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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 12:22                                  +/-

Ach ja, kleines add-on:

vor uns stand ein Typ, mitte dreißig, recht sportlich gekleidet, aber nicht unseriös. So weit alles gut und normal. Doch plötzlich, nach einem besonders langen, genialen Solo, drehte er sich zu seinem Kumpel um und schrie im schönsten Ruhrpott-Sprech mitten in eine recht ruhige Stelle hinein: "Boah Alter, scheiss die Wand an!!!" ugly Später gegen Ende kam dann noch mal ein ebenso intensives: "Leck mich fett!" grins


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 13:11                                  

Zwei Tage zuvor waren Anna und ich in Siegen bei Neal Morse, wovon ich der Vollständigkeit halber auch kurz berichten möchte. Die Bismarckhalle war mit etwa 250 Leuten gut gefüllt und die Stimmung sehr erwartungsvoll.

Vor einigen Jahren sagte sich Neal nämlich von seinen erfolgreichen Bands Spock's Beard und Transatlantic los, um Solo sein Glück zu finden. Dies, so verkündete er, habe Gott ihm geraten. He had prayed about it. Wie über so vieles. Wenn man Neals Einträge in seinem Forum liest, kommt man zu dem Schluß, dass er wirklich über alles erstmal betet. Über sein nächstes Album, seine nächste Tour usw.


Neal in Siegen, 12. Juli

Dies war nicht seine erste Solotour. Bereits 2002 sah ich ihn auf der Testimony-Tour in Bochum und es war genial, mehr als das! Ich komme mit seiner spirituellen Seite und den entsprechenden Texten gut klar. Die Musik bleibt außerdem bombastisch! Ebenso die unvergleichliche Spielfreude und Aura auf der Bühne. Der Mann ist einfach liebenswert.


Neal in Hamburg, 13. Juli

Auch nach dem Konzert, wenn er sich immer unendlich viel Zeit für all seine Fans nimmt. Jeden Einzelnen begrüßt er mit Handschlag, sieht ihm in die Augen und schickt ein ehrliches "How are you" oder "Thanks for coming" hinterher. Ich traf ihn bereits das vierte Mal auf diese Weise, aber es ist immer wieder ein Erlebnis.


Neal und ich

Er spielte an dem Abend inkl. kurzer Pause gute 3 Stunden. Sein aktuelles Album "?" komplett, große Teile des "One"-Albums und alte Transatlantic und Spock's Klassiker. Ein Höhepunkt war das Duett mit seinem 10 Jahre alten Sohn, welches er schon letztes Jahr auf seiner "Worship"-Tour im Programm hatte. Diese "Worship"-Tour bestand aus kostenlosen Auftritten in kleinen Venues, wie Buchläden oder Gemeindehäusern, die er Solo mit seiner Gitarre und seine Keyboard bestritt. Nur der Drummer der diesjährigen Tour begleitete ihn auf einer kleinen Percussion-Box. Damals sah ich ihn in Wermelskirchen, Münster und Utrecht (NL).


Neal Morse mit Mitgliedern von thebearded.de (ganz rechts: ich)


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Akt



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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 15:00                                  +/-

Oxford
und schrie im schönsten Ruhrpott-Sprech mitten in eine recht ruhige Stelle hinein: "Boah Alter, scheiss die Wand an!!!" ugly Später gegen Ende kam dann noch mal ein ebenso intensives: "Leck mich fett!" grins


Ich hatte schon überlegt eben jenes als Review zu posten. Ich denke er trifft doch den Nagel auf den Kopf, wenn auch etwas platt ugly


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kpm



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BeitragVerfasst am: 17.07.2006, 20:15                                  +/-

Sehr schöne Berichte, Ox (und Akt)! Liebe zu Musik find ich sowieso immer so schön zu lesen.


Tocotronic war am Samstag übrigens ein einziger Exzess. Währenddessen größtenteils sehr geil und ekstatisch, im Nachhinein aber zumindest in Teilen der blanke Horror. Das Konzert selbst war seitens der Band wieder unglaublich gut, wenn ich sie auch schon zum dritten Mal mit derselben Setlist gesehen habe. Dirk redete soviel Außeransagerisches wie nie, was leider akustisch kaum zu verstehen war.

Das Poolbarfestival in Feldkirch ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen, 6 Wochen lang jeden Abend ein oder zwei oft großartige Bands in einer sehr netten, nicht zu großen und ziemlich einzigartigen halb-Club-halb-Festival-halb-Konzerthalle-Atmosphäre. Da erscheint es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Bands sich nach dem Konzert noch gerne in dieser komischen Ex-Hallenbad-Location rumtreiben, den Schlagzeuger Arne Zank hab ich zumindest noch rumlaufen sehen, war aber selbst leider gerade auf dem Gipfel der Orientierungslosigkeit und alberner Panik und konnte zum Glück nichts sagen.

Auf dem nächsten Toco-Konzert werd ich jedenfalls nüchtern sein, das wird der Musik viel gerechter. Auch wenn es so natürlich auch was hatte.

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Edit:
(20:17:17) Belladonna: warst du oder ich das mit dem tocotronic-spielen-in-einer-halle-mit-schwimmbad-architektur-traum?
(20:17:29) Meche: äh wahhh.. das war ich
(20:17:32) Meche: jetzt wo dus sagst


Ist uns gerade eingefallen... ist ja der Wahnsinn. Das ist Jahre her, aber ich hab das wirklich mal geträumt. Da stand die Band aber in der Mitte des riesigen, leeren Pools und das Publikum drumherum, das war von der Sicht her nicht so praktisch, aber ziemlich cool.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 19.07.2006, 13:13                                  +/-

Warum denn "der totale Horror"? Erzähl mal mehr.


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kpm



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BeitragVerfasst am: 19.07.2006, 19:38                                  +/-

Nö. So gefährliche viel-zu-viel-Alkohol-Sachen halt.


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 01:42                                  +/-

Würde man von so vernünftigen Menschen gar nicht erwarten Echt schlimm


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Mond



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BeitragVerfasst am: 21.07.2006, 16:35                                  +/-

Oxford
Würde man von so vernünftigen Menschen gar nicht erwarten Echt schlimm

Du hast es da mit Jugendlichen zu tun, nicht mit Menschen. Und Vernunft und Jugend passen genauso gut zusammen wie Pommes mit Schokoglasur. grins

Mond


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The Art of Happiness
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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 02.08.2006, 19:05                                  

Am Freitag noch in Japan, gestern schon in Saarbrücken:

Flogging Molly

…und ich war auch da und es war ein unglaubliches tolles Konzert!


Flogging Molly sind aus Kalifornien und ihre Musik ist eine gelungene Mischung aus Irish Folk, Punk, Rock und ein klitzekleinesbißchen Ska. Laut.de beschreibt das ganze etwas poetischer: Ihre Musik ist nicht unbedingt das Originellste unter der Sonne, aber der Mix aus Irish-Folk, Punk-Anleihen und Slam-Poetry hat seinen sehr sympathisch und kraftvollen Reiz abseits von Birkenstock-Sandalen und exquisiten Schafswoll-Pullovern. Einmal kurz auf die Snare gedroschen, und der Polka-Zug geht ab. Und Live geht der Zug noch mal ein Stück besser ab. Es war einfach fantastisch.



Auf dem (wieder eher künstlerisch als informativ ausgefallenen) Foto kann man leider nicht so gut erkennen, wer denn da nun auf der Bühne steht…nunja. Wie sehen bzw sollten sehen von links nach rechts: einen verückten, während des Konzerts ausgeflippt dopsenden Bassisten namens Nathen Maxwell, den grandios akkordeonspielenden Matt Hensley, einen weißen Fleck, der eigentlich Schlagzeuger ist und auf den Namen George Schwindt hört, die fantastische Bridget Regan mit ihrer Geige/Fiddle (manchmal spielt sie auch Flöte), den Mandoline spielenden halb-Mexikaner-und-halb-Ire Bob Schmidt (dem Namen nach müssen da auch irgendwelche Deutschen im Spiel gewesen sein. *vermut*), den grandiosen Frontman Dave King und den Gitarristen Dennis Casey. [/langer Satz] Der Frontman ist übrigens der einzige wirkliche waschechte Ire der Band. Diese irische Untermacht vermutet man nicht ansatzweise, wenn man die Musik das hört. Überhaupt stellt sich wahrscheinlich jeder beim ersten Hören eine feiernde, tanzende, singende und vor allem trinkende irische Horde vor.


Das Konzert gestern fand vor überraschend viel Publikum statt, ich war sehr verwundert, dass die Halle fast voll war. Schätzungsweise waren ca. 1000 feiernde Menschen vor Ort. So viele Menschen hab ich dort noch nie auf einem Haufen gesehen:



Es ist schwierig ein Konzert angemessen mit Worten wiederzugeben. Ich habe zwar ein bißchen gefilmt, aber irgendwie bekommt man keinen richtigen Eindruck vom Konzert. Das Bild ist zu dunkel (man sieht die tobende, tanzende, pogende, hopsende, klatschende, crowdsurfende Menge gar nicht Geschockt ) und der Ton ist…nunja…wie der Ton bei solchen Aufnahmen eben ist: mies. Wer es trotzdem sehen will. Voilà:




Die Stimmung war jedenfalls Klasse und das Publikum ebenso grandios wie die Band. Man konnte gar nicht anders, als sich zur Musik zu bewegen oder mit der Menge zu hüpfen. Das Konzert dauerte leider nur etwa 1 3/4 Stunde…weil die Halle von Wohnhäusern umgeben ist und die Anwohnern vor Jahren mal eingeklagt haben, dass Konzerte nur bis 23 Uhr dauern dürfen. Hmpf. Vielleicht hätte man sich die Vorband sparen (Punk-Rock von den Broilers…die hatten wie Flogging Molly auch ein Meeedchen dabei) und statt dessen länger spielen sollen? Allerdings fürchte ich, dass sowohl Publikum als auch Band ein sehr viel längeres Konzert nicht durchgestanden hätten. Zum einen haben sich beide ziemlich verausgabt und zum anderen waren widerlich heiß. Selbst, wenn man ruhig rumstand schwitzte man fröhlich vor sich hin. Wobei es einige weibliche Mitmenschen mal wieder schafften nicht zu schwitzen. Wie machen die das eigentlich immer? Das ist mir schon öfter aufgefallen, dass es besonders unter den gestylten Meeeedchen einige gibt, die scheinbar nicht schwitzen…wahrscheinlich damit das Make-Up nicht zerfließt oder weil Schwitzen unweiblich ist oder so. Wo war ich? Achja es war heiß, (fast) alle schwitzen und einige männliche Mitmenschen hatten dann natürlich die grandiose Idee den Oberkörper von Kleidung zu befreien…ich finde das wäääääääääh. Die Personen, deren schweißgebadete Körper ich im Nahkampf berühren will, lassen sich an genau einem Finger abzählen. Die schweißnasse Haut aller anderen will ich nicht berühren....wääääääh. Naja, da kommt man bei solchen Veranstaltungen wohl leider nicht drumherum. *Seufz*

Es war trotzdem sehr sehr seeeeeehr toll und ich will sofort wieder hin!

Und ich weiß jetzt, dass Akkordeon, Mandoline und Geige coole Instrumente sind. Yes

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Thanil
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BeitragVerfasst am: 02.08.2006, 22:16                                  +/-

Das ist ein sehr schöner Konzertbericht, und das schreibe ich natürlich völlig unabhängig von der Tatsache, dass ich ein sexülles Verhältnis zur Autorin habe. *herzchenaugen*

Bloggeeeeeeeeeeen!!! grins


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 03.08.2006, 01:14                                  +/-

Thanil
und das schreibe ich natürlich völlig unabhängig von der Tatsache, dass ich ein sexülles Verhältnis zur Autorin habe


hähö

Das blöde ist, dass ich hier zu Hause keine Video angucken kann, weil mein Rechner zu lahm für youtube.com ist Mit den Augen rollen ich verpass dadurch schon seit Wochen die Hälfte der Themen hier.


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Akt



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BeitragVerfasst am: 03.08.2006, 18:11                                  +/-

Das Video ist auch nicht sooo gut, also verpasst du da nicht viel

Der Bericht allerdings klingt so gut...da bekäme ich glatt Lust Molly zu floggen [/arwen]


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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 03.08.2006, 18:14                                  +/-

Akt
Das Video ist auch nicht sooo gut, also verpasst du da nicht viel

Na warte...




Nee quatsch…hab ich ja schon gesagt, dass es mies ist.


Zitat:
Der Bericht allerdings klingt so gut...da bekäme ich glatt Lust Molly zu floggen [/arwen]

grins

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kpm



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BeitragVerfasst am: 27.09.2006, 19:52                                  

...Momente wie Geschenke, wie Getränke mit Grenadine und Alkohol.

Spätsommersonnenstrahlen scheinen auf freundliche Tiere und freundliche Menschen, die selbstgemachtes Eis zu kaltem Bier und wundervoller Musik essen - was klingt wie eine verkappte Kitsch-Fantasie oder wie ein vermutlich ganz schlechter Anfang für jeglichen Text, ist manchmal einfach nur wahr.



... viele kleine klebrige Sekunden hängen zwischen Ziffern und dem Blatt, ach wie viele überflüssig-unnötige Stunden hab ich heute wieder mal verbracht ...

"Bei den Gleisen am Stuttgarter Nordbahnhof" ist als Ortsbeschreibung nicht sehr präzise, als Ort daher nicht so leicht zu finden, wirkt aber an sich umso bezaubernder. Auch von oben gesehen, von der Brücke aus, auf der wir uns versehentlich wiederfanden, woraufhin uns die Kleingeldprinzessin, deren Konzert wir dort besuchen wollten, von unten lachend den richtigen Weg zurief.
Der sogenannte Eintritt betrug einen so symbolischen Euro, dass er einen an jedem anderen Verhältnis zwischen jemals Bezahltem und dafür Erlebtem zweifeln ließ.

... wem soll ich jetzt im Rauschen der Welt morgens meine Träume erzählen? Und anderswo, anderntags längst, denkst du an dies und das, mal an nichts und mal an mich. ...

Die abgelegenen, stillgelegten und bewohnten Graffitiwaggons inmitten von Pflanzen und aufgehängten Schallplatten legten zumindest während des wenige Stunden kurzen Einblicks in diese Welt Gedanken an Freiheit und Frieden, romantisch und utopisch und wiesolebichwoanders? nahe sowie an andere Wörter aller Wortarten, aber das einzige, das wir davon zugaben, war "Cool!". Beim kühlen Bier in der warmen Sonne vergaßen wir auch die Uhrzeit, deren Druck, den sie während der Fahrt und Suche auf uns ausgeübt hatte, folgerichtig gleich verflog.

... ist es denn noch weit zum Paradies? Bin ich mittendrin, wenn ich die Augen schließ? Wieder ein Herzschlag, ein Atemzug, halt ich mich nicht fest, so vergeh ich im Flug - und ein Augenblick wär mir doch genug ...

In einem der Waggons befand sich auch die Bühne, vor die wir uns zusammen mit anderen Leuten, Kindern und Hunden setzten und der Kleingeldprinzessin (der Name: Berliner Straßenmusikerinnenhintergrund) beim Herumlaufen und nach Klebeband Suchen zusahen. Ihre Band, die Stadtpiraten, hatte sie nicht dabei. Als weit nach der geplanten Nachmittagsuhrzeit, deren pünktliche Einhaltung uns zuvor gestresst hatte, schließlich alles funktionierte, begann sie zu spielen, alleine mit Gitarre.



... und so sitz ich immer noch im Vorzimmer deiner Seele und baumel mit den Beinen, weil deine Unvergleichbarkeit so unerreichbar bleibt, wirst du nicht mich mit diesem Lächeln meinen ...

Das Schöne an der kleinen Menge an Menschen und dem kleinen Abstand zwischen selbigen und der Kleingeldprinzessin war, abgesehen von der Nähe selbst, die niedrige Lautstärke, die ausreichte, um ihr etwas zu sagen. So war das Konzert insgesamt auch ein angenehmer Dialog mit dem Publikum, der schon nett begann:

Kleingeldprinzessin (schüchtern, verwirrt, lachend) : "So, das ist jetzt noch halb Soundcheck, aber irgendwie geht's auch schon los. Hallo!"
Jemand: "Hallo, Prinzessin. =)" (Das Lächeln war genau in dieser Form auch akustisch zu hören)
Kleingeldprinzessin: "Schön, dass ihr da seid!"
Jemand: "Schön, dass DU da bist. =)"

Sie spielte vor allem neue Lieder, manche davon politisch oder portugiesisch (Portugal: Da lebte die Kleingeldprinzessin nie, aber ich glaube in Brasilien), die meisten aber doch unendlich reizende, den Verstand schmelzen und das Herz überbordern lassende Liebeslieder. Daraus entnommene verstreute Zitate kann der aufmerksame Leser auch hier zwischen den Absätzen versteckt entdecken, zum Beispiel:

... selten, aber manchmal, denk ich noch an dich. Selten, aber manchmal, zauber ich dann ein Lächeln auf mein Gesicht. Selten, aber manchmal, lache ich, wenn ich im Regen steh'- selten, aber meistens, tut das weh ...

Zwischen oder auch während ebendieser Lieder fügte die Kleingeldprinzessin (heißt eigentlich: Dota Kehr) Geschichten ein über die Änderung einer Berliner U-Bahn-Linie, die in einer dadurch nun überholten Zeile erwähnt wird, über die Schwierigkeit des Reimens auf "schwarz" und über den Ort Friedberg in Bayern, an dem sie am Tag zuvor gespielt hatte und über den einer der Zuhörer durch aufmerksames Raten ein Buch gewann, das die Prinzessin vom Bürgermeister überreicht bekommen hatte.

... wie die eine Hälfte einer zerrissenen Umarmung ...

Auf den CDs frage ich mich immer, wie in aller Welt es möglich ist, sich SOLCHE Texte mit Hunderten von Binnenreimen pro Zeile nicht nur zu merken, sondern, während man nebenbei Gitarre spielt, in diesem Tempo verhaspelfrei zu singen - beim Konzert wurden da schon mal selten, aber manchmal Strophenanfänge vergessen ("Blick zurück mmmmh nein, die Strophe hatten wir schon..." - "Macht nichts, war schön, nochmal! =)"-) oder einzelne Worte ver-"mmh-mmmh-mmmh"-t oder verlacht, was alles aber noch zusätzlich versympathisierte. Nett war auch die Ansage eines Diss-Liedes eines Typen mit Yuppie-Freunden, "es ist sogar in dis. Aber ich spiel's jetzt in d.".

... Erinnerungen an Momente mir dir, kostbar und rar, wie Diamanten aus Eis, halt sie nicht zu fest in meiner Hand, denn ich weiß - sie zerschmelzen zu Tränen, wenn die Kälte mir fehlt ...

Auf die Frage nach Wünschen bei der Zugabe folgte statt dem üblichen Gebrülle und Gekreische nur eine fast geflüsterte, aber vielstimmig-einstimmige Bitte nach "Alles Dur. =)", das dann auch vor dem letzten Lied über Justus, Peter und Bob gerne gespielt wurde. Die Einladung zum Kauf der neuen Platte konnten wir uns leider in dem Moment nicht leisten, werden aber sehr gerne der nach Tübingen zu einem Novemberkonzert folgen. Es gibt kaum etwas, was ich lieber empfehle, als auch so ein zauberhaftes Konzert zu erleben oder sich etwas Musik der Kleingeldprinzessin zu kaufen.

... Und dann in deinem Arm, alles gut, alles andre egal, alles du, alles Dur, alles nur ein Kitzellachen, fühl mich wohl - sind Momente wie Geschenke, wie Getränke mit Limettensaft und Alkohol.


--> www.kleingeldprinzessin.de (Musik zum Anhören, Musik zum Kaufen, Konzerttermine zu finden)
--> www.yardfestival.com (dazu gehörte das Konzert)


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 08.10.2006, 02:58                                  +/-

Kurz nach halb zwei (!) bin ich total euphorisiert vom Konzert zurückgekommen, und nachdem ich erstmal etwas gefuttert habe:

Der Frankokanadier Jean-Guihen Queyras spielte die "Bibel" für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, aber nicht nur das: auch noch sechs zeitgenössische Kompositionen, die - so wurde in einer kleinen Vorrede des Veranstalters gesagt - in Auseinandersetzung mit den Solostücken von Bach entstanden seien und daher, je nachdem, als "Präludien", "Kommentare" oder "Echos" zu den Suiten angesehen bzw. angehört werden könnten.

Merkwürdig: sobald man mit der Kompositionsweise eines modernen Komponisten einigermaßen vertraut ist, fällt einem das "Verständnis" für eine noch unbekannte Musik von ihm auch gleich leichter, obwohl die Musik einem grundsätzlich rätselhaft bleibt. So erging es mir mit den drei kurzen Stückchen von György Kurtág - nicht, daß jetzt irgendetwas Nachsingbares im Hirn zurückgeblieben wäre, aber beim Hören von Kurtág bildete ich mir noch am ehesten ein, eine irgendwie "logische" Struktur im Stück zu erkennen.
Bei den anderen fünf Stücken (von Komponisten, die mir nicht bekannt sind), die teilweise extrem virtuos waren (wenn es "Teufelsgeiger" gibt, dann gibt es natürlich auch "Teufelscellisten"...), blickte bzw. hörte ich nicht durch. Aber das war nicht weiter schlimm, denn...

Die Bach-Suiten waren ja sowieso das Wesentliche dieses Konzerts, und deren Vortrag war grandios! Queyras schaffte es an einigen der polyphoneren Stellen fast schon, einen Stereo-Klang zu zaubern, in dem er die dort wiederholten Motive nicht nur als "Echo" leiser spielte, sondern ihnen dabei auch eine andere Klangfarbe gab! Und wieder einmal wurde mir bewußt, was für ein zu seiner Zeit revolutionärer Harmoniker Bach war!

Das Konzert wurde nach jeweils zwei Suiten und ihren heutigen "Vorspielen" durch zwei viertelstündige Pausen unterbrochen, und dauerte somit "netto" über 3¼ Stunden! Diese Zeit ist mir kaum lang geworden, und dem Künstler offenbar auch nicht: überhaupt nicht erschöpft scheinend, richtete er am Ende nach ein paar Minuten Applaus sein Wort an uns begeisterte Hörer, dabei auch augenzwinkernd an uns "zurückklatschend" in Anerkennung unserer Zuhör-Ausdauer, mit charmantem französischem Akzent:
"Sie haben nun fast dreieinhalb Stunden zugehört - ich habe nun noch ein kleines Stück von etwa drei Minuten." Mit einer legeren Handbewegung signalisiert er, daß die paar Minütchen nun auch nicht mehr "den Kohl fett" machten, und weiter, unwiderstehlich dabei lächelnd: "Wenn schon - denn schon!" - Beifall des noch nicht müden Publikums, um zehn nach halb eins in der Nacht!
Und dann spielt er nach Ansage die "Hommage an Paul Sacher f. Vc solo" von Henri Dutillieux - von den modernen Stücken des Abends ironischerweise das beste!

Fazit: dies war - und dann auch noch in ganz intimem Rahmen im Studio E der Laeiszhalle mit höchstens 100 Zuhörern - eines der besten Kammerkonzerte, die ich je erlebt habe!


Wolter


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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 08.10.2006, 12:16                                  +/-

Wolter
Merkwürdig: sobald man mit der Kompositionsweise eines modernen Komponisten einigermaßen vertraut ist, fällt einem das "Verständnis" für eine noch unbekannte Musik von ihm auch gleich leichter, obwohl die Musik einem grundsätzlich rätselhaft bleibt.


Das finde ich gar nicht so merkwürdig - immerhin ist jeder moderne Komponist sozusagen sein eigener Gesetzgeber, also erleichtert es das Zuhören, wenn man die Gesetze ein wenig kennt. Allerdings ist genau dies das Problem, das ich mit moderner Musik oft habe: Kunst, die eine Bedienungsanleitung nötig hat, scheint mir ein Kommunikationsproblem zu haben...

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Mond



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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 15:50                                  

DornröschenOnAcid
Mystic Rose - a psychedelic hedonistic trance-event
im KitKat - Club





...Boden und Schränke vibrierten zum Beat- der Subwoofer leistete gute Arbeit. Es war 20:30 Uhr, ich begann mit der Vorbereitung auf das anstehende Event. Fix die CD gewechselt - eine Stunde feinster Full On Trance vereint mit klassischen Acid-Elementen aus Berlin von Electric Universe aka Boris Blenn - was folgte war derber, kranker Psychedelic Trance von Ka Sol aus Schweden. Ja, die Schweden, denke ich mir, die haben es verdammt nochmal drauf. Mit Filteria, Ka Sol oder auch Vibrasphere besitzen sie extrem geile Acts. Doch diese sollten nicht auf dieser Party spielen... es waren eher unbekannte Acts, aber das war egal...Hauptsache ordentlicher Psychedelic- Goa - Trance! Von der PartIE waren Sangeet (aus Hamburg), Naveen (aus Australien) und Trevor (aus London) (es gab neben dem Goa-Floor auch noch einen TechHouse-Floor, der aber in dieser kleinen Erzählung keine wesentliche dominante Rolle spielt).

Gegen 22:30 gings los Richtung Club. An der S-Bahn-Haltestelle traf ich meinen Kumpel. Gekleidet im schwarzen Pullover mit Kapuze, welche elegant seinen Kopf umhüllte. Ich selbst steckte in meinem feinen Jackett, darunter aber ein quitsch-buntes Shirt mit Hindu- Symbolen. Versteckt unter des Freundes Pullover, wartete auch ein schönes Shirt, welches auf der Antaris (Goa-Festival) gekauft wurde, das Licht der Nacht - es handelt sich hierbei mehr um Licht aus den Laternen der Stadt, ggf. für Romantiker (wie mich): das Licht des Mondes oder der Sterne bzw. auch des Clubraumes - zu begrüßen.



Die eine Hand meines Kumpels (nennen wir ihn Phobos (ein Mond vom Mars)), führte interessante Bewegungen durch: Mal ging sie runter zu Hüfte und dann wieder entgegengesetzt Richtung Mund. Gefüllt war diese Hand mit einer Flasche Bier. Phobos tat das schon einige Stunden im vorraus. Mein Zustand war allerdings das genaue Gegenteil von einer Alkoholvergiftung - völlig nüchtern, seit einigen Wochen. So wie der Mond nun mal ist. Fix griff die andere Hand von Phobos in seinen mitgebrachten Rucksack und kam mit einer Flasche Gerstensaft wieder raus, die schnell ihren Besitzer wechselte.
Kurz darauf entschied sich endlich mal eine S-Bahn in den Bahnhof einzufahren...
Ich schlage vor, wir überspringen den Trip mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Nach einen kleinen Fußmarsch vom Zielbahnhof, was meine Füße eh gewohnt waren, erreichten wir endlich den Eingang des Clubes, es war 23:55 Uhr.

Die Tür öffnete sich und heraus schaute eine ältere Frau mit schwarzen Haaren und fragte wie viele wir denn seien. Das war nicht schwer, die hohe mathematische Kunst des Zählens wurde uns schon in der Schule beigebracht. Wir antworteten, dass das noch so gerade überschaubar sei, sprich zwei. Sie ließ aber freundlicherweise erstmal drei Leute des hinter uns befindlichen SechserPacks durch, ausgerüstet mit CampingSachen(??) - wohl GoaFraggles. Dann ging die Tür zu...kurze Zeit später wieder auf. Die ältere Frau stellte uns die wahnsinnig schwierige Frage, was denn heute hier stattfinde. Punk-Konzert, schallte es aus meinen Mund mit einer Geschwindigkeit von 300 Beats per Minute. Wir sind gekommen, nicht nur um zu bleiben, sondern auch kräftig zu pogen, kein verficktes "Techno-Bummbumm"...Punk is not dead...

NATÜRLICH NICHT!

Die richtige Antwort war natürlich: Mystic Rose!!! Ein Typ hinter mir meinte, dass das ja mal wohl ne Fangfrage war. Ich gab ihm recht. Wir wurden reingelassen.
Sekunden später betraten wir den mystischen Floor. Geschmückt in bunten, angenehmen Farben. Über dem Eingang die Bühne für die Live Acts. Sie war wie ein Podest. Auf dem dritten Platz heizte gerade Sangeet "die Masse" (drei Leute auf der Tanzfläche) ein. Die anderen Plätze waren unbesetzt. Links und rechts vom "Live-Act-Podest" waren die Bars, wo uns unser erster Weg hinführte. Die Wand rechts vom Eingang war mit bunten Quadraten geschmückt. Auf die Wand rechts davon, sprich die Wand gegenüber dem Eingang, wurde ein riesige Projektion geworfen. Schön bunt mit psychedelischen Mustern und Hindu - Symbolen, so wie ich es liebe. Die letzte Wand, sprich die Wand rechts von der Wand mit der Projektion, quasi links vom Eingang, bot eine Treppe, die einen nach oben führte, hoch auf eine Art Balkon. Ein Balkon mit Sitzmöglichkeiten. Phobos kaufte uns zwei Bier und wir nutzten die Wahnsinnstreppe und nahmen auf einem Sofa platz. Neben uns saßen zwei Hippies, yeah..Shiva!!
So beobachteten wir das minimale Treiben auf dem Dancefloor. Mit 130 BPM nickten wir mit unseren Köpfen zu dem Beat von Sangeet.



Bierflaschen haben die unangenehme Eigenschaft schnell leer zu werden, unsere stellten in dieser Beziehung keine Ausnahme dar. Macht nichts - es sollte auch das letzte Bier für mich gewesen sein an diesem Abend, quasi noch total nüchtern. So wie der Mond nun mal ist. Wir beschlossen auf die Tanzfläche zu gehen. Zwei Schritte getanzt, schon betraten Deimos, Ganymed, Iapetus, Hyperion und Io den Floor. Begrüßung, Worte gewechselt und tanzen.

Mir war die Musik anfänglich zu langsam, aber zum eintanzen war es okay. Doch schon bald wurde die Geschwindigkeit angezogen und unsere extrem coolen "Moves" wurde geschmeidiger, irgendwann waren wir bei 145 BPM angelangt, perfekt! Phobos und die anderen legten des öfteren eine Pause ein und kauften sich viel Wasser. Ich hingegen blieb ganze zwei Stunden auf dem Floor, ich flog geradezu durch den Saal. Ein Hippie machte ab und an kosmische (geiler Vertippsler) Bewegungen mit seinen Mundwinkeln - er lächelte. Wohl sehr froh, ein sehr jungen erkennbaren Goa-Freund zu sehen, sprich mich. Phobos versorgte mich mit Wasser, war gerade zu besorgt. Die Musik wurde mit der Zeit immer genialer und irgendwann setzten auch die ersten Acid-Elemente ein - wir lieben Acid. Die Antwort auf die einsetzenden Acid-Lines von uns, war ein laut ausgerufenes: ACIIIIIIDDDD!!!! Schön waren auch die Trance-Flächen bzw. die minimalen Melodien. Eine darauf folgende einsetzende Basedrum löste Euphorie-Wellen auf dem ganzen Floor aus, alle hüpften noch viel höher und flogen ab ins Multiversum der Musik.

Es war 2:15 Uhr und Phobus holte mich von der Tanzfläche. Ganymed ging es nicht so gut. Er lag einen Raum weiter auf einem Sofa und zitterte - ein Anfall. Sowas habe er öfters. Schade, dass es gerade jetzt sein musste, überhaupt ist sowas scheiße. Jedenfalls entschlossen wir uns, dass zwei ihn nach Hause bringen. Das übernahmen Deimos und Io. Der Rest blieb da.

Erstmal ein Wasser (mit Koffein - wer erfindet so einen Müll?) kaufen. Pause. Mal aufs Klo, mal ein Schluck Wasser. Puh...die erste Müdigkeit kam auf.



Phobos und ich benutzten eine andere Treppe, versteckt hinter einer Wand. Leider war eine Tür in dieser Wand, dadurch war es ein leichtes die Treppe zu finden. Sie führte zu einer weiteren Toilette und dem zweiten Floor bzw. dem TechHouse-Floor. Die Musik war gut, nur zu langsam. Aber erstmal setzen und BonBons lutschen. Das coole an dem Floor war es, das sie hier Laser hatten, die durch die Luft flogen. Schade, dass sie das nicht unten aufgebaut haben, was wohl noch das I-Tüpfelchen gewesen wäre. Insgesamt war es hier auch viel dunkler und nicht so angenehm bunt. Der Goa-Floor war gemütlicher. Wir nahmen die Treppe wieder in Anspruch und pausierten unten weiter im Nebenraum des ersten Floors. Nach gut einer Stunde Pause gings wieder los.
Inzwischen hat Naveen die Kontrolle über die Musik übernommen.

Naveen kannte Phobos schon von der Antaris und mochte ihn sehr. Ich fand Sangeet besser. Die Tanzfläche war nun wirklich voll, man tanzte sich quasi von außen nach innen. Die verschiedensten Leute waren anzutreffen. Zum einen waren Stammgäste des KitKat - Clubes da. Nein, der Club ist tagsüber keine Schokoladen- Fabrik. Im KitKat - Club finden hauptsächlich erotische Parties statt. Der Dresscode ist hierbei Lack und Leder. Diesmal gabs keinen, jeder konnte kommen wie er es für richtig hielt. So schwirrten einige leicht in Leder bekleidete Frauen und Männer durch den Club. Zum anderen waren dann da noch die Goa- Freaks. Erkennbar an ihren bunten Klamotten oder schrägen Outfits. Wir gehörten dazu. *g* Letztendlich waren dann noch völlige "normale" Leute anwesend. Gegen vier Uhr hüpften dann sogar einige Juden auf dem Dancefloor rum, gekleidet in ihrer religiösen Tracht. Genial! Das erinnerte mich an einen Bericht, den ich mal im Fernsehen sah. Es war ein Bericht aus Israel, in dem es kurz um Trance- Parties ging. Ein jüdischer Mann meinte, dass er damals LSD konsumiert habe, dieses aber nicht mehr brauche, denn es gäbe ja jetzt diese Art von Musik. Music is the only drug.

Gegen halb 5 wieder Pause. Irgendwie schon völlig fertig. Raus hier, an die frische Luft. Schön sie haben Betten aufgebaut. Ein eleganter Sprung und rein ist Bett. Schön. Augen zu und entspannen. Phobos verschwand kurz darauf wieder. Ich blieb liegen. Mein Herz raste, der Schweiß perlte an meinen Gesicht herunter.



Ein Typ kam und setzte sich neben mich aufs Bett. Mit ihm waren noch zwei Mädchen, die sich dazu gesellten. Der Typ schaute mich an und erkundigte sich, ob mit mir alles klar sei und ob ich Wasser habe. Hatte ich natürlich. Vermutlich dachte er, ich habe was geschmissen oder so. Wohl kaum. Er wurde gefragt, wie es ihm ihr gefällt von den beiden Mädchen. Scheiße, meinte er, denn er hasse "Techno" wie die Pest. Gut, dass sie hier Goa spielen, dachte ich. *g* Der Gruppenzwang veranlasste ihn hierher zu kommen. Er drehte sich nochmals zu mir und wollte wissen, ob ich was dagegen habe, wenn sie sich hier was anstecken. Ich schaute nur flüchtig hin und sagte, dass das okay sei, wenn sie rauchen. Nun waren es aber keine Zigaretten, sondern was anderes. *g*

Und dann ging das philosophieren los. Er philosophierte über die Liebe. Bedauerlicherweise oder auch nicht, was er erzählte, war verdammt nochmal WAHR oder besser, entsprach genau auch meiner Meinung. Ich hörte weiter gespannt zu. Er wolle dieses Jahr oder nächstes Jahr seine große Liebe kennen lernen und endlich glücklich sein...
Gut, genug gechillt, wieder rein ins Haus. Und auf die Treppe gesetzt, die zum Balkon führte. Ich schaute mir nochmal den ganzen Raum an und entdeckte das erste mal die bunten Fäden, die überall unter der Decke gespannt waren. Waren die vorher auch schon da? Egal...Hunger.

Ich holte mir ein Affen-Eis (Banane). Gibt ja bekanntlich sehr viel Energie. Wieder auf die Treppe gesetzt. Neben mir saß noch ein Typ. Überhaupt gab es einen neuen Trend. Anstatt sich auf die Sofas auf dem Balkon zu setzen, bevorzugte man nun die Treppe. Jedenfalls starrte der Typ immer zu mir rüber, so als habe er sie nicht mehr alle. Vielleicht hatte er Stoff genommen oder er dachte, ich habe welches genommen. Wohl kaum.

Noch halbmüde, aber das Rumgesitze ging mir langsam auf den Zeiger, also zurück auf den Dancefloor. Aber die Beine waren schon extrem schwer.



Gegen um 7 entschlossen wir zu gehen. Phobos und ich, die anderen schienen schon weg zu sein oder waren irgendwo noch tanzen. Die Party sollte noch bis um 12 Uhr gehen, aber wir waren zu müde. Trevor haben wir also nicht mehr erleben können, irgendwie schade, aber das Leben geht ja bekanntlich weiter...
Raus aus dem Club und kurze Zeit später die Stille Berlins genießen am frühen Morgen.

Es war eine extrem coole Party gewesen, aber es hätte noch besser sein können. Es war dann doch ingesamt zu wenig Acid-Elemente im Sound und ich hätte mir noch mehr Melodien gewünscht. Aber so ist momentan der moderne Goa: Full On Trance. Wobei ich glaube, dass sich jetzt bald der Newschool-Sound durchsetzten wird, ich hoffe es. Full On ist geil, keine Frage, aber nicht über acht Stunden. Man kann übelst darauf abgehen, aber dennoch reiht sich dieser Sound bei mir hinter Newschool (Aufnahme der Sounds der alten Schule gepaart mit neuen Elementen, zum Teil dank neuerer Technik) und Oldschool (Goa der 90er) ein.



Mond


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Zuletzt bearbeitet von Mond am 15.10.2006, 02:52, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 16:14                                  +/-

Mond
Phobos


Zitat:

Deimos, Ganymed, Iapetus, Hyperion und Io


Zitat:
ich flog geradezu durch den Saal.


Zitat:
irgendwann setzten auch die ersten Acid-Elemente ein - wir lieben Acid


Zitat:
Euphorie-Wellen


Zitat:
und flogen ab ins Multiversum der Musik.


Zitat:
Er lag einen Raum weiter auf einem Sofa und zitterte - ein Anfall.

Zitat:

BonBons lutschen.


Zitat:
Mein Herz raste, der Schweiß perlte an meinen Gesicht herunter.


Zitat:
entdeckte das erste mal die bunten Fäden, die überall unter der Decke gespannt waren. Waren die vorher auch schon da?





Zitat:
Music is the only drug.




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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 16:55                                  +/-

Kompletter Schwachsinn! Aber ich muss drüber lachen. rolling on the floor... rolling on the floor...

Ich hatte keine Lust laufend zu schreiben "mein Kumpel", "der andere Kumpel", "Kumpel 2" oder so, deshalb habe ich jetzt Namen andere Monde eingesetzt. Die Realnamen wollte ich nicht nutzen. Zumal passt das so schön zu meinen Nick. Was das mit den "durch den Saal fliegen" angeht, naja...du hast eh keine Ahnung, also Klappe zu.
Was Acid angeht, du hast wohl mal überhaupt keine Ahnung. Acid-Sounds erzeugt man mit einem TB-303 (Sequenzer) mit bestimmten Filtereinstellungen (Cutoff, Reverse, etc.). Diese klingen dann ziemlich agressiv und säuremäßig bis zu einen blubbern...
Was den Anfall von Ganymed angeht. Er sitzt im Rollstuhl. Ist bis an sein Lebensende daran gefesselt, sprich er ist ein Spastiker. Darauf würde ich den Anfall zurückführen. Vielleicht war es einfach diesmal zu viel für ihn gewesen. Ich finde es schön, dass er mit kommt und auch auf seine Weise tanzt und spaß hat.
Schwitzen tut man übrigens nicht nur, wenn man Drogen genommen hat. Vielleicht ist das ja bei dir so. Aber schwitzen tut man halt mal, wenn man zu schneller Musik lange tanzt.
Tja und was rede ich überhaupt mit dir. Kann ja jeder behaupten, dass irgendwer Drogen nimmt.
Und ich werde wohl am besten wissen, ob ich Drogen konsumiere oder nicht. Leider muss ich dich da enttäuschen.
Dessweiteren kennst du mich gar nicht, woraus folgt, dass du mich in keinster Weise beurteilen kannst!!

Mond


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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 18:29                                  +/-

Mach dich mal locker, war doch nur ein Witz Geschockt


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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 19:49                                  +/-

Mach Dich mal locker und lass Dich nicht so hängen, denn dies ist der Refrain (uhuhu)

Ja, schon gut...

Mond


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 14.10.2006, 23:12                                  +/-

Wolter
Merkwürdig: sobald man mit der Kompositionsweise eines heutigen Komponisten einigermaßen vertraut ist, fällt einem das "Verständnis" für eine noch unbekannte Musik von ihm auch gleich leichter, obwohl die Musik einem grundsätzlich rätselhaft bleibt.
Celebrian
Das finde ich gar nicht so merkwürdig - immerhin ist jeder moderne Komponist sozusagen sein eigener Gesetzgeber, also erleichtert es das Zuhören, wenn man die Gesetze ein wenig kennt.

Wahrscheinlich habe ich mich nicht passend genug ausgedrückt, denn genau betrachtet ist die Behauptung für mich Nichtexperten anmaßend, ich sei mit den Kompostionsweisen zeitgenössischer Komponisten vertraut. Bei besonders "vertrauten" Komponisten ist das Vertraute daran nicht in erster Linie die den jeweiligen Stücken innewohnende "Architektur", sondern eher das nichtanalysiert Äußere, die Klanggeste, die Klangwelt des Komponisten - wenn denn der Personalstil prägnant genug ist, um ihn auch in unbekannten Stücken wiedererkennbar zu machen.
Und da hatte ich eigentlich nicht gedacht, ich könnte Kurtág an der Art, wie die Stücke in meinen Ohren ankommen, wiedererkennen. So habe ich mich immer noch im Verdacht, daß ich mir aufgrund des Abdrucks seines Namens im Konzertprogramm lediglich einbilde, daß mir dessen Musik vertrauter vorkommt als die der anderen...
Ja (Beantwortung einer nun naheliegenden, noch unausgesprochenen Frage), das Konzert hallt in mir eine Woche später immer noch nach: was mich neben der Virtuosität und der Kondition von Jean-Guihen Queyras außerdem noch sehr positiv beeindruckt hatte, das war seine sichtbare Freude an dem Rahmen, in dem er musizierte - von solchen Konzerten in kleinstem Kreise kann man ja kaum finanziell profitieren, also wird der Genuß für ihn wirklich darin bestanden haben, für Leute zu spielen, die tatsächlich an der Kunst selbst interessiert sind, und sich nicht bloß lustlos zum Absitzen eines Abonnements-"Termins" verpflichtet fühlen, oder, noch schlimmer, für Typen, die am "Event" und dem oberflächlichen Aufdiesemgesehenwerden orientiert sind...
So aber ist es wahres Künstlertum!
Und das hat ihm wohl auch nach dieser überlangen Konzertdauer die Energie verliehen, noch die Zugabe von Dutilleux zu spielen; allerdings muß ich mich da korrigieren, es handelte sich um eine der "Trois Strophes sur le nom de Sacher"... Und obwohl nicht das virtuoseste aller modernen Stücke des Abends, war es für mein musikalisches Empfinden doch das beste von ihnen!

Es bleibt dabei:

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Celebrian
... erleichtert es das Zuhören, wenn man die Gesetze ein wenig kennt. Allerdings ist genau dies das Problem, das ich mit moderner Musik oft habe: Kunst, die eine Bedienungsanleitung nötig hat, scheint mir ein Kommunikationsproblem zu haben...

Da stimme ich Dir nur halb zu, Celebrían: Mozart hatte in seinen Wiener Jahren teils großen Erfolg mit seinen "Musikalischen Akademien", in denen er wahrscheinlich auch nicht nur am Klavier brilliert, sondern auch was über seine Musik erzählt hat. Und einige heute zum "eisernen Repertoire der Konzertsäle" gehörende Kompositionen sind oftmals bei der Uraufführung durchgefallen, was man sich beim Violinkonzert von Beethoven ja kaum vorstellen mag - aber so war es.
Natürlich wird sich längst nicht alles dauerhaft durchsetzen: 95% aller Uraufführungen werden auf immer in den Archiven verschwinden. Aber das war auch in anderen Zeiten so: wer kennt denn heute noch die Kompositionen von Heinrich von Herzogenberg oder Albert Dietrich? Vorbei, verweht: die beiden Herren sind im Wesentlichen nur noch als Freunde von Johannes Brahms überliefert...


Wolter


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