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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 29.01.2015, 09:58                                  +/-

Ich höre auf eure Empfehlungen hin jetzt übrigens „Serial“. Bin gerade in Folge 2 angekommen. Das ist schon sehr, sehr gut gemacht. Muss man einfach sagen.

Dabei dürfte eigentlich überhaupt keine Spannung aufkommen. Es ist nicht nur 15 Jahre her, sondern es gibt auch keine Aussicht auf ein „Happy End“ für den Verurteilten oder irgendwen sonst. Denn das Verfahren wird ja nicht wieder aufgerollt oder so. Der Kerl wird aller Voraussicht nach sitzen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Zudem wird in der ersten Folge ja bereits klar, dass es eigentlich nur der verurteilte Adnan oder der Hauptzeuge der Anklage Jay gewesen sein können. Was gibt‘s da also noch groß zu labern?

Die Spannung kommt daher, dass die Erzählerin die Fakten so genau beleuchtet und aufzeigt, in welchem Spinnennetz von Annahmen, Interpretationen, Aussagen, Gewichtungen von Aussagen, Berücksichtigung und Nichtberücksichtigung von Zeugenaussagen ein solches Mordurteil gefällt wird. Wahnsinn, diese Vieldeutigkeit.

Mir fällt in den ersten beiden Folgen auf, wie gefasst und abgeklärt, aber auch differenziert und intelligent Adnan in den Interviews wirkt. Seine Verurteilung ist 15 Jahre her, das heißt er scheint sich seit langer Zeit mit seinem Schicksal abgefunden zu haben. Ich finde interessant, wie differenziert er über seine Erinnerungen und vor allem über seine Erinnerungslücken spricht. Er versucht gar nicht den Anschein zu erwecken genau zu wissen, was er damals wann gemacht hat und weshalb er deshalb keinesfalls der Mörder sein könne. Stattdessen weist er darauf hin, dass er sich halt nicht an seinen genauen Tagesablauf erinnern kann, weil es für ihn ein ganz normaler Tag gewesen ist. Und das ist zunächst einmal glaubwürdig. Man erinnert sich halt vor allem an außergewöhnliche Tage. Also beispielsweise Tage, an denen man jemanden mit bloßen Händen erwürgt hat.

Das heißt natürlich nicht, dass er es nicht war. Es heißt nur, dass er ein ziemlich intelligenter und reflektiert sprechender junger Mann ist.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 01.02.2015, 19:17                                  +/-

Okay, ich habe jetzt ein paar abschließende Betrachtungen zu „Serial“.

Zunächst einmal glaube ich, dass Adnan sehr wohl der Täter gewesen ist. Gleichzeitig scheinen die Beweise nicht ausreichend zu sein. Ich bin froh, dass wir in Deutschland ein anderes Rechtssystem haben. Soweit ich informiert bin, müssen deutsche Staatsanwaltschaften objektiv Beweise und Indizien sammeln, unabhängig davon, wen sie belasten oder entlasten. Im US-amerikanischen Rechtssystem hingegen hat die Staatsanwaltschaft den Auftrag, den stärkstmöglichen Fall gegen den Angeklagten zu konstruieren. Das umfasst beispielsweise auch Spuren nicht zu verfolgen, die zu einer Entlastung des Angeklagten führen könnten. Ich finde das merkt man in dem Fall Adnan sehr stark.

Auf der Basis der vorgelegten Beweise und Indizien wäre Adnan in Deutschland wohl eher nicht des Mordes verurteilt worden. Andererseits hätten die deutschen Ermittlungen wohl auch zu einer völlig anderen Beweislage geführt, aus oben genannten Gründen.

All das ändert aber nichts an meinem persönlichen Eindruck, dass Adnan tatsächlich der Mörder von Hae ist. Letztlich läuft es für mich einfach nur auf ein Shoot-Out zwischen den Aussagen Adnans und Jays hinaus. Jays Aussagen sind einfach überzeugender. Es wurde im Podcast ja auch gesagt: eine Storyline, in der Adnan unschuldig ist, ist super-unwahrscheinlich. Obwohl wir nicht genau wissen, was an dem Tag wirklich geschehen ist: es ist für mich kein Szenario denkbar, in dem Adnan nicht der Täter ist.

Möglicherweise hat Adnan den Mord geplant. Möglicherweise ist er auch nur spontan ausgerastet und hat Hae im Affekt erwürgt. Vielleicht hat er sogar eine posttraumatische Störung davongetragen und erinnert sich nicht mehr wirklich an die Tat und das ganze Drumherum. Auch das soll es geben. Aber er war‘s einfach, verdammich.

Warum ich aber eigentlich schreibe: Der Podcast hat in den USA (und wie man an diesem Thread ablesen kann auch weltweit) Wellen geschlagen. Es wurde ja sogar schon im Podcast thematisiert, dass plötzlich Gerüchte aufkamen, d. h. die Reaktionen auf den Podcast sind bereits in den Podcast eingeflossen.

Ich weiß nicht, auf welchen Kanälen überall darüber gesprochen wurde, aber zwei Kanäle waren natürlich Facebook und Reddit.

Über Facebook weiß ich nicht viel, aber auf Reddit wurde ein Subreddit gegründet, das sich nur mit diesem Mordfall beschäftigt. Und wie das im Internet so ist, kochte die Scheiße hier sehr bald hoch, weil immer noch jemand einen draufsetzen musste. Die Leute haben sich anscheinend gegenseitig aufgestachelt und versuchten sich immer mehr gegenseitig mit neuen „Erkenntnissen“ oder „Ermittlungen“ zu übertrumpfen.

Das Ende vom Lied war, dass – wie konnte es anders kommen – irgendwelche Leute auf Reddit die aktuelle Adresse von Jay posteten. Kurze Zeit später standen Internet People bei Jay in der Straße und vor der Haustür. Es wurden Fotos gemacht, das Haus wurde beobachtet und im Internet wurde jede Menge Scheiße über Jay veröffentlicht.

Eine Folge davon war, dass Jay mutmaßlich wegen dieses Trubels seinen Job verloren hat. Er hat inzwischen eine Familie mit mehreren Kindern und arbeitet im Bauwesen. Da jetzt auf weiter Flur darüber gemutmaßt wurde, dass Jay ja auch der Mörder von Hae sein könnte (schließlich könnte er sich diese ganze Story über Adnans Mord lediglich ausgedacht haben, die er der Polizei erzählt hatte), wurde Jay natürlich jetzt argwöhnisch beobachtet. Er wurde zusammen mit einigen anderen Leuten entlassen, nachdem alle Welt über diesen Podcast sprach und fast jeder in seinem Umfeld die Verbindung zu ihm erkannt hatte. Und kurze Zeit später wurden die anderen Leute wieder eingestellt, plus ein weiterer, minus Jay.

Wie Jay unter dem Hype zu leiden hatte kann man in diesem Interview nachlesen, das von Ende Dezember ist:

https://firstlook.org/theintercept/2014/12/29/ex...serial-case-pt-1/

Besonders tragisch finde ich, dass die Podcasterin Sarah Koenig meiner Meinung nach ziemlich sensibel mit Jay und überhaupt mit allen Personen ihrer Story umgegangen ist. Dennoch hat Jay jetzt den Eindruck, dass sein Leben für eine billige Story durch den Dreck gezogen wurde und er jetzt unter den Folgen einer 15 Jahre alten Geschichte zu leiden hat, die – aus seiner Sicht – eine klare Angelegenheit ist.

Besonders interessant in diesem Interview fand ich seine Schilderung über die gesellschaftlichen Zustände in Baltimore.

Baltimore ist eine Stadt der „Metropolregion“ Washington D. C., ein Stück nordöstlich der Hauptstadt. Die Bevölkerungsstruktur ist ähnlich wie in Washington: über 60 Prozent Afroamerikaner und die „Weißen“ sind schon seit Jahrzehnten in die Suburbs „geflüchtet“. Baltimore hatte in den letzten Jahrzehnten immer eine der höchsten Kriminalitätsraten im ganzen Land: Drogen, Gewalt, Mord. Im Durchschnitt gab es in den letzten Jahrzehnten einen Mord pro Tag in einer Stadt, die gerade einmal so groß ist wie Frankfurt a. M. Und Frankfurt ist schon ein vergleichsweise gefährliches Pflaster. Dennoch ist die Mordrate in Baltimore sechsmal höher.

Zur Kultur in Baltimore scheint zu gehören, dass man nicht mit der Polizei kooperiert. Macht man einfach nicht. Weil jeder mindestens einen Verwandten oder engen Bekannten hat, der selbst ein Verbrecher oder ein Opfer eines Verbrechens ist. Ich finde das ist schon einmal eine ganz wichtige Schlüsselinformation, die hilft zu verstehen, weshalb Jay nicht sofort zur Polizei gerannt, sondern stattdessen Adnan bei der Beseitigung der Leiche geholfen hat. Er hatte selbst Dreck am Stecken und musste befürchten, dass nicht nur er selbst für mehrere Jahre wegen seiner Drogengeschäfte im Knast verschwindet, sondern auch noch wegen seiner „Spitzelei“ für die Polizei im Gefängnis auf‘s Korn genommen wird. Außerdem wäre die Polizei über in auch leicht auf seine engen Freunde gekommen und hätte diese ebenfalls hops nehmen können.

Bottom line: das Internet ist voller Leute, die verrückter sind als Scheißhausratten. Ich meine, man muss doch wirklich nur noch klebrige Grütze in der Birne haben, wenn man auf die Idee kommt, nicht nur die Adresse eines Menschen wegen eines Podcasts zu ermitteln, sondern dann auch noch diese Person zu bedrohen und vor dessen Haus zu paradieren. Wer stoppt diese Menschen, wenn die eigenen Instinkte schon so verkümmert sind?

So wird aus einem interessanten, gut gemachten und spannenden Podcast über eine Sache, die 15 Jahre her ist, plötzlich ein echtes mediales Trainwreck mit Kollateralschäden. Einfach nur schade…


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.02.2015, 19:51                                  +/-

Oida. Das kommt vom Umblättern. Ein Teil meines Postings findet sich ja schon auf der vorherigen Seite.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 02.02.2015, 17:03                                  +/-

Aber interessant wie unterschiedlich du sein Interview gelesen hast. Ich neige mehr dazu zu glauben, dass entweder Adnan unschuldig ist, und 15 Jahre unschuldig im Knast sitzen übertrumpft halt alles, oder Jay tiefer im Mord mit drin steckt. Ich habe dann mehr auf Inkonsistenzen in seiner neuen Version geachtet und sein Drücken auf die Tränendrüse prallte völlig an mir ab. Ich fand auch unsympathisch, dass er versucht Sarah Koenig zu dämonisieren. Wobei ich jetzt nach deinem Beitrag zubillige, dass das auch ein bisschen zynisch von mir war, weil aus seiner Sicht das vielleicht wirklich so darstellt. Und Jays Frau und seine Kinder sind in jedem Fall unschuldig.

Thanil
Soweit ich informiert bin, müssen deutsche Staatsanwaltschaften objektiv Beweise und Indizien sammeln, unabhängig davon, wen sie belasten oder entlasten. Im US-amerikanischen Rechtssystem hingegen hat die Staatsanwaltschaft den Auftrag, den stärkstmöglichen Fall gegen den Angeklagten zu konstruieren. Das umfasst beispielsweise auch Spuren nicht zu verfolgen, die zu einer Entlastung des Angeklagten führen könnten. Ich finde das merkt man in dem Fall Adnan sehr stark.


Dieser starke Befangenheit hat mich auch verblüfft! Die Polizisten haben ihre Fährte/Hauptverdächtigen und schießen sich dann in diese Richtung ein. Und schützen sogar ihren Kronzeugen, es gab nie eine Hausdurchsuchung bei Jay. Die Staatsanwaltschaft ist dann noch stärker auf ihren Case fokusiert und verschreckt sogar Zeugen, damit die nicht für die Verteidigung ein Alibi aussagen. Ich hoffe, du hast Recht, dass in Deutschland mehr der Wahrheit verpflichtet ermittelt wird. Und dann Inkompetenz: Haes Computer wurde von der Polizei beschlagnahmt, war dann aber nicht mehr auffindbar. DNA-Spuren wurden nicht getestet. Ich musste auch schlucken als ich hörte wie teuer das alles war, Adnans Anwältin kostete seiner Familie insgesamt über 100000 Dollar. Keine Ahnung wie das in Deutschland wäre.

Thanil
Über Facebook weiß ich nicht viel, aber auf Reddit wurde ein Subreddit gegründet, das sich nur mit diesem Mordfall beschäftigt. Und wie das im Internet so ist, kochte die Scheiße hier sehr bald hoch, weil immer noch jemand einen draufsetzen musste. Die Leute haben sich anscheinend gegenseitig aufgestachelt und versuchten sich immer mehr gegenseitig mit neuen „Erkenntnissen“ oder „Ermittlungen“ zu übertrumpfen.


Das klingt jetzt sehr negativ von dir. Ich würde es mehr mit Grautönen formulieren. Crowdsourcing bringt viel Blödsinn zustande, aber wenn tausend Monkeys auf tausend Schreibmaschinen hacken kommt vielleicht auch was sinniges dabei raus. Denn da posteten soviele soviele Leute mit Expertise: Journalisten, Anwälte, Staatsanwälte, Radiofunktechniker. Die haben nicht nur Klatsch getratscht oder Verschwörungstheorien gesponnen, sondern sind wirklich die verfügbaren Court-Dokumente und Beweismittel durchgegangen. Oder jemand im Subreddit hatte sich das gleiche uralte Nokia-Modell gekauft wie Adnan damals brandneu hatte, nur um nachzuvollziehen, ob ein "Butt-Dial" des Nisha-Anrufs möglich ist.
Deirdre Enright, die Leiterin vom Innocent Project, äußert sich vorsichtig lobend zu Reddit:

http://time.com/3639655/serial-innocence-project-deirdre-enright/

The popularity of the podcast means a lot of people on Reddit and chatrooms are trying to figure out the case themselves. Does that hurt or help your case?

Right, the self-deputized investigators. I’m sure there are ways in which it is hurting us, but I sort of have to embrace that it’s also helping. They—Redditors and Slate podcast listeners and total strangers—sent us charts that they put together of cellphone tower records, for instance. We had something like it in our own wheelhouse, but the one they put together was fantastic.

And people have sent us even the identity of an alternate suspect who was not on our radar. We had a couple people who were on our radar but not this person. We can’t say that it was this person, but it’s certainly a person we now are going back and looking at the past and his history.

That said, the downside of this is that they change the story as they become the story. They’ve probably scared certain people who might have spoken into not speaking. So it has the “both and” sort of feel to it.


Thanil
Es wurde im Podcast ja auch gesagt: eine Storyline, in der Adnan unschuldig ist, ist super-unwahrscheinlich.


Quar hatte der Satz über "the unluckiest Person" auch überzeugt und als ich die Stelle im Podcast hörte stutzte ich auch. Ich glaube aber, dass da so eine Art Fehlschluss am Werk sein könnte? Weil jeder der unschuldig im Gefängnis sitzt riesiges, enormes, exorbitantes Pech hatte. Ich fand dann auch interessant was Deirdre genau dazu sagte:

In the last episode producer Dana Chivvis argued, “If [Adnan] didn’t do it, then my God that guy is ridiculously unlucky.” What did you think of that given your experience with the Innocence Project?

I think one thing is, a lot of normal things are made to look like bad luck when they are making you into a suspect. This is what happens when you decide to build a case against someone. You look and say, “All these phone calls are so suspicious.” But that’s only if you buy into Jay’s timeline of when it happened and when she went missing because it’s entirely possible that Hae was alive for another week. Something bad happened, but those phone calls may be nothing, right?

Wrongful conviction cases are terrifying because it’s often just people going about their life and then all of the sudden they are a suspect. One by one the things start happening: Someone misidentifies you, you get a bad lawyer by chance, the lawyer doesn’t believe you. People say, “Oh he had such bad luck.” The other way to look at it is often it’s a lot of people in the system using bad practices, not crossing Ts and dotting Is.

So the world is a terrifying place. I think all the time about how you can become that person.


Schlüsselsatz für mich: Adnan is only suspicious, if you buy into Jays timeline.
Noch schwieriger: Wie entscheidet man wer die Wahrheit sagt und wer lügt? Oder wie entscheidet man zu was ein Mensch fähig ist und zu was nicht? Angenommen du wirst wegen eines Verbrechens verurteilt, beteuerst aber deine Unschuld. Denkt man dann "White Knight Thanil? Nie im Leben, der liebe Kerl kann doch keiner Fliege was zu leide tun!" oder denkt man dann "Das analytische Mastermind hat alles durchgeplant!".

Ich finde es im Subreddit frustrierend (aber auch interessant) nach welchen scheinbar trivialen Sachen Menschen den Charakter eines anderen Menschen beurteilen. So in der Art: Wenn man bei einer Aussage wegschaut, dann lügt man. Aber auch: Wenn man bei einer Aussage den Augenkontakt sucht, dann lügt man auch.

Im Times-Interview sagt Deirdre dann weiter:

When Sarah spoke to Jay on the show, one of the comments she reported him saying was, “Well if it’s not Adnan, who was it?” And I thought, “Who says that?” It was such a bizarre comment.

That didn’t strike me as strange at the time, but now that you’re saying it I guess it is weird.

In this one particular capital murder case that I did a lot of re-investigation on, what I learned was that the people who have dealt with law enforcement over a long period of time were really good at figuring out at the beginning of an interview how much [the interviewer] knows. And then they give up information right to that line.

So when Jay said that: “Well then who is it?” I thought, “If anyone knows, it’s Jay.” My suspicion is he’s trying to get her to give up what she knows so he can respond. He’s gaming. And it did seem that he was genuinely concerned about safety. But Adnan is locked up, so who does he have to worry about?


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Ich hätte da jetzt auch einfach drüber gelesen bzw gehört. Wenn Jay unschuldig ist, dann ist es ja normal, dass er etwas passiv-aggressiv antwortet? Aber Deirdre ist eine erfahrene Anwältin und hat soviel mehr Erfahrung mit Kriminellen und Schuldigen und Unschuldigen? Hm, angenommen ich würde jemanden einer Sache beschuldigen. Hier, ich habe gesehen wie AmandaMandels Hund Gonzo das letzte Pizzastück gefressen hat als niemand außer mir hinschaute. Und dann fragt jemand nach war das wirklich so? Würde ich dann antworten "Ja, natürlich!" oder würde ich gegenfragen "Wer soll es denn sonst gegessen haben?".


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 02.02.2015, 20:58                                  +/-

Ich bin einfach zu völlig anderen Schlüssen gekommen als viele, die Adnan unschuldig sehen.

Jay fällt für mich als Mörder aus. Es gibt kein erkennbares Motiv und er kannte Hae nur flüchtig. Der Ansatz, dass es eine dritte Partei gab, die von Jay gedeckt wird, indem er Adnan anschwärzt, grenzt für mich aufgrund der Vielzahl von Annahmen und des fehlenden Motivs an eine Verschwörungstheorie.

Für mich bleibt als Grauzone höchstens noch der Grad der Involviertheit Jays in die Straftat, also beispielsweise, ob er wirklich die Leiche nie berührt hat etc. In jedem Fall aber ist Adnan für mich der Täter.

Was Deirdra angeht: du darfst ihre Worte meiner Meinung nach nicht als neutrale Stimme / Gutachterin werten. Sie hat voll und ganz für Adnan Partei ergriffen. Ebenso, wie die Staatsanwaltschaft Adnans Schuld beweisen wollte, versucht sie nun seine Unschuld zu belegen und setzt dazu alle Mittel ein.

Was das »Crowd Sourcing« angeht bleibe ich skeptisch. Selbst Deirdra sieht ja, dass dort etwas außer Kontrolle geraten ist. Vielleicht fehlt hier lediglich die Moderation, damit es nützlich wird und Exzesse verhindert werden, bevor sie publiziert werden. Aber so, wie es derzeit läuft, ist es einfach Wahnsinn und verletzt in meinen Augen alle Regeln des Persönlichkeitsschutzes, Datenschutzes und vor allem des Anstands.

Bezüglich der Gewichtung von Aussagen: ich glaube das wird von vielen überbewertet. Ebenfalls aus dem Podcast: hartgesottene Polizisten sind skeptisch bis zum Zynismus und gehen davon aus, dass jeder sie anlügt, sobald er den Mund aufmacht. Ich weiß nicht, ob man das generalisieren kann, aber es erscheint mir einleuchtend. Es geht nicht um einzelne Aussagen, sondern um das größere Gesamtbild und vor allem die Faktoren Motiv, Gelegenheit, Mittel (Mordwaffe). Und hier zeigen einfach fast alle Vektoren auf Adnan. Nicht auf Jay, und schon gar nicht auf einen »Mann im Dunkeln«.


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Triskel
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BeitragVerfasst am: 05.02.2015, 22:34                                  

And now for something completely different…


The Nerdist

Der nächste Podcast, den ich wärmsten empfehlen kann, ist Nerdist von der gleichnamigen Website. Drei Typen – die ich nicht kenne, aber das will nichts heißen – führen jede Woche ein nettes Gespräch mit irgendeinem Promi – die ich auch nicht alle kenne. Das wirklich schöne an diesen „Interviews“ ist, dass sie sich in den meisten Fällen nicht wie ein Interview anfühlen. Zwar gibt es vorbereitete Fragen und manchmal wird auch über aktuelle Projekte der Promis gesprochen, aber meistens ergeben sich normale Gespräche, wie sie die meisten von uns auch mit anderen Menschen führen. Ein Thema ergibt das nächste, man philosophiert, man lässt sich durchs Gespräch treiben, man bringt dumme Sprüche, im Laufe des Gespräches ergeben sich Running Gags – eigentlich wie bei einem Kneipentreffen.

Zum Einstieg empfehlen kann ich z. B. das Gespräch mit Lisa Kudrow. Sie ist supersymphatisch und sehr lustig. Außerdem zum Glück nicht ganz so schräg wie Phoebe.

Spaß macht auch der Podcast mit Katee Sackhoff, die offensichtlich auf Penis-Witze steht. Jedenfalls gab es in der Folge sehr viele davon. Außerdem hat sie während der Dreharbeiten zu „Riddick“ in einem Fitnessstudio muskelbepackte Männer frustriert, weil sie ohne große Mühe mit denselben Gewichten trainiert hat. Tja, Starbuck, was soll man sagen.

Da einer der Macher des Podcast früher eine WG zusammen mit Will Wheaton hatte, ergeben sich beim Gespräch mit ihm natürlich ganz eigene Dynamiken. Den Insiderwitzen kann man vielleicht nicht immer ganz folgen, aber viel zu lachen gibt es dennoch.

Sogar Sir Paul McCartney war neulich zu Gast.

Etwas langweilig war hingegen das Interview mit Bill Gates. Hier stand leider die „Bill and Melinda Gates Foundation“ im Vordergrund und immer, wenn das Gespräch gerade zu anderen Themen überging, hat so ein Aufpasserknilch gemahnt, dass die nächste Frage sich aber doch bitte schön wieder dem Thema Foundation zuwenden soll.

Gerade lausche ich dem Gespräch mit G.R.R. Martin, das bei 2013 bei der San Diego Comic Con geführt wurde. Martin selbst ist Comic-Con-Pioneer und ist seit Jahrzehnten dabei. Also ein echter Nerd. Außerdem schreibt er seine Bücher immer noch auf einem DOS-Computer, weil er Microsoft Word nicht ausstehen kann. Scheinbar wurde er damals von der sprechenden Büroklammer traumatisiert.



Und das tollste…es gibt bereits über 600 Folgen! Ich bin also late to the Party, habe aber den Vorteil, dass ich auf Monate, ja fast Jahre, hinweg versorgt bin.


Enjoy your burrito.



Zuletzt bearbeitet von Triskel am 07.02.2015, 13:48, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 05.02.2015, 22:42                                  +/-

Oh Gott, 600 Folgen? Wann soll ich das denn alles hören?

Gepostet am 05.02.2015, 22:46:

Neuer Plan: Du hörst alle Episoden durch und machst dann eine Top 10. Deal?


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Triskel
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BeitragVerfasst am: 05.02.2015, 22:47                                  +/-

Ich melde mich dann so in zwei Jahren wieder.

Gepostet am 05.02.2015, 22:53:

Wobei…ich wil die ja gar nicht alle hören. Ganz viele von diesen Menschen kenne ich ja nicht mal. Erst mal höre ich nur die Podcast mit mir bekannten Promis. Dann bin ich bestimmt in einem halben Jahr schon durch. ugly

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 23.03.2015, 22:27                                  +/-

Nachtrag zu Serial:

Kann sein, daß der Fall nochmal neu verhandelt wird. Sagt der Guardian.

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 11.06.2015, 20:23                                  +/-

Freunde haben mich auf Geek Chic Weird Science aufmerksam gemacht und mich angefixt mit der Folgentrilogie
The Science of Sex
The Science of Drugs
The Science of Rock n' Roll

Der Podcast ist mehr so eine lockere Talkrunde, Gastgeber sind Lliana Bird (Radiomoderatorin, normalerweise bei xfm London, hat Psychologie studiert) und der Neurowissenschaftler Dr Jack Lewis, plus wechselnde Gäste aus den interessanteren Ecken der Wissenschaften. Bei den oben verlinkten Folgen ist Zoe Cormier der Gast, sie ist Biologin und die Autorin eines Buchs mit dem Titel "Sex, Drugs and Rock n’ Roll: The Science of Hedonism and the Hedonism of Science."


Die generelle Beschreibung auf der Homepage trifft den Inhalt dieser Podcasts recht gut:
Science is great. It gives your brain a work-out and explains how everything in the world works. It's a shame about the boring bits though. But imagine if you could remove all the dull bits and dial up the volume on the really interesting, weird parts of science? Well that's exactly what Geek Chic Weird Science is all about.

Each week neuroscientist Dr Jack Lewis & broadcaster (and science lover) Lliana Bird shed light on the strange, quirky stuff you never got taught at school, and provide intriguing insights that you can share around at the pub or at a dinner party. Like... the science of lesbian orgasms, Vulcan telepathy or squid-inspired invisibility cloaks. There's also plenty of exclusive interviews with some of the worlds most interesting and quirky scientists, like the Professor leading the research into teleportation, or the molecular biologist who uncovered the true identity of Jack The Ripper, or a paranormal expert...So if you've ever wondered whether you can you wipe your memory of a heartbreak, turn peanut butter into diamonds, or save a life with a crisp packet, then these are for you


Wie Sendung mit der Maus für große Kinder. Ich bin dann mal weg, die anderen 30 Folgen hören…

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Triskel
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BeitragVerfasst am: 10.12.2015, 15:58                                  +/-

Die zweite Staffel Serial ist gestartet.


Zitat:
In May 2014, a U.S. Special Operations team in a Black Hawk helicopter landed in the hills of Afghanistan. Waiting for them were more than a dozen Taliban fighters and a tall American, who looked pale and out of sorts: Bowe Bergdahl. Bergdahl, a U.S. soldier, had been a prisoner of the Taliban for nearly five years, and now he was going home.

President Obama announced Bergdahl’s return in the Rose Garden, with the soldier's parents at his side. Bergdahl's hometown of Hailey, Idaho, planned a big celebration to welcome him back. But then, within days—within hours of his rescue, in fact—public reaction to his return flipped. People started saying Bergdahl shouldn’t be celebrated. Some of the soldiers from his unit called him a deserter, a traitor. They said he had deliberately walked off their small outpost in eastern Afghanistan and into hostile territory.

Hailey canceled its celebration. The army launched an investigation. Finally, in March, the military charged Bergdahl with two crimes, one of which carries the possibility of a life sentence. Through all of this, Bergdahl has been quiet. He hasn’t spoken to the press or done any interviews on TV. He’s been like a ghost at the center of a raucous fight.

Now, in Season Two, we get to hear what he has to say.

For this season, Sarah Koenig teams up with filmmaker Mark Boal and Page 1 to find out why one idiosyncratic guy decided to walk away, into Afghanistan, and how the consequences of that decision have spun out wider and wider. It’s a story that has played out in unexpected ways from the start. And it’s a story that’s still going on.

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Quar



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BeitragVerfasst am: 10.12.2015, 23:42                                  +/-

Hab ich mir grad runtergeladen. Aber zuerst musste ich mir das große Grünkohlessen mit Jani und Olli anhören. grins

http://www.radioeins.de/archiv/podcast/zwei_alte_hasen.html

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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.07.2016, 08:19                                  +/-

Adnan Syed bekommt einen neuen Gerichtsprozess:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/krimina...auf-14318192.html


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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 10.06.2017, 18:02                                  +/-

Ich habe so einige Radiosendungen als Podcast abonniert. Zu meinen Favoriten der öffentlich-rechtlichen gehören SWR2 Wissen sowie das ARD Radiofeature.

Durch eine Ausgabe mit Demis Hassabis bin ich erst jetzt auf ein Urgestein der BBC gestoßen: Desert Island Discs – eine seit 1942 laufende Interviewsendung mit mal mehr, mal weniger bekannten Personen die ihre Musik für die einsame Insel vorstellen. Und die BBC hat in den letzten Jahren scheinbar alles was sie von dieser Sendung im Archiv hatte zusammengesucht und stellt es online als Podcast frei zum Download bereit.

Ich wühle mich da gerade durchs Archiv. Ein paar sehr zufällig aus meinen bisherigen Downloads herausgegriffene:
Terry Jones (1983)
Eric Clapton (1990)
Stephen Hawking (1992)
Douglas Adams (1994)
Umberto Eco (1995)
Richard Dawkins (1995)
Terry Pratchett (1997)
Christopher Lee (1995)
Patrick Stewart (2005)
Judi Dench (2015)


Es gibt auch eine Liste alle Episoden, teils mit direkten Links zum Download in der Wikipedia.

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