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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 30.06.2007, 12:42                                  

Ich beschäftige mich momentan mit einer mir völlig fremden Welt. Es handelt sich um Rap-Musik im Stile von Sido, Bushido und Co, aber gemacht von Leuten aus meinem Viertel (Wien-Ottakring). Was jetzt provinziell klingt, ist es auch. Aber die Jungs haben es schon zu lokaler Berühmtheit geschafft und Wiener Politiker diskutieren darüber, ob man ihre Texte verbieten muss. Dabei sind ihre Musik bzw. die Videos erstaunlich professionell gemacht.

Deswegen und weil ich selbst in dem Viertel lebe, beschäftige ich mich ein wenig mit der Szene. Klar ist: es ist Musik von Ausländern für Ausländer. Man will sich damit eine eigene Identität verschaffen. Ottakring (oder 1160 Wien) gilt als einer der Bezirke mit dem höchsten Ausländeranteil. Auf den Straßen denkst du teilweise, dass du hier in Klein-Belgrad oder Istanbul bist. Die Parks und Plätze werden von Ausländern dominiert. Hauptsächlich aus der Türkei, dem Balkan oder Südosteuropa. Man kann hier definitiv von Parallelgesellschaften reden!

Mich stört es nicht hier zu wohnen. Zwar finden hier doch viele Gewalt-Verbrechen statt, aber dann meist unter den entsprechenden Gangs oder Leuten. Seit ich hier wohne (knapp 2 Jahre) wurde ich nicht einmal (!) blöd angemacht, geschweige denn bedroht. Gar nichts... auch nachts hab ich mir hier nie unsicher gefühlt.

Aber zurück zum Thema. Diese Jungs (unterschiedlicher Herkunft) orientieren sich klar an den Berliner Rappern, die stolz auf ihre Heimat/ihr Viertel mit Stolz auf ihre Herkunft verbinden.

So gehen Texte beispielsweise so:

Komm, folge mir, das ist mein Bezirk, meine Heimat, ich lebe hier,
elf sechzig Wien, ich bin hier aufgewachsen,
das sind meine Droogs, meine Parks, meine Straßen.


Ottakring wird dabei wahlweise als OTK oder elf-sechzig Wien (Postleitzahl, Bezirk) bezeichnet. Schon kewl grins

Das entsprechende Video auf youtube (der Song heißt "Balkanaken" von Mevlut Khan) wurde schon über 120.000 mal angesehen und hat es ausschnittsweise ins Wiener Radio geschafft, allerdings nur, um zu beweisen, wie schlimm diese Texte seien und das man sie verbieten müsste.

Weitere Textzeilen (die ich echt [unfreiwillig] lustig finde grins) lauten:

Es ist mir egal, wer dein Vater ist,
ob er einen Puff besitzt, interessiert mich nicht,
du Milchgesicht, was? Du hast mich gedisst?
Komm mal ins 1 gegen 1 und ich ficke dich


grins

Oder

Meine Freunde schießen oft mit der Pump-Gun,
die meisten von ihnen kommen direkt aus dem Balkan,
Pass bloß auf, wenn du in meinen Block musst,
Ottakringer Straße - klick, klack, Kopfschuss!


Gewalt ist keine Lösung

Das Video zum "Song" gibts hier:



Ich hab mich mal ins Forum von SUA KAAN, dem äh... privaten Label von den Typen, eingeloggt. Mevlut Khan beantwortet da alle Fragen. Interessant ist, das sie (also die Ausländer) sich auch selber als Kanaken oder Tschuschen bezeichnen. Sie haben sich also die Schimpfworte der Wiener angeeignet. Außerdem kristallisieren sich eigene Wortschöpfungen heraus, die man auch in ihren Raps immer wieder findet. "Droogs" sind Freunde, "Kupos" sind Brüder (im Sinne von Freunde benutzt; stammt wohl aus dem Serbischen) usw....

Ich finde das hochinteressant, einen Einblick in diese Welt zu bekommen. In seinem Forum meint er übrigens, Eko Fresh wäre einer "talentiertesten Songwriter" hähö

Weiteres Zitat:

Zitat:
Ich hab beef mit niemanden gehabt, hab ihm nie ein track geschrieben, das mit lpk war kein beef sondern ne schlägerei

hab auch nie jemanden gedisst bis jetz, oja einmal aqil und gjana aber da war ich so 11 jahre alt, sonst hab ich nie nen disstrack gemacht

ich wil auch nicht beef mit irgendwem haben, wenn jemand beef mit mir haben will dan soll er sich alleine flashen


Ich frag mich, was Beef bedeutet. Wahrscheinlich bezeichnet es ernsthafteren Stress mit jemanden. In dem Forum benutzen sie es, als wäre es ein ganz normales Wort. Aber die Sprache ist schon interessant. Total pseudo-cool, aber ich glaub, denen kommt das ganz normal vor.

Die schlimmste Beleidigung scheint übrigens zu sein, jemanden als "Opfer" zu bezeichnen. Zum Beispiel: "rapper die ihre texte nicht ernst meinen sind soweiso opfer..."

Noch ein weiterer Song von Aqil und Mevlut Khan, den ich sogar ziemlich gut finde. Man beachte die gute Qualität bzw. professionelle Aufmachung des Videos!!

"OTK Chartet"



"Ich bereu meine Sünden, denn Gott war mein Retter,
wenn die Zeit kommt, fahr ich nach Mekka..."

Interessante islamische Komponente in den Texten... das dürfte ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu Bushido oder Sido sein...

Im Forum gibt es noch einen Thread, in dem Mevlut bedauernd verkündet, dass einer seiner "Droogs" jetzt leider bis 2011 im Knast sein wird.

Der dazugehörige Artikel:

Zitat:
Wien, 04. Mai 2007

Nach acht Raubüberfällen muss sich nun eine achtköpfige Jugend-Bande vor Gericht für ihre taten verantworten.

Ein böses Erwachen gab es heute, Mittwoch, für eine achtköpfige Bande, die im Vorjahr innerhalb von sechs Monaten in Wien in unterschiedlicher Zusammensetzung sechs Banken und ein Postamt überfallen hatte. "Hätte ich gewusst, dass darauf mindestens fünf Jahre Gefängnis stehen, hätte ich nicht mitgemacht", jammerte nun einer der Burschen vor einem Geschworenensenat im Wiener Straflandesgericht.

Durchwegs junge Täter
Die zwischen 20 und 23 Jahren alten Täter waren von den Kriminalisten in Anlehnung an den US-Regisseur Quentin Tarantino "Tarantino-Bande" getauft worden: Einer von ihnen sprang meistens mit gezückter Schusswaffe auf das Kassenpult, rief "Überfall!", hielt damit Kunden und Angestellte in Schach und weckte damit Erinnerungen an eine Szene aus dem Film "Pulp Fiction".

Die Frage, wie man auf die Idee komme, eine Serie von Banküberfällen zu begehen, beantwortete der mutmaßliche Rädelsführer der "Tarantino-Bande" wie folgt: "Wenn man in der Runde sitzt, eingeraucht ist und herumfantasiert." Einer seiner Komplizen wurde präziser: "Wir sind im Kreis gesessen und haben in der Zeitung gelesen, dass ein 50-Jähriger mit einem Fahrrad eine Bank überfallen hat. Da haben wir uns gesagt, warum schaffen wir das nicht."

Filmreifes Auftreten

Das filmreife Auftreten der jungen Männer hatte durchschlagenden Erfolg: Allein der Coup in einer Bank Austria-Filiale in der Linzer Straße 28 in Wien-Penzing brachte ihnen am 29. Juni 2006 nicht weniger als 153.000 Euro ein. Bei den sechs geglückten Überfällen - einer scheiterte, weil einer der Täter im Foyer einer Bank eine Panikattacke erlitt und das Vorhaben somit abgebrochen werde musste - erbeuteten sie insgesamt 332.000 Euro, wovon ein Großteil sicher gestellt werden konnte. Ein Teil der Geldscheine war überhaupt durch beigegebene Alarmpakete rot gefärbt, damit unbrauchbar gemacht und in der Donau "entsorgt" worden.


Tja, armer Haris... 4 Jahre Knast... das ist hart. In den Antworten zu dem Post wünschen die meisten User dem Haris Gottes Beistand für diese harte Zeit. Nur wenige merken an, dass sie sowas nie machen würden und er ja auch ein wenig selbst Schuld sei. Ein anderer meint daraufhin: "Sag niemals nie!"

Ein anderer meint:

"hartes urteil!

ich kenne ihn er is ein guter mensch, keiner der schnell urteilt oda hochnäsig is!er hat für jeden respekt der respekt für ihn hat!

nur weil er sitzt wird sich das nicht ändern er hat ein gutes herz!

vergesst ihn nicht!!
"

Eine weitere interessante Facette: als in einem Thread gestritten wird, kommt Mevlut Khan selbst und postet:

"hey ihr toys...

hab kein bock hier zu zu sehen wie ihr euch verfeindet usw.

mevlut khan steht für zusammenhalt zwischen ausländer

egal wer, wenn ihr weiter macht sorg ich dafür dass ihr raus gehauen werdet

vallaha, streitet wo anders aba net hier...

sua kaan is bruderschaft"


grins

Bin ich der Einzige, der das alles nicht nur super lustig, sondern auch noch hoch interessant findet? Und leck mich inne täsch, aber die Musik ist nicht sooo schlecht, wenn man sie ein paar mal gehört hat grins


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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 30.06.2007, 22:58                                  +/-

Ich finde es wieder traurig, dass Politiker darüber nachdenken, die Musik bzw. die Texte zu verbieten. Sie sollten sich vielleicht mal mit den leuten beschäftigen, anstatt platt die Verbotskeule rauszukehrn.

Sehr löblich finde ich dagegen, dass die Jungs aus deinem Viertel anscheinend Clockwork Orange kennen. grins


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 00:02                                  +/-

GuyIncognito
Ich finde es wieder traurig, dass Politiker darüber nachdenken, die Musik bzw. die Texte zu verbieten. Sie sollten sich vielleicht mal mit den leuten beschäftigen, anstatt platt die Verbotskeule rauszukehrn.

Sehr löblich finde ich dagegen, dass die Jungs aus deinem Viertel anscheinend Clockwork Orange kennen. grins


Ja, in der Tat. Hat mich allerdings auch gewundert, muss ich sagen grins


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 04:13                                  +/-

Ich finds zum Kringeln, wie diese Ausländer mit diesem österreichischen Hinterwäldler-Akzent rappen rolling on the floor...

Da ist man echt doppelt gekniffen: Eh schon Ausländer, und das bißchen Deutsch, das man kann, ist auch noch österreichisch gefärbt. Dürfte ne ziemlich kleine Nische im Musikmarkt sein grins


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 07:03                                  +/-

Geschockt Wenn das Geprotze mit der Wirklichkeit nichts zu tun hätte, könnte auch ich vielleicht über die unfreiwillige Komik lachen oder wenigstens schmunzeln...

Aus dem ersten Video mitgeschrieben
(0:53) Wenn ich zuschlag', gibt es Zuschlag,
ich cash Dein Taschengeld schon am ersten Schultag
(1:19) Zehn-Fünf-Null, friß Dreck oder sei mit uns Tschuschen (?) von überall
- ... (1:27) Bist Du keiner von uns, nehmen wir Dein Handy weg...
(1:33) wir sind laut, arrogant, aggressiv wie ein ... (????? ??)
(2:03) Dich und Deine Homo-Gang haben meine Freunde satt...
(3:05) ... das ist Rap von keinen Homo-Tunten,
sondern Rap von Draufgängern,
wir hängen ab auf der Straße bis tief in die Nacht rein...

Mit den Augen rollen ... und zwar "wir, die coolen und tollen Macho-Jungs".
Was mir bei beiden Videos auffällt: Mädchen und Frauen "finden nicht statt". (Die muslimischen Schwestern und Freundinnen müssen ja brav zu Hause bei Elterns bleiben. Vielleicht mit Kopftuch dürfen sie mal die Wohnung zum Einkaufen verlassen...)
????? Und wenn "Exoten" unzweideutige Homophobismen schwadronieren, dann ist det dieses "Exoten-muß-man-ja-nicht-so-ernst-nehmen-Status'" wegen null problemo für Oxfords Ohren, wa?


* * *

... aus dem Rapper-Forum von Oxford zitiert
er hat für jeden respekt der respekt für ihn hat!

[Roth-Ströbele-V.Beck]Ja, sicher ein ganz doll lieber Junge, der da so respektlos islambeleidigend von der österreichischkulturell geprägten Justiz zu schwedischen Gardinen verknackt wurde - ich finde, daß unbedingt der renommierte Advokat Heuchemer [zur Erinnerung, natürlich nicht für Oxford: sein prominentester Kunde ist wahrscheinlich der Kindsmörder Gäfgen] in den Fall eingeschaltet werden sollte, um den Nachweis zu führen, daß dieser "Droog" Haris von einem Ungläubigen in seiner Ehre als Moslem beleidigt wurde und er sich also ganz legitim dagegen wehren durfte, Yes ja, mußte! Freiheit für Haris! Spitze[/Roth-Ströbele-V.Beck]

*rosa Multikulti-Brille absetz'* Kleiner Hinweis an diejenigen, die auf diese rosa Brille nur ungern verzichten: in dieser Subkultur bedeutet "Respekt", der über die Grenze der eigenen Gang hinausgeht, nicht eine Anerkennung des anderen seiner menschlich-charakterlichen Eigenschaften wegen, also keinen Respekt durch ein positives Beeindrucktsein, sondern es ist der an der eigenen körperlichen Unversehrtheit interessierte "Respekt" vor Muckis und Fäusten, also, wenn man charakterlich und/oder körperlich eher nicht zu Schlägereien neigt, letztlich nur Schiß - aber, wenn man ein AdrianB-"Wer-ist-stärka"-Typ ist, dann immerhin irgendwie doch ein positiv empfundener "Respekt", wenn auch ziemlich reduziert auf die physische Kraft des Gegners/Gegenübers, also eine eher "sportliche" als eine menschliche Anerkennung.
Hier ein ganz guter Artikel darüber aus der Zeit vor gut 14 Monaten, als der Hilferuf des Kollegiums der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln bundesweit für Aufsehen sorgte:


"Die Lehrer haben keinen Respekt vor uns"
Freitag, 7.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Schulbeginn. Nach dem Brandbrief der Lehrer und den Ausschreitungen vom Vortag steht die Schule im Fokus des Medieninteresses: Kamerateams, Reporter, Fotografen, Ü-Wagen. Dann die ersten Schüler: 12jährige Mädchen, keine Rowdys. "Gibt es wirklich soviel Gewalt an Eurer Schule?" "Ja - aber nicht jeden Tag." Wie beruhigend. "Was ist dir schon passiert?" - "Die kommen, fragen: 'Warum hast du über mich geredet?' Und fangen an zu schlagen." Der kleine Dienstweg zur Gewalt ist kurz.
Immer mehr Schüler tauchen auf. Vor allem Mädchen - die Jungs kommen später. Jeder Journalist will heute seine ganz persönliche Gewalt-Story, natürlich, auch die JF ist auf der Suche nach der Faust im Nacken. Wir werden reichlich bedient.
Nur der zweite Teil der Geschichte ist auch nach dem x-ten Interview nicht aufzutreiben. Das Opfer, das auspackt: "Ich halte es nicht mehr aus!" Die Realität, zumindest an diesem Morgen, an diesem Ort, laut diesen Schülern, ist eine andere: Fast alle bestätigen, sie fühlen sich an ihrer Schule wohl, fast alle verteidigen die Penne: "Unsere Schule ist nicht so schlimm! Warum macht ihr uns schlecht? Warum? Warum?"
"Normal" sei ihre Schule, sagen sie. Sie berichten von der Lehrerin, die nach einer Schülerattacke im Krankenhaus landete. Das finden sie "nicht gut", aber "normal". Von einer Schülerin, die mit einem Messer "angestochen" wurde: "nicht gut" aber "normal". Die Rütli ist normal, normal wie der Bezirk der Schüler.
[...]
Verwundert kommen die Medien der Realität langsam auf die Spur. Verwundert umkreisen sie das neue Phänomen, das sie "Respekt-Kultur" getauft haben. "Respekt" ist die Münze, in der die Habenichtse von Neukölln zahlen. Eine Anwohnerin der Rütli-Straße beschreibt den Prozeß so: "Neukölln macht Kultur kaputt, unsere deutsche Kultur und die der Ausländer. Was entsteht, ist ein Brei, in dem nur der den Kopf oben behält, der sich Respekt verschafft." Das heißt, wer sich zu nehmen vermag, was er will, und jeden bestraft, der dabei im Wege steht. "Bestraft": Denn in der "Respekt-Kultur" ist der eigene Anspruch immer legitim, der gleiche Anspruch des anderen immer illegitim.
"Respekt" ist das meistgebrauchte Wort an diesem Morgen. Den Lehrern fehlt es an "Respekt" gegenüber den Schülern, da sind sich diese einig. Das beschreiben sie so: ein Eintrag ins Klassenbuch, und der Lehrer bekommt eine Papierkugel an den Kopf. Zu Recht, denn er hat die Regel des Respekts verletzt. Danach ist für die Schüler die Ordnung wiederhergestellt, der Lehrer durchaus wieder Freund. Daß der sich aber nicht versöhnlich zeigt, sondern seinerseits nun reagiert, verstehen die Schüler nur als erneute Perfidie. Denn eine Vorstellung von Autorität, Hierarchie und Disziplin haben sie nicht. Daß zwischen Lehrern und Schülern ein natürliches Gefälle existieren könnte, ist ihnen völlig fremd. Mehrfach bezeichnen sie in diesem Unverstand das Ansinnen, diesem Gefälle Geltung zu verschaffen, hypertroph als Versuch, sie "wie Tiere zu behandeln".
[...] Laut Forsa-Umfrage sehen 87 Prozent der Berliner aber den hohen Ausländer-Anteil als Ursache an. Medien wie die ARD, der Spiegel oder die Berliner Zeitung sehen das nicht so. Sie verschweigen die Tiefenwirkung des Einwanderungsexperiments: die Auflösung der verbindlichen Ordnung. Nein, dies ist kein soziales Problem, sondern eines der Desintegration: Soziale und kulturelle Erosion führen zur Auflösung der Autorität von Werten und Institutionen. Zurück bleibt ein sozialer und kultureller Bodensatz: "Gangsta"-Mentalität und islamisch geprägter Kultur-Tiefencode amalgieren zur "Respekt-Kultur". [...]

Mit den Augen rollen
Es leben unsere Mainstream-Medien, die Woche für Woche Fortschritte in der Realitätsabbildung machen! In den letzten knapp anderthalb Jahren (oder mit geweitetem Zeithorizont: seit 9/11) ist eben so einiges passiert, und die jetzt gescheiterten Attentate in GB (toi toi toi, daß da entgegen der Befürchtung nichts mehr nachkommt) werden wohl kaum - zumindest bei denen, die schon zu zweifeln angefangen haben - zur Haltbarkeitsverlängerung bzw. Revitalisierung des Glaubens an die Integrierbarkeit von Menschen mit bestimmter, nämlich gläubiger islamischer, Sozialisationsprägung beitragen...
[Mit dem "gläubig" will ich sagen: säkularisierte Muslime, die emotional immun gegenüber Beleidigungsinstrumentalisierungs-Imamen sind, stellen natürlich kein Problem dar. Weil aber wahrscheinlich auch diesmal die (britischen und sonstig-europäischen) Muslime nicht aus eigenem Antrieb auf die Idee kommen werden, massenhaft auf die Straße zu gehen, um gegen die Terroristen zu demonstrieren, "die unsere Religion beleidigen", steht zu befürchten, daß die Zahl wirklich säkularer Muslime im Vergleich zu den religiösen ziemlich marginal ist, vor allem unter den Männern, die nur äußerst ungern auf ihr Patriarchat verzichten...]


* * *

Oxford selbst
Die schlimmste Beleidigung scheint übrigens zu sein, jemanden als "Opfer" zu bezeichnen. Zum Beispiel: "rapper die ihre texte nicht ernst meinen sind soweiso opfer..."

Multikulti-Träumer scheinen die Berichte, in denen diese "Beleidigungsmode" thematisiert wird, Mit den Augen rollen gerne zu ignorieren, z.B. diesen:

Quartier der Zumutungen
Maria Rettig ist 51, eine kleine Frau mit langen dunkelblonden Haaren und einem strahlenden Gesicht. [...] Es dauerte, aber irgendwann stellte sich das Gefühl ein, dass sie doch gerne in dieser Gegend wohnt. Sie mochte die breite laute Straße, das raue Leben, das sich vor ihrer Tür abspielt. Dafür hat sie sich damit arrangiert, dass immer wieder mal ein Briefkasten im Haus brennt, weil jemand eine Zigarette hineingeworfen hat. Dass die Nachbarin im Nebenhaus ständig lautstark mit ihrem Lebensgefährten zankt und dabei öfter mal Geschirr an der Wand zerschellt. Und dass ihre Söhne manchmal ohne Handy oder Geld nach Hause kamen, weil Jugendliche ihnen Schläge angedroht haben.
[...]
Nur manchmal kommt Maria Rettig der Gedanke, dass sie endlich wegziehen sollte. Zuletzt vor ein paar Tagen. Angefangen hat es mit dem Film „Knallhart“, dessen Thema die Gewalt auf den Straßen ist und der in Neukölln spielt. Dann wurde fünf Gehminuten von ihrer Wohnung entfernt ein Polizist erschossen, er versuchte einen Räuber zu stoppen. Vor ein paar Tagen wurde das Operncafé schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, in das sie gerne geht, ausgeraubt. Und nun die Sache mit der Rütli-Schule. Seit Tagen berichten die Medien über Gewalt in Neukölln.
[...]
Die Magistralen, die durch den Bezirk führen, sind fest in ausländischer Hand. Die Sonnenallee gehört den Arabern, die Karl-Marx-Straße den Türken. Deutsch ist nicht die Sprache, die auf der Straße gesprochen wird, der Ausländeranteil liegt in einigen Gegenden bei 40 Prozent. Die Vermittler in einem der größten Jobcenter der Republik betreuen Jugendliche, die keinen Schulabschluss haben und keine Aussicht auf Arbeit und die Kinder kriegen, obwohl sie selbst noch Kinder sind. Politiker und Soziologen sprechen oft von „Bildungsferne“ und der daraus resultierenden Perspektivlosigkeit, wenn sie die Ursachen dieser Entwicklung erklären.
[...]
„Wir sind auf diese Brutalität nicht vorbereitet, auf die konsequente Missachtung unserer Normen“, sagt ein Lehrer, der seit 17 Jahren an einer Neuköllner Hauptschule unterrichtet. Ein schräger Blick, eine Beleidigung, manchmal reicht der Verdacht, die Freundin eines anderen angesehen zu haben, um binnen Augenblicken eine Eruption der Gewalt auszulösen. Es ist eine Welt mit archaischen Regeln, in der „Du Opfer“ als Schmähung gilt, die nur noch von der Beleidigung eines Familienmitglieds übertroffen wird.
Ein Donnerstagabend, kurz vor zehn. Am Ausgang der U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße sitzen fünf junge Türken, der jüngste ist 13, der älteste 15 Jahre alt. Sie sind eine Weile mit der Linie 7 ziellos durch die Gegend gefahren, um „was loszumachen“. Ein bisschen Ärger zu provozieren oder ein Handy zu erbeuten. Sie waren an den Gropius-Passagen, einem großen Einkaufzentrum im Süden des Bezirks. Auch so ein Ort, dessen Umfeld die Polizei als gefährlich einstuft. Aber, sagt ein langer Dünner aus der Gruppe enttäuscht, da sei nichts los gewesen. Also sind sie wieder in die Karl-Marx-Straße gefahren, Frauen gucken, wie sie sagen. Ey Alte, geile Titten, willste ficken? Drohendes Gelächter begleitet die Schritte der jungen Frau, die vorbeigeht.
Maria Rettig kennt das, sie fährt oft mit der U-Bahn, von ihrem Wohnzimmerfenster aus sieht sie die Station Karl-Marx-Straße. Es sind Unverschämtheiten, die sie nicht mehr schockieren, sie hat sich daran gewöhnt. Bei ihrer Tochter ist das etwas anders. Die ist Anfang 20 und kürzlich in einen anderen Bezirk gezogen, weil sie sich nicht mehr sicher gefühlt hat, wenn sie abends unterwegs war. Maria Rettig sagt, sie kann das verstehen, es geht ja nicht nur ihrer Tochter so. Die alte Dame von oben geht nur noch auf die Straße, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, auch in den Nachbarhäusern wohnen alteingesessene Neuköllnerinnen, die sich in der Gegend, in denen sich ihr ganzes Leben abgespielt hat, nicht mehr heimisch fühlen. „Diese Menschen gehen in die innere Emigration“, sagt der Bezirksbürgermeister. Die anderen, die es sich leisten können und dazu noch in der Lage sind, ziehen weg.
So weit ist Maria Rettig noch nicht, sie hat noch nicht resigniert. Wenn junge Männer sie auf der Straße herausfordernd ansehen, versucht sie, ihren Blick nicht zu senken. Wenn ihre Söhne ausgeraubt wurden, hat sie Anzeige erstattet. Es sind Kleinigkeiten. Sie sagt, man kann nicht wegsehen und alles passieren lassen. Die Schüsse auf den Polizisten, die vielen Schlägereien, das sei bedrückend, aber was ihr wirklich Angst macht, ist etwas ganz anderes. Der immer schnellere Verlust jeglicher Kultur, sagt sie.
[...]

Und hier eine "kultursoziologische" Betrachtung des Worts "Opfer":

Oscar Wilde und die Parade der Opfer
Gehört hat es Pankraz noch nicht, aber einige PC-Aufseher haben schon ein Zetermordio darüber angestimmt. "In der Jugendszene", so melden sie, beschimpfe man sich gegenseitig nicht mehr vorrangig mit "du Esel" oder "du Schwuchtel", vielmehr mit "du Opfer" Als "Opfer" tituliert zu werden, sei heutzutage das Schlimmste, was einem Mitglied egal welcher Jugendgruppe passieren könne. In dem Wort bündelten sich Hohn, Verachtung und Verdammung.
Wenn das stimmt, ist es wirklich Ausdruck drastischster Umwertung. Denn bisher kam dem Opfer über die Zeiten hinweg stets höchster Respekt zu. Wer zum Opfer wurde, der war gottgesalbt, heiligmäßig, was immer er vorher im Leben gewesen sein mochte. Das freiwillige Opfer, das Selbstopfer, bewunderte man, für das unfreiwillige hatte man zumindest Anteilnahme übrig. Noch den gehaßtesten Kriegsgefangenen etwa bei den Azteken wuchs, wenn sie den Göttern geopfert wurden, eine Gloriole zu, Verzeihung und Aufnahme in die Gemeinschaft der guten Leute.
Üblicherweise opferte man nicht simple Kriegsgefangene, sondern einen Teil vom Besten und Liebsten, das man hatte. Jephta opferte seine Tochter, Abraham war drauf und dran, seinen Sohn Isaak zu opfern. Und Gott selbst opferte, wie ja nicht nur Christen wissen, seinen "eingeborenen Sohn", um das Höchste zu vollbringen, das überhaupt denkbar ist: die Erlösung de Welt vom Übel, die Rettung der Seelen aller Gläubigen.
Man muß schon weit heruntergekommen sein, um diese Konstellation, gewissermaßen eine Dauerkomponente menschlicher Existenz, schlichtweg umzudrehen und das Opfer plötzlich als schimpfliche Mißgestalt und lächerliche Witzfigur hinzustellen, über die man nur noch schimpfen kann. Der Fall, wenn es sich denn um einen handelt, ist im höchsten Maße degoutant. Doch er kommt nicht von ungefähr. Nicht seelische Verrohung aus heiterem Himmel liegt ihm zugrunde, sondern törichtes und verlogenes Reden in der Erwachsenenwelt, dem die Jugend zuhört, zuhören muß.
[...]
... der Umstand, daß unsere Sprache keinen Unterschied macht zwischen wirklichen Opfern, nämlich den Objekten und Zeremonien heiliger Handlungen, und profanen, mag sein dramatischen, Tötungsfällen. Im Englischen gibt es die (freilich nicht immer ganz klare) Differenz zwischen "sacrifice" und "victim". Im Deutschen spricht man bei Tötungsfällen, sogar bei Verkehrs- und anderen Unfällen, generell von "Opfern". Das Wort verliert dadurch vollständig seinen originären Sinn.

Der auch noch geäußerten (hier nicht zitierten) Kritik an "Opferstatus-Profiteuren" stimme ich nur bedingt zu, aber das ist hier ja auch nicht Thema...

* * *

... aus dem Rapper-Forum von Oxford zitiert
... zusammenhalt zwischen ausländer... / ... sua kaan is bruderschaft...

"Das ist hier normal"
[...] Das ist es, was im Wrangelkiez passiert: Nicht Tristesse und blankes Elend, Verwüstung und Verwahrlosung des öffentlichen Raums, wie man es aus den USA kennt, zeigen hier den Verfall der Ordnung an. Die Horde Jungs, die plötzlich die Wrangelstraße dominiert, ist wohlgenährt, trendig gekleidet und ausgestattet mit Mobiltelefonen. Die Situation erinnert an den Fall der Rütli-Schule. Die Berliner Problemschule machte im April Schlagzeilen, als die Lehrer dort aus Verzweiflung über Chaos, Anarchie und Gewalt den Unterricht einstellten. Wer den Ort des Geschehens besuchte, war überrascht: eine ruhige, grüne parkartige Gegend. Ein gediegener wilhelminischer Bau, Kopfsteinpflaster, saubere Straßen.
Der offensichtliche Verfall der Ordnung findet in gepflegter Umgebung statt. Es handelt sich trotz der hohen Arbeitslosigkeit nicht wirklich um einen sozialen Verfall, sondern um die Abwesenheit einer verbindlichen Kultur, den Verfall einer verbindlichen Autorität. Was hier passiert, wird klar, wenn man die Jugendlichen reden hört: "Das waren doch noch Kinder, die die Polizei da verhaften wollte." Haben sie nicht einen anderen Jungen überfallen? "Ach, wegen einem MP3-Spieler, das ist doch hier normal." Da sprechen keine "Verdammten dieser Erde", sondern Menschen, die nicht mehr wissen, was öffentliche Ordnung und Autorität überhaupt ist. "Wir haben nichts gegen die Polizei, wir haben Respekt vor ihr, wenn sie Respekt vor uns hat." Immerhin - in ihrer Welt sind den Beamten also noch Höflichkeitsbesuche im Kiez erlaubt.
Ob man, wie im Oktober, die Feuerwehr im Einsatz behindert, weil die nicht so löscht, wie man es für richtig hält, oder wie im November einen Sanitäter angreift, weil der nicht so rettet, wie man sich das vorstellt, oder nun im Fall des Überfalls auf die Kiezschule (siehe Seite 4), die Polizei von der Strafverfolgung für entbunden erklärt, weil die nicht so ermittelt, wie gewünscht, immer ist diese eigentümliche Ignoranz gegenüber jeder anderen Autorität als der der eigenen Gruppe zu spüren - ein dem Mitteleuropäer völlig unbekannter Tribalismus. Hier wirkt ganz offensichtlich eine gruppenbezogene kulturelle Prägung, die in Deutschland über die Jahrhunderte durch das Entstehen staatlicher Institutionen und einer bürgerlichen Gesellschaft ausgestorben ist.
Um so erstaunlicher, daß davon in der Mediendebatte nichts zu hören ist. Die einzige etablierte Stimme, die diese ethno-kulturelle Größe anspricht, ist der SPD-Mann Heinz Buschkowsky: Ursache, so der Berliner Bezirksbürgermeister, sei zum einen "der Werteverfall, der dazu führt, daß staatliche Ordnung nicht mehr akzeptiert wird" sowie die - wie er die kulturelle Prägung volkstümlich nennt - "südländische Mentalität der Migranten".


Über das "trendige Gekleidetsein" - also über die finanzielle Quelle - darf man sich ruhig ein paar politisch unkorrekte Gedanken machen...
Bilder, zumal bewegliche, sind doch oft viel aussagekräftiger als trockene Texte, und sie verstärken diese Gedanken:


Spiegel-TV-Reportage von vor einer Woche

Ist das ein Augenöffner? - Ich bin da lieber skeptisch: zu befürchten ist eine fortgesetzte Realitätsverweigerung der eingeübten Guties...

Als Fazit: Fremd ist mir dieses Rap-HipHop-Sprechpseudogesang-Gedöns ja sowieso schon (Ausnahme: die Fantast. 4) - aber dies in der muslimischen Variante noch einmal fremd hoch drei - gefühlt eigentlich schon ein anderer Planet. Und deshalb sind mir die Denkstrukturen von im Grunde europäisch (griechisch-römisch-christlich) sozialisierten Menschen, die trotz aller Kriminalstatistiken noch ihre naiven Multikulti-Folklore-Berichtchen über dieses Milieu schreiben können, das sie "super lustig und hoch interessant" finden, eine genau so fremde Welt... Mit den Augen rollen

By the way: im Grunde schon seit Wochen warte ich auf einen von Thanil aus eigenem Antrieb in diesem Thread verfaßten Beitrag über die Anti-Moschee-Proteste in Köln-Ehrenfeld, und wie er als Kölscher Jung' selbst dazu steht, ob er nun Ralph Giordano für einen "Nazi" hält etc. ...


Wolter


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Thanil
Ich lerne es einfach nicht.

grins Spitze
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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 09:03                                  +/-

Problem ist, dass die Ghettokids nicht Fisch und nicht Fleisch sind. Sie sind keine Deutschen und keine Türken oder Russen. Sie sind nichts so richtig.
Sie haben kein Geld, keine wirkliche Perspektive, jedenfalls nicht in ihrer begrenzten Sichtweise. Vielleicht nur schlechte Schulbildung. Also alles Scheiße.
Und dann ist es nicht nur einer, es sind viele. Sie formieren sich zu Gangs und schreckend dadurch andere (Deutsche, Österreicher) ab, was sie noch mehr isoliert.
Also versuchen sie einen Gegenpol zu bilden und verstricken sich in ihren Rap-Songs, Gewalt und anderen Dingen.
Sie reduzieren das Leben scheinbar auf das Einfachste. Sie sind die Großen, die Starken, die Helden, die den Ton angeben.
Viele, die nicht mitmachen wollen, werden durch die Gruppendynamik mitgerissen.
So ist das eben.
Dumm nur, dass sie nicht erkennen, dass sie alle selbst die Opfer sind. Die Opfer ihrer Umstände und die Opfer ihrer Schwäche aus dem scheinbar vorbestimmten Leben auszubrechen.


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:14                                  +/-

Sehr schöner Beitrag von Wolter! Spitze
Wobei ich solche Parallelwelten auch interessant und den Österreich-Balkan-Kulturmix ("Ottakringer Straße - klick, klack, Kopfschuss!"-) witzig finde. Respekt also für Oxford, wenn er auch Respekt für mich hat! Ich frage mich, ob die Tribalisierung tatsächlich etwas ähnliches wie die Stämme primitiver Kulturen hervorbringt oder das was ganz eigenes, neues ist.

Nichtsdestotrotz sind diese Subkulturen wohl nicht so friedfertig, wie es im zweiten Sua Kaan-Video erscheinen mag. Deswegen sind die Gewalt, die Kriminalität und die Schicksale, die hinter den Liedern stehen, eigentlich gar nicht witzig.


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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:38                                  +/-

Wobei Wolter für meinen Geschmack etwas zu sehr auf dem islamischen Kulturhintergrund dieser Typen rumreitet, der mE völlig irrelevant ist. In der Heimat der Rapkultur, den Schwarzenghettos in den US, ist dieser nicht gegeben und die Gewaltbereitschaft ([/Pädagoge] hähö-), Frauenverachtung usw. sind kein bißchen geringer, im Gegenteil. Zwischen den jungen christlich oder säkulär geprägten Gangsta-Kids, die ich aus meiner Jugendzeit kannte, und den muslimischen Türken und Arabern bestanden auch keinerlei Mentalitätsunterschiede.
Übrigens muss ich nochmal darauf aufmerksam machen, dass diese Idioten im Grunde ihrer Mentalität die borniertesten, engstirnigsten kleinen Spießer sind, die, wenn sie irgendwann aus ihrer Subkultur rauswachsen, "gute Moslems" oder anständige CDU-Wähler werden (und für strammes Law and Order sind, versteht sich).
Dass "Opfer" als Schimpfwort verwendet wird, ist was die dahinterstehende Mentalität betrifft natürlich überhaupt nichts neues, das charakterisiert eben die Einstellung, nur Stärke zu respektieren. Reißt mich nicht sonderlich vom Hocker, gab es zu allen Zeiten und wird es wohl leider auch immer geben.
Irgendwelche kulturpessimistischen Szenarien, die ich bei Wolter mal wieder herauslese, sind natürlich völlig Fehl am Platze, selbst diese Leute werden ja immerhin noch ansatzweise vom gesamtgesellschaftlichen Diskurs gestreift (um sich von diesem zu lösen, sind sie fast immer zu dumm, um ihn nicht aufzunehmen nicht dumm genug) und denken bei weitem nicht so menschen- und lebensverachtend wie das in der Vormoderne praktisch grundsätzlich üblich war.

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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:42                                  +/-

"Opfer" wurde in der oben genannten Weise bereits zu meiner Schulzeit als Schimpfwort verwendet. Das ist 12-15 Jahre her. Dies nur mal so am Rande. Mit den Augen rollen


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:53                                  +/-

AdrianB
Wobei Wolter für meinen Geschmack etwas zu sehr auf dem islamischen Kulturhintergrund dieser Typen rumreitet, der mE völlig irrelevant ist.


Man weiß es nicht. Ich glaube jetzt auch nicht unbedingt, dass Islamismus so mit Bart und Djihad der zentrale Einflussfaktor für die Gewalt der Jugendlichen ist. Allerdings glaube ich schon, dass Kulturen (Ich verwende nicht den thanilschen Kulturbegriff.) unterschiedlich machoesk sind - ohne dass sich das jetzt direkt aus irgendwelchen religiösen Überzeugungen ableiten müsste.

Am Rande: Von "Opfer" als Schimpfwort höre ich in diesem Thread zum ersten Mal.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 12:05                                  +/-

Kann es sein, dass Wolter leicht geschädigt ist? Erstens die ständige Verbindung zwischen mir und Gäfgen, die er in JEDEM Beitrag zieht, in dem ich vorkommen und zweitens das offensichtliche Missverständnis, dass ich diese Rapper in irgendeiner Form gut finden oder verteidigen wollte. Gerade die Zitate zum eingebuchteten Haris habe ich gepostet, um zu zeigen, welch verzerrtes Bild diese Leute von Recht und Gerechtigkeit haben.

Aber danke, Wolter, dass du deine Schubladen wieder mal in einem Monsterposting auspacken musstest. Du hast echt den Schuss nicht mehr gehört.


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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 12:28                                  +/-

Psycho Dad

Am Rande: Von "Opfer" als Schimpfwort höre ich in diesem Thread zum ersten Mal.

Du bist wohl sehr behütet aufgewachsen hähö Wobei ich sagen muß, daß ich das zu meinen Schulzeiten auch nie gehört habe, obwohl die etwas weniger lange her sind als Thanils. Lag vielleicht daran, daß ich in einigermaßen anständigen Gegenden auf einigermaßen anständigen Schulen war.

Aber hier ist "Opfer" an der Tagesordnung, sogar einige meiner Ausbildungskollegen benutzen es manchmal, wenn auch ironisch oder halb-ironisch. In der U-Bahn höre ich es ständig. Ich finde das extrem dumm und peinlich, und jeder Benutzer dieses Schimpfwortes ist bei mir eigentlich unten durch Yes


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 12:31                                  +/-

Ich benutze das selbst ab und zu. Spielst du jetzt nicht mehr mit mir? Traurig


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 12:42                                  +/-

Wolter ist so ein Opfaaa, ey... der checkt gar nix.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 13:06                                  +/-

Schnauze, du Opfer!

@Wolter
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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 15:22                                  +/-

Thanil
Ich benutze das selbst ab und zu.


Überrascht Überrascht Überrascht Warum?!


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 15:32                                  +/-

Natürlich sehr selten und dann auch nur ironisch-prollig.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 15:44                                  +/-

Na dann gehts ja noch. Diese Beleidigung ist böse. Wer sie (ernsthaft) benutzt, speziell wenn in einem bedrohenden Kontext, gesteht damit explizit ein, daß er der Täter und der andere sein Opfer ist, ihm unterlegen. Trotzdem drangsaliert er aber das "Opfer". Diese Beleidigung zeugt also von einer Niedertracht, die ihresgleichen sucht.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 15:54                                  +/-

Glaurung
Na dann gehts ja noch. Diese Beleidigung ist böse. Wer sie (ernsthaft) benutzt, speziell wenn in einem bedrohenden Kontext, gesteht damit explizit ein, daß er der Täter und der andere sein Opfer ist, ihm unterlegen. Trotzdem drangsaliert er aber das "Opfer". Diese Beleidigung zeugt also von einer Niedertracht, die ihresgleichen sucht.




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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 16:17                                  +/-

Er hat doch recht? Auf jemanden dessen Handy/Geld abgezogen wird, wird noch runtergeschaut, selbst abzocken heißt die Devise. Nur die stärksten überleben.

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Jule



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 21:39                                  +/-

Ich hör das mit dem 'Opfer' auch heute zum ersten Mal. Wie sagt man das? "Ey, du Opfer, ey"?
Das klingt doch gar nicht. So überhaupt, so rein vom Laut her. Ich hab das jetz mehrfach zu mir selber gesagt und fühle mich immer noch nicht geschmäht, der Parasit scheint auch eher desinteressiert.
Bin ich wirklich so behütet aufgewachsen? Komisch das.

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Schalk



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 23:39                                  +/-

Vielleicht ja. zwinkern
Mir ist das absolut geläufig, sowohl aus Schulzeiten, wie auch aus mitgehörten Gesprächen in der Bahn und auf der Straße. Ein Freund von mir hat das auch lange recht eifrig benutzt, bis ihm klar wurde, dass er selbst in vielen Zusammenhängen der Schwächere ist.
Dass der Ausdruck als Beleidigung auf, sagen wir 'fragwürdige' Moralvorstellungen hinweist, ist offensichtlich, andernseits sagt er aber eben auch sehr viel über die Kultur aus in der er so genutzt wird. Wer in diesen Kreisen schwach ist, wessen Schwächen sichtbar sind, ist Opfer - und er ist es nicht jetzt, in einer speziellen Situation, nach einer einzelnen Tat, er ist es sein Leben lang, er ist es immer und wird es auch bleiben. Insofern also, so unschön das auch ist, keine ganz unpassende Bezeichnung. Geschockt


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