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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 01.08.2017, 18:42                                  +/-

Vor allem haben wir seit dem ungefähr jedes Jahr einmal drüber gepostet. Mindestens hähö


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Lothiriel
Wissende


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Wohnort: Here in my room
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BeitragVerfasst am: 01.08.2017, 19:22                                  +/-

Bevor du umgeblättert hast sogar auf der gleichen Seite weiter oben. Yes

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Craggan



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Wohnort: Way Down South
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BeitragVerfasst am: 26.08.2017, 21:53                                  +/-



_________________
If you’re tired of arguing with strangers on the Internet, try talking with one of them in real life (B. Obama's Farewell address speech, 11.1.2017)
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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 03.09.2017, 11:46                                  +/-

Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr zu lesen. Und zwar Bücher. Im Internet lese ich ja sowieso ständig und dauernd, aber das Bücherlesen ist bei mir in den letzten Jahren massiv ins Hintertreffen geraten. Also habe ich den tolino, den ich mir vor fast zwei Jahren in einem spontanen Anflug von Leselust gekauft habe und der seitdem unberührt in der Schublade verstaubte, aktiviert und festgestellt, dass so ein kleines Ding für eine wie mich, die ständig in der U-Bahn oder im Zug unterwegs, wirklich Gold wert ist. Und weil ich kaum noch Zeit finde, mich anderweitig in der Kneipe zu betätigen, dachte ich, ich könnte ja dem Literaturthread mal wieder ein wenig Leben einhauchen und euch an meiner Lesereise teilhaben lassen.

Mein Projekt lautet: jeweils ein Werk aus dem Bereich der Fiction und eines aus dem Bereich der Nonfiction im Wechsel. Und das hier waren die Bücher des Monats August:

Epiktet: Handbüchlein der Moral
Albert Camus: Der Fremde
Herfried und Marina Münkler: Die neuen Deutschen
Alice Munro: Der Traum meiner Mutter

Meine Eindrücke und Gedanken zu den einzelnen Büchern folgen dann jeweils in einem eigenen Beitrag, der Übersichtlichkeit halber.

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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 03.09.2017, 11:50                                  +/-

Spitze

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 03.09.2017, 12:53                                  +/-

Epiktet: Das Handbüchlein der Moral

Im Juli hatte ich mich zu einem vierwöchigen Online-Kurs zum Thema Stoic Mindfulness and Resilience Training angemeldet. Das Ganze war dann leider ein ziemlicher Reinfall, weil der Kurs just an jenem Tag begann, an dem mein Liebster umzog, wir überhaupt keine Zeit hatten, die Lektionen zu studieren, und ich in den sich anschließenden Wochen so reizbar und genervt war wie schon lange nicht mehr. (So viel zum Thema stoische Gemütsruhe.) Aber immerhin hat der Kurs mich inspiriert, mich einem der Klassiker der stoischen Literatur zuzuwenden: Epiktets Encheiridion, auf Deutsch veröffentlicht als Handbüchlein der Moral. Es stammt nicht von Epiktet selbst, sondern basiert auf den Mitschriften seines Schülers Arrian.

Die Stoa war eine philosophische Schule der Antike, entstanden in Griechenland und besonders populär im alten Rom, und zwar in allen Bevölkerungsschichten. Sie richtete sich an Sklaven und Könige gleichermaßen. Dies zeigt sich auch in der stoischen Literatur. Es sind nur noch wenige Schriften überliefert, neben Senecas Schriften sind vor allem die Werke des Sklaven (und spätere Freigelassenen) Epiktet und des "Philosophenkaisers" Marc Aurel bekannt. Die Philosophie der Stoa wirkt bis in die heutige Zeit und hat insbesondere die moderne kognitive Verhaltenstherapie stark beeinflusst.

Das Handbüchlein ist wirklich nur ein kleines Büchlein, das sich ratzfatz herunterliest - allerdings kann es deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, sich gedanklich mit den darin enthaltenen Lehren auseinanderzusetzen. Die wesentlichen Inhalte finden sich bereits im allerersten Abschnitt, den ich der Einfachheit halber vollständig zitiere:

Epiktet
Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begreifen, unsern Antrieb zum Handeln, unser Begehren und Meiden, und, mit einem Wort, über alles, was von uns ausgeht; nicht gebieten wir über unsern Körper, unsern Besitz, unser Ansehen, unsere Machtstellung, und, mit einem Wort, über alles, was nicht von uns ausgeht.

Das ist einer der Grundgedanken der Stoa: die Differenzierung zwischen jenen Dingen im Leben, die wir unmittelbar in der Hand haben und direkt kontrollieren können, und jenen, die unserem direkten Einfluss entzogen sind. Die Stoiker sind sich darin einig, dass der Schlüssel zu einem glücklichen Leben darin besteht, sich auf jene Dinge zu konzentrieren, die unserem Einfluss unterliegen, und gegenüber allem, was unserer Kontrolle entzogen ist, einen gewissen Gleichmut zu entwickeln, ganz ähnlich dem berühmten Spruch: "Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Worüber wir gebieten, ist von Natur aus frei, kann nicht gehindert oder gehemmt werden; worüber wir aber nicht gebieten, ist kraftlos, abhängig, kann gehindert werden und steht unter fremdem Einfluss. Denk also daran: Wenn du das von Natur aus Abhängige für frei hältst und das Fremde für dein eigen, so wird man deine Pläne durchkreuzen und dur wirst klagen, die Fassung verlieren und mit Gott und der WElt hadern; hältst du aber nur das für dein Eigentum, was wirklich dir gehört, das Fremde hingegen, wie es tatsächlich ist, für fremd, dann wird niemand dich je nötigen, niemand dich hindern, du wirst niemanden schelten, niemandem die Schuld geben, nie etwas wider Willen tun, du wirst keinen Fein haben, niemand wird dir schaden, denn du kannst überhaupt keinen Schaden erleiden.

Hier wird der oben eingeführte Gedanke noch einmal vertieft und in seinen Konsequenzen ausgearbeitet: Nur wenn ich in der Lage bin, wirklich realistisch zwischen dem zu trennen, was ich beeinflussen kann, und dem, was meinem Einfluss entzogen ist, kann ich wirklich frei und selbstbestimmt handeln. Ein Stoiker würde niemals Gesundheit, Reichtum oder Ansehen zum Ziel seines Handelns machen, denn all diese Dinge unterstehen nicht unserer direkten Kontrolle. Wir können zwar durchaus Anstrengungen unternehmen, durch die wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, diese Dinge zu erlangen, immer jedoch ist das Ergebnis unserer Handlungen auch von äußeren Einflüssen oder gar dem Zufall abhängig. Der Weise konzentriert sich daher ausschließlich auf das, was er kontrollieren kann, nämlich das eigene Denken, Fühlen und Handeln.

Wenn du nun nach so hohen Zielen strebst, denke daran, dass du nicht mit nur mäßigem Bemühen nach ihnen greifen darfst, nein, du musst auf manches ganz verzichten, manches vorläufig aufschieben.
Wenn du aber außerdem auch auf Macht und Reichtum aus bist, so wirst du vielleicht auch hierin scheitern, weil du zugleich nach jenem strebst; auf alle Fälle wirst du das verfehlen, woraus allein Freiheit und Glück hervorgehen.

Tja, Weisheit und Glück gibt es eben nicht geschenkt. Will man diese erlangen, so ist das ein Full-Time-Job, neben dem andere große Ziele leider keinen Platz haben. Kann ich bestätigen: Wenn man gerade umzieht, kann man sich das Training stoischer Gemütsruhe wirklich komplett in die Haare schmieren.

Bemühe dich daher, jedem ärgerlichen Eindruck sofort entgegenzuhalten: "Du bist nur ein Eindruck, und ganz und gar nicht das, was du zu sein scheinst." Dann prüfe und begutachte den Eindruck nach den Regeln, die du kennst, vor allem nach der ersten Regel, ob der Eindruck zu tun hat mit den Dingen, über die wir gebieten oder nicht gebieten, und wenn er mit etwas zu tun hat, über das wir nicht gebieten, dann habe die Antwort zur Hand: "Es geht mich nichts an."

Das ist ein interessanter Aspekt, der auch in der kognitiven Verhaltenstherapie eine große Rolle spielt. Es geht hierbei darum, eine gewisse Distanz, eine grundlegende Beobachterrolle gegenüber den eigenen Gedanken und Gefühlen einzunehmen, sich von diesen nicht mitreißen und überwältigen zu lassen, sondern sie an einigen Grundprämissen zu prüfen. In der kognitiven Therapie sind dies zum Beispiel die Fragen: "Ist es wirklich wahr, was ich denke?" und "Ist es hilfreich?". Bei Epiktet wird besonders der Aspekt betont, ob ich das, worüber ich mich aufrege, wirklich kontrollieren kann. Wenn es nicht in meiner Hand liegt, wäre es weiser, der Angelegenheit mit Gleichmut zu begegnen.

Das Handbüchlein enthält viele kluge Gedanken, die zu lesen ich höchst inspirierend fand. Die stoische Philosophie steht allerdings in starkem Kontrast zu jeder Erfahrung von Leidenschaft, Rausch und Ekstase. Das Glück, nach dem Stoiker streben, beruht allein auf virtus, einem lateinischen Begriff, der im Deutschen mit "Tugend, Tapferkeit, Tüchtigkeit, Entschlossenheit, Mut" wiedergegeben wird, im Kontext der Stoa jedoch so etwas wie die Veredelung und Exzellenz des Charakters bedeutet. In Übereinstimmung mit den eigenen Werten, der eigenen "Natur" zu leben, ist für den Stoiker das höchste Ziel. Das erscheint mir gerade in der heutigen Zeit ein durchaus bedenkenswerter Gedanken zu sein. Allerdings lassen mich Sätze wie "Lache nicht viel, nicht über vieles und nicht hemmungslos" dann doch wieder daran zweifeln, ob ich zur Stoikerin geeignet bin.

Neben den zeitlosen Gedanken finden sich natürlich auch viele altertümliche, der Zeit entsprechende Überzeugungen, z.B. die Pflicht, dem eigenen Vater Ehre zu erweisen, auch wenn dieser dich schlecht behandelt, oder auch die Tatsache, dass das Buch sich ausschließlich an den männlichen Leser wendet, und Frauen lediglich als Übungsobjekt auftauchen, nämlich indem man sich immer wieder in Erinnerung ruft, dass auch die Geliebte eines Tages sterben muss, oder wenn es um den Begriff der Ehre geht. ("Die jungen Frauen werden, gleich wenn sie vierzehn geworden sind, von den Männern 'Damen' genannt. Und wenn sie nun sehen, dass ihre Rolle sich darin erschöpft, mit den Männern zu schlafen, fangen sie an, sich herauszuputzen und darauf all ihre Hoffnung zu setzen. Es empfiehlt sich daher, ihnen begreiflich zu machen, dass ihre Ehre auf nichts anderem beruht als auf Anstand und Treue zu ihrem Gewissen.")

Nichtsdestotrotz kommt mir die moderne Version der stoischen Weltanschauung, wie sie in oben erwähntem Training dargestellt wurde, durchaus entgegen. Ich werde bei Gelegenheit sicher auch noch die Meditationen von Marc Aurel lesen. Und das Stoic Mindfulness and Resilience Training versuche ich im nächsten Jahr noch mal, dann hoffentlich ohne Umzug.

Edit: Eines muss man Epiktet auf jeden Fall lassen: Der Mann predigt, was er lebt. Wenn er schreibt "Lähmung ist hinderlich für das Bein, für die sittlichen Grundsätze aber nicht", so spricht er aus eigener Erfahrung, da sein Herr ihm willentlich ein Bein gebrochen und ihn zum Krüppel gemacht hatte - ein Ereignis, das er stoisch hingenommen haben soll.

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 04.09.2017, 21:10                                  

Albert Camus: Der Fremde

Schon lange wollte ich mal einen Roman von Camus lesen - und ich glaube, ich nehme mir in nächster Zeit noch ein paar andere Literaturnobelpreisträger vor. Die schreiben schon wirklich saugut, keine Frage.

Camus' Erzählung "Der Fremde" spielt in den 1930er Jahren in Algerien. Protagonist und Ich-Erzähler ist ein Mann namens Meursault, ein junger, alleinstehender Büroangestellter, dessen hervostechendster Charakterzug seine unglaubliche Indifferenz ist. Er führt ein gänzlich leidenschaftsloses Leben, vertritt kaum je eine klare Meinung, lässt sich treiben, die meisten Dinge sind ihm egal. Der Tod seiner Mutter und die anschließende Beerdigung lösen ebenso wenig Aufregung in ihm aus wie seine neue Geliebte.

Abends hat Marie mich abgeholt und hat mich gefragt, ob ich sie heiraten wollte. Ich habe gesagt, das wäre mir egal, und wir könnten es tun, wenn sie es wollte. Sie hat dann wissen wollen, ob ich sie liebte. Ich habe geantwortet wie schon einmal, dass das nichts heißen wollte, dass ich sie aber zweifellos nicht liebte. "Warum willst du mich dann heiraten?", hat sie gesagt. Ich habe ihr erklärt, dass das völlig belanglos wäre und dass wir, wenn sie es wünschte, heiraten könnten. Im Übrigen wäre sie es, die fragte, und ich würde lediglich ja sagen.


Mehr aus Zufall denn aus Neigung freundet er sich mit seinem Nachbarn Raymond an, einem mutmaßlichen Zuhälter. Dieser hat Ärger mit einem seiner Mädchen, seiner "Freundin", wie er sagt, und Meurseult erklärt sich bereit, ihn in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Es kommt zu einer gewalttätigen Konfrontation zwischen Raymond und der angeblichen Freundin, in deren Folge Meursault sich zu einer falschen Zeugenaussage überreden lässt. Sein Handeln wird dabei stets durch willkürliche Impulse von außen gesteuert. Er folgt keiner Moral, lässt sich von Gewalt und Ungerechtigkeit nicht aus der Ruhe bringen und scheint keinerlei Werthaltung zu vertreten.

In dem aus diesem Erlebnis sich ergebenden Konflikt - die arabische Prostituierte hat einen Bruder, der Raymond von nun an verfolgt und bedroht - eskalieren die Ereignisse und am Ende tötet Meurseult den Araber. Er hat kein Motiv, später vor Gericht wird er sagen, "dass es wegen der Sonne gewesen wäre", die ihn am Strand geblendet hat und seine Augen brennen ließ. Es sind keine abstrakten Konzepte, die sein Handeln leiten, sondern unmittelbare körperliche Zustände.

Der zweite Teil der Erzählung behandelt die Ermittlungen, die Gerichtsverhandlung und das Urteil. Meurseult bekennt sich zu seiner Tat, zeigt aber keine Reue. Seine Emotionslosigkeit, gerade auch angesichts des Todes seiner Mutter, wird Meurseult von den Geschworenen als Verderbtheit ausgelegt und er wird wegen Mordes zum Tode verurteilt. Danach wartet Meurseult nur noch auf seine Hinrichtung und hofft auf die Bewilligung seines Gnadengesuchts. Durch sein gleichgültiges Wesen erweist er sich geradezu als der ideale Gefangene.

Dann hatte ich nur noch Häftlingsgedanken. Ich wartete auf den täglichen Ausgang, den ich im Hof machte, oder auf den Besuch meines Anwalts. Mit meiner übrigen Zeit kam ich sehr gut zurecht. Ich habe damals oft gedacht, dass ich, wenn man mich in einem verdorrten Baumstamm hätte leben lassen, mit keiner anderen Beschäftigung, als die Oberfläche des Himmels über meinem Kopf anzusehen, mich allmählich daran gewöhnt hätte.


Meurseult übt sich darin, gedanklich die Konsequenzen einer Ablehnung seines Gnadengesuchs oder seiner Begnadigung durchzuspielen und sich in beiden Fällen nicht von seinen Emotionen hinreißen zu lassen.

Im Grunde wusste ich wohl, dass es wenig ausmacht, ob man mit dreißig oder mit siebzig stirbt, da natürlich in beiden Fällen andere Männer und andere Frauen leben werden, und das Tausende von Jahren hindurch. Nichts war ja klarer. Immer war ich es, der starb, ob jetzt oder in zwanzig Jahren. Was mich in dem Moment ein bisschen in meiner Überlegung störte, war dieser furchtbare Schock, den ich bei dem Gedanken an zwanzig Jahre künftigen Lebens in mir fühlte. Aber ich brauchte ihn nur mit der Vorstellung zu unterdrücken, welche Gedanken ich in zwanzig Jahren haben würde, wenn ich trotzdem dahin kommen müsste. Wenn man stirbt, ist es egal, wie und wann, das war klar.


Und doch kommt einmal noch Leben in den zum Tode Verurteilten, nämlich als der Gefängnispriester ihn besucht und ihn zum Glauben bekehren möchte. In einer gewaltigen Zornesrede verweigert er sich der göttlichen Gnade und schleudert dem Priester eine Ode an die Gleichgültigkeit und Absurdität des Lebens entgegen, das nur in der reinen und unmittelbaren sinnlichen Erfahrung ein wenig Glück bereit hält. Und in der vollständigen Akzeptanz dieser Tatsache findet er am Ende seinen Frieden:

Als hätte diese große Wut mich vom Bösen geläutert, von Hoffnung entleert, öffnete ich mich angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne zum ersten Mal der zärtlichen Gleichgültigkeit der Welt.


Die Sprache, in der Camus uns diese Geschichte erzählt, ist schlicht, reduziert, beinahe mechanisch. Sie transportiert die Leidenschaftslosigkeit des Ich-Erzählers auf vollendete Weise. Das Leben besteht im ersten Teil ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Ereignissen und Handlungen, Reflexionen tauchen erst im zweiten Teil auf. Tatsächlich hat mich Meurseults Umgang mit der drohenden Hinrichtung ein wenig an die Philosophie der Stoa erinnert: auch die Stoiker üben sich darin, die schlimmsten Katastrophen gedanklich vorwegzunehmen und sich gleichzeitig innerlich darüber zu erheben. Was Meurseult natürlich von Epiktet unterscheidet, ist das völlige Fehlen von Werten und Moral. Das ist es, was ihn der Welt entfremdet, ihm aber gleichzeitig die Stärke verleiht, den Tatsachen nüchtern ins Gesicht zu blicken.

Ich war begeistert von der Erzählung und werde mir auf jeden Fall noch andere Romane von Camus zu Gemüte führen. Trotz der anfänglichen Monotonie der Ereignisse hat mich die Geschichte mit ihrer außergewöhnlichen Sprache schon sehr bald in ihren Bann gezogen und am Ende konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Von daher hatte ich das Buch auch innerhalb von zwei bis drei Tagen durch. (Das ist ohnehin meine größte Schwäche: Wenn ich einmal anfange zu lesen und das Buch mich packt, bin ich für nichts anderes mehr zu gebrauchen. Falls ihr also mal jemanden mit der Nase in einem e-Book-Reader völlig absorbiert durch München laufen seht, bin wahrscheinlich ich es.)

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 25.09.2017, 21:14                                  +/-

Herfried und Marina Münkler: Die neuen Deutschen

Vor einiger Zeit wurde dieses Buch mal in der Süddeutschen besprochen, dadurch bin ich darauf aufmerksam geworden. Herfried Münkler ist Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin, seine Frau Marina Münkler ist Professorin für Literaturwissenschaft an der TU Dresden. (Klingt nach einer gelungenen Wochenendehe!) In ihrem gemeinsamen Buch befassen sie sich mit der aktuellen Flüchtlingskrise, analysieren Ursachen und geschichtliche Hintergründe und entwickeln Ideen für mögliche Lösungsansätze. "Die neuen Deutschen" - das sind nicht nur die Flüchtlinge, sondern wir alle.

Das Buch hat 336 Seiten, liest sich aber recht flott und gut verständlich. Dennoch ist es nicht ganz einfach, den Inhalt auf den Punkt zu bringen. Kurz zusammengefasst lässt sich vielleicht sagen, dass die Münklers die Flüchtlingsfrage aus einer im Kern neoliberalen Grundhaltung heraus betrachten und eine gelungene Integrationspolitik als große Chance für eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Erneuerung propagieren. Sie folgen dabei dem Konzept des "Konvivalismus", das als eine "transformatorische Kunst des Zusammenlebens" verstanden wird: Alle verändern sich, um gut miteinander auszukommen. Ziel ist eine wechselseitige Integration aller in eine Einwanderungsgesellschaft, in der die Bürger ein gemeinsames Leitbild haben.

Um den roten Faden nicht zu verlieren, hangele ich mich jetzt einfach mal an den fünf Hauptkapiteln entlang:

1. Grenzen, Ströme, Kreisläufe - wie ordnet sich eine Gesellschaft?

Im ersten Kapitel beleuchten die Autoren die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Migration: die unterschiedlichen Lebensbedingungen des „globalen Nordens“ und des „globalen Südens“, aus denen sich die sogenannten Push- und Pull-Faktoren (also der Zwang, die Heimat zu verlassen, vs. die Aussicht auf ein besseres Leben) ergeben; die historische Notwendigkeit und Verbreitung von Arbeitsmigration; das Erstarken der Nationalstaaten (auch im Zuge der Arbeiterbewegung, die an einem geschlossenen Markt für das Angebot von Arbeitskraft interessiert war) und die Bedeutung von Stadt und Land im Zusammenhang mit der saisonalen oder dauerhaften Arbeitsmigration.

Schon in diesem Kapitel positionieren die Autoren sich klar und kritisieren die Versäumnisse einer fehlenden Einwanderungspolitik in Deutschland und Europa:
Zitat:
…die Europäer möchten eine geschlossene Gesellschaft, aber sie sind gezwungen, sie zu öffnen, und laufen damit Gefahr, die schlimmste und schizophrenste aller Entscheidungen zu treffen, das heißt, eine de facto offene Gesellschaft mit einer Politik zu verwalten, die für eine geschlossene Gesellschaft entworfen wurde.“

2. Der moderne Wohlfahrtsstaat, die offene Gesellschaft und der Umgang mit Migranten

Im zweiten Kapitel beleuchten die Münklers die Rolle des Sozialstaats für die Flüchtlingspolitik. Sie betonen, dass der moderne Wohlfahrtsstaat auf ein staatliches Kontrollregime angewiesen ist, eine Intensivierung dieses Kontrollsystems aber angesichts von 5-10 Mio. sich illegal in der EU aufhaltenden Menschen in keinem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis mehr stünde. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass die modernen Industriestaaten unter ihrer niedrigen Geburtenrate leiden und zur Aufrechterhaltung des deutschen Sozialstaats Zuwanderung unabdingbar sei. Unter dieser Prämisse könnte man die Kosten, die für die Ausbildung und Befähigung der Flüchtlinge aufgebracht werden müssen, auch als Investition in die Zukunft sehen.

3. Migrantenströme und Flüchtlingswellen: alte Werte, neue Normen, viele Erwartungen

Im dritten Kapitel bedienen sich die Autoren der Metaphorik des Strömens und geben dem Kanalisieren und Dämmen der Migration den Vorzug vor dem Blockieren und Absperren. Fluchtbewegungen lassen sich nur bedingt kontrollieren und steuern. Politische Fluchtursachen wurden allerdings erst seit dem 19. Jh. zahlenmäßig relevant, davor war Migration fast immer Arbeitsmigration. Eine klare Trennung zwischen politischen Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten ist in der heutigen Situation kaum je realistisch vorzunehmen, ebenso wenig wie sich Push- und Pull-Faktoren eindeutig voneinander differenzieren lassen. Die Autoren plädieren an dieser Stelle für einen effektiven Schutz der EU-Außengrenzen bei gleichzeitiger Schaffung legaler Wege nach Europa.

Am Beispiel von Wagners „Ring des Nibelungen“ und der biblischen Erzählung von Lot und der Vernichtung Sodoms beleuchten sie den Begriff des Gastrechts, um im nächsten Abschnitt zur Unterscheidung zwischen Menschenrechten, Solidarität und Barmherzigkeit überzuleiten: Die Menschenrechte greifen insbesondere dann, wenn es keinen Staat mehr gibt, der die Recht seiner Bürger verteidigen kann. Solidarität ist das Füreinander-Einstehen derer, die sich in tendenziell derselben Lage befinden (oder befinden könnten). In der aktuellen Situation geht es hingegen eher um Mitgefühl und Barmherzigkeit.

4. Deutschland, Europa und die Herausforderung durch die Flüchtlinge

Im vierten Kapitel betonen die Autoren zunächst die Bedeutung einer „Großerzählung“, also eines Zusammenhalt und Ordnung vermittelnden Narrativs, für Gesellschaften, die von ethnischer und religiöser Vielfalt geprägt sind. Die geographische Fokussierung der Flüchtlingsproteste im Osten führen sie unter anderem darauf zurück, dass die DDR ein sehr um seine ethnische Homogenität besorgtes Land war. Ausländische Soldaten oder Arbeiter wurden von der Bevölkerung strikt getrennt. („Die DDR war das deutscheste Deutschland, das es jemals gegeben hat.“) Zudem erlebten sich die neuen Bundesbürger zunächst – und häufig noch immer – selbst als Fremde in dem für sie neuen Land und ihr einziger Zugehörigkeitsanspruch bestand in ihrem Deutschsein.

Sie erläutern, dass der rechtsextremistische Terror die gesellschaftliche Mitte, die normalerweise dazu neigt, politische Ereignisse relativ gleichgültig hinzunehmen, letztendlich zwang, eine klare Gegenposition zu beziehen („Willkommenskultur“ als Gegendemonstration gegen brennende Asylbewerberheime). Die sich verschärfende Positionierung der jeweiligen Gruppierungen identifizieren die Autoren als einen Hauptgrund für die anhaltende Spaltung der Gesellschaft.

Der Angst vor „Überfremdung“ und muslimischen Parallelgesellschaften setzen die Autoren den optimistischen Blick einer Chance auf Erneuerung entgegen:
Fremde hingegen können auch eine Chance zur Erneuerung sein, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, weil sie innovative Impulse mitbringen, als auch im Hinblick auf die Verfügbarkeit bürgerschaftlicher Tugend, nämlich im eigenen Denken und Handeln stets das Gemeinwohl des Gesamtverbands im Auge zu behalten und ggf. den persönlichen Vorteil gegenüber dem Nutzen der Gemeinschaft hintanzustellen.

Nicht zuletzt verweisen die Autoren darauf, dass die Bundesregierung mit ihrer Entscheidung im Sommer 2015 nicht etwa „die Grenzen geöffnet“ hat, sondern im Gegenteil den offenen Schengenraum bewahren wollte. Die faktische Entsolidarisierung der EU jedoch und die mangelhafte Kommunikationspolitik der Regierung hätten die Sachlage weiter zugespitzt.

5. Aus Fremden "Deutsche" machen

Im fünften und letzten Kapitel entwickeln die Autoren einige Ideen für eine erfolgversprechende Integrationspolitik. Dabei formulieren sie eine Reihe von Imperativen und fünf Aspekte, durch die sich ihrer Meinung nach „Deutschsein“ definiert. Vergleichende Blicke nach Frankreich, Schweden und den Niederlande lassen die deutsche Integrationspolitik dabei durchaus hoffnungsvoll erscheinen: Gerade die Tatsache, dass dem deutschen Integrationssystem keine Ideologie und kein sorgfältig entwickelter Plan zugrundeliegt, sondern es in einem „Challenge-and-Response-Prozess“ entstanden ist, erweist sich als seine große Stärke, da es auf sich ändernde Anforderungen flexibel reagieren kann.

Hier zunächst die Imperative einer erfolgversprechenden Integrationspolitik:
    1. Verhindere die Entstehung von Parallelgesellschaften, also städtischer Räume, in denen sich kulturell Fremde ohne nennenswerte Sozialkontakte zu Alteingesessenen sammeln – und mit ihnen auch die sozialen Probleme ballen.

    2. Falls sich Parallelgesellschaften nicht vollständig vermeiden lassen, sorge dafür, dass diese eine biographische Durchgangsstation bleiben und nicht zum dauerhaften Aufenthaltsort werden. (Die Parallelgesellschaft kann auch als Vorbereitungsstadium der Integration verstanden werden, indem Fremdheit abgebaut wird, ohne dass sogleich die Verhaltensweisen und Wertmuster der Mehrheitsgesellschaft gänzlich übernommen werden.)

    3. Sorge für die Beteilung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Integrations- und Teilhabeprojekte für nicht berufstätige Frauen sind von besonderer Bedeutung, wenn man verhindern will, dass Parallelgesellschaften zur Sackgasse werden.

    4. Überwinde die räumliche und die schulische Trennung der Migranten von der übrigen Bevölkerung und nutze die Schulen als zentrales Integrationsfeld. Verteile die Kinder – unter Inkaufnahme längerer Schulwege – gleichmäßig auf die Schulen und fördere sie entsprechend, sodass sie sich von Beginn an mit ihren deutschsprachigen Mitschülern verständigen können.

    5. Schaffe und nutze geeignete Einwirkungsmöglichkeiten für Jugendliche, die für diese eine längerfristige Lebensplanung erstrebenswert machen.

    6. Suche nach sozialen Einflussgrößen (z.B. Arbeitslosigkeit oder „Resteverwertung“ von Wohnraum), die einen Rückzug auf die religiöse Identität verstärken.

    7. Kleinstädte sind für die Integration besser geeignet als Großstädte (ein Prozentsatz von 25-30‘% Zugewanderten sollte nicht überschritten werden). Die Nutzung von Leerständen ist durch gezielte Wohnungsbauprogramme zu ergänzen, die zu einem pfleglichen Umgang einladen. Formen des Respekts sind von beiden Seiten früh einzuüben.

    8. Halte die Regulation des Arbeitsmarktes so begrenzt wie möglich, da jede Form von Regulation die Alteingesessenen bevorzugt und die Neuankömmlinge benachteiligt.

    9. Sorge dafür, dass Diskriminierungserfahrungen, wenn sie sich schon nicht ganz verhindern lassen, auf wenige Ausnahmefälle beschränkt bleiben.

    10. Betrachte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nicht unabhängig von ihren zivilgesellschaftlichen Effekten (z.B. fehlender Zugang von nachgezogenen Familienmitgliedern zum Arbeitsmarkt).

    11. Schiebe irreversible Weichenstellungen (z.B. ein passives Sich-Einrichten in den Sozialsystemen) so weit wie möglich hinaus und halte das Zeitfenster des Reversiblen, des Spurwechsels und des Neuanfangs so lange wie möglich offen. (Hierfür sind objektive Evaluationsprogramme sinnvoll.)

Das Projekt, aus Fremden „Deutsche“ zu machen, muss auf den drei Ebenen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen erfolgreich sein, um als gelungen bezeichnet zu werden. Die fünf Merkmale des Deutschseins umfassen insofern auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und staatsbürgerliche Aspekte (ohne damit natürlich das Deutschsein qua Abstammung außer Kraft zu setzen):

(1) Überzeugung, für sich und die eigene Familie durch Arbeit (bzw. durch Vermögen) selbst sorgen zu können und nur in Not- und Ausnahmefällen auf Unterstützung durch die Solidargemeinschaft angewiesen zu sein (Bereitschaft zur Selbstsorge und Leistungswille).
(2) Grundannahme, dass man durch eigene Anstrengung die angestrebte persönliche Anerkennung und einen gewissen sozialen Aufstieg erreichten kann und dennoch im Notfall aufgefangen wird (Vertrauen auf die Solidargemeinschaft).
(3) Überzeugung, dass religiöser Glaube und seine Ausübung eine Privatangelegenheit sind, die im gesellschaftlichen Leben eine nachgeordnete Rolle zu spielen hat und in Beruf und Verwaltung bedeutungslos ist.
(4) Akzeptanz der Tatsache, dass die Entscheidung für eine bestimmte Lebensform und die Wahl des Lebenspartners in das individuelle Ermessen eines jeden Einzelnen fällt und nicht von der Familie vorgegeben wird.
(5) Bekenntnis zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Ich fand das Buch in vielfacher Hinsicht interessant und erhellend, insbesondere die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge der Migration waren mir in vielen Details vorher nicht bekannt. Allerdings trägt der Grundtenor des Buches sicher nicht unbedingt zur Entschärfung der gesellschaftlichen Debatte bei. Zwar nennen auch die Münklers kritische Aspekte der Flüchtlingsfrage, deren Risiken und Herausforderungen sowie politische Fehler der Vergangenheit beim Namen, die Gegner der Flüchtlingspolitik werden aber nur allzu rasch auf ihre Verliererrolle reduziert:

Der Kampf gegen die „Überfremdung“ kann auch als eine Rebellion des Provinziellen gegen das Urbane verstanden werden, als eine Reaktion der Erschöpften und Ermatteten, die das Tempo der modernen Welt nicht mitgehen können oder wollen und stattdessen der Vorstellung anhängen, es gebe Nischen, in die man sich zurückziehen könne – und dann werde alles beim Alten bleiben.

Die Vorstellung des Deutschseins als einem Ergebnis von Abstammung dient dem Selbstschutz derer, die sich vor einem Leistungsvergleich scheuen und keinerlei Konkurrenz ausgesetzt sein wollen, die Selbstprivilegisierung einer gealterten, erschöpften und müden Gesellschaft, die es sich in irgendeiner Nische bequem machen will und nicht gestört werden will.

Zudem bleiben die oben erwähnten Imperative natürlich recht schablonenhaft. Es würde sicher zu weit führen, von den Autoren ein ausgearbeitete Integrationsprogramm zu erwarten. Das ist zweifellos Aufgabe der Politik. Dennoch kam es mir an der einen oder anderen Stelle so vor, als sei das, was die Münklers da entwerfen, leichter gesagt als getan. Und der grundkapitalistische, leistungsorientierte Tenor, der an vielen Stellen durchschimmert, scheint mir den sozialen Problemen in diesem Land nicht immer gerecht zu werden. Dennoch kann ich mich der Grundthese des Buches anschließen:

Wer auf das Scheitern der Integration setzt, verliert in jedem Fall, und nur wer auf den Erfolg setzt, hat eine Gewinnchance.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 05.10.2017, 12:38                                  +/-

Kazuo Ishiguro hat den Nobelpreis für Literatur erhalten.
Schön finde ich die Begründung, die "starke emotionale Kraft" seiner Werke. Gerade nach Preisträgern wie z. B. Herta Müller, die ich damals für völlig fehl am Platz gehalten habe, finde ich das mal einen schönen Standpunkt:
Es ist nicht wichtig, wie der Künstler politisch steht (und wie sackenlangweilig er aufgrunddessen wohl zwingend notwendig schreiben muss ), sondern einfach, wie packend er es macht. Eine überraschend gradausige Begründung.

"Alles was wir geben mussten" fand ich ganz groß und hat mich auch gepackt, die Novelle "Das Jagdgewehr" habe ich noch gelesen. Jetzt wird man wohl durch die Buchgeschäfte und amazon drauf aufmerksam gemacht werden, was es da sonst noch alles zu entdecken gibt...


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"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 05.10.2017, 17:08                                  +/-

Euseppus
gradausige Begründung.

Alter, so bekommst du aber nie den Literaturnobelpreis.

Oder gerade doch?


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Pray for the people inside your head,
for they won't be there when you're dead.
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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 13.10.2017, 20:57                                  



Wie viele andere bin ich Moers-Fan, der alle seine Romane gelesen hat. "Das Labyrinth der träumenden Bücher" habe ich sogar einigermaßen goutieren können; da sind viele der Moers-Mythenmetzschen Qualitäten drin, aber anders als sonst, und viele Ideen, die ich sehr mochte.
Sein neues Buch wollte ich nun wirklich mögen.

Bitte nicht kaufen.
Und auch nicht lesen.
Das ist eines der schlechtestgeschriebenen Bücher, durch die ich mich je durchgequält habe.
Früher Eindruck während des Lesens:
Moers nicht ohne Lektor arbeiten lassen. Der Mann kann seine Tinte nicht halten. Der größte Teil des Buches besteht aus Dialogen zwischen der kranken, nicht schlafen könnenden Prinzessin und dem Nachtmahr, die alle unkomisch und vor allem um das Zehnfache zu lang sind. Moers schreibt selber, er hätte nur eine Kurzgeschichte schreiben wollen, es sei dann unbeabsichtigt ein Roman draus geworden. Genauso liest es sich: Ein Nichts an Plot, Inhalt und Idee, dass von jemandem breitgewalzt wird, der - pardon, das wird nun mutmaßerisch, subjektiv, und damit als ernsthafte Kritik irgendwo auch unseriös, aber genauso kam es bei mir an - verliebt in die eigene Schreibe ist. Die beiden Hauptfiguren sind in keiner Weise annähernd sympathisch oder interessant, genauso wenig ihr Verhältnis zueinander.

Der Nachtmahr tritt ja mit Dylia eine Reise in ihrem eigenen Hirn an, ins "dunkle Herz der Nacht", das er ihr noch zeigen will, bevor er sie in den Wahnsinn treiben will. Ab dem Moment, wo mir diese Plotidee klar wurde, hatte ich Schlimmstes befürchtet, und genau das trat ein: Das Beschriebene ist die einzige Idee des Buches, eine Nummernrevue aus verschiedenen Stationen des Hirnes, für die Moers fantasievolle Bilder findet. Nein, richtiger: Zu finden glaubt. Aber, gut, die kann man mögen oder nicht. Auf seiner kreativen Fantasiehöhe ist er da aber bestimmt nicht. Das Ganze ist zu keinem Zeitpunkt erschreckend/fantastisch/grausam/komisch/zärtlich oder Ähnliches, wofür man Moers-Romane schätzen kann. Es läuft so ab:
Dylia und der Nachtmahr stehen vor einer nächsten Station im Hirn. Bis dahin: Dialog, Dialog, Dialog. Der Nachtmahr, der eigentlich per Anlage eine spannende, mysteriöse, schwarzhumorige, etwas grausame und somit tolle Figur sein soll, kommt nicht dazu, diese Wirkung zu entfalten, weil er vor jeder Station in diesem Dialog eine ganz andere Aufgabe zugewiesen bekommt: Die des Erklärbären. "Nein!" "Doch!" "Oh!" auf jeweils 15 Seiten Dialog ausgewalzt. Moers muss als Erzähler denn auch die schlichtesten Schüleraufsatzkniffe anwenden, um Spannung aufkommen zu lassen, indem er Dylia sich schaudern und gruseln lässt, was da jetzt wohl kommt.
Was kommt dann: Eine nette Idee, aber "nett" allerhöchstens. Danach staunt Dylia, irre, was sie da erlebt hat, oder?, und wie fantastisch und unglaublich und schrecklich und schön das war. Nur schade, dass das keiner mitgekriegt hat. Moers muss es also schon heftigst behaupten.

Aber: Da gibbet ja noch den kräftigen Mindfuck, der uuunglaublich subtil vorbereitet wird, denn mehrfach will der Nachtmahr ja sagen, wer er in Wirklichkeit ist, näääämlich - - - aber dann kommt er nicht dazu.

SPOILER!!!!!

Und es ist dann die billigste Variante, die Star Trek schon in den 60ern erzählte und die man seitdem in unzähligen Variationen schon gelesen/gehört/gesehen hat:
Er ist halt nicht der Jahrmillionen alte Nachtmahr der schon in ebenso vielen Hirnen unterwegs war, sondern - nur ein nachtmahr-Schüler, der das zum ersten Mal macht. Wenns denn wenigstens gut erzählt wäre. Aber es ist leider leider SOOOOOO schlecht geschrieben.
Und das dunkle Herz der Nacht, das Ziel der Reise, ist dann einfach ein Loch, in das man fallen kann. Thats all.
Schlimmer aber noch der gesamte dramaturgische Bau: die Erzählung hat keine Prämisse, kein Ziel, kein "Was aber wird passieren, wenn?...!". Nur: Der Nachtmahr nimmt die Prinzessin mit auf eine Reise durch ihr Hirn. Nichts zum Mitfiebern oder Daumendrücken. Nur die bereits erwähnte Nummernrevue, die zu erwarten ist.
Am Schluss versucht Moers dann noch ganz schlimm dramatisch zu werden, indem er die Hammerpointe ausschlachtet mit "Mahr = noch 'n ganz Kleiner": Dylia, die als starke Figur erzählt wird, beginnt deswegen aus heiterem Himmel plötzlich komplett zu verzweifeln (weswegen? deswegen! warum? darum!) und will sich in das Loch stürzen. Ist null vorbereitet. Genausowenig wie dass der Nachtmahr sie dann davor rettet. Gibts keinen guten Grund dazu. Außer dass die beiden sich ständig mit den beiden einzigen langweiligen Ideen dafür gegenseitig beschimpft haben, wurde da keine Bindung aufgebaut.

Es gibt einfach, und das ist das Schlimme, während des Lesens einfach keinen einzigen Grund dafür, es weiterzulesen. Die Figuren gehen zumindest mir am Arsch vorbei, Handlung gibt es keine (!), Fantasie und Humor sind Fehlanzeige und es ist wirklich, wirklich, wirklich schlecht geschrieben.
Natürlich berührt die Hintergrundstory, dass Dylia für die Malerin Lydia steht, die Moers über seine Romane kennenlernte, die selbst an dieser Erschöpfungskrankheit leidet, eine furchtbar üble Sache; aber eine innere reiche Welt lässt sie ihr Schicksal tragen, und dafür steht Prinzessin Dylia in der Geschichte, und die echte Lydia hat die Bilder dazu gemalt, und die haben mir auch gefallen.

Nur LESEN sollte man das wirklich nicht.

Ich habe es nur zu Ende gelesen (im Jeden-Abend-20-Seiten-Durcharbeit-Modus), weil ich einfach voller Unglauben darüber war, dass ich hier wirklich drauf und dran war, einen Moers (!) ungelesen wieder ins Regal zu stellen.

Wüsste man nicht, dass das Buch von Moers ist, könnte man es für ein Werk einer ambitionierten Germanistikstudentin halten, die das selber für ganz toll hält, was sie da schreibt.

Null irgendwelche Viecher, die im Hirn wohnen, von zehn.

Gepostet am 13.10.2017, 22:20:

Bezeichnend ist übrigens auch, dass die 1-Stern-Kritiken bei amazon alle sehr gut geschrieben sind, wo die 5-Sterne-Rezensionen nur schreiben "Na, das fand ich aber schön das alles irgendwie so."

Nimrod Kelev-rah findet hier noch einige sehr gute Punkte:

Ich muss etwas korrigieren: Die Idee würde funktionieren, wenn es mehr Handlung gäbe. Die Handlung hier ist aber: Wir laufen durch. Jawohl. Das ist es. Wir laufen durchs Gehirn. Und Moers macht den größten Fehler, den er in meinen Augen machen konnte: Er fängt an seine Ideen und Bilder zu erklären.

Solche Bilder funktionieren, weil sie ein Bild durch ein anderes ersetzen. Man redet von etwas und meint eigentlich etwas anderes. Das Bild muss clever sein, damit jeder versteht, was eigentlich gemeint ist. Und wenn ein guter Autor, wie Moers eigentlich einer ist, damit arbeitet, dann schafft er es Bilder zu erfinden, die der Leser begreift. Doch weil dies nun einmal keine Kurzgeschichte ist, sondern ein Roman mit über 300 großformatigen Seiten, lässt er seine Bilder nicht für sich alleine sprechen: Er erklärt sie. Er erklärt jedes kleinste Detail.

Die Figuren stoßen auf einen cleveren Einfall: Lieber Leser, lass mich dir genau erklären, was du hier siehst, wie mein Bild funktioniert und dann lass die Figuren noch ein paar Seiten lang darüber reden.

Oh, die Protagonisten geraten in Gefahr? Nun, lass uns erst mal erklären, was hier nun genau passiert und dann lass die Figuren darüber reden. Wir bannen dann mal kurz die Gefahr, damit wir erklären können, wie genau die Gefahr gebannt wurde und damit die Figuren darüber reden können.

Diese Reise durch Dylias Gehirn ist so spannend wie eine Bedienungsanleitung.

Das sind ein paar gute Ideen, wie zum Beispiel die Seitenhiebe auf Bürokratie und Beamten, aber es fühlt sich an, als läge man in einem wachkomaartigen Halbschlaf, und dann und wann piekst einer dich mit einer Nadel, was dich kurz aufschrecken lässt, nur um dich zurück in die Lethargie fallen zu lassen.

Jeder Punkt in der Handlung, der auch nur einen Hauch von Spannung verspricht, wird komplett ruiniert durch die endlosen Erklärungen und das endlose Gelaber der Figuren. Jede Idee, jedes Wortspiel wird durchgekaut wie Kaugummi, lang gezogen, von allen Seiten betrachtet und noch mal durchgekaut.

Zum Ende dieses Buches war ich nah dran einzuschlafen. Ich wollte dieses Buch so gerne zuschlagen und an die Wand pfeffern. Es war geradezu hypnotisierend einschläfernd. Ich war nicht mal mehr daran interessiert, wie die Geschichte ausgeht. Alles was ich wollte war, dass das Elend ein Ende hat!

Das Ende übrigens, - abgesehen davon, dass sie das dunkle Herz der Nacht nur kurz ansehen und dann wieder gehen …. (*bitte frustrierten Schrei hier einsetzen*) - soll einen Twist beinhalten und wohl auch berührend sein. Glaube ich. Denn ich wollte nur noch, dass die Figuren endlich die Klappe halten.


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 17.10.2017, 21:02                                  +/-

Alice Munro - Der Traum meiner Mutter

Seit Alice Munro 2013 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat, hatte ich mir vorgenommen, mal etwas von ihr zu lesen. Dass sie keine Romane schreibt, sondern ihr Werk aus Erzählungen und Kurzgeschichten besteht, fand ich besonders interessant und es erleichtert auch den Einstieg ins Lesen.

"Der Traum meiner Mutter" umfasst vier in sich abgeschlossene Erzählungen. Die Titelgeschichte handelt von der jungen Violinistin Jill, deren Mann während der letzten Kriegswochen 1945 bei einem Übungsflug über Irland ums Leben gekommen ist. Sie selbst lebt, zu diesem Zeitpunkt bereits hochschwanger, bei ihrer Schwiegermutter und ihren beiden Schwägerinnen in Ontario, einer ihr emotional völlig fremden Welt. Erzählt wird die Geschichte - und das ist wirklich originell - aus der Perspektive der Tochter, des Babys. Was dann folgt, ist ein existentieller Machtkampf zwischen Mutter und Tochter, denn das Baby schreit ununterbrochen, außer wenn seine Tante Iona sich seiner annimmt. Es schreit ganz besonders, wenn seine Mutter versucht, sich ihm zu nähern, und am allerschlimmsten schreit es, wenn sie versucht, auf ihrer Geige zu spielen:

Ich erwachte ohne ein Wimmern der Unzufriedenheit. Keine Warnung, keine Steigerung. Nur ein schrilles Kreischen, ein Wasserfall aus Gekreisch ging auf das Haus nieder, anders als alle Schreie, die ich bislang zustande gebracht hatte. Die Entfesselung einer neuen Flut unerwarteter Seelenqual, ein Leid, das mit seinen Wellen voller Steine die Welt bestrafte, ein Schwall des Schmerzes wie aus den Fenstern einer Folterkammer.

Tante Iona, die dem Typus einer frustrierten, alten Jungfer entspricht, genießt ihre Machtposition, aber der Tag wird kommen, an dem sie verreisen muss und Jill für rund 36 Stunden mit ihrem Baby allein bleibt, den "Hackebeilschreien" ihrer Tochter hilflos ausgeliefert. Dieser Tag wird zu einer Art Showdown, und tatsächlich wird es ein Kampf auf Leben und Tod...

Die Geschichte ist - wie auch die nachfolgenden drei Geschichten - fantastisch geschrieben mit starken, drastischen Bildern, die unmittelbar unter die Haut gehen. Noch nie zuvor habe ich einen Text gelesen, der sich so offensiv mit Babygeschrei auseinandersetzt - die dazugehörigen Passagen dürften einigen der geplagten Eltern in diesem Forum aus der Seele sprechen:

Was hat Säuglingsgeschrei an sich, das ihm solche Macht verleiht, die Kraft, unsere Ordnung, von der wir abhängig sind, einzureißen, die innere und die äußere? Es ist wie ein Unwetter - durchdringend, theatralisch, doch dabei rein und ungekünstelt. Es ist eher vorwurfsvoll als flehentlich - es entspringt einer Empörung, die sich nicht besänftigen lässt, einer Empörung, zu der die Geburt berechtigt und die weder Liebe noch Mitleid kennt, die es darauf anlegt, uns das Gehirn im Schädel zu zertrümmern.


Auch in den anderen drei Geschichten spielen Frauen die Hauptrolle und in allen geht es um Beziehungen und deren subtil schwelende Dynamik. In "Die Kinder bleiben hier" steht eine junge Mutter während des gemeinsamen Sommerurlaubs mit Mann, Kindern und Schwiegereltern vor der Entscheidung, mit ihrem Liebhaber aus der Laientheatergruppe durchzubrennen. "Stinkreich" erzählt von der pubertären Liebe eines Mädchens zum ehemaligen Geliebten ihrer Mutter (und die Rivalität zu dessen Ehefrau). Und "Vor dem Wandel" kreist um die Beziehung einer Studentin mit abgebrochenem Studium zu ihrem Vater, einem Provinzarzt, der in seiner Praxis illegale Abtreibungen durchführt, das Ganze erzählt in fiktiven Briefen an einen früheren Geliebten der jungen Frau.

Ich kann Alice Munro allen, die gerne lesen und ein gewisses Faible für moderne Literatur mitbringen, nur wärmstens empfehlen. Die Geschichten lesen sich leicht und mühelos, die Sprache ist brillant in ihrer treffsicheren, unverschnörkelten Nüchternheit und die Handlung der Geschichten zieht einen schnell in ihren Bann. Und im Nachwort des Taschenbuchs, das ich besitze, steht noch eine sehr schöne und treffende Beschreibung, die ich keinesfalls besser wiedergeben könnte. Die Verfasserin Judith Hermann nimmt hierbei Bezug auf den Vorwurf, dass Alice Munro inhaltlich "im Genre der britischen Mittelklasse-Desillusionierungen" bleibe, und hält diesem

... das sicherlich kalkuliert Formale ihrer Texte, ihre Kunstfertigkeit, die Handlung kriminalromanhaft zu verrätseln und blinde Spuren zu legen, die Zeiten und Perspektiven zu wechseln, das Faktische in der Schwebe und jeden Ausgang offen zu halten, ihre Gabe, die Hauptfiguren durch die Nebenfiguren völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen und die dramatischen Brüche gänzlich beiläufig und selbstverständlich zu präsentieren

entgegen.

9/10 brennende Brautschleier (Da ich noch ziemlich am Anfang meiner Lesereise bin, brauche ich noch ein wenig Luft nach oben.)

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BeitragVerfasst am: 04.12.2017, 19:23                                  +/-

Ulrich Clement: Systemische Sexualtherapie



UND

Ulrich Clement: Guter Sex trotz Liebe. Wege aus der verkehrsberuhigten Zone.



Zwar bin ich beruflich woanders verortet, doch schon von jeher galt mein besonderes Interesse im Feld der Psychologie der Paar- und Sexualtherapie. In den letzten Jahren habe ich dazu eine Menge gelesen und mittlerweile fast alle Koryphäen, die es insbesondere auf dem Feld der systemischen Paar- und Sexualtherapie derzeit zu verorten gibt, persönlich kennen gelernt. Vor ein paar Jahren war ich auf einem Workshop mit David Schnarch, im Jahr darauf war es Arnold Retzer und im Frühjahr bin ich zu einem Seminar bei Ulrich Clement angemeldet. (Während ich das aufschreibe, fällt mir gerade auf, dass mal wieder keine einzige Frau dabei ist.)

Passend zur bevorstehenden Weiterbildung habe ich letztens zwei Bücher von Ulrich Clement gelesen, das eine eher ein praktisches Selbsthilfebuch für Paare („Guter Sex trotz Liebe – Wege aus der verkehrsberuhigten Zone“) und das andere ein Fachbuch mit dem Titel „Systemische Sexualtherapie“. Obwohl ersteres eine inspirierende Fülle an diagnostischen Tests und praktischen Anleitungen enthielt, hat mir das Fachbuch doch deutlich besser gefallen, weil es stärker in die Tiefe ging und mit mehr Hintergrundwissen aufwarten konnte. Daher werde ich mich im Folgenden vor allem auf das Fachbuch beziehen.

Clement entwickelt seine systemische Sexualtherapie in klarer Abgrenzung zu der seinerzeit bahnbrechenden Sensate-focus-Therapie von Masters & Johnson. Die beiden „Urahnen“ der modernen Sexualtherapie untersuchten als erste die physiologischen Eigenarten des sexuellen Reaktionszyklus. Sexuelle Schwierigkeiten betrachteten sie als eine Funktionsstörung, eine Abweichung vom idealtypischen Reaktionszyklus, und suchten diese durch eine abgestufte Entspannungstherapie zu behandeln, bei der die durch Angst und Anspannung gehemmten Reaktionen allmählich wieder freigelegt werden sollten.

Der Paradigmenwechsel der systemischen Sexualtherapie besteht nun darin, der Polarität aus „Können“ und „Nicht-Können“ von Masters & Johnson den Gegensatz von „Wollen“ und „Nicht-Wollen“ entgegenzuhalten. Viel bedeutsamer als die rein physiologische Funktion, so Clement, sei die Bedeutung, die dieser gegeben werde. Da Sexualität sich vorwiegend in einem kommunikativen Kontext entfalte, könne man auch alle sexuellen Handlungen und physiologischen Reaktionen kommunikativ verstehen. An einer Stelle differenziert er beispielsweise ganz klar zwischen Impotenz und Erektionsstörungen: Die Erektionsstörung sei ein Sachverhalt, Impotenz hingegen sei die Bedeutung, die diesem Sachverhalt gegeben werde. (Clement vertritt ganz klar die These, dass selbst ein Mann mit Erektionsstörungen sexuell potent agieren kann.)

Die klassische Sexualtherapie wird bei Clement – ebenso wie bei David Schnarch – abgelöst von einer Sexualtherapie des Begehrens. Diese stellt nicht die sexuelle Funktion der beiden Partner in den Fokus, sondern deren erotische Entwicklung. Die sexuelle Funktionsstörung wird im Rahmen einer Sexualtherapie des Begehrens zu einem „So-Nicht“, einem Etwas-Anderes-Wollen. Die sexuelle Differenz der Partner, also das Spannungsfeld zwischen der individuellen Sexualität der beiden Partner und der partnerschaftlichen Sexualität, auf die sich ein Paar geeinigt hat, macht die zentrale Dynamik des sexuellen Begehrens aus. Sexuelles Begehren gilt dabei als ambivalent. Sex ist nicht per se „gut“ und mit lustvollen Gefühlen verbunden, sondern kann auch „böse“ sein und das gesamte Spektrum an Emotionen beinhalten. Die gemeinsame Kreation eines sexuellen Symptoms oder die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner werden als Lösungsversuche verstanden, um die Bedrohung der Paarbeziehung durch die sexuelle Differenz der beiden Partner zu bewältigen.

Ausweg aus dem beschriebenen Dilemma stellt das Differenzierungskonzept nach David Schnarch dar. Dieses beruht auf der Fähigkeit, Autonomie-Bestrebungen und das Bedürfnis nach emotionaler Nähe in Einklang zu bringen. Differenzierte Paare sind in der Lage, sich ihrem Partner offen zu zeigen und ihn so zu sehen, wie er sich zeigt, ohne dabei auf seine Bestätigung und Anerkennung angewiesen zu sein. Sie sind fähig, ihre eigenen Ängste zu regulieren und sich von den Ängsten des Partners nicht manipulieren zu lassen, und sie sind bereit, für die persönliche Entwicklung Schmerzen zu tolerieren.

Clement erläutert dieses Konzept mit deutlich weniger Pathos als David Schnarch, und anders als dieser stellt er die Beibehaltung der monogamen Beziehung nicht als das einzig erstrebenswerte Beziehungsmodell dar. Bei Clement findet die berühmte systemische Konstrukt- und Veränderungsneutralität ihren Niederschlag darin, dass die Optionen der Trennung oder der Öffnung einer Beziehung für andere Sexualpartner gleichberechtigt neben der von Schnarch favorisierten Lösung stehen. Ich persönlich fand diese nüchtern-pragmatische Herangehensweise ungemein wohltuend, fühlte ich mich doch mit dem Schnarch’schen Ansatz, der ständig von „Starkstromsex“ spricht, Sexualität zur existentiellen Herausforderung erklärt und sie in eine Reihe mit Spiritualität und Tod stellt, streckenweise hoffnungslos überfordert. Eine Nummer kleiner tut’s auch!

In den nachfolgenden beiden Abschnitten seines Buches stellt Clement dann die Techniken der systemischen Sexualtherapie dar. Er erläutert die Tücken der Auftragsklärung, denn wenn es darum geht, Therapieziele festzulegen, balanciert der Therapeut auf dem schmalen Grat zwischen Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit, Ironie und Pathos, sorgfältig darauf bedacht, seine Neutralität zu wahren (Sex zu wollen ist nicht automatisch „besser“ als keinen zu wollen) und die Veränderungsambivalenz seiner Klienten auszubalancieren (die meisten Paare wünschen sich zwar eine Veränderung, möchten jedoch das Risiko und den Preis vermeiden, der damit verbunden ist). Im weiteren Prozess darf der Therapeut nicht in die Falle tappen, sich subtil mit einem der beiden Partner zu verbünden, muss erkennen, wann die Hoffnung auf Veränderung zu einem Teil des Problems wird, und muss elegant zwischen Ernst und Spiel hin und her jonglieren. All das würzt Clement mit praktischen Fallbeispielen und zahlreichen Dialogen aus dem therapeutischen Prozess.

Wie gesagt: Ich fand das Fachbuch wesentlich interessanter und auch besser geschrieben als das Selbsthilfebuch für Paare. Die Übungen, die Clement vorschlägt, finden sich allerdings zum großen Teil in beiden Büchern, und wer nach ein paar konkreten Impulsen und Anregungen sucht, um das eigene Liebesleben zu beleben, ist sicher mit dem Ratgeber besser bedient.

Die zentrale Übung bei Clement ist übrigens das so genannte „Ideale sexuelle Szenario“ (kurz ISS genannt). Bei dieser Übung setzen sich die beiden Partner getrennt voneinander hin und beschreiben eine für sie maximal befriedigende erotische Szene unter der Prämisse, dass sie keinerlei Rücksicht auf die Wünsche des Partners nehmen müssen. Wichtig: Das Szenario darf dem Partner zunächst nicht gezeigt werden, es verschwindet in einem verschlossenen Umschlag. Erst dann beginnt zwischen den beiden die Verhandlung, ob die Umschläge geöffnet und die Szenarien einander gezeigt werden. Es kann auch dabei bleiben, dass dies nicht geschieht oder dass nur einer von beiden „blank zieht“. Clement betont an dieser Stelle, wie wichtig es ist, die Klienten zu nichts zu drängen. Denn wer sein erotisches Profil einmal offenbart hat, kann nicht mehr dahinter zurück.

Ein wirklich gutes Buch, nicht so aufwühlend und durchrüttelnd, wie es das von Schnarch mit seinem typisch amerikanischen Pathos einst für mich war, aber klug und prägnant auf den Punkt.

8/10 verschlossene Umschläge

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 06.12.2017, 20:56                                  +/-

Gustave Flaubert: Madame Bovary (in der Übersetzung von Elisabeth Edl)



Madame Bovary, das war doch - na klar! - diese Geschichte, dings! ... also irgendwas mit Ehebruch und Selbstmord. Wie bei Anna Karenina. Oder?

Ich geb's zu: Ich kannte Madame Bovary nicht und hatte auch keine einzige der unzähligen Verfilmungen des Romans gesehen. Von daher hatte ich im Grunde keine Ahnung, worum es in diesem Roman geht. Aber mir war eine uralte Rezension der ZEIT im Gedächtnis geblieben, in der man die Neuübersetzung des Romans durch Elisabeth Edl in den höchsten Tönen gelobt hatte. Darin hieß es, dass Flaubert den Klang und die Wortmelodie seiner Sätze unglaublich ernst genommen habe. Er habe seine Texte geradezu komponiert und endlos nach dem passenden Begriff gesucht, der sich endlich in das Gesamtkunstwerk seines Satzes harmonisch einfügte. Das ließ mich aufhorchen, kannte ich doch eine ähnliche Tendenz von meinen eigenen Schreibversuchen. Und da nun - laut ZEIT - die Übersetzung von Elisabeth Edl die einzige sei, die zur großen Bewunderung des Rezensenten nicht nur versucht habe, die sprachliche Qualität Flauberts im Deutschen nachzuvollziehen, sondern der es auch gelungen sei, war für mich klar: Irgendwann muss ich das Buch wohl mal lesen. Und nun war es so weit.

Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Hübsche Tochter eines Landwirts heiratet in der Hoffnung auf eine gute Partie einen Sanitätsbeamten, nur um dann festzustellen, dass sie neben dem zwar redlichen, aber schlichten Ehegatten vor Langeweile fast eingeht. Hinzu kommt, dass das kleinbürgerliche Leben, das die beiden führen, weit entfernt ist von jeden sagenhaften Romanzen und Liebesabenteuern, von denen Madame Bovary als junges Mädchen in ihren Romanen gelesen hat. Sie lässt sich auf zwei unglückliche Affären ein, in deren Verlauf sie sich hoch verschuldet, und entscheidet sich am Ende für den Freitod durch Zyankali. Der bis weit über ihren Tod hinaus gnadenlos in sie verliebte Ehegatte stirbt an gebrochenem Herzen und das gemeinsame Töchterlein sieht einem düsteren, da mittellosen Schicksal entgegen.

Dass Flauberts Roman in seinem erbarmungslosen Realismus als Meilenstein der Literaturgeschichte gilt, wollte sich mir beim Lesen zunächst nicht so recht erschließen. Sicher, sprachlich gab es nicht das Geringste auszusetzen. Flaubert formuliert formschön, nüchtern und treffend, aber die ellenlangen Landschaftsbeschreibungen waren bisweilen doch etwas ermüdend, die Handlung vermochte mich nicht so recht zu fesseln und die Figuren blieben fast alle durchweg unsympathisch. Und doch hatte die Gesamtkomposition etwas an sich, das mich dran bleiben und dann doch relativ schnell zu Ende lesen ließ. Gut, vielleicht war die Wahl der Übersetzung insofern nicht ganz günstig, als der Text gespickt war mit Fußnoten und ich auf meinem E-Book-Reader der Versuchung erlag, am Ende eines jeden Kapitels zu den entsprechenden Ausführungen zu hüpfen. Das bot zwar literarisch hochinteressante Hintergrundinformationen, unterbrach aber jedes Mal den Lesefluss und mochte mit dafür verantwortlich gewesen sein, dass ich nicht so ganz reinkam.

Wirklich spannend fand ich aber den Umstand, dass Flaubert wegen dieses Romans vor Gericht gestanden hatte wegen Verletzung der öffentlichen Moral und Religion. Man warf ihm vor, mit seinem Roman zur Unzucht aufgerufen und seine weiblichen Leserinnen zur Sünde verführt zu haben. In der Ausgabe, die ich gelesen hatte, waren sowohl das Plädoyer der Staatsanwaltschaft als auch das des Verteidigers vollständig enthalten, und diesen Disput zu verfolgen, war mindestens ebenso interessant wie die Geschichte selbst. Flaubert wurde letztendlich freigesprochen, da sein Anwalt überzeugend darlegen konnte, dass es ihm einzig darum gegangen sei, vor dem unseligen Einfluss zu warnen, den die falsche Erziehung (und die falsche Lektüre) auf das Gemüt von Frauen der niederen Schichten haben könne, da diese unstandesgemäße Sehnsüchte und Erwartungen in ihnen wecken mochte.

Letztlich ist es Flauberts nüchterner, nicht anteilnehmender Erzählstil, sein sachlicher - wenngleich in poetische Wortwahl gekleideter - Realismus, der die revolutionäre Innovation seines Werkes ausmachte. Das gab es in dieser Form bis dato nicht und wohl auch deshalb erschien das Erzählte einem Teil der Leserschaft so skandalös. (Unnötig zu erwähnen, dass der Skandal schon damals die Verkaufszahlen nach oben trieb.)

Hochinteressant fand ich auch die Anmerkungen der Übersetzerin und ich hatte tatsächlich am Ende einen Heidenrespekt vor ihrer Leistung als auch vor der Flauberts, der nicht nur seine Sätze meisterlich konstruiert, sondern auch im Hinblick auf Sprachebene und Doppelsinn nichts in seiner Erzählung dem Zufall überlässt. Ich möchte mal nur ein Beispiel darlegen; Elisabeth Edl zitiert hier das französische Original mit einer Szene aus den frühen Passagen der Geschichte:

Madame Bovary, quand elle fut dans la cuisine, s'approcha da la cheminée. Du bout de ses deux doigts, elle prit s robe à la hauteur du genou, et, l'ayant ainsi remontée jusqu'aux chevilles, elle tendit à la flamme, per-dessus le gigot qui tournait, son pied chaussé d'une bottine noire."

Die Übersetzerin weist darauf hin, dass in dieser Passage der erste, voyeuristische Blick nachgezeichnet wird, den Madame Bovarys zukünftiger Liebhaber Léon auf die ihm noch unbekannte, attraktive Frau wirft. Die Wortstellung folge dabei exakt dem Blick des Mannes auf die Frau - beginnend mit der Wahrnehmung der näher kommenden Emma Bovary (über das Gesicht), am Oberkörper hinab zur Hand, zu den Fingern, die kokett den Kleidersaum nach oben ziehen, über das Bein im Flammenschein hinab hin zum entblößten Knöchel und dem eleganten Stiefelchen.

Diese Abfolge galt es nun in der deutschen Übersetzung nachzubilden, was durch die deutsche Syntax massiv erschwert wird (als Beispiel nun eine ältere Übersetzung):

Ernst Sander
Als Madame Bovary in die Küche kam, trat sie gleich an den Herd. Mit zwei Fingerspitzen faßte sie ihr Kleid in der Kniegegend, zog es bis zu den Knöcheln herauf und wärmte ihre mit schwarzledernen Stiefeln bekleideten Füße an der Glut, in der die Hammelkeule am Spieße briet.

Wo vorher der Blick an Fuß und Schuh hängen blieb, dreht sich nun die Hammelkeule. Andere Versionen schaffen es zumindest, Feuer und Glut in den Fokus zu stellen:

Maria Dessauer
Als sie in die Küche getreten war, ging Madame Bovary zum Kamin. Mit zwei Fingerspitzen faßte sie ihr Kleid in Kniehöhe, zoge es bis zu den Knöcheln hoch und hielt über die sich am Bratspieß drehende Hammelkeule hinweg ihren mit einem schwarzen Halbstiefel bekleideten Fuß der Flamme entgegen.

Elisabeth Edl hingegen scheint als erste Übersetzerin überhaupt die Notwendigkeit der korrekten Blickführung erkannt zu haben und fand schließlich auch eine Lösung:

Elisabeth Edl
Als Madame Bovary in der Küche war, trat sie an den Kamin. Mit zwei Fingerspitzen ergriff sie ihr Kleid in der Höhe des Knies, zog es hinauf bis zu den Knöcheln, und so, nah der Flamme, über der sich drehenden Lammkeule, wärmte sie ihren Fuß in seinem schwarzen Stiefelchen.

Alles in allem war ich von der Auseinandersetzung mit diesem Roman aus dem 19. Jahrhundert dann doch recht fasziniert, empfehle aber aus den genannten Gründen tatsächlich die vorliegende moderne Übersetzung mit ihren Anhängen.

7/10 zärtliche Worte und Küsse, die im Wind verwehten

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BeitragVerfasst am: 07.12.2017, 09:05                                  +/-

Sie lässt sich auf zwei unglückliche Affären ein, in deren Verlauf sie sich hoch verschuldet, und entscheidet sich am Ende für den Freitod durch Zyankali. Der bis weit über ihren Tod hinaus gnadenlos in sie verliebte Ehegatte stirbt an gebrochenem Herzen und das gemeinsame Töchterlein sieht einem düsteren, da mittellosen Schicksal entgegen.




Gepostet am 07.12.2017, 09:10:

Davon abgesehen lese ich deine Buchbesprechungen aber wirklich gern, Arianrhod Smilie


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 07.12.2017, 19:32                                  +/-

Ich wollt nur mal schauen, ob überhaupt irgendjemand meine Beiträge liest. Smilie

Nein, Spaß beiseite, ich dachte, bei diesem ollen Schmöker wäre es nicht schlimm, das Ende zu verraten. Dass die Gute am Ende Selbstmord begeht, war selbst mir schon bekannt, und das Schicksal des Witwers und der Waisen wird relativ schnell und beiläufig abgehandelt, das ist dann gar kein dramaturgischer Höhepunkt mehr.

Was den Suizid angeht, so ist der übrigens ausgesprochen ausführlich beschrieben. Madame Bovary ist nämlich nicht sofort tot, sondern geht viele Seiten lang am eingenommenen Gift zugrunde - inclusive letzter Ölung, die noch einmal Emmas wollüstige Sehnsucht zelebriert. (Lange bevor Madame sich der Männerwelt zuwandte, fand ihre Wollust nämlich in der Hingabe an den Herrn einen frühen Ausdruck.)

Ich schreibe diese Buchbesprechungen schon auch für mich selbst, um den Inhalt der gelesenen Bücher noch einmal zu rekapitulieren und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachschlagen zu können. Dass ich damit hier im Fahrrad-, Serien- und Fußball-Universum nicht gerade offene Türen einrenne, ist mir klar - und wen es nicht interessiert, der muss es ja nicht lesen. Umso mehr freut es mich, wenn sich dann doch mal jemand zu Wort meldet. Danke, Oxford!

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BeitragVerfasst am: 08.12.2017, 08:36                                  +/-

Ich hab auch schon deine Renzension der Sexualtherapiebücher mit Interesse gelesen grins Du schreibt aber auch so gut, dass es einfach Spaß macht, deine Beiträge zu lesen. Fast schon unabhängig vom Inhalt.


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BeitragVerfasst am: 08.12.2017, 11:40                                  +/-

Ich komm einfach nicht über Sexualtherapeut David Schnarch weg.


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BeitragVerfasst am: 08.12.2017, 19:07                                  +/-

@pk: Ging mir ähnlich, aber man gewöhnt sich dran. (Und natürlich wird er "Schnork" ausgesprochen. Ich sag aber immer "Schnarch", wenn ich von ihm rede, ist irgendwie knuffiger.)

@Oxford: Auf Wunsch kann ich natürlich gerne mal die eine oder andere sexualtherapeutische Übung hier näher darlegen.
Und danke für das tolle Kompliment - das freut mich wirklich sehr!

Edit: Das nächste Buch, das ich in der Mache habe, ist übrigens wieder ein Sachbuch: "Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens" von Mithu M. Sanyal.

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