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All the world's a stage - Theaterthread
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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 28.07.2014, 20:36                                  +/-

Dieser Theatersommer steht in London übrigens unter dem Motto: Hobbit-Darsteller für Leute, die die Schauspieler mögen, aber den Film nicht sehen wollen.

Das Old Vic spielt The Crucible mit Richard Armitage, es geht um die Hexenprozesse von Salem.

Wikipedia schreibt dazu
The Crucible is a 1953 play by the American playwright Arthur Miller. It is a dramatized and partially fictionalized story of the Salem witch trials that took place in the Province of Massachusetts Bay during 1692 and 1693. Miller wrote the play as an allegory of McCarthyism, when the U.S. government blacklisted accused communists. Miller himself was questioned by the House of Representatives' Committee on Un-American Activities in 1956 and convicted of "contempt of Congress" for refusing to identify others present at meetings he had attended.


Ich finde sowohl die Hexenprozesse interessant als auch die politischen Hintergründe des Stücks, beim Lesen vor vielen Jahren war ich beeindruckt, das werde ich mir ansehen.

Und dann sind da noch die Trafalgar Studios mit Richard III, dort steht Martin Freeman auf der Bühne. Das Stück reizt mich weniger, es ist nicht mein Lieblingsshakespeare, und ich hab's ja schon mal mit Kevin Spacey gesehen…
Auf der anderen Seite: Freeman. Und Gina McKee. Vielleicht drängen sich ja doch noch Karten an einem noch unverplanten Abend auf. hähö

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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 29.07.2014, 13:41                                  +/-

http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-28480647

Yay! "Of Mice and Men" wird das erste Broadway-Stück, dass vom britischen "National Theatre" live gebroadcasted wird Smilie

The play's producer, David Binder, said he was "humbled" to be chosen.

"I can't think of a greater honour that could be bestowed on this production of Steinbeck's masterwork than to have an opportunity for millions of theatre lovers around the world to see our production under the auspices of National Theatre Live," he added.


Hoffentlich/vielleicht läuft das ja auch hier dann irgendwo Smilie


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 11.08.2014, 18:57                                  +/-

Heute gingen die Karten für Hamlet mit Benedict Cumberbatch in den öffentlichen Vorverkauf. Habe heute morgen dann auch mal spaßeshalber auf die Barbican-Seite geklickt. Da war ein Warteschlangensystem in Betrieb, damit die Server nicht zusammenbrechen, und es zeigte ein paar Minuten nach Vorverkaufsstart an, daß sich ungefähr 25000 (in Worten: Fünfundzwanzigtausend) Leute vor mir in der Warteschlange befinden.

Ich… äh… ja. Sollte ich dann zufällig in London sein, wird das wohl wieder ein lauschiger, sehr früher Morgen im Barbican im Gottvertrauen auf Restkarten.

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.08.2014, 20:28                                  +/-


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.08.2014, 22:15                                  +/-

Sind das alles diese sogenannten Cumberbitches?


_________________
You met me at a very strange time in my life.
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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 14.08.2014, 19:44                                  +/-

Dinge, die ich Anfang September so in London machen könnte (außer natürlich: Theaterstücke gucken):

Donmar Warehouse:
Open Workshops
The Donmar’s Open Workshops have been designed to let you find out more about the process of bringing one of our productions to the stage. Through a range of practical, participatory exercises, games and discussions, our practitioners will lead you through some of the techniques used in the rehearsal room, and provide an insight into the decisions and concepts that shaped the production.

Klingt ja erst einmal interessant, aber das aktuell gespielte Stück - zu dem dann eben auch der Workshop ist - ist "My Night With Reg". Ein Stück mit einem rein männlichen Ensemble, in dem es hauptsächlich um die Beziehungen dieser Männer untereinander und mit Reg geht. Als Stück werde ich mir das zwar angucken, aber ob ich jetzt als Frau an einem Workshop dazu teilnehmen muß? Unter gendertechnischen Gesichtspunkten wäre natürlich das Selbsterlebnis als schwuler Mann was Neues für mich.

Nochmal Donmar:
Panel Discussion
Speakers include: director, author and performer Neil Bartlett, novelist and TV producer Matt Cain, actor and screenwriter Mark Gatiss, and founder member of the Stonewall Group and former policy director of the Terrence Higgins Trust Lisa Power MBE.

Schon eher my cup of tea.

Und dann wäre da noch das Old Vic Theatre, das mich zu einer Veranstaltung namens "Richard Armitage in Conversation" eingeladen hat. Was wollte ich den denn schon immer mal fragen? Böse

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 02.09.2014, 23:25                                  +/-

Habe Teil 1 von meiner Aktion Hobbitschauspieler-fernab-vom-Hobbit-in-interessanteren-Produktionen hinter mir und Richard III Shakespeares Geschichtsfälschung mit Martin Freeman gesehen. Was für ein mieses, kleines Scheißerchen! hach

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 09.09.2014, 20:05                                  

Drei Beiträge hintereinander. Mein Thread, I win!

Highlights aktuelle Spielzeit in London:

Richard III in den Trafalgar Studios
Martin Freeman und Gina McKee in einem kammerspielähnlichen Theater. Sehr gute Schauspieler, die ich nicht kritisieren möchte (oder könnte), trotzdem das schlechteste Stück, daß ich gesehen habe. Ja, das ist ein Luxusproblem.



Richard III ist unter Shakespeares Stücken eins der nicht unbedingt historisch korrektesten, dafür gibt es eine Menge Personal auf der Bühne, viel Politik, viele Intrigen, viele Tote und einen verkrüppelten Diktator, der die Macht an sich reißt, dafür über Leichen geht und selbst als Leiche endet. Man kann Freeman einen gewissen Spaß an dieser Rolle nicht absprechen, weshalb die ersten drei Reihen schwarze Schutzkleidung vom Theater gestellt bekommen, wegen der Blutspritzer. Leider bleibt der Kopf bei dieser Schutzkleidung frei, ich hätte eine Ganzkörperverschleierung in diesem Fall angebrachter gefunden, wie toll wäre der Theaterabend geworden, wenn die ersten drei Reihen wie Nazgûl ausgesehen hätten? Naja, vertane Chance, kann man nichts machen…
Die Inszenierung spielt in den 70ern und greift das damalige politische Klima und die Verschwörungstheorien um den damaligen Prime Minister Harold Wilson auf. Vielleicht war es auch deshalb nicht so meins, davon habe ich einfach NULL Ahnung. Und bei Richard III ist es sowieso nicht so einfach, den Überblick zu behalten, wer da nun wer ist und warum wer jetzt schon wieder wen umbringt. Also habe ich mich innerlich darüber amüsiert, daß die armen Leute, die das alles wieder sauber machen müssen, offensichtlich die Blutflecken aus den Polstern der Schreibtischstühle auf der Bühne nicht mehr rausbekommen, die Polster sind eigentlich grün, haben aber oben an der Lehne alle so einen Rotbraunstich, weil wohl dauernd jemand mit Blut an den Händen danach langt. Und es gab überflüssige Stage Seats auf der Bühne. Das mag für die Leute, die dort sitzen, grandios sein, weil man nah am Geschehen sitzt, aber diese Sitze wirkten so planlos hingestellt, ohne Funktion oder Bedeutung in dieser Inszenierung. Die Leute wurden nicht mit einbezogen, sie waren nicht Teil vom Bühnenbild und definitiv zu hell beleuchtet, ich fand das sehr ablenkend und kontraproduktiv für die Lichtstimmung und den Gesamteindruck. Das 70er Setting ist eh schon reichlich bunt, dann dahinter kein simples, bestenfalls einfarbiges Bühnenbild, sondern bunt gekleidete Menschen, das sah einfach genauso unaufgeräumt aus wie mein Wohnzimmer gerade.
Freeman spielt sich jedenfalls die Seele aus dem Leib, er ist auch wirklich ganzganzganzganz großes Kino, und diese vielen, vielen kleinen Details in Gestik und Mimik, aber…
Meine Güte, ist der Mann klein! Wenn der als Buckliger durch die Gegend wuselt, dann geht der mir bis knapp über‘s Knie. Außerdem wurde mein inneres Auge das Bild von Aggro-Watson nicht los, sorry. Irgendwie ist Freeman einfach zu putzig für Richard III.


Nächstbestes Stück auf der Liste:
The Importance of Beeing Earnest (A Trivial Comedy for Serious People) im Harold Pinter Theatre



Ein Haufen eigentlich zu alter Schauspieler spielt Oscar Wildes The Importance of Being Earnest. Und damit das nicht zu unglaubwürdig wirkt, hat man eine Rahmenhandlung drum herum gestrickt, daß nämlich eine Kompanie aus abgehalfterten Theaterleuten jedes. einzelne. verdammte. Jahr dieses Stück aufführt und sich dazu irgendwo auf einem Landsitz trifft. Seit gefühlt Jahrzehnten. Und dabei nicht jünger wird, sondern die Marotten der anderen viel zu gut kennt, man weiß, wie man sich gegenseitig auf die Palme bringt, wer schon mal was mit wem hatte, wer sich beim Proben über was aufregt, und warum um Himmels willen fehlen schon wieder die Sandwiches in der Requisite? So kommen also zu Oscar Wildes Stück noch die alltäglichen Theaterdramen hinzu und die alte Garde hat großen Spaß daran, alles und jeden durch den Kakao zu ziehen, und dabei ein grandioses Timing für die Gags. Boulevardtheater der Extraklasse und Oscar Wilde Zitate, die ich leider immer wieder zu schnell vergesse.

Merkversuch für dieses Mal:
“When one is in town one amuses oneself. When one is in the country one amuses other people.“

Too be continued…

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 09.09.2014, 23:07                                  

So, jetzt dramatischer Sprung nach oben im Niveau:
The Crucible im Old Vic
Ja. Kevin Spaceys Theater. Früher Lawrence Oliviers Theater. Und eines der besseren und innen prunkvolleren Theater der Stadt. Diverse Kneipler waren schon hier (wenn auch nicht in dem Stück?) und ich erinnere mich noch an eine seelig grinsende Quar, mit einem Pint in den Händen und dem Kommentar: „Geil, bei Kevin Spacey gibt‘s Bier.“
Diesmal war mein erster Gedanke: „Wow, Kevin Spacey macht keine halben Sachen.“ Die aktuelle Saison wird „in the round“ gespielt, das Theater ist innen umgebaut. Die Bühne ist rausgeflogen, die ersten Logen auch, genauso wie die Sitzreihen im Parkett. Stattdessen gibt es eine runde Spielfläche in der Mitte, an deren Rändern die ersten Sitze stehen, dann gehen die Sitzreihen an allen Seiten dieser „Bühne“ nach oben, bis zu den Rängen, auch dort, wo sonst die Bühne ist, wurden Ränge eingezogen. Für „The Crucible“ wurden außerdem all die prunkvollen, vergoldeten Schnitzereien mit grauen, fleckigen Tüchern verhangen. Man ahnt, daß dies kein netter Abend wird.

Das Theater sieht jetzt so aus:


(Foto nicht von mir)

The Crucible spielt während der Hexenprozesse in Salem, von 1692-1693. Im Haus von Reverend Parris liegt dessen Tochter Betty bewußtlos im Krankenbett, angeblich von bösen Geistern besessen. Es kommt zu einem Wortgefecht zwischen dem Reverend und seiner ebenfalls im Haushalt lebenden Nichte Abigail, er behauptet, er hätte sie, Betty und seine Sklavin Tituba nachts im Wald gesehen, ein Kleid hätte im Gras gelegen, jemand wäre nackt durch die Gegend gelaufen, er hätte Beschwörungen gesehen! Abigail streitet alles ab, sie hat nur mit den anderen getanzt, von Hexerei keine Spur. Im Verlauf dieses Streits erfährt man auch, daß Abigail bis vor kurzem im Haus von John Proctor und dessen Frau lebte und arbeitete, aber unter ungeklärten Umständen gehen mußte. Ein anderes Paar, Thomas und Ann Putnam, betritt den Raum und erzählt, daß die eigene Tochter Ruth ebenfalls krank (und besessen) im Bett liegen würde, und daß das passiert wäre, nachdem sie Tituba aufgesucht hätten zwecks Beschwörung der Toten, Putnams haben sieben tote Kinder, die jeweils kurz nach der Geburt starben.
Allein mit den anderen Mädels des Dorfs setzt Abigail diese unter Druck, nur ja nichts zu sagen von den nächtlichen Ritualen. Sie haben getanzt, sonst nichts.
Auftritt John Proctor, der sich nach Bettys Zustand erkundigen möchte, und auf Abigail trifft. Hitziges Wortgefecht, der Zuschauer erfährt, daß der deutlich ältere John Proctor während der Krankheit seiner Frau eine Affäre mit Abigail hatte und sie deshalb gehen mußte, sie versucht zu flirten, blitzt aber ab, was Abigail auf den Einfluß seiner Frau Elizabeth schiebt.


Abigail

Inzwischen haben Putnams Reverend Hale, einen Experten für die Aufdeckung und Bekämpfung von Hexerei, in den Ort gerufen, der mit einem Verhör von Abigail beginnt. In die Ecke gedrängt beschuldigt diese Tituba, den Teufel angerufen zu haben. Tituba, sehr aggressiv befragt und mit dem Rücken an der Wand, nennt die Namen anderer Frauen, die mitgemacht haben (sollen), und so fängt der Teufelskreis der gegenseitigen Beschuldigungen an. Plötzlich werden überall Anzeichen für Hexerei gesehen, Mißtrauen breitet sich aus, die Gesellschaft bricht auseinander und man entdeckt ein Mittel, um ungeliebte Nachbarn und Nachbarinnen ganz schnell aus dem Weg zu räumen und vor Gericht zu schaffen.

Bei Proctors daheim hängt derweil der Haussegen ganz schön schief, Elisabeth kann ihrem Mann nicht weiter trauen, als sie gucken kann, wofür er kein Verständnis hat, schließlich gibt er sich doch seit der Sache mit Abigail größte Mühe, ein guter Ehemann zu sein. Ein schönes Beispiel dafür, daß manche Menschen meinen, sie müßten nur den reuigen Sünder geben, und schon hätten sie Anspruch auf Vergebung, ohne dabei zu sehen, daß diese Vergebung etwas ist, das nur die andere Partei geben kann, und das sich nicht erzwingen läßt. Marry Warren, die neue junge Magd im Hause Proctor, kommt spät nach Hause, da sie den ganzen Tag bei Gericht geholfen hat, und schenkt Elizabeth eine Puppe, die sie tagsüber nähte. Zu diesem ungünstigen Zeitpunkt kommt Reverend Hale (der Hexenexperte, wir erinnern uns) vorbei, dicht gefolgt von ein paar Dorfbewohnern, die den gesellschaftlichen Aufstieg zu Gerichtshelfern geschafft haben, und jetzt ihre neue Position mit Übereifer ausfüllen müssen. Noch liegt die Puppe auf dem Tisch und wird einer Untersuchung unterzogen, wobei man eine eingenähte Nadel findet. Voodoo! Und zack, ist auch Elizabeth Proctor als Besitzerin ein Fall für den Hexenknast, denn Abigail hat tagsüber wohl theatralisch verkündet, von einer Nadel durchbohrt zu werden, und ihre „Rivalin“ Elizabeth beschuldigt.

Einspruch hilft nichts, Elizabeth muss mitkommen.

Der nächste Akt besteht aus vielen Gerichtsszenen, in denen immer mehr Worte verdreht werden und immer mehr Anschuldigungen aufkommen. Es geht nicht mehr um Wahrheitsfindung, es geht nur noch um Verurteilungen. John Proctor zwingt Mary zu einer Aussage und zur Bekenntnis, daß die Puppe ihre war und Abigail hinter allem stecken würde, er gibt auch seine Affäre zu und will damit das Gericht davon überzeugen, daß Abigail aus Eifersucht alles angezettelt hat. Diese streitet natürlich alles ab, es steht Aussage gegen Aussage. Eine Befragung von Elizabeth soll die Sache aufklären. Da diese aber nicht ahnt, daß ihr Mann bereits alles gestanden hat, und sie ihn nicht öffentlich beschuldigen will, gibt sie vor, nichts von einer Affäre zu wissen. Punkt für Abigail, die - mittlerweile endgültig auf 180 und absolut nicht gut auf Proctor zu sprechen - die Gunst der Stunde nutzt und Proctor bezichtigt, Tag und Nacht hinter ihr her gewesen zu sein und sie verführt zu haben. Natürlich mit Hilfe des Teufels. Uuuuuuuund zack, wieder einer mehr im Knast.

Schnitt in die Zelle von Proctor, der sich standhaft weigert, sich zum Pakt mit dem Teufel zu bekennen. Die beiden Reverends Parris und Hale versuchen ihn zum Geständnis und zur Reue zu bewegen. Das Gericht sieht Proctor so oder so als schuldig an (das Gericht sieht niemanden in diesem Stück als unschuldig an, btw), Geständnis und Reue heißt: Ehrverlust, aber Leben, kein Geständnis heißt: Wegen Unbelehrbarkeit und Unwillen zu Besserung ab an den Galgen. Durch zu viele erhängte oder eingesperrte Dorfbewohner hat das Dorf mittlerweile Probleme mit streunenden Tieren, Waisen und unbestellten Feldern. In der Hoffnung, daß sie ihn zu einer Willensänderung bringen kann, wird die ebenfalls noch eingesperrte Elizabeth in Johns Zelle geführt, es kommt zu so einer Art Aussprache und um der eigenen Kinder Willen ringt John sich zu einem Geständnis durch. Dann allerdings soll er dieses Geständnis unterschreiben, auf daß es als warnendes Beispiel an die Kirchentür gepinnt werden kann, was John verweigert. Er kann vor sich und vor dem Gericht lügen, aber nicht vor seinen Kindern, die das sehen würden. Außerdem weigert er sich, andere Gemeindemitglieder zu beschuldigen und mit in diesen Prozess zu ziehen. Elizabeth soll noch einmal mit ihm reden, weigert sich aber mit der Begründung, daß es sein (reines) Gewissen ist und sie ihm das nicht nehmen kann und will.
Das Stück endet mit dem Tod John Proctors.

Und es läßt einen völlig fertig zurück. The Crucible wurde während der McCarthy-Ära von Arthur Miller geschrieben als Allegorie auf die Kommunistenjagd und das Klima der gegenseitigen Verdächtigungen und Bezichtigungen mit dem einhergehenden Vertrauensverlust und der Gefahr, daß kleine, unbedachte Dinge plötzlich zu einem Skandal werden können, der Karriere und Leben zerstört. Insofern geht die Inszenierung im Old Vic den umgekehrten Weg von Richard III im Trafalgar Studio: Richard III wurde in die 70er verpflanzt und dadurch in seiner Aussage arg limitiert, The Crucible wurde aus dem McCarthy-Bezug rausgelöst und ohne neue Einsortierung in irgendwelche Zusammenhänge einfach als Geschichte gespielt, soll sich jeder selber seinen Teil denken. Das Theater ist während des Stücks sehr dunkel, die Bühne in der Mitte nur spärlich beleuchtet, oft mit Laternen oder Feuer, viele Szenen werden von unten beleuchet und fast ständig hängt Bühnennebel in der Luft und der Geruch von Feuer und Räucherdingen, die auf der Bühne gelegentlich verbrannt werden. Dadurch erscheint vieles schemenhaft, über die grauen Tücher, die die Ränge verhängen, und die Rückwände des Theaters zucken Schatten, in der vernebelten Dunkelheit kann man das Publikum auf der anderen Seite auch mehr erahnen als sehen, und wird doch das Gefühl nicht los, daß da jemand sitzt und einen beobachtet. Unangenehm und gruselig. SO geht das mit dem Publikum auf der anderen Seite der Bühne, liebe Trafalgar Studios!

Die Schauspieler leisten Schwerstarbeit: Quasi nichts auf der Bühne außer stimmungsvollen Nebelschwaden und Stühlen, kaum Schminke und dazu puritanische Kostüme in schwarz, dunkelgrau, dunkelbraun, oder wenn es wild kommt: dreckigvergilbtdunkelpergamentehemalsweiß. Nichts, was vom Fokus auf Gesichter und Hände ablenkt. Und viele, viele Pausen im Text.

Samantha Colley ist toll als Abigail. Die Rolle birgt so viel Gefahr zu einer zickigen Teenagerin zu verkommen, aber das tut sie hier nicht. Man sieht, wie tief sie durch John Proctor verletzt wurde. Sie hat wirklich an die große Liebe geglaubt, wurde dann verstoßen und konnte sich im Prinzip nur noch gegen die Gesellschaft wenden. Ja, sie ist haßzerfressen, ja, ihre Methoden sind alles andere als nett, ich will sie nicht zur Freundin oder Feindin haben, aber man muß sich fragen, ob sie schon immer so war oder so gemacht wurde.

Anna Madeley als Elizabeth Proctor. Die betrogene Ehefrau und moralische Instanz ohne Fehl und Tadel. Auch nicht unbedingt die sympathischste Rolle, man sieht sie ja nie vor der Affäre, nur danach als mißtrauische Ehefrau, der Drache am heimischen Herd. Und doch muß einem der Kloß im Hals stecken bleiben, wenn sie verhaftet wird und einem klar wird, in welche Richtung ihr Schicksal sich dreht und daß sie wohl ausbaden muß, was ihr Ehemann begonnen hat. Die Geschichte würde nicht funktionieren, wenn man sie nicht als unschuldiges Opfer sieht, mit dem man mitfühlt. Was wäre denn, wenn man sich freuen würde, daß die alte Kuh wohl am Galgen landet und John mit der gutaussehenden Abigail glücklich werden könnte?
Dem ist aber nicht so, Anna Madeley macht das Beste aus dem Part. Man WILL NICHT, daß sie für den Idioten an ihrer Seite leiden muss.


Das Ehepaar Proctor

Und dann natürlich Richard Armitage als John Proctor. Der will sich offenbar mal richtig schauspielerisch austoben nach den Filmen, deren Namen ich jetzt nicht nenne. Dreieinhalb Stunden Zeit, um vom miesen Arschloch, das seine kranke Frau mit der jungen, gutaussehenden Magd betrügt, zum von seinen ganz eigenen Dämonen geplagten Eingekerkerten zu werden, den man auch nicht am Galgen sehen will. Der muß im Verlauf des Stücks die 180°-Drehung machen: Anfangs der wortkarge, schroffe Farmer, mit dessen Seitensprung alles erst beginnt, und den man wegen seiner Idiotie und seinem unmöglichen Umgang mit Abigail und Elizabeth ständig an die Wand klatschen will, der dann aber im Verlauf der Prozesse alles für seine Frau und für seine Nachbarfarmer riskiert. Und verliert, um sich selber treu zu bleiben. Irgendwo auf diesem Weg muss man Verständnis für die Figur aufbringen, gaaaaaaaaanz schleichend, auch sein Tod darf einem am Ende nicht egal sein. Wäre ja ganz schön blöd, wenn man sich am Ende denkt: „Na, endlich!“
Ich habe auch wirklich überhaupt keine Ahnung, wann er es geschafft hat, daß ich ihm in diesem Stück nicht mehr die Pest an den Hals wünsche, ich war vom meinem inneren „Nein!“ bei seiner Verhaftungsszene auch überrascht. Sausack!

Außerdem darf er mir das Telefonbuch (oder die gesammelten Bauanleitungen von Ikea) vorlesen, egal was, ich könnte ihm stun-den-lang zuhören. Ich bin sehr verliebt. hach Klarer Fall für die zu laminierende Liste. Den Hobbit werde ich trotzdem nicht sehen, eher gehe ich in meinem Chaos auf die Suche nach North & South, bessere Kostüme, weniger Maske und wenigstens ehrlicher Kitsch. hähö

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 10.09.2014, 07:43                                  +/-

Danke. Smilie


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"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)
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Quar



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BeitragVerfasst am: 10.09.2014, 18:56                                  +/-

Loth
ich erinnere mich noch an eine seelig grinsende Quar, mit einem Pint in den Händen und dem Kommentar: „Geil, bei Kevin Spacey gibt‘s Bier.“

Darauf hast du uns vorher (mehrmals) hingewiesen. Ich meine, bei Richard III mit Kevin Spacey gab's für mich leckeres Eis. Deswegen kann ich mich an das Zitat leider nicht erinnern. zwinkern

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 09:03                                  +/-

Euseppus
Danke. Smilie


Bitte. Smilie (Und dabei muß ich über das Stück, das mich wirklich umgehauen hat - My Night with Reg - noch schreiben. Gna! Weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich lerne gerade die Bedeutung von "sprachlos" kennen.)

Quar
Loth
ich erinnere mich noch an eine seelig grinsende Quar, mit einem Pint in den Händen und dem Kommentar: „Geil, bei Kevin Spacey gibt‘s Bier.“

Darauf hast du uns vorher (mehrmals) hingewiesen. Ich meine, bei Richard III mit Kevin Spacey gab's für mich leckeres Eis. Deswegen kann ich mich an das Zitat leider nicht erinnern. zwinkern


Das müßte auch schon früher gewesen sein. Winter's Tale? Oder haben wir vorher noch was da gesehen? Und ich habe vom Bier erzählt? Normalerweise warne ich die Leute doch nur vor der Klimaanlage.


News:
Digital Theatre are to film The Old Vic’s critically acclaimed production of The Crucible, directed by Yaël Farber, starring Richard Armitage. The Crucible will be available to buy as a download and watch online around the world, and the production will receive an international cinema release, with dates and territories to be announced later this year.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 09:44                                  +/-

Und ich hab in der EMPIRE gestern gelesen, dass dieser Herr hier, Matthew Warchus,



Spaceys Nachfolger als künstlerischer Leiter des Old Vic sein wird (was Du wahrscheinlich eh schon weißt). Ich kam drauf über den Film "Pride", den er inszeniert hat und der hochgelobt wird. Mit Spacey hat er natürlich auch schon gearbeitet und überhaupt ist er ein "acclaimed director", hatte mit Sam Shepard sehr viel zu tun und hat sich u.a. um die Plays von Yasmina Reza verdient gemacht. Oben sieht man ihn beim Erhalt des Olivier-Award.
Mit Musical hat er auch Erfahrung, und zwar u.a. auch, wie meine entzündeten Augen gerade sehen, durch die MATILDA-Produktion!!!

Das wird jetzt also bestimmt sooo schlecht nicht werden, da am Old Vic. grins

Hier noch der Trailer von überall über die Maßen gelobten "Pride" (Wohlfühlfilm mit Tränen und Lachern und so, ich hab bisher nur Hymnen gelesen).


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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 10:56                                  +/-

Yes Ich hatte das in der Tat schon gehört und mich drüber gefreut, hauptsächlich wegen Matilda, aber auch wegen Ghost. (Das ich nicht sehen wollte, wer braucht schon das x-te kitschige Filmmusical, das dann aber überraschend gut war. Kennst du's? Ganz anders als Matilda, komplett durchproduzierte und -kalkulierte Popmusik, aber das in Perfektion.)

Das Foto verwirrt mich aber, Warchus war nicht bei den Olivier Awards, der wurde "nur" aus New York zugeschaltet, weil die Vorbereitungen für Matilda auf Hochttouren liefen. In London wurde die Matilda-Flagge an dem Abend vom unberechenbaren Duo Minchin und Carvel hochgehalten, mit einer giggelnden Wolke aus 4 kleinen Mädchen im Schlepptau, aus der ständig irgendwelche Arme und Beine in unsortierter Form rausschauten. hach

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 11:30                                  +/-

wiki erzählt mir, dass er für den Olivier Award zwei Nominierungen bekam, eine für Henry V und eine für Volpone. Vielleicht war er bei einer anderen Verleihung da als Du meintest?


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Warg



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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 12:42                                  +/-

der Typ sieht aus wie Willi Astor.


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Unglaublich, diese Atheisten!
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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 13:03                                  +/-

Euseppus
Vielleicht war er bei einer anderen Verleihung da als Du meintest?


Nope. Ich meine schon die Verleihung von 2012. Ich war da und er wurde definitiv per Video zugeschaltet (es gab am Broadway eine Parallelveranstaltung mit Übertragung der Olivier Awards an den Broadway), daher finde ich es gerade witzig, daß die offensichtlich in New York ebenfalls die Wand mit dem Sponsorenlogo aufgebaut haben, damit abwesende Gewinner auch korrekte Promotionfotos machen können/müssen.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 13.09.2014, 13:29                                  +/-

Ich meine schon die Verleihung von 2012. Ich war da


Ich hab grade keine Zeit, um den passenden Suizid-Smilie zu finden. grins

Gepostet am 13.09.2014, 14:30:

daß die offensichtlich in New York ebenfalls die Wand mit dem Sponsorenlogo aufgebaut haben, damit abwesende Gewinner auch korrekte Promotionfotos machen können/müssen.


Da das die einzige Erklärung ist: Das ist schon - weird. Yes


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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 16:30                                  +/-

Euseppus
Ich hab grade keine Zeit, um den passenden Suizid-Smilie zu finden. grins

hähö Der beste Ex von allen mußte beruflich hin und brauchte eine Begleitung und da mußte ich schweren Herzens dieses Opfer bringen. (Und meinen Frieden mit hohen Absätzen machen. Naja… nennen wir es einen Waffenstillstand. Den die Absätze und ich für beendet erklärt haben.)

Euseppus
Das ist schon - weird. Yes

Die ganze Veranstaltung war weird.

Aber Sonderpunkte an Tim Rice! Der wurde für sein Lebenswerk geehrt und meinte in seiner Dankesrede, er könne nicht verstehen, warum die Leute alle immer Gott danken würden. Weil Gott sich ja bestimmt immer persönlich drum kümmern würde, daß Leute Preise bekommen und nichts Wichtigeres zu tun hätte, als Preise zu verteilen. Und überhaupt: Wenn hier jemand Gott danken dürfte, dann jawohl er, schließlich hätte er eine Menge Geld mit Gott gemacht. Spitze

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 23.09.2014, 20:56                                  +/-

Lothiriel
(Und dabei muß ich über das Stück, das mich wirklich umgehauen hat - My Night with Reg - noch schreiben. Gna! Weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich lerne gerade die Bedeutung von "sprachlos" kennen.)


Ist echt schlimm mit der Sprachlosigkeit, wenn man sich schon selber zitieren muß…

Donmar Warehouse - My Night With Reg



Ich habe es vor drei Wochen gesehen und immer noch keine Ahnung, was ich da eigentlich gesehen habe und wie um Himmels Willen ich das in Worte fassen soll. Dabei war ich überhaupt nicht so scharf drauf, das Stück zu sehen, die Vorgeschichte ging ungefähr so:

"Kommst du mit ins Donmar?"
"Ja, klar, immer. Äh… was wird eigentlich gespielt?"
"My Night With Reg."
"Aha."

*google* 90er… gay drama… AIDS…

Gedanken dazu: "Hm. Kann ganz interessant werden, kann aber auch ein furchtbarer Abend mit einem Betroffenheitsstück werden. Hoffen wir mal das Beste. Zur Not hat das Donmar eine gute Bar, in der ich mich in der Pause mit Drogen eindecken kann."

Sagen wir mal so: Die ergooglete Beschreibung wird dem Stück in keinster Weise gerecht. Das Stück erzählt in drei Szenen aus dem Leben von sechs Freunden. Drei davon sind seit dem Studium miteinander befreundet, die anderen drei gehören eher lose zur Gruppe dazu.
Guy (Jonathan Broadbent) - Mauerblümchen, neurotisch, Ordnungsfanatiker
Daniel (Geoffrey Streatfeild) - Mittelpunkt jeder Party
John (Julian Ovenden) - Der Coole. Sportler. Walking Wet Dream. Irgendwie unnahbar.
Benny (Matt Bardock) - Irgendwo zwischen Normalo und Draufgänger
Bernie Richard Cant) - Lebensgefährte von Benny. Langweiler vor dem Herrn.
Eric (Lewis Reeves) - Deutlich jünger als die anderen. Barkeeper im Pub um die Ecke. Manchmal aus Geldnot Gelegenheitshandwerker.

So zumindest die Ausgangskonstellation. Die drei Szenen des Stücks spielen bei der Einweihungsparty von Guys Wohnung, nach der Beerdigung von Reg (der nur als Name im Stück auftaucht, man sieht ihn nie, aber es gibt viele Geschichten über und mit ihm hähö ) und nach der Beerdigung von Guy. AIDS wird nicht ein einziges Mal im Stück genannt. Es ist klar, daß Reg und Guy infolge von AIDS starben, aber es geht - im Gegensatz zu so vielen Stücken/Filmen/Geschichten mit dieser Thematik - mal nicht um das Leiden, sondern um die Zurückgebliebenen und wie deren Leben durch die Krankheit und/oder die Gefahr einer möglichen Ansteckung beeinflußt wurde. Und wie diese Dagebliebenen damit umgehen, daß plötzlich das Partyleben nicht mehr unbeschwert ist, sondern jederzeit ein jähes Ende finden kann. Aber das ist nur ein klitzekleiner Bestandteil des Stücks, in erster Linie geht es um die Freundschaften und Beziehungen dieser Männer untereinander, wie diese sich im Laufe der Jahre verändern, welche Konsequenzen (kleine Not-)Lügen oder die Wahrheit haben können, welchen Einfluß Geheimnisse sowohl auf den Geheimnisträger als auch auf die Nichtsahnenden haben können. Welchen Preis hat eine Lüge? Ist es besser, sein Gewissen zu entlasten und eine Wahrheit auszusprechen, wenn dadurch eine Freundschaft zerbrechen wird? Soll/muß man auch die Geheimnisse der Toten wahren? Wenn ja: Wie lange? Wem gegenüber?

Allerfeinstes Kammerspiel! Ich habe ja oft über's Donmar gesagt, daß es ungefähr so groß ist wie mein Wohnzimmer, konsequenterweise war das Bühnenbild diesmal eine Wohnzimmereinrichtung. Der Unterschied zu meinem lag allerdings am angebauten Wintergarten hinten auf der Bühne, darauf werde ich bei meiner nächsten Wohnung achten, der machte schon schwer was her.

Die New York Times schrieb dazu
a production whose cast is currently without question the finest ensemble in town


Ich bin geneigt, das Abzunicken, und das bei einer Konkurrenz wie "The Crucible". Was die geleistet haben, habe ich so noch nicht gesehen. Ich habe einfach fast zwei Stunden fasziniert zugeschaut, dann ging plötzlich das Licht an und das Publikum stellte verwirrt fest, wieviel Zeit vergangen ist und daß es ja überhaupt keine Pause nach einem ersten Akt gab. Höh? Was? Zweiundzwanzig Uhr? Wann ist das passiert? Ah, Applaus, ja! *frenetischer Jubel*
Da waren so viele Kleinigkeiten zu sehen. Und die haben ihre Bühnencharaktere echt geliebt. Das waren aber auch tolle Rollen, alle mit so vielen Facetten und Eigenschaften, die man anfangs diesen Charakteren überhaupt nicht gegeben hätte, und so vielen Einblicken hinter die Fassade(n), die immer wieder überraschend kamen, weshalb ich die nicht näher ausführen mag, das wären fiese Spoiler für Leute, die das Stück vielleicht doch mal zu sehen bekommen und noch nicht kennen.
Außerdem David Bowie als Soundtrack, der sich durch's ganze Stück zieht und einem "Starman" als nicht mehr abzuschüttelnden Ohrwurm verpaßt. Ich weiß nicht, ob ich sie dafür hassen oder lieben soll. Julian Ovenden, der seine klassische Gesangsausbildung ignorierend dieses Lied sturzbetrunken (spielend) durch das Theater schmetterte, war jedenfalls hörenswert.

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Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 24.09.2014, 11:13                                  +/-

Das Stück erzählt in drei Szenen aus dem Leben von sechs Freunden. Drei davon sind seit dem Studium miteinander befreundet, die anderen drei gehören eher lose zur Gruppe dazu.


Oh, du warst in "Friends - Das Musical"? Amazeballs Smilie


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 24.09.2014, 11:22                                  +/-

Muss es in jedem Stück einen Nackten geben?


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You met me at a very strange time in my life.
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