Tylers Kneipe Foren-Übersicht Tylers Kneipe

 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste     RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 
Zum ChatSkypen

Berechtigung von Historien- und Fantasyfilmen
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17  Weiter Alle
 
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Moving Movies
 
 
Autor Nachricht
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 20:42                                  +/-

Obwohl ich mir jetzt vorkomme wie der Streber im Hauptseminar ( rolling on the floor... ), werde ich doch jetzt mal versuchen, ein paar nützliche Ansatzpunkte und Ideen aus dem verlinkten Text zu destillieren.

Im Prinzip sagt er, dass wir uns bei der Betrachtung von Historienfilmen nicht allein darauf stürzen dürfen, wie "objektiv korrekt" er bestimmte historische Gegebenheiten darstellt.

Paul Halsall

- A historical film is usually made using topoi (literary or cinematic conventions) established within the history of cinema.
- A historical film, like other films, often reflects the period in which it was made.
- A historical film can be considered as the product of a cinematic historian.
- A historical film can be considered in terms of its way of presenting the past.


Mein Bauchgefühl sagt mir, dass jeder "historische Film" uns mehr darüber sagt, wie die Macher des Films den thematisierten Ausschnitt der Vergangenheit sehen, und welche politische oder gesellschaftliche Agenda sie verfolgen, als wie sich die thematisierte historische Begebenheit "wirklich" zugetragen hat, und welche Bedeutung sie entfaltet. Diese Ansicht wird durch Paul Halsalls Punkte 2 bis 4 direkt oder indirekt untermauert (reflects the period in which it was made, product of a cinematic historian und way of presenting the past).

Doch wenn das so ist, welchen "Wert" haben Historienfilme dann überhaupt? Sie können dem entsprechend die Vergangenheit nicht wirklich per se illuminieren, sondern nur einen Ausschnitt der Gegenwart des Films. Oder sehe ich das zu pessimistisch? Und welche Auswirkungen hat das beispielsweise auf Filme, die die Nazi-Zeit thematisieren? Sagt uns Schindler's Liste also gar nichts über die Nazizeit, sondern nur darüber, wie sie in der Gegenwart gesehen wird?

Irgendwie kann ich mir das jetzt auch wieder nicht ganz vorstellen. Aber wenn dem nicht so sein sollte, dann müssen wir eine weitere Kategorie einführen. Ich vermute, dass Filme primär den Sehsinn ansprechen und somit emotional wirken, statt primär rational rezipiert zu werden. Sie ermöglichen also in unserem Fall ein "emotionales Hineinversetzen" des Publikums in eine historische Epoche durch forcierte Identifizierung mit einer oder mehrerer Hauptfiguren.

Ein interessanter Ansatz könnte also sein, inwiefern die Identifizierung von Zuschauern mit Hauptfiguren ermöglicht, gefördert oder gar forciert wird, und welche Folgen dies für unsere kognitive Vergangenheitsrekonstruktion hat. Beispielsweise werden wir in Schindler's Liste tief in den moralischen Zwiespalt von Oskar Schindler hineinversetzt: wie hätten wir gehandelt? Was hätten wir tun können, um den Wahnsinn zu stoppen? Und wie "fühlt" sich die Nazizeit an, wenn man mitten drin steckt?

Zum Thema Braveheart fiele mir da hingegen sofort die Folterszene am Filmende ein, die den Höhepunkt der Identifizierung markiert. Wir liegen sozusagen mit Wallace auf der Folterbank, und leiden mit seinen Qualen emotional mit. Wir empfinden "Mitleid".

Letztlich stehen wir mit dieser Ansicht dann mitten in der Tradition von Aristoteles und dem klassischen Drama: elios und phobos - unzureichend übersetzt mit "Furcht und Mitleid".

thanil.bernetar
Obwohl ich mir jetzt vorkomme wie der Streber im Hauptseminar ( rolling on the floor... ), werde ich doch jetzt mal versuchen, ein paar nützliche Ansatzpunkte und Ideen aus dem verlinkten Text zu destillieren.

Das war ja dann wohl ziemlich dick aufgetragen, wenn ich mir mein bejammernswert kurzes, ungeordnetes und uninformatives Posting anschaue.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Lothiriel
Wissende


Beiträge: 7665
Wörter pro Beitrag: 56
Wohnort: Here in my room
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 20:51                                  +/-

So, ihr Kartoffelkäferchen, der verlinkte Artikel bringt mich dann auch dazu, hier mal einzusteigen:

"Both a film and a book are imperfect ways of presenting an understanding of the past. The problems that film faces in doing so is that, at least in the case of feature films, a single narrative is usually imposed on complex events, dramatic needs force compression of events and personalities, and cinematographic needs require that all the blanks in the record (what people were wearing, who was standing in the background, how someone's voice sounded) be filled in. The problems that books face in doing history include a complete lack of a three dimensional vision, the requirement that readers be able to read in a particular way, very often the imposition of a single point of view, the imposition of analytic simplifying on an actually infinitely complex reality, and finally the presentation of inaccurate information to readers whose first contact with that period is through a particular book.

Just then as it is impossible for film to do accurate history, so also is it impossible for a book to do accurate history. Both forms, however, have advantages and disadvantages. Just as it is absurd to criticize a scholarly book for its failures in cinematography, so it is absurd to criticize a film for its failures in detail, etc."


Humm homm... einerseits stimmt das schon alles, was Paul Halsall da schreibt. Andererseits stört es mich, daß er den Eindruck erweckt, Filme (generell gesehen) mit Büchern (generell gesehen) zu vergleichen, wo er eigentlich nur Sachbücher mit Unterhaltungsfilmen vergleicht. Erinnert so ein bißchen an die Sache mit den Äpfeln und den Birnen. Klar kann man Äpfel mit Birnen vergleichen und Sachbücher über Geschichte mit Historienfilmen, aber wenn man die Umsetzung bestimmter Themen oder Geschichten und die Unterschiede in der Umsetzung durch verschiedene Medien betrachten möchte, dann läge der Vergleich Sachbücher - filmische Dokumentationen und historische Romane - Historienfilme ein klein wenig näher.

Back to topic Historienfilme: Ich gebe zu, ich gucke sie eigentlich ziemlich gerne. Einfach im Kinosessel sitzen und Heldengeschichten angucken ist toll, wenn solche Filme Zuschauer dazu bringen, sich für Geschichte zu interessieren oder wenn die Filme dabei Wissen über historische Personen oder geschichtliche Zusammenhänge etc. vermitteln: Super!
Daß nicht immer alles einhundertprozentig historisch korrekt ist: Jo, zum einen gibt es immer Lücken in der Quellenlage, die man zum Erzählen einer Geschichte oder bei der Darstellung der Kulissen und Kostüme eigentlich benötigen würde und die man füllen muss. Oder man kann es sich einfach nicht leisten, erst jahrelang zu forschen, um dann vielleicht doch zur Erkenntnis zu kommen, daß es über bestimmte Details einfach keine Quellen gibt. Und last but not least ist es eben ein Film, der die Leute unterhalten muss, weil sie ihn sich sonst nicht ansehen würden, und aus dramaturgischen Gründen ergeben einige Veränderungen oft durchaus Sinn.
Allerdings sollte man dann bei diesen Filmen das tun, was man auch bei guten historischen Romanen findet: Einen Hinweis darauf, daß nicht alles korrekt ist und sich der Autor zugunsten der Geschichte ein paar Freiheiten genommen hat.
Heutige Historienfilme wirken oft so realistisch, daß die meisten Zuschauer hinterher meinen, daß das, was sie auf der Leinwand zu sehen bekamen, wirklich so und nicht anders gewesen ist. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich schon bei Museumsveranstaltungen erklärt habe, daß grün und braun eben keine Kleiderfarben waren, die die "normale" Bevölkerung andauernd trug (Danke, Robin-Hood-Filme! *gg*). Und die Leute aus den Wikingerabteilungen freuen sich auch immer wieder, wenn sie erklären dürfen, daß an den Helmen keine Hörner waren.

Wenn ich diesen Artikel lese, dann habe ich den Eindruck, daß der Verfasser einfach völlig genervt ist von denen, die man hierzulande so nett als "A-Fetischisten" bezeichnet (A wie authentisch"), zu finden bei Tempus Vivit, Christina kann da bestimmt auch tolle Geschichten zu erzählen. Ich persönlich kann den Verfasser da sehr gut verstehen, solche Erbsenzähler können einen echt in den Wahnsinn treiben, aber auf der anderen Seite kann ich auch die Historiker, Archäologen, etc. verstehen, die die Augen nach oben verdrehen, wenn ihnen der X-te das Argument "Aber in Film XYZ war das doch auch so!!!" um die Ohren haut. Ein klitzekleiner Hinweis im Abspann, daß nicht alles korrekt ist, auf den man dann verweisen könnte, wäre hilfreich.

Nach oben
Antworten mit Zitat
titania



Beiträge: 13492
Wörter pro Beitrag: 37
Wohnort: Da simmer dabei
Private Nachricht senden
Skype Name

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 21:45                                  +/-

Hier ist bei weiterer Stöberung ein Link zum Seminar des Herrn Halsall - mit einer feinen Bibliographie und einem Seminarplan, der mich ein klein wenig neidisch macht. Da.
Wobei mir einfällt, dass ich sogar mal wenigstens eine Seminarsitzung zu eben diesem Thema hatte. ?????

Posting zu allem kommt, wenn der alte Herr was geschrieben hat Zunge .

















Oder auch, wenn ich ein wenig mehr Ruhe hab. Heut Nacht oder so.


_________________
Der menschliche Körper enthält sechs Liter Blut: genug, um eine große Wohnung anzustreichen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 22:09                                  +/-

Vielleicht ist ein halb-dokumentarischer und "un-cinematographischer" Stil die beste Methode zur wirklichen inhaltlichen Annäherung an historische Themen und Sachverhalte.

Nach oben
Antworten mit Zitat
titania



Beiträge: 13492
Wörter pro Beitrag: 37
Wohnort: Da simmer dabei
Private Nachricht senden
Skype Name

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 22:50                                  +/-

Mir wird das hier zu konfus. Ich werde jetzt alle Fragen, Ansätze und Ideen zusammenfassen und ansprechend präsentieren :nummerngirl:

Bis in 3 Stunden.


_________________
Der menschliche Körper enthält sechs Liter Blut: genug, um eine große Wohnung anzustreichen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Kaylee



Beiträge: 6078
Wörter pro Beitrag: 29

Private Nachricht senden
Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 05.05.2005, 22:59                                  +/-

Mal ganz dreist von Herrn Suchsland geklaut:

Herr Suchsland
"Kingdom of Heaven" ist Massenunterhaltung, die die Tradition der großen Monumentalepen der 50er und 60er Jahre für die heutige Zeit aktualisieren möchte.


Das heißt also, titanias Theorie zu Folge, wenn es zur Zeit eine ähnliche 'Schwemme' gäbe (ob DAS der Fall ist, wäre noch zu klären), würden wir momentan in einer ähnlichen gesellschafts-politischen Lage (die meintest du doch, titania, oder?) sein wie in den 50er und 60er Jahre. Meintest du das?!



Zuletzt bearbeitet von Kaylee am 06.05.2005, 09:12, insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben
Antworten mit Zitat
titania



Beiträge: 13492
Wörter pro Beitrag: 37
Wohnort: Da simmer dabei
Private Nachricht senden
Skype Name

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 03:00                                  +/-

einleitungen schreibt man immer zum Schluss. :wundefingerundhirnwindungen:
Wenn ihr also jetzt nicht mit dieser Sortierung einverstanden seid oder ich irgendetwas vergessen habe: Mea culpa. Nachträge, Berichtigungen und Ergänzungen sind wahrscheinlich ebenso willkommen wie auch notwendig.


Also. Meine allererste These war, dass weltpolitische Lage und persönliche Unsicherheit des Weltbürgertums (...) [die Entstehung und Annahme von H/F-Filmen] begünstigen und/oder fordern bzw fördern, wobei sich die Frage stellte, ob eben jene Filme Realitätsfluchten sind, oder ... nicht.

Dazu stellte sich sicherlich zuallererst die Frage, welche Filme überhaupt in Betracht gezogen werden.
Fantasy- und Historienfilme?Sciencefiction?

Arbrandir schlug vor, Sciencefiction-Filme herauszunehmen („Und Science Fiction würde ich zunächst mal ganz 'rausnehmen, weil wir es sonst wirklich mit einer Gemengelage unterschiedlichster Erzählgrundlagen zu tun bekommen.“) und niemand widersprach ihm.
thanil forderte widerum eine Definition von „Historien-“ wie auch vom „Fantasyfilm“ sowie falls möglich eine Abgrenzung.
Weiterhin stellte er die Frage, ob man die Gesamtheit der Filme betrachten wolle, oder nur eine Auswahl, wobei hier die Frage zu klären wäre, welche Auswahl am sinnvollsten sei.
Mein Vorschlag war hier, wenn es denn sowas gibt, irgendwelche „Charts“ o.a. heranzuziehen. Denn wenn wir über Filme und deren Wirkung sprechen wollen, ist es meiner Meinung nach nur notwendig, über Filme zu sprechen, die auch eine breite Masse erreicht haben.

Des Weiteren stellte sich die Frage, welchen Zeitraum wir betrachten wollen. Diese Fragen (welche Filme/welcher Zeitraum) gehen dabei sicherlich Hand in Hand.
thanil fing bereits an, zu sammeln, und postete folgende Liste:
Braveheart - 1995
Gladiator - 2000
Master and Commander - 2003
Troy - 2004
Alexander - 2004
King Arthur - 2004
Kingdom of Heaven - 2005 Th

thanil führte daraufhin Bedenken an, „dass eine Quantifizierung beinahe automatisch scheitern“ müsse und warf uns Voreingenommenheit vor, da „wir eine Affinität zu diesem Genre“ hätten.
Ich erwiderte daraufhin, dass eine Quantifizierung doch funktionieren könnte, wenn man zum einen nur die Zahl der Fantasy- und Historienfilme im Wandel der Zeit betrachtete, zum anderen

Nach diesen Grundfragen lässt sich nun ein zweiter Fragenkomplex zusammenfassen, der die geschichtlichen respektive die gesellschaftlich-politischen Zusammenhänge finden will.

Arbrandir sah das Hauptaugenmerk auf den Wandel von Ordnungen gelegt und hierbei auf den Zeitpunkt des Erscheinens des H/F-Filmes („ Passiert die künstlerische "Verdauung" stets nur danach und währenddessen -- oder vielleicht sogar schon davor?“)
Ein zweiter Block war dann die Frage nach der historischen Komponente – unabhängig von den Filmen – und ob sie sich datieren lässt, ob man von ihr Rückschlüsse auf die Filme ziehen kann oder auch umgekehrt, wie groß diese eventuelle Wechselwirkung sei und ob jetzt Geschichte die Filme bedingt oder die Filme die Geschichte. Letztendlich schloss sich die Frage an, ob diese Wechselwirkung überhaupt möglich sei.
thanil bezog daraufhin auch noch die Zuschauer ein und fragte generell nach der Zielgruppe der Filme, ihrer Erwartungshaltung und dem Bewusstsein dieser Erwartungshaltung beim Produzenten. Hier führte er das Beispiel von „PotC“ an und ging somit auch auf den Inhalt der Filme ein, um nach der „Haltung der Filme, deren Themen und Motive zu fragen, woraus man dann detaillierte Rückschlüsse auf den zeitgeschichtlichen Bezug ziehen könnte.


So ... I would recommend, erst zu klären, welche Filmart wir einbeziehen (Definition!), woraufhin es dann möglich wäre, einen konkreten Kriterienkatalog zu erstellen, der Rezeption und Zeitraum beinhaltet.

Daraufhin ließe sich die von thanil begonnene Liste ergänzen und eine Diskussionsgrundlage bez. des „Materials“ wäre geschaffen.

DANN wäre es sicher an der Zeit, die historische Komponente einfließen zu lassen. Und DANN ... gibt's eine neue Sortierung *g *




ps: Artikel etc. kommen dann später hinzu. Ich für meinen Teil finde, ohne zumindest part one geklärt zu haben, schweben wir zu sehr im luftleeren Raum, um schon auf Inhalte einzugehen.

pps: hier sind noch zwei Links, zum generellen Thema, die ich mir aber noch nicht wirklich angeschaut habe. Aber bevor sie verschütt gehen, poste ich sie lieber einfach mal mit.
erster Link
zweiter Link


_________________
Der menschliche Körper enthält sechs Liter Blut: genug, um eine große Wohnung anzustreichen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Arbrandir



Beiträge: 3263
Wörter pro Beitrag: 38
Wohnort: East of the Sun, west of the Moon
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 03:45                                  +/-

titania
So ... I would recommend, erst zu klären, welche Filmart wir einbeziehen (Definition!), woraufhin es dann möglich wäre, einen konkreten Kriterienkatalog zu erstellen, der Rezeption und Zeitraum beinhaltet



Yes indeed!!


Ich fang mal mit der Behauptung an, daß PotC rein gar nicht in dieses Themengebiet gehört, da er keinerlei historische Grundlage hat. Sowas wie Gone with the Wind, Casablanca oder Titanic würde ich auch ausschließen -- sie bedienen sich zwar eines gewissen historischen Hintergrunds, sind aber in allererster Linie komplette Fiktion.


Ansonsten könnten wir die Vorgehensweise vielleicht folgendermaßen vereinfachen:

Wir einigen uns auf (zunächst mal) drei bis fünf Filme -- meinetwegen die größten Kassenerfolge -- und besprechen sie in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens.


Auf folgende Punkte sollte dann jeweils eingegangen werden:

-- Kurzvorstellung des Films (bitte nicht davon ausgehen, daß eh jeder die Filme kennt. Sonst verfangen wir uns nur in Mißverständnissen...)

-- das geschichtliche Ereignis/die Epoche (nebst historisch-kulturellem Hintergrund), die dargestellt werden

-- die Art der Darstellung (bzw. Diskussion dessen, was nicht gezeigt wird)

-- Der geschichtlich-politische Hintergrund der Zeit, in der der Film produziert bzw. rezipiert wurde. Da haben wir's natürlich mit fließenden Grenzen zu tun. Lawrence wird heutzutage anders wahrgenommen als zur Zeit seiner Herstellung. Gleichzeitig dürfte das den tiefsten Gründelgrund bieten.

-- Exkurse sind jederzeit erlaubt und willkommen.

-- schriftliche Handouts an alle Mitleser vorab.



So, thanil. Und jetzt sag mir nochmal, wer hier der Hauptseminarsstreber ist!! zwinkern Aber irgendjemand muß den schmutzigen Job ja machen...


Meine Nominierungen:

Kingdom of Heaven (weil er so aktuell ist -- wobei wir immer noch klarstellen müssen, ob es sich überhaupt um einen "Historienfilm handelt)
Troy (weil man dabei so schön über Homer und Mythen streiten kann)
Braveheart (weil das so klasse als "star vehicle"-Blockbuster funktioniert hat)
Schindler's List (weil der sich zuallerletzt historische Fehler erlauben konnte - tat er es trotzdem?? Dient die filmische Adaption der Shoah hier der Realitäts"flucht"?)


Schlagt mehr vor!


_________________
Life is hard. After all, it kills you.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Kaylee



Beiträge: 6078
Wörter pro Beitrag: 29

Private Nachricht senden
Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 09:43                                  +/-

So ganz verstehe ich die Vorgehensweise noch nicht. Wieso sollte jeder einzelne Film besprochen werden? Das dient doch erst mal überhaupt nicht zur Klärung der Fragestellung. Vielleicht sollte die erst nochmal genauer heraus gearbeitet werden. Das vereinfacht das weitere Vorgehen enorm.

Lautet die Fragestellung, 'hat eine Häufung von Fantasy- und Historienfilmen etwas mit einer unsicheren weltpolitischen Lage zu tun?', dann müsste man erst mal alle Filme dieser Art chronologisch nach Erscheinungsjahr auflisten, die Ballungszeiträume, falls es welche gibt, feststellen und diese dann auf eine Gemeinsamkeit in der weltpolitischen Lage hin untersuchen.

Dabei kann man sich dann natürlich streiten, ob zB Gone with the wind, oder titanic mit dazu gehören, was sie für mich auf JEDEN Fall tun, schliesslich bezog sich titanias Formulierung meiner Ansicht nach, gerade auf solche Monumentalepen und Sandalen/Kostümfilme, aber dafür braucht man erst mal eine möglichst vollständige Liste der erschienen Filme, nicht nur der aktuellen.

Mal alles, was mir so auf Anhieb einfällt (unchronologisch):

Ben Hur
Lawrence von Arabien
Cleopatra
alle Kriegsfilme (?)
Casablanca
Conan der Barbar
Star Wars (war wesentlich mehr fantasy als sonst was, meiner Ansicht nach)
alle Western (?)
Planet of the apes
der letzte Samurai
Dune
Metropolis
Julius Caesar

Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 09:47                                  +/-

Frage: dürfen wir Bibel-Verfilmungen reinnehmen, oder sind das nicht eher Fantasy-Filme? Böse

Definitionsvorschlag "Historienfilm": Filme, in denen bedeutende historische Figuren vor dem Hintergrund ihrer Epoche als Hauptfiguren oder als bedeutende Nebenfiguren agieren.

Dies würde auch Historienfilme einschließen, in denen fiktive Hauptfiguren vor dem sich entfaltenden historischen Hintergrund agieren.

Ich würde vorschlagen, dass wir uns mal ein paar inflationsbereinigte All-Time-Bestenlisten anschauen. Die haben natürlich den Nachteil, dass sie den Niedergang des Kinos insgesamt im Vergleich zu der Hochzeit dieses Mediums nicht adäquat widerspiegeln, aber was besseres gibt's wohl leider nicht.

Also schaut mal hier.

Was ich auf Anhieb sehe: Historienfilme ist nicht gerade das publikumswirksamste Genre!

Hier die Bestplatzierten in den Top 100:
- Ben Hur (1959, Platz 8)
- Doctor Zhivago (1965, Platz 9; ← zählt der überhaupt?)
- Cleopatra (1963, Platz 34)
- Butch Cassidy & the Sundance Kid (1969, Platz 37 ← zählt der überhaupt?)
- Quo Vadis? (1951, Platz 60)
- Bridge on the River Kwai (1957, Platz 72 ← zählt der überhaupt?)
- Samson and Delilah (1949, Platz 78)
- The Longest Day (1962, Platz 79)
- Lawrence of Arabia (1962, Platz 82)
- How the West Was Won (1962, Platz 92 ← zählt der überhaupt?)
- Sergeant York (1941, Platz 95 ← zählt der überhaupt?)

Das ist ein ziemlicher Eyeopener, oder?

Nach oben
Antworten mit Zitat
Triskel
Dressed-Pugly


Beiträge: 20036
Wörter pro Beitrag: 22

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 10:20                                  +/-

thanil.bernetar
Frage: dürfen wir Bibel-Verfilmungen reinnehmen, oder sind das nicht eher Fantasy-Filme? Böse


Ich dachte es geht um Fantasyfilme.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 10:23                                  +/-

Ich weiss nicht, ob man das so in einen Topf werfen sollte.

Das Problem ist nämlich, dass "Fantasy" ein seeeeeehr weitreichender Begriff ist. Im Prinzip ist Fantasy alles, was ein "Novum" gegenüber unserer Realität enthält, das nicht wissenschaftlich oder pseudo-wissenschaftlich erklärt werden kann.

Insofern fallen Bibel-Verfilmungen ebenso darunter, wie viele Horrorfilme, Komödien (Ghostbusters!) und tausend andere Filme aus allen möglichen Genres.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Kaylee



Beiträge: 6078
Wörter pro Beitrag: 29

Private Nachricht senden
Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 10:37                                  +/-

titania said
titania
Wird eigentlich die Welt der "wir entfliehen der Realität"-Fantasy- und Historiendramen nie überdrüssig werden? Und wie viele Szenen wären austauschbar? Würde man es merken?


und später nochmal so
titania
Aber mir ging es dann doch eher um eine Schwemme von Fantasy- und Historienfilme, die mich eben gerade auch in ihrer großen Zahl innerhalb der letzten Jahre doch an Realitätsfluchten denken lässt.
[/b]

Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 12:41                                  +/-

Okay, aber was willst du mir damit sagen? Dass titania keine Ahnung hat, das wußte ich auch schon vorher. hähö

Ich meine jedenfalls, dass wir ohne eine klare Abgrenzung überhaupt nichts sagen können. Wenn wir sagen würden "Historienfilme plus Historienfilme mit fantastischen Elementen", dann wäre das (etwas schöner und verständlicher ausformuliert) vielleicht eine Arbeitsgrundlage. Aber "Fantasy" ist einfach viel zu weit gegriffen. Da zählt ja sogar Eternal Sunshine of the Spotless Mind und Being John Malkovich dazu!

Nach oben
Antworten mit Zitat
Kaylee



Beiträge: 6078
Wörter pro Beitrag: 29

Private Nachricht senden
Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 13:08                                  +/-

Dann stell dich halt an.

*gggg*

Mein Vorschlag: Erst mal eine möglichst umfangreiche Liste machen, und dann die Filme, die rein intuitiv nicht in diese Kategorie passen, nach grosser Diskussion wieder streichen. Meiner Ansicht nach ist das Genre, das titania benannt hat, sehr intuitiv aufzufassen. Da kommt man bestimmt besser zurecht, wenn man das dann an konkreten Filmen abdiskutiert und verfestigt. So nach dem Motto: Wenn du HdR mitzählst, musst du auch Indiana Jones mitzählen oder Wenn Dances with the wolve mit dabei ist, weil es eben ein historisches Kostümepos ist, wie ist das dann mit 'the dirty dozen'?

So bekommt dieses 'titania Genre' vielleicht mit der Zeit klarere Umrisse. Dann schaut man sich die Zeiträume an, in denen die Filme raus kamen, ob da irgendwelche Jahrzehnte herausstechen. Guckt sich die weltpolitische Lage in den fraglichen Jahrzehnten an und schon haben wirs.

Nach oben
Antworten mit Zitat
titania



Beiträge: 13492
Wörter pro Beitrag: 37
Wohnort: Da simmer dabei
Private Nachricht senden
Skype Name

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 13:19                                  +/-



_________________
Der menschliche Körper enthält sechs Liter Blut: genug, um eine große Wohnung anzustreichen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Arbrandir



Beiträge: 3263
Wörter pro Beitrag: 38
Wohnort: East of the Sun, west of the Moon
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 14:14                                  +/-

Seufz. Genau deshalb hatte ich versucht, eine konkretere Linie vorzugeben -- damit wir mal von der Metadiskussion wegkommen und einfach anfangen, über konkrete Filme zu reden. Das Mäandern und Erweitern würde sich doch von ganz alleine ergeben.

Aber wie Ihr meint.

In Sachen "Fantasy" stimme ich Thanil völlig zu - da können wir doch gleich darüber diskutieren, ob Film per se ein Medium der Realitätsflucht darstellt. Und nicht jeder Western ist ein Historienfilm, nur weil er in einer vergangenen Ära spielt. Die Definition Filme, in denen bedeutende historische Figuren vor dem Hintergrund ihrer Epoche als Hauptfiguren oder als bedeutende Nebenfiguren agieren gefällt mir als Grundlage sehr gut.


_________________
Life is hard. After all, it kills you.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 46061
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 15:39                                  +/-

Gladiator (USA, 2000)
1. Kurzvorstellung des Films
Gladiator von Ridley Scott erzählt die Geschichte von Maximus (Russell Crowe), einem erfolgreichen General und Befehlshaber unter Kaiser Marc Aurel (*121 AD, †180 AD), der im Film an der Regierungstauglichkeit seines Sohnes Commodus zweifelt und gerne das Römische Imperium wieder in eine Republik überführen möchte. Zu diesem Zweck wählt er Maximus als seinen Nachfolger aus. Leider erfährt Commodus von diesem Plan, ermordet seinen Vater und befiehlt die Ermordung von Maximus und seiner Familie. Maximus kann entfliehen, doch als er nach einer langen Rückreise zu seinem heimatlichen Gut zurückkehrt, sind Frau und Kind tot. Der Hauptteil des Films behandelt Maximus' Versklavung, seine Ausbildung zum Gladiator und seine Karriere in der Provinz, die ihn letztlich zurück nach Rom führt, wo er die einmalige Gelegenheit erhält, sich an Commodus zu rächen. Maximus wird in Rom zum Führer eines Aufstandes gegen den vom Senat ungeliebten Imperator, der jedoch fehlschlägt. Im Kolosseum kommt es zum entscheidenden Duell zwischen Commodus und Maximus, doch unter ungleichen Bedingungen. Commodus regiert sein Reich mit "Brot und Spielen" und läßt es sich nicht nehmen in manchen Kämpfen selbst anzutreten, um sich als Halbgott oder Gott feiern zu lassen. Er läßt Maximus verwunden, so dass dieser gegen Commodus eigentlich keine Chance haben dürfte. Dennoch gelingt es Maximus, den Imperator im Zweikampf zu töten. Doch Maximus erliegt kurz darauf seinen eigenen Verletzungen.

2. das geschichtliche Ereignis/die Epoche (nebst historisch-kulturellem Hintergrund), die dargestellt werden
Teile des Films basieren auf wahren Gegebenheiten. Marc Aurel war Kaiser von Rom, und aufgrund seiner philosophischen Abhandlungen war er auch als "der Philosophenkaiser" bekannt. Er war der letzte der so genannten "Adoptivkaiser", d.h. die Kaiserwürde wurde durch Adoption weiterverliehen und es gab gewöhnlich jeweils zwei gleichberechtigt nebeneinander regierende Kaiser ("Augusti"), die jeweils einen Adoptivsohn annahmen ("Caesari"). Marc Aurel jedoch erwählte seinen leiblichen Sohn Commodus als Nachfolger.

Die Geschichte des Maximus ist eine Erfindung. Auch kam Commodus nicht in der Arena um, sondern zwölf Jahre nach seiner Amtsübernahme durch eine Palastrevolution. Er starb im Bade, in dem er durch seine Konkubine und einen Atheten mit einem Kissen erwürgt wurde.

Commodus war jedoch tatsächlich der Sohn von Marc Aurel und zudem ein vom Cäsarenwahn ergriffener Herrscher, der den Senat mißachtete und mit Hilfe von panem et circensis und der Unterstützung des umgarnten und manipulierten Pöbels herrschte.

3. die Art der Darstellung (bzw. Diskussion dessen, was nicht gezeigt wird)
Auffällig ist, dass Marc Aurel durch seinen Plan, Rom wieder zu einer Republik zu machen und vor dem Wahnsinn der Kaiser zu erretten, zugleich modernisiert als auch idealisiert wird. Er wird zum Sinnbild eines aufgeklärten Herrschers stilisiert, der den Krieg als notwendiges Übel, nicht jedoch als Selbstzweck und Mittel zur Mehrung von Reichtum und Ruhm ansieht.

Commodus' Wahn wird durch verschiedene Stilmittel effektvoll in Szene gesetzt. Erstens geschieht dies durch seinen Vatermord. Er geht dabei nicht kaltblütig und rational vor, sondern wie ein gefühls- und verhaltensgestörter Mensch, der die nötige geistige Reife eines Erwachsenen nie erreicht hat. Zweitens durch sein Begehren, das er seiner Schwester entgegen bringt. In den kalten Hallen seines Palastes und zurückgeworfen auf sich selbst in seiner tiefen Einsamkeit und emotionalen Gestörtheit beginnt er, seiner Schwester lüsterne Blicke zuzuwerfen und sie zu umgarnen. Letztlich bietet er ihr sogar einen Handel an: das Leben ihres halbwüchsigen Sohnes gegen körperliche Zuneigung und Gefügigkeit. Diese Inszenierung von forcierter Inzucht dürfte bei allen Zuschauern aufgrund der starken Tabuisierung der Inzucht Ekel erregen. Drittens wird sein Wahnsinn durch seine Selbstinszenierung bei seinen öffentlichen Auftritten widergespiegelt. Scheinbar hält er sich wirklich für einen unschlagbaren und unverwundbaren Halbgott. Viertens durch seine politischen Handlungen: er tritt die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Römischen Reiches mit den Füßen. Er hat keinen Respekt vor den Grundsätzen und den republikanischen Wurzeln seines Reiches, die sich in einer gehobenen Bedeutung des Senats auch in der Kaiserzeit noch deutlich zeigen sollten.

Sehr interessant auch der offensichtliche Subtext des Films, der die sensationsgierige Spektakelgesellschaft anprangert. Damit liest sich der Film teilweise eben auch wie eine Abhandlung über die heutige Mediengesellschaft mit ihren modernen Formen von Gladiatorenspielen und Medienspektakeln, in denen Menschen zu puren Objekten der Sensationsgier herabgewürdigt werden.

4. Der geschichtlich-politische Hintergrund der Zeit, in der der Film produziert bzw. rezipiert wurde.
Schwierig zu sagen. Das war vor 911 und der "neuen Ernsthaftigkeit" angesichts des globalisierten Terrorismus, und noch in der Zeit des Booms der so genannten "New Economy". Der strategische Erzfeind der westlichen Welt - der Ostblock - war geschlagen und kroch vor dem kapitalistischen Westen im Staub. China wurde zugleich noch nicht so stark wie heute als der Global Player des 21. Jahrhunderts angesehen. Es waren die letzten Monate der Amtszeit von Bill Clinton, der in vollen Zügen für die USA die "Friedensdividende" eingefahren hatte. Zugleich war es aber auch die Zeit der Medienkriege im Irak und in Jugoslawien, die manche Menschen gerne mehr als innenpolitische Ablenkungsmanöver denn als notwendiges Übel verstanden wissen wollen.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Arbrandir



Beiträge: 3263
Wörter pro Beitrag: 38
Wohnort: East of the Sun, west of the Moon
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 18:53                                  +/-

Die epd Film ordnete den Film damals eher als Western ein. In der weltweiten Box Office-Statistik für 2000 taucht er auf Platz 4 auf; der einzige andere Actionfilm unter den Top Five ist Mission Impossible 2.

Was auffällt: Commodus ( = der Feind) wird nicht als grundlegend "anders" dargestellt, er erfüllt eher Spiegelbildfunktion. Die Szene, die mit der Ermordung seines Vaters endet, weckt zum Teil sogar Identifikation mit Commodus als unglücklichem Sohn, der nichts mehr wollte, als die Liebe seines bewunderten Vaters zu erringen, und der am Scheitern dieses verzeifelten Kampfes psychisch zerbrochen ist. Seine Deformation wird also nachvollziehbar gemacht.

Nach 9/11 bekommen wir dann zunehmend filmische "Feind"bilder vorgesetzt, die keinerlei alter ego-Funktion erfüllen, sondern vollkommen "fremd" daherkommen. (LotR würde ich durchaus dazuzählen.)


_________________
Life is hard. After all, it kills you.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Kaylee



Beiträge: 6078
Wörter pro Beitrag: 29

Private Nachricht senden
Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 19:27                                  +/-

Arbrandir
Nach 9/11 bekommen wir dann zunehmend filmische "Feind"bilder vorgesetzt, die keinerlei alter ego-Funktion erfüllen, sondern vollkommen "fremd" daherkommen. (LotR würde ich durchaus dazuzählen.)


Ist das nicht, anhand EINES Beispiels jetzt etwas weit hergeholt?!

Nach oben
Antworten mit Zitat
titania



Beiträge: 13492
Wörter pro Beitrag: 37
Wohnort: Da simmer dabei
Private Nachricht senden
Skype Name

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 20:34                                  +/-

Ohne euch jetzt zu nahe treten zu wollen (und auf die Gefahr hin, als beleidigt und nöggelich abgestempelt zu werden):

Was spricht denn gegen die Liste? Was spricht dagen, die Frage zu beantworten, die ich gestellt habe? Wie kann man Filme mit historischen Ereignissen zusammenbringen und das im größeren Kontext der letzten Jahr(zehnt)e sehen, wenn man nur auf einen Film fokussiert ist?


Aber wenn die Einzelfilmanalyse jetzt der Thread- und Lösungsweg ist - so it be.


_________________
Der menschliche Körper enthält sechs Liter Blut: genug, um eine große Wohnung anzustreichen.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Arbrandir



Beiträge: 3263
Wörter pro Beitrag: 38
Wohnort: East of the Sun, west of the Moon
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 06.05.2005, 21:12                                  +/-

Lies mich

Nach einer monatelangen Schreckstarre, in der alle Filme (bzw. deren Premieren) auf Eis gelegt wurden, die thematisch oder optisch zu sehr an den 9. September erinnern konnten (darunter Spiderman und Collateral Damage), fluteten dann eine ganze Reihe Streifen den Markt, in denen dieselbe heilige Dreifaltigkeit beschworen wurde, die auch die "Patriotische Front" rund um George W. Bush nicht müde wurde zu beschwören: Heimat, Familienwerte und das unkaputtbare "Wir gegen sie". Wobei "wir" und "sie" wieder verstärkt in klare Schubladen gesteckt wurden mit den Etiketten "Weiß" und "Schwarz" darauf. Die Guten mußten wieder gut durch und durch, die Bösen bis ins Mark verdorben sein. "If you're not with us, you're with the terrorists." Wirklich gespaltene Helden oder facettenreiche Schurken waren in Großproduktionen nicht mehr denkbar; Zweifel an der "gerechten Sache" fanden kaum eine Stimme -- weder im Kongreß noch in den Printmedien noch auf dem Silver Screen.


Hier mal eine Liste der Box Office Top Ten (US-Markt) von 2002 bis 2004. Die Filme, in denen meine Beobachtung greift, habe ich hervorgehoben.


2002:

1. Spider-Man
2. The Lord of the Rings: The Two Towers
3. Star Wars: Episode II - Attack of the Clones
4. Harry Potter and the Chamber of Secrets
5. My Big Fat Greek Wedding
6. Signs
7. Austin Powers in Goldmember
8. Men in Black II
9. Ice Age
10. Chicago



2003:

1. The Lord of the Rings: The Return of the King
2. Finding Nemo
3. Pirates of the Caribbean
4. Matrix Reloaded
5. Bruce Almighty
6. X2: X-Men United
7. Elf
8. Terminator 3: Rise of the Machines
9. Matrix Revolutions
10. Cheaper by the Dozen



2004:

1. Shrek 2
2. Spider-Man 2
3. The Passion of the Christ
4. Meet the Fockers
5. The Incredibles
6. Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
7. The Day After Tomorrow
8. Bourne Supremacy
9. National Treasure
10. The Polar Express


(Ouelle)




Edith: Sorry, titania, Du hast gepostet, als ich noch am Listenerstellen war.

Ich find's besser, anhand eines konkreten Films den Einstieg ins Thema zu suchen. Wie und was wir dann diskutieren, ergibt sich dann doch ganz von selbst, oder?


_________________
Life is hard. After all, it kills you.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Moving Movies Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17  Weiter Alle
Seite 2 von 17

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Impressum. Powered by phpBB © 2001, 2006 phpBB Group. Deutsche Übersetzung von phpBB.de