leute!

Aber: aus solchem empathielosen Bramarbasieren, das sich in mehr oder weniger abgeschlossenen geistesengen Zirkeln am "besten" auch noch gegenseitig immer weiter aufschaukelt (und daß dies jetzt ortsungebunden passieren kann, ist eben eine der Schattenseiten des Internets) läßt sich lediglich ein ganz allgemeines xenophobes Ressentiment zweifelsfrei ableiten, nicht aber jeweils der individuelle Grad von Verstricktheit in eine "systematische" extremistische Gedankenwelt.

Aber gut, für das hiesige Diskutieren ist das ja nur ein hypothetisches Gedankenspiel; einen solch haßerfüllten Pöbler, dessen zweifelhafte Gesinnung noch genauer zu verifizieren wäre, gibt es hierzuforum ja eben nicht. [Andere Arten von irrationalem Haß bei einigen Usern aber durchaus...]

Thanil
Wir sind ein xenophobes Volk, ist halt einfach so. Vielleicht nicht so schlimm wie andere Völker, aber definitiv schlimmer als weltoffene Länder.

Äh nö, in dieser eindimensionalen Plakativität ist das Kokolores: für die (vielleicht spezifisch) deutsche Widersprüchlichkeit – daß die Rabiatheit der xenophoben Minderheit auf der Straße und im Internet wohl tatsächlich in ähnlichen westlichen Ländern nicht erreicht wird, aber auf der anderen Seite vieles an Integration hierzulande besser klappt als in den besagten Vergleichsländern – taugt sie einfach nicht.

Natürlich kann man das Forum diskussionsunabhängig auch mal zum – in diesem Falle selbstverständlich "politisch stubenreinen" zwinkern – Artikulieren von Frust, Abscheu und rhetorischen Fragen über dies und jenes benutzen. So gesehen fiele mir allerdings durchaus ganz schnell ein Thema im (eigentlich recht engen) Zusammenhang mit einem anderen ziemlich ausführlich zur Sprache gekommenen Aufregerthema ein, das hier gruseligerweise komplett beschwiegen wurde und keine ähnliche Aufregung ausgelöst hatte, warum auch immer... (Oder gab es da irgendwo einen Toten Winkel für mich, in dem darauf doch reagiert wurde?)

Zu guter Letzt: Helga Hirsch hat letzten Sonntagmorgen zum Thema Kluges und Bedenkenswertes im DLF gesagt, denn automatisch Friede Freude Eierkuchen ist mit den Flüchtlingen ja nun auch wieder nicht. (Das Gespräch hat mich gegen Ende übrigens wieder an das eben erwähnte beschwiegene Thema erinnert.)


(Wie Buchfaramir schon richtig anmerkt, kann über die Flüchtlinge selbst (also v. a. ü. d. Ursachen der massenhaften Flucht) woanders diskutiert werden, weshalb ich auf Zustimmung o. Widerspruch zu diesem Themenkomplex hierzuthread verzichte, obwohl mir da einiges einfiele, wie z.B. die schon an anderer Stelle – hähö und von dem damals Gelobten nicht besonders gern gesehene – sehr zu rühmende Wandlung des Thanil vom antiamerikanistischen Interventionsgegner [leider habe ich zum Schurkenforum ja keinen Zutritt, um das mit einem Thanilschen Threadtitel, dessen Wortlaut ich auch nicht mehr so genau weiß, belegen zu können] quasi zum Gegenteil zwinkern...)


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Gurthang



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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 04:19                                  +/-

Oxford

@Gurthang, bla bla bla... "wer nicht ins Gleiche Horn stößt ist ein Nazi"... lies meine bekackten Beiträge zum Thema Flüchtlinge. Ich bin da sehr differenziert und mitnichten für grenzenloses Asyl. Hab ich alles hier dargelegt und du hast es sogar kommentiert. Also komm mir nicht mit dieser Opferscheiße nach dem Motto, man darf ja seine Meinung nicht sagen. Ich kotze ab.


Ich meinete das ganz ernst, was gibt es da zu diskutieren? Hat Wolter ja auch bereits rausgehoben.
Das was da passiert/e ist ein Skandal. Nicht zu entschuldigen und auch nicht zu relativieren.
Darum sage ich es nochmal. Wer das nicht verurteilt ist eh ein Nazi. So what.
Ich glaube eben nicht, dass hier irgendjemand nicht der gleichen Meinung ist. Darum sehe ich einfach kein Fleisch für eine Diskussion...

Ich sage ausserdem meine Meinung immer ganz offen. Warum auch nicht.
Da hast Du mich da offensichtlich etwas falsch verstanden...

Dennoch sind das Nachfolgende die Fragen die ich mir dazu stelle.


@Thanil:
Ja, und welche Armee und welche Soldaten sollen dann da für "Frieden" sorgen?
Unsere lächerliche Truppe mit ihrer Schrottausrüstung ist doch bereits jetzt schon an/über der Leitungsgrenze.
Wenn die jetzt auch noch richtig kämpfen sollen, dann geht da doch keiner mehr hin. Ist ja ne Freiwilligenarmee. Wehrpflicht wieder einführen? Verteidigungsetat verdreifachen?

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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 11:27                                  +/-

Gurthang

Ich glaube eben nicht, dass hier irgendjemand nicht der gleichen Meinung ist. Darum sehe ich einfach kein Fleisch für eine Diskussion...


Der Germanwings Absturz bot de facto auch kein Fleisch für eine Diskussion. Trotzdem haben alle massenhaft ihr Entsetzen zur Schau getragen.

Ich finde Brandanschläge auf Asylbewerberheime aus reinem Hass ehrlich gesagt viel schlimmer und niederträchtiger als ein Flugzeugunglück, selbst wenn es von einem geistesgestörten Piloten verursacht wurde. Das Unglück war ein tragischer Einzelfall.

Das was aktuell passiert (jeden Tag brennt ein Flüchtlingsheim) kann man ja nicht mehr unter "Einzelfall" fassen. Wir reden bei Muslimen über Parallelgesellschaften. Aber ehrlich gesagt, finde ich die Parallelgesellschaften dieser realitätsverweigernden Nazi- und Pegidaköppe (denen sich immer mehr "besorgte Bürger" anschließen; man muss ja nur die verwirrten Kommentare im Netz lesen) mindestens genauso besorgniserregend. Nur gibt es dazu keinerlei Diskussion. Deutsche Staatsbürger, im eigenen Land, schotten sich von der Realität und der Gesellschaft ab und bilden eine eigene verquere Parallelgesellschaft. Politik und Medien wirken dabei in meinen Augen völlig hilflos.


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 13:39                                  +/-

Ich sehe das alles ganz genauso wie Du. Posten hätte ich dazu aber nur können "Fuggfuggfugg ist die Welt scheiße!" Habe ich dann gelassen. Ging wahrscheinlich dem Rest der Kneipe genauso?...

Es ist ja im Übrigen gar nicht unsere Aufgabe, zu sagen, was "schlimmer" ist. Natürlich hat mich der Airbus-Suizid genauso heftig erwischt wie jeden anderen, und wenn ich dran denke, bleibt mir immer wieder der Mund offenstehen wegen des unglaublichen, brennenden Wahnsinns in einem einzigen egomanisch kranken Schädel. Aber als schlimmer subjektiv empfinden - tue ich ohne Frage die Hassdemos. Gar keine Frage. Das ist weitreichender und sagt leider wieder einmal mehr Dinge über uns Menschen aus (über uns Deutsche...), die ich so genau eigentlich gar nicht wissen möchte. Für mich ist das PEGIDA revival-ed. Und halt nicht irgendwo, sondern nebenan. Ein "Wir", zu dem ich irgendwie gehöre, ob ich will oder nicht.
Fällt mir nur immer und immer wieder Einsteins Spruch über die menschliche Dummheit ein...

Gepostet am 26.08.2015, 13:41:

Politik und Medien wirken dabei in meinen Augen völlig hilflos.

Absolutely. Mir ist es ganz persönlich peinlich, mit welch zeitlicher Verzögerung eine Merkel und ein Gauck endlich mal den Arsch an Ort und Stelle bewegen, und das unter dem Eindruck, dass sie es halt endlich mussten, weil der Druck zu groß wurde.

Gepostet am 26.08.2015, 14:08:

Wenigstens bleibt einem immer noch die traurige Gewissheit, dass es in anderen Ländern noch beschissener zugeht.
Und es ist wieder einmaaaaaal - - *trommelwirbel* - -

In einem mit Flüchtlingen überfüllten Erstaufnahmelager in Ungarn hat es einen Zwischenfall gegeben. Als sich Migranten über die Enge in dem Lager in Röszke an der serbisch-ungarischen Grenze beschwerten, feuerte die Polizei nach Augenzeugenberichten eine Tränengasgranate in die Luft ab. Der Grenzzaun, den Ungarn aktuell an der Grenze zu Servien, um Flüchtlinge abzuhalten, ist derweil fast fertiggestellt.

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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 15:05                                  +/-

Oxford
Und wieso wird über dieses Thema hier nicht non-stop breaking news mäßig diskutiert? Wegsehen und ignorieren ist ist scheiße.


In den letzten Monaten sind einige schlimme Themen hochgekocht, die hier nicht weiter diskutiert wurden. Dazu hier ein Bob Marley.


Euseppus
Aber als schlimmer subjektiv empfinden - tue ich ohne Frage die Hassdemos.


Den plötzlichen Tod von 150 Menschen, die sich der Situation wohl minutenlang bewusst waren und nichts tun konnten als sich ihrem Schicksal fügen, und dessen Ursache - dass sich so ein Psychopath in unserer Gesellschaft überhaupt formen konnte, noch dazu ein Pilot - halte ich dann doch für erschreckender. Gegen die Hassdemos hat man zumindest Handlungsmöglichkeiten. Und gewalttätige Neonazis gibt es schon sehr, sehr lange. Da ist bei mir mehr Resignation als Erschrecken.


Euseppus
Gar keine Frage. Das ist weitreichender und sagt leider wieder einmal mehr Dinge über uns Menschen aus (über uns Deutsche...), die ich so genau eigentlich gar nicht wissen möchte.


Die in den Ländern unterschiedliche pure Anzahl zu erwartender Asylbewerbern spielt vermutlich eine große Rolle, deshalb würde ich das nicht den Deutschen allein anlasten. Auch nicht den Sachsen - dort gibt es eigentlich eine sehr gute Schulbildung, aber alle, die daraus erfolgreich hervorgehen verlassen bestimmte Regionen (bis auf das Sachsendreieck, oder eben nur die Region Leipzig) schleunigst. Zurück bleiben die Perspektivlosen. Bei denen brodelt es immer.

Xenophobie dürfte leider im Menschen drin stecken. Es macht in der (kulturellen) Evolution "Sinn". So in etwa wie eine Vergewaltigung für die Verbreitung der eigenen DNA "Sinn" macht. Vielleicht sollte man diese Angst erstmal als gegeben akzeptieren und dann anders angehen als so, wie es in Medien und Politik gerade zu beobachten ist.

Problematisch ist nämlich, dass sich diese Angst durch z.B. Geschichten über Flüchtlingskinder (die Leute sehen nun mal vor Ort überwiegend die jungen Männer) nicht über die Medien kanalisieren kann, sondern nur so:


Quelle: Cicero

Über Gerüchte (Facebook) und gezielte Instrumentalisierung durch rechtsextreme Gruppierungen. Ich werfe Pegida weniger den Ausdruck von Angst vor islamischem Extremismus vor als dass sie sich wissentlich (oder unwissentlich) zu Schafen dieser Gruppierungen machen lassen.

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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 19:47                                  +/-



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Bard
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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 20:09                                  +/-

Grad gesehen. Super Kommentar.


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Quar



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BeitragVerfasst am: 26.08.2015, 23:04                                  +/-

Ich habe heute im Bekanntenkreis darüber diskutiert. Ich glaube, her in Süddeutschland lebt man schon noch sehr behütet. Wenn ich hier ne Glatze sehe, ist das schon außergewöhnlich. An meinem ersten Tag als Studentin in Erfurt kam mir sofort ein Kerl im Landser T-Shirt entgegen. Das war dort deutlich "normaler" als hier. Die Geschichte von den zwei Arschlöchern in Berlin, die zwei Kinder angepinkelt haben, ging mir schon sehr nahe. Meine kleine Nichte hat ja auch einen Migrationshintergrund und ich stelle mir natürlich unwillkürlich vor, dass sie mit solchen hirnverbrannten Hackfressen später mal Probleme bekommen könnte.
Ich denke, einen gewissen Prozentsatz Neo-Nazis werden wir immer haben. Problematisch find ich das Stillschweigen der Politik, die seit Jahren gut funktionierende Aufklärungs- und Aussteigerprogramme sowie die irgendwie doch ganz nützliche Bildung totspart. Tja, ihr Pappnasen. Ist schon doof, wenn man sein Geld nicht in langfristige Gesellschaftsentwicklungen investiert, ne?

Andererseits motiviert es mich gerade sehr, wie viele Leute auf z.B. Facebook ihre Meinung gegen Neo-Nazis sagen und sich auch z.B. für Flüchtlinge engagieren. Da passiert gerade sehr viel, das gibt mir Hoffnung.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 27.08.2015, 09:53                                  +/-

Oxford


Sehr sehr sehr sehr geil.

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Triskel
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BeitragVerfasst am: 27.08.2015, 10:58                                  

Ich weiß nichts über den Autor und auch nichts über die Website, auf der dieser Kommentar erschienen ist, aber ich fand den Kommentar ganz interessant – auch wenn ich nicht allem zustimme und die Sichtweise teilweise als zu technisch empfinde (liegt wahrscheinlich an seiner Tätigkeit als Jurist).


Quelle
Vorboten einer neuzeitlichen Völkerwanderung
Ein nachdenklicher Zwischenruf eines ehemaligen Asylrichters

Allmählich dämmert es auch den eifrigsten Verfechtern eines kurzen Prozesses mit „Asylbetrügern“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“, dass es nicht damit getan ist, Ressentiments gegen Menschen in Not zu schüren. Denn was wir gerade beobachten können, ist nichts weniger als der Vorabend einer neuzeitlichen Völkerwanderung. Die Hunderttausende, die in unsere Städte und Dörfer strömen, sind nur die Vorhut. Viele Millionen stehen bereit, ihnen nachzufolgen.

[…]

Menschen, die an ihren Wohnorten tagtäglich um ihr Leben fürchten müssen, sei es wegen Hungersnot oder wegen Kriegsgefahren, haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder sie bleiben und kommen (höchstwahrscheinlich) um oder sie begeben sich auf einen langen und risikoreichen Weg mit höchst ungewissem Ende. Millionen haben sich für letztere Variante entschieden. Sie nehmen Entbehrungen, Krankheiten und die Gefahr von Raubüberfällen auf sich, durchqueren zu Fuß oder per Anhalter Wüsten, Savannen und feindliche Stammesgebiete. Im Regelfall wandern sie nach Norden oder nach Westen, zumeist Richtung Meer. Wenn sie dann mit viel Glück nach Monaten entkräftet und ausgelaugt an einer Küste ankommen, dann beginnt die nächste, nicht minder gefährliche Etappe ihrer Wanderung. „Schlepper“ nehmen ihnen das Geld ab, das ihnen ihre Familien beim Abschied mit der dringenden Bitte anvertraut haben, sie am Ziel ihrer Wanderung nicht zu vergessen. Es beginnt die Zeit des Wartens. Wenn die Elendsflüchtlinge dann irgendwann bei Nacht in überladene und seeuntüchtige Boote gepfercht werden, können sie nur noch beten, dass sie lebend über das Meer kommen. Natürlich wissen sie um die Gefahren der Überfahrt, aber sie nehmen die Todesgefahr in Kauf, um dem fast sicheren Tod zu entgehen. Viele ertrinken, nicht zuletzt deswegen, weil die Länder ihrer Sehnsucht nicht das geringste Interesse daran haben, dass sie jemals dort ankommen.

Was wir derzeit in TV-Bildern sehen, sind Flüchtlingsströme von Arm nach Reich und solche aus Kriegsgebieten in vermeintlich sichere Zufluchtsorte. Wir, die alteingesessenen Bewohner der wohlhabenden und befriedeten Länder Europas, müssen diese Entwicklung nicht schön finden. Doch darauf kommt es überhaupt nicht an. Denn niemand fragt uns nach unserer Meinung. Die Elenden und Verzweifelten dieser Welt machen sich einfach auf den Weg. Auf Gedeih und Verderb,

Ende 2013 gab es nach dem Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) weltweit 50 Millionen Flüchtlinge, Asylsuchende und Binnenvertriebene; ein Jahr später waren es 10 Millionen mehr. Die Hälfte dieser Flüchtlinge sind Kinder. Etwa 20 Millionen Menschen leben heute im ausländischen Exil. Allein aus Afghanistan und Syrien flüchteten je ca. 2,5 Millionen, aus Somalia ca. 1,2 Millionen und aus dem Irak gut 400 000. Die meisten dieser Flüchtlinge leben heute in riesigen Lagern in der Türkei, in Pakistan, im Libanon und im Iran, somit in Ländern, die bereits vor Eintreffen der Flutwellen erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme hatten. Diese Aufnahmeländer haben nicht annähernd den Wohlstand der entwickelten europäischen Staaten. Gleichwohl müssen sie versuchen, die erdrückende Flüchtlingslast zu bewältigen. Die Lage in den Flüchtlingslagern ist oft katastrophal. Man kann es erahnen, wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten Deutschland, eines der wohlhabendsten Länder der Welt, hat, weitaus weniger Flüchtlinge unterzubringen.

Ein Ende dieses Flüchtlingsstroms ist nicht in Sicht. Er folgt archaischen Verhaltensmustern. Wir können versuchen, Mauern aufzurichten, um unseren Reichtum zu verteidigen. Aber diese Mauern werden dem Andrang von Abermillionen auf Dauer nicht standhalten. Die besorgten Rufe nach neuen und schärferen Gesetzen werden die Probleme erst recht nicht lösen. Denn diese Rufe werden in den Kriegs- und Armutsgebieten Afrikas und des Nahen und Mittleren Ostens ungehört verhallen. Die Verzweifelten in Syrien, im Irak, in Afghanistan, Eritrea und Somalia und anderswo haben ganz andere Sorgen als unsere Asylgesetze zu lesen. Noch weniger interessiert es sie, ob das Taschengeld für Asylbewerber gekürzt wird (wie jüngst der bayerische Innenminister vorschlug) oder ob es durch Gutscheine ersetzt wird (so Bundesinnenminister de Maizière). All das ist den Kriegs- und Armutsflüchtlingen keinen Gedanken wert. Denn sie haben nur ein Ziel: Sie wollen ihr Leben retten, Taschengeld hin, Gutscheine her. Sie wissen, dass viele von ihnen umkommen werden wie bereits Tausende vor ihnen. Sie wissen auch, dass die Glücklichen, die es tatsächlich bis an unsere Grenzen schaffen, nicht mit offenen Armen aufgenommen werden, sondern dass ein beschwerlicher Weg mit viel Bürokratie und Unsicherheit auf sie wartet und dass Demütigungen und Anfeindungen ihre Wegbegleiter sein werden. Wenn sie sich dennoch auf den Weg machen, dann ist ihr Beweggrund nicht Abenteuerlust und der Traum von einem bequemen Leben in einem fernen unbekannten Land, sondern die verzweifelte Lage in ihrer Heimat. Wer verlässt schon leichten Herzens seine Familie, seine Freunde, seine Bekannten, sein vertrautes Dorf, seine Stadt? Und wer geht schon gern in ein Land, dessen Sprache er nicht spricht, dessen Kultur er nicht kennt und von dem er weiß, dass es ihn nicht haben will? All denen, die über Neuankömmlinge die Nase rümpfen und „den ganzen Haufen“ postwendend zurückschicken wollen, sei angeraten, sich in einer ruhigen Stunde zu überlegen, was sich in unserem Land verändern müsste, damit sie sich selbst zu einer hochriskanten Reise ins Ungewisse entschließen.

Es zeugt von wenig Nachdenklichkeit, all die Menschen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen, in Kasernen, in Turnhallen und desolaten Wohnhäusern untergebracht sind, als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylbetrüger zu beschimpfen. Ihr Ziel ist im Regelfall nicht die viel beschworene „soziale Hängematte“, sondern das nackte Überleben. Ich habe in meiner langen Tätigkeit als Asylrichter die Schicksale vieler Asylbewerber kennengelernt. Die weitaus meisten wurden nicht als asylberechtigt anerkannt, weil sie nicht „politisch“ verfolgt waren. Entscheidend ist jedoch, dass nach meiner sicheren Erinnerung nahezu alle Asylbewerber einen überaus triftigen Grund für das Verlassen ihrer Heimat hatten. Das sollte all jenen zu denken geben, denen das Wort vom Asylbetrüger so leicht über die Lippen geht. Warum nennt man eigentlich die Asylsuchenden Betrüger? Kein Bauwerber, dessen Bauantrag abgelehnt wird, ist in unserem Sprachgebrauch ein Baubetrüger. Ebenso wenig ist ein Unternehmer, dessen Subventionsantrag abgelehnt wird, ein Subventionsbetrüger. Nur die erfolglosen Asylantragsteller sollen Betrüger sein? Das ist hetzerisch. Also belassen wir es beim „Asylanten“? Doch aufgepasst: Selbst das an sich wertfreie Wort „Asylant“ hat durch die Art und Weise, wie es von Stimmungsmachern in den letzten Jahren benutzt worden ist, eine Abwertung erfahren. Es erinnert im heutigen Sprachgebrauch an Simulant, Querulant, Demonstrant und Intrigant. Der Asylant ist somit auch sprachlich unversehens zu etwas Negativem geworden. Besinnung tut Not – und die beginnt mit der Sprache.

Es ist an der Zeit, ein realistisches Bild von der gegenwärtigen Lage zu gewinnen, ohne aber gleich in Hysterie zu verfallen. Wir müssen begreifen, dass wir am Beginn einer Entwicklung stehen, die das Potential zu einem Jahrhundertproblem hat, vergleichbar mit Klimawandel, Umweltzerstörung und Weltbevölkerungsexplosion. Untrügliches Indiz für die Größe eines Problems ist, dass es die Politik nur mit spitzen Fingern anfasst. Es besteht eine große Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen. Man spricht von massenhaftem Asylmissbrauch statt vom Beginn einer Völkerwanderung. Die Politik begnügt sich im Wesentlichen mit der Organisation von Flüchtlingsunterkünften. An den Kern des Übels will sie nicht ran, weil andernfalls zentrale Inhalte der Politik verändert werden müssten.

Die Verantwortungsträger befassen sich lieber mit Zweit- und Drittrangigem, weil da schneller Erfolge zu erzielen sind. Das Missverhältnis wird deutlich, wenn man sich vergewärtigt, welch unerhörte Kraftanstrengungen für das vergleichsweise kleine Griechenland-Problem gemacht wurden. Das für unsere Zukunft viel wichtigere Flüchtlingsproblem wurde nie seiner Bedeutung entsprechend behandelt. Die Diskussionen blieben an der Oberfläche: Unterbringung, Taschengeld, Grenzschließung, Abschiebung. Wenn man dieses Problem in seiner ganzen Tragweite anpacken will, sind Weitsicht, Mut, Ehrlichkeit und Entschlusskraft vonnöten. Befund: Fehlanzeige!

Völkerwanderungen gibt es seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Die gegenwärtige Form der Migration hat jedoch Besonderheiten. Erstens gab es noch nie gleichzeitig so viel Bedrohliches für so viele Menschen. Zweitens hatten die Bedrohten noch nie so viel Kenntnis über die ungerechte Verteilung der Güter auf dieser Erde: bittere Armut auf der einen und überbordenden Reichtum auf der anderen Seite. Und drittens war es noch nie so einfach, von einem Erdteil in einen anderen zu gelangen. Kommt all das zusammen, dann sind Massenwanderungen die logische Folge.

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Außerdem werden wir uns mit dem Gedanken anfreunden müssen, den notleidenden Staaten echte Solidarität anzubieten. Wohlklingende Rhetorik und Almosen werden auf Dauer nicht ausreichen. Auch Entwicklungshilfe in der Form von Absatzmärkten für unsere Industrieprodukte ist keine wirkliche Hilfe für die Menschen, die am Rande des Existenzminimums vegetieren. Wir müssen uns daran erinnern, dass unser heutiger Wohlstand nicht zuletzt auf Kosten der Herkunftsstaaten der uns überrollenden Flüchtlingswellen begründet worden ist. Wir müssen lernen zu teilen. Das ist zwar nicht einfach, aber notwendig. Wenn wir es aufgrund eigener Einsicht nicht schaffen, dann werden sich die Benachteiligten dieser Erde ihren Anteil irgendwann holen. Denn im Vergleich zu früher wissen heute auch die Ärmsten viel über uns und unsere Lebensumstände. Die informierte Weltgemeinschaft wird Ungleichgewichte nicht auf Dauer hinnehmen. Die Alternative ist im Grunde sehr einfach: Entweder wir geben den Armen so viel von unserem Wohlstand ab, dass sie glauben, es lohnt sich, in der Heimat zu bleiben oder, wenn wir dazu nicht fähig sind, dann werden sie sich ihren Anteil bei uns abholen. Diesen Vorgang bezeichnet man verniedlichend als Völkerwanderung.

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Wir Deutsche haben keinen Grund zur Kleinmut. Wir haben es geschafft, nach dem Zweiten Weltkrieg 12 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge einzugliedern und sie zum Teil unseres wirtschaftlichen Aufstiegs zu machen. Die Voraussetzungen waren damals denkbar schlecht: zerbombte Städte und Fabriken, zerstörte Infrastruktur, ein aufgeteiltes Land, Millionen Witwen und Waisen, eine demoralisierte und fremdbeherrschte Gesellschaft. Die Deutschen hielten jedoch solidarisch zusammen.

Wir müssen uns deshalb heute in Erinnerung an diese grandiose Gemeinschaftsleistung nicht ängstigen vor ein paar Hunderttausend Flüchtlingen, auch dann nicht, wenn deren Zahl noch weiter steigt. Wir müssen uns nur bemühen, aus der Not eine Tugend zu machen. Dazu brauchen wir Solidarität untereinander und Solidarität mit den Flüchtlingen. Sie wollen in ihrer großen Mehrzahl nicht schmarotzen, sondern ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Mehr Anlass zur Besorgnis ist die fehlende Bereitschaft mehrerer EU-Staaten, einen angemessenen Anteil der in den Mittelmeerländern anlandenden Flüchtlinge aufzunehmen. Die Schließung von Grenzen löst kein Problem. Außerdem ist dieses Verhalten ein grober Verstoß gegen den Solidaritätsgedanken der europäischen Verträge. Wer sich so verhält, legt die Axt an die Grundmauern der Europäischen Union. Deutschland müsste hier eine entschlossene Führungsrolle übernehmen. Gleiches gilt für die unerlässliche Neuausrichtung der Militär-, Bündnis- Entwicklungs- und Einwanderungspolitik. Das ist kein Selbstläufer. Denn es betrifft höchst anspruchsvolle Politikfelder. Doch genau dort könnte sich die vom Bundespräsidenten unlängst angemahnte größere Verantwortung der deutschen Politik friedenstiftend entfalten. Vonnöten ist ein vertieftes Nachdenken jenseits der Tages- und Parteipolitik. Das bedarf eines langen Atems. Ich vermag Derartiges noch nicht zu erkennen. Vielleicht müssen noch mehr Flüchtlinge kommen, bevor Weitblick und Solidarität eine echte Chance bekommen. Wenn uns das zu anstrengend ist, dann müssen wir lernen, mit der Völkerwanderung zu leben.

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