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Kreuchen und Fleuchen
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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 09:14                                  +/-

Ramujan on 24.03.2005 22:16



Ich habe an dieser Stelle schon mal geschrieben, dass ich noch ein paar Ideen für Insekten-Kurzgeschichten habe. Für den Adventskalender fehlte mir damals ein wenig die Zeit zur Umsetzung, die ganze Sache hat sich im Nachhinein als umfangreicher herausgestellt als angenommen.

Dafür gibt es nun bis Ostersamstag noch drei (nachgelieferte) Geschichten, unabhängig davon, ob sie gelesen werden oder nicht. So zum Abschluss.





Die Hummel ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn die Evolution Fett ansetzt.

Man betrachte zum Beispiel die Biene, jenes fleißige und grazile Insekt in Leichtbauweise; man betrachte die Wespe mit der berühmten Taille; man betrachte die Hornisse; und dann, ja dann werfe man einen Blick auf den breiten Schatten, der über das Blumenbeet huscht, und auf die plumpe Flauschkugel, die sich auf die größte, verlockenste, gewaltigste Blüte weit und breit fallen lässt. Uff!

Die Junghummel ist fix und fertig von den Strapazen ihres Fluges. Eine Reise vom Löwenmaul bis zur Sonnenblume! Mit anderen Worten: Sie ist an der Vogeltränke vorbeigeflogen, hat den Patt aus Natursteinen überquert und die Flanke der Blautanne genommen - Tagesrekord.

Natürlich macht die Hummel meistens an der Blautanne schlapp und lässt sich dann in das unter dem Nadelbaum ausgebreitete Kissen aus Löwenzahn und sonstigem Unkraut plumpsen. Leider hat besagtes Kissen sich ausgerechnet am heutigen Tage aufgrund einer gut meinenden Hobbygärtner-Natur als abwesend herausgestellt, was die Hummel veranlasst hat, ihre Masse kurz vor dem Aufschlagen mit Hilfe einer Reihe gleichfalls panischer, als auch unkontrollierter Flügelbewegungen abzufangen und im Zickzackmuster ihren Flug fortzusetzen. Sonnenblume, o der Hummel süße Hoffnung.

Ja, das, was nun folgt, macht das Insekt auch nicht gerade dünner. Vor Erschöpfung halb wahnsinnig stürzt es sich auf das Nektardepot, auf die sprudelnden Kalorien, die die Pflanze in den Schönwettertagen von Mai und Juni angelegt hat. Ein Tropfen hier, zwei Schlücke da, das Blümchen ist rasch leergesaugt.

Dabei wäre die Lösung zur Rettung der Hummel so einfach: Etwas mehr Selbstdisziplin, eine Ernährung, die kalorienreiche Pflanzen wie Flieder, Lupine und Wiesensalbei weitesgehend meidet und eine Diät aus Knoblauch- und Zwiebelblüte an deren Stelle setzt. Aber nein, während wir entsetzt zusehen, wie das Insekt wie irre die Oberfläche der Sonnenblume entlangdopst, verwerfen wir diesen Gedanken rasch wieder. Der Hummel ist nicht zu helfen.

Womit wir wieder bei der Evolution wären, die mit den glücklicheren Verwandten – der Biene, der Wespe und der Hornisse – sicherlich noch viele schöne Stunden und manch ruhmreiche Tat vorhat. Die Hummel dagegen wird sich zu Tode fressen und von der Erdoberfläche verschwinden, um Platz für effizientere Lebewesen zu schaffen. Überhaupt, was ist das auch für ein Name? Hummel? Was hat man sich bloß dabei gedacht? Hummel. Pummel. Hummelpummel. Das konnte ja nur schlimm enden.

__________________

Arbrandir on 25.03.2005 10:25



Ich mag die Hummel.


Sie kämpft einen so aussichtslosen Kampf + stellt nebenbei alle Aerodynamik-Gesetze auf den Kopf.

Sehr cool.




*bssssssssssssssssssss*rrrrrmmmmmmmmmmmmmmm*


__________________





Garrett on 25.03.2005 10:49



Ich mag Hummeln auch, deshalb finde ich ja die Geschichte so traurig. *schnüff*
__________________

titania on 25.03.2005 11:07



Die Geshcichte ist bösartig. Es ist eine Hummelverleumdung und wird eventuell von mir verfolgt werden. Unerbittlich.
__________________


pfeifenkrautler on 25.03.2005 11:52



Hummeln sind toll. Als Kinder haben wir sie gefangen und in den geschlossenen Händen herumsummen lassen, weil es so schön gekitzelt hat und jemand sagte, dass Hummeln nicht stechen können. Bis mir mal eine herbsttrunken nachts ins Schlafanzugbein krabbelte und in den Oberschenkel stach, was zu einer mittleren allergischen Reaktion meinerseits führte. Sie können nämlich wohl stechen, sie tun es nur so gut wie nie, weil sie so friedfertig sind, nicht so wie das bösartige und aufdringliche Wespengeschmeiß.

Außerdem sollen sie ein ganz spezielles, einzigartiges Sozialsystem haben, dass so kompliziert ist, dass ich es nicht mehr wiedergeben kann. Anders als bei Bienen und Wespen steht bei Hummeln wohl von Geburt an nicht fest, wer Arbeiterin und wer Prnzessin wird, sondern wird in spannenden und verworrenen Palastintrigen ausgefochten. Das macht ein Hummelvolk flexibler und Umweltveränderungen gegenüber widerstandsfähiger als andere staatenbildende Insekten mit ihren starren Hierarchien. Hummeln sind zäh.

Mit ihrem kompakten und dich behaarten Körper sind sie kälteresistenter als die Konkurrenz und können im Frühling früher und im Herbst länger Nektar sammeln als andere Insekten, was ihnen den Überlebensvorteil sichert, den sie brauchen, um nicht von den riesigen und straff organisierten Bienenvölkern aus ihrer ökologischen Nische gedrängt zu werden.

Und das mit der Aerodynamik ist auch geklärt: sie verschränken die Flügel auf eine spezielle Weise, die zusätzlichen Auftrieb schafft. Parallel zur Auf-ab-Bewegung gibt es so noch eine Art Vor-zurück-Bewegung, deren Entschlüsselung die Hubschraubertechnik revolutionieren könnte. So toll sind Hummeln!


__________________


Mike Hat on 25.03.2005 12:24



Pfui Teufel, Ramujan! Du solltest es eigentlich besser wissen:
Aufgrund von Flauschigkeit und Nicht-Stechens als Weichei verschrien, kam die Hummel erst sehr spät zu größeren Ehren, namentlich in dem berühmten hanseatischen Gruß "Hummel, Hummel - Mors, Mors" und den noch berühmteren Hummelfiguren.

Denk mal drüber nach.

___________________

Ramujan on 25.03.2005 14:11



So macht man sich unbeliebt. Beim Schreiben habe ich mich ein klein wenig an dieser Seite entlanggehangelt (und die uninteressanteren Fakten einfach angepasst oder zur Seite geschoben). Auf der Seite wird aber ersichtlich, dass viele Hummelarten durchaus vom Aussterben bedroht sind. Ich saug mir nicht alles aus dem Ärmel.

Der nächste Text ist etwas ekelig. Das macht aber nichts, so zu schreiben macht durchaus Spass und viel passieren kann mir auch nicht, Kakerlaken sind nicht halb so beliebt wie Hummeln (was durchaus seine Berechtigung hat).




Es gibt auf diesem Planeten drei Arten von Küchen: Es gibt saubere, es gibt etwas dreckigere und es gibt lässige Küchen. Die lässigen Küchen sind die Küchen, deren Besitzer einen ausgeprägten Appetit mit sich bringen, der zugleich mit einer Trägheit einhergeht, die ein Aufräumen nach dem Essen, sowie ein Säubern der Töpfe und Pfannen unmöglich macht.

In lässigen Küchen quillt der Mülleimer wie eine eiternde Wunde, klebt der Boden, duftet der Kühlschrank. Von der Anrichte tropft Orangensaft, Hackfleisch-Zwiebeln-Schokoladenmus plätschert gegen Brotkrumenatolle, die Salatblätter hinter dem Kühlschrank welken bekömmlich, hinter jeder Ecke warten Cornflakes im Speckmantel, locken Becher ohne Pudding, lockt Pudding ohne Becher, und Kartoffelschalen, Pilzhüte, Eiweißklumpen verheißen das Paradies.

In lässigen Küchen kämpft sich ein Sonnenstrahl durch honigfarbene Vorhänge und wirft Sprenkel auf den Fussboden, zwischen denen sich etwas bewegt: Eine Kakerlake beim Frühsport folgt einer Erdbeermarmeladenspur und stolpert über die Wurstpelle.

„He, Dude.“
„Was’n?“
„Ich hab da was, Dude.“
„Was’n?“
„Ich hab da `ne Wurstpelle, Dude.“
„Lass ma’ sehn.“
„Da is ´ne Wurstpelle, Dude.“
„Ich seh’ das da ´ne Wurstpelle is, Easy.“
„Ich bin da g’rad voll über `ne Wurstpelle gestolpert.“
„Easy, ich seh’ das da ´ne Wurstpelle is ...“

Lässige Küche, lässiger Tag. Die beiden Kakerlaken rollen die Wurstpelle in den Schatten unter dem Tisch, dorthin, wo der Boden ein interessantes Muster angenommen hat und einen statistisch signifikanten Beweis für die These liefert, dass Toastbrot immer, aber auch wirklich immer auf die falsche Seite fällt.

„He, Dude.“
„Was’n?“
„Ich glaub’, das is’ die beste Wurstpelle von der ganzen, weiten Küche, Dude.“
„Easy, das is’ die einzige Wurstpelle von der ganzen, weiten Küche, Easy.“
„Ja, aber ich mein, wenn es noch mehr Wurstpelle gäben täte, ich mein’ ne Wurstpelle und dann noch `ne Wurstpelle, Dude, dann wär das die beste.“

Aber nicht nur die Wurstpelle steht den Kakerlaken zur Verfügung: Der Obstkorb hat einen Apfel verloren und der Apfel seine Frische; gekochte Spagetti pappen wie runische Schriftzeichen an der Spüle; der Kaffesatz in der eingetrockneten Filtertüte weist eine Zukunft, in der selbst Schimmel schimmelt und Rote-Beete-Saft bildet hübsch anzusehende Rorschach-Muster auf der Fettspritzergrundierung einer Raufasertapete. Über dem Herd geben Kacheln ein Suchspiel: Wer die in ihre Oberfläche eingebrannten Ornamente findet, darf den Belag behalten. So sieht sie aus, die wunderbare Kakerlaken-Welt.

Und abends, wenn der Kühlschrank-Kompressor mit einem Rumms anspringt und versucht, den Verwesungsgeruch von Pizzapampenstückchen und Fleischresten zu vertreiben, abends, wenn das Gammeln der Staudensellerie und der Gemüsepaprika seinen Höhepunkt bereits erreicht hat, abends, wenn der Farbton der Sonne ins rötliche wechselt und die Küche in ein tiefes Dämmerlicht taucht, dann sitzen unsere beiden Helden vor dem Fenster, betrachten jene seltsame Welt, die so viele tolle Lebensmittel hervorbringt, und denken an Nachwuchs und Nachspeise.

„Du, Dude?“ sagt der eine Held.
„Ja, Easy?“, antwortet der zweite.
„Das war ´ne tolle Wurstpelle, nich’ wahr, Dude?“
„Ja, Easy, das war sie.“

Doch der Rest des Gesprächs geht in einem Rascheln unter: Dutzende nachtaktive Tiere verlassen ihre Verstecke und in den süßlichen Geruch schwindender Nahrung mischt sich noch ein weiterer, ein sanfterer Hauch - kaum wahrnehmbar ist er, der Pheromonkult der Schaben.



__________________


pfeifenkrautler on 25.03.2005 16:26



Ist ja ekelhaft.
__________________


Ramujan on 26.03.2005 09:05



Und die letzte:




Im Zwielicht betrachtet wirkt der Dschungel wie eine schlechte Geisterbahn.

Da sind Lianen, die Tentakeln gleich nach Gesichtern greifen, Koboldmaki-Augen, denen man die Glühbirnen auswechseln möchte und Spinnen, die so klein sind, dass man sein Geld zurückfordern sollte. Von den fleischigen Blättern tropft das Wasser wie nach einem Rohrbruch, das Grün ist ekelerregend, die Skorpione flüchten. Der Wasserfall wird nachts abgeschaltet, Hinweisschilder geben Hinweise zu lateinischen Namen, Warnschilder warnen, den Weg ja nicht zu verlassen. Die Vögel haben sich in die höchsten Wipfel der tropischen Bäume zurückgezogen.

Eine Schulklasse kommt lärmend angerannt, eine Spur aus Bonbonpapier und Butterbroten hinter sich herziehend. Die Enttäuschung darüber, bei den Tigern im Raubtierhaus weder durch heftiges Rufen, noch durch Gegen-Die-Scheibe-Klopfen ein Verhalten provoziert zu haben, das einem Tiger angemessen ist, steht dem Kollektiv ins Gesicht geschrieben. Das phlegmatische Scheißvieh hätte wenigstens die Tränke kurz und klein schlagen können.

„Boah, guck mal, eine Gespensterschrecke!“
„Wo? Zeig her!“

Die Gruppe hat sich vor dem Hinweisschild versammelt, auf dem die verblasste Zeichnung des ganz und gar missraten anmutenden Tiers zu sehen ist.

„Ieeeehh. Da hinten.“
„Dort drüben, auf dem Blatt.“
„Ein Gespenst! Ein Gespenst!“
„Kannst du glibbern?“
„Mach dich mal unsichtbar!“
„Buh.“

Kurz darauf rast ein Butterbrot auf die Orchidee zu, auf deren deformierte Blätter die Gespensterschrecke Platz genmommen hat und verfehlt das Insekt nur knapp. Das nun einsetzende Lachen ist ohrenbetäubend und hätte sicherlich das Zoo-Personal herbeigerufen, wenn dieses nicht gerade mit dem zweiten Frühstück beschäftigt gewesen wäre.

Die Gespensterschrecke ist entsetzt und geht in Deckung. Die Natur hat ihr allerhand Werkzeuge mitgegeben, um Fressfeinde zu überlisten: Mit ihrer Hässlichkeit kann sie ein Chamäleon foppen, mit den aus ihren Thorax wachsenden Dornen Vögel überlisten. Kröten haben Angst vor ihr, Makis suchen woanders nach Nahrung.Aber auf das hier, auf das hat sie auch eine mehrere Millionen Jahre andauerndeEntwicklungsgeschichte nicht vorzubereiten vermocht.

„Gespe-henst“, tönt eine Stimme.
„Ist das eklig.“
„Jetzt ist sie weg.“
„Lass uns weitergehen.“
„Da hinten ist das Schlangenhaus.“
„Iiih, Schlangen.“

Der Lärm verebbt, die Gespensterschrecke bleibt im Versteck, wartet eine Minute, dann noch eine Minute. Schließlich traut sie sich hervor. Die Kinder sind verschwunden, vereinzelt hört man noch Stimmen. Wie gut, dass es immer noch ein Wesen gibt, das noch faszinierend ekliger ist als man selbst.

__________________

Waldelb on 26.03.2005 14:06



Verdammt genial! Alle drei Geschichten, auch wenn die ueber Hummeln am besten war. Aber das sind ja auch wirklich die suessesten Geschoepfe, da koennen laessige Kakerlaken nicht mithalten. Gibt es die eigentlich auch in Deutschland?

Ansonsten wuensche ich mir noch ein paar mehr Geschichten. Drei ist so unfair, damit machst du einem gerade den Mund waessrig und "schwupp" ist schon Schluss.


____________



MetkrugSturmtief on 26.03.2005 16:34



Ja, Ramujan, schreib doch noch eine Hummel-Palastintrige oder so.

Ich bringe demnächst ein Schild an meinem Kühlschrank an:
Warnung vor dem Duft.
__________________

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 10:36                                  +/-

Seltsam, ich hab letztens auch gedacht, dass Hummeln von der Evolution eigentlich zum Aussterben verdammt sein müssten. Sie machen einfach nicht den fittesten Eindruck, wenn man das so sagen darf. Aber jetzt, da ich etwas über ihr durchlässiges Sozialgefüge erfahren habe, da tut es mir als Altlinkem fast leid um diese armen Viecher. Paßt zum Zeitalter des Sozialabbaus, dass sie von diesem Planeten weichen müssen. Die Zukunft gehört wohl den Wespen. Traurig

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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 15:40                                  +/-

Die Geschichten sind Klasse...

Hab noch was nettes über Hummeln gefunden:



- Ein Hummelvolk überlebt in Europa nur einen Sommer, bis es am Jahresende zugrunde geht (siehe Fortpflanzung und Nestbau). Drohnen und Arbeiterinnen leben etwa 3-4 Wochen, die Königin wird bis zu einem Jahr alt, sie verbringt bis zu 8 Monate im Winterschlaf.

- Die Hummel ist sehr früh im Jahr unterwegs, die zum Fliegen notwendige Körpertemperatur erzeugt sie selbst. Sie bringt die Brustmuskulatur zum Vibrieren, so kann die Königin schon ab 2°C fliegen, Arbeiterinnen ab 6 °C. Eine Biene braucht mindestens 8 °C. Hummeln können auch während der Nahrungsaufnahme ihre Körpertemperatur halten.

-Häufig finden sich unter spätblühenden Linden, besonders unter Silberlinden, viele tote und sterbende Hummeln.

Die für Bienen und Hummeln unverdauliche Zuckerart Mannose stand lange unter dem Verdacht, den Tod der Hummeln verursacht zu haben. Sie kommt nach neueren Erkenntnissen nicht im Nektar dieser Linden vor.

Laboruntersuchungen ergaben, dass die dort verendeten Tiere einen sehr geringen Zuckergehalt im Körper hatten. Nach der Gabe von Zuckerwassertropfen mit Spritzen auf den Boden, die die Hummeln mit ihrem Rüssel aufnehmen, sind sie nach kurzer Zeit wieder flugfähig. Daraus wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass aufgrund von Nahrungsmangel in der näheren Umgebung der Linden auch viele andere Hummelvölker und Bienen hier auf Nahrungssuche gehen und es daher zu einer starken Verknappung des Angebotes kommt. Die Hummeln haben für den Anflug soviel Energie verbraucht, dass sie keine andere Nahrungsquelle aufsuchen können, so die Theorie.

Bienen haben ein Zeitgedächtnis, was ihnen ermöglicht, die morgens und abends Nektar produzierenden Bäume gezielt anzufliegen, was als großer Vorteil gegenüber den Hummeln angesehen wird, die nicht über diese Fähigkeit verfügen.

- Fütterung als "Erste-Hilfe-Maßnahme"

Wer geschwächte Hummeln auf der Erde entdeckt, kann diese durch tröpfchenweise verabreichtes Fruchtzuckerwasser stärken. Hierfür bieten sich Pipetten oder Spritzen an, die Hummelfreunde häufig zusammen mit kleinen Mengen an Fruchtzuckerwasser bei sich führen.

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 15:49                                  +/-

GuyIncognito
Wer geschwächte Hummeln auf der Erde entdeckt, kann diese durch tröpfchenweise verabreichtes Fruchtzuckerwasser stärken. Hierfür bieten sich Pipetten oder Spritzen an, die Hummelfreunde häufig zusammen mit kleinen Mengen an Fruchtzuckerwasser bei sich führen.

Ich hatte mal eine Hummel! Das war toll, die so aufzupäppeln und zu sehen, wie sie genest. (Heißt das wirklich genest?)

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 15:56                                  +/-

Sag doch einfach 'rekonvalesziert'.

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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 16:09                                  +/-

Du hattest eine Hummel?
Ungewöhnliches Haustier zwinkern


Da fällt mir was nettes zu einer Biene ein...

Wir waren in Schottland im Urlaub, sitzen am Strand und Frühstücken... flupp, fällt ein Tropfen Honig auf den Boden. Irgendwann kommt eine nette Biene angeflogen und schleckt den Honig auf... nur dumm, dass sie an diesem kleben geblieben ist. Die kleine Zung, die aus dem Rüssel kommt, wurde immer langsamer, bis sie schließlich draussen stecken blieb.

Wir haben dann versucht, mit etwas Wasser die Zunge wieder vom Honig-Kleber zu befreien. grins
Hat dann auch funktioniert und die Biene hat weitergeschleckt.
Was die sich wohl dachte?

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 19:41                                  +/-

Kaylee, ich danke dir! Dafür hast du zwanzig Freispams im Bücherforum gut.

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:16                                  +/-


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Ludy
Sommerfestlady


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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:34                                  +/-

So war der letzte Sumsemann denn auch eines schönen Abends in das Schlafzimmer von Peterchen und Anneliese geraten, als die Kinder gerade von der dicken Minna zu Bett gebracht wurden.
Peterchen hatte natürlich sein Gebrumm gehört und wollte ihn greifen. Gut war nur, dass Minna die Jagd nicht erlaubte, denn sonst wäre Sumsemann vielleicht in eine schlimme Lage geraten. Sie war wahrscheinlich schwerhörig, denn sie hatte gar nichts gehört und glaubte, dass Peterchen ihr nur etwas vormachen wolle, um im Hemdchen noch so »ein bissel« im Zimmer herumzuturnen.

Der Schreck war dem edlen Sumsemann aber doch scheußlich in die Glieder gefahren, und, trotzdem er gerade heute besonders viele Vergißmeinnichtschnäpschen getrunken hatte, war all sein Mut fort. Er lag oben auf der Gardinenstange und stellte sich tot. Dies ist ein altes und bewährtes Mittel bei den Maikäfern, in großen Gefahren. Derweil aber passte er genau auf, was im Zimmer geschah. Die Minna ging fort, als sie die Kinder ins Bettchen gepackt hatte, und Peterchen unterhielt sich mit Anneliese natürlich gleich über den Maikäfer. Jetzt wurde es wieder gefährlich!

Der Sumsemann bekam oben auf der Gardinenstange kolossales Herzklopfen, als Peterchen plötzlich leise aufstand, um ihn zu suchen, weil Anneliese ein bissel Angst hatte.

>Wer weiß, es hätte ihm doch ans Leben gehen können; obwohl die Kinder ja sonst gut waren. Aber man darf sich auf die Gutmütigkeit der Menschen nicht verlassen.< Dies wusste er aus seiner Familiengeschichte.

Das Geschick war ihm aber günstig; denn, gerade als Peterchen an der Gardine war und die Gefahr am höchsten stieg, kam die Mutter herein. Husch! wurde der kleine Junge wieder ins Bettchen gesteckt; beide Kinder mussten die Hände falten und das Nachtgebet sprechen. Dann sang die Mutter ihnen noch ein Schlaflied. Und sie sang die berühmte Maikäferballade. Hier ist sie:


»War einst ein kleines Käferlein,
Summ - Summ - Summ -Hatte zwei braune Flügelein,
Summ - Summ - Summ - Und sechs Beinchen hatte es auch
Unter seinem schwarz-weißen Bauch,
Summ - Summ - Summ.


Saß auf einem grünen Baum,
Summ - Summ - Summ - Träumte einen schönen Traum,
Summ - Summ - Summ - Träumte von Sonne, Mond und Sternen
Und von fremden Länderfernen,
Summ - Summ - Summ.


Als der dunkle Abend kam,
Summ - Summ - Summ - Käferlein sein Ränzel nahm,
Summ - Summ - Summ - Wollt' auf die große Reise gehn
Und die weite Welt besehn,
Summ - Summ - Summ.


Flog über einen breiten Bach,
Summ - Summ - Summ - Verlor ein kleines Beinchen, ach!
Summ - Summ - Summ - Reiste nur noch mit fünf Beinen,
Tat so bitterlich drum weinen,
Summ - Summ - Summ.


Flog es nach dem Mond geschwind,
Summ - Summ - Summ - Kam ein großer Wirbelwind,
Summ - Summ - Summ - Brach ein Flügelchen entzwei;
Ach, das gab ein groß' Geschrei!
Summ - Summ - Summ.


Fiel in einen tiefen Wald,
Summ - Summ - Summ - Starb an seinem Kummer bald,
Summ - Summ - Summ - Musst' die Reis' ein Ende haben;
Sandmännchen hat es eingegraben,
Summ - Summ - Summ.«


>Seltsam!< Herr Sumsemann oben auf der Gardinenstange wunderte sich, dass die Menschen dies Lied auch kannten. Es war ihm aber ein neuer Beweis für die Berühmtheit der Maikäfer auf der weiten Welt, und dies beruhigte ihn sehr. Als die Kinder nun eingeschlafen waren und die Mutter aus dem Zimmer ging, fasste er neuen Mut. Ganz leise rappelte er sich auf und spazierte in der Stube herum.

Er besah und beschnüffelte alles. Eine Puppenstube, ein Schaukelpferdchen, ein Lämmchen, Soldaten und Bilderbücher waren da. Lauter langweilige Sachen!

In der Puppenstube war allerdings etwas Zucker; aber Zucker? Puh, den mochte er nicht! Er verstand gar nicht, wie man so was essen könnte. Dann waren noch zwei Körbchen mit Äpfel da. Die Mutter hatte sie den Kindern für morgen hingestellt, wenn sie recht brav ausgeschlafen hätten. Er schüttelte den Kopf. >Wie konnte man nur Äpfel essen?!< Unbegreiflich war ihm das. Greuliche Bauchschmerzen hätte er bekommen. Er aß nur Salat; das war vornehm. >Komisch, was den Menschen alles gut schmeckt!< dachte er, und dabei musste er laut lachen. Da er aber so viel Vergißmeinnichtschnäpse getrunken hatte, geriet er plötzlich aus dem Gleichgewicht und purzelte auf den Rücken. Au!... das war eine außerordentlich fatale und unangenehme Lage für den dicken Sumsemann, denn jeder weiß, dass es für Maikäfer sehr schlimm ist, auf den Rücken zu fallen, weil sie sich dann gar nicht mehr recht aufrappeln können. Er angelte also mit seinen fünf Beinchen in der Luft herum und dachte: >Ja, ja, das kommt von den Schnäpschen, die man zum Andenken an die tote Ehefrau trinkt!<

Lebte sie noch, sie hätte ihm sicher eins ausgewischt für die vielen Schnäpschen. Er wiegte sich nach rechts und links wie ein kleines Boot, kreiselte herum wie eine Karussell und quälte sich sehr. Endlich geriet er in die Nähe eines Tischbeins, und daran konnte er sich stützen, so dass er wieder hochkam. Ganz schmutzig war sein schöner, brauner Rock geworden. Alle Knöpfe waren abgeplatzt, und eine lange Naht war aufgerissen. Gut, dass ihn seine Frau nicht mehr sehen konnte. Nun saß der Sumsemann eine Weile am Tisch und dachte nach, womit er sich die Zeit vertreiben könnte. Da er aber weiter nichts anzufangen wusste und über die traurige Stimmung hinwegkommen wollte, nahm er seine kleine Geige und spielte sich ein lustiges Maikäfertänzchen; dazu sang er:


»Eins, zwei, drei - eins, zwei, drei,
Fiel eine Biene in den Brei;
Plumsdibums,
Dideldumdei!
Alle Käfer sitzen drum herum,
Lachen sich schief,
Lachen sich krumm,
Brumm, brumm!


Vier, fünf, sechs - vier, fünf, sechs,
Macht eine Fliege einen Klecks;
Putschpitschpatsch,
Klickklackklecks!
Pfui, ruft jeder rechte Käfermann,
Seht sie an,
Was sie kann,
Heran, heran!


Sieben, acht, neun - sieben, acht, neun,
Tanzen alle kleinen Käferlein;
Ringelreih,
Dideldudeldei!
Um die dicke Linde mit Gesumm,
Rechts herum,
Links herum,
Brumm, brumm ! «


Dabei wurde er so fidel, dass er ganz vergaß, wo er war, und sehr erschrak, als Peterchen und Anneliese plötzlich laut auflachten, weil er gar so komisch herumsprang bei seinem Tanz. Er hatte sie nämlich mit seiner Musik aufgeweckt und gar nicht bemerkt, dass sie ihm schon eine ganze Weile zusahen. Eigentlich hatte er Angst und wollte sich schnell tot stellen, aber die Kinder lachten so vergnügt, dass er sich wieder ein Herz fasste. Er legte also seine Geige auf den Tisch, strich seine schöne, schwarz-weiße Weste glatt, richtete die kleinen Fühlhörnchen an seinem Kopf auf, machte eine Verbeugung und stellte sich vor: »Herr Sumsemann ! «

Die Kinder waren aus ihrem Bettchen geklettert, und da sie wussten, was sich gehört, machte Peterchen auch eine Verbeugung, Anneliese einen Knicks, und sie stellten sich ebenso vor. Nun aber waren sie schrecklich neugierig, beguckten und befühlten den Sumsemann überall, bewunderten die kleine silberne Geige und wollten alles wissen.

Dem dicken Maikäfer wurde ganz schwindlig von all den Fragen nach der Grille Zirpedirp und nach der toten Frau, die das Huhn gefressen hatte. Plötzlich hatte Peterchen auch entdeckt, dass ihm ein Beinchen fehlte. Der wusste nämlich ganz genau, wie viel Beinchen ein ordentlicher Maikäfer haben muss, und darum fragte er nun.

So war also wirklich der große Augenblick für den Letzten der Sumsemanns gekommen: Zwei gute Kinder fragten ihn nach seinem Beinchen. Viel hundert Jahre hatten seine Ahnen und Vorfahren dies ersehnt und waren totgeschlagen worden. Und jetzt - jetzt!!

Ihm wurde ganz grün vor den Augen, seine Flügel zitterten vor Aufregung, und beinahe wäre er auf den Rücken gefallen. Aber er beherrschte sich doch, so gut es ging, holte tief Luft, wischte sich mit einem grünen Lindenblättchen, das er immer als Taschentuch benutzte, den Schweiß von der Stirn, machte eine sehr geheimnisvolle Miene und sagte: »Ja, das ist eine sehr traurige und wunderbare Geschichte !«

Nun wollten die Kinder natürlich die Geschichte hören, schleppten

drei Schemelchen herbei, und gleich darauf saßen sie, der Maikäfer in der Mitte, Peterchen links und Anneliese rechts dicht neben ihm. Es war totenstill in der Stube und sehr geheimnisvoll. Der Mond sah groß und gelb durch die Blumen vor dem Fenster, und der Maikäfer erzählte langsam und feierlich mit einem leisen brummenden Stimmchen die Geschichte vom Beinchen, von der Nachtfee und vom Mondmann. Staunend hörten die Kinder zu. Ja, das war wirklich eine wunderbare und geheimnisvolle Geschichte!

Es war ihnen ganz seltsam zumute. als der Maikäfer nun mit dem Erzählen fertig war und sie mit zwei großen Tränen in seinen runden Glotzäugelchen fragend anguckte. Peterchen war sehr gerührt, und Anneliese wischte sich mit ihrem Hemdzipfelchen sogar die Augen, weil ihr immer die Tränen kamen. Dann aber fasste sich Peterchen ein Herz und sagte, dass er das Beinchen schon recht gern mit Anneliese vom Mond herunterholen möchte; aber der Mond - das hatte er schon mal gehört vom Vater -, der wäre sehr weit fort, da oben irgendwo ganz hoch in der Luft; und wer nicht fliegen könnte, würde wohl niemals hinaufkommen. Anneliese wusste zwar noch weniger vom Mond als Peterchen; aber hoch war er sicher, vielleicht noch höher als der Schornstein auf dem Haus, und sie hatte doch ein klein bisschen Angst, dass man kaputtgehen könnte, wenn man da hinaufwollte, ohne richtig fliegen zu können. Sie sah ganz verlegen aus. Der Sumsemann aber wusste: wenn die Kinder nur wollten, so war es schon gut; wenn sie den guten Willen hatten, zu helfen, dann konnte er sie sogar das Fliegen lehren. So stand es nämlich in der Familiengeschichte der Sumsemanns deutlich mit weißer Tinte auf grünen Blättern geschrieben. Er hatte es auswendig gelernt. Selig umarmte er die beiden Kinder und sagte, dass sie das Fliegen sehr leicht von ihm lernen könnten, wenn sie nur ein bisschen aufpassten, wie er es mache. Na, das war was für Peterchen und Anneliese!

Sie fingen laut an zu lachen und tanzten wie toll in ihren Hemdchen im Zimmer herum. Aber es galt keine Zeit zu verlieren, wenn sie noch nach dem Mond fliegen wollten. Und so setzte der dicke Maikäfer sich in Positur, um den Kindern etwas vorzufliegen. »Aufgepasst!« sagte er, nahm seine kleine silberne Geige ans Kinn, spielte und sang dazu:


»Rechtes Bein - linkes Bein,
Rechtes Bein - linkes Bein,
Rechtes Bein und linkes Bein,
Summ! - dann kommt das Flügelein
Summ - Summ - Summ!«


Da flog er auch schon im Zimmer herum, und die Kinder klatschten vor Vergnügen laut in die Hände. Jetzt sollten sie es nachmachen. Es war ein feierlicher Augenblick!


_________________
Raus aus dem Aquarium und Vogel werden – is’ schwierig.
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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:47                                  +/-

Du kannst doch da jetzt nicht einfach aufhören! Heee! Ludy!

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Waldelb



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:48                                  +/-

Mehr! Ich will wissen wie es ausgeht. Können die Kinder dann fliegen?
So eine schöne Geschichte, irgendwie hat sie mich an meine Kindheit erinnert, als ich noch sehr klein war und meine Oma mir alte Geschichten vorgelesen hat. Wie "Der kleine Häwelmann oder "Peterchens Mondfahrt".


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Ludy
Sommerfestlady


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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:51                                  +/-

Das ist doch "Peterchens Mondfahrt"! Und natürlich können sie fliegen, sie müssen ja zum Mond und das Beinchen zurückholen. Bevor die Morgenröte kommt.


Peterchen stellte sich in Positur, und Anneliese daneben, mit ein ganz klein wenig Herzklopfen. Der Maikäfer stand vor ihnen mit der Geige, sie mussten die Ärmchen ausbreiten, und während er geigte und sang, machten sie gehorsam die komischen Schritte nach, die er vorhin vorgemacht hatte. Plötzlich als er sang: »Summ! - dann kommt das Flügelein.« Was war das? Sie hoben sich von der Erde in die Luft ... ja ... sie flogen richtig rund im Zimmer herum!

Zuerst waren sie so erstaunt, dass sie nur die Augen ganz weit aufrissen und auch die Mäulchen. Dann aber konnte es Anneliese nicht mehr aushalten vor Vergnügen; denn es war wirklich zu schön, so wie ein richtiger Käfer in der Luft herumzusummen. Sie lachte laut auf, strampelte mit den Beinchen und klatschte begeistert in die Hände... Bauz!! Da lagen sie beide auf der Nase!

Sie guckten den Herrn Sumsemann sehr erstaunt an. »Das kommt vom Klatschen«, sagte der. Natürlich, wenn man fliegen will, darf man nicht in die Hände klatschen! Das tun ja die Maikäfer auch nicht beim Fliegen. Obwohl sie sich doch ein wenig weh getan hatten beim Herunterpurzeln aus der Luft, verkniffen sie die Tränen und standen tapfer wieder auf. Anneliese war sehr verlegen, denn sie hatte ja angefangen mit der Strampelei. »Noch einmal! « hieß es jetzt, und wieder geigte und sang der Käfer, sie machten die Schritte, die er vorgemacht hatte, und als die Zeile kam: »Summ! - dann kommt das Flügelein.. .« flogen sie, genau wie vorher, ganz hoch in die Luft. Nun hüteten sie sich aber zu klatschen, und, obwohl es so schön war, dass sie wieder laut lachen mussten, hielten sie doch ihre Arme ruhig ausgebreitet und strampelten nicht mit den Beinen wie vorher. So blieben sie in der Luft, solange der Maikäfer geigte, und als das Liedchen aus war, glitten sie sanft, wie zwei kleine Schmetterlinge, auf die Erde herab. Es war sehr schön gewesen!

Peterchen meinte, dass es bei ihm richtig gebrummt hätte beim Fliegen, und Anneliese hatte auch so etwas bei sich gehört. Herr Sumsemann fand das ganz in der Ordnung, denn das Brummen gehört ja bei den Maikäfern auch zum Fliegen. Nun also konnte das große Abenteuer beginnen. Gelb und rund stand der Mond über der Sternblumenwiese vor dem Fenster. »Es ist sehr weit«, sagte der Maikäfer, obgleich es ganz nah aussah; aber er musste es wissen. Darum sollten sie Proviant mit auf die Reise nehmen. Hierfür waren die Äpfel von Muttchen gut. Aber auch die Puppe und den Hampelmann wollten sie nicht daheim lassen. Die mussten doch große Abenteuer miterleben!

Der Maikäfer zog zwar zuerst eine krause Nase, denn für Puppen und Hampelmänner hatte er gar kein Verständnis, der dumme Kerl; aber schließlich meinte er doch, »man könne nicht wissen, wozu es gut sei«; und so durften Püppchen und Hampelhänschen mit. Natürlich schnallte sich Peterchen sein kleines Holzschwert ums Hemd, denn Kämpfe gab es sicher zu bestehen. Damit war auch der Maikäfer sehr einverstanden. Er hatte nämlich doch etwas Angst vor der großen Reise. Wir wissen schon, dass er von Natur nicht sehr mutig war. Jetzt waren sie soweit. Sie stellten sich hintereinander auf; der Maikäfer vorn, mit der kleinen Geige, dann Peterchen, dann Anneliese. Das Liedchen ertönte, sie hoben die Arme, machten die Schritte, wie sie es gelernt hatten, und ... plötzlich ging die Wand des Zimmers weit auseinander, die Sternblumenwiese lag vor ihnen, von Tausenden von Glühwürmchen beleuchtet, und sie flogen hinaus ... über die Wiese hin... immer weiter ... auf den großen, goldenen Mond zu, der vor ihnen über die Bäume guckte.

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Zuletzt bearbeitet von Ludy am 03.05.2005, 21:54, insgesamt einmal bearbeitet
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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:53                                  +/-

SOo fängt Peterchens Mondfahrt an?? Ich glaub, das Märchen hab ich nie wirklich gehört.
*bettel* *winsel*

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Waldelb



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:55                                  +/-

Ohhh... kein wunder, dass es mich an damals erinnert hat. *lach*


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Ludy
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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 21:58                                  +/-

"Peterchens Mondfahrt" fängt nicht im Kinderzimmer an, sondern mit der Geschichte, wie die Sumsemanns ihr sechstes Beinchen verloren. Sagt, schaut ihr nicht jedes Jahr den Schwarzweißfilm von 1959? Der ist doch so toll!


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 22:02                                  +/-

Ludy
Sagt, schaut ihr nicht jedes Jahr den Schwarzweißfilm von 1959? Der ist doch so toll!


Nein.

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Ludy
Sommerfestlady


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BeitragVerfasst am: 03.05.2005, 22:05                                  +/-

Der kommt doch immer um Weihnachten rum, weil die Kinder da auch die Weihnachtswiese besuchen, wo die Zinnsoldaten geerntet werden.

Eine weite, weite Landschaft lag vor ihnen: Gärten und Felder, Wälder und Wiesen, Hügel und Täler, Bäche und Seen, von einem goldenen Himmel hoch überspannt. Eine Spielzeuglandschaft war es, die fast so aussah wie eine richtige Landschaft; und doch anders, ganz anders - viel, viel zauberhafter. Nicht wie in einer gewöhnlichen Landschaft wuchsen da Kartoffeln oder Bohnen, Gras oder Klee, sondern hier wuchs das Spielzeug. Alles, was man sich nur irgend denken kann, wuchs hier; von den Soldaten bis zu den Püppchen und Hampelmännern, von den Murmelkugeln bis zu den Luftballons. Auf bunten Feldern und Wiesen, in niedlichen grünen Gärten, an Sträuchern und Bäumchen, überall sprosste, blühte und reifte es.

Eine Bilderbücherwiese war da, auf der alle Bilderbücher wie Gemüse wuchsen. Das sah sehr bunt und vergnügt aus; manche waren noch nicht entfaltet und wie Knospen in ihren Hüllen, kleine Rollen in allen Farben; manche waren schon auf, schaukelten im Winde und blätterten um. Daneben sah man Beete mit Trompeten und Trommeln. Wie Kürbisse und Gurken kamen sie aus der Erde hervor. Nicht weit davon waren große Rasenfelder mit Soldaten bewachsen, die zum Teil schon weit aus der Erde herausguckten, zum Teil noch bis an den Hals darin steckten oder erst mit der Helmspitze hervorsahen wie kleine Spargel. Dann war ein Feld dort, auf dem die Petzbären wuchsen. Ein kleiner grüner Zaun lief rings herum, denn einige von den drolligen Tierchen waren schon reif, von ihren Wurzeln los und purzelten quiekend herum. Auf der andern Seite wieder waren Gärten mit großen und kleinen Sträuchern, an denen Bonbons in allen Farben und Größen wuchsen. Kleine Teiche von roter und gelber Limonade glänzten zwischen Schilfwiesen, in denen aus den raschelnden Halmen silbrige Schilfkeulen wuchsen - die Zeppelinballons, Niedliche, summende Flugmaschinen flogen dort als Libellen herum. Ganz besonders schön waren auch die großen Tannen, an denen die vergoldeten Äpfel und Nüsse wuchsen, und die Pfefferkuchenbäume. Sie standen meistens in Gruppen auf kleinen, runden Plätzen mit Krachmandelkies. Überall hörte man in Bäumchen und Sträuchern eine süße Zwitschermusik. Die kam von den bunten Spielzeugvögelchen, die zwischen Pfefferkuchenzweigen und Bonbonknospen herumhuschten. Sie hatten dort ihre Nesterchen, in denen sie fleißig Pfefferminzplätzchen legten.


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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 11.05.2005, 23:10                                  +/-

Heute abend hab ich beim Spazierengehen im Dunkeln was phosphorisieren sehen, wie ein Glühwürmchen, aber im Schlamm. Als ich näher hinsah, war es ein kleiner dünner Wurm, der selber leuchtete und auch eine leicht leuchtende (Schleim?)Spur hinterliess… WAS war das??? Alex, Hilfe!

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Triskel
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BeitragVerfasst am: 11.05.2005, 23:11                                  +/-

Ein Glühwurm?

grins

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 11.05.2005, 23:31                                  +/-





*ggg*

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Alex



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BeitragVerfasst am: 17.05.2005, 21:36                                  +/-

Kaylee, ich lese hier nicht alles, das kann ich gar nicht. Also am besten per PM benachrichtigen, wenn es direkte Fragen gibt, ja?

Hier das allgemeine Prinzip:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bioluminiszenz

Und auch bei ALEX kannst du mal reinschauen (runterscrollen bis zu "Bioluminiszenz": http://www.itas.fzk.de/mahp/ressler/ressler/Abw...htm#buchstabe%20B
(falls der Link nicht klickbar ist, manuell eingeben)

Was du gesehen hast, war einer der phosphoreszierenden entomopathogenen Nematoden (Fadenwürmer). Es sind Bakterien, die bei denen das Leuchten verursachen, aber genau genommen ist das nicht mein Spezialgebiet.

Wenn du mehr dazu wissen willst, googele bitte nach "nematodes" / "nematoda" und "bioluminescence", da solltest du fündig werden.

["googele", der Imperativ von "googeln". Ob der schon im Duden steht? *würg*]

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 17.05.2005, 21:41                                  +/-

'Phosphoreszierende entomopathogene Nematoden' reicht mir vollkommen! *beeindrucktnick*

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