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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 30.09.2010, 16:23                                  +/-

Und in welchem Szenario muss man nicht selbst zahlen?


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 30.09.2010, 19:57                                  +/-

Zahlt der DAV nicht, wenn einen die Bergrettung aus nem Baum holen muss?

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Ludy
Sommerfestlady


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BeitragVerfasst am: 30.09.2010, 21:20                                  +/-

Meiner Oma haben sie pro die Heliminuten mit je ca. 50 Euro abgerechnet.


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Raus aus dem Aquarium und Vogel werden – is’ schwierig.
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Morgi



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BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 15:03                                  +/-

Nachdem ich jetzt definitiv mitgeteilt bekam, dass ich dieses Semester keine Studiengebühren mehr zahlen muss - was meine Finanzplanung um 400 Euro aufbessert - habe ich am Wochenende einen zweitägigen Kurzurlaub in Tschechien gemacht, um mich in Brno und Umgebung in Osttschechien umzusehen, nachdem ich bisher nur den Westen und Süden des Landes kannte.

Brno (Brünn), mit rund 400 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tschechiens, ist das historische Zentrum Mährens, eines der drei Länder Tschechiens (Böhmen, Mähren sowie das tschechische Schlesien), und liegt nicht weit von der slowakischen Grenze entfernt. Der erste Eindruck: Sowohl Brno selbst als auch das Umland sehen viel ärmlicher und heruntergekommener aus als Prag und die anderen böhmischen Städte, die ich kenne. Brno war lange DAS tschechische Industriezentrum schlechthin, seit 1990 zerfällt die Schwerindustrie hier allerdings, seitdem befindet die ganze Gegend sich in heftigen Strukturproblemen, eine Art kleines Ruhrgebiet. Dementsprechend sieht die ganze Stadt, sobald man den historischen Kern verlässt, ziemlich siffig aus, viele eingeschlagene Fenster, bröckelnde Fassaden, alte Sowjet-Autos, schadhafte Straßen usw. Auch größere Roma-Ansiedlungen scheint es hier, im Osten des Landes, bereits zu geben, wenn auch nicht in vergleichbarer Größe oder vergleichbarem Elend, wie ich sie in der Slowakei und in Ungarn gesehen habe. Alles in allem eine wirklich andere Welt als das westliche, moderne, wohlhabende und prosperierende Prag. Auch im Stadtbild sehen Brno und seine Vororte ziemlich typisch osteuropäisch aus: Um einen historischen Stadkern gruppieren sich weit ausgedehnte Plattenbausiedlungen, drumherum ein weiterer Ring von wild wuchernder moderner Büro- Werkstätten- und Einkaufszentrenbebauung aus den letzten 15 Jahren.

Generell scheint es, dass in Brno - wie in den meisten osteuropäischen Großstädten - nach 1990 überhaupt keine geplante Stadtentwicklung mehr stattfand, stattdessen franst die Stadt zig Kilometer weit ins Umland aus, mit verstreuten, isoliert liegenden Solitären, die sich entlang der Autobahnen gruppieren, wie es für die wilden, unkontrollierten ersten Jahre nach Einführung der Marktwirtschaft typisch war. Erst seit einigen Jahren scheint die Stadtentwicklung wieder in geplanten und geordneten Bahnen zu verlaufen: Zwischen Hauptbahnhof und Altstadt stehen viele qualitätvolle Neubauten der letzten Jahre, die sich mit geschlossener Blockrandbebauung, guter Anbindung an den ÖPNV und hochwertigen Fassaden gut in den Stadtkörper einfügen.

Aber zum historischen Stadtkern, um dessentwillen man ja nach Brno fährt! Dieser historische Stadtkern ist wirklich prächtig, man sieht heute noch sehr deutlich, dass das alte Brünn eine der wichtigsten Städte der Habsburgermonarchie war - die imposante, oft sechs- und siebengeschoßige, geschlossene Gründerzeit- und Jugendstilbebauung, die die Altstadt umschließt, ist unverkennbar wienerisch geprägt, Brno hat durchaus Ähnlichkeit mit einer Miniaturausgabe von Wien. Die vornehmen, sehr belebten Einkaufsstraßen mit ihren fin de siecle-Palästen würden sich auch in Prag, Wien oder Budapest gut machen.

Auch von der eigentlichen Altstadt hat sich erstaunlich viel erhalten - anders als bspw. in der DDR oder in der Sowjetunion ging Tschechien ja auch in sozialistischer Zeit sehr pfleglich mit der historischen Bausubstanz seiner Städte um, zerstörte kaum etwas und pflanzte auch keine Plattenbauten neben Barockkirchen, wie man das ansonsten oft in Osteuropa sieht. Architektonisches Highlight ist ohne Zweifel die gotische Peter- und Paulskathedrale, die auf einem die Altstadt überragenden Hügel liegt und im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt. Leider hat im Inneren die im 18. Jahrhundert besonders in Bayern und der Donaumonarchie wütende Pest der Barockisierung voll zugeschlagen: Kaum noch etwas von der gotischen Struktur sichtbar, stattdessen die übliche, stereotype Barockausstattung der Zeit, wie man sie in nahezu identischer Form auch in zehntausend anderen Kirchen sehen kann. Freunde mittelalterlicher Architektur werden dafür allerdings von der Jakobskirche voll entschädigt, einem spätestgotischen Bau aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts - sehr strenge, sehr reine Gotik, ganz anders als die überbordenden Flamboyant-Kirchen, die damals in Westeuropa entstanden. Auch viele interessante Ausstattungsstücke sind noch erhalten, bspw. einige schöne Renaissance-Reliefs und ein bronzenes Prachtgrabmal eines kaiserlichen Feldherrn des 17. Jahrhunderts, der die Schweden besiegte, als sie im 30-jährigen Krieg Brünn belagerten. Überhaupt fällt auf, dass in allen Kirchen die opulenten Grabdenkmäler ausnahmslos in Deutsch verfasst sind - in Brünn rekrutierten sich höheres Bürgertum und aristokratische Herrenschicht wie in den meisten tschechischen Städten bis 1918 durchweg aus der privilegierten deutschen Minderheit.

Wie es sich für eine wichtige Habsburgerstadt gehört, geizt Brno auch nicht mit monumentalen Barockkirchen, ich habe mindestens fünf gezählt, darunter zwei großartige Exemplare, die sich vor Wien und Prag nicht zu verstecken brauchen. Leider waren die meisten der Kirchen geschlossen, sodass ich von den Barockkirchen nur die Minoritenkirche von innen sehen konnte, die neben einer verschwenderischen Innenausstattung auch eine der wenigen voll erhaltenen barocken Loreto-Kapellen aufzubieten hat. Ansonsten wechseln in der Altstadt Barockpalais mit Gründerzeit-Protzbauten ab, durchbrochen von eleganten öffentlichen Plätzen, schönen Parkanlagen und einer sehr großstädtischen Ringstraße mit Wohnbauten der 1890er. Alles in allem wirkt Brno erheblich eindrucksvoller und urbaner als bspw. Bratislava, das immerhin 50 000 Einwohner mehr hat und Hauptstadt eines Fünfmillionenstaates ist.

Zwei weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt liegen sich auf zwei Hügeln fast direkt gegenüber: Auf der einen Seite die alte Festung Spilberk - bis ins 19. Jahrhundert das Staatsgefängnis der Habsburger für politische Gefangene, ein düsterer Klotz, in dem viele berühmte Revolutionäre und aufsässige Intellektuelle ihr Leben ließen. Gegenüber zieht sich in die Hänge hinein ein vornehmes Villenviertel aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (Erinnert ein wenig an Stuttgart) - man darf nicht vergessen, dass Tschechien bis zum deutschen Einmarsch 1939 eines der reichsten und am höchsten entwickelten Länder Europas war, dessen BIP sich etwa auf demselben Niveau wie das Frankreichs befand. Unter diesen Villen sticht die Villa Tugendhat heraus, eine 1929 von Mies van der Rohe entworfene Ikone der modernen Architektur. Leider ist die Villa wegen Renovierungsarbeiten bis 2012 geschlossen, sodass mir nur ein Blick von außen blieb.

In einem Barockpalais in der Altstadt befindet sich das Mährische Landesmuseum, in dem neben Wechselausstellungen auch eine sehr sehenswerte Sammlung mährischer Malerei und Plastik aus Spätmittelalter und früher Neuzeit sowie eine kleine Sammlung europäischer Malerei vom 15.-19. Jahrhundert untergebracht ist, darunter Werke von Rubens, Philippe de Champaigne, eine kleine Sammlung italienischer Renaissancemalerei sowie eine hübsche Auswahl symbolistischer Malerei der Zeit um 1900 sowie Goldschmiede- und Kunsthandwerksarbeiten der Spätgotik (Brno war ein Zentrum spätgotischer Kunst um 1500). Etwas nervtötend war allerdings das Museumspersonal: Da ich der einzige Besucher der Sammlung war, wurde ich auf Schritt und Tritt von zwei Aufsehern bewacht, die mir in jeden Saal und um jede Ecke folgten.



Zuletzt bearbeitet von Morgi am 25.10.2010, 17:22, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 15:21                                  +/-



Germany in a Nutshell

Übers Wochenende war ich in Deutschland. Was ich dort besonders schätze, sind die netten Menschen und die urige Kultur. Wegen des Wetters sollte man nicht hinfahren. Jedenfalls bin ich ein grosser Fan der Bierkultur dort. Überall bekommt man diese kleinen 0,2er-Biere zum ebenfalls kleinen Preis. Am besten geniesst man das Bier in einem sogenannten Brauhaus, der traditionellen deutschen Beiz, oder privat bei guten Freunden.

Deutschland ist aber auch ein Land voller Gegensätze. In vielerlei Hinsicht ist es eine moderne Industrienation. Und die niedrigen Preise und die ausgeprägte Gastfreundschaft locken zahlreiche internationale Touristen an. Abstriche muss man jedoch bei den Themen Sauberkeit und Pünktlichkeit machen. Wenn man dort westliche Standards erwartet, wird man von seinem Deutschlandurlaub enttäuscht werden. Regelmässiges Duschen ist nördlich des Bodensees eher unüblich. Sauber ist das nicht! Wer sich dennoch Zeit nimmt für diesen wichtigen Teil der Körperhygiene, wird schon mal schief angeschaut. Nicht umsonst gelten die Deutschen bei uns als hektisches Völkchen.

Mit dieser Einschätzung tun wir unseren nordöstlichen Nachbarn jedoch nur allzu häufig Unrecht. Wenn die Deutschen bei der Körperpflege auch sehr genau auf die Uhr schauen, um so mehr Zeit nehmen sie sich fürs Reisen. Während bei uns jeden Minute zwischen Zürich und Genf zählt und wir sogar unsere geliebten Berge aushöhlen, um noch schneller von A nach B zu kommen, sehen die Deutschen Bahnverspätungen sehr entspannt. Wegen eines verpassten Anschlusszuges ein bis zwei Stunden an einem von Wind und Wetter ungeschützten Umsteigebahnhof herumzustehen, gehört bei den Flachländern fast schon zur Reiseerfahrung. Und so habe auch ich am Sonntag wegen Bahnverspätung noch meinen Anschlusszug verpasst und durfte mich dann in den nächsten brechend vollen ICE stellen, eingepfercht zwischen unzähligen Deutschen, die - Gott weiss wie lange - kein Stück Seife mehr gesehen haben.

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BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 15:29                                  +/-

Die letzten von dir verlinkten Bilder werden leider nicht angezeigt, ansonsten ein schöner Bericht *bestern*. Ich kenne von Tschechien bislang nur Prag und Karlsbad (ein traditionsreicher Kurort und ein Juwel voller historistischer und früher jugendzeitlicher Architektur), aber ein Besuch in Brünn scheint sich ja ebenfalls zu lohnen.


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:19                                  

Da sich meine finanzielle Situation ja jüngt etwas entspannt hat, bin ich nun kurz vor dem Umzug noch einmal einige Tage verreist und habe dabei ein touristisch sehr wenig erschlossenes Ziel gewählt:

Sarajewo

Sarajewo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina und mit rund 300 000 Einwohnern in der Kernstadt bzw. 420 000 in der Agglomeration größte Stadt des Landes (Vor dem Krieg waren es knapp doppelt soviele), wird von den meisten Westeuropäern nach wie vor fast nur als Symbol der Verheerungen der Balkankriege in den frühen 90er Jahren wahrgenommen und gehört dementsprechend nicht gerade zu den touristischen Top-Destinationen - was allerdings den Vorteil hat, dass die Stadt von den Geschmacklosigkeiten, mit denen Massentourismus fast immer verbunden ist, bisher so gut wie verschont geblieben ist.
Wegen meiner Flugangst (Und weil es wahrscheinlich sowieso keine Billigflieger gibt, die Sarajewo anfliegen), bin ich mit dem Bus angereist - eine fast 13-stündige Fahrt durch den Süden Österreichs, ganz Slowenien, ganz Kroatien und den Großteil Bosnien-Herzegowinas. Das geht gegen Ende zwar, eingepfercht in einen engen Bussitz, zwar ziemlich an die Belastungsgrenze, bietet aber den Vorteil, dass man sehr viel vom Land zu sehen bekommt - insbesondere ab der kroatisch-bosnischen Grenze, weil die bosnischen Straßen abseits der größeren Städte oft in sehr üblem Zustand sind und der Bus somit nur langsam fahren konnte, zumal er in mehreren Städten in Bosnien Zwischenhalte einlegte, um Fahrgäste aussteigen zu lassen (Ich war sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt offenbar der einzige Tourist an Bord, ansonsten nur in Österreich lebende Bosnier, die Heimaturlaub machten).

Da ich alleine sieben Stunden der Fahrzeit durch Bosnien-Herzegowina kreuzte und mich in mehreren Städten während der Zwischenhalte ein wenig umsehen konnte, hier erst einmal einige Eindrücke des Landes im Allgemeinen. Dabei zuerst zu den Kriegsschäden. In Bosnien tobten von 1992-1996 die mit Abstand heftigsten Kämpfe des zerbrechenden Jugoslawiens, mehrmals wurde das Land von Truppen verschiedener Fraktionen förmlich umgepflügt. Da ein so armes Land wie Bosnien (Bosnien ist - vom Kosovo abgesehen -der ärmste Nachfolgestaat Jugoslawiens) den Wiederaufbau nur schleppend finanzieren kann, sind die Kriegswunden immer noch überall gegenwärtig. Besonders schlimm war es im Norden des Landes, etwa auf den ersten 50-100 Kilometern nach dem Passieren der kroatisch-bosnischen Grenze. Hier sieht es teilweise aus, als sei der Krieg letzte Woche zu Ende gegangen: Apokalpytische Landschaften mit völlig zerstörten, verlassenen Dörfern. Am Straßenrand überall zerschossene Bauernhöfe mit eingestürzten Dächern und überwucherten Feldern, stellenweise mehr Ruinen als intakte Gebäude. Überall Soldatenfriedhöfe und Gedenksteine für Kriegstote. Manchmal noch Hinweisschilder, die mit Totenkopfsymbolen vor nichtgeräumten Minenfeldern warnen. Gelegentlich abgeschossene, von Unkraut überwucherte Panzer und Lastwagen. Auch Gebäude, die nicht während der Kampfhandlungen auseinandergeschossen wurden, sind hundertfach verwaist und verfallen seit Jahren vor sich hin: Serbische Truppen haben etwa 60 000 bosnische Zivilisten ermordet und mehrere hunderttausend weitere vertrieben oder in Lagern interniert, um in gemischt besiedelten Gebieten den serbischen Bevölkerungsanteil zu erhöhen. Die verjagten Besitzer der Häuser und Bauernhöfe wurden teils von der serbischen Soldateska ermordet, teils waren sie ins Ausland geflohen und nicht mehr zurückgekehrt. Das Ausmaß der Zerstörung und des Bevölkerungsschwundes erinnert in manchen ländlichen Gegenden durchaus an Deutschland 1945. Im zentralen und südlichen Teil des Landes sah ich nur noch selten Ruinen (Ausnahme: Ein Streckenabschnitt, an dem die wichtige Straße und eine Eisenbahnlinie parallel zueinander verlaufen und der offenbar wegen seiner strategischen Bedeutung hart umkämpft war - hier reihte sich eine ausgebrannte, leere Ruine an die andere), dafür war der Wiederaufbau fast durchgehend primitiv: Ganz einfache, provisorische Häuser ohne Putz, Fassadengestaltung oder sonst irgendetwas, das über das unbedingt Notwendige hinausgeht.

Allgemein sieht man Bosnien-Herzegowina seine Armut (Das BIP beträgt gerade einmal rund 6000$/Kopf, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 40%!) ziemlich deutlich an: Während die nördlichen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien durchweg wohlhabend, gut geordnet und sauber wirken, adrette Städte und Häuser und moderne, gute Straßen zu bieten haben, wird alles sofort nach dem Überschreiten der kroatisch-bosnischen Grenze erheblich elender: Holpernde, schlechte und sehr unsichere Straßen (Alle paar hundert Meter steht ein Gedenkkreuz für Unfalltote, Straßenbeleuchtung gibt es sogar auf Fernstraßen so gut wie gar nicht, und besonders bei der nächtlichen Hinfahrt war ich trotz meines Atheismus kurz davor, Stoßgebete auszusprechen, wenn der alte, schwerfällige Bus sich durch eine völlig ungesicherte, steile und kurvenreiche Serpentinenstraße quälte und dabei ächzte, als würde er gleich den Berg herunterfallen). Rohe, billige und unbequem aussehende Neubauten (Ganz anders als die älteren Gebäude aus jugoslawischer Zeit, die erheblich moderner und komfortabler wirken als die Bauten der letzten 20 Jahre). Dreckige, heruntergekommene Städte und Dörfer, die teilweise noch vorindustriell wirken: Bauern, die keine Traktoren und nicht einmal Sensen benutzen, sondern Sicheln wie im Mittelalter. Schlammige Lehmpfade innerhalb der Dörfer. Überall streunende Straßenhunde. Bettelnde Kinder, die während der Zwischenhalte in den Bus springen und jeden anbetteln, der für bosnische Verhältnisse einigermaßen wohlhabend aussieht. Nur eines blüht und prosperiert: Der Islam. In jedem noch so elenden kleinen Dörfchen findet sich eine nagelneue, große Moschee in einwandfreiem Zustand. Während Bosnien vor dem Krieg ein bunter ethnischer Flickenteppich war, ist das Land heute - außerhalb der halbautonomen, fast nur von von orthodoxen Serben bewohnten Teilrepublik Srpska - fast vollkommen muslimisch. Übrigens noch ein Wort zur Republik Srpska, von der ich große Teile durchquerte: Offiziell gehört dieses merkwürdige, 1,4 Millionen Einwohner zählende Gebilde zu Bosnien-Herzegowina, de facto ist es aber ein unabhängiges Mini-Serbien. Während im eigentlichen Bosnien lateinisch geschrieben wird, sind hier alle Beschriftungen Kyrillisch. Während in jeder bosnischen Stadt mindestens eine monumentale Moschee steht, findet sich in jeder Stadt von Srpska mindestens eine monumentale, orthodoxe Kirche mit ihren charakteristischen goldenen Kuppeln. In jedem zweiten Vorgarten weht hier eine serbische Flagge, sogar die Polizei hat andere Uniformen als in Kern-Bosnien. Srpska wirkt etwas wohlhabender als Bosnien, seine Hauptstadt Banja Luka (In der ich während eines Zwischenhaltes etwas spazieren konnte) wirkt recht ansehnlich.

Wirklich schrecklich war dagegen das schon in Kern-Bosnien liegende Zenica, wo der nächste Zwischenhalt war und ich mich ein wenig umsehen konnte. Die mit etwa 130 000 Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes scheint wirklich ausschließlich aus halbverrotteten Plattenbauten zu bestehen, deren Fassaden zur Hälfte abgefallen sind und zwischen denen sich kaputte Straßen mit tiefen Löchern ziehen, zwischen denen sich Bettler, ärmliche alte Frauen und Jugendgangs herumtreiben. Die riesigen Industrieanlagen am Rande der Stadt machen das Stadtbild nicht nur nicht gerade ansehnlicher, sondern - offenbar wurde hier seit Jahrzehnten nichts saniert, es sieht aus wie in einer sowjetischen Industriestadt der Ära Chruschtschow - überziehen die Stadt sogar bei gutem Wetter (Wie bei der Rückfahrt) mit einer dichten Rauch- und Smogwolke. Außerdem werden die offensichtlich ungefilterten chemischen Abfälle einfach in den nahen Fluss geleitet, der deshalb ab Zenica eine kilometerlange gelbliche, dampfende Brühe mit sich führt - von Umweltschutz scheint man in Bosnien-Herzegowina nicht viel zu halten.

Trotz der vielen Kriegszerstörungen und der für europäische Verhältnisse extremen Armut hätte Bosnien-Herzegowina ein großes touristisches Potenzial: Seine Landschaft mit den rauhen, felsigen Gebirgen, den naturnahen Gebirsgwäldern, den Schluchten und Sturzbächen ist schlicht atemberaubend, oft beeindruckender als die touristisch totgelaufenen Alpen. Dazu kommt sein kultureller Reiz als einzigartige Mischung der verschiedenen Kulturkreisen: Das byzantinische Reich, dem das Land im Mittelalter angehörte, hinterließ östlich-orthodoxe Kultur. Das osmanische Reich, dem das Land in der frühen Neuzeit angehörte, hinterließ orientalisch-muslimische Kultur. Das Habsburgerreich, dem das Land bis 1918 angehörte, hinterließ westlich-katholische Kultur. Der Krieg hat diesen unglaublich vielfältigen multikulturellen Charakter des Landes allerdings, wie schon angedeutet, mit seinen ethnischen Säuberungen und seinem gegenseitigen Hass stark beschädigt: Nun ist das Land zweigeteilt in einen mehr oder weniger rein serbisch-orthodoxen Teil und einen mehr oder weniger rein orientalisch-muslimischen Teil.

Aber nun zu meinem Reiseziel Sarajewo selbst! Sarajewo ist das Symbol der Balkankriege schlechthin. Als Bosnien seine Unabhängigkeit vom zerfallenden Jugoslawien (Slowenien und Kroatien hatten sich zuerst für unabhängig erklärt und ihre junge Freiheit erfolgreich gegen serbische Strafexpeditionen verteidigt) erklärte und Serbien den ganzen Rest seiner Armee in Marsch setzte, um das abtrünnige Land zurückzuerobern, kam es in der Hauptstadt Sarajewo zu einer militärischen Pattsituation: Die Serben, die einen kleinen Teil der Stadt eingenommen hatten, waren nicht stark genug, sie ganz zu erobern, und die Bosnier waren nicht stark genug, die Serben aus den schon eroberten Vierteln zurückzuschlagen. Also zogen die serbischen Truppen einen Belagerungsring um die Stadt und isolierten die 500 000 Zivilisten in Sarajewo völlig von der Außenwelt. Vier Jahre, bis 1996, hielt die Belagerung an - laut einer Gedenktafel in Sarajewo die längste Belagerung einer Stadt in der modernen Kriegführung. Jeden Tag wurde Sarajewo nun von der serbischen Artillerie mit bis zu 4000 Geschoßen eingedeckt, und als auch das nicht half, begann man, die Bevölkerung durch Terror zu demoralisieren: Serbische Scharfschützen eroberten einzelne Gebäude - bevorzugt hohe Plattenbauten - und erschossen von dort aus alles und jeden, der sich auf die Straße wagte. 65 000 Zivilisten wurden dabei getötet oder verwundet, ungezählte weitere starben in der isolierten Stadt an Hunger und Kälte. Den serbischen Scharfschützen wurde nahegelegt, besonders auf Kinder zu schießen, da das den stärksten demoralisierenden Effekt habe - rund 2000 Kinder wurden von Scharfschützen erschossen.

Ich hatte dementsprechend heftige Verwüstungen erwartet, aber zu meiner Überraschung ist Sarajewo inzwischen wieder eine einigermaßen intakte Stadt. Ganz zerstörte Kriegsruinen sah ich nur noch wenige Dutzend, Einschusslöcher und Granatspuren finden sich dagegen immer noch an mindestens jeder zweiten Fassade älterer Gebäude. Ansonsten erinnern die riesigen Gedenkfriedhöfe für die Belagerungsopfer sowie zahlreiche Gedenktafeln an das harte Schicksal der Stadt (Unmittelbar nach dem Verlassen des Busbahnhofs durchquerte ich, wie mir eine Inschrift verriet, auf dem Weg in die Innenstadt die sogenannte "Sniper´s alley" - ein unter Tito angelegter breiter Boulevard mit hohen Wohngebäuden, in denen die serbischen Scharfschützen während des Krieges besonders schlimm gewütet hatten - auch 14 Jahre später noch ein beklemmendes Gefühl).

Sarajewo besteht aus drei sehr unterschiedlichen Teilen: Im Westen die obligatorische, kilometerlange Plattenbauwüste, wobei ich den Eindruck habe, dass die Qualität der Tito-Plattenbauten etwas höher ist als die der Plattenbauten in der sowjetischen Machtsphäre) - hier finden sich tendentiell noch die größten Kriegsschäden, insbesondere die Fassaden der Wohnhochhäuser sind noch meisten kugeldurchsiebt, manchmal ragen verbogene Eisenträger seitlich aus den - immer noch bewohnten! - Gebäuden heraus. In der Mitte liegt die habsburgische Innenstadt mit reich ornamentierten Gründerzeit - und Jugendstilbauten und eleganten Einkaufsstraßen. In diesem relativ kleinen Gebiet wirkt Sarajewo am urbansten und westlichsten, hier finden sich viele moderne Einkaufszentren, Bars, gestylte junge Mädchen usw. Im Osten schließlich die osmanische Altstadt aus dem 16. Jahrhundert. Sarajewo war damals die größte und bedeutendste osmanische Stadt auf europäischem Boden (Von Istanbul natürlich mal abgesehen) und Sitz eines Statthalters, der die Stadt mit vielen immer noch erhaltenen Prachtbauten ausstattete: Monumentalen Moscheen, einer Koranschule, einem Handelsviertel mit tadellos erhaltenen osmanischen Fachwerkbauten, einem von steinernen Kuppeln überwölbten Basar usw. In dem kleinen Teil dieser osmanischen Alstadt, der im Tal liegt, befinden sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die beeindruckende Ghazi Husrev-Bey Moschee, der osmanische Basar oder Koranschule und Harem aus dem frühen 16. Jahrhundert. Weiter nach Osten und Norden hin zieht sich dieses alte osmanische Viertel aber weit in die Berge hinein, mit engen, verwinkelten Gassen, Dutzenden kleinen Moscheen aus dem 15.-17. Jahrhundert, verwitterten alten Friedhöfen usw. Viele Reiseführer schreiben, dass dieser Teil von Sarajewo ein authentischeres Bild von einer alten osmanischen Stadt biete als irgendeine türkische Stadt, und von Fotos nach zu urteilen (Ich war bisher noch nicht in der Türkei), mag das durchaus stimmen: In diesem ganzen Viertel finden sich kaum moderne Bauten, stattdessen kilometerweit nur alte osmanische Stein- und Fachwerkhäuser und historische Moscheen.

An dieser Stelle ein Wort zur Religion in Sarajewo: Sarajewo ist heute, wie gesagt, wieder eine fast rein muslimische Stadt - der muslimische Bevölkerungsanteil liegt der veralteten Volkszählung nach bei über 70%, in Wirklichkeit aber wohl bei etwa 85% (Diese Zahl nannte mir auch ein Imam, mit dem ich mich unterhielt, dazu später mehr). Sowohl kulturell als auch dem Stadtbild nach ist Sarajewo, von Westeuropa aus kommend, die erste wirklich orientalische Stadt - in der Debatte darüber, ob der Islam mit Europa vereinbar ist, wird ja oft die Tatsache übersehen, dass es in Europa drei fast rein muslimische Staaten mit jahrhundertelanger islamischer Kulturtradition gibt: Bosnien, Albanien und Kosovo. Mein Hotel - eine etwas schmutzige, fensterlose Absteige, dafür aber in einem osmanischen Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert und mit 30€ pro Nacht recht günstig - lag mitten in der historischen Altstadt, und wenn ich meine Dachluke öffnete, sah ich ringsum nichts anderes als das Häusermeer der Altstadt, überragt von Dutzenden Minaretten, von denen fünfmal täglich mit Lautsprechern vielstimmig das "Allahu akbar" des Muezzins tönte. Wenn man während des Freitagsgebetes zu den Gebeten der Gläubigen auf die Minarettskyline Sarajewos blickt, dann könnte diese Szene sich ebenso in Anatolien oder Syrien abspielen. Zumindest das südliche Bosnien ist ein Stück reiner Orient in Europa.

Die wunderbaren Moscheen aus der Glanzzeit Sarajewos im 16. Jahrhundert sind sicher die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Dabei ragt die Ghazi Husrev Bey-Moschee heraus, ein um 1530 von persischen Baumeistern errichteter Monumentalbau mit einem knapp 50 Meter hohen Minarett und herrlichen Fresken und architektonischen Dekorelementen - außerhalb Istanbuls die größte osmanische Moschee in Europa. Die kunsthistorische zweitwichtigste Moschee ist die um 1560 erbaute Kaisermoschee auf der anderen Seite des Flusses Miljacka - unweit der lateinischen Brücke, wo 1914 mit der Ermordung Franz Ferdinands der Mechanismus des ersten Weltkriegs in Gang gesetzt wurde. Leider war die Kaisermoschee gerade geschlossen, als ich sie besichtigen wollte, sodass ich mich zunächst in ihrem wunderschönen, kreuzgangartigen Innenhof umsah, als mich der Imam der Moschee bemerkte und mich fragte, ob ich die Moschee besichtigen wolle. Ich bejahte, er schloss mir auf, zeigte mir zunächst das Innere der Moschee und ihre Kunstschätze (Herrliche Fresken, viele alte Perserteppiche, Stuckverzierungen aus dem späten 16. Jahrhundert) und unterhielt sich dann mit mir über den Islam in Sarajewo, seinen Werdegang usw. Er war in der Türkei ausgebildet worden - wohin er offensichtlich vor den Kriegswirren geflohen war - und gehörte samt seiner Gemeinde dem Sufismus an, einer mystisch orientierten Spielart des Islam (Ich hatte bis dahin keine Ahnung, dass es Sufi-Gemeinden in Bosnien gibt). Nach einem längeren Plädoyer für religiöse Toleranz und gegen islamistischen Terrorismus versuchte er ein wenig, mich zum Islam zu bekehren, sprach lange über den Koran und sufistische Schriften, nannte Fälle von zum Islam konvertierten Westlern, die ihm in seiner Laufbahn begegnet seien und meinte schließlich, dass bei mir Grund zur Hoffnung sei, weil man sehe, dass in meinen Augen etwas von der Liebe Allahs wohne - und der Mann muss es schließlich wissen, das ist immerhin sein Beruf Spitze Obwohl ich dann doch Zweifel daran äußerte, dass ich in näherer Zukunft zum Sufismus konvertieren würde, blieb er allerdings die ganze Zeit sehr freundlich und lud mich ein, wieder in seiner Moschee vorbeizukommen, wenn ich noch einmal in Sarajevo sein sollte. Überhaupt muss ich sagen, dass Sarajewo zwar eine ziemlich religiöse Stadt ist - zu den Gebetszeiten quellen die Moscheen vor Gläubigen über - dass der hier vorherrschende Islam aber stark türkisch beeinflusst und dementsprechend moderat zu sein scheint. Obwohl oder gerade weil ich in den Moscheen, die ich besuchte, durchweg der einzige war, der wie ein westlicher Tourist aussah, wurde ich überall freundlich begrüßt, oft wurde ich gefragt, woher ich komme und wie mir Sarajewo gefalle, und in jeder Moschee bot irgendjemand freiwillig an, mir die Moschee zu zeigen und mir ihre Geschichte zu erzählen (Eine Moschee mit Schuhen zu betreten ist allerdings ein unverzeihlicher Fauxpas - ich habe mich allerdings vor dem Betreten immer rechtzeitig daran erinnert).

Neben den großen Monumentalmoscheen gibt es in den hügeligen Gassen der Altstadt, wie gesagt, auch Dutzende kleine Moscheen, vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert, oft mit schönen Gärten und Säulengängen. Diese Moscheen haben nun wirklich nichts mit dem westlichen Klischee eines politisierten Trainingscamps für Islamisten zu tun - es sind ganz biedere, unpolitische Gemeindezentren mit Seelsorger, Friedhof, Kindergarten, Gottesdiensten und gemeinnützigen Aktivitäten, nicht anders als irgendeine harmlose protestantische Dorfkirche. Flugblätter irgendeines Spinners, der sich, soweit ich es mir zusammenreimen konnte, als "Emir von Bosnien-Herzegowina" bezeichnete, waren die einzigen Spuren von Extremismus, die ich sehen konnte - und diese Flugblätter waren überwiegend achtlos in den Straßengraben geworfen. In der Innenstadt und in den westlichen Stadtvierteln sieht man nur wenige Frauen mit Kopftuch, hier sind Mädchen und junge Frauen nicht anders gekleidet und gestylt als in irgendeiner beliebigen westeuropäischen Großstadt. In den Altstadtgassen der östlichen Stadt hingegen sind Kopftücher üblich, manchmal auch Burkas (Aber wirklich nur selten).

Auch andere Religionen sind vertreten, aber seit dem Krieg nur noch als Randgruppen (Insbesondere die orthodoxen Serben verließen die Stadt nach dem Abzug der serbischen Armee verständlicherweise in Scharen). Immerhin gibt es in der Innenstadt noch zwei große orthodoxe Kirchen (Darunter eine aus dem 16. Jahrhundert mit ihren Originalikonen - offenbar herrschte unter den Osmanen hier ziemliche religiöse Toleranz), eine von den Habsburgern errichtete katholische Kathedrale aus dem späten 19. Jahrhundert, eine evangelische Kirche und zwei große Synagogen (Eine aschkenasische und eine sephardische). Aber nicht nur mit seinen Sakralbauten, auch mit profanen Gebäuden kann Sarajewo glänzen: Neben den schon erwähnten osmanischen Prachtbauten kann sich auch die historistische Habsburgerarchitektur und sogar ein Teil der stalinistisch angehauchten Tito-Bauten sehen lassen. Obwohl Sarajewo eine unglaublich interessante, vielfältige und noch dazu landschaftlich wunderschön zwischen Gebirsgzügen gelegene Stadt ist (1984 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt, woran noch ein verrostetes und zerschossenes Begrüßungsschild vor dem Hauptbahnhof erinnert), ist der Tourismus bisher kaum in Fahrt gekommen: Auf den Straßen sah ich so gut wie keine Ausländer. Auch das Hotelgewerbe ist ziemlich unterentwickelt: Zwei, drei große und teure Hotels nach westlichen Maßstäben, ansonsten nur kleine, einfache, aber billige Pensionen und Gasthäuser. Neben der historischen Pracht der Architektur ist die Museenlandschaft eher bescheiden. Ich war nur im bosnischen Nationalmuseum, das eine ganz sehenswerte, aber auch nicht gerade überwältigende Sammlung von archäologischen Funden aus Bosnien sowie eine naturhistorische Sammlung beherbergt, ansonsten scheint das Museum für moderne Kunst manchmal ganz interessante Sonderausstellungen zu zeigen.

Obwohl die Armut Bosniens im Allgemeinen und auch Sarajewos unverkennbar ist, geht es seit einigen Jahren doch sichtlich bergauf: Entlang der "Sniper´s alley" sind mehrere moderne Hochhäuser und Glaspaläste entstanden (Und die riesige neue US-Botschaft, die für ein so kleines Land merwürdig überdimensioniert wirkt), und durch Fassadensanierungen in der Innenstadt schwinden langsam die Kriegsspuren. Dabei ist auffällig, dass mindestens jeder zweite Neubau den Namen türkischer Firmen trägt, der neue, spiegelnde Glaswolkenkratzer eines türkischen Unternehmens ist das erste, was Bus- und Bahnreisende nach der Ankunft sehen (Busbahnhof und Hauptbahnhof liegen direkt nebeneinander). Auch kulturell orientiert sich Bosnien wieder mehr und mehr an seinem alten Hegemon - türkische Lebensmittel und türkische Popmusik sind allgegenwärtig, überall finden sich Filialen türkischer Reisebüros und türkischer Fluglinien. Bosnien scheint dabei zu sein, eine Art türkisches Protektorat zu werden - wahrscheinlich auch nicht ganz verkehrt für ein so kleines Land, das für den Wiederaufbau wohl einen starken Patron wie die Türkei braucht, mit dem es ja ohnehin historisch und kulturell eng verbunden ist.

Zum Abschluss noch ein Kuriosum: Deutschland scheint sich in Bosnien enormer Popularität zu erfreuen, wahrscheinlich besonders wegen der Beteiligung Deutschlands bei der Bombardierung Serbiens 1999 sowie aufgrund des starken militärischen Engagements der Bundeswehr zum Schutz des muslimischen Bruderlandes Kosovo. Auch, dass Deutschland während des Krieges viele bosnische Flüchtlinge aufnahm, mag dazu beigetragen haben. Leute, die mich nach meiner Herkunft fragten, waren immer sehr erfreut, einem Deutschen zu begegnen, an manchen Fenstern hängen schwarz-rot-goldene Flaggen. Wenn man in Bosnien Geld umtauscht, erlebt man eine Überraschung: Die bosnische Währung heißt - Mark. Und ihre Untereinheit? 1 Mark=100 Fening. Und der Wechselkurs zum Euro beträgt - genau: 1 Euro = 1,95 Mark. Nach der Unabhängigkeitserklärung beschloss Bosnien, seine neue Währung zum Schutz vor Inflation an die harte D-Mark zu koppeln, übernahm dabei gleich die Währungsbezeichnung und ahmte teilweise sogar die Münzgestaltung nach (Sehr deutlich beim bosnischen 5-Markstück, das dem alten 5 DM-Stück sehr ähnlich sieht). Als Deutschland den Euro einführte, behielt Bosnien seine Mark bei und koppelte sie nun an den Euro, zum eingefrorenen Schlusskurs der D-Mark. Wechselkursschwankungen zwischen bosnischer Mark und Euro gibt es somit nicht. Und an dieser Stelle noch eine Warnung: Keine normale westliche Bank nimmt bosnische Mark an, man kann sie nur bei Nationalbanken umtauschen. Wenn also jemand mal nach Bosnien kommen sollte und nicht in Wien, Frankfurt oder sonst einer Stadt mit Sitz einer Nationalbank lebt, sollte er alles bosnische Geld unbedingt vor der Abreise ausgeben oder umtauschen. Die Germanophilie der Bosnier kommt auch in vielen Germanizismen zum Ausdruck: Ein Schalter am Bahnhof oder in der Bank heißt Salter (Gesprochen "Schalter"), eine Kartoffel ist eine "Krumpir" (Vgl. den süddeutschen Dialektausdruck "Grumbeer"), eine Esskastanie eine "Keste" (Vgl. den süddeutschen Dialektausdruck "Keschde"), und ein Maiskolben ein "Kukuruz" (Vgl. den identischen österreichischen Dialektausdruck).

Und hier schließlich Fotos, die ich mangels Digicam wieder im Netz zusammensuchen musste und die leider nicht alle schönen Ecken zeigen, von denen ich Bilder suchte:

Ein Panoramablick über die Stadt, im Vordergrund ein Friedhof mit den weißen islamischen Grabstelen von Todesopfern der Belagerung 1992-96:



Der Bascarsija-Platz in der Altstadt, an dem sich meine Pension befand:



Vorhof der Gazi Husrev Bey Moschee:





Innenansicht:



Überdachter Basar aus dem 16. Jahrhundert:



Und einige vermischte Bilder (Diesem Fotothread entnommen: http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=502094):







































Und zuletzt - Sarajevo vor 15 Jahren:







[img]http://www.dradio.de/images/12083/portrait/[/img]














Zuletzt bearbeitet von Morgi am 25.10.2010, 18:09, insgesamt 4-mal bearbeitet
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Gimli



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:22                                  +/-

Besonders die Kriegsbilder machen Lust auf eine Reise. Smilie


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lila



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:30                                  +/-

Hab das jetzt nur überflogen, jedenfalls ist das

Die Germanophilie der Bosnier kommt auch in vielen Germanizismen zum Ausdruck: Ein Schalter am Bahnhof oder in der Bank heißt Salter (Gesprochen "Schalter"), eine Kartoffel ist eine "Krumpir" (Vgl. den süddeutschen Dialektausdruck "Grumbeer"), eine Esskastanie eine "Keste" (Vgl. den süddeutschen Dialektausdruck "Keschde"), und ein Maiskolben ein "Kukuruz" (Vgl. den identischen österreichischen Dialektausdruck).


ein voreiliger Schluss. Bedenke die Geschichte der Region. Von Südslawistik und gerade BKS hab ich leider nur wenig Ahnung, aber die Germanismen müssen nicht automatisch auf Germanophilie hindeuten und könnten u.U. schon sehr alte Entlehnungen sein. Von Tschechisch und auch Russisch weiß ich sicher, dass sie viele Lehnwörter aus dem Deutschen haben, das hat aber nichts mit einer etwaigen Vorliebe für die Sprache oder die Leute zu tun.


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:35                                  +/-

@lila.
ein voreiliger Schluss. Bedenke die Geschichte der Region. Von Südslawistik und gerade BKS hab ich leider nur wenig Ahnung, aber die Germanismen müssen nicht automatisch auf Germanophilie hindeuten und könnten u.U. schon sehr alte Entlehnungen sein. Von Tschechisch und auch Russisch weiß ich sicher, dass sie viele Lehnwörter aus dem Deutschen haben, das hat aber nichts mit einer etwaigen Vorliebe für die Sprache oder die Leute zu tun.


Die meisten Germanismen habe ich mir durch die lange habsburgische Herrschaft erklärt, ziemlich irritiert haben mich hingegen die Entlehnungen aus südwestdeutschen Dialekten wie eben "Krumpir" oder "Keste" - keine Ahnung, wie man am südlichen Ende des Balkans auf die Idee kam, pfälzische Dialektbegriffe zu adaptieren.



Zuletzt bearbeitet von Morgi am 25.10.2010, 17:35, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:35                                  +/-

Ich fand das einen sehr interessanten Bericht und hab ihn auch besternt. Musste aber aus purer Gewohnheit die Zahlen nachgoogeln und Wikipedia sagt:

Der Belagerung und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder

Deine alte Schwäche für Phantasiezahlen...


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:37                                  +/-

@pk. Rund 11 000 Tote - dazu kommen über 50 000 Verwundete, also die etwa 65 000 "Toten und Verwundeten", von denen ich schrieb.

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#18



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:40                                  +/-

Morgi


Die meisten Germanismen habe ich mir durch die lange habsburgische Herrschaft erklärt, ziemlich irritiert haben mich hingegen die Entlehnungen aus südwestdeutschen Dialekten wie eben "Krumpir" oder "Keste" - keine Ahnung, wie man am südlichen Ende des Balkans auf die Idee kam, pfälzische Dialektbegriffe zu adaptieren.


Keschde sagt man auch in Südtirol. Da war jemand noch nie beim Törggelen.


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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:41                                  +/-

Donauschwaben?


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lila



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:48                                  +/-

Morgi

Die meisten Germanismen habe ich mir durch die lange habsburgische Herrschaft erklärt, ziemlich irritiert haben mich hingegen die Entlehnungen aus südwestdeutschen Dialekten wie eben "Krumpir" oder "Keste" - keine Ahnung, wie man am südlichen Ende des Balkans auf die Idee kam, pfälzische Dialektbegriffe zu adaptieren.


Ach, das lässt sich auch recht einfach erklären: Migration und Sprachkontakt. Hier gehts ja um Zeiten, in denen die Grenzen noch ganz anders aussahen als heute, (Sprach-) gruppen noch ganz anders verbreitet sind und eben solche Worte noch die letzten Überbleibsel eben dieser Geschichte sind, die man heute schon längst vergessen hat. Außerdem sterben ja viele Dialekte langsam aus, aber wie mir gerade mein Atlas der deutschen Sprache erklärt hat, sagt man auch im Burgenland "Krumpn" zur Kartoffel. hähö (Wobei ich das noch nie gehört habe, solche Dialektbegriffe werden ja auch immer weniger)
Dann gabs da ja auch noch die Donauschwaben, die auch ihre Sprache mitgenommen haben. Und Krumpir sagt man ja nicht nur im Bosnischen, sondern auch im Kroatischen, Serbischen und Slowenischen. Die ganzen südwestlichen slawischen Sprachen sind für mich ja irgendwie überhaupt nur ein einziger Dialekthaufen, weil die Sprachstandardisierung so stark politisiert ist. (Gut, wo ist sie das nicht, aber da wurden ja z.T. wahllos Wörter aus der Sprache der einen gestrichen, weil sie zu sehr nach der Sprache der anderen geklungen haben).
Wundern würde es mich eigentlich nur, wenn plattdeutsche Begriffe verbreitet wären, aber alles süddeutsche wundert mich am Balkan nicht mehr. hähö

Und deswegen, liebe Kinder, sind Dialekte toll! grins


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Zuletzt bearbeitet von lila am 25.10.2010, 17:52, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:52                                  +/-

Jung, besorg dir endlich ne Digi-Cam. Diese Reisen sind doch viel zu schade, um sie nicht im Bild zu dokumentieren. Muss ja keine teure Kamera sein.


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 17:53                                  +/-

Und Krumpir sagt man ja nicht nur im Bosnischen, sondern auch im Kroatischen, Serbischen und Slowenischen. Die ganzen südwestlichen slawischen Sprachen sind für mich ja irgendwie überhaupt nur ein einziger Dialekthaufen


Mir fiel bei der Durchfahrt auch auf, dass Straßenschilder, Werbetafeln und Beschriftungen sowie Artikel im Supermarkt (Die in Bosnien eigentlich immer auch in Kroatisch und Serbisch beschriftet sind) fast identisch zu sein schienen und sich auch der Wortschatz, soweit man das bspw. aus Zutatenlisten auf Lebensmitteln schließen kann, offenbar nur geringfügig unterscheidet. Scheint wohl in der Tat eher der bewusste politische Wille zu sein, seit Entstehung der neuen Nationalstaaten aus sehr ähnlichen Dialekten verschiedene Sprachen zu formen.

Gepostet am 25.10.2010, 17:54:

Achja, Tyler: Kann man nicht irgendwie einstellen, dass größere Fotos automatisch verkleinert werden? Manchmal ist das der Fall, manchmal werden sie aber wieder in voller Größe angezeigt, was den Text schwer lesbar macht.

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lila



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 18:01                                  +/-

Ist es definitiv. Aus sprachwissenschaftlichem Standpunkt ist/war ja eigentlich nicht geklärt, ob es sich bei Bosnisch, Kroatisch und Serbisch nicht nur um verschiedene Dialekte einer Sprache handelt. Durch die Aufspaltung Jugoslawiens und dem Versuch der Etablierung eigenständiger Standardsprachen stellt sich diese Frage aber langsam nicht mehr so, weil die Sprachen hier eben zu dem gemacht werden, was sie sein sollen. Wird wohl nie so ganz funktionieren, aber die Schriftsprachen weichen wohl langsam immer mehr voneinander ab. Inzwischen muss man ja auch schon fast von einem eigenen Montenegrinisch sprechen. Aber wie gesagt, Südslawistik ist jetzt nicht mein Spezialgebiet, mehr dazu müsste ich jetzt auch nachlesen.

Slowenisch fällt da übrigens raus, das unterscheidet sich definitiv vom Rest der ex-jugoslawischen Sprachen. (Z.B. hat Slowenisch noch den Dual. Das hat keine andere slawische Sprache außer Sorbisch mehr.)


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 18:17                                  +/-

Schrecklich, was diese imperialistischen Besatzer von UNO, EU und NATO in Bosnien angerichtet haben. Echt schlimm


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 25.10.2010, 18:22                                  +/-

Schrecklich, was diese imperialistischen Besatzer von UNO, EU und NATO in Bosnien angerichtet haben.


Die Bosnier scheinen zu UNO, NATO und USA (Es gibt einen zentralen Amerika-Platz in Sarajewo und sogar einen Susan Sontag-Platz) überwiegend ein sehr gutes Verhältnis zu haben, verständlicherweise. Ebenso verständlich ist allerdings, dass die Serben auf den Westen weniger gut zu sprechen sind hähö

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Arwen gegen den Vulkan



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BeitragVerfasst am: 27.10.2010, 13:55                                  +/-

Sehr interessanter Bericht! Wurde von mir auch positiv bewertet, als ich ihn vorgestern gelesen habe. In welcher Sprache haben die eigentlich mit Dir kommuniziert? Ich hätte nicht gedacht, dass Englisch oder Deutsch dort so verbreitet sind. Und waren der Imam und die anderen in der Altstadt eigentlich eher so mitteleuropäisch aussehend oder eher wie Leute, die Vorfahren aus Asien (Turkvölker etc.) haben?

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Morgi



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BeitragVerfasst am: 27.10.2010, 15:02                                  +/-

In welcher Sprache haben die eigentlich mit Dir kommuniziert?


Englisch. Zumindest einige Brocken Alltagsenglisch scheinen die meisten Leute dort zu beherrschen, die Hotelangestellten natürlich auch besseres Englisch. Bei Busfahrern oder Straßenhändlern bin ich dagegen meist mit Englisch nicht weit gekommen, aber man kann sich ja auch mit Händen und Füßen verständigen (Wenn ich bei einem Straßenhändler auf das Produkt zeige, das ich kaufen will und mit den Fingern die Menge anzeige, braucht man ja nicht mehr viel sprachliche Verständigung).

Zitat:
Und waren der Imam und die anderen in der Altstadt eigentlich eher so mitteleuropäisch aussehend oder eher wie Leute, die Vorfahren aus Asien (Turkvölker etc.) haben?


Eher europäisch aussehend (Die Bosnier haben ja auch mW keine ethnische Verwandtschaft mit Turkvölkern, abgesehen von den paar Nachkommen osmanischer Verwaltungsbeamter, Soldaten, usw., die es sicher noch geben wird), allerdings i.d.R. schon signifikant dunkelhäutiger als in Nordeuropa. Zudem ist auffallend, dass fast alle Leute in Sarajevo schwarzhaarig sind - das scheint so die Grenzregion zu sein, in der die mittel- und westeuropäische Haarfarbenvielfalt aufhört.

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