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Konzertberichte
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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 16:18                                  +/-

Ich finde, Du solltest froh sein, dass er Dich beim Pogen nicht getroffen hat. Wenn Dir die Gliedmasse* eines solchen Schlacks entgegenschleudern gibt es kein Entkommen. Ich bin froh, dass ich nicht da war. grins


edit:
* masse hier bitte mit sz lesen. Sonst missverstaendlich.

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 16:29                                  +/-

Ich stand mit voller Absicht weiter hinten. Wahrscheinlich haben wir uns deshalb nicht getroffen.

Und seit wann gehörst Du auch zu denen, die deren Sprüche derart *knicknack* sind?

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 16:45                                  +/-

Welche Erfahrungen habt ihr denn bisher so mit den Gliedmassen eines Schlacks? hähö


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„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 16:50                                  +/-


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 17:40                                  +/-


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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 17:41                                  +/-

grins

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 17:44                                  +/-


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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 19:38                                  +/-

????? …hä?

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 21:38                                  +/-

Was jetzt genau?

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 21:51                                  +/-

Bzgl der Schlackserfahrungen.

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.11.2005, 21:53                                  +/-

Dazu sag ich nichts.

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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 22:41                                  +/-

Wieso war Gimli auf dem Depeche Mode-Konzert und hat noch kein Wort darüber verloren? Mmmm? Und jetzt keine faulen Ausreden!

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Gimli



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BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 00:55                                  +/-

Das Vorspiel:
Zum Kartenkauf habe ich ja schon etwas geschrieben, also spulen wir gleich vor zum Nachmittag vor dem Konzert. Einziges verbliebenes Problem war die Kleiderwahl. Nicht meine, ihre! Ich kann ja verstehen, dass man zu dem ersten Konzert seiner Lieblingsband entsprechend angezogen sein will, aber, nun ja. Schwarzer Minilederrock war nicht aufzutreiben, also musste ein anderer herhalten, doch erst nach: "Durch den Stoff kann man[n] ja meinen Hintern sehen!!" Mein Kommentar, dass ich das schon gewusst habe, als wir noch gar nicht zusammen waren, half auch nicht weiter. Am Ende blieb es dann aber dabei. Schnell noch was gegessen und dann mit großen Schritten zum Bahnhof. Alkoholeinkäufe wurden auf später verschoben.

Die Anreise:
Verlief problemlos, würde ich mal sagen. In Hamm umsteigen, beim Umsteigen zwei Flaschen Rotwein gekauft und das NRW-Schöner-Tag-Wochenend-Ferien-Rumsdibums-Ticket gekauft. Dann ging es weiter nach Dusseldorf ohne weiteres Getue. Wir hatten Sitzplätze und die ganzen restlichen Fans, die dann größtenteils in den Gängen standen, stiegen erst später hinzu. Man merkte schnell, dass der Zug voller Fans war, irgendwie sah man es ihnen an.
Am Hauptbahnhof Dusseldorf angekommen herrschte für einen Moment völlige Verwirrung, doch dann ging es weiter. Sonder-U-Bahnen fuhren im 5-Minuten-Takt zur LTU-Arena und diese waren dementsprechend zu 100% gefüllt mit Fans. Die Durchsagen während der Fahrt waren eindeutig der Höhepunkt der Anreise. Die Bahn hält, niemand steigt aus, ein paar steigen ein und dann ertönt eine leicht genervte Stimme durch die Lautsprecher: "Leute .. geht doch mal bitte einen Schritt von den Türen zurück, ansonsten schließen die nicht und wir fahren nirgendwohin." Im Laufe der Fahrt reduzierten sich die Durchsagen auf "Wenn es piept, steht einer auf den Stufen und die Tür kann nicht aufgehen" und "Mensch Leute, die Türen!". grins

Die Arena:
Ich muss ja gestehen, dass ich ein totales Landei bin was Stadien und Großereignisse angeht. Die Expo war da schon das Höchste der Gefühle. Bisher kein Konzert und kein Fußballspiel in einem Stadion besucht. Und überhaupt! Jedenfalls fand ich schon allein deshalb alles etwas mehr beeindruckend. Jedenfalls ist das Ding schon recht eindrucksvoll. zwinkern
Am Eingang hatten wir die zweite Flasche Rotwein dummerweise schon längst vergessen und bei der Taschenkontrolle landete sie dann im Bruchteil einer Sekunde in der Mülltonne. *hmpf* Na ja. Also hinein ins Getümmel der Sauf- und Fressbuden und der T-Shirt-Stände. Schwarzer Stringtanga in schlicht schwarz mit einer weißen undefinierbaren Figur vorne drauf 30 Euronen. Im Endeffekt beschränkten wir uns also auf die Plastikbecher, die wir für zwei Euro bekamen.
Joa, und dann landeten wir im, wie die Jungspunde hinter uns meinten, Alt-Herren-Block. Wir wurden schon im Vorfeld beinahe genötigt bei Beginn doch bitte bitte aufzustehen. Höchst albern, die Fans 40+ sprangen später genauso auf wie alle anderen.

Die Vorband:
Es war The Bravery. War mir im Vorfeld nicht bewusst und ziemlich egal - bis mir mein Kumpel, völlig unwissend das Konzert betreffend, einen Song von denen verlinkte und mir sagte wie gut die doch seien. Als ich ihm sagte, dass ich sie live sehen würde, war er kurz davor mich umzubringen. Na ja, verstehen kann ich ihn nicht wirklich. Sie waren gut, okay, aber nicht überragend. Machen eine Mischung aus ein bissle Elektro und dem Versuch bodenständigen Rocks. Es wurde geklatscht, aber die Stimmung war auch nicht wirklich für sie. Zumindest verschwanden sie nach einer halben Stunde mit ungefähr sechs Liedern, was die Befürchtungen gewisser Fans - meine Freundin inbegriffen Mit den Augen rollen - dass sie sicher stundenlang spielen würden schnell zerstreute.
Dann ging das Licht nochmal an und die Brezel- und Eis-Verkäufer gingen um. Ich fühlte mich wie im Kino und wartete nur noch auf den Beginn des Hauptfilmes. ugly

Depeche Mode:

Ich muss vorwegschicken, dass ich kein Fan bin. Und ich bin sicherlich kein Hardcorefan, wie ca. 90% der restlichen Besucher. Aber durch meine Freundin sind mir zumindest vom Hören her sehr viele Lieder geläufig, auch wenn ich sie nicht beim Namen nennen kann. Ausgenommen sind da nur "Personal Jesus" und "Enjoy the Silence", die aber wohl jeder kennt.

Und doch .. es war schlichtweg geil.

Die Licht- und Video-Show fand ich persönlich beeindruckend, aber wie weiter oben angedeutet bin ich da auch noch relativ leicht in Verzücken zu versetzen. Die besagte Videoshow ließ auch nicht zu, dass die Band ständig auf den Videoleinwänden gezeigt wurde, aber das war nicht so schlimm, man konnte von unseren Plätzen noch sehr gut erkennen was auf der Bühne und auch überall sonst in der Arena passierte. Außerdem gab es ja halbnackte Frauen zu sehen, das war schon Entschädigung genug. *knicknack*

Dann ging es los.

Als das Licht zum zweiten Mal ausging stieg der Lärmpegel sprunghaft an und im Mittelteil, wo die ganzen Steher rumlungerten, schienen plötzlich lauter weiße Leuchtstäbe hochgehalten zu werden. Es dauerte einen Moment, bis ich registrierte, dass da nur ein paar hundert Leute Handys mit Kamera über die Köpfe der anderen hielten und ich von hinten die leuchtenden Displays sah. Früher hätte es sowas ja nicht gegeben. grins
Ich muss gestehen, dass ich etwas Zeit brauchte, um mit der Musik richtig warm zu werden. Kurz bevor sie loslegten fragte ich mich auch mit was für einem Anheizer eine solche Band wohl arbeiten würde. Er war dementsprechend enttäuschend. Irgendwie klappt es mit dieser Art von Musik nicht wirklich einzuschlagen - jedenfalls für mich nicht.

Zu den Liedern kann ich wenig sagen. Meine Begleitung kannte sie alle *g* ich nur ein paar und sicher nicht beim Namen. Gespielt wurde insgesamt zwei Stunden, davon eine halbe Stunde lang zwei Zugaben. Nur zu "Enjoy the Silence" kann ich wohl wirklich eigene Eindrücke beschreiben, denn bei diesem Lied war es für mich so, wie es wahrscheinlich auf einem Konzert einer meiner Lieblingsband gewesen wäre. Ich konnte einigermaßen mitsingen, man kannte es einfach und es ist schon verdammt gut. Der Rest der Arena kannte den Text natürlich auch und so artete es in einem einzigen großen Mitgröhlen aus. Tolles Gefühl, muss ich schon sagen. Am Anfangs des Konzert hatte ich mir auch schon gedacht, dass gerade dieses Lied gut für das Ende wäre, was dann auch so eintrat.

Das 'tolle Gefühl' war auch mein Gesamteindruck. Für mich als Nicht-Fan zählte hauptsächlich die Athmosphäre erst in zweiter Linie die Musik, die eindeutig nicht schlecht ist. Ab einem bestimmten Punkt reißt es einen natürlich mit, doch hauptsächlich interessierte ich mich für die Menschen. Es waren ja wirklich alle Arten von Fans vertreten, Gothikanhänger sind dabei nur ein Beispiel; und alle Altersklassen waren auch vertreten. Und es waren Fans, man merkte es in jeder Sekunde.
Ehrlich gesagt kann ich es gerade so gar nicht beschreiben, aber da ihr ja alle erfahrene Konzertgänger seid, gehe ich davon aus, dass ihr diese Massenhsyterie, die am Ende sogar die Musik an Lautstärkte übertrumpfte, kennt. Smilie

Der Sänger erinnerte mich etwas an Freddy Mercury. Der Hüftschwung, das Gewackel mit dem Hintern und wie schnell er sich seiner Kleidung entledigte, das war schon amüsant. hähö Der Songwriter dagegen wirkte dauermelancholisch und etwas exentrisch. Aber es muss ein geiles Gefühl sein diesen Steg entlang in die Menschenmenge hineinzurennen, von hinten angestrahlt, und dabei ein Jubelgeschrei auszulösen, als würde man Geld in die Menge schmeißen. *wieGottfühl*

Die Rückreise:
Nur kurz. An der Haltestelle der Arena kam wieder eine nette Durchsage - "Vorsicht an Gleis eins ... Mensch Freunde, geht doch mal ein paar Schritte zurück!" - und dann ging es mit der S-Bahn nach Essen (während dieser Fahrt machte sich der Alkohol, also die nächste Flasche Rotwein, doch sehr bemerkbar *hust*). Dort fuhr uns und ein paar anderen der Zug nach Münster vor der Nase weg - Bekackter Lokführernazi! - und nachdem ein nur gebrochen deutsch sprechender und besoffener Russe, der sich als Kriminalbeamter auszugeben versuchte, uns noch einen Moment aufhielt, fuhren wir nach Hamm und übernachteten bei den Großeltern meiner Freundin.


So, das war's. Jetzt habe ich kaum was zum Konzert gesagt, aber es ist halt nicht meine Lieblingsband. Gewalt ist keine Lösung


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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 01:07                                  +/-

Gimli
Schwarzer Minilederrock war nicht aufzutreiben, also musste ein anderer herhalten, doch erst nach: "Durch den Stoff kann man[n] ja meinen Hintern sehen!!" Mein Kommentar, dass ich das schon gewusst habe, als wir noch gar nicht zusammen waren, half auch nicht weiter.

*albernkicher*


Ich finde es garnicht schlimm, dass du nicht nur oder nicht überwiegend über das Konzert geschrieben hast. Irgendwie gehört das Drumherum ja auch immer dazu. Außerdem ist es auch interessant zu erfahren wie jemand, der weniger euphorisch und voreingenommen ist, das Konzert erlebt. Schöner Bericht.
Außerdem solltest du mal nochmal auf ein Konzert einer Lieblingsband gehen...bin gespannt wie dann der Bericht ausfällt.

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kpm



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BeitragVerfasst am: 23.01.2006, 19:10                                  +/-

Art Brut



spielten am Samstag in Stuttgart. Nach der zweistündigen Autofahrt mit einem Freund, der zufällig auch nach Stuttgart fuhr und mich dann mit einem abartig verkorksten Musikgeschmack überraschte, freute ich mich schon SEHR auf einen Abend mit guter Musik. Die erste Stunde hörten wir EXTREM laut (immer gern!) Musik, die er als Trance angekündigt hatte (na gut) und die sich dann als Viva-Plus-Rotation-Müll herausstellte (O_o), also ernsthaft diese grausam vertechnoten Oldies (If you're going to San Francisco etc.) mit entweder Computeranimationen auf Klingeltonwerbungsniveau oder nackten, tanzenden Menschen im Video. Da müsste ich schon sehr scharf nachdenken um auf was zu kommen, was ich noch weniger gern höre, vielleicht die Klingeltonwerbung selbst. Danach wechselte er dann zu einer offensichtlichen Charts-Hits-CD mit der La Camisa Negra und dem Boulevard of Broken Dreams, was dann geradezu erleichternd war.
Nach einem sehr sehr langen Freitagabend mit den Informatik-Nebenfach-Philosophie-Studenten, ihrer ersteigerten, ziemlich kaputten Playstation und dem einzigen Spiel dafür (Tekken natürlich!) und sehr billigem Alkohol, waren wir dann am Samstag irgendwie nicht ganz so fit, nachdem mein Bruder und ich nach langem Fernseh-Halbschlaf dann so um halb fünf halbwegs aufgestanden waren, um vorher noch in die Stadt zu fahren. Da dann wie üblich im Comicladen den Carl-Barks-Library-Stand vergöttert und minutenlang über einzelne Bilder amüsiert. Dann meinte mein Bruder, sich 20 Minuten vor dem Konzert noch 1.5 Liter Sprite kaufen zu müssen, weil das kommt ja viel billiger so. Er trank dann so 1/10 und den Rest versteckten wir zwischen Stromkasten und Gebüsch nahe der Halle.

Kulturhaus Arena hieß die und wir überreichten unsere überflüssigen Klamotten dem kompetenten Garderobenpersonal und kauften drei (ein Freund war noch dabei) sehr kleine und sehr teure pfandlose Becher Bier an der kompetenten Bar und begutachteten den Merchandising-Stand, wo wir auf den wie immer teuren T-Shirts ablasen, wie die Vorband hieß. The Chalets, also The Schallejs? Eigentlich wussten wir auch nicht so richtig, wie Art Brut sich aussprechen. Englisch oder doch brüt. Überhaupt so eine Band, von der man schon jede Menge gehört hat, außer wirklich Musik von ihnen. Mein Bruder und ich kannten nur die Single (uuuh! Aber bei so einer jungen Band dann doch verzeihbar), während der Dritte von uns es immerhin geschafft hatte, am Tag zuvor noch das Album durchzuhören. Wir hatten nur irgendwann vor langer Zeit einen tracks-Bericht über sie gesehen, als sie wohl tatsächlich noch sehr unbekannt waren und uns glaube ich über ihre extreme Indiehaftigkeit lustig gemacht, und dann ihren Weg durch sämtliche Musikexpress-, fm4-, goTV- und Spex-Charts zwischen all den anderen Angeberbands aus Indie-England (Bloc Party, Maximo Park, Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs) verfolgt.

Zunächst aber die Vorband. The Schällets sprachen sie sich in etwa selbst aus und überzeugten eigentlich sofort ab dem ersten Lied, was bei Vorbands dann doch eher selten passiert. Schöne Menschen, ein Schlagzeuger in der Mitte und rechts und links davon je eine der schönen Frauen mit Minirock und Keyboard und wiederum jeweils rechts und links davon die Gitarristen - einer davon mit Sonic-Youth-T-Shirt, was uns allen dreien gleichzeitig und zuallererst auf- und gefiel. Sehr symmetrisch das Ganze also, und sehr originell, trotz retro.
http://www.thechalets.com <-- unter Musik reinhören und kaufen.



Das Publikum zeigte sich erfreut bis begeistert und die Jungs kauften beide nachher am Merchandisingstand den Chalets je eine Single ab, sie verkauften nach dem Konzert ihre Sachen nämlich dort sympathischerweise selbst persönlich. Die Bar hatte hingegen offenbar den Unmut sehr vieler Konzertbesucher auf sich gezogen. Es hatte sich eine sehr unzufriedene Schlange gebildet, durch die die Information durchgegeben wurde, es gebe kein Bier mehr, nur noch Weißwein! Sehr seltsam. Also zurück in Richtung Bühne, noch ein bisschen weiter vor vielleicht, okay... sehr angenehm, diese freie Platzwahl bei so fast-mittelgroßen Konzerten. Die Stimmung irgendwie ungewohnt; normalerweise warte ich dann ja auf eine meiner Lieblingsbands, bin also wahnsinnig gespannt bis euphorisch, aber am Samstag freuten wir uns so ein bisschen und waren ziemlich müde. Sebastian war inzwischen aufs Klo gegangen und fand uns nicht mehr wieder, weil das Konzert inzwischen anfing. Ganz offensichtlich sehr viele Fans anwesend, die den Bandmitgliedern mit den verrückten Namen beim Betreten der Bühne massiv zujubelten und das erste Lied sofort mitsangen. Die Band wirkte tatsächlich sofort sympathisch und der Sänger betrunken, motiviert und sehr nett. Vor jedem Lied fragte er seine Band "READY, ART BRUT???", bevor sie anfingen. Art Brut übrigens tatsächlich englisch ausgesprochen, nur ohne das erste T. Die Lieder sehr krachig und rockig und all die anderen Wörter, die man so ungern verwendet, ich zumindest. Auch die Show war sehr schön, der Sänger redete sehr viel, auch mit und nicht nur zu den Zuhörern, kletterte auf beinahe alle rumstehenden Verstärker, sprang Seil über das Mikrofonkabel, stieß den Mikrofonständer mehrmals versehentlich ins Publikum um und kam zur Zugabe mit Klappstuhl und einer Tasse Tee wieder. Das Publikum war auch sehr sehr gut gelaunt, manche surften über die Menge und viele warfen ihre teilweise gefüllten pfandfreien Becher durch die Gegend.

Das einzige Lied, das wir kannten, spielten sie als allerletztes der Zugabe, mit der sympathisch selbstironischen Ansage dazu, "This is our single, this is our HIT, we are a POP SENSATION!!!! It's called Good Weeked, ready, Art Brut?!"; das Lied selbst wurde dann extrem laut mitgesungen und dann vom auf dem Klappstuhl stehenden Sänger in einen langanhaltenden "ART! BRUT! TOP OF THE POPS! THE CHALETS! [hier dann wirklich Schällejs] TOP OF THE POPS!"-Chor umgewandelt. (...den ich immer noch oder jetzt wieder als Ohrwurm habe) Sehr sehr gut! Sehr nett! Sehr cool!

Danach Sebastian wiedergefunden und es folgte der verhassteste Teil aller Hallenwinterkonzerte, anstehen an der Garderobe; da hatten wir schon sehr leidvolle Erfahrungen gemacht, und tatsächlich war auch diesmal offenbar das Personal durch irgendwelche anderen Leute ausgetauscht worden, die keine Ahnung hatten, wie das Jacken-Sortier-System der Leute davor funktionierte. Wir hatten noch Glück, weil wir rote Garderobenzettelchen hatten, die Klamotten mit den gelben Zettelchen lagen alle einfach auf einem willkürlichen großen Haufen. Eine völlig verzweifelte Mitarbeiterin sagte ständig, sie könne nichts dafür und sie hätte keine Ahnung, wo die Taschen hingestellt würden, tut mir Leid, tut mir Leid!! Nachdem das auch überstanden war, fanden wir sogar das Sprite unberührt wieder und liefen dann noch relativ weit zur falschen U-Bahn-Station und wieder zurück zur richtigen.

Insgesamt war es sehr schön, wenn auch natürlich nicht annähernd so bahnbrechend wie Konzerte von Bands, die man besser kennt und liebt. Schön war vor allem, dass die Band so nett wirkte, und das war, was viele Leute wohl gern meinen, wenn sie "authentisch" sagen. Das macht dann vermutlich den Unterschied aus, ob man die Band originell, witzig und alternativ findet oder all das mit einem pseudo- vorne dran. "Zurecht gehypet" wäre wohl ein Oxymoron oder sowas ähnliches, aber eine gute Band ist es wirklich.


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If the dinosaurs had a space program they'd still be here. - Astronaut Ron Garan
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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 06.06.2006, 12:13                                  +/-

Rock am Ring 2006 - Teil 1

Ich habe leider nur grottige Handyfotos machen können, betrachtet sie einfach als Kunst, die Projektionen von Anton Corbijn bei Depeche Mode waren auch so pixelig.

7.30Uhr: Der Wecker rappelt. Viel zu früh, verdammt, aber ich wollte ja morgens schon zum Ring fahren.

kurz nach 8Uhr: Okay, okay, ich stehe ja auf. Heißt zwar nicht, daß ich großartig etwas anderes mache als Kakao trinken und Zeit im Netz totschlage... äh... nachgucke, ob es Änderungen im Spielplan gibt, aber immerhin: Ich habe dabei schon die Augen offen.

9Uhr: Ich erfinde den Schichtlook neu: enges T-Shirt, enger Rollkragenpullover, normales T-Shirt, Pullover, dünne Jacke (+Regen-/ Windjacke im Rucksack. Außerdem beschließe ich, daß gutes Wetter wird, ich den Glühwein daheim lasse und stattdessen Sonnencreme einpacke.

10Uhr: Jaaaa, ich fahre endlich los.

11Uhr: Bin am Ring. Musste an der Nordschleife parken, mitten in der grünen Hölle, was mal wirklich sehr weit außerhalb ist. Desweiteren war ich unterwegs beim Bäcker, habe das Shuttlesystem am Ring kapiert (die fahren erst ab 12Uhr, aber ich kann mit der Security bis zum Haupteingang fahren) und meine Schwester und die restlichen Chaoten gefunden. Die wissen noch nicht, ob sie mich hassen oder lieben sollen, meine gute Laune ist wohl nicht so kopfschmerzkompatibel und die haben wohl bei Metallica ein bißchen zu viel abgerockt (Metallica im Innenfeld, muss ein Anfall von Wahnsinn gewesen sein...), aber da ich frischen Kaffeemaschinenkaffee und Croissants mitbringe, beschließen sie, daß sie meine Laune doch noch aushalten können.

ca. 12.30Uhr: Die anderen bauen ab, ich bummle über's noch relativ leere Festivalgelände.

gegen 14Uhr: Die Splittergruppe 1 (dazu gehöre ich) trifft sich an der Center Stage, Splittergruppe 2 ist memmig, schläft noch eine Runde im Auto und begibt sich dann zur Alternastage. Wir sollen sie an diesem Tag nicht wiedersehen, an der Center Stage wird es im Laufe des Tages so voll, daß keine Chance mehr besteht, daß die es jemals nach vorne schaffen und uns finden können.

14Uhr: Kill The Young
Ich kenne diese Band nicht, sie klingen britisch, sie rocken, sie sehen sogar aus wie Rocker, immerhin tragen sie noch die traditionelle Lederjacke, es ist zur Einstimmung ganz nett, auch wenn wir lieber sitzen als stehen. Man muss sich ja schonen für das, was noch kommt, und so lehnen wir uns lieber mit dem Rücken an den Wellenbrecher und harren der Dinge, die da kommen sollen.

Stimmung:

relaxt

14.50Uhr: She Wants Revenge
Die kenne ich auch nicht. Die Instrumentalfraktion der Band ist gut, der Sänger... naja, er trifft die Töne und klingt nicht wirklich schlecht, aber er hat null Charisma, was nicht gut ist, wenn man einen auf cool machen möchte: Sonnenbrille, dunkles Jacket, dunkle Nadelstreifenweste, helles Hemd und Low Cut Jeans sind die falsche Kombination, wenn man zu groß und dünn ist, so daß man in der Mitte 20-30cm des Hemds sieht und abends noch Brian Molko und Dave Gahan auf der Bühne stehen, die den Anzuglook in Perfektion beherrschen. Man kann sich jedenfalls prima unterhalten bei der Band und seine Kräfte noch ein bißchen aufsparen.


15.50Uhr: Kaiser Chiefs

Hilfe, aufstehen, schnell! Sie rocken los, das Innenfeld füllt sich binnen weniger Minuten bis zum letzten Platz. Schon wieder Weste, Hemd, Jeans, diesmal ist die Weste aber lang genug, außerdem ein toller Mantel, den ich haben möchte. *neid*
Ich muss ein bißchen grinsen, den Mut, das lila Festivalbändchen für die Künstler auch noch mit einem pinken Armband und einer Kravatte in Neonorange zu kombinieren haben nur Briten.
Bei „I predict a riot“ tobt die Menge an diesem Tag zum ersten mal richtig, außerdem testen sie neue Lieder, die gut ankommen, haben überhaupt eine gute Laune, die ansteckt. Sie rocken einfach!

17.00Uhr: Sportfreunde Stiller

Hm. Eindeutig keine Nadelstreifen, was an diesem Tag sehr ungewöhnlich ist. Auch sie haben gute Laune und verbreiten Partystimmung, die Sonne beginnt langsam wirklich zu brennen und ich friere endlich nicht mehr. Es fliegen Fußbälle und Strandutensilien durch die Menge, fast könnte man glauben, daß tatsächlich Sommer ist, und so kurz vor der Fußball-WM sind die Sportfreunde natürlich ein Kracher, ihr aktuelles Lied wird zum Ohrwurm des Tages von sehr vielen Menschen.
Fast hätten sie ihren Sänger eingebüßt, als der den Bassisten ärgern wollte und mal ausprobiert hat, wie das denn so klingt, wenn 70.000 Leute den Namen „Rüdiger“ brüllen. Ergebnis: Besser wird der Name dadurch auch nicht.
Und dann haben sie den Lacher des Tages geliefert: Ein Fußball flog auf die Bühne und sie wollten ihn zurückkicken. Die Bühne ist wirklich riesig, die Sportis haben wenig Krempel auf der Bühne, da war viel Platz, wirklich VIEL Platz, vorne stand nur ein einziger Mikroständer, also eine ganz dünne Stahlstange. Aber die schießen sie ab bei der Aktion! Und sowas von den Sportfreunden... *fg* Es war ihnen völlig zu Recht sehr peinlich.

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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 08.06.2006, 00:08                                  +/-

Wann kommt denn Teil 2? *abwart*

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 08.06.2006, 08:48                                  +/-

Sobald ich die Zeiten, die ich zum Schreiben längerer Texte verwenden könnte, nicht mehr damit verbringe, die wenigen Ausschnitte vom Placebo-Auftritt, die so durch's Netz schwirren, anzuschmachten.

Ich möchte mich hiermit aber auch noch bei Waldelb für's Rübersortieren der ganzen Konzertberichte aus dem anderen Thread bedanken. Spitze

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Wildrose



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BeitragVerfasst am: 08.06.2006, 08:57                                  +/-

Lothiriel
Sobald ich die Zeiten, die ich zum Schreiben längerer Texte verwenden könnte, nicht mehr damit verbringe, die wenigen Ausschnitte vom Placebo-Auftritt, die so durch's Netz schwirren, anzuschmachten.


Au ja!!! Spitze

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 08.06.2006, 21:48                                  +/-

Rock am Ring 2006 - Teil 2

18.30Uhr: Franz Ferdinand


Franz Ferdinand noch unter den Vorgruppen zu haben ist schon irgendwie sehr dekadent. Mittlerweile ist die Sonne dabei, das Festivalpublikum zu grillen. Uns stört das jetzt zwar nicht so, wir haben ja Sonnencreme, aber die Menschen um uns herum beginnen langsam aber sicher, Farbe anzunehmen. Wir beginnen in der Umbaupause einen fröhlichen Tauschhandel mit der Security am Wellenbrecher, an den wir uns bei den Sportfreunden zurückgezogen haben: Biete Sonnencreme, will Sitzplatz in den Umbaupausen und Zugriff auf die Mineralwasservorräte. Deal!
Dann betreten Franz Ferdinand die Bühne und was soll man sagen? Schon wieder Nadelstreifen! Diesmal in weiß auf einem grünen Hemd. Briten...
Franz Ferdinand setzen da an, wo die Sportis aufgehört haben: Bei der guten Laune. Der Gitarrist hat sichtlich Spaß daran, daß er mit dem Publikum Deutsch sprechen kann und der Rest der Band dabei fünf Fragezeichen im Gesicht hat. Zur Musik muss man wohl nicht mehr viel sagen, Franz Ferdinand eben, sehr rhythmisch, sehr treibend, witzig. Mir blieb besonders in Erinnerung, als sie zu dritt auf dem Schlagzeug rumgetrommelt haben. Ich frage mich, wie man dabei nicht im geringsten aus dem Takt und sich gegenseitig nicht in die Quere kommt. Sie beenden ihren Gig mit „Do you want to?“ und hinterlassen ein angeheiztes Publikum in Hüpflaune.


20.15Uhr: Placebo


Ich bin ein bißchen skeptisch. Ich mag Placebo wirklich, aber im Sonnenlicht? Nach den Vorgruppen? Wo „Meds“ jetzt auch nicht so das Gute-Laune-Album ist?

Placebo demonstrieren an diesem Tag vor allem eines: Was Perfektion ist. Das beginnt schon beim Umbau, man hat ihnen ganze 25min Zeit gegönnt zum Bühnenumbau und Soundcheck, was machbar, aber eher knapp ist. Ihre Truppe ist 10min vor Auftrittsbeginn fertig, außerdem sind sie so nett, dem Publikum keinen Soundcheck über die Lautsprecher zuzumuten, sie testen nur über's Monitoring und über Kopfhörer, stattdessen laufen auf den großen Monitoren an der Bühnenseite Musikvideos, u.a. Panic! at the Disco und „Down in the past“ von Mando Diao. :daumenhoch:
Punkt 20.15Uhr geht ein Ruck durch die Menge, Placebo betreten die Bühne und machen vom ersten Moment an klar, wer an diesem Tag Herr über die Center Stage ist und daß ab jetzt ein anderer Wind weht. Sie beginnen mit „Infra-Red“, bzw. einem halbminütigen Baß-Schlagzeugintro zu diesem Lied, bevor Brian Molko aus dem Bühnenhintergrund tritt und seinen Racheschwur losläßt.

One more thing before I shuffle off the planet,
I will be the one to make you crawl


Okay, die Ansage ist deutlich. Das ist nicht mein erstes Placebokonzert, aber so aggressiv habe ich sie noch nicht erlebt. Sie sind überhaupt angenehm rockig an diesem Tag, es gibt so gut wie nichts an technischen Effekten, weder im Bühnenbild (da gibt es die Effekte „Licht an“ und „Licht aus“, erkennt man aber auch nur in der Aufzeichnung, live konnte man das nur auf den Monitoren sehen oder wenn man die Augen zusammenkniff und mal ganz konzentriert die Hintergrundbilder anguckte, so hell war es) noch in der Musik, sie haben lediglich einen Keyboarder für die elektronischen Elemente dabei, dafür aber auch noch einen zusätzlichen Gitarristen.
Interessant ist der Vergleich zwischen der Fernsehaufzeichnung, die teilweise auf den Monitoren lief, und live. Für die Kameras hatten wir offenbar ein wunderbares Abendrot und einen traumhaften Sonnenuntergang, in der Realität war der Himmel hinter der Bühne noch richtig blau, wie man in einigen Einstellungen sieht, und in der anderen Richtung war es einfach hell. So hell, daß keine Kamera den Himmel direkt in diese Richtung filmte. Das, was da als Abendrot vorgegaukelt wird, sind einfach abgeschwächte Strahlen der tiefstehenden Abendsonne, die aus dem Schatten der Bühne gefilmt wurden. Ihr kennt doch sicher auch abends dieses gelbe Licht, daß noch so ein bißchen durch die Fenster scheint?
Vom Klang her ist die Aufnahme ebenfalls merkwürdig zu hören, da er direkt von der Anlage abgegriffen wurde, aber offensichtlich nicht für eine Aufnahme, sondern zur Beschallung eines riesigen Geländes ausgesteuert war, live klang es extrem gut, auf der Aufnahme teilweise ziemlich fiepsig bei den elektronischen Elementen und Molkos Stimme hatte live auch mehr Tiefe, das klang satter.
Nach „Infra-Red“ geht es weiter mit „Meds“, „Because I Want You“ und „Drag“, dann kommt eine doch etwas lasziv geratene Performance von „Space Monkey“. Auf der CD ist das das Lied, das ich immer weiterzappe, aber live... *rotwerd* “...raising the temperature 100 degrees...“
Es folgen „Special Needs“ und „Post Blue“, einer meiner Favoriten auf dem aktuellen Album. Es ist ja auf der CD schon sehr eingängig, live verwandelt es das Festivalgelände in einen regelrechten Hexenkessel, auch der Herr Molko scheint seinen Spaß zu haben, ich habe ihn noch nie so viel hüpfen sehen. Es kommen noch der „Song To Say Goodbye“ und „Follow The Cops Back Home“ vom aktuellen Album, dann widmen sie sich den Klassikern: „Every You, Every Me“ kennt wohl jeder im Publikum, der Mitbrüllfrequenz nach zu urteilen, dann „Black-Eyed“, Molko gibt sich die Bad-Guy-Nummer sehr überzeugend mit einem Hauch von Selbstironie. Die nächsten Lieder sind „One Of A Kind“ (nicht alt, sondern neu, paßt aber gut in die Reihe), „The Bitter End“ und „Twenty Years“, dann folgen schon die Zugaben: Das Kate-Bush-Cover „Running Up That Hill“, „Special K“, geht gut ab, und mit „Nancy Boy“ noch ein Ausflug in die Anfänge von Placebo.
Alles in allem ein sehr runder Gig, Placebo in Bestform, mit einer Band, die gewaltig nach vorne spielt und einem Frontmann, der nicht umsonst als einer der charismatischsten im Rockbusiness gilt und sein Publikum komplett im Griff hat. Es war sehr faszinierend zu beobachten, wie gekonnt er auf dem schmalen Grat zwischen eigenem Seelenstriptease und Hingabe ans Publikum und totaler Kontrolle von selbigem balancierte, ich konnte nur noch staunen, als er in einem Instrumentalpart mitten auf der Bühne stand, dem Publikum zusah, dann langsam anfing, ganz leicht mit dem Kopf zu nicken (wenn er den Kopf dabei 5mm bewegt hat, dann ist das großzügig geschätzt), sonst völlig regungslos blieb, und 70.000 Menschen sprangen im Takt. Wahnsinn!

Modisch gab's übrigens auch hier die Nadelstreifen, aber kein weißes Hemd zwischen Weste und Hose, sondern einen weißen Gürtel. Clever, der verrutscht auch nicht.


22.20Uhr: Depeche Mode


Der Headliner. Zumindest offiziell.
Kurzfassung: Die Bühnenshow war fantastisch, der Funke sprang jedoch nicht über, sie haben mehr für die Fernsehkameras gespielt als für das Publikum vor Ort, bei „I Feel You“ und „Personal Jesus“ ging das Publikum zwar trotzdem ab, richtig Stimmung kam aber zumindest da, wo ich stand, nicht auf, gegenüber Placebo fielen sie deutlich ab, aber die Projektionen von Corbijn sahen klasse aus. Der Sound war offenbar auch eher für's Fernsehen gedacht, eine weltweite Ausstrahlung ist wohl wichtiger als die Leute, die gerade vor der Bühne stehen. In Fernsehen muss es auch fantastisch gewesen sein.


0.10Uhr: Bela B.


Bela hat sich auf der Alternastage Nachtclubatmosphäre geschaffen, mit rotem Samtvorhang und leicht bekleideten Tänzerinnen. In einem Anfall von Größenwahnsinn schallen Bela-Sprechchöre aus den Lautsprechern, er ist ein bißchen verwirrt, daß doch so viele Leute hingefunden haben, schließlich ist er der Allerletzte auf dem Festival, er findet's toll, ein Rockstar zu sein und so viele Frauen um sich zu haben, lacht sich über sich selber kaputt, weil er öfter mal patzt und hat einfach seinen Spaß mit seiner eigenen Party. Es gibt – wie auch auf seiner CD – bei „1., 2., 3.“ einen Gastauftritt von Charlotte Roche. Die ist auf der CD schon lustig, aber wenn dann auch noch die Optik dazu kommt... Was hat er ihr geboten, damit sie in babyblauer Hotpants auf die Bühne tritt und einen auf albernes Girly macht? Bela ist jedenfalls witzig, es hat sich gelohnt, bis zum bitteren Ende zu bleiben.

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Oxford
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 01:40                                  

Wieder da von Eric Clapton in der Dortmunder Westfalenhalle.

Fazit: grandios, aber das war wohl abzusehen.

Als Vorband spielte der geniale Robert Cray auf. Für mich der Ray Charles der E-Gitarre. Er sah ein bisschen aus, wie der junge Muhammend Ali und spielte sehr jazzigen Blues mit genialsten Gitarrensoli.



Dann enterte der Meister die Bühne, zusammen mit 11 weiteren Musikern (2 Gitarren, 2 Piano/Keys, 1 Schlagzeug, 2 Backgroundsängerinnen, 2 Saxophon, 1 Trompete, 1 Bass). Anna und ich standen sehr weit vorne und hatten beste Sicht, was sehr erfreulich war Smilie Wir haben auch lang genug angestanden und gewartet.

Der Auftritt war perfekt. Fast zu perfekt. Der Sound war spitze, die Lichtshow war spitze. Alles vom feinsten. Alles glänzte. Insgesamt war es mir fast ein wenig zu steril. Gott sei Dank fing Clapton stark an zu schwitzen, so dass wenigstens sein Hemd nach wenigen Minuten nach einem echten Rock-/Blues-Gig aussah.

Wichtigste Beobachtung für mich: Clapton war nicht eitel. Er ließ seine Mit-Gitarristen sehr viele Soli spielen, ebenso Robert Cray, der für einen Gastauftritt nochmal auf die Bühne kam. Man muss eben auch jönne könne. Er selbst griff aber auch ordentlich in die Saiten. Noch in keinem einzigen Progrock-Konzert habe ich so viele und so lange Gitarrensoli erlebt, wie bei Eric Clapton heute Abend. Das Argument, das Prog deswegen nicht hörbar sei, weil sich die Protagonisten in ihren Soli verlören, ist damit endgültig ad absurdum geführt (und das musste ich jetzt mal dringend loswerden!) zwinkern

Als Zugabe spielte er ein sehr rockiges Duett mit dem ein letztes Mal auf die Bühne geeilten Robert Cray und das war wirklich der absolute Höhepunkt! Sie sangen zusammen und zockten zusammen ihre Soli runter und hatten dabei augenscheinlich sehr viel Spaß! Spitze

Kleiner Wehrmutstropfen: "Tears in Heaven" hat er nicht gespielt. Stattdessen aber "Wonderful tonight", und Anna konnte ihre Tränen direkt danach bei der sehr rockigen Version von "Layla" trocknen!

Das Publikum hatte einen gefühlten Altersdurchschnitt von 45. Aber das ist beim Prog ja nicht viel anders, daher wars ok. Trotzdem ist ungewohnt, ein Konzert mit so vielen Ü 40-Normalos zu erleben. Aber die Halle war ausverkauft und die Stimmung, gemessen am Rentnerfaktor, sehr gut. Wir hatten, wie oben erwähnt, beste Sicht, was auch daran lag, dass die ganzen Hausfrauen vor uns gerade mal 1,60m maßen hähö Naja, waren natürlich auch Männer da. Die meisten sahen übrigens selbst aus wie Eric Clapton. Brille und Dreitagebart war da irgendwie Standard.

Alles in allem haben sich die 60 Euro pro Karte gelohnt. Eric Clapton spielte netto 2 Stunden, plus 40 Minuten Vorband. Das ist im Mainstream absolut in Ordnung zwinkern


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.

Zuletzt bearbeitet von Oxford am 15.07.2006, 11:49, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 01:58                                  +/-

Also ich stimme Ox da mal komplett zu.

Plus: Überrascht Überrascht Überrascht Überrascht Überrascht

Der Mann macht LIEBE mit seiner Gitarre!


_________________
And she will look upon him with forgiveness... and everybody will forgive and love. And he will be loved.
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