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All the world's a stage - Theaterthread
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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 17.12.2013, 19:59                                  +/-

So, heute ist dann offiziell "Press Night" für Coriolanus (Donmar muß da ein bißchen trennen, der Platz, der Platz,...), sprich: Ab heute nacht wird es dann auch endlich richtige Bilder aus dem Stück geben und nicht nur Probenfotos.


Kunstblut. Asche, Kunstblut und Dreck.

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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 17.12.2013, 20:27                                  +/-

Joss Whedon twitterte neulich auch über das Stück. Womöglich sah er dieselbe Vorstellung wie du.

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 17.12.2013, 20:38                                  +/-

Er war einen Tag nach mir drin. Ich war in der gleichen Vorstellung wie Peter Capaldi und Joanne K. Rowling und einen Tag nach Helena Bonham-Carter. Es ist schon irgendwie "The hottest ticket in town".

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 17.12.2013, 21:56                                  +/-

Triskel
Joss Whedon twitterte neulich auch über das Stück.


Hab das grad mal nachgelesen, eben wollte Twitter mich nicht, es hat das tatsächlich mit "Holy BALLS" zusammengefasst? hähö Wobei... unpassend ist das nicht.

Mark Gatiss als Menenius:



EDIT:
Und endlich auch ein Bild mit Birgitte Hjort Sørensen als Virgilia

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 18.12.2013, 13:50                                  +/-

Der Beginn der Duschszene. Oder auch: Warum ich es ziemlich unangenehm fand hinzugucken.

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 20.12.2013, 23:56                                  +/-

Das Donmar!
Vielen Dank, Loth!

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 28.12.2013, 15:06                                  +/-

Was ich eigentlich an meinem ersten Abend in London gern gesehen hätte:
The Light Princess, National Theatre

Musical mit Musik von Tori Amos, ich finde das, was ich bis jetzt davon gesehen habe, optisch großartig. Leider soll die Musik sehr belanglos sein, ich hätte es mir allerdings trotzdem angeguckt, wie gesagt: Die Optik! Dann haben mir aber meine Gräten zu weh getan und das National Theatre ist leider vom Eingang der nächsten U-Bahn-Haltestelle weiter weg als andere Theater, und so wurde das nix.
Es gibt aber auf Youtube ein paar Making-Ofs zu den Animationen, vielleicht für pk ganz interessant.



Alternativprogramm:
Fortune's Fool, Old Vic

Russisches Kostümdrama, langsames Erzähltempo und die russischen Theaterstücken oft innewohnende Mischung aus Komödie und melancholischer Tragödie. Und mit Iain Glen (hier wahrscheinlich allen als Ser Jorah Mormont bekannt) in der Hauptrolle. Tolle, tolle Stimme, der könnte mir ja das Telefonbuch vorlesen und ich würde zuhören. Gute Wahl für den ersten Abend!



Zweiter Abend, Kontrastprogramm:
MOJO, Harold Pinter Theatre

Großbritanniens junge Wilde und der Butler aus Downton Abbey spielen ein Gangsterstück. 50er Jahre, die Geburt des Rock 'n' Roll, in Soho sprießen die ersten Clubs aus dem Boden. Die Jugendlichen Sweets, Potts, Skinny und Baby arbeiten im Club von Babys Vater, im Hinterzimmer finden Verhandlungen mit dem aufsteigenden Musikidol Silver Johnny statt, da überbringt Mickey, der Partner von Babys Vater, die Nachricht, daß man besagten Vater vor der Clubtür gefunden hat. In zwei Mülltonnen. Offensichtlich eine Botschaft einer verfeindeten Gang/eines rivalisierenden Clubs, es folgen zwei Tage Belagerungszustand im Club hinter verrammelten Fenstern und Türen, denn man möchte den Club nicht kampflos aufgeben. Handlungsmäßig passiert nicht sooooo viel, schließlich sitzt man nur im Club rum, im ersten Akt in irgendwelchen Hinterzimmern, im zweiten Akt im Club selber, aber durch dieses Aufeinanderhocken und Sich-gegenseitig-total-auf-den-Senkel-gehen kommt es zu spannungsgeladenen Dialogen, in denen nach und nach ans Licht kommt, was mit Babys Vater eigentlich passiert ist. Rupert Grint kann sehr theatralisch verzweifeln und wollte wohl einfach mal sehr häufig "Fuck!!!" sagen und Ben Wishaw singt dauernd und geht den anderen so richtig auf den Zeiger, hat dabei aber eine überraschend gute Stimme! Ohne Mikro und ohne instrumentale Begleitung in einem nicht kleinen Theater zu singen finde ich schon mutig, da kann man nichts zurechtschummeln.
Ansonsten ist das Stück die perfekte Zeitreise, das Harold Pinter Theatre ist ca. 150m von Soho entfernt in einer etwas dunkleren Seitenstraße, man hat die normale Theaterbeleuchtung demontiert und durch das aus Leuchtröhren zusammengebastelte MOJO-Logo ersetzt (inklusive dem zuckenden, kaputten zweiten "O" hach ) und um mich rum waren lauter Leute mit Schmalztollen, schrecklichen Hemden und Petticoats. Ich kam mir underdressed vor.

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 28.12.2013, 21:09                                  +/-

Lieber Euseppus, ich habe leider gerade keine Zeit für eine ausführliche Rezension, aber zumindest eine kurze Empfehlung wollte ich dir da lassen: "Susn" von Herbert Achternbusch mit Brigitte Hobmeier in der Titelrolle im Werkraum der Kammerspiele hat uns am Montag ganz ausgezeichnet gefallen. Das ist grandiose Schauspielkunst! (Und das Stück wird im Februar noch zweimal gespielt.)

Wenn ich ein bisschen mehr Luft habe, schreibe ich vielleicht noch ausführlicher darüber.

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 05.01.2014, 02:46                                  

of comfort no man speak:
Let's talk of graves




Royal Shakespeare Company
Richard II
Barbican


Wikipedia schreibt über das Barbican:
„The Barbican Centre is a performing arts centre in the City of London and is the largest of its type in Europe.“

„It was voted "London's ugliest building" in a Grey London poll in September 2003.“

Beidem möchte ich nicht widersprechen. Bei dieser London-Tour habe ich mich im Bezug auf Theaterkarten ja für absolutes Zocken entschieden. Die Karten für Coriolanus gingen so spät in den Verkauf und es war vorher abzusehen, daß das die am schwierigsten zu organisierende Karte werden würde, da wollte ich mir alle Abende als Option offenhalten, was dann dazu führte, daß ich zwar eine Coriolanus-Karte hatte, aber alles andere ausverkauft war. Egal, es gibt ja 30 Day Seats, also war Frühaufstehen angesagt. Ich bin so um kurz nach 8 Uhr morgens aus der U-Bahn-Haltestelle Barbican getorkelt und hatte geglaubt, daß ich von da nur einem Hinweisschild folgen muss… Pustekuchen! Morgendliches Studium von Übersichtsplänen im Bereich des Ausgangs der Station war angesagt, dann ein kurzer Spaziergang und weiteres Rätseln vor Hinweisschildern zu verschiedenen Eingängen, Finden der richtigen Straße und des richtigen Eingangs, Interpretieren des Farbleitsystems durch den Gebäudekomplex und weiteres Wandern durch die Betonhallen. Und außer mir kein Mensch da! Irgendwann habe ich dann doch die Theaterkasse gefunden und dort Kate kennengelernt, die auch froh war, daß noch irgendwer so früh aufgestanden ist. Sie wohnt in der Nachbarschaft und erzählte mir, daß am Wochenende wohl um 5 Uhr morgens die ersten Leute angestanden haben, weshalb sie sich entschieden hatte, daß sie das lieber mal an einem normalen Wochentag probiert. Ich war in dem Moment froh, daß ich das nicht samstags versucht hatte und gleich auf den Montag ausgewichen bin. Bis 9 Uhr kamen dann noch zwei andere Mädels in unserem Alter und wir haben uns einen Tisch, Stühle, Tee und Frühstück organisiert. Niemand hat so komfortable Warteschlangen wie die Royal Shakespeare Company! Außerdem ist das Barbican noch die Heimat vom London Symphony Orchestra und vom BBC Symphony Orchestra. Irgendeines davon hat wohl geprobt, jedenfalls hörte es sich so an. Und das Barbican hat ein Gäste-WLAN. Man kann seinen Vormittag deutlich schlechter verbringen. Wir Damen haben uns jedenfalls ein wenig darüber amüsiert, daß wir offensichtlich viel zu früh dort waren, aber WIR WOLLTEN NUN EINMAL TODSICHER KARTEN FÜR TENNANT HABEN!!! Oder so. *gg* Ab 9 Uhr änderte sich dann die Zusammensetzung der Warteschlange komplett, die Plätze 5 bis ca. 20 gingen an Männer zwischen 30 und 60 Jahren. Zwischen 9:30 und 10 Uhr kamen noch gemischte Studenten aus geschätzt eher künstlerischen Studiengängen hinzu, die offensichtlich zählen konnten, jedenfalls hat sich von denen keiner mehr nach Person 30 angestellt. Danach kamen noch ein paar Teenagermädchen, die besser kichern als zählen konnten, und sich einfach angestellt haben, und noch ein paar Teenagerjungs, von denen wir nicht wissen, ob sie auch nicht zählen konnten oder sich einfach hinter den Mädchen anstellen wollten.

Ich finde so Warteschlangen ja immer wieder großartig, sowohl zum Leute beobachten als auch zum Unterhalten und Leute kennenlernen, man ist dann abends nicht so allein unterwegs. Und man kann Umfragen starten. Ich hatte versucht, mir so einen Grobüberblick über das Stück zu verschaffen, und habe dann irgendwann alle englischen Adligen mal wieder durcheinander geworfen, daher wollte ich wissen, ob das nur mir, der Deutschen in der Warteschlange, so geht, oder ob die Briten die Verwandtschaftsverhältnisse auch nicht auf die Reihe kriegen. Um es mit den Worten von Kate zu sagen: „I have decided that everyone with white hair is an aunt or an uncle, and everybody else is a cousin.“ Mit der Einstellung kommt man in Richard II sehr weit.

Das Stück spielt in den Jahren 1398-1399, also den letzten beiden Jahren vor Richards Tod. Wichtig ist aber auch der Kontext, bzw. das, was geschichtlich in Richards Leben vor dem Stück passiert. Richard II war der Enkel von Edward III und der Sohn von Edward Prince of Wales. Letzterer wurde zwar als der Schwarze Prinz bekannt, aber nie König, er starb zu früh und sein damals zehnjähriger Sohn Richard wurde zum König. Der Anspruch auf den Thron war mehr als wacklig, eigentlich wäre die Königswürde auf einen jüngeren Bruder seines Vaters übergegangen, nämlich John of Gaunt, Duke of Lancaster. Der hatte aber in den Augen des Parlamentes ohnehin schon zu viel Macht und Einfluß und weil der Schwarze Prinz so beliebt gewesen ist und auch seine Witwe Joan of Kent über sehr viel Einfluß verfügte, wurde der junge Richard gekrönt. Es wurde kein Regent bestellt, der in Richards Namen die Regierungsgeschäfte führte (das wäre nämlich dann wohl wieder John of Gaunt gewesen, den das Parlament nicht wollte), sondern ihm wurde ein Rat zur Seite gestellt, der allerdings stark von John of Gaunt und Joan of Kent beeinflußt wurde. Daher war das Parlament auch so dafür, ihn mit Vierzehn für volljährig zu erklären, um den Einfluß des Onkels auszuschalten.
Man kann sich vorstellen, wie diplomatisch geschickt jemand regiert, dem man mit 10 in einer prunkvollen Zeremonie erklärt, daß er König von Gottes Gnaden ist, und der mit 14 machen kann, was er will…
Reichlich turbulente Zeiten folgten, persönliche Günstlinge stiegen auf, Stimmen der Vernunft gingen in die Verbannung, der Adel war nicht soooooo begeistert, Kriegszüge mißlangen und überall fehlte das Geld. Und dann kam die Episode mit den „Lords Apellant“, der König wurde tatsächlich mal für ein paar Tage abgesetzt und dann wieder eingesetzt, weil man sich nicht auf die Nachfolge einigen konnte. hähö
Danach hatte Richard natürlich einiges zu tun, um seine Macht wieder zu festigen, und so herrschte tatsächlich relative Ruhe und der Hof blühte auf, aber ab 1397 hat sich Richard wohl wieder an die Appellants erinnert und fand den Zeitpunkt richtig für Rache. Thomas Mowbray (übrigens auch ein Appellant, aber jetzt wohl königstreu) hat dem König von einer Verschwörung/einem Verrat durch Thomas of Woodstock (Duke of Gloucester, Onkel von Richard II) berichtet, Woodstock wurde in Calais eingesperrt und unter die Aufsicht von Mowbray gestellt, und dann kam er praktischerweise unter ungeklärten Umständen ums Leben. *räusper*

Und hier beginnt das Stück: Woodstock ist gerade gestorben, Cousin Henry Bolingbroke (Sohn von Onkel John of Gaunt) klagt Mowbray des Hochverrats und Mordes an, der wiederum bezichtigt Bolingbroke des Verrats, die Situation eskaliert und die beiden wollen das in einem Duell vor dem König klären. Das Turnier wird auch gestartet, aber dann von Richard II abgebrochen, der angeblich nicht das Blut seiner Ritter fließen sehen möchte und lieber beide in die Verbannung schickt, Mowbray lebenslänglich, Cousin Bolingbroke für 10 Jahre, die er aber auf 6 Jahre reduziert.



Onkel Woodstocks Witwe, Tante Gloucester, versucht nun Onkel John of Gaunt zur Rache für ihren Mann anzustiften, der aber erwidert:

„God's is the quarrel; for God's substitute,
His deputy anointed in His sight,
Hath caused his death: the which if wrongfully,
Let heaven revenge; for I may never lift
An angry arm against His minister.“


Er impliziert also, daß Richard der eigentlich Schuldige am Tod von Onkel Gloucester ist, er aber nichts machen kann, weil „Vertreter Gottes auf Erden“ und so. Das ist auch das Problem des Hochadels, diverse Leute würden Richard gerne aus dem Weg haben, aber da ist eben diese Sache mit Gott.
Dann stirbt Onkel John of Gaunt, während Cousin Bolingbroke noch in der Verbannung ist, und der Pleitegeier Richard reißt sich das Vermögen vom schwerreichen Onkel John of Gaunt unter den Nagel, um einen Feldzug gegen Irland zu starten. Nicht so klug, denn Cousin Bolingbroke hätte sein Erbe dann doch gerne bekommen und startet die Operation „Auf nach England!“ und der Adel hat endgültig genug von seinem König und schlägt sich zu einem großen Teil auf seine Seite. Welcher Adel mag schon gerne einen König, der bei Bedarf einfach mal so Vermögen von hochrangigen Staatsleuten, die keine Verbrecher sind, einzieht, weil ihm das gerade in den Kram paßt, und der dadurch einflußreiche Dynastien zerstört? In Irland hat Richard II dann auch kein Glück, bei seiner Rückkehr läuft ihm seine Armee weg und er erfährt, daß Bolingbroke seine beiden Vertrauten Bushy und Greene hat hinrichten lassen. Aber dafür darf er sich an der heimischen Küste in den Sand werfen und eine der schönsten Emo-Reden halten, die Shakespeare für seine Könige geschrieben hat:

„No matter where; of comfort no man speak:
Let's talk of graves, of worms, and epitaphs;
Make dust our paper and with rainy eyes
Write sorrow on the bosom of the earth,
Let's choose executors and talk of wills:
And yet not so, for what can we bequeath
Save our deposed bodies to the ground?
Our lands, our lives and all are Bolingbroke's,
And nothing can we call our own but death
And that small model of the barren earth
Which serves as paste and cover to our bones.
For God's sake, let us sit upon the ground
And tell sad stories of the death of kings;
How some have been deposed; some slain in war,
Some haunted by the ghosts they have deposed;
Some poison'd by their wives: some sleeping kill'd;
All murder'd: for within the hollow crown
That rounds the mortal temples of a king
Keeps Death his court and there the antic sits,
Scoffing his state and grinning at his pomp,
Allowing him a breath, a little scene,
To monarchize, be fear'd and kill with looks,
Infusing him with self and vain conceit,
As if this flesh which walls about our life,
Were brass impregnable, and humour'd thus
Comes at the last and with a little pin
Bores through his castle wall, and farewell king!
Cover your heads and mock not flesh and blood
With solemn reverence: throw away respect,
Tradition, form and ceremonious duty,
For you have but mistook me all this while:
I live with bread like you, feel want,
Taste grief, need friends: subjected thus,
How can you say to me, I am a king?“




Er flieht dann nach Flint Castle, wo ihn Cousin Bolingbroke stellt, der zuerst nur sein Erbe will, später geht es aber dann doch um die Krone, Richard wird zum Abdanken überredet, übergibt die Krone schließlich in Westminster Hall an seinen Nachfolger Bolingbroke, der zu King Henry IV wird, und landet selber im Tower.

Richards engster Vertrauter, Cousin Aumerle, wird von seinem Vater, Onkel York, bei der Planung eines Attentats auf den neuen König Henry IV erwischt, Onkel York will seinen Sohn dafür bestraft sehen und petzt bei König Henry IV, Cousin Aumerle und Tante York bitten aber sehr eindringlich um Gnade, die Cousin Aumerle dann auch bekommt.
Richard II stirbt als Gefangener auf Schloß Pontefract, Umstände ungeklärt, wahrscheinlich hat man ihn verhungern lassen, im Stück wird er ermordet, in dieser Inszenierung sogar von Cousin Aumerle.

Und so beginnt die Zofferei um die Thronfolge, die ca. 50 Jahre später zu den Rosenkriegen führt…

Bei dieser Inszenierung fällt als erstes die Größe des Theaters und des Bühnenbilds auf, die Hallen von Moria sind ein Dreck dagegen. Ich habe vor Beginn des Stücks mal ein Bild davon gemacht, da war Photographieren noch nicht verboten:



Bitte beachten: Auf diesem Bild sind nur der Sarg, der Hocker, die beiden Seitenteile der Brücke und die senkrechten Stangen echt. Die Kathedrale besteht aus vielen, vielen, vielen Schnüren mit kleinen Metallkugeln (Kennt ihr die Dinger, an denen oft Stöpsel von z.B. Badewannenabläufen und Spülen befestigt sind? Sowas.), auf die Licht projiziert wird. Es sieht so unfaßbar beeindruckend und unfaßbar schön aus, nicht von dieser Welt. Was sehr gut zu Richard paßt, der wirkt auch immer, als würde er in seiner eigenen Welt leben. Und solange nur Richard auf der Bühne ist, ist die Illusion perfekt. Sobald jedoch viele Leute auf der Bühne sind und sich bewegen, also immer dann, wenn es wieder mal etwas heißer hergeht, zerbricht die Illusion, denn dann beginnen die Fäden zu schwingen und vor allem im unteren Bereich des Bühnenbildes verwischt alles, dann kann Richard seine Welt nicht mehr beisammen halten. Tennant spielt Richard sehr zurückhaltend, sehr feminin (für die Literaturwissenschaftler unter uns: Shakespeare arbeitet meist mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln für seine Charaktere, Richard hat in diesem Stück die gleichen Stilmittel wie die Damen in ihren Reden, die Männer hingegen reden alle anders.), man muss sehr genau zuhören, um ihn überhaupt zu verstehen, Bolingbroke ist da ein starker Kontrast, der poltert viel stärker los und steht dann auch immer im Mittelpunkt, wenn die Welt um ihn herum verwischt.

Ansonsten habe ich aber auch ein paarmal ziemlich grinsen müssen: Es gibt aktuell ja drei prominent besetzte Shakespearestücke in London, und während Tom Hiddleston und Jude Law sich die martialische Nummer mit Schwert und Kriegsreden und allem drum und dran geben, tüddelt Tennant mit bodenlangen Gewändern und Wallehaaren durch die Gegend und findet seine Krone schön. Sollen die anderen sich doch die blauen Flecken holen.



Und jetzt habe ich so viel allgemein geschrieben und fast nix zur Inszenierung, aber ich muss ins Bett. Gute Nacht!

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Craggan



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BeitragVerfasst am: 05.01.2014, 10:19                                  +/-

du schreibst die schönsten Reviews, Loth

Am besten fand ich Deinen Warteschlangenbeschreibungsabsatz, der war wirklich ganz klasse formuliert (und ich fand mich auch inhaltlich wieder). Ich habe übrigens mal eine Nacht im Barbican verbracht


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 12.01.2014, 22:49                                  +/-



Karten gehen Ende Januar in den freien Verkauf. Ich hoffe, ich hab dann Glück Smilie


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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 13.01.2014, 00:07                                  +/-

Craggan
du schreibst die schönsten Reviews, Loth


Merci! Freut mich, wenn es jemandem gefällt. Smilie (und wenn hier jemand liest *gg*)


Craggan
Am besten fand ich Deinen Warteschlangenbeschreibungsabsatz, der war wirklich ganz klasse formuliert (und ich fand mich auch inhaltlich wieder). Ich habe übrigens mal eine Nacht im Barbican verbracht


Und? Hässlich da, oder? (Die Warteschlange hat mich an diesem Morgen auch sehr erheitert/unterhalten. hähö )


@Oxi: Für alles Tickets vorher zu besorgen ist das Äquivalent zur Sitzplatzreservierung in der Bahn. :p

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Oxford
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BeitragVerfasst am: 13.01.2014, 08:41                                  +/-

Lothiriel

@Oxi: Für alles Tickets vorher zu besorgen ist das Äquivalent zur Sitzplatzreservierung in der Bahn. :p


Naja hähö Dazu ist mein Urlaub echt zu kurz, um tagelang Schlange zu stehen.


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 14.01.2014, 23:24                                  +/-

Lothiriel
Craggan
du schreibst die schönsten Reviews, Loth


Merci! Freut mich, wenn es jemandem gefällt. Smilie (und wenn hier jemand liest *gg*)

Ich lese deine Rezensionen auch immer sehr gerne, Loth, und bin zutiefst beeindruckt von deinem untermüdlichen Einsatz beim Ergattern von Tageskarten.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 15.01.2014, 10:17                                  +/-

Wenns hier laut ist, schmeiß ich einfach Sterne. Smilie


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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 15.01.2014, 13:18                                  +/-

Ich les deine Berichte auch immer sehr gerne, Loth. Selber war ich bisher immer feige/bequem und habe Karten bei den normalen Vorverkaufsstellen gekauft. Allerdings kann man dann sehr beliebte Stücke natürlich eher vergessen.

Gibt es denn eigentlich irgendwo eine gute Übersicht, was im Laufe des Jahres so gespielt wird oder muss man sich da die Spielpläne auf den einzelnen Theater Websites anschauen? Steht jetzt überhauot schon fest, was im Oktober gespielt wird? Ich bin voraussichtlich im Herbst mal wieder in England und hätte Lust auf ein bisschen Theater in London.


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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 24.01.2014, 21:39                                  +/-

Thuringwethil
Selber war ich bisher immer feige/bequem und habe Karten bei den normalen Vorverkaufsstellen gekauft. Allerdings kann man dann sehr beliebte Stücke natürlich eher vergessen.


Ja, bei sehr belieben Stücken muss man entweder sofort bei Vorverkaufsstart zuschlagen oder dann wieder am Tag der Vorstellung. Gerade bei eigentlich ausverkauften Sachen gibt es am Vorstellungstag nochmal die Chance auf die besten Tickets zu deutlich günstigeren Preisen als etwas schlechtere Karten Wochen oder Monate vorher gekostet hätten. Bei solchen Stücken halten diverse Theater oder Organisationen Karten zurück für eventuelle wichtige Gäste, wenn diese Karten dann aber nicht abgerufen werden, dann gehen sie kurz vor der Vorstellung in den freien Verkauf. Es lohnt sich da oft, einfach mal an den Kassen nachzufragen, wann die Chance auf solche Return Tickets bestehen könnte. zwinkern


Thuringwethil
Gibt es denn eigentlich irgendwo eine gute Übersicht, was im Laufe des Jahres so gespielt wird oder muss man sich da die Spielpläne auf den einzelnen Theater Websites anschauen? Steht jetzt überhauot schon fest, was im Oktober gespielt wird? Ich bin voraussichtlich im Herbst mal wieder in England und hätte Lust auf ein bisschen Theater in London.


Eine gute Übersicht gibt es nirgendwo, Whatsonstage ist ganz okay zum Stöbern und hat einen Newsletter, der sich lohnt. Für den Herbst steht noch nicht so viel fest, konkrete Informationen gibt es meist 3-4 Monate vorher. Es verdichten sich nur gerade die Gerüchte, daß Benedict Cumberbatch Hamlet spielen könnte.

Other News:
Am 30.01.2014 überträgt National Theatre Live die Donmar-Inszenierung von Coriolanus in diverse Kinos und nix davon ist hier in der Nähe.


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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 03.02.2014, 12:24                                  +/-

Danke für die Antworten, Loth. Smilie Den Newsletter von Whatsonstage habe ich sogar schon abonniert. Nur im letzten Jahr meistens ungelesen gelöscht, da ich ja eh nicht in England war. Dem werde ich dann jetzt mal wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Die Gerüchte über Cumberbatch als Hamlet habe ich Dank DAF auch schon mitbekommen. Mal schauen, ob ich mich in die Schlacht um Karten stürzen werde, falls sich das bestätigen sollte. zwinkern


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Athene



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BeitragVerfasst am: 04.02.2014, 21:44                                  +/-

Erinti
Es ist am Ende zwar echt seltsam, wenn man im Kino sitzt und Leuten dabei zuguckt, wie sie klatschen und man selber gerne auf dem Sitz stehen würde, aber genial, daß die "Frankenstein"-Adaption des National Theatre im Kino gezeigt wurde.


Aufgrund irgendeines Jubiläums kam das letzte Woche bei uns im Kino Spitze
Jonny Lee Miller als Kreatur und Cumberbatch als Frankenstein. Insbesondere dank Ersterem saß ich trotz akuter Müdigkeit völlig gebannt in meinem Sitz.


Da ich es nicht ständig nach London schaffe grins begrüße ich diesen Trend sehr. Es fing an mit Opern-Übertragungen aus der Metropolitan Opera New York, dann kamen die Pariser Oper, die Royal Opera London und das Bolschoi aus Moskau, nicht nur Opern sondern auch Ballettübertragungen. Und seit diesem Jahr kommen jetzt auch Klassikkonzertübertragungen (Berliner Philharmoniker) dazu und Theater (London National Theatre). Sicher ist es nicht dasselbe und der Popcornduft kann einen aus der Stimmung reißen ugly, aber es ist definitiv das nächstbeste und ich bin sehr angetan.

Frankenstein war das erste Stück, es folgen tatsächliche Liveübertragungen (denke ich doch) von War Horse im Februar und King Lear im Mai. Smilie
Coriolanus gab es hier leider auch nicht.


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 23.04.2014, 10:57                                  +/-

Ich will ja auf jeden Fall noch was zu "Of Mice and Men" mit James Franco und Chris O'Dowd schreiben, komme aber aktuell nicht dazu.



Dieser Artikel der Chicago Tribune 'Of Mice and Men,' and of Chris O'Dowd's Lennie sagt das Wichtigste aber schon in der Überrschrift.

That stellar work, lead-produced by David Binder, extends to a name above the title: Chris O'Dowd, whose Lennie represents a genuinely lovely piece of acting, an embrace of the complexities of the kind of man we'd now diagnose with all kinds of labels and perhaps protect (or perhaps not), but whom they just used to call "slow." Or "not real smart." And then stick him out there to make a living, to find a friend on stony ground.


Yes Der war sooo genial.

Franco, a movie star who does not have much stage experience, certainly does not embarrass himself


hähö


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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 24.04.2014, 22:12                                  +/-

Oxford
Ich will ja auf jeden Fall noch was zu "Of Mice and Men" mit James Franco und Chris O'Dowd schreiben, komme aber aktuell nicht dazu.


Da erinnerst du mich an was…

- Matthew Bourne's Sleeping Beauty, Sadler's Wells: Ich war im Ballett und habe überlebt es war großartig!
- Book of Mormon: Da habe ich darauf gebaut, daß Jetti oder Quar etwas mehr schreiben
- The Weir, Donmar: Irische Geisterstories
- To Kill a Mockingbird, Regent's Park Open Air Theatre: Theater für den pk, vorher wurde passend zum Stück gegrillt. Südstaatenstyle.
- Henry V, Noel Coward Theatre: Jude Law in ganz großem Kino

Darf nicht länger drüber nachdenken, sonst fällt mir noch mehr ein.

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 02.05.2014, 07:02                                  +/-

Sehenswertes Theater im Fernsehen gibt es hier. (Wobei ich nicht beurteilen kann, ob es im Fernsehen genauso sehenswert ist wie im Theater.)

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