Tylers Kneipe Foren-Übersicht Tylers Kneipe

 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste     RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 
Zum ChatSkypen

Western mit und ohne John Wayne
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11  Weiter Alle
 
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Moving Movies
 
 
Autor Nachricht
Tyler Durden
Administrator


Beiträge: 23305
Wörter pro Beitrag: 48

Private Nachricht senden E-Mail senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 02.01.2019, 09:17                                  +/-

Warg
Ich schaue ja normalerweise keine Tatorts, bis auf ab und an ein Team: nein, nicht den Münster-Tatort, sondern den aus Weimar mit Ulmen und Tschirner. Gestern spielte die Folge in einer Western-Stadt und war randvoll mit Parodien und Fingerzeige auf diverse Western, u.a. (was mich in der Vorschau getriggert hat) mit der legendären Szene aus Vier Fäuste für ein Halleluja:


Wait ... Ulmen und die Tschirner sind ein Tatort-Ermittlerpärchen? Seit, googledigoogle, seit 2013? Wieso sagt mir das niemand??


_________________
Actually, throughout my life, my two greatest assets have been mental stability and being, like, really smart.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46516
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 02.01.2019, 09:19                                  +/-

LÖL

@Warg: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein PK einen Tatort schauen wird.


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 02.01.2019, 16:18                                  +/-

Die nuscheln so... den Ulmen versteht ich fast nicht.

Und natürlich Western = Italowestern, wie immer. Mag noch irgendjemand außer mir und den Coens den alten US-Western??


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 02.01.2019, 20:33                                  +/-

Diese Dialoge...

Forensikerin: Die Kopfwunde war wohl tödlich
Kommisarin: Hammer?
Forensikerin: Ne, eher ein stumpfer Gegenstand, wie ein kleines Beil.

Hä?? Ein Hammer ist ja wohl die Lexikonbebilderung von "stumpfer Gegenstand". Und ein Beil wohl gerade nicht. Alter, was labern die?


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 04.02.2019, 17:21                                  

Und chronologisch geht es weiter, es liegen hier noch ein paar DVDs rum.



The wild bunch (1969)

Der Name ist ein bisschen ein Schwindel, denn es geht um zwei dreckige Haufen, nicht nur einen - eine Gruppe von Revolverschwingern jagt im Auftrag der Eisenbahn eine andere Gruppe von Revolverschwingern, die besonders gerne Eisenbahnen überfallen. Die Anführer der beiden Gruppen waren mal best buddies, damals, als der Westen noch frei und weit war, aber stehen nun auf verschiedenen Seiten. Man jagt sich durch die Wüste und landet irgendwann in Mexiko, gerät zwischen die Fronten des dort wütenden Bürgerkriegs, und dann wird es richtig übel.

Ein filmhistorisch wichtiger Film, war er doch der erste richtig "dreckige" US-Western. Sam Peckinpah wollte die Italo-Western offenbar mit ihren eigenen Waffen schlagen: Zynismus, Schmutz, Schweiß und exzessive Gewalt. Und das hat er gemacht, aber ordentlich. Das über zwei Stunden lange Epos ist einer der gewalttätigsten Western, die ich kenne, sicher die Nummer 1 an der reinen Kill-Rate gemessen. Hier ist Sterben billig, und man verschont weder Frauen, Kinder noch Tiere. Es gibt kein Gut und Böse, es gewinnt, wer gnadenloser und unerbittlicher handelt. Das ist alles nicht schön.

Der Film mag als Meilenstein und Meisterwerk gelten, mir hat er nicht so richtig gut gefallen. Erstmal ist es gar kein richtiger Western mehr, denn er spielt 1913, meistens in Mexiko während der Revolution, und es gibt Maschinengewehre und Autos. Man könnte ihn auch fast als Kriegsfilm ansehen, die Grenzen sind hier fließend. Dann ist mir der Film zu gewollt skandalös, da ist alles auf Tabubruch gebürstet. Bei jedem Einschuss spritzt eine Fontäne von Blut durchs Bild und klatscht auch schon mal auf die Kameralinse, der Kunstblutverbrauch wurde sicher erst durch "Kill Bill I" getoppt. Dabei sieht das Kunstblut aber sehr hell und unglaubwürdig aus, ein bisschen wie Halloween. Der Aufwand, jeden Darsteller dafür mit Explosivpackungen zu verdrahten, war aber sicher enorm und wegweisend, bis dahin wurde in Hollywoodfilmen eher unblutig gestorben. Die Ballersinfonien sind beeindruckend, keine Frage, angeblich wurden 90.000 Schuss an Platzpatronen verschossen, das hat schon eine Wucht. Aber das Warum bleibt halt etwas auf der Strecke.

Dazu gibt es reichlich Boobies, denn wenn man schon R-rated dreht, dann auch richtig. Die Boobies gehörten mexikanischen Prostituierten, die als Statisten angeheuert wurden, die hatten da keine Probleme mit der nudity. Die Mexikaner werden durchgehend als besoffene, eitle, gewalttätige Nichtsnutze dargestellt, selbst für damals ziemlich grenzwertig. Der Film hat wirklich alles versucht, um in die Schlagzeilen zu kommen. Er will sooo gerne der bad boy des US-Westerns sein. Ok, ich geb ihm das. Den Punkt hat er.

Leider ist die Handlung, soweit es eine gibt, recht wirr, der Film ist zu lang, die beiden Hauptdarsteller, die sich jagen, sehen sich verwirrend ähnlich, ich brachte mehrmals die Haufen zerlumpter Schlagtots durcheinander, in den Italowestern wurde da wenigstens drauf geachtet, dass eine Seite extralange Mäntel trägt oder sowas, hier sehen alle gleich aus. Zwischendurch wollte ich nicht mehr, aber die Endschlacht, besser das Endmassaker bis zum last man standing, ist schon sehenswert. Wie eine moderne Version des Nibelungengemetzels in Etzels Festhalle. Ich bin sicher, Tarantino liebt diesen Film, meiner zarten Westernseele war er dann doch etwas zu dreckig und nihilistisch.


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 09:46                                  +/-

Ihr könnt euch übrigens auf ein Remake von "The wild bunch" freuen, was in der Mache sein soll, für die, die sich so alte Filme nicht anschauen mögen.

Regie Mel Gibson


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46516
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 12:29                                  +/-

Ach du Scheiße.

Naja, das scheint zu passen.


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 13:11                                  +/-

Dann gibt es sicher keine Boobies mehr Traurig


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46516
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 13:53                                  +/-

Dafür jede Menge Ave Maria…


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 22:45                                  +/-



Silverado (1985)

Nach dem Kassenflop von "Heaven's gate" 1980 traute sich lange kein Studio mehr an Western ran, bis der erfolgreiche Drehbuchautor und Regisseur Lawrence Kasdan (Star Wars, Raiders of the lost arc etc.) sich mit diesem Film den Kindheitswunsch erfüllte, seinen eigenen Western zu drehen. Der Erfolg gab ihm Recht, es gab danach eine kleine nette Blütezeit der Neowestern bis in die Mitte der 90er.

Der Film ist so retro, man glaubt es kaum. Er tut so, als hätte es den Italo-Western nie gegeben und knüpft direkt an die John-Wayne-Ära an. Kann man sicher auch mit der konservativen Wende der 80er irgendwie semantisch verknüpfen. Es beginnt mit der pompösesten Orchestermusik, die jede Anlehnung an den Sound Morricones vermeidet, kein Pfeifen, Knarren und Trommeln, stattdessen massive, exakt gemauerte Streicherwände wie einst bei den "Glorreichen Sieben". Und endet noch lange nicht mit den schneebedeckten Bergen von Neu-Mexiko, denn auch beim Setting durfte nichts an die verschwitzten, staubigen Spaghettiwestern erinnern. Hier also Schnee, dicke Mäntel und Atemluftwölkchen vor den Pferdenasen. Ich mag das Look-and-feel, ich mag dicke Wollmäntel und berauhreifte Bärte. "The hateful eight" comes to mind.

Das Beste daran aber ist die All-Star-Besetzung - Scott Glen in der Hauptrolle, okay, das ist ein markantes Westerngesicht. Aber dann kommt gleich schon Grinsebacke Kevin Kline ins Bild, die wunderschöne Rosanna Arquette hat viel zu wenig Screentime, Kevin Costner, Danny Glover, Jeff Goldblum spaziert zur Saloontür herein und wenn man denkt, es reicht, taucht John Cleese als eitel dahernäselnder Sheriff auf


Werft den Purchen auf den Poden!

Jetzt noch Dan Akroyd und Eddie Murphy und man hätte die perfekte Besetzung für eine Eighties-Klamotte hähö "Silverado" ist keine Komödie, aber schrammt schon öfter hart daran vorbei. Es ist in erster Linie ein Buddy-Movie, verschiedene Einzelgänger lernen sich kennen und schätzen und dann müssen Freunde halt zusammenstehen, komme was wolle, gegen Tod und Teufel. Es ist, wie eine Kritik meint, ein Western für 12jährige jeden Alters. Ich hätte den Film mit 12 auch sehr geliebt. Auf jeden Fall eine komplette Absage an den Zynismus der Italowestern, im Mittelpunkt steht Freundschaft, Loyalität und good clean american fun. Darin ganz und gar ein Kind der 80er, erinnerte mich mehrmals an Serien wie Colt Seavers, Magnum, A-Team und so weiter. Natürlich liegt hierin auch seine Beschränkung, es ist halt nicht mehr, keine interessanten weiteren Ebenen. Einfach gute Unterhaltung in schönen Kulissen mit geliebten Gesichtern.


Frauen sollten viel mehr Hüte tragen

Random thoughts:

- Danny Glovers Rolle als schwarzer, bärtiger Meisterschütze mit der sad backstory wirkt hier fast wie die Blaupause für Tarantinos Django.

- Kevin Costner spielt einen blutjungen, leichtsinnigen Revolverschwinger, ist furchtbar dünn und nichts, aber auch gar nichts, deutet auf den mit Oscars überschütteteten Macher von "Dances with wolves" hin. Krass, welchen Weg der Mann in den wenigen Jahren danach durchschritten hat. "Silverado" war sein erster Western, und 5 Jahre später krönt der Mann den Neo-Western mit einem Meisterwerk. Hut ab.

- Die Bar in Silverado wird von einer winzig kleinen, uralten und sehr durchsetzungsstarken Frau betrieben, mit der man sich gut stellen sollte. Musste ständig an die verknitterte Tavernenwirtin aus den neuesten Star-Wars-Filmen denken. Star Wars hat eh viele Western-Elemente.

- John Cleese soll durch seine Zusammenarbeit mit Kevin Kline auf das Drehbuch zu "A fish called Wanda" gekommen sein. Auch dafür muss man diesem Film dankbar sein.

Also ein Feelgood-Western mit komödiantischen Anleihen für das Kind im Manne. Die zweite Hälfte fällt etwas ab, wenn es ernster werden soll, das passt dann nicht immer so ganz, aber irgendwas ist ja immer. Ich wurde gut unterhalten und der Film hat auf jeden Fall seinen festen Platz im Genre, hat er doch eine tiefe Marketing-Krise des Western zu überbrücken geholfen. Vielleicht war der völlig unsarkastische, fluffig-leichte Ansatz hier genau das Richtige zur richtigen Zeit.


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.

Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 05.02.2019, 23:35, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Antworten mit Zitat
Tyler Durden
Administrator


Beiträge: 23305
Wörter pro Beitrag: 48

Private Nachricht senden E-Mail senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 23:24                                  +/-

Apropos Heaven‘s Gate: Hast du den gesehen? Einer der größten Kinoflops der Geschichte der ein Genre für Jahre beerdigte und sein Filmstudio in den Ruin trieb. Da würde mich mal deine Rezension interessieren.


_________________
Actually, throughout my life, my two greatest assets have been mental stability and being, like, really smart.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 23:30                                  +/-

Nein, ist aber geordert. Western sind ja so billig als DVD, goldene Zeiten!


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Quar



Beiträge: 4856
Wörter pro Beitrag: 44
Wohnort: Mannheim
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 23:31                                  +/-

Meinst du Kevin Costner? Kevin Kline hat nix mit "Der mit dem Wolf tanzt" zu tun.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.02.2019, 23:34                                  +/-

Ja, klar, mein Fehler.

Gepostet am 05.02.2019, 23:35:

Hab isch korrigiert.


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 16:10                                  

Bleibe beim Neo-Western, aber leider sind die gar nicht mal so gut... Geschockt



Young guns (1988)

"Silverado" lief wohl ganz passabel, so gab es zwei Jahre später den nächsten Western mit All-star-Besetzung, hier mit dem "brat pack", Hollywoods heißesten Jungdarstellern. Einige sehr bekannte Gesichter, Charlie Sheen, Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, andere Namen hatte ich noch nie gehört. Manche machten noch fette Karrieren, andere wohl nicht. "Young guns" will keine Sekunde verbergen, dass es ein Film aus den 80ern ist, der Western sollte wohl der MTV-Jugend wieder schmackhaft gemacht werden. Schnelle Schnitte, wacklige Handkamera und ein posiger E-Gitarren-Soundtrack schienen die Mittel der Wahl zu sein. Und natürlich die ganzen Schnuckel im Sattel. Leider konnte keiner so richtig reiten im Vorfeld und sie mussten erst angelernt werden, daher gibt es recht wenige Reitszenen. Speziell Charlie Sheen stellte sich wohl so doof an, dass er möglichst am Boden bleiben musste.

Der Film spielt wieder im Winterhalbjahr in New Mexico, es geht um den berühmten Lincoln-County War von 1878, eine blutige Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Ranchbossen, in dem Billy the Kid sich seine üble Reputation verdiente. Erzählt aus der Sicht der "Regulators", die Cowboys der Tunstall-Ranch, die nach der Ermordung ihres Bosses den Krieg auf eigene Faust fortsetzten, bis zur "Battle of Lincoln", in die sogar die US-Armee eingriff. Eigentlich ein starker Stoff, aber man muss ihn auch zu erzählen wissen.

Der Film ist eine Gurke. Ich kann es nicht anders sagen. Ich hatte wirklich Lust darauf, dass er mir gefällt, hatte all meine Eighties-Nostalgie gechannelt, aber nä... was war das denn? Wilde, hektisch geschnittene Action wechselt mit strunzdummen Dialogen, es ist kein Aufbau, keine Dramaturgie erkennbar, irgendwie hangelt man sich immer zur nächsten Ballerei. Die historische Wahrheit wird wohl auch eher nur gestreift, und es fällt schwer, einer Gruppe von Mördern, die eine Stadt terrorisieren, die Daumen zu drücken. Besonders mit einem Billy the Kid als Psychopath, das ist alles sehr unausgegoren. Dem Film fehlt eine ordnende Hand. Der Legende nach hatte das "brat pack" viel Spaß bei den Dreharbeiten, vieles wurde improvisiert und abends derb gefeiert, unter Verwendung allerlei Rauschmittelchen. Da kommt leider nicht automatisch ein guter Film bei raus. Viele Schauspielleistungen sind auch ziemlich cringeworthy, speziell Emilio Estevez als Billy the Kid kann fast nur als Parodie gemeint gewesen sein, nach Logik darf man nicht fragen, Kiefer Sutherland ist völlig fehlbesetzt als romantischer Dreamboy, Charlie Sheen überzeugt tatsächlich noch am ehesten, wird aber mittendrin weggeballert. Vielleicht wurde seine Kokainrechnung dem Studio zu hoch? Ein paar schöne Bilder gibt es und irgendwie ist der Film ein Zeitdokument, und war immerhin erfolgreich genug für eine Fortsetzung, die ich aber gepflegt ignorieren werde.





3:10 to Yuma (2007)

Ziemlicher Zeitsprung, aber es werden ja immer noch Western gedreht, das Genre ist untötbar. Das hier ist das Remake eines Klassikers von 1957, den ich aber nicht kenne. Russel Crowe ist der Superschurke Ben Wade, eine Art Art Hannibal Lecter des Wilden Westens, dem Gesetz immer einen Schritt voraus, diabolisch, infam, äußerst brutal und gleichzeitig ein smoth talker mit einem Händchen bei den Frauen. Immerhin kein Kannibale.

Against all odds wird er aber doch gefangen genommen und soll nun zum Dreiuhrzehn-Zug nach Yuma gebracht werden, was seine Bande verhindern will. Ein Farmer in Geldnöten (Christian Bale) verpflichtet sich für 200 Dollar als Wachmannschaft für dieses Selbstmordkommando. Dann geht es wieder im Winter durch New Mexico, ich weiß nicht, nutzen die alle immer dieselben Kulissen dort und im Sommer wär's zu heiß, oder was ist das? Unterwegs büxt Mastermind Oberschurke mehrmals aus und wird wieder mehrmals zurückgeholt, meist von Superfarmer Evan, wobei sich die beiden Antagonisten näherkommen und get a room und so weiter.

Das Problem für mich ist hier, damit dieses Katz-und-Maus-Spiel funktionieren kann, müssen sich beide oft sehr dumm anstellen. Das Gesetz lässt also den schlimmsten Finger des Westens nur mit Handschellen vor dem Bauch "gefesselt" herumreiten, Hannibal Lecter wurde wenigstens noch auf eine Sackkarre gebunden, mit Beißmaske und allem. Und Superverbrecher Keyser Söze lässt sich aber dann wieder buchstäblich von 14jährigen Jungs übertölpeln, denn es muss ja weitergehen nach Yuma. Das Drehbuch verlangt es halt so, aber mir tut jetzt die Stirn weh von den vielen facepalms. Das ist einer der Filme mit den meisten dummen Handlungen und klaffenden Plot-Löchern, die ich kenne. Niemand handelt auch nur für 5 Pfennig nachvollziehbar. Und am Ende ist der Superverbrecher gar nicht so böse, weil irgendwie ist er ja auch ein buddie, und scheiß auf all seine bisherigen Opfer einen dicken Misthaufen. Der Film ist nicht nur eine Gurke, sondern auch noch moralisch sehr fragwürdig. Und das Ende ist einfach nur oberdumm.

Auf der Plus-Seite sieht alles ziemlich toll aus, man merkt die 55 Mio. Dollar Produktionskosten, und die Darstellerriege kann im Prinzip einiges, wenn das Drehbuch sie mal lässt. Der zottelbärtige Peter Fonda spielt eine Nebenrolle und Ben Foster ist als mordgeile rechte Hand von Wade eine echte Entdeckung. Ein viel besserer Schurke als Oberschurke Crowe, den man nach all seinen Gutmenschenrollen den Fiesling eh nicht so recht abkaufen kann. Aber Gurke bleibt Gurke.


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46516
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 17:06                                  +/-

Du hast „Open Range“ übersprungen. Zufall oder Absicht?


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 17:25                                  +/-

Den hab ich vor langer Zeit gesehen und hier auch schon mal besprochen. Im Moment schau ich Western, die ich noch nicht kenne, als 3-Euro-DVD geordert, just for fun, als Projekt.

"Open range" fand sehr gut, stringent, realistisch, mit einem ganz tollen Look-and-feel. Wobei der Look der meisten modernen Western sehr gut ist, auch bei "3:10 to Yuma", daran lag es hier nicht. Das Drehbuch war so dumm. Wenn ich denke, wie sauber und stringent der Plot in "Winchester '73" von 1950(!) konstruiert ist, frag ich mich schon, ob Drehbücher heute einfach dümmer sind? Oder man mit mehr durchkommt, weil die Zuschauer durch die Actiongülle schon so weichgeklopft sind?


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46516
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 18:06                                  +/-

Ich glaube beides, und das merkt man auch bei Nicht-Western.


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Tyler Durden
Administrator


Beiträge: 23305
Wörter pro Beitrag: 48

Private Nachricht senden E-Mail senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 18:14                                  +/-

Gab es Mitte der 90er nicht auch einen All-Girls Western? Mit Alicia Silverstone oder so? Ich finde aber nichts.

Edit:
Drew Barrymore! “Bad Girls” von 1994.


_________________
Actually, throughout my life, my two greatest assets have been mental stability and being, like, really smart.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Oxford
Dr. Olympics


Beiträge: 50683
Wörter pro Beitrag: 33

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 18:47                                  +/-

My least favorite thread.

Immer wenn ich ins Film Forum klicke, weil es einen neuen Beitrag gibt, und dann nur dieser Thread neu ist, ärger ich mich schwarz.


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 43063
Wörter pro Beitrag: 38

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 20:05                                  +/-

Sorry, Oxi Geschockt

@Tyler: Es gab 1995 "The quick and the dead" mit Sharon Stone als Revolderheldin. Der war unterhaltsam, aber auch nicht richtig ernst zu nehmen. "Bad girls", richtig, den gab es sogar vorher. Kenn ich aber nicht. Es gibt ein Musikvideo mit einer Schönheit, die aus dem Bad steigt, sich Cowboysachen anzieht und dann dem Spanner in den Kopf schießt. Aber das war offenbar nicht Alicia Silverstone, laut imdb. Was war das denn? War auch aus der Zeit. Die 90er hatten schon coole babes Smilie

Von den Neo-Western fehlt mir wohl noch "Tombstone" von '93 und "Wyatt Earp" von '94, beide mit totaler Star-Besetzung. Ist vielleicht ein Kindheitstraum jeden Schauspielers, mal einen Western zu machen. Reizen mich aber nicht so richtig, die historische Story dahinter kann ich ja auch auf Wikipedia nachlesen, man muss doch nicht immer dieselben fünf Western-Legenden verfilmen. Ab der Mitte der 90er wurde es wieder ruhiger im Western-Genre, hab ich so den Eindruck. Ich denke, man kann "Dancing with wolves" als den Zenit des Neo-Westerns bezeichnen, mit den 5 Jahren davor und danach als Eingrenzung.

Streng genommen gehören die späten Eastwood-Western auch noch dazu, "Pale rider" von '85 und "Unforgiven" von '92, aber für mich sind das noch Ausläufer der US-Spätwestern-Phase der '70er. Übrigens die Phase, mit der ich hier weitermachen werden.


_________________
Looked dead, didn't I? Well, I wasn't, but it wasn't for lack of trying I can tell you that.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Warg



Beiträge: 6735
Wörter pro Beitrag: 24

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 10.02.2019, 20:14                                  +/-

Der zweite Young Guns Film war, wenn ich mich richtig erinnere, auf jeden Fall der bessere. Allein schon, weil Charlie Sheen nicht dabei war.


_________________
Do you ever think, that maybe we're the bad guys?
Nach oben
Antworten mit Zitat
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Moving Movies Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11  Weiter Alle
Seite 5 von 11

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Impressum. Powered by phpBB © 2001, 2006 phpBB Group. Deutsche Übersetzung von phpBB.de