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Western mit und ohne John Wayne
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 13.03.2019, 23:19                                  



The magnificent seven (1960)

Gilt als einer der großen, wichtigen blabla Western, gerne in deutschen Fernsehzeitschriften auch als "Edelwestern" angekündigt, irgendwie staatstragend, mit der All-time-Superstar-Besetzung. War er damals alles aber gar nicht. Die Idee, ein Western-Remake eines japanischen Samuraifilms in Mexiko zu drehen, kam den Studios so dubios und wenig erfolgversprechend vor, dass es ein mühsamer Prozess war, überhaupt Geldgeber zu finden. Mit dem B-Budget konnten dann nur Yul Brynner und Steve McQueen angemessen bezahlt werden, der Rest der Truppe mussten ziemliche No-names werden. Charles Bronson war bis dahin ein besserer Statist, James Coburn kannte kein Mensch, Eli Wallach war Broadwayschauspieler und noch nie auf einem Pferd gesessen und wie der blutjunge Deutsche Horst Buchholz an die Rolle eines mexikanischen Heißsporns kam, kann sich bis heute keiner erklären. Die wurden hier erst alle zu Stars.

Die Dreharbeiten waren schwierig, es gab pausenlos Cockfights zwischen den Kerlen, jeder wollte sich einen Namen machen, dann hatten alle Durchfall und ständig hat die mexikanische Filmzensur dazwischengefunkt, die verhindern wollten, dass Mexikaner nochmal so verlaust dargestellt werden wie in "Vera Cruz". Daher tragen alle mexikanischen Bauern hier auch immer schneeweiße Baumwollhemden. Überhaupt ist das ein sehr sauberer Western, vielleicht der sauberste, den ich kenne. Das war so die Bonanza-Optik, wo die Klamotten immer aussehen, als hätte man sie im nächsten Kaufhaus besorgt, Jeans und karierte Hemden im modisch engen Schnitt der 60er, und ich vermute, genau so war es auch. Da sah die Garderobe der Cowboys in "Red River" noch weit authentischer und abgetragener aus.

Aber der Film hatte das Glück ein sehr straffes, gut geschriebenes Script zu haben, eine tolle Truppe an Darstellern und die überwältigende Musik von Elmar Bernstein (fun fact: John Williams spielte hier das Klavier). In den USA lief er dennoch erstmal nicht besonders, wurde dann aber zum Kassenschlager in Europa und dann zum Klassiker, hat Karrieren begründet und zahllose Nachahmer inspiriert. Was täte der Western ohne uns Europäer. Schon komisch, wie beliebt diese uramerikanische Filmform hier stets war.

Hatte ich als Kind auch mal mit meinen Eltern gesehen und als besonderes Erlebnis im Hinterkopf und ich würde auch sagen, das ist ein Familienwestern, trotz des recht hohen Blutzolls, Tipp für Warg. Man stirbt recht sauber, die Guten gewinnen, die Bösen gehen drauf, man bekommt einen furchtbaren Ohrwurm mit, und kann all die tollen Kerle in ihren schmucken Aufzügen bewundern. Es gibt auch eine Menge netter Dorfszenen zur Entspannung, bevor wieder geschossen wird, es gibt Frauen und Kinder und Fiesta. Bronson zeigt seinen Oberkörper. Die Mexikanerin ist sehr schön. Horst Buchholz ist lustig. Yul Brynner ist furchtbar männlich und ich wusste bisher nicht, was für eine absurd tiefe Stimme er hat. Die spürt man in der Magengrube. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich den Film in der OV sehe. Der großartige Eli Wallach schuf die Blaupause aller mexikanischer Banditenbosse, Leone hat sicher schon fleißig mitgeschrieben im Kino. Ein schönes Erlebnis, hat mir viel Spaß gemacht, trotz einiger Schwächen. Ist keiner der allerbesten Western, aber einer der unterhaltsamsten.

Bei der Doku, die auch hier wieder auf der Bluray drauf ist, stellt man fest, dass damals offenbar halb Hollywood von Osteuropäern/Juden betrieben wurde. Da waren WASPs eine klare Minderheit. Brynner war gebürtiger Russe, Wallach russischer Jude, Bronson litauischer Abstammung mit tartarischem Einschlag, hinter der Kamera dann lauter Bernsteins, Goldblums, Chinowskis und Kaminskys. Das war wohl, was man als osteuropäischer Einwanderer mit kreativer Ader damals gemacht hat, B-Movies.

Jetzt muss ich vielleicht doch endlich mal "Die sieben Samurai" sehen. Hmpf. Finde japanische Filme sehr schwierig.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 16.03.2019, 12:43                                  



Two mules for sister Sarah (1970)

Lief hier früher als "Ein Fressen für die Geier" oft im Fernsehen, daher kenne ich den auf jeden Fall. Obwohl ein US-Film wirkt er recht "italienisch", wegen Ennio Morricones Musik, den südlichen Drehorten und Clint Eastwoods Figur des sarkastischen Glücksritters. Das war jetzt die Phase, wo der US-Western einfach den Italowestern schamlos kopiert hat, zumindest im Look and feel. Vom Plot her wurde eher "African Queen" zitiert, ein grummeliger Einzelgänger und eine feine Dame, hier Shirley McLane im Nonnenkostüm, müssen sich durch die Wildnis und alle Gefahren durchschlagen und kommen sich irgendwann näher. Dem romantischen Subplot wird hier sogar soviel Platz eingeräumt, dass man "Two mules for Sister Sarah" fast als Liebeswestern bezeichnen könnte, irgendwo ganz am Rand der RomComs angesiedelt. Leone war sicher not amused über diese wilde Mischung.

Die Handlung spielt wieder während der Juarez-Rebellion, wie bereits in "Vera Cruz", und es wurde auch wieder in Mexiko gedreht, mit einigen sehr schönen Landschaftsaufnahmen. Morricones Soundtrack ist ungewöhnlich zurückhaltend, verzichtet auf Glorie und Dramatik und unterstreicht eher den langen, beschwerlichen Ritt durch Nordmexiko. Mit den zitierten Tiergeräuschen und den Nonnenchören aber ein besonders originelles Werk des Meisters. In weiten Strecken ist der Film ein Zwei-Personen-Roadmovie und damit nah dran an dem im selben Jahr erschienenen "Soldier blue". Würde sich glatt für eine Synopse anbieten.

Ich hatte von ganz früher noch die Szene im Kopf, wo McLane Eastwood den Indianerpfeil aus der Schulter operiert, sie wurde hier mal von Wichtel nacherzählt, kann man ja immer brauchen, dieses Wissen. Heute sieht das schon etwas billig und sehr nach Kunstblut aus, aber früher fand ich das furchtbar gruesome. Dabei ist der Film aber eigentlich ganz kindgerecht, als Kind fand ich den auch super (Wichtel auch) und ich würde ihn durchaus als Familienwestern bezeichnen, trotz seiner Ab-16-Freigabe (lächerlich heutzutage).

Gegen Ende gibt es dann eine erstaunlich aufwändige Endschlacht der Juaristas gegen die französische Armee, dafür musste also so lange vorher am Budget gespart werden. Es gibt auch das unvermeidliche Maschinengewehr, I knew it! Kein Revolutionswestern ohne Yes Gut fand ich, dass die Franzosen hier mal nicht so als unfähiges Kanonenfutter wie die mexikanischen Regierungstruppen sonst dargestellt wurden, sondern als Berufssoldaten den Juaristas einen hohen Blutzoll abverlangen und tapfer kämpfen bis zum letzten Mann. Würde man gar nicht denken bei Franzosen hähö

Ich fand den Film jetzt gesehen etwas hakelig und konnte meine und Wichtels kindliche Begeisterung nicht mehr ganz neu aufbringen, aber er ist unterhaltsam und komödiantisch, es gibt launige Wortgefechte, eine tolle Landschaft, Morricone und eine Gatling gun. Ob jetzt ausgerechnet Clint Eastwood die beste Besetzung für eine Romanze war, könnte man streiten... zumal er seine Hartkantenfigur aus den Italowestern hier weiterführt. Passt nicht so ganz zusammen. Eastwood und McLane verstanden sich am Set angeblich auch gar nicht gut und es fehlt vor der Kamera schon spürbar an Chemie zwischen ihnen. Vom Plot her ein seltsames Konstrukt. Fünf Jahre später haben John Wayne und Katherine Hepburn so eine Konstellation noch mal durchgespielt in "Rooster Cogburn", den ich auch noch mal schauen muss.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 16.03.2019, 12:48                                  +/-

Interessant was man sich so alles merkt. "Das ist doch der Film mit dem Pfeil in der Schulter!" dachte ich mir.

Gepostet am 16.03.2019, 11:50:

verstanden sich am Set angeblich auch gar nicht gut und es fehlt vor der Kamera schon spürbar an Chemie zwischen ihnen


Das macht zerstört jetzt ein bisschen die Illusion. Würde ich den nochmal gucken, müsste ich drauf achten, wo sie nicht so gut harmonieren. Traurig


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 16.03.2019, 22:54                                  +/-

McLane scheint schon immer besonders aufzublühen,wenn sie Eastwood Beleidigungen an den Kopf werfen darf, und spielt die romantischen Szenen professionell, aber kühl. Eastwood macht keinen Hehl daraus, wie wenig Lust er jetzt hat, diese verrückte Nudel zu beschmusen. Der erste Kuss gehört sicher in die Kategorie awkward movie kisses.

Eastwood soll aber öfter Probleme an Sets gehabt haben, da er mit seiner strammen Republikaner-Einstellung nie hinterm Berg gehalten hat, während Hollywood ja traditionell eher linksgestrickt ist. Bei den Italowestern waren einige der Italiener damals überzeugte Sozialisten/Kommunisten, das gab auch Ärger und Leone verhängte das Verbot, am Set über Politik zu sprechen.

Ah, Bonusmaterial, ich hab es vermisst, das ist ein Problem beim streamen. Sowas geht völlig verloren. Dabei erfährt man da so viele interessanten Sachen, und die Audiokommentare hab ich noch nicht mal angehört. So zum Beispiel bekamen die 40 Räuber bei "Die glorreichen Sieben", alles mexikanische Statisten, den Auftrag, ihrem Boss, Eli Wallach, das Reiten beizubringen. So ritten alle Mann mit ihm jeden Morgen vor Beginn der Dreharbeiten eine Stunde aus, in voller Montur, muss lustig gewesen sein für die Anwohner. Daraus entwickelten die Mexikaner, die größtenteils kein englisch sprachen, und Wallach kein Spanisch, ein echtes Bandenverhalten und behandelten Wallach wie ihren Boss. Sie überprüften sein Pferd und seine Waffen vor jedem Dreh, brachten ihm Essen und Trinken und keiner sonst durfte Eli Wallach umsorgen, es musste alles erst durch ihre Hände gehen. Wallach meint im Interview, "Sometimes I was a little bit frightened myself" grins

Und Horst Buchholz meinte Jahrzehnte nach den Dreharbeiten zu den Querelen am Set "But Steve McQueen... this guy... ahhh... I HATED his guts!" Und dabei glüht reine, pure Wut aus seinen Augen, als wär es gestern gewesen. Schon ein etwas anderer Job, dieses Filmemachen.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 17.03.2019, 23:26                                  



Quigley down under (1990)

Eine Seltenheit, ein australischer Western, wenn auch alle drei Hauptrollen von Ausländern gespielt wurden. Der Scharfschütze Quigley aus Wyoming (Tom Selleck) nimmt den Auftrag an, auf der Ranch des australischen Großranchers Marston (Alan Rickman in einer seiner zahlreichen Schurkenrollen) Dingos zu schießen und reist ins ferne Australien. Kaum angekommen, hat er schon Ärger mit Marstons Männern und eine verrückte Nudel, Crazy Cora, wirft sich ihm an den Hals und weicht nicht mehr von seiner Seite, aber kann man es ihr verdenken? Wir reden von Tom Selleck.

Auf der mehrtägigen Fahrt zur Ranch schwelgt die Kamera in Bildern der australischen Weite, und ja, das ist weit. Gegen dieses Land verblassen sogar die Weiten der USA. So viel Platz. "Wann erreichen wir Mr. Marstons Ranch endlich?", fragt Quigley, und bekommt zur Antwort, "Wir sind schon seit zwei Tagen auf seinem Land." Australien halt. Angekommen beweist Quigley erstmal seine Schießkünste und erläutert detailliert die Möglichkeiten seiner gepimpten Sharp-Rifle, die zielsichere Schüsse auf 1200 Yard (1,1 km) ermöglicht. Laut Internet ist das sogar korrekt, es gab damals solche Spezialanfertigungen für Büffeljäger und die Armee. Dann muss er aber erfahren, dass er nicht Dingos, sondern Aborigines erschießen soll, denn diese, so unterentwickelt sie als Volk auch sind, haben gelernt, sich aus der Reichweite der Gewehre zu halten, so erläutert es Marston dem entsetzten Quigley. Der haut ihm dafür in die Fresse, und dann eskaliert die Situation recht schnell. Boy, that escalated Quigley hähö Quigley und die verrückte Cora flüchten ins Outback, verfolgt von Marstons Viehtreibern, und es entspinnt sich ein mehrtägiges Katz- und Mausspiel, bei dem Quigley Marstons Lohnliste systematisch dezimiert, mit seinen fiesen Fernschüssen, während er mitansehen muss, wie Marstons Männer die Abos abschlachten, wo immer sie sie antreffen. Dass sich die Abos angeblich "out of rifle range" zu halten gelernt haben, hat der Film bis dahin bereits vergessen. Auch wenn das der Grund für Quigleys Anwesenheit war in the first place. Klassische Drehbuch-Selbstüberlistung.

Das ist aber davon abgesehen ein cooler Plot, und die Fernschüsse sind eindrucksvoll umgesetzt, wenn er schießt, dann vergehen Sekunden der Stille, und dann erst schlägt die Kugel ein. Das ist gruslig. Der Rekord hierbei liegt bei einem comfirmed kill im Irak eines kanadischen Scharfschützen mit über drei Kilometern. Er musste dafür angeblich die Drehung der Erde mit einberechnen. Leider hat der Film eine große Schwäche, er ist ein Ethnokitsch-Drama. Erstmal ist Tom Selleck bekannterweise ein großer Knuffelbär, der keiner Fliege was zuleide tun kann. Dann ist seine Figur unfassbar gut und edel und grundanständig, ein Gentleman durch und durch, unbesiegbar, treffsicher, charmant, unbestechlich usw., John Wayne war ein Tagedieb dagegen. Und die Aborigines sind halt die edlen Wilden, die die Hilfe des guten weißen Mannes brauchen, weil sie zu doof sind, sich zu wehren. Im gleichen Jahr wie "Dancing with wolves" erschienen, drängen sich hier die Parallelen auf. Selleck und Costner gaben beide eine recht ähnliche Figur des harten Mannes mit dem soft spot für die Natives. Und nebenbei gründet Quigley mit der verrückten Cora und einem gefundenen Abo-Kind eine kleine Ersatzfamilie in der Wildnis, da wird es dann sehr schmonzettig. Coras Darstellerin Laura San Giacomo aber immerhin ist sehr süß und ich kannte sie aus "Sex, Lügen, Videos", wo sie allen Männern den Kopf verdreht und ich sie wahnsinnig sexy fand. Das war hier ein schönes, unvermutetes Wiedersehen mit einem frühen crush von mir.

Alan Rickman ist auch ein toller Schurke, denn er ist wirklich eklig und unangenehm, und längst nicht so kultiviert, wie er glaubt, also seine Figur Marston, der sehr von sich eingenommen ist. Er hat auch ein paar gute trockene Sprüche drauf, "...and by the way, you're fired!" grins Das Finale aber ertrinkt wieder im Ethnokitsch, wenn die Abos ihrem weißen Freund zu Hilfe kommen (Spoiler!) und man jeden Moment mit dem Einsetzen der Winnetou-Musik rechnet. Wenigstens können sie nicht zaubern, das rechne ich dem Film hoch an. Kein mystisches Tralala.

"Quigley down under" ist ein schöner Abenteuerfilm mit klarem Gut und Böse und tollen Bildern und lustigen Sprüchen, der schön altmodische Westernsoundtrack fiel mir auch positiv auf. Also eher die Kategorie wie "Silverado", Western für den ewigen Zwölfjährigen. Ich denke, der Film ist sehr ein Kind seiner Zeit, Ethnokitsch war in den 80ern einfach sehr in, Walgesänge und Hopi-Rituale und Poster mit Indianersprüchen und Delphinen an der Wand (ich nehme mich da nicht von aus, been there). Wirkt heute halt etwas cringy und schlechter gealtert als "Dancing with wolves". War aber damals erfolgreich genug, um einen Boom auf Sharp-Rifles auszulösen.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 18.03.2019, 19:46                                  



Cowboys and Aliens (2011)

Oder „Independence Day im Wilden Westen”, wie der Film auch hätte heißen können. Eine Comicverfilmung mit fetten 160 Mio. Dollar Budget. Echte Cowboys tauchen streng genommen fast gar nicht auf, aber Aliens.

Irgendwo im Südwesten erwacht ein Mann (Daniel Craig) in der Wüste, halbnackt, verletzt, mit einem seltsamen Armband aus Metall, das sich nicht entfernen lässt, und ohne jede Erinnerung, wie er dahin gekommen ist oder wie er überhaupt heißt. Im nächsten Goldgräberstädtchen ist er allerdings bekannt wie ein bunter Hund, er ist offenbar ein berüchtigter Banditenboss und bekommt sofort jede Menge Ärger, zum Beispiel mit dem lokalen Viehbaron (Harrison Ford). Aber das ist alles auch gleich wieder egal, denn Alien-Jagdflieger kommen, schießen alles zu Klump und entführen zahlreiche Stadtbewohner per Magnetlasso. Die attackierten Siedler fackeln nicht lang, stellen sofort eine Truppe zusammen und ziehen los, um ihre Angehörigen zurückzuholen, fliegende Teufelsmaschinen hin oder her. Dieser Pragmatismus gefiel mir, hier wird nicht kopflos herumgerannt wie bei den Alienangriffen auf Großstädte Yes

Unterwegs verbünden sich die Weißen noch mit dem lokalen Apachenstamm, der auch ziemlich angepisst ist von den außerirdischen Besuchern und dann belagert eine bunt gemischte Truppe aus Goldgräbern, Banditen, Stadtvolk und Indianern das im Canyon gelandete Alienmutterschiff. Die Endschlacht ist absurd. Aber eigentlich ist der ganze Film, die Idee an sich, absurd. Wer hat das durchgewunken?? Im Prinzip ist das eine uralte Story, die Indianer rauben Frauen und die Siedler müssen sie zurückholen, einer der ältesten Plots des US-Westerns. Nur halt mal mit Aliens. Warum auch immer.



Ich mein, man kann ihn sich anschauen. So als Gaudi. Durch das hohe Budget sieht es auch recht gut aus und der Plaza Blanca Canyon in New Mexico ist eine tolle Kulisse. Daniel Craig und Harrison Ford helfen. Ford wäre ein guter Westerndarsteller gewesen, wäre er früher geboren. Das Hauptproblem für mich hier war der Gedanke, was für einen sehenswerten Western man mit diesen Mitteln und Namen auch hätte drehen können. So eine Verschwendung. Der Film floppte auch an den Kinokassen ganz hart, wer kam je auf den Gedanken, dass sowas eine gute Idee sein könnte? Es ist nämlich keine.


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Dummer FETTER Hobbit



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BeitragVerfasst am: 18.03.2019, 20:06                                  +/-

Zurück in die Zukunft 3 als nächstes?


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Gimli



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BeitragVerfasst am: 18.03.2019, 22:57                                  +/-

Oh Gott, den Cowboys & Aliens Film habe ich ja im Kino gesehen!


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 11:28                                  +/-

Hab dann noch mal ganz kurz in "Lone Ranger" reingeschaut und schnell wieder ausgemacht, als ich die "Specs" gelesen habe: Verbinski, Bruckheimer, Depp, Disney, 250 Mio. Budget und 2,5 Stunden Laufzeit - das ist Pirates of the Caribbean XY im Wilden Westen. Wird genau derselbe furchtbare breitgetretene, überladene, mit sinnloser Action vollgepackte und völlig unverständliche Quark sein, den dieses Dream team verlässlich abliefert. Mit tollen Bildern und 9 Plotlines von 15 Drehbuchautoren, die sich nie persönlich getroffen haben.

Ne, ich mach jetzt mit Eastwood-Western weiter, da hab ich noch welche parat.


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 11:59                                  +/-

Wirst Du "El Topo" von Alejandro Jodorowsky besprechen? Der soll ja ganz oben auf der Western-Rezeptionspyramide stehen. Oder sie mit Benzin übergießen und in die Luft sprengen, je nachdem wen man fragt.

Ich lese übrigens nur noch diesen Thread in der Kneipe.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 12:20                                  +/-

Sachen gibt's... noch nie von gehört. Würde in die Italowestern-Schiene passen. Aber dafür muss erstmal die Corbucci-Box ankommen.


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 12:43                                  +/-

Ich muss demnächst mal was schreiben über diesen Jodorowsky. Ich wurde da auf was sehr Interessantes aufmerksam gemacht. Zumindest für euch könnte es interessant sein...

"El Topo" lief ja irgendwann mal auf arte - und ich hätte Stein und Bein schwören können, dass mich vor vielen Jahren die Kneipe drauf gestoßen hat. Jetzt habe ich aber danach gesucht und absolut nichts gefunden. Wech! Traurig

Vielleicht im uralten Forum?


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parasite



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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 13:12                                  +/-

YESSSS! Jodorowsky! Auf Arte gab's bis vor ein paar Tagen eine Doku über seinen (gescheiterten) Versuch, Dune zu verfilmen. Was für eine großartige Geschichte... da komm' ich ins Schwelgen - what could have been?!

's gibt ihn noch auf YouTube:


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 13:17                                  +/-

Ja genau. Dazu wollte ich was sagen. Kannst Du aber auch machen, ich mag ja gar nicht mehr so viel schreiben im Internet.


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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 14:18                                  +/-

Das weiß ich alles schon gaaanz lange, weil das in meinem HRGiger-Bildband vom Taschen-Verlag steht Yes

Giger machte neben Möbius Entwurfszeichnungen dafür.


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Gimli



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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 23:54                                  +/-

Ich meine EL TOPO mal im Kino gesehen zu haben. Oder vermische ich es mit einem anderen seiner wahnsinnigen Filme? ?????



Ja, doch, kommt mir bekannt vor.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 19.03.2019, 23:55                                  +/-



High plains drifter (1973)
(Ein Fremder ohne Namen)

Clint Eastwood hat ja nach seiner Überwerfung mit Sergio Leone noch 20 Jahre lang erfolgreich Western gedreht, immer mit derselben Figur, mit der Leone den TV-Darsteller zum Kinostar machte. Das hat direkt ödipale Züge, Eastwood tötete den Vater Leone und heiratete die Mutter, den Western.

Hier reitet Eastwood nun wieder als namenloser Fremder in die Kleinstadt im Nirgendwo, und wie ein Katalysator bringt er Dinge in Bewegung. Er erschießt ein paar Halbstarke, vergewaltigt die lokale Dirne und wird von den beeindruckten Stadtbewohnern kurzerhand als Beschützer engagiert. Die Stadt lebt in panischer Angst vor der Rückkehr der Banditen, die im letzten Jahr den Sheriff zu Tode peitschten, und niemand krümmte einen Finger, um ihm zu helfen. Ein jammervoller Haufen rückgratloser Waschlappen ist das. Der Namenlose nimmt den Job an und kostet ihn voll aus - er bedient sich, wo er mag, macht den Dorfzwerg zum neuen Sheriff und lässt die Städter seine tiefe Verachtung stets spüren. Er zwingt sie sogar, die ganze Stadt blutrot anzustreichen, nachdem er den Ort in "Hell" umbenannt hat. Im Verlauf dieser merkwürdigen Geschichte wird klar, dass der Fremde nicht zufällig nach Lago kam.



Ein sehr merkwürdiger, aber auch interessanter Western ist das. Kafkaesk ist wohl das Wort. Neben der klassischen Geschichte, eine Stadt rüstet sich gegen die Ankunft der Schurken, gibt es noch eine parallele Geschichte im Verborgenen, die sich nur sehr zögerlich preisgibt. Irgendjemand musste Josef K. verraten haben. Ein bisschen schrammt das auch schon an den Ghostrider-Westerngeschichten der Groschenhefte, die die Coens in "Buster Scruggs" zuletzt zitierten.

I liked it, ich mochte die kafkaeske, schwer zu greifende Stimmung. Man merkt, etwas stimmt ganz und gar nicht hier, man kann aber den Finger nicht drauf legen. Erinnerte mich auch ein bisschen an uralte Schwarz-Weiß-Gruselklassiker wie das "Dorf der Verdammten" oder Stephen-King-Geschichten über verfluchte Kleinstädte in Maine, wo der Teufel einen Gemischtwarenladen aufmacht. Ein Ort, der einfach nur Ungutes ausstrahlt, und dem man sein Ein-Mann-Strafgericht durchaus gönnen kann. Ziemlich düster und schräg, aus der experimentellen Phase der 70er-Western.


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Gimli



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BeitragVerfasst am: 20.03.2019, 00:02                                  +/-

Helcaraxe
Ich muss demnächst mal was schreiben über diesen Jodorowsky. Ich wurde da auf was sehr Interessantes aufmerksam gemacht. Zumindest für euch könnte es interessant sein...

"El Topo" lief ja irgendwann mal auf arte - und ich hätte Stein und Bein schwören können, dass mich vor vielen Jahren die Kneipe drauf gestoßen hat. Jetzt habe ich aber danach gesucht und absolut nichts gefunden. Wech! Traurig

Vielleicht im uralten Forum?

Hier? Das von mir verlinkte Video existiert nicht mehr, aber scheinbar haben parasite und ich darüber gesprochen. Also jetzt nicht ausführlich, aber ein bisschen. hähö


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 20.03.2019, 10:42                                  +/-

Möglich. Man merkt sich ja die seltsamsten Dinge. Dass in High Plains Drifter die Stadt rot gestrichen wird, hatte ich dagegen vergessen. Obwohl ich den anderthalb mal gesehen hab.

Wann macht pk eigentlich seinen eigenen React-Kanal bei YouTube auf? Schön mit Patreon-Unterstützung, Merchandise und natürlich jede Menge Groupies.


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parasite



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BeitragVerfasst am: 20.03.2019, 12:04                                  +/-

Helcaraxe
Ja genau. Dazu wollte ich was sagen. Kannst Du aber auch machen, ich mag ja gar nicht mehr so viel schreiben im Internet.


Ah, shit. Didn't wanna steal your thunder. Ich bin selber viel zu lazy für das Getippe. Ich war übereifrifg und eilig, weil mich die Doku so berührt hatte. Dass ein gescheitertes Projekt eine fruchtbare Saat für so viele andere Filme darstellen kann, das ist ein schöner Gedanke. Als am Schluss die Einflüsse versammelt wurden, die Jodorowskys Vision ganz konkret hatte, habsch ein Auge ausgefahren!

Der late-60s-Zeitgeist, der in dem an Größenwahn grenzenden Projektdimensionen durchscheint, hat mich nostalgisch gemacht. Kino als Mittel um den Normies die LSD-Erfahrung nahezubringen, why not? Dali als Imperator, why not? Pink Floyd für den Soundtrack, why not? Seinen eigenen Sohn für zwei Jahre von einem Martial Arts Experten abrichten lassen, um ihn zum Paul Atreidis werden zu lassen, why not?

Die kindliche Naivität von Jodorowsky ist packend aber auch irgendwie beängstigend. Intenser Typ. Auch schön, wie er auf die Lynch-Version von Dune reagiert hat. Hehe.

Ich hoffe, das Storyboard von Moebius wird mal publiziert. Und ich bin gespannt, was Villeneuve aus dem Stoff machen wird.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 20.03.2019, 12:14                                  +/-

parasite
Ah, shit. Didn't wanna steal your thunder.

Das wäre kein Problem für mich. Aber dann schreibe ich am Wochenende mal was zu dieser Doku, ich fand die nämlich ebenfalls recht faszinierend.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 20.03.2019, 13:03                                  +/-

Helcaraxe
ich mag ja gar nicht mehr so viel schreiben im Internet.

Sissy Mit den Augen rollen


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