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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 24.01.2014, 12:57                                  



Ich habe jetzt schon länger den Nobelpreisen nicht mehr hinterhergelesen; Herta Müller war die letzte, und mit der konnte ich aber auch so gar nichts anfangen, Vargas Llosa dachte ich "Ach ja, den kennt man ja schon" (also ich nicht, aber "man", grins , da war mir dann zu wenig Entdeckerfreude mit dabei), Tranströmer ging irgendwie komplett an mir vorüber (eben bei der Wiki-Liste nachgeschaut und mich gefragt "Weeer?") und Mo Yan hätte mich interessiert, aber ich hab zu der Zeit zuviel per Netz etc. über die politische Dimension seines Werkes und die Diskussion darüber gelesen, da war der dann irgendwie verbrannt für mich.
Jetzt also die erste kanadische Preisträgerin überhaupt. Alice Munro ist inzwischen 83 Jahre alt und publiziert weiter vor sich hin. Sie schreibt (fast, gibt nur einen Roman) ausschließlich Short Stories. Die sind im Schnitt zwischen 60 und 100 Seiten lang, wer also mit Kurzgeschichten sonst eher weniger warm wird: Hier hat man wirklich Raum und Platz, um zu verweilen. Zudem kommen mir die Stories alles andere als short vor: In ihnen ereignet sich vom Inneren der Protagonisten her so viel an Reichtum; dabei ist Munro alles andere als "gefühlig": Sie hält sich in der Figur auf und benennt tatsächlich auf sehr sachliche Weise alles an Gefühl, macht also keine große Kiste auf, analysiert auch nicht, sondern kommt immer direkt zum Punkt. Ich glaube, das gehört zu dem, was mich mit am meisten fasziniert; das ist psychologisch ungeheuer gewandt, zugleich schlicht, zugleich kann nur ein Mensch mit immenser Erfahrung so etwas überhaupt erst schreiben und wissen - und zugleich findet sich gerade darin überraschenderweise ein großer Teil der Poesie. Munro hatte bisher ein bewegtes Leben, zwei Ehemänner, mehrfach umgezogen, vier Kinder, das zweite im Kindesalter verstorben.
In Kanada ist die Frau mit ihren Publikationen bereits seit den 70er lebende Legende.
Ihre Hauptfiguren sind ausschließlich weiblich. Dennoch ist es keine "Frauenliteratur" oder ähnliches, die Themen sind allgemein und betreffen jeden: Selbstbetrügereien, kleine und größere, Lebenslügen, Hoffnungen, irreale und reale, Suchen und manchmal Finden, Ausbruch als Versuch und als Lösung...
Die Protagonistin ist einem nach wenigen Zeilen ein Zuhause, durch Munros Zugang zum (Allzu-)Menschlichen ist sie einem sofort bekannt und nah und bleibt einem doch irgendwo rätselhaft, denn die Figuren sind so inkohärent in ihrem Handeln wie ein real existenter Mensch.
Kanada spielt eine Rolle, die Landschaft, die Städte, aber mehr als eine Kulisse, die bewusst für Seelenlandschaften gewählt wird; und auch das hohe Alter der Autorin:
Viele Geschichten gewinnen den Reiz einer ungeheuren wie zugleich leisen (weil nie bewusst ausgespielten) Melancholie daraus, dass Munro Geschichten entweder in früheren Jahrzehnten spielen lässt oder sie dort beginnen und im Heute enden lässt, auch zwischen den Zeiten springt oder vom Jetzt ins Damals zurückblickt - und dies bekommt eine fast schon spürbare Wahrhaftigkeit dadurch, dass Munro diese Zeiten selbst erlebt hat, selbst zurückblickt; sie braucht nur wenge Federstriche, um diese Welt der Vergangenheit zu frischem Jetzt werden zu lassen.
Die Geschichten sind unaufgeregt, das Unumkehrbare findet im Kleinen statt.

Ich finde die Geschichten auf eine atmosphärische Weise magisch, die Wirkung, die diese geradlinige und zugleich empathische Sprache entfaltet, ist von ganz eigener Qualität, und das Wichtigste: Es liest sich weg wie Sau. Yes

Munro wurde nicht zum ersten Mal für den Nobelpreis gehandelt. Was mich so freut (nach einer Müller, nach einer Jelinek), ist die Tatsache, dass hier wohl jemand einfach für ein ganz besonderes Können im Erzählen geadelt worden ist. Ich wüsste auch gar nicht, wem ich "Tricks" besonders empfehlen sollte. Munro ist irgendwie so - so "Lesen", dass es eigentlich jeden befriedigen müsste, in diese Short Stories einzusteigen. Smilie


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 24.01.2014, 13:59                                  



wikipedia
In May 2006, the New York Times Book Review published a list of American novels, compiled from the responses to "a short letter [from the review] to a couple of hundred prominent writers, critics, editors and other literary sages, asking them to identify 'the single best work of American fiction published in the last 25 years.'" Among the twenty-two books to have received multiple votes was Helprin's Winter's Tale.


Kannte das zuvor hier jemand? Ich nicht. Ich kam drauf, weil ein Trailer auf eine Verfilmung verwies und ich wissen wollte, was denn da so genau verfilmt worden ist.
Es ist schwer, Helprins epischen 600-Seiten-Brocken irgendwo zielgerichtet einzuordnen. Am nächsten kommt man der Sache sicher mit dem Begriff "Magischer Realismus", wobei der eigentlich anders belegt ist.
Worum geht's?
Um 1900 hat es sich der Dieb Peter Lake mit einem der gefährlichsten Gangsterbosse New Yorks versaut und ist auf der Flucht vor dessen Bande. Gerettet wird er dabei von einem weißen Hengst. Der hat zwar keine Flügel - springt aber so weit, als würde er fliegen. Oder - fliegt er wirklich? Ein fliegendes weißes Pferd? Seriously?
Ganz genau. Ein fliegendes weißes Pferd. Natürlich fallen einem dazu schonmal 1000 Referenzen ein. Es ist nun nicht so, dass für die Figuren im Roman ein fliegendes weißes Pferd so total normal wäre - aber der Hammer ist es nun auch wieder nicht...
Beim Stehlen in einem scheinbar leeren Anwesen wird Peter von der Tochter des Hauses überrascht, Beverly. Das Mädchen ist schwindsüchtig, ihre Lebensdauer kennt klare Grenzen. Aber Peter verliebt sich, beide heiraten, Beverly stirbt. Der scheinbar magische Schutz, den sie ihm in der gemeinsamen Zeit verlieh, ist weg, wieder ist Peter auf der Flucht auf dem weißen Hengst, diesmal steigt das Pferd so hoch in den Himmel wie nie zuvor, aber Peter fällt von seinem Rücken und fällt und fällt.

Schnitt.

Jetzt ist von Peter hunderte Seiten erst einmal keine Rede mehr. Als aus seiner Zeit Gefallener trifft man ihn viel später wieder, als einer, der keine Erinnerung mehr hat, wer er ist, wie er hierher kam, ins New York kurz vor der Jahrtausendwende. Da er sich erstaunlich gut mit sehr alten Druckmaschinen auskennt, wird er als Techniker angestellt in der "Sun", einer der zwei großen Tageszeitungen NYCs dieser Tage. Die Sun wird geleitet vom inzwischen schon greisen Harry Penn - dem Bruder der früh verstorbenen Beverly Penn. Im Laufe der Jahre zuvor hat sich aus ganz verschiedenen Ecken des Landes eine Ansammlung eigenartiger Individualisten in der Chefredaktion der Sun zusammengefunden, Menschen mit schier unglaublichen Vorgeschichten, und man weiß, dass dies alles auf etwas hinauslaufen wird, auf etwas Großes, das die Welt für immer verändern wird. Und nicht zufällig - aber doch sehr unerklärlich - tauchen genau jetzt Menschen auf in dieser Zeit, die eigentlich ihren Platz in Peter Lakes erstem Lebensabschnitt gefunden hatten. Unsterblichkeit? Magie?

Vieles wird im Wintermärchen nicht erklärt, vieles kann man sich erschließen, Hinweise werden gegeben, Andeutungen werden gemacht. Das Wintermärchen spielt in allen wichtigen Handlungsabschnitten, die beleuchtet werden, im Winter. Vor allem aber spielt es in New York.
Es heißt ja so oft, meist bei Filmen: "Der eigentliche Hauptdarsteller ist die Stadt, in der...", um die Wichtigkeit dieser Bühne zu betonen.
Hier wäre dieser Satz eine Untertreibung. Die Hauptfigur ist New York. Aber es ist ein mythisches New York, es ist zu keiner Zeit exakt unser New York; wer sich an etwas festhalten muss, muss sich vielleicht mit einem parallelen New York behelfen o.ä.; Helprin hält die Stadt in einer Schwebe, die zulässt, dass das New York um 2000 (er hat den Roman in den 80er geschrieben) irgendwie doch noch das New York von 1900 ist - und zugleich doch nicht. Wie er die Stadt als lebenden Mechanismus aus seinen Menschen, der Armut, der Ungerechtigkeit, Grausamkeit, Schönheit, Menschlichkeit und Unvollkommenheit macht, ohne je die Stadt wirklich zu beschreiben, wie er einen Platz nehmen lässt in einem Ort, der überall und nirgends ist und zugleich wirklich New York, das hat mich umgeschmissen.
Und wie eben schon geschrieben: Alles findet hier gleichzeitg Platz:
Helprin kann Passagen schreiben von mitleidsloser, extremer Grausamkeit, die unverbunden stehen neben lakonisch-humorvollen Erzählungen. Erzählungen deswegen, weil jede Geschichte, die ein Teil der großen ganzen Geschichte ist, wieder aus kleineren Geschichten besteht, ohne, dass das Ganze zerfällt.
Sein Erzählton ist der eines trockenen, spitzfedrigen, augenzwinkernden, aber es jederzeit ernst meinenden Humanisten, für den die Welt am Schluss erst untergehen und dann neu geboren werden muss, damit sie sich ihrer Sendung stellen kann. Dafür kann ein jahrtausende alter Konstrukteur eine Brücke aus Licht in den Himmel bauen und können Tote wieder auferweckt werden und auch Peter Lakes Schicksal erfüllt sich.

Es gibt Passagen, die sind einfach nur komödiantisch, Figuren und Handlungen, die lustvoll überspitzt sind bis zur absoluten Farce, Stellen, an denen ich mehrfach laut lachen musste.
Winter's Tale ist eine literarische Frechheit, eine Zumutung, ein riesiger Brocken an Erzählmacht, der Dich erschlägt und einsaugt und der keine Grenzen kennt.
New York, das ist die Welt, in ihr findet das Häßliche so Platz wie das Morbide, das Phantastische, das Zarte, das Göttliche, das Komische und das Unbegreifliche.
"Es ist kein Fantasyroman" ist genauso falsch wie "Es ist ein Fantasyroman,", am ehesten trifft das Buch wohl so ein Umschlagtext-Verschnitt wie "Es ist eine Naturgewalt", und mir fällt kein Roman ein, den ich damit vergleichen könnte.
Ich hab gekeucht und gesabbert, als ich die letzte Seite zugeschlagen habe. Letztlich ist das ein Buch, über das man nur adäquat sprechen kann, wenn man es selber gelesen hat, hier irgendwie etwas darüber vermittelnd in Worte zu fassen, ist doch ein ziemlich vergeblicher Versuch - genauso wie der Versuch einer Verfilmung, die ungefähr 90 % der Buchinhalte weglässt. Wahrscheinlich geht es aber auch nicht anders. Wenn ein Buch aus den letzten 30 Jahren das Etikett "unverfilmbar" sich mit voller Verve erarbeitet hat, dann Mark Helprins "Winter's Tale".

Meine Fresse.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 24.01.2014, 16:32                                  +/-

Alter Schwede. Du bist ja derzeit ganz schön umtriebig. Euse in allen kulturellen Gassen!


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 24.01.2014, 16:45                                  +/-

Ich bin krank den zweiten Tag. Traurig


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 25.01.2014, 10:59                                  

Wie Euse einen Beitrag schreibt:



Und so schreibt Celebrian einen:



Das Buch klingt interessant. Das kommt auf meine "Lesen!"-Liste.


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 25.01.2014, 11:02                                  +/-

hähö


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Aelanum



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BeitragVerfasst am: 25.01.2014, 11:49                                  +/-

@Euse:
Die obige Bestellung von kreativer StrafExtrawürze fürs Essen morgen gilt nur für Helca. Ich hätt meine Portion gern im Originalzustand. grins


(Und meassn für den Lesetipp!)

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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 25.01.2014, 15:18                                  +/-

Helcaraxe






Fran!!! Muß die Serie mal wieder am Stück gucken. Bücher? Och... nö.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 25.01.2014, 20:08                                  +/-

Welche Serie? Und du magst die Nobel-Bücher nicht?


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 26.01.2014, 05:10                                  +/-

Black Books. Zu Nobelbüchern hab ich keine Meinung.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 26.01.2014, 11:05                                  +/-

Weiß auch nicht genau, was sie mit "Bücher? Och... nö." gemeint hat. Die Munro hat sie sich jedenfalls schon geschnappt.


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Mond



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BeitragVerfasst am: 26.01.2014, 14:26                                  +/-

Arianrhod
Das Literaturcafé ist von allen Unterforen das am wenigsten benutzte. Woran liegt das? Sind hier mehr Cineasten als Literaturliebhaber unterwegs?


Ach ich lese schon viel. Aber die Bücher, die ich lese, darüber lohnt es sich wohl nicht zu reden hier. Momentan habe ich nicht viel Lust auf Belletristik. Ich lese also nicht nur zur meiner puren Unterhaltung, sondern um meinen Horizont zu erweitern. Das sind dann mehr philosophische, spirituelle Bücher oder aus der Wissenschaft.

Wobei ich mir als Gute-Nacht-Literatur nun doch etwas leichtere Kost holen mag. Da denke ich gerade an "Sieben Jahre in Tibet" von Heinrich Harrer und "Meine Name sei Gantenbein" von Max Frisch.

Diese dicken Fantasy-Wälzer mit großen Lettern sprechen mich überhaupt nicht an. Die wirken auf mich wie die Bild-Zeitung der Bücherwelt. Dagegen ist gegen einen Scheibenwelt-Roman nix einzuwenden. Yes


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 26.01.2014, 23:24                                  +/-

@Celebrian, wir genießen "Fran" ja gerade wieder in Episodes. Eine echt tolle Serie. Die wäre sicher auch was für die Kneipe.


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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 12:05                                  +/-

Habe jetzt das Buch "Der Amerikanische Bürgerkrieg" von John Keegan gelesen, auf deutsch, aus der Bücherei. Hätte vielleicht vorher mir mal die amazon-Kritiken anschauen sollen... die Übersetzung scheint auf ganzer Linie gescheitert zu sein. Mir fiel das selber rasch auf, dass es holpert und stolpert , es ist einfach kein gutes Deutsch. Dann werden Namen und Schauplätze und Himmelsrichtungen verwechselt, und das in einem Bürgerkrieg, wo die Namen sowieso schon alle englisch sind und man die Generäle nicht automatisch einer Seite zuordnen kann. Das Problem scheint der Übersetzer auch gehabt zu haben, und es war ihm anscheinend egal. Die Namen von Schlachten werden durcheinander geworfen und an zwei Stellen hat ein Vorgänger im Lese-Exemplar der Bücherei falsche Zuordnungen bereits angestrichen.

Richtig krass wird es dann, wenn einmal Indianer als solche bezeichnet werden, der "French-Indian War" aber als "Französisch-Indischer Krieg" und die Verbündeten der Franzosen beharrlich als "Inder". Der Übersetzer hatte auch einfach gar keine Ahnung von amerikanischer Geschichte, optimale Voraussetzungen Mit den Augen rollen Ich hätte das besser gemacht, jeder von uns hier. Und die Ausgabe ist von 2010, was ist los mit den deutschen Verlagen? Ist gar kein Geld mehr da für eine Fachkraft? Wann kommt die Google-Übersetzung?

Das Buch ist aber auch als solches nicht empfehlenswert, es scheint mir mehr die nachträgliche Zusammenfassung verschiedener Abhandlungen Keegans zum Thema zu sein, als weniger ein geschlossenes Werk. Er wiederholt sich oft, die Charakterbeschreibung der wichtigsten Generäle z.B. kommt zuerst, wenn der General eingeführt wird, dann nochmal wortgetreu im Kapitel "Die Generäle". Es wirkt, als wären verschieden lange Fassungen des Buches zusammengefasst, aber nicht lektoriert und um Redundanzen bereinigt worden.

Hätte ich mal ein klein wenig recherchiert, hätte ich auch gewusst, dass DAS Standardwerk zum Thema von James McPherson ist, "Battle cry of Freedom". Das hat sogar schon mal Morgi hier besprochen! Naja, das bestelle ich jetzt bei amazon, im Original, denn die Bücherei wird es sicher nur auf deutsch haben, wenn überhaupt. Synchro-Debatte 2.0! Ich werd jetzt wohl auch noch zum Buch-OV-Nazi Echt schlimm


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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 12:47                                  +/-

Helcaraxe
Wie Euse einen Beitrag schreibt:




hähö Das muss ich nochmal gesondert hervorheben: dead on! Genau so stelle ich mir das vor bei der Euse grins


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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 13:09                                  

Naja, habe aber doch auch interessante Dinge erfahren, die mir so neu waren.

So waren die USA bei Kriegsausbruch eines der reichsten und wirtschaftlich stärksten Länder der Erde, mit einer der kleinsten und unerfahrensten Armeen, die stark defensiv ausgerichtet war. Gerade mal 16.000 Mann umfasste das Bundesheer, 7000 Mann die Marine, deren Schiffe zum Teil noch aus dem 18. Jahrhundert stammten. Sie hätte jeden Kampf gegen eine europäische Großmacht verloren und spielten keine Rolle auf der strategischen Landkarte. Bei Kriegsende, 5 Jahre später, war die Armee der Union die modernste und kampfstärkste der Welt, mit 2 Millionen Mann unter Waffen und einer Flotte gepanzerter, dampfgetriebener Kanonenboote. Die Nation hat sich unter Zwang selber zur Weltmacht gewandelt, im Stahlgewitter ihres größten Krieges. Schwer vorstellbar, wie die Geschichte der USA ohne den Sezessionskrieg verlaufen wäre.

Und wie es in Bürgerkriegen so ist, standen sich Freunde und Bekannte gegenüber, aber da die USA vor dem Krieg nur eine Militärakademie besaßen, Westpoint, war das hier extrem: die Offiziere beider Seiten waren oft Zimmergenossen in Westpoint gewesen, hatten zusammen gegen Mexiko gekämpft, waren gute Freunde und Trauzeugen und Patenonkel der Kinder des Mannes, der auf dem Feldherrnhügel gegenüber stand. In den Gefechtspausen hat man Glückwünsche zur Geburt des neuen Kindes geschickt und sich nach dem Wohlergehen der Gemahlin erkundigt. Nach Kapitulationsverhandlungen wurde Wein rausgeholt und über die alten Zeiten geplaudert, bevor die Verlierer ins Gefangenenlager abmarschierten.

Gleichzeitig waren die Kämpfe besonders hart, da beide Seiten aus tiefer Überzeugung ins Feld zogen, anders als die Söldnerheere des alten Europas. Die Verlustquoten waren im Bürgerkrieg weit höher als in europäischen Schlachten, europäische Fachleute schauten mit Grausen auf das Gemetzel und schüttelten den Kopf über diese Barbarei. Während Berufssoldaten zu teuer sind, sie zu verheizen, konnten Freiwilligenheere ins schlimmste Bleigewitter geschickt werden, an menschlichem Nachschub hat es beiden Seiten nicht gemangelt. Von 5 Millionen weißen Südstaatlern waren am Ende 900.000 unter Waffen gewesen, also praktisch jeder Mann, der ein Gewehr halten konnte. Die Ära der Massenheere hatte unweigerlich begonnen, und hier wie auch in vielen anderen Punkten nahm der Bürgerkrieg die Schrecken des Ersten Weltkriegs voraus. Mitunter so deutlich, dass man sich fragt, wie die Verantwortlichen 1914 all das schon wieder hatten vergessen können.


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Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 27.01.2014, 21:39, insgesamt einmal bearbeitet
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Thanil
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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 14:22                                  +/-

Nichtraucher
Und wie es in Bürgerkriegen so ist, standen sich Freunde und Bekannte gegenüber, aber da die USA vor dem Krieg nur eine Militärakademie besaßen, Westpoint, war das hier extrem: die Offiziere beider Seiten waren oft Zimmergenossen in Westpoint gewesen, hatten zusammen gegen Mexiko gekämpft, waren gute Freunde und Trauzeugen und Patenonkel der Kinder des Mannes, der auf dem Feldherrnhügel gegenüber stand. In den Gefechtspausen hat man Glückwünsche zur Geburt des neuen Kindes geschickt und sich nach dem Wohlergehen der Gemahlin erkundigt. Nach Kapitulationsverhandlungen wurde Wein rausgeholt und über die alten Zeiten geplaudert, bevor die Verlierer ins Gefangenenlager abmarschierten.


Das liest sich wie eine 1:1-Zusammenfassung von „North and South“ (aka „Fackeln im Sturm“).



grins

Ich glaube ich will auch mal wieder ein Geschichtsbuch lesen. Aber lieber ein gutes!


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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 14:30                                  +/-

Fun fact: es gab auf der Seite des Südens zwei Freiwilligen-Regimenter aus freigelassenen Sklaven, die nun beweisen wollten, dass sie gute Bürger ihres Staates sind. Ex-Sklaven kämpften für das Recht ihrer ehemaligen Herren, sich Sklaven zu halten. Mindfuck galore.

Auf der anderen Seite rekrutierte der Norden zunehmend Schwarze, trotz vieler Bedenken (der Neger war ja faul und dumm und so), bei Kriegsende stellten Schwarze rund zehn Prozent der Unionstruppen. Sie kämpften tapfer und wenn sie in Gefangenschaft gerieten, wurden sie von den Konförderierten ausnahmslos getötet. Für die waren sie nur entlaufene Sklaven.


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 27.01.2014, 22:25                                  +/-

@Euseppus: Danke für die Munro-Rezension. Die Dame steht schon lange auf meinem Wunschzettel, aber ich muss erst noch ein paar andere Sachen fertig lesen. Dann will ich mich aber unbedingt an ihre Bücher heranmachen - und deine Rezension hat mich darin noch einmal bestärkt.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 08.02.2014, 12:31                                  +/-

Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte



Hatte ich schon seit 2 Jahren auf dem Schirm, weil erstens spannendes Thema und dann noch zweitens Booker-Prize.
Tony erzählt uns seine Lebensgeschichte. In siener Jugend war er befreundet mit Adrian, einem hochintelligenten Schüler und erlebte dann eine kurze und schwierige Beziehung mit der schwer einzuordnenden Veronica. Ein markanter Punkt ist erreicht, als sich Adrian umbringt. Die folgenden Jahre beherbergen keine namhaften Details, eine Heirat, eine Tochter, eine Scheidung. Tony ist zufrieden, mit sich im Reinen, als er mit über 60 Jahren auf sein Leben zurückblickt.
Ende 1. Teil
Im 2. Teil erreicht Tony die Nachricht, dass er aus unvermuteter Ecke eine Erbschaft antreten könne: Das Tagebuch seines lange verstorbenen Freundes Adrian. Doch so leicht ist das Herankommen dann doch nicht, und je mehr er es versucht, desto mehr verschüttete Erinnerungen kommen hoch, desto mehr umgedeutete Details fordern ihr Recht auf klare Sicht - ein Leben deutet sich um...

Tony erzählt nicht nur seine Geschichte, er liefert zudem viel Reflexion mit: Was ist "Geschichte"?, im Großen wie im Kleinen? Was ist unsere eigene Geschichte, und aus welcher Warte erzählt sie sich richtigerweise? Was ist das wahre Leben im Vergleich zu den großen tragischen, romantischen Romanhelden - wie ist die Mittelmäßigkeit des Lebens überhaupt zu ertragen?
Barnes lässt uns die Themen seines Buches nicht groß herausfinden, er serviert sie in den Reflexionen seines Helden auf einem Silbertablett. Das macht es aber nicht plump, wirkt auch nicht angestrengt, die Gedankengänge passen auch zum Protagonisten, der immer mehr und mehr von der Vergangenheit seines Lebens enthüllt.
Am Schluss ist alles unumkehrbar und das 3. Thema des Buches (nach "Erinnerung" und "Wirklichkeit des Lebens") übernimmt das Ruder: Verantwortung. Wo beginnt individuelle Verantwortung? Ab wo kann man sie nicht mehr an den nächsten abgeben und sich selbst nur als belangloses Rädchen des Schicksals sehen?

Der Roman verströmt eine Menge Melancholie, ist flüssig geschrieben und liest sich an zwei kurzen Abenden schnell weg.
Dass mich Barnes' Buch dennoch unzufrieden zurückgelassen hat, hat mehrere Gründe:
Es ist mir zu "literarisch konstruiert":
Tony und seine Freunde sitzen als Jugendliche im Geschichtsunterricht, und dort wird die Frage nach "Geschichte", "Wahrheit" und "Erinnerung" am Exempel der Weltgeschichte durchexerziert. Da ich durch den Klappentext schon wusste, worum es geht, dachte ich mir da schon: "Okay, ist das Thema des Buches, irgendwo muss es ja unterkommen. Ist ja auch gut geschrieben. Kann man trotzdem ein wenig unaufdringlicher zu Werke gehen?"
Dann kommen noch Tonys Reflexionen mit dazu - und natürlich die Tatsache, dass die Revision dessen, wie er sein Leben bisher bewertet hat, 1:1 mit den Erkenntnissen im damaligen Geschichtsunterricht zusammenhängt.
Im Rückblick empfinde ich das als enorm aufgesetzt, zu konstruiert und zu sehr nach imaginiertem Lehrbuch "Wie baue ich eine Geschichte um ein Leitmotiv?".
Desweiteren ist diese De- oder Neukonstruktion eines Lebens auch ein bisschen mind-fickend unterwegs: Die zweite Hälfte fiebert spürbar auf eine Auflösung hin, auf die Erklärung dessen, wofür Tony in seinem Leben die Verantwortung trägt, ohne sich dessen bewusst zu sein (weil Umgang mit der eigenen Erinnerung und so). Die Auflösung muss also sitzen. Und nicht, dass sie nicht tatsächlich ziemlich raumgreifend wäre - aber die Moral, die das Buch ohne Frage vertritt (ich mag ja Bücher lieber, die Fragen stellen, und weniger die, die sie beantworten, das Gleiche bei Filmen), nämlich die persönliche Verantwortung eines Jeden für das, was durch sein Zutun geschieht, stimmt für mich für Tonys Geschichte überhaupt nicht. Ohne groß zu spoilern: Tony hat in seinem Leben durch einen Akt aus Bitterkeit Dinge angestoßen, die zu mehreren ruinierten Existenzen führten.
Nun lebe ich ja selber mit einem relativ vorhandenen Verantwortungsgefühl in der Gegend herum (siehe "Wenn der ESC in einem Unrechtsstaat zu Gast ist, darf man das nicht angucken", etc.), aber warum die Tat Tonys sein Leben im Nachhinein zerstört, wo doch wirklich alle anderen freie Entscheidungen getroffen haben, auf die er wirklich keinen Einfluss hatte... Nö. Für mich stimmt die Geschichte, die erzählt wird null mit dem gewählten Thema überein. Ich saß am Schluss da und frug mich: "Hä? Und das isses jetzt?" Am liebsten hätte ich dem Protagonisten zugerufen: "Tony, oide Wurschthaut! Basst doch ois? Where's se brobblem? Such Dir a Weib, geh danzn, geh ins Kino, hob dein Schbass!..."

Wenns um Leitmotivik geht, dann doch lieber deutsche Romantik oder Homo Faber. Aber das Büchlein war mir zu gewollt, zu "literarisch komponiert" und wo des Protagonisten Problem ist, ist mir zu weiten Teilen verborgen geblieben. Booker-Prize - really?...
Liest sich aber schnell weg und ist ohne Frage gut geschrieben.

Meine persönliche Moral daraus:
Ich hatte vor x Jahren versucht, Barnes' Durchbruch "Flauberts Papagei" zu lesen: Neben der Müller und der Jelinek das einzige Buch, das ich jemals wieder abgebrochen und weggelegt habe. Daraus folgt:
Gib keinem verbrannten Literaten eine zweite Chance!


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 09.02.2014, 15:22                                  +/-

Nichtraucher
Die Ära der Massenheere hatte unweigerlich begonnen, und hier wie auch in vielen anderen Punkten nahm der Bürgerkrieg die Schrecken des Ersten Weltkriegs voraus. Mitunter so deutlich, dass man sich fragt, wie die Verantwortlichen 1914 all das schon wieder hatten vergessen können.


Plus die verbrannte Erde von General Shermans Feldzug, der den Krieg hart führte, mit der Ratio um so schneller wieder Frieden zu haben, wenn der Süden niedergeknüppelt ist.

Hm. Jetzt habe ich Lust einen alten Hollywood-Schinken über den Bürgerkrieg zu sehen.


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BeitragVerfasst am: 09.02.2014, 15:57                                  +/-

Alternativ interessant ist vielleicht auch die preisgekrönte Doku "Der amerikanische Bürgerkrieg" von Ken Burns, die wir gerade durchgucken.


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"Jeder spricht Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut." (Michel de Montaigne)

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