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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 00:52                                  +/-

Ist doch einfach - mit den Haaren spielen = sehr gut. Mit der Halskette spielen, besser. Beißt sie sich auf die Unterlippe ist alles geritzt. Nicht so gut: verschränkte Arme, aus dem Fenster schauen, auf dem Handy rumtippen, sich unter dem Kuss wegducken und weglaufen.


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 11:23                                  +/-

Ich bin gerade beim 4. Teil der Peter-Grant-Reihe ("Rivers of London"), wobei ich hinzufügen muss, dass ich den dritten Teil auslassen musste, da in keiner Stadtbibliothek Munichens erhältlich.
Denn ganz ehrlich: Geld ausgeben dafür möchte ich wirklich nicht. Geschockt
Den ersten Band fand ich noch ganz unterhaltsam, den hat mir Bäumchen auf Englisch hinterlassen. Ich hab dann bei Band 2 die Probe aufs Exempel gemacht und festgestellt, dass die deutsche Übersetzung gut lesbar aus, auch wenn die fehlende Originalsprache den trockenen Witz natürlich nochmal anders - i. S. v. besser - transportiert.
Die "Flüsse" fand ich ganz gelungen. Das Finale mit dem Rückwärts-in-der-Zeit-durch-London-Laufen fand ich von der Idee her klasse, aber es war doch nur ein nachgeschobenes Finale im Vergleich zur großen Bühnenshow vorher. Letzteres ist die bisher einzige Stelle in allen Büchern, die ich als wirklich "spannend" bezeichnen würde.
Was ich an den Büchern mag:
- Der Humor. Klar. Mir kommt Peter Grant als Erzählerfigur inzwischen dadurch ein bisschen unangenehm selbstverliebt rüber, aber damit kann ich leben.
- Die Vermischung aus ziemlich akkurat recherchierter Polizeiarbeit, die somit etwas "Hyperrealistisches" hat - und dadurch eine eigene, nicht unspannende Mischung ergibt mit allem Magischen, was sich in dieser realistisch hingepinselten Romanwelt so ereignet.

Was ich nicht mag:
- Die Figuren sind absolut blass. Grant besteht nur aus seiner ironischen Schreibe, sonst weiß ich nicht, wer das ist. Wirklich. Keine Ahnung. Die Figur ist für mich in keiner Art und Weise irgendwie vorhanden. Lesley genauso. Die wird nur charakterisiert durch beißenden Spott und eine ebenso ironische Ader wie Peter selbst und ist damit nur ein weiteres Alter Ego des Autors. Das größte literarische Verbrechen in puncto Figurengestaltung ist aber ohne Frage Nightingale. Was war ich in Band 1 gespannt drauf, wer das jetzt ist und was mit dem alles kommt!
Antwort: Nichts. Hinter Nightingale steht nichts. Er kann mit moderner Technik nichts anfangen. Punkt. Das ist der ganze Nightingale. Die äußeren Gegebenheiten sind dankbarst, ein hundert Jahre alter Magier mit ominöser Vorgeschichte, der rückwärts altert und schon die übelsten Dinge nicht nur miterlebt, sondern teilweise auch initiiert hat. Tolle Vorgabe. Aber keine Figur, wohin man schaut. Keine spezielle Art des Sprechens, des Sich-Gebens, nichts, was ihn irgendwie evtl. geheimnisvoll, ablehnens- oder bewundernswert macht, ...
- Überhaupt: Keine Konflikte. Alle Guten verstehen sich prima, gut, man wird ein bisschen vom Rest der Polizei schräg angeguckt. Gefahr entsteht daraus keine. Es gibt schlicht zwischen den wenigen (!) Hauptfiguren keine Chemie. Kein Wunder, wenn Figuren so dermaßen unvorhanden sind. Und zwischen den Hauptfiguren und dem rest der Welt auch nicht.
Was war ich entzückt, als im ersten Buch Tyburn eingefphrt wurde! Endlich war mal was los! Eine Figur, die gefährlich, mächtig und intelligent ist und mit der es sich der Protagonist erstmal kräftig vermasselt! Ab dann aber: Wurschd. Mit den Augen rollen
- Die Magie.
Ja, gut. Aaronovitch weiß, dass alle, die solche Bücher lesen, schon 1000 andere mit Fantasy-Sujet und Zauberei-Hokuspokus gelesen haben. Warum also das Gleiche zum x-ten Male groß thematisieren?
Antwort: Weil sich das so gehört. Und es gerade die Herausforderung an einen Fantasy-Autor ist, seine eigene Welt wieder mindestens genauso faszinierend darzustellen wie es alle anderen auch tun (wollen). Bei Aaronovitch erhält die naturwissenschaftlich gebildete (! tolle Idee !) Hauptfigur davon Kunde, dass es Magie gibt. Glaubt der sofort und lernt daraufhin mit einigen Übungen, wie man das so macht.
Das wars. Magie ohne (literarische) Magie.
Klar, deswegen jetzt ein Riesenfass aufzumachen, würde auch nicht zu Aaronovitchs trockenen Stil passen. Und die Schilderungen, wie die magischen Figuren sich im heutigen London niedergelassen haben, sind natürlich sehr originell. Aber alles Magische kommt dermaßen als "vorauszusetzen" daher, dass ich es ihm - was jetzt komisch klingt - einfach nicht glaube. Die Magie ist behauptet, nicht plausibel gemacht, sie ist nicht magisch, sie ist pragmatisch, genauso die gesamte Welt der Magie, die sich hier in London einfindet.
Die Welt der Magie ist nicht magisch, sie ist nicht geheimnisvoll, nicht betörend, nicht abschreckend, nicht grausam (genug), nicht gefährlich, nicht irgendwas. Sie ist halt da.
- Ich kämpfe gerade mit Band 4, weil ich sich Aaronovitch da etwas erlaubt, was sich in den Vorgängerromanen schon abgezeichnet hat: Er ist furchtbar langweilig.
Ich stelle mir den Autor als jemanden vor, dem man gern mal eine halbe Stunde auf einer Party zuhören möchte, wie er vor sich hinparliert, immer einen kleinen Joke auf den Lippen; es ist egal, was er erzählt, man hört zu, weil es so hübsch nett und unterhaltsam vor sich hinplätschert.
Das war für mich bei den ersten Büchern noch okay (zumal die auch weitaus mehr an Story zu bieten hatten), aber hier passiert seit 200 Seiten schon - nichts. Nada. Nullinger. Zero. Nothing. Nüschde mit Geschüschde.
Alles mäandert vor sich hin. Am schlimmsten sind die Flussgötter: Wenn die Kapitel kommen, fühle ich mich regelmäßig an die Schlachtenszenen bei "Krieg und Frieden" erinnert: Ein notwendiges Übel, bei dem man hofft, dass diesmal doch noch irgendwas Relevantes passiert, und eben nicht nur, dass Tolstoi beschreibt, wie geil die Russen doch gegen den hinterhältigen Napoleon Krieg führen oder dass Aaronovitch vollkommen ohne Einbindung in und Folgen für den Restroman die Flußgötter irgendwelche Zusammenkünfte abhalten lässt.
(Man komme mir jetzt nicht mit "Haha!, das wird aber alles später noch zusammengeführt und dann!, dann!..." - Kein "dann!" Bis dahin sind mir die Augäpfel verreckt!)
Teilweise ist sogar egal, in welcher Reihenfolge was passiert. Das ist der Tod jeder gut erzählten Geschichte. Ich habe inzwischen keine Ahnung mehr, warum ich das Buch eigentlich lese und worum, verdammt nochmal, es da eigentlich geht?!!
- London.
Nach dem ersten Buch war mir der Erfolg der Bücher klar; Aaronovitch ist Serienautor, der überlegt natürlich schon vorher, wie er sein Völkchen einfängt. In dem Fall erstmal das des eigenen Landes.
Zu Beginn fand ich es auch noch schön, wie klar er London und Umgebung einbindet, das Insiderwissen, die Beschreibung, die Verwendung von konkreten Adressen als Schauplatz. Das muss für die Londoner und vermutlich Briten allgemein eine große Schau sein - v.a., dass sich nun dort, an diesen ihnen so bekannten Plätzen plötzlich Magisches ereignen darf, eine Welt hinter der Welt. Ich halte das alles für immens berechnend. (Was ich ganz neutral meine. Wer einen Bestseller fabrizieren will, muss seine Zutaten gut mischen.) So habe ich auch das Finale des ersten Buches rezipiert: Ich fände es auch enorm spannend, durch ein rückwärts in der Zeit reisendes München zu laufen, das so bildhaft, fantasievoll und historisch gut recherchiert geschreiben ist.
Aber ehrlich: Ich kann inzwischen die x-te zweiseitige Ausschweifung über irgendeine Straße oder einen Stadtteil oder ein Gebäude und jeweils dessen historische Vorgeschichte einfach nicht mehr lesen, egal, wie trocken-unterhaltsam sie geschrieben ist. Zudem habe ich Aaronovitch nun schon mehrfach dabei erwischt, dass das eben Erzählte dann noch nicht mal eine Rolle spielt. Hat aber reinmüssen, damit der Brite oder der Great-Britain-Fan auch genügend gepleast wird.
- Story Arc.
Die Figuren entwickeln sich nicht. Der muss doch mit denen mal irgendwo hinwollen, könnte man meinen. Nein, will er nicht. Die Figuren bleiben gleich, das Setting, ... Gut, irgendwo rennt ein gesichtsloser Magier rum. Ist der eine Bedrohung? Nein!
Nichts ist hier eine Bedrohung! Die Figuren sind nie wirklich in Zugzwang irgendetwas zu tun, und sei es "nur", ihr Leben zu retten. Lesley, mogst Du vielleicht a bissi recherchieren, dann schauma amoi, ob mir eventuell den Gesichtslosen erwischen. - Ja, Bäda, wennst moanst (zynische Anmerkung einsetzen), mach i dann, gell?
Es gibt immer zwei bis drei Stories, aber keine ist bindend, keine ist spannend, keine ist nötig, nichts führt spürbar irgendwohin - und zwischendrin schaun wir wiedermal bei Flußgotts vorbei.
Aaronovitch bietet schlicht das schlechteste Storytelling, das ich je bei Beststellerromanen gefunden habe.
Ich quäle mich jetzt noch durch die restlichen 200 Seiten, versuche dann, mich nicht von dem dollen Cliffhanger, vor dem mich die Amazon-Rezensionen schon gewarnt haben, einfangen zu lassen, und das wars dann.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 11:54                                  

Ich bin gerade beim 4. Teil der Peter-Grant-Reihe ("Rivers of London"), wobei ich hinzufügen muss, dass ich den dritten Teil auslassen musste


Da hab ich aufgehört zu lesen.

Junge, bist Du noch bei Sinnen? Du verschickst DVDs rund um die Welt und fragst nicht mal eben im Forum, ob Dir jemand den dritten Teil schicken kann?? *kreisch*

Hast Du beim Herrn der Ringe auch mal eben Teil 2 ausgelassen? Oder bei Harry Potter nur Teil 1 und 7 gelesen. Mein Tipp: bei Hunger Games alles auslassen und erst bei Mocking Jay Pt. II einsteigen.

Gepostet am 08.12.2015, 10:55:

Jetzt hab ich doch weiter gelesen... natürlich ein Verriss. Von dem Otto, der mal zwischen durch hier einen Band liest, dann da... und dann wahrscheinlich aber auch nur die ungeraden Seiten.

Gepostet am 08.12.2015, 10:56:

Ich hab dann bei Band 2 die Probe aufs Exempel gemacht und festgestellt, dass die deutsche Übersetzung gut lesbar ist


Und dir gefallen die Bücher nicht... na sowas. Wer die Synchro liest, hat keine Meinung!

Gepostet am 08.12.2015, 10:56:

So, du Arsch. Das haste jetzt davon. Jetzt bin ich auf 180 und lese deinen bekackten Verriss weiter. Und dann verreiss ich deinen Verriss!

Gepostet am 08.12.2015, 10:57:

Aber first things first: Tomate!

Gepostet am 08.12.2015, 10:59:

Mir kommt Peter Grant als Erzählerfigur inzwischen dadurch ein bisschen unangenehm selbstverliebt rüber


Oh ja? Redet er dir zuviel? Schreibt er zuuuu lange Beiträge? Erzählt er die ganze Zeit "von zu Hause" und seinen Problemchen? Vielleicht hat er ja in Band 3 die ganz große Schweigephase, in der totally humbled den Euse beschwichtigen will. Aber der Herr muss ja gleich bei Band 4 weitermachen, weil... warum nicht?

Gepostet am 08.12.2015, 11:00:

Die Figuren sind absolut blass.


Weißte wer noch blass ist? Deine Mudder. Und du.

Gepostet am 08.12.2015, 11:02:

Grant besteht nur aus seiner ironischen Schreibe, sonst weiß ich nicht, wer das ist.


That happens when you leave out an entire volume of the series, you bloody half-wit!!!

Gepostet am 08.12.2015, 11:04:

Aber keine Figur, wohin man schaut. Keine spezielle Art des Sprechens


Also DAS Problem hab ich beim Audiobook natürlich nicht. Kann ich nur empfehlen Yes Besonders Band 3!

Gepostet am 08.12.2015, 11:05:

Antwort: Nichts. Hinter Nightingale steht nichts.


Dir haben sie doch ins Hirn gefurzt. Nightingale ist deep. Sooo deep. Bisher gabs nur "glimpses", aber das ist ja das Spannende. Der ein Anti-Gandalf. Ein Anti-Dumbledore.

Gepostet am 08.12.2015, 11:07:

Überhaupt: Keine Konflikte. Alle Guten verstehen sich prima


Mit den Augen rollen Oh, läuft da etwa was nicht nach dem euse'schen Schema F? DAS geht natürlich nicht. Außerdem: lies einfach weiter und dann shut your cakehole!

Gepostet am 08.12.2015, 11:10:

Was war ich entzückt, als im ersten Buch Tyburn eingefphrt wurde!


Die wird in Band 6 wohl ne "Hauptrolle" spielen.

Ich hingegen empfand gerade Tyburn als unnötigste Figur bisher. Braucht kein Mensch. Hat keinen Sinn. Trägt nichts bei.

Dieses pseudo-intellektuelle Getue immer: "Ja aber wenn da kein innerer Konflikt ist... nee also daaaan geht das ja gar nicht. Wieso ist denn die Figur nicht komplizierter? Wieso hat die nicht 50 shades of Grautöne in ihrer Persönlichkeit??? Nee sorry, aber wenn der Hauptdarsteller nicht mindestens schizophren ist, dann les ich, Dr. Euselius Eusenfreud, gar nicht erst weiter. Unter Gollum mach ichs nicht mehr."

Gepostet am 08.12.2015, 11:13:

Ja, gut. Aaronovitch weiß, dass alle, die solche Bücher lesen, schon 1000 andere mit Fantasy-Sujet und Zauberei-Hokuspokus gelesen haben. Warum also das Gleiche zum x-ten Male groß thematisieren?
Antwort: Weil sich das so gehört. Und es gerade die Herausforderung an einen Fantasy-Autor ist, seine eigene Welt wieder mindestens genauso faszinierend darzustellen wie es alle anderen auch tun (wollen). Bei Aaronovitch erhält die naturwissenschaftlich gebildete (! tolle Idee !) Hauptfigur davon Kunde, dass es Magie gibt. Glaubt der sofort und lernt daraufhin mit einigen Übungen, wie man das so macht.


HÄÄ? Mothefucker??? Das wird doch SEITENLANG thematisiert. Das ist doch überhaupt DIE motherfucking question überhaupt! Wieso gibt es Magic! Das ist doch grad er Witz, das magic in der "realen Welt" existiert. Gerade das ist doch ein Hauptthema. Gerade in anderen Büchern wird doch Magic als gegeben hingestellt. Hier hingegen ist magic naturwissenschaftlich begründet und totalen restraints unterworfen. Einmal zu viel ge-magiced: Hirnschmelze. Das direkte medizinische Auswirkungen. Viel realer KANN MAN sich dem Thema gar nicht widmen.

Gepostet am 08.12.2015, 11:14:

Die Magie ist behauptet, nicht plausibel gemacht


BULL-FUCKING-SHIT! Das genaue Gegenteil ist wahr. Liest du im Dunkeln? Mit geschlossenen Augen? Und unter Narkose?

Gepostet am 08.12.2015, 11:17:

Die Welt der Magie ist nicht magisch, sie ist nicht geheimnisvoll, nicht betörend, nicht abschreckend, nicht grausam (genug)


Wtf??? Nicht grausam genug??? Den Leuten fällt buchstäblich ihr fucking face aus dem Gesicht. Im Detail!

Rivers of London ist in Sachen gruesomeness die Jessica Jones unter den Büchern.

Sach mal, kann es sein, dass du komplett im Suff warst als du das gelesen hast? Ich mein fuck mann, eine Vagina mit Zähnen hat dem einen Otto den Pullermann abgerissen und der Typ ist mit offenem Unterleib ausgeblutet. What else do you need, you maniac???

Gepostet am 08.12.2015, 11:18:

- Ich kämpfe gerade mit Band 4


Jedes deiner Worte zu Band 4 is worthless. Du hast Band 3 nicht gelesen. Du bist raus. Ab in die Ecke und schämen, you know nothing.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:22                                  +/-

Trololololol


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:26                                  +/-

Aber ehrlich: Ich kann inzwischen die x-te zweiseitige Ausschweifung über irgendeine Straße oder einen Stadtteil oder ein Gebäude und jeweils dessen historische Vorgeschichte einfach nicht mehr lesen, egal, wie trocken-unterhaltsam sie geschrieben ist


Mimimi, dann geh doch kacken. Oder buch einen Urlaub in London. Meine Fräse... du guckst wahrscheinlich auch den Hamburger Tatort und greinst dann rum, dass da überall Wasser ist und die Leute so komisch reden. "Schleimscheißa, glei foid da Wadschnbam um, schiache Goaß, schau, dass di schleichst, Aufschneida, Erzdepp!"

Gepostet am 08.12.2015, 11:27:

Ist der eine Bedrohung? Nein!


Neeeee gar nicht. Der tötet nur alle. Aber der IS ist ja auch keine Bedrohung.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:29                                  +/-

Was lest ihr überhaupt den 500tausendsten Fantasy-Backsteinschwere-Bücher-Endloszyklus? Das ist doch das Zeug mit den bunten Einbänden, die es an Bahnhofsbuchhandlungen gibt? Ist doch eh alles Quatsch.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:30                                  

Aaronovitch bietet schlicht das schlechteste Storytelling, das ich je bei Beststellerromanen gefunden habe.


Eusonovitsch bietet das schlechteste Forenposting, das ich je bei Internettrollen gefunden habe. Inhalt = Schrott. Formatierung = Schrott. Smileynutzung= Schrott. Humor = nicht vorhanden. Lesbarkeit = zero. Absätze = weniger als bei Modegro.

Nach jedem Eusebeitrag möchte ich meine Augen mit einem ausgedruckten Wolterbeitrag auswischen.

Gepostet am 08.12.2015, 11:32:

Nichtraucher
Was lest ihr überhaupt den 500tausendsten Fantasy-Backsteinschwere-Bücher-Endloszyklus? Das ist doch das Zeug mit den bunten Einbänden, die es an Bahnhofsbuchhandlungen gibt? Ist doch eh alles Quatsch.


BOAH DU AUCH NOCH!!! HALT DIE FRAÄSE!!! PUMP DEIN FAHRRAD AUF UND DANN ZIEH LEINE! ABER PRRRRONTOOOO!!!!!


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Zuletzt bearbeitet von Oxford am 08.12.2015, 12:35, insgesamt einmal bearbeitet
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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:34                                  

Ach sorry, du liest die ja nicht mal, du lässt sie dir vorlesen.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 12:35                                  +/-

Nichtraucher
Ach sorry, du liest die ja nicht mal, du lässt sie dir vorlesen.


Like a boss.


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 13:41                                  +/-

Oxford
Ich bin gerade beim 4. Teil der Peter-Grant-Reihe ("Rivers of London"), wobei ich hinzufügen muss, dass ich den dritten Teil auslassen musste


Da hab ich aufgehört zu lesen.

Junge, bist Du [ ]

Jedes deiner Worte zu Band 4 is worthless. Du hast Band 3 nicht gelesen. Du bist raus. Ab in die Ecke und schämen, you know nothing.


rolling on the floor...

Ich hab Dir eben einen Stern draufgeschmissen, ich glaube, das ist mir so ausgerutscht, während ich vor Lachen unter den Tisch gefallen bin. hähö

pk

Was lest ihr überhaupt den 500tausendsten Fantasy-Backsteinschwere-Bücher-Endloszyklus?

Schuldig im Sinne der Anklage.

Gepostet am 08.12.2015, 12:42:

Nach jedem Eusebeitrag möchte ich meine Augen mit einem ausgedruckten Wolterbeitrag auswischen.


hähö

Gepostet am 08.12.2015, 12:50:


Ich bin gerade beim 4. Teil der Peter-Grant-Reihe ("Rivers of London"), wobei ich hinzufügen muss, dass ich den dritten Teil auslassen musste



Da hab ich aufgehört zu lesen.


Das Schlimme ist ja, dass es vollkommen wurscht ist, ob ich Teil III gelesen habe. Wie ichs mir vorher schon gedacht habe: Nichts hat sich seitdem irgendwie geändert oder weiterentwickelt. Ich konnte problemlos einsteigen. Wirklich kein Vergleich mit Harry Potter.

@Magie:
Ich muss ja immer mit den Augen rollen, wenn Autoren reale Figuren benutzen, um etwas Erfundenes plausibel zu machen: Klar, Newton steckt hinter der Magie in England.
Seufze ich halt und nehme die Prämisse mit, der Autor möchte es halt gerne so, da will man dann ja nicht so sein.

Gepostet am 08.12.2015, 12:53:

edit: Stop! Halt! Vielleicht ist es ja Helmut Newton???



Alleine die Idee ist schon besser als alles, was Aaronovitch zum Thema "Magie" einfällt. hähö


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 14:29                                  +/-

Ich bin ja grad total im Zweifel, ob und wieviel ich auf Oxis Post reagieren soll, weil ich dieses Grimme-Preis-Format eigentlich gern unkommentiert für sich stehen lassen möchte. Aber Missverständnisse stören mich, drum:

- Die Magie wird ja tatsächlich zu Tode erklärt und begründet (und den Zusammenhang, der mit Naturwissenschaft hergestellt wird, das fand ich auch eine coole Idee). Was ich meinte - und auch wortwörtlich schrieb - , ist der Mangel an literarischer Magie. Ich meine das "Wie" des Schreibens über sie. Sie hat halt einfach nichts Magisches an sich, etwas Besonderes, etwas, wo der Leser ein "wow!" fühlt oder fasziniert ist von dem, was sie ist und kann. Zumindest geht es mir so und für mich ist das ein Mangel in der Art des Schreibens. Wie gesagt: Das staunende Auge passt auch nicht so recht zu Aaronovitchs Stil. Trotzdem kommt mir das alles zu trivial daher. Ich glaube es ihm nicht, weil ich als Leser außen vor gelassen bin. Und das hat nichts mit O-Ton zu tun.

- Einen "inneren Konflikt" erwarte ich da jetzt wirklich nicht. Um Gottswuin. ABER ES IST HALT AUCH SONST NICHTS LOS! Die hängen da im Folly rum (in dem wäre ich übrigens wirklich mal gerne) und fahren mal hierhin, mal dahin, dann hängen sie wieder im Folly rum, dann wird in einer ständigen Dauerexposition wieder über Magie gesprochen (gesprochen!!!). Zugegeben, das ist jetzt im 4. Band besonders schlimm, das hat mich in 1 und 2 nur so nebenbei immer ein bisschen unterschwellig genervt. Die könnten denen ja mal die Mittel streichen oder das Folly brennt ab oder die Abteilung wird geschlossen oder was weiß ich. Damit sich dieses sichere Dauersetting mal ändert. Das meinte ich mit "Konflikt": Denen gehts zu gut. Yes

Nachdem ich bei Band II auch nach der Hälfte schon wusste, wer der "Bösewicht" ist, würde es mich ja nicht überraschen, wenn Lesley der gesichtslose Magier ist. DAS wäre mal was! Das wärde mal den Status Quo ein bisschen durcheinanderwirbeln. Smilie Ich persönlich hätte Lesley im ersten Band übrigens sterben lassen. Ich gebs zu: Ich fands eine Schwäche, dass sie überlebt hat. UNd wozu sie jetzt die ganze Zeit neben Peter herhampelt, ist mir auch nicht klar. Sie ist halt da, mei.
Ist aber natürlich literarische Geschmackssache.


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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 15:24                                  +/-

Euseppus
weil ich dieses Grimme-Preis-Format eigentlich gern unkommentiert für sich stehen lassen möchte.


Just do it.

Aber ...


Schade.


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 08.12.2015, 22:18                                  +/-

Euseppus

- Ich kämpfe gerade mit Band 4, weil ich sich Aaronovitch da etwas erlaubt, was sich in den Vorgängerromanen schon abgezeichnet hat: Er ist furchtbar langweilig.
Ich stelle mir den Autor als jemanden vor, dem man gern mal eine halbe Stunde auf einer Party zuhören möchte, wie er vor sich hinparliert, immer einen kleinen Joke auf den Lippen; es ist egal, was er erzählt, man hört zu, weil es so hübsch nett und unterhaltsam vor sich hinplätschert.
Das war für mich bei den ersten Büchern noch okay (zumal die auch weitaus mehr an Story zu bieten hatten), aber hier passiert seit 200 Seiten schon - nichts. Nada. Nullinger. Zero. Nothing. Nüschde mit Geschüschde.
Alles mäandert vor sich hin.

Mich langweilte ja wirklich schon Band 1. So sehr, dass ich kein Interesse verspürte, irgendeinen Folgeband zu lesen.

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Gimli



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BeitragVerfasst am: 12.01.2016, 16:27                                  +/-

Unberührte Schönheit
Reisen zu den ursprünglichsten Kühen der Welt

Einzigartige Fotografien und berührende Texte vom Kuhfreund und Biopionier Werner Lampert

Das ist die Geschichte jenes Manners, der beschloss, die aufregendsten, schönsten und seltensten autochthonen Rinderrassen dieser Welt zu fotografieren.



Eine ziemlich große Anzeige in der Zeit. 36€ soll es kosten. Ja, es geht um Kühe, geschrieben von einem Kuhfreund. Sollte man es kaufen? Vielleicht. Und danach ein gutes Steak. Zumindest weiß ich jetzt, was autochthon bedeutet.


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kpm



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BeitragVerfasst am: 23.01.2016, 19:10                                  +/-

Vielleicht für die Gamer unter euch interessant: "Press Start to Play", eine Kurzgeschichtensammlung zum Thema Videospiele.

Vom Namen her kannte ich von den Autoren nur T.C. Boyle und Andy Weir (der den Marsianer geschrieben hat). Viele der anderen Geschichten sind von Autoren, die auch für die Storys von Spielen verantwortlich sind, u.a. Starcraft, Half-Life und Pillars of Eternity.

Die 26 Geschichten sind fast durchgehend ziemlich originell und gut, irgendwie hatte ich Trashigeres erwartet. Am besten haben mir die folgenden gefallen, weil sie die interessantesten Prämissen hatten:
"Respawn" (Hiroshi Sakurazaka): ein Typ, der in einem "Beef Bowl"-Laden arbeitet und bei einem Überfall ermordet wird. Er respawnt im Körper seines Mörders. Es folgt eine Reihe von Toden und Seelen-Übergängen, bei dem er auch in einige Yakuza-Machenschaften verwickelt wird. Der arme Protagonist bleibt dabei irgendwie die Ganze Zeit über erstaunlich lässig. Es stört ihn eigentlich nur, dass er bei all dem Respawnen nicht in Ruhe Beef Bowls verkaufen kann.
"REAL" (Django Wexler): eine coole und spannende Geschichte, die auch in einem japanischen Setting spielt, wobei mir #18s Soapland-Berichte geholfen haben, einige der Begrifflichkeiten zu verstehen. hähö Jemand hat eine Augmented-Reality-App entwickelt, bei der man der Geschichte einer schönen, von Höllen-Dämonen bedrohten Heldin folgt. Natürlich verschwimmen dann so langsam die Grenzen zwischen der augmented und der normalen Realität.
"The Relive Box" (T.C. Boyle): es gibt eine neue Konsole, mit der man vergangene Erlebnisse VR-mäßig nochmal neu erleben kann. Die Leute schlafen kaum noch, sondern hängen immer die ganze Nacht am Gerät, um vergangenen Sex und sonstigen Spaß nochmal zu erleben, und sind den ganzen restlichen Tag entsprechend zermürbte Zombies.
"The Fresh Prince of Gamma World": ein Jugendlicher switcht zwischen der normalen Zeitlinie und einer nuklear verseuchten Endzeit-Welt hin und her. Erzählt im Stile eines Multiple-Choice-Textadventures, aber mit ziemlich deprimierenden Optionen, z.B.:
[s]tay in Gamma World, stay forever and fuck the rest of it.
[g]o home and forget there was ever another world.

"Twarrior" (Andy Weir): jemand hat als Kind ein neuronales Netzwerk names Twarrior implementiert, das Lösungen für ein Handels-Simulations-Spiel entwickelt sollte. 30 Jahre später meldet es sich wieder, und hat in der Zwischenzeit die Herrschaft über alle Computer der Welt übernommen. Es benimmt sich aber und redet wie der letzte Internet-Troll, weil es nur Forumsposts und Internetkommentare als Input hatte ("no, fuckwit. i *am* Twarrior."). LOL!

In einigen anderen Geschichten wird eine ganz klassische Art von Geschichte einfach auch Computerspiele übertragen, was nicht so originell, aber trotzdem ganz spannend ist. "Desert Walk" ist z.B. eine typische Horrorgeschichte a la "The Ring", bei der Sachen aus dem Bildschirm herauscreepen und in ihn hereingezogen werden, hier aber in ein Computerspiel. Oder "Recoil!", das eigentlich ein normaler Action-Thriller ist, aber in einer virtuellen Realität stattfindet.

Richtig schlecht fand ich nur ein paar Geschichten, was dann vor allem an einer allzu platten Moral lag. In "Creation Screen" guckt etwa ein in einem RPG ersteller Charakter durch den Bildschirm in die Welt des Spielers und fragt sich, warum der den ganzen Tag auf den Bildschirm starrt anstatt seine eigene Welt voller Wunder und blablabla zu erkunden, bleh.

Insgesamt aber zu empfehlen Spitze


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BeitragVerfasst am: 24.01.2016, 17:51                                  

So, hab jetzt endlich DAS Standardwerk über den Sezessionskrieg gelesen: Für die Freiheit sterben von James McPherson.



850 Seiten, der eigentliche Krieg beginnt auf Seite 262, man muss also Sitzfleisch mitbringen. Dafür versteht man alles, erfährt alles, wird soviel klüger und es ist eine Freude, es zu lesen. Ich habe es auf deutsch gelesen, weil mir die OV zu teuer war. Ist aber immer noch sehr flüssig und glasklar geschrieben, in erzählerischem Stil, das können die Angloamerikaner einfach, Sachbücher lesbar schreiben. Manchmal geht es zu sehr ins Detail, ich muss die diversen Wahlergebnisse nicht mit Zahlenkolonnen bis auf die letzte Stelle bekommen. Manches hab ich quergelesen, wirtschaftspolitische und soziale Betrachtungen, andere Leser überspringen vielleicht die ausführlichen Schlachtbeschreibungen. Bei Sachbüchern darf man sowas ja. Es funktioniert auch, weil die Kapitel themenweise geordnet sind, nicht streng chronologisch.

Irritierend an der Übersetzung ist die völlig selbstverständliche Verwendung von "Neger", das war auch 1988 auch schon nicht mehr so ganz angemessen bei uns. Hier übersetzt es wohl "negro", was im Englischen anders konnotiert sein mag. Dann fallen lustige Wörter wie "großer Zampano", "Hansdampf in allen Gassen" oder "schlimmer Schlamassel", da würde mich das Original interessieren.

McPherson lässt wirklich diese Welt plastisch auferstehen und sie wirkt gar nicht mal so historisch und weit weg. Napoleons Kriege waren für die Menschen der Sezessionszeit kaum weiter weg als für uns der Vietnamkrieg, also jüngere Vergangenheit. Gleichzeitig aber verwendet man hier bereits Telegraphie, die Eisenbahn, Dampfschiffe, es gibt eine mächtige, lautstarke Presse, Fotografien und viele weitere Modernismen, und die jungen USA wirken für mich so viel näher als die seidenbestrumpfte Adelswelt der großen europäischen Kriege. Das politische Treiben in Washington erinnert an deutsche Provinzpolitik, jeder kennt jeden, es geht um Pfründe, Lobbies, Mehrheiten, Abgaben, Subventionen, industrielle Interessen. Noch sind die USA keine Weltmacht, vieles läuft noch erstaunlich informell ab. Spielbergs Film "Lincoln" illustriert das sehr gut und liefert die Bilder zum politischen Teil des Buchs.

Dann aber wieder rüsten beide Seiten auf und die Zahlen an Soldaten, mit den dann bald herumgeworfen wird, klingen schon anders als in den alten Kriegen - da werden mal eben 10.000 Mann Kavallerie für einen Raid, einen kleinen Überfall hinter den Linien des Feindes, abkommandiert - 10.000 Reiter, das waren komplette Armeen mittelalterlicher Königreiche. Die Hauptarmeen auf beiden Seiten brechen schnell die 100.000 Mann-Grenze, weitere hundertausende werden rekrutiert und dann stehen 50.000 hier, 65.000 dort, 70.000 dort, an all den Nebenkriegsschauplätzen auf einer umkämpften Fläche, so groß wie das europäische Russland. Es war der erste moderne Massenkrieg mit totaler Mobilmachung, modernen Waffen und industrieller Produktion. Die Nordstaaten zeigten dabei, was eine Industrienation auf die Beine zu stellen vermag und gaben einen Vorgeschmack auf ihre unglaubliche Kraftentfaltung in den beiden Weltkriegen: aus den 16.000 Mann Vorkriegsarmee wurde eine Eine-Million-Mann-Armee, aus den 42 Segelschiffen der Vorkriegsmarine 650 dampfbetriebene Panzerschiffe, und derweil stieg auch noch der allgemeine Lebensstandard, die Volksversorgung verbesserte sich und die Arbeitslosigkeit fiel auf Null. Die dünnbesiedelten Agrarstaaten des Südens konnten niemals mithalten, ihre wenige Industrie wurde zerschlagen, ihr Lebensstandard fiel in sich zusammen, sie wurden zerstört und entvölkert. Wehe den Besiegten Geschockt

Nach Pearl Harbor war die japanische Flotte die stärkste und größte der Erde. Bei der Kapitulation war sie nicht mehr vorhanden, die Flotte der USA aber größer denn je. Japan konnte im Krieg keinen neuen Flugzeugträger mehr zum Einsatz bringen, die USA bauten derweil zwölf. Hat denn kein Japaner mal in die Geschichtsbücher geschaut? Es ist auch zum Verzweifeln, wie viel der Sezessionskrieg bereits vorausgenommen hat von den Schrecken moderner Kriege und niemand hat daraus gelernt. Die Verlustquoten der Bürgerkriegschlachten waren für damalige Zeiten verheerend und vollkommen unüblich und erschreckend, sind aber seit spätestens 1914 die Normalität.

Die zielsichere Reichweite der Bürgerkriegsmusketen war sechsmal höher als zu Napoleons Zeiten, die Strecke, die der Angreifer unter feindlichem Feuer zurückzulegen hatte, also sechsmal länger, und die Kanonen verschossen Explosivgeschosse und Splittergranaten. Da aber jeder Krieg bekanntlich mit der Strategie des vorherigen Krieges geführt wird, ließen die unerfahrenen Bürgerkriegsgeneräle ihre Männer in klassischer, dichtgedrängter Formation auf offenem Feld anstürmen, mit entsprechenden Folgen. Die Kavallerie wurde zunehmend mit Hinterlader-Repetiergewehren ausgestattet, deren Reichweite gering war, deren Feuergeschwindigkeit sie aber im Nahkampf unbesiegbar machte. Gegen Kriegsende nutzte die Unions-Kavallerie ihre Pferde nur noch, um nah genug an den Feind ran zu kommen, dann stiegen sie ab, robbten durchs Niemandsland und suchten den Nahkampf, auf ihre Feuerkraft vertrauend. Die Soldaten beider Seiten gruben sich nun ein, wo immer es ging. Eine Offensive gegen ausgebaute Stellungen war nur noch mit weit überlegenen Zahlen und massiver Feuerunterstützung erfolgreich, die Verluste waren schwindelerregend. Und dennoch ritten 1914 komplette Kavallerieverbände mit Fahnen und Trompeten und gezogenen Säbeln gegen Maschinengewehrnester... *facepalm*

Aber auch die politisch-sozialen Aspekte werden hier natürlich ausführlich behandelt. Die alles bestimmende Sklavenfrage, die unglaubliche Einrichtung der Sklaverei, und wie sie vom Süden immer wieder verteidigt wird, und mit was für Argumenten. Die Sezessionsfrage, über die ich mir bis heute noch nicht klar bin. Welches Recht hatte der Süden, sich abzuspalten, nur weil ihm ein Wahlausgang nicht zusagte? Einer Wahl, der sie ja zugestimmt hatten? Welches Recht hatte der Norden, ihn derartig dafür zu betrafen und physisch zu zerstören? Ich weiß es nicht. Immer noch ein spannendes Themenfeld, was vielleicht auch die Faszination des Krieges ausmacht - hier überfiel kein verrückter Diktator sein Nachbarland, hier gibt es kein klares Schwarz und Weiß, beide Seiten wollten den Krieg lange nicht und steuerten dennoch geradewegs darauf zu. Der Konfrontationskurs lief schon seit Jahrzehnten, es wurde bereits in den umstrittenen Grenzstaaten gekämpft, ein Stellvertreterkrieg vor dem eigentlichen Krieg, und immer neue Bundesstaaten ließen die Frage nach der Zulassung oder dem Verbot der Sklaverei immer wieder aufflammen. Ich fürchte, dieser Krieg war unumgänglich, diese Fragen mussten ein für allemal geklärt werden. Oder der Süden hätte sich der Erkenntnis fügen müssen, dass sein gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem geschichtlich überholt ist und vor dem Lauf der Zeit nicht bestehen wird, aber kann man soviel Abstraktion verlangen? Heute wissen wir natürlich alles besser. Und hätte der Norden wirklich auf der Wiederherstellung der Union bestanden, hätte er vorher gewusst, dass der Krieg vier Jahre dauern wird und eine Dreiviertelmillion Amerikaner töten? Man stellte sich das natürlich ganz anders vor, bis Weihnachten sind wir zuhause etc.

Der Krieg hätte auch tatsächlich viel kürzer sein können, hätte der Norden von Anfang an seine Überlegenheit voll ausgespielt, hätte er bessere militärische Führer gehabt, und der Süden schlechtere, hätte, hätte, hätte... oder der Süden hätte sich abspalten können, wäre Lincoln nicht Lincoln gewesen, wäre der Norden politisch verwirrt gewesen, ohne einen starken Führer, innerlich zerrissen, wäre, würde, wenn...

Also ein sehr gutes Buch, zu Recht mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, das den Leser sehr nah an die beschriebene Zeit heranführt und auch hilft, die heutigen USA besser zu verstehen. Ihr politisches System, das der Krieg umfassend umgeformt hat, der politische Hass, der zwischen Nord und Süd immer noch zu bestehen scheint, das Zwei-Parteiensystem, die Rassenfrage, der Weltmachtanspruch, die Durchdringung der Gesellschaft mit Waffengewalt. Der Krieg hat die USA, wie wir sie kennen, überhaupt erst erschaffen, die Vorkriegsstaaten wirken am Ende des Buches wie eine untergegangene Welt, Erinnerungen an eine völlig andere, weit zurückliegende Epoche.


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BeitragVerfasst am: 25.01.2016, 12:27                                  +/-

Geiler Beitrag! Jetzt hätte ich richtig Lust das auch mal zu lesen. Naja, wenigstens „Lincoln“ sollte ich mal gucken.


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BeitragVerfasst am: 25.01.2016, 13:12                                  +/-

Ich kann es dir ausleihen, wir sehen uns ja bald.


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BeitragVerfasst am: 25.01.2016, 13:22                                  +/-

Gerne, aber hast du denn keine Angst?



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BeitragVerfasst am: 26.01.2016, 11:07                                  +/-

Bring aber eine Tasche mit, es wiegt mehrere Kilo.


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BeitragVerfasst am: 02.02.2016, 09:55                                  +/-

Buchempfehlung für Leute, die viel Zeit zum Lesen haben (gute Besserung, Euse!):

Das achte Leben - Nino Haratischwili

In dem Buch erzählt eine junge nach Berlin ausgewanderte Georgierin ihre Familiengeschichte für ihre Nichte, die gerade auf dem Tanzgruppenausflug nach Amsterdam ausgebüchst ist und sich im zarten Alter von 12 Jahren alleine auf den Weg nach Wien gemacht hat.

So weit, so unspektakulär. Die Erzählerin beginnt ihre Geschichte mit ihrer Urgroßmutter um die Jahrhundertwende und arbeitet sich dann über Urgroßtanten, Großeltern, Eltern und Geschwister zu sich selbst und ihrer Nichte vor. Dabei ist ihre Familiengeschichte zufällig, aber doch eng mit den historischen Ereignissen in Georgien und Russland im 20. Jahrhundert verbunden. Die Lektüre lohnt sich also auf jeden Fall für all diejenigen, die an einer literarischen Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Region interessiert sind.

Eine weitere Stärke des Buches ist, dass es hauptsächlich der Geschichte der Frauen in dieser Familie folgt. Dabei - bevor das große Hyperventilieren ausbricht - ist das keine erzwungene Perspektive, aber so ergibt sich das halt, wenn die Männer des Hauses meistens irgendwo am Rumputschen oder -kämpfen sind und zusätzlich viele Töchter geboren werden. Damit erhält man aber auch eine nicht so häufige Perspektive auf die Geschichte, nämlich die derjenigen, die zuhause geblieben sind und da ebenfalls mit einigen politisch und persönlich bedingten Problemen zu kämpfen haben.

Und das ist teilweise harter Tobak... Wie sich die politische Elite immer wieder an den Frauen auslässt, was zum Erhalt der Familie aufgegeben oder geopfert werden muss... Ich habe das klugerweise häufig vor dem Einschlafen gelesen und war dann oft so aufgewühlt, dass ich erst recht nicht schlafen konnte. Also nicht unbedingt schön zu lesen, trotzdem irgendwie fesselnd. Da wurde mir auf 1000 Seiten nie langweilig. Und wenn man zwar darüber diskutieren kann, inwiefern die Intensität und Frequenz, mit der diese Familie Unheil abbekommt übertrieben ist, für sich genommen ist gleichzeitig nichts, was darin geschrieben wird, unrealistisch. (Was auch daran liegen kann, dass die Autorin neben eventuell einigen autobiographischen Anleihen für dieses Buch auch in Russland und Georgien recherchiert hat.)


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BeitragVerfasst am: 05.02.2016, 11:48                                  +/-

Uiuiui, ich lese gerade, auf Anraten dieses Forums, "The girl with all the gifts"

Bitte nicht spoilern!

Aber die Kinder sind... also ok, was sie sind, weiß ich jetzt. Bin aber noch nicht sehr weit.

Muss ich am Wochenende durchzocken. Ganz schön spannend.

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