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Euseppus



Beiträge: 8847
Wörter pro Beitrag: 63
Wohnort: Winterkatingen
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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 09:33                                  +/-

Sunny
Das ist alles so wahr. Yes

*geschrieben zwischen dem ersten Wickeln das Tages und der Freude über weiche Kakka und dem zweiten Umziehen, weil sie mal wieder alles vollgespuckt hat*


Diese Zustimmung und die Art ihrer Verlautbarung freuen mich besonders. zwinkern

Gepostet am 21.01.2014, 09:33:

Athene
Das ist mir einfach zu viel Scheiße. Verlegen


rolling on the floor...

Spitze


_________________
"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)
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Helcaraxe



Beiträge: 15839
Wörter pro Beitrag: 42

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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 09:55                                  +/-

Man müsste verrückt sein, solche Leute zu besuchen. Zum Glück hat das niemand vor.


_________________
I'm tired of everyone and that includes myself
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Euseppus



Beiträge: 8847
Wörter pro Beitrag: 63
Wohnort: Winterkatingen
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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 10:00                                  +/-

Wir hängen die Kackwindeln immer in der Art ungarischer Paprika in großen Sträußen aneinander zum Austrocknen an der Haustür auf (aus dem gewonnenen Material basteln wir dann später kleine Spielzeug-Figuren). Unsere Wohnung ist also nicht zu verfehlen.
Wobei man die Windelsträuße nicht sieht.
Wegen der Fliegen.

Warum, wolltst vorbeischauen? Smilie


_________________
"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)

Zuletzt bearbeitet von Euseppus am 21.01.2014, 10:20, insgesamt einmal bearbeitet
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Oxford
Dr. Olympics


Beiträge: 49309
Wörter pro Beitrag: 34

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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 10:03                                  +/-

Euseppus
Ich habe grade die geilste Zeit ever, vielleicht kommt das nicht so rüber.


Ganz vielleicht eventuell hähö


_________________
Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Invisigod
Strongman


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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 10:09                                  +/-

Oxford
Okay, ich bin raus. Kinder? Vergiss es doch einfach! Schön, dass ihr welche habt. Celebreuse sogar zwei. Das muss reichen, um die Menschheit zu erhalten.


Ich schließe mich an...


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"Es ist einfach nur krank, was in den letzten fünfeinhalb Jahren in Dortmund passiert ist. Das hätte mir mal jemand erzählen sollen, als ich gekommen bin und wir Dreizehnter waren."
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Craggan



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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 10:56                                  +/-

irgendwann, so in 15 Jahren, werdet ihr sehr verklärt auf die Zeit zurückschauen, als die Kinder noch so klein waren. Die Scheiße wird in Eurer Erinnerung rosa aussehen und nach Rosen duften. Die Kinder allerdings werden auch in dieser fernen Zukunft immer noch die Wohnung vollkotzen, nur eben nicht mit Milchsäure


_________________
If you’re tired of arguing with strangers on the Internet, try talking with one of them in real life (B. Obama's Farewell address speech, 11.1.2017)
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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 16:19                                  +/-

Athene
Das ist mir einfach zu viel Scheiße. Verlegen


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Aelanum



Beiträge: 1898
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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 21:43                                  +/-

Helcaraxe
Man müsste verrückt sein, solche Leute zu besuchen. Zum Glück hat das niemand vor.

Yes

Euseppus
Wir hängen die Kackwindeln immer in der Art ungarischer Paprika in großen Sträußen aneinander zum Austrocknen an der Haustür auf (aus dem gewonnenen Material basteln wir dann später kleine Spielzeug-Figuren). Unsere Wohnung ist also nicht zu verfehlen.
Wobei man die Windelsträuße nicht sieht.
Wegen der Fliegen.

Warum, wolltst vorbeischauen? Smilie

Fahrendes Auto, Fenster geschlossen, eventuell kurzes Winken.

grins

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Euseppus



Beiträge: 8847
Wörter pro Beitrag: 63
Wohnort: Winterkatingen
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BeitragVerfasst am: 21.01.2014, 23:24                                  

Elternzeit – wie ist denn das so?

Die zwei ewigen Teilchen aus schwarzer Materie starren im Weltall mit blutunterlaufenen Augen vor sich hin.
„Du.“
„Yipp.“
„Du, schaumal, da is was.“
„Wuss?“
„Da. Da vorn. Da is was.“
„Was. Meinste das Blaue?“
„Mhm. Das Runde.“
„Das war vorhin schon da.“
„Nee, wars nicht.“
„Wars wohl.“
„Quatsch. Das ist eben erst hochgeploppt.“
„Nä. Das war schon immer da.“
„Sicher?“
„Sicher.“
„Sieht scheiße aus, nä?“
„Woll. Scheiße.“
-
-
„Ey.“
„S’n?“
„Die blaue Kugel da.“
„Was’n damit?“
„Da kriecht jetzt Zeug drauf rum.“
„Wie, „jetzt“?, „Zeug“? Was’n das überhaupt für ‚ne Kugel?“
„Wie, „was’n das für ‚ne Kugel“? Spinnst wohl? Vorhin haste noch gesagt, die wär schon immer da!“
„Hab ich?
„Aber hallo!“
„Ou – ou – ou...“
„Ja, „ou ou ou“...!“
-
-
-
„Also, seit da das Zeug drauf rumkriecht - “
„Fängst du schon wieder an.“
„Wie, „schon wieder“? Das’ doch wohl Ewigkeiten her, dass ich was von der Kugel gesagt habe und dass da Zeug drauf rumkriecht.“
„Quatsch, das war erst gestern.“
„Gestern? „Gestern“ war das mit dem kleinen grauen Pilz da auf der linken Seite dran.“
„Wo dran?“
„Na an der blauen Kugel.“
„Welche blaue Kugel?“
„Na, da vorn, die blau - - ey. Die is ja grau. Auf einmal is die grau.“
„Quatsch, die war schon immer grau.“
„War sie nich!“
„Woll. Seit ich hier hänge, hängt da vorne die kleine graue Kugel.“
„Quatsch. Ich erinner mich an Zeiten, da gabs hier noch keine blaue kleine Kugel.“
„Spinnst wohl.“
-
-
„Jetzt hat da vorn jemand das Licht ausgedreht.“
„Wo?“
„Da. Vorn. Man kann die Kugel nicht mehr sehen.“
„War da jemals Licht?“
„Woll. So’n kleines, helles, rundes - “
„Wozu soll’n das gut gewesen sein?“
„Für die kleine Kugel.“
„Kugel? Hier war nie ne Kugel.“
„Mann, sag das nicht. Ich mochte die. Echt. Ich hatte die richtig gern, diese süße kleine blaue Kugel.“
„Mann, spinnst doch, ey.“
„Sag mal, wie redst’n du mit mir?“
„Stell dich nich so an.“
„Na erlauben Sie mal. Ich häng hier so freundlich rum und dann pesen sie hier an und –„
„Alter. Wir hängen hier gemeinsam rum seit E-wig-kei-ten.“
„Pah. Darauf fall ich nich rein. Wenn sie mich jetzt entschuldigen, ich geh zum Ausgang.“
„Ha!, hahahaha!, hier gibt’s doch keinen Ausgang, hahaha. Das geht doch hier ewig so weiter!“
„Ach. Und was ist das da? Da hörts eindeutig auf. Und ich schau mal, was auf der anderen Seite ist. Sicher aber schon mal kein so ein aufdringlicher Nervsack wie Sie. Sie glauben wohl - - - - hallo? Alles in Ordnung? Huhu?“
„Ja, äh... Geht’s da schon immer raus? Und da auch? Und da? Und da?“
„Logo. Wir sitzen doch hier in einem winzig kleinen Karton. Weiß gar nicht mehr, wie ich hier reingekommen bin. Bin wohl eben aus Versehen hier rein. Wrong turn oder so.“
„Komisch.“
„Was ist für Sie schon wieder komisch, Sie Nervpratze?“
„Ich könnt schwören, eben war hier weit und breit noch alles offen und da vorn wär irgednso ne blaue Kugel und so’n süßes kleines Licht...“
„So. N’Licht. Also ich sag ihnen mal was zu ihrem Licht. Ich - - Hallo? Da war doch eben noch wer. Und ich hätte schwören können, da war eben auch noch was. Hm. Komisch. Und irgendwie zuckelts und zwackelts überall. Das war wohl schon immer so und mir isses bloß noch nie aufgefallen. Ich hock hier alleine in einem kleinen stecknadelgroßen Karton und es zwickt und zwackt überall. Komisch, dass mir das nie aufgefallen ist. Also ganz ehrlich: Dass mir das bisher nie aufgefallen ist! Dass das schon immer so war!! Also ehrlich: das is doch mal n’Ding! Dass das echt schon immer so war! Ich hätte schwö - - - - „ -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Der gemeine Elter lebt in einem permanenten Jetzt. Wenn Sie ihn fragen, seit wann sein Baby sich drehen kann oder seit wann das Baby überhaupt lächeln kann, wird er ihnen wertvolle Auskünfte geben wie „Ääääähhhhhh“ oder „Uuuuuuuuhhh“ oder „Also........“
Des Elters einzig funktionierendes Zeitmaß ist der Entwicklungsstand seines Babies. Da sich die Entwicklung des Babies aber höchst schleichend vollzieht und sich der Elter mit seinem ganzen Sein vollständig danach richtig und sein ganzes Lebensgefühl davon assimiliert wird, wird er ihnen immer nur sagen können, was jetzt gerade ist. Kann sein Baby lächeln und weint nicht mehr jeden Tag stundenlang und kann mit den Händchen die ersten Sachen greifen, lebt der Elter so, als wäre es nie anders gewesen und würde es immer weiter so sein. Er wird eine entfernte Erinnerung daran haben, dass das vielleicht einmal anders gewesen sein könnte. Eltergespräche, die das – in den seltensten Fällen – thematisieren, klingen dann so ähnlich wie dieses hier; zwei Eltern mit einem sechs Monate alten Baby:
„Weißt du noch, damals? Als das Baby den ganzen Tag geweint hat? Stundenlang? Und es noch überhaupt nichts sehen konnte?“
„Ja, richtig. Das war ja auch mal. Ich hab das schon wieder ganz vergessen. Das ist ja schon ewig her.“
„Ja richtig. Ewig muss das her sein. So ein paar Jahre oder so.“
„Ja sicher. Ein paar Jahre. Mindestens. Ich weiß das gar nicht mehr. Das war da, wo es noch nicht greifen konnte?“
„Mein Baby? Nicht greifen? Willst du mich verarschen? Mein Baby konnte schon immer greifen!“
„Ach!“
„Ja, „ach“!!“
„Echt?“
„Ja, echt.“
„Krass. Hab ich voll vergessen. Aber so wie’s jetzt ist, so isses schön.“
„Ja, schön ist das.“
Sie werden den Elter an seinem Arbeitsplatz ganz linear seine Arbeit erledigen und seine Projekte weiterentwickeln sehen. Sobald er aber heimischen Boden betritt, erfasst ihn das Zeitkontinuum seiner Babywelt. Er wird glauben, alles sei schon immer so gewesen und so lebt im Zustand ewiger glücklicher Amnesie. Sein Jetzt ist ihm das Gestern und das Morgen.
Könnte das alles auch ganz anders sein?
Ja. Aber dazu müsste die Entwicklung seines Babies anders vonstattengehen.
Wir werfen einen Blick in das alternative Tagebuch einer alternativen Babyentwicklung eines alternativen Universums:

„21.1.2014.
Es ist so schön mit unserer kleinen Hannah. Sie brabbelt immer so süß vor sich hin und macht schon erste Drehversuche. Das ist total niedlich. Von uns aus könnte sie immer so bleiben.

22.1.2014
Wahnsinn! Heute hat uns wieder Hannah geweckt – aber nicht wie sonst! Sie stand aufrecht vor unserem Bett und bot uns auf einem Tablett selbstbeschmierte Croissants an und Kaffee. „Lieber Vater, liebe Mutter: Seht doch nur, was ich nun kann! Was lag näher, als Euch mit köstlichem Mahl eine Freude zu machen?“ Da fiel von draußen ein heller Sonnenstrahl auf Hannahs goldenes Haar und das freundliche Baby tanzte inmitten der wirbelnden Staubflocken und sang mit glockenheller Stimme, und da kamen auch schon alle Nachbarn herbei und äugten neugierig zu uns ins Fenster. Ein ganz neues Leben bricht nun für uns an und wir danken Gott dafür dass bla bla bla.“




Eusen B. Urger (37):****
Aber ganz im Gegenteil. Schau einfach mal in einen x-beliebigen Babyratgeber in irgendeinem Buchgeschäft: Du blätterst von Monat zu Monat und wartest auf eine Hammerüberschrift a la „Was diesen Monat wieder los ist! Ihr Kind stellt Ihr Leben auf den Kopf! Was es jetzt alles lernt:
- Basketball
- Flamencotanzen
- Russische Vulgärsprache
- Pantomime“
Ja nix ist. Allein ab dem vierten Monat zieht sich das selbständige Drehen des Kindes vom Rücken auf den Bauch – bis hoch in den 7. bis teils 8. Monat. Das Drehen (!). Die Ratgeber überschlagen sich: Was Ihr Kind jetzt schon alles kann!!!!!! Und du denkst dir: Tooooooooooll. (Und vor allem die immer drängender werdende Frage: Wie konnte ein Wesen, das die ersten Monate und Jahre seines Lebens kognitiv volldebil und physisch wie Zed Der Zombie zubringt, diesen Planeten unterjochen? Haben einfach alle anderen Tiere dabei zugesehen und gesagt „Nö, lass mal, da passiert schon nix “ und dann einfach den Zeitpunkt verpasst, wo sie die lallende Brut noch gerade in Richtung Aussterben hätten schubsen können?)

Die ersten drei bis vier Monate waren eine horizontale Vollkatastrophe. Die Babies schrien quasi ständig, wir haben alle drei, teilweise zwei Stunden gefüttert – Nächte inklusive – und das Schlimme war: Dieser Ist-Zustand, das Jetzt, ist so allbestimmend, dass Du glaubst: Das bleibt jetzt so. Das ist jetzt Dein Leben. Chapeau. Allen, die uns vorher noch grinsenden Gesichtes gratulierten: „Genießt es, das ist die schönste Zeit im Leben! Die kommt nie wieder!“ hätten wir am allerliebsten noch nachträglich – ach, ist ja auch egal. Kommt aber aus der gleichen Ecke: Amnesie. Man vergisst, was vorher war. Man vergisst die Phase vorher, in der die Frau noch stillen musste und alle drei Stunden wieder zu Hause antanzen musste. Man vergisst die Phase, in der man mit den Babies noch nicht mal im Kinderwagen rauskonnte, weil einer von beiden ständig weinte.
Und warum vergisst man das alles?
Die Antwort ist so schlicht wie berückend:
Wegen der Wiederholungen.
Du wickelst am Tag ca. 6mal (zumindest bei unserer Aufteilung) ein Baby und fütterst mindestens genauso oft eines. Das Anrühren der Folgemilch, die Handgriffe beim Ausziehen, Windelwechseln, Anziehen des Babies – das alles machst Du seit Geburt der Babies.
Grob geschätzt habe ich seit selbiger im Juli letzten Jahres 1300 Mal Milch zugefüttert und mindestens ebenso oft Windeln gewechselt. Es gab keinen Tag ohne. Draußen also wechselt Sonnenschein mit Schnee und Christmas-Songs mit Dschungelcamp – Du aber windelst und rührst das Essen an. Wenn mich Celeb fragt: „Euse, wie war denn bei Dir heute vormittag die Fütterung?“ – dann stocke ich mitten im Ausholen zur Antwort. Weil ich es manchmal einfach nicht mehr weiß. War das die Fütterung von vorhin, die mir grade durch den Kopf geht? Oder doch die von gestern abend? Ich weiß es nicht mehr genau. Und woher kommt das Grün dort im Garten? Warum besteht mein Auto plötzlich nur noch aus altem, kaputtem, verstaubtem Blech? Wo sind all die Menschen hin? Und was ist das für ein riesiger roter Ball dort am Himmel? Deifl, ganz schön warm heute... Gleich mal die Kleidung der Kleinen wechseln...

Nachtrag:
Das ist der Ehrlichkeit geschuldet:
Vor drei Wochen war ich mit den beiden alleine zuhause und hatte Depp auf der Wickelkommode. Auf einmal hat er sich vom Rücken auf den Bauch gedreht. Einfach so. Dann nochmal auf dem Bett. Und auf dem Boden. Und auf der Couch... Da habe ich Celeb unter gelegentlichem Schniefen und Schlucken eine Glücks-SMS zugetextet. Unser Kleiner, dieser Wurm, der im Mutterleib herumschwappte, bei der Geburt zum allerersten Mal überhaupt Sauerstoff geatmet hat (das war erst vor sechs Monaten! 10 Monate vorher: Nur Flüssigkeit im Mutterbauch!) und erst seit drei Monaten überhaupt mit uns Blickkontakt aufnimmt - kann sich von ganz alleine drehen: Ist das nicht der ab-so-lu-te Wahnsinn?!?!?!?


**** Name von der Red. geändert: Es handelt sich um Wirklichkeit um Jörg Bärenreiter, Hermannstraße 42, 80333 München, Telefon 089/12834761, Handy 0171/294029847, joergbaer@gmx.de


Was ist der Unterschied zwischen einem Leben mit Zwillingen und dem mit nur einem Kind?

Der Einlings-Elter begreift sein Baby als „Das Baby“. Er muss davon ausgehen, den Prototyp bei sich zuhause im Bettchen liegen zu haben. „Aha, so ist also ein Baby.“
So wie dies Baby sich verhält, wie es singt, lallt und sich bewegt, so bewegt sich also ein Baby. Dabei fehlt dem Einlingselter der permanente Vergleich zu allen anderen Babies des Planeten. Hier ist ihm der Zwillings-Elter voraus. Da, wo der Einlings-Elter nicht weitersehen und –rezipieren kann, da bekommt der Zwillingselter für seinen heimischen Notizblock „Wie ist das Baby?“ doppelt Nahrung. Er ist ständig mit Gegensätzen, Ad-absurdum-Führungen und erstaunlich konträren Entwicklungen konfrontiert; das Baby wird ihm zu einem Fass ohne Boden; die Vielzahl der menschlichen Erscheinungen lacht ihm entgegen in der Gestalt von zwei winzigen Flieschbracken, die aus dem gleichen Leib in die Welt stiegen und nun ohne Zutun von außen ganz individuelle Entwicklungen vollziehen. Der Elter weiß nie, ist das eine Baby „normal“ innerhalb der Babyentwicklung und das andere abweichend oder sind beide abweichend vom Entwicklungskatalog.... Der Elter kommt schließlich zum Entschluss: Das eine Baby und das andere sind einfach so, wie sie gerade sind. Ist das eine Baby mehr nach dem Vater, das andere mehr nach der Mutter – hups!, diese Woche ist es wieder andersherum... Nicht nur, dass sich beide Babies, so wie Einlingsbabies auch, individuell entwickeln, sie entwickelnd sich auch noch verschiedentlich zueinander und verhindern jegliche Festlegung auf „Das Baby“.
Dazu hilft eine Gesamtschau bei einem Zwillingselter:

E. U. Senburger***** (37):
Das Folgende stellt eine Vergleichschronik dar zwischen unseren Zwillingen, nennen wir sie der Einfachheit halber „D.“ und „K.“.

Lächeln:
D: Herzlich, offen, begeistert, charmant
K: Öffnet für bis zu 15 Sekunden unbewegt und zu allen Seiten den gesamten Mund im sicheren Glauben, so müsste wohl „Lächeln“ aussehen

Wahrnehmen des Geschwisterchens
D: Weint, wenn er von der Schwester angefummelt wird; lächelt ihr ansonsten ab und zu arglos zu.
K: Hat ein reges Interesse am Brüderchen: Fasst sowohl unbewusst als auch erforschend neugierig an dessen Mund, Ohren und Augen herum, nicht ohne gekreischte Wehklagen des Bruders interessant zu finden

Schlafverhalten
D: Schläft extrem ungern ein, weint aber, wenn er dennoch müde ist und nicht einschlafen kann; sobald an der frischen Luft: Zack, weg. Komplett weg. Mumienhafter Dauerschlaf.
K: Kann man beim Einschlafen (egal wo) zuschauen: Binnen einer Minute klappen die Lider langsam nach unten. Wacht dafür früher wieder auf und erzählt dann leblosen Gegenständen bizarre Geschichten.

Essverhalten
D: Allesvertilger. Würde auch diesen Laptop essen, würde man ihn in nahrungsgerechten Häppchen auf einem Löffel servieren.
K: Isst, weil es das halt braucht zum Überleben. Erzählt dem Löffel, dem Brei im Mund, dem Milchfläschchen und dem Breiglas bizarre Geschichten.

Vorteil in der Entwicklung
D: Rein körperlich: Checkt kognitiv nicht die Bohne, kann sich aber drehen, wenden und alles in Windeseile greifen
K: Rein kognitiv-sprachlich: Erzählt Alltagsgegenständen bizarre Geschichten, kann sich aber nicht drehen und sieht beim Greifen aus wie Frankenstein, der sich langsam und in stockender Bewegung das pochende Herz in seinen Händen vor Augen führen will

Autarkie
D: Nicht vorhanden. Heult, sobald man den Raum verlässt. Absolutes Weichei.
K: Kann sich stundenlang damit beschäftigen, irgendwelchen Alltagsgegenständen, die sie sich in zombiesker Manier vors Auge geführt hat, bizarre Geschichten zu erzählen

Lautäußerungen der Beschwerde
D: Bitterliches Weinen ob des Unrechts, in das er ohne Verschulden hineingeboren wurde
K: Bis zum Rant sich steigerndes Schimpfen ob der unhaltbaren Zustände in der sie umgebenden Null-Sterne-Pension

Körperliche Kennzeichen
D: Süße Schnute, Riesenschädel mit braunem Haarschopf und zusammengefalteten Ohren, Michelinmännchen-Körperbau
K: Hinterlistige Tierchen-Augen, lächerlich kahler Schädel mit abstehenden Ohren, Spargelkörper

Lautverhalten
D: Gackern, Lachen, Juchzen, Seufzen, leise Brabbel- Oden an den lieben Schnulli
K: Rotzen, Schnaufen, Plappern mit bedeutsamer Miene, Bellen, Knurren

Spätere mögliche Filmrolle
D: Dramatischer Filmheld, stirbt am Schluss, weiß das aber vorher und reitet bis zur absoluten Langeweile aller weiteren Protagonisten pathetisch drauf rum
K: Kreuzung aus Charlie Chaplin, Buster Keaton und Jim Carrey, die mit debilem Lächeln den Widrigkeiten des Alltags entgegentritt und sich am Mindfuck-Ende als infernalisches Mastermind herausstellt, das an all dem Elend schuld ist

Geruchsverhalten
D: Stinkt aus den Füßen
K: Riecht aus den vollgesabberten Halsfalten

Verhalten gegenüber Fremden (= nicht Mutter, nicht Vater)
D: Charmiert, verteilt erfolgreich gelächelte Heiratsanträge
K: Ist „Die hysterische Frau hinter der Eingangstür“, die jedem harmlosen Pizzaboten erstmal unter lautem Gezeter mit der Edelstahlpfanne eins überbrät

Dem Baby zugeschriebener Charakter
D: Charmantes, übersensibles Sunnyboybaby
K: Irres, wahnsinniges Clownsbaby


***** Name von der Red. geändert; es handelt sich in Wirklichkeit um Markus Beinbichler, Arbonweg 10, 81445 München, Telefon 089/98746280, Handy 0176/47247120, beinbichlerboy@arcor.com


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"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)

Zuletzt bearbeitet von Euseppus am 22.01.2014, 09:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Aelanum



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BeitragVerfasst am: 22.01.2014, 08:06                                  +/-

rolling on the floor...
Immer wieder göttlich, möge das Elternjahr in einer Zeitschleife enden und uns noch viele solche Geschichten bescheren. Smilie


(Aber, Euse, kannst du statt rot eine andere Farbe nehmen? Des beißt narrisch in den Augen Gewalt ist keine Lösung )

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 22.01.2014, 09:17                                  +/-

Done. Smilie


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"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)
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Aelanum



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BeitragVerfasst am: 22.01.2014, 13:04                                  +/-

Dank dir, du Guter Smilie

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 15:57                                  

Ist es eigentlich etwas Besonderes, mit einem Zwillingskinderwagen unterwegs zu sein?

Eindeutig: Ja. Denn tatsächlich ermöglicht einem das Schieben eines Zwillingskinderwagens, die gesamte Menschheit innerhalb einer völlig neuen Kategorie einzuteilen und zu bewerten:
In der Kategorie der „Wagenwatcher“. Und täuschen Sie sich nicht: Auch Sie gehören dazu. Jeder gehört dazu, denn jeder hat schon einmal einen Zwillingskinderwagen im Zustand des Schiebens betrachtet und hat darauf auf eine Weise reagiert – wie er oder eben nur Sie reagieren würden.
Wichtig: Im Gegensatz zu so manchem Wagenwatcher ist der Zwillingskinderwagen samt Inhalt für dessen Besitzer das Alltäglichste, Gewöhnlichste und Normalste von der Welt; um Sie für diese Sichtweise zu sensibilisieren und empfänglich werden zu lassen, sprechen wir im folgenden Test nicht von den „Zwillingen im Zwillingskinderwagen“, sondern vom Normalsten, was ein Mensch im Alltag so mit sich führen kann, sagen wir – vom „Gesicht“.
Lesen Sie die verschiedenen Typen aufmerksam durch und entscheiden Sie selbst, zu welchem Sie sich selbst am ehesten zählen würden.

Welcher Typ Wagenwatcher bin ich?

A) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt Ihnen entgegen. Sie stellen sich ihm in den Weg und rufen überrascht: „Mein Gott – ist das etwa ein Gesicht?“ Der Führer des Gesichts offenbart ihnen die ganze unglaubliche Wahrheit: „Ja – das ist ein Gesicht.“ Sie sind überwältigt.

B) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt ihnen entgegen; Sie machen kehrt und gehen neben ihm im Gleichschritt her, wobei Sie ständig in sein Gesicht starren; wenn der Mensch irritiert zu Ihnen auf die Seite schaut, tun Sie blitzschnell wahlweise so, als würden Sie popeln, nach Ihrem i-Phone suchen oder am Himmel die neuesten Börsenwerte entdecken; wenn der Mensch mit dem Gesicht stehen bleibt, bleiben Sie auch stehen und tun so, als würden Sie die Färbung eines nicht vorhandenen überfahrenen Igels auf dem Boden studieren. Als Sie durch Zufall den Blick vom Gesicht nehmen, bemerken Sie, dass Sie in einem Ihnen vollkommen fremden Stadtteil gelandet sind und lassen sich unter viel Geheul und Gezeter von einer Polizeistreife nach Hause bringen.

C) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt Ihnen entgegen. Sie stellen sich ihm in den Weg und krähen lauthals: „Mein Gott – ein Gesicht! Also – mein Neffe hat ja auch eins!“ Der Führer des Gesichts entgegnet mit für Sie unnachvollziehbar stoischer Miene: „Is nich wahr“, woraufhin Sie vor ihm alle Details des Gesichts ihres Neffen ausbreiten, diese unglaubliche Sache mit den zwei Augen, dieses haarsträubende Faszinosum der Nase in der Mitte und das Wunder dieses sogenannten Mundes, den man öffnen kann, und dann ist da diese Zunge drin, mein Gott. „Ach“, entgegnet der Mensch mit dem Gesicht, und während er ungeduldig auf die Uhr schaut und Sie weiter erzählen und erzählen und erzählen, löst sich sein Fleisch von den Knochen, bis nur noch ein Skelett vor Ihnen steht. „Schön, dass wir miteinander geredet haben!“, beenden Sie Ihre Ausführungen. „Ja, schön“, sagt das Skelett, und während Sie frohgemut und auch ein bisschen stolz Ihres Weges schreiten, verweht hinter ihnen das Skelett im Winde.

D) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt Ihnen entgegen. Sie stellen sich ihm in den Weg und rufen: „Mein Gott – ein Gesicht!“ Noch ehe sich der Führer des Gesichts auf eine Entgegnung besinnen kann, haben Sie schon geschrien: „Darf ichs mal anschauen!“ und sind mitten im Untersuchen des Inneren der Nasenlöcher, des Roten in der Pupille und der Gesundheit des Zahnfleischs, wobei Sie ständig wie auf Speed „Entzückend!“, „Mein Gott!“ und „Oooooohhh!!!“ ausstoßen. „Empfldgen Fff bdde, imuff wter“, brabbelt der so eingehend Untersuchte, was Sie aber nicht verstehen und nun an die Inspizierung seiner Innenohrschnecke gehen: „Süüüüüüüß!!“


E) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt Ihnen entgegen; als Sie mit ihm auf gleicher Höhe sind, zeigen Sie mit dem Finger direkt auf ihn und schreien lauthals Ihrer Begleitung zu: „KUCKMA!!!, N’GESICHT!!!!“

F) Sie sind einer der Typen A) bis E) – sind aber ein Mann.

G) Ein Mensch mit einem Gesicht kommt ihnen entgegen, daraufhin sodann ein Mensch mit einem Elefantenkopf und zuletzt noch ein Mensch mit einer US-Gefechtsstation auf dem Hals – was Ihnen aber alles in keinster Weise auffällt, weil sie mit ihrem eigenen Kram beschäftigt sind und was andere Leute auf ihrem Hals spazierentragen, das hat Sie noch nie interessiert.

Erfahrungsbericht:
O. Is Enburg (37):
Der Zwillingskinderwagen hat auf die Welt um ihn herum die Wirkung wie das Zauberreich Oz auf Dorothy: Auf einmal wird alles bunt, alle fangen zu lächeln an und putzige Musicalszenen ereignen sich in mannigfaltigen Choreografien in vollkommen alltäglichen Szenerien. Ich habe wirklich von der viel verrufenen deutschen Kinderfeindlichkeit bisher nichts gespürt; in der U-Bahn, deren Zwischenabteil ich regelmäßig verstopfe, wird mir immer die Tür aufgehalten, Leute lassen mich vor sich im Lift einsteigen, mir vollkommen unbekannte Menschen fragen mich lächelnd, ob sie mir helfen können (mir – einem Mann!), und die grimmigen Damen an der Kasse fangen an, Geld unter die steptanzende Einkaufsmenge zu werfen, während die sonst so verkniffenen Rollatoren-Omas mit ihren Gebissen Latin-Rhythmen klackern und im Chor „Over the rainbow“ singen.
Die Welt liebt Dich, wenn Du einen Zwillingskinderwagen schiebst. Das kann man natürlich ausnutzen und den Zwillingskinderwagen zur Verhandlung mit dem Chef wegen der nächsten Gehaltstufe mitnehmen oder aufs Amt wegen der schwierigen verwalterischen Formalie, die noch bearbeitet werden muss; in beiden Fällen:
Tür auf, und schon beginnt irgendwo aus dem Off Judy Garland „Over the Rainbow“ zu trällern, während die Herrschaften hinter dem Schreibtisch Dir im Takte der Musik lächelnd den Stuhl zurechtrücken. Doch!: Mit großer Macht kommt große Verantwortung; man muss dann schon streng mit sich sein und sich fragen, ob man dieses todsichere Mittel der Manipulation wirklich auffahren will – zumal wenn man weiß, dass zuhause die Mutter gerade in ihrem vollgemilchten Bett zeternd herumsitzt, weil Du ihr für Deine Zwecke grade die Zwillinge unter dem Busen weggeschnappt hast.
Und: Man muss sich auch der oben aufgezählten Arten der Aufmerksamkeit A) bis F) bewusst sein, die einem zuteilwerden, sobald man mit Zwillingskinderwagen die Straßen betritt. Ich selber war ja immer Typ G): Ob Kinderwagen oder nicht, und dann auch noch welcher – mir ist das nicht mal aufgefallen. Und es gibt immer noch genügend Menschen, denen das genauso geht, z. B. junge Leute, die mitten im Genuss ihres Studentenlebens sind und für die „Familienplanung“ noch ein weit weit entferntes Fremdwort ist.
Die oben aufgezählten Typen gibt es wirklich, und wenn man ein nur wenig auf Smalltalk abonnierter Typ ist wie ich – hier lernt man es. Und ich muss sagen, es macht sogar Spaß. Denn natürlich verlaufen diese Begegnungen weitaus weniger unangenehm als wie oben überspitzt formuliert. Das „versteckte“ Starren auf den Inhalt des Zwillingswagens, das lautstarke Jodeln zur Freundin (und dabei direkt in Dein eigenes Ohr) „GUCKMA!!!, ZWILLINGÄÄ!!!“ und die Gespräche, die man ab jetzt mit vollkommen Fremden führt – ich finde das inzwischen sehr angenehm. Darunter der türkische Bauarbeiter im Supermarkt, der begeistert in den Wagen lugt und mir dann in gebrochenem Deutsch erklärt, er selber sei ja Zwilling, und da kommt auch schon sein Bruder, ein zweieiiger, sieht man gleich, oder die ältere, gut betucht aussehende Dame, die mir nach einem kurzen Plausch erklärt, dass sie ja zur Zeit in München nichts schöner fände als all diese sympathischen jungen Väter hinter ihren Kinderwägen. Der Satz, den ich mir seit meiner ersten größeren Ausfahrt mit dem Wagen bereitgehalten habe für die Fälle, wo mich jemand wegen des platzversperrenden Gefährts anraunzt, also der hier: „Aber ja, entschuldigen Sie bitte, ich habe meiner Frau bei dem entsprechenden Geschlechtsverkehr damals ja gleich gesagt, dass wir das besser lassen sollten – und nun stehe ich da und versperre Ihnen den Weg – das tut mir so leid!, ich habs ja gleich gesagt, ich habs ja gleich gesagt...“, den habe ich noch kein einziges Mal gebraucht. Nur Friede und Freude um einen herum in der schützenden magischen Aura des Zwillingswagens.
Und Celeb und ich hatten jeder irgendwann den Tag, wo wir mit dem Wagen nach Hause kamen: „Mein erster Mann heute!“ (Bei Celeb Bauarbeiter, bei mir Trachtenkluft, beide je sehr freundlich.)
Gut, einige übertreiben es manchmal ein bisschen:
Ältere Dame, Eingang Waldfriedhof:
„Ui – sind das Zwillinge?“ (Absoluter Klassiker: Zwillingskinderwagen, offene Verdecke, zwei weithin gut sichtbare Babies drin.)
„Ija.“
„Hach. Also, mein Neffe, der hat ja nur eines. Furchtbar, sag ich Ihnen. Immer wenn der kommt, geh ich, ich vertrag das gar nicht. Muss ja sehr anstrengend sein, oder?“
„Och –„
„Und diese Lautstärke. Das ist doch echt schlimm.“
„Also – „
„Und Sie haben ja gleich zwei davon!“
„Ja schon. Aber wir haben jetzt schon oft gehört, dass gerade Zwillinge oft gar nicht so anstrengend sind, weil die sich, wenn sie älter sind, sehr oft gegenseitig beschäft –„
„Also, ein Freund von mir, der hat ja auch zwei, schon ein bisschen älter – aber die streiten sich – den – gan – zen – Tag! Wirklich: Den – gan – zen – Tag. Furchtbar. Nicht zum Aushalten. Der wünscht sich manchmal, der hätte die nie gekriegt.“
„Ahhh, ja –„
„Na, aber ihnen alles Gute gell?! Schönen Tahag! Tschühüss!“
„ - - - - „

Die schönste Kommunikation, die ich bisher hatte, war aber tatsächlich IM Waldfriedhof:
Ein riesiges Areal von der Größe eines Stadtteils; da an einem Arbeitstags-Vormittag eine lebende Seele zu treffen, ist schon Glückssache, und an diesem Tag war ich noch besonders tief in den Wald hineingefahren. Wer kommt mir nach einer Stunde Einsamkeit entgegen? Ein gleichaltriger Papa mit Zwillingskinderwagen. Wir fahren aufeinander zu, und als wir uns im Fahren gegenüber sind, da verziehen sich unsere Lippen zu einem kaum sichtbaren, feinen, verschwörerischen Lächeln. Ohne anzuhalten fährt jeder weiter seines Weges in das ruhige Dunkel des Waldes. Kein Wort war gefallen.
Am Nachmittag des gleichen Tages anbei, da drängte es mich, mit dem überbreiten Zwillingskinderwagen in das Erdgeschoss vom mit Kundschaft prall gefüllten Hugendubel zu stechen. Irgendwann laviere ich durch die Enge der Regale und merke, dass hinter mir her gezwungenermaßen langsam eine Angestellte im mühevollen Stop and Go einherschreitet auf ihrem Weg zum Kunden, der schon ungeduldig am anderen Ende auf sie wartet. Als ich endlich abbiege, drehe ich mich um, schon eine Entschuldigung auf den Lippen – sie lächelt mich sympathisch an: „Erstaunlich, wie geschickt Sie das machen mit dem Wagen.“
Es gibt für Kinder schlechtere Länder als Deutschland.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 16:09                                  +/-

Ich bin Typ G. Wobei ich durchaus mal hingucke, aber da ich mir denken kann, dass solche Gesichtsbesitzer ständig genervt werden, würde ich die nie ansprechen und ihnen auch noch auf den Sack gehen. (Mal ganz abgesehen davon, dass mich Kinder nicht sonderlich interessieren.)


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 16:35                                  +/-

Mir tun die immer nur Leid, also die Zwillingswagenschieber.


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You met me at a very strange time in my life.
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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 16:49                                  +/-

Zwillingskinderwagen:



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I dont know, what you are talking about.
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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 16:56                                  +/-

Du brauchst auch diesen LKW Piepton, der angeht, wenn du rückwärts fährst.


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 17:18                                  +/-

Ich will jetzt auch Zwillinge haben. Woher bekommt man die?


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Tyler Durden
Administrator


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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 17:35                                  +/-

Ich glaube man braucht erst eine Frau.


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The Internet has both a long memory and the attention of a goldfish.
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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 18:01                                  +/-

Das macht die Sache natürlich komplizierter.


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Craggan



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BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 19:34                                  +/-

rolling on the floor...

beste Threadseite seit Jahrenden! Danke, Euse, Tyler und Bard


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If you’re tired of arguing with strangers on the Internet, try talking with one of them in real life (B. Obama's Farewell address speech, 11.1.2017)
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little lurker



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BeitragVerfasst am: 28.02.2014, 15:23                                  +/-

Ich habe ja "nur" einen Einling, aber allgemein positive Reaktionen auf Kinder kann ich bestätigen. Wobei ich den Eindruck habe, dass Papas besonders "bewundert" werden. Vor allem wenn man mit Einkauf und Kind in der Trage unterwegs ist und der Gegenüber eine ältere Dame ist.

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