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You are quite the disciplinarian - 50 Shades of Grey
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lila



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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 21:37                                  

So, nachdem mich das unwissende Herumdümpeln nervt und ich gerade vollkommen im Schmerzmittelrausch und damit dem einzigen geistigen Zustand, in dem das auszuhalten ist, bin:

*tada*

50 Shades of Grey

gelesen von mir
courtesy of Extra Power Pain Relief Pills von Tesco

Vorab: Das Buch hat viel zu viele (über 500) Seiten, aufgeteilt in viel zu viele kleine Kapitel, die alle irgendwie auch ihre eigene kleine Story sind. Verbindendes Element: In allen taucht Christian Grey auf.

Kapitel 1 - Das schlechteste Interview in der Geschichte der Interviews

Also, diese Anastasia hat keine Ahnung was sie tut und geht mit nassen Haaren ins Bett. Ihr Roomie ist krank, hat aber dieses unglaublich schwer zu organisierende Interview mit CEO Obermacker Christian Grey aufgerissen und schickt deswegen Anastasia ohne jegliche Vorbereitung dort hin. Man könnte meinen, Anastasia wäre in der Lage, Google zu bedienen, ist sie aber nicht, also geht sie da wirklich vollkommen planlos hin.
Wenn man sich mal durch die elende Beschreibung des Gebäudes (es ist groß. mächtig. eindrucksvoll. aber auch ein bisschen beängstigend. Na? ) und der blonden und attraktiven Assistentinnen gequält hat, kommt dann dieses Interview mit dem Typen, der überraschenderweise gar nicht so alt ist und außerdem unglaublich gut aussieht. Wir erfahren auch, dass Anastasia ihn eigentlich irgendwie arrogant, aber doch anziehend findet.
Nebenbei hat Kate keine Ahnung, wie man Interviewfragen zusammenstellt (eine der Fragen ist: Are you gay?), Anastasia hat sich die nicht mal vorher durchgelesen, Aufnahmegerät aufbauen kann sie auch nicht, trotzdem bietet ihr Christian Grey mal gleich nen Job an und, Traumprinz wie er ist, cancelled er sein nächstes Meeting, weil er sich noch eine Weile mit ihr unterhalten will, aka hat wohl auch nix wichtigeres zu tun, als Mädls anzubraten während seiner Arbeitszeit.

To give Anastasia some credit - sie ist ein bisschen snappy. Nur halt nicht, weil sie cool ist, sondern weil sie die letzte Unschuld vom Lande ist, die einfach keine Ahnung von gar nix hat. Dementsprechend halt auch intruiged von dem Typen ist.

Also: Insert ca. 120275 Sätze a la "I exercise control over everything", worauf - Achtung, Achtung - Anastasia sich doch manchmal "Control Freak" denkt. Überrascht

Kapitel 2 - Im Baumarkt

Blablabla, Anastasias Leben, Roomie transkribiert das Interview und ärgert sich darüber, dass sie kein Foto hat.

Blablabla, schließlich, sie bei ihrem Job im Baumarkt, da taucht Christian Grey auf, der zuuuuufällig irgendwie in der Gegend auf business trip ist. Und kauft cable ties, tape und rope. Vollkommen unauffällig, braucht man sicher auf jedem business trip. Sie labern, Anastasia erwähnt das mit dem Foto, woraufhin Grey ihr gleich mal ihre Karte gibt und ihr die Möglichkeit eröffnet, sie morgen anzurufen.

Wir lernen auch, dass der Sohn vom Baumarktbesitzer auf Anastasia abfährt, aber sie ihn immer abblitzen lässt.

Also: Anastasias gedankliches Innenleben - sie findet Grey super faszinierend, versteht das alles aber niht so ganz.

Kapitel 3 - Das Fotoshooting

Kate überzeugt Anastasia davon, das mit dem Foto zu organisieren. Irgendwie fragt man sich langsam, warum sich nicht Kate und Grey mal darüber gestritten haben, wer Anastasia nun eigentlich als Sub haben darf, weil ihrem Roomie trägt sie ja auch alles nach, gibt halt nur keinen Sex (obwohl sie auch schreibt, dass sie Kate total hübsch findet - I see a fanfic coming!!!)

Übernehmen tut das ein mit den beiden befreundeter Fotograph, der auch in Anastasia verknallt ist.

Gut, Fotos erledigt, die Studis wollen nach Hause, Grey will aber mit Anastasia Kaffee trinken, schickt also den Rest mit dem Chauffeur nach Hause, bzw. bietet das an, die anderen hauen ab, sie trinken Kaffee - bzw. Twinings Earl Grey für Anastasia, die keinen Kaffee mag - labern rum (aka Grey fragt sie aus), er will sie zum Auto bringen, dabei stürzt sie (zum zweiten Mal, das erste Mal gleich wie sie Greys Büro betreten hat), er fängt sie auf *ramontisch*, sie swooned...

Kapitel 4 - Graduation Party

... aber nix passiert. Obwohl sie schon vor sich hinhalluziniert, dass er sie jetzt doch küssen sollte. Aber, intriguing, wie der Typ ist, sagt er: Anastasia, you should steer clear of me. I’m not the man for you!

*dun dun dun*

Anastasia geht heulen. Und da muss man sich jetzt z.B. das geben:

"I have never been on the receiving end of rejection. Okay… so I was always one of the last to be picked for basketball or volleyball – but I understood that – running and doing something else at the same time like bouncing or throwing a ball is not my thing. I am a serious liability in any sporting field.

Romantically, though, I’ve never put myself out there, ever. A lifetime of insecurity – I’m too pale, too skinny, too scruffy, uncoordinated, my long list of faults goes on. So I have always been the one to rebuff any would be admirers. There was that guy in my chemistry class who liked me, but no one has ever sparked my interest – no one except Christian damn Grey. Maybe I should be kinder to the likes of Paul Clayton and José Rodriguez [Baumarktsohn und Fotograph], though I’m sure neither of them have been found sobbing alone in dark places."

Das erklärt dann auch einiges. Nicht nur über das Handeln der Protagonistin, sondern warum das Buch ankommt, denke ich.

Gut, aber dann stehen finals an, und als die erledigt sind, bekommt Anastasia plötzlich mit der Post ne Flasche Champagner, ne Erstausgabe von einem Thomas Hardy Buch und eine Karte mit einem Zitat, das im Kontext irgendwelcher sexueller Erfahrungen geäußert wurde. Anastasia, die Literaturstudentin, kennt den Kontext, versteht das aber erstmal nicht. Wo jeder andere Mensch einfach total creeped out wäre, macht sie nur ne snappy remark, dass sie ihm das doch mit einem ähnlich kryptischen Zitat zurückschicken sollte.

Dann gehen sie feiern, Anastasia - die nebenbei auch noch nie besoffen war - wird besoffen, weil sie keine Ahnung hat, wie man ordentlich säuft, und drunk dialled Grey. Der gleich den Kontrollhorror kriegt, ihr könnte ja was passieren! Sie sagt ihm aber nicht, wo sie ist und geht aus der Bar, um sich gleich noch die Frischluftwatschn zu geben, trifft da bei auf den Fotographen, der sich ihr etwas zu sehr annähert...

... und zack, errettet sie abermals Christian Grey! Der hat nämlich ihr Handy getrackt. Und war sowieso mal wieder in der Stadt oder was auch immer. Er will sie nach Hause bringen. Ana, schon voll hinüber, checkt noch weniger als sonst, was abgeht, will sich aber von Kate abmelden. Kate - die eigentlich ganz cool zu sein scheint - shaked gerade auf der Tanzfläche mit Greys Bruder ab, worauf Ana sich noch im Vollrausch denkt, dass sie denen jetzt ja ne safe sex Lektion verpassen muss. I lol'd. Aber Ana ist halt wohl einfach die, die immer brav war und auf alle aufgepasst hat.

Dann: Filmriss

Kapitel 5 - Hotelzimmer

Anastasia wacht in einem Hotelzimmer auf, hat aber noch die meisten ihrer Klamotten an und findet neben ihrem Bett Kopfschmerztabletten und very thirst quenching (sic!) Orangensaft.

Jedenfalls: Still no sex. Aber die Anspielungen wurden dann zu blöd, dass ich es trotz Schmerzmittel nicht geschafft habe, weiterzulesen.

“We didn’t,” I whisper, my mouth drying in mortified horror as I can’t complete the question. I stare at my hands.
“Anastasia, you were comatose. Necrophilia is not my thing. I like my women sentient and receptive,” he says dryly.

“Are you going to continue to scold me?”
“Is that what I’m doing?”
“I think so.”
“You’re lucky I’m just scolding you.”
“What do you mean?”
“Well, if you were mine, you wouldn’t be able to sit down for a week after the stunt you pulled yesterday. […]"

“You are quite the disciplinarian,” I hiss at him.
“Oh, Anastasia, you have no idea.”



So, aber was lässt sich bis jetzt darüber sagen: I kinda get it now. Think Frauen mit wenig Selbstbewusstsein, die zwar immer gerne hätten und so, aber sich das nie getraut haben, weil man muss ja vernünftigt und brav sein. Und dabei eine aus der Perspektive "humorvolle" Art haben, sich auch ständig selbst zu kasteien, ach, wie clumsy sie nicht sind! Das kann durchaus relateable sein. Und dann kommt da der müsteriöse Märchenprinz, der irgendwie was hat und sie immer rettet - und sich auch noch für selbiges Weibchen interessiert!!!

Also ich hatte ständig das Bedürfnis, die mal an der Hand zu nehmen und ihr zu zeigen, wie man einfach mal Spaß hat im Leben.

Gleichzeitig halt wirklich so naiv. Und dann halt gleich von 0 auf 100. Statt mal zu sagen, hey, ich springe über meinen Schatten und probier's mit dem Baumarktstypen, muss es halt gleich der emotional degenerierte Creep sein. Weil der erledigt das mit der Aufregung gleich alles für sie, da braucht sie nichts machen.

Furchtbar. Naja, ich zieh mir jetzt noch mal paar Schmerzmittel rein, vielleicht schaffe ich es noch ein paar Kapitel weiter.

------

tl;dr: LOL. *facepalm*

Gepostet am 18.02.2015, 21:48:

WTF...

Wir sind noch immer im Hotelzimmer, Anastasia duscht jetzt und denkt darüber nach, wie das jetzt denn mit dem Grey ist. Sie steht auf ihn. Zum ersten Mal in ihrem Leben will sie mit einem Typen ins Bett. Mit 21. Zum ersten Mal wollen.

Aber gut. Jetzt steht natürlich die Frage im Raum, ob er sie eigentlich will. Nachdem er ihr gesagt hat, wie er seine Frauen mag, weiß sie inzwischen, dass er zumindest nicht zölibatär lebt und auf Frauen steht. Aber auf sie? Und dann sagt ihr ihr jetzt schon very famous Unterbewusstsein: You’ve slept in his bed all night, and he’s not touched you Ana. You do the math.

Genau, die vielleicht einzig gute Leistung, die der Typ vollbracht hat, nämlich sich nicht an einer vollkommen besoffenen Frau zu vergreifen, deutet ganz klar darauf hin, dass er nicht auf sie steht. Wahre Liebe kennt keine Unzurechnungsfähigkeit!

Gepostet am 18.02.2015, 22:01:

Sie frühstücken. Es gibt eine selection vom Frühstückszimmerservicemenü und Twinings English Breakfast Tee. So hat sich das Rätsel der Twiningswerbung auch gleich geklärt.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:07                                  +/-

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern: PK will einfach nur wissen wie gut (nackt) die Sexszenen im Film sind. Du liest gleich mit der ironischen Meta-Brille das ganze Buch.

Aber:
Christian Grey hat einen Bruder? Er ist wahrscheinlich der good guy? Ich möchte eine RomCom mit ihm und Kate.

lila
Zum ersten Mal in ihrem Leben will sie mit einem Typen ins Bett. Mit 21. Zum ersten Mal wollen.


Uiuiui. Kann sowas überhaupt gut gehen? Gedankennotiz: Eine Nachfolge-Parodie schreiben, wo sich Anastasia von Mr Grey scheiden lässt, weil er als gezähmter Mann unter ihrem Pantoffel steht und langweilig geworden ist, während sie einen neuen Bad Boy kennengelernt hat.


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lila



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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:20                                  +/-

Vom Bruder weiß man nicht so viel, außer, dass er am nächsten Morgen bei Kate ist. Die aber, was man so durch Anastasias Gedankenwelt mitkriegt, nicht so ganz mit One Night Stands umgehen kann. Trotzdem, das hätte Potential!

Und nein, das kann nicht gut gehen. Oder in den wenigsten Fällen. Zeichnet sich jetzt schon ab. Für sie ist das halt alles so superneu und aufregend, dass sie das natürlich haben will, aber dabei den ganzen creepy Scheiß ignoriert.

Und weiter im Programm:

Kapitel 5 - Vom Hotelzimmer in den Lift

Aha, die Bücher hat er ihr zur Warnung geschickt. Sie sollte sich nämlich von ihm fernhalten. He doesn't do romance. His tastes are very singular. Blablabla. Er möchte ihre Lippe beißen, aber nicht, bevor der Vertrag unterschrieben wurde. Kann er ihr aber jetzt nicht erklären, sondern erst in Ruhe am Abend in Seattle. Er wird sie hinfliegen. Die üblichen Gespräche am Frühstückstisch halt. Beide smirken rum.

Uuuuh, mit jemandem im selben Bett schlafen war was ganz neues für ihn.

Anastasia packt sich zusammen, Grey führt nebenbei superwichtige business Gespräche.. Sudan... Aleppo... Much international! Such importance!

AHA!
Sie fahren gemeinsam im Lift runter, er meint "Fuck the paperwork" und wir werden beglückt mit einer außergewöhnlich einfallsreichen Lift-Kussszene. Geistiges Kommentar Anastasia: Holy Shit! Und: I have never been kissed like this - nunja, offensichtlich hast du noch nie mit irgendwem rumgeknutscht, da ist das nicht recht überraschend, dass das für dich überraschend ist. Duh!

Wird dann leider durch Leute unterbrochen, die in den Lift einsteigen. Anastasia swooned mit wackeligen Knien, Grey ist nichts anzumerken.

“You’ve brushed your teeth,” he says, staring at me.
“I used your toothbrush,” I breathe.
His lips quirk up in a half smile.
“Oh, Anastasia Steele, what am I going to do with you?”



Ich sehe schon, ich werde hier die ganze Palette an verfügbaren Facepalm-Memes nutzen müssen.


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:30                                  +/-

Ich bin absolut hingerissen! Sagenhafte Buchbesprechung - ich lechze nach einer Fortsetzung!

@Tylers Nachfolge-Parodie: Da sagst du was! Ich war bei "Die Schöne und das Biest" auch jedes Mal mega-enttäuscht, wenn am Ende der Prinz zum Vorschein kam, der nicht mal halb so viel Sex-Appeal hatte wie das Biest.




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lila



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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:31                                  +/-

Spoiler für Kapitel 6: Tyler hatte recht, der Bruder, Elliot, ist der good guy. Und er und Kate sitzen happily am Frühstückstisch.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:32                                  +/-

Lustig, bisher hatte ich gar keine Ahnung, wie die Geschichte abläuft. Alles nur Hörensagen. Klingt bisher doch gar nicht so schlecht. Ich hab auch mal eine Geschichte geschrieben über die sexuellen Eskapaden von zwei WG-Frauen, muss hier irgendwo im Forum noch zu finden sein, aber dann nicht mehr weitergeführt. Hätt' ich mal tun sollen, wär ich jetzt reich.


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 22:47                                  +/-

lila

Anastasia geht heulen. Und da muss man sich jetzt z.B. das geben:

"I have never been on the receiving end of rejection. Okay… so I was always one of the last to be picked for basketball or volleyball – but I understood that – running and doing something else at the same time like bouncing or throwing a ball is not my thing. I am a serious liability in any sporting field.

Romantically, though, I’ve never put myself out there, ever. A lifetime of insecurity – I’m too pale, too skinny, too scruffy, uncoordinated, my long list of faults goes on. So I have always been the one to rebuff any would be admirers. There was that guy in my chemistry class who liked me, but no one has ever sparked my interest – no one except Christian damn Grey. Maybe I should be kinder to the likes of Paul Clayton and José Rodriguez [Baumarktsohn und Fotograph], though I’m sure neither of them have been found sobbing alone in dark places."

Das erklärt dann auch einiges. Nicht nur über das Handeln der Protagonistin, sondern warum das Buch ankommt, denke ich.


Das erklärt alles. /insert-random-facepalm-meme]

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 18.02.2015, 23:56                                  +/-

Jetzt habe ich auch mal bei Wikipedia gespickt und den zweiten und dritten Teil nachgelesen. Gute Güte! Das ist ja alles noch viel schlimmer und grottiger, als ich dachte. Und ihr habt recht: Mit SM hat das alles nun wirklich nichts mehr zu tun. Die Idee, dass der Spaß am Spiel mit Dominanz und Submission auf kindlichem Missbrauch beruhen muss, ist auch dermaßen weit hergeholt, dass sich mir die Zehennägel kräuseln. (Irgendwo meine ich mal eine Studie gesehen zu haben, die sogar besagte, dass Menschen, die BDSM praktizieren, eher psychisch stabiler seien als eine Vergleichsgruppe. Ich weiß aber nimmer wo und kann von daher keinen Link anbieten. - Edit: Nein, halt, hier ist er doch!)

Im zweiten und dritten Band ist Christian Grey zudem völlig out of character. Na gut, er darf noch ein bisschen toben und eifersüchteln und Vaterpanik entwickeln, aber das glaubt doch kein Mensch, dass ein Mann, der in seiner Kindheit derartige Erfahrungen gemacht hat, sich plötzlich durch die Liebe einer Frau völlig umkrempeln lässt. Ich kann Celebrian nur beipflichten: Dieses Grundmotiv ist höchst enervierend.

Dabei hätte die Ausgangssituation durchaus das Zeug zu einer interessanten Auseinandersetzung: Ich meine, das ist ja schon keine ganz einfache Konstellation, wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben, von denen der eine auf Spanking steht und der andere auf Blümchensex, und ich kann mir durchaus Szenerien vorstellen, bei denen die unbedarfte Partnerin sich zunächst probehalber auf solche Spiele einlässt, vielleicht sogar in gewissen Grenzen Gefallen daran findet, dann aber doch feststellt, dass sie diesen Pfad auf Dauer nicht weiter beschreiten möchte. Was dann? Zerbricht die Beziehung dann zwangsläufig oder finden die beiden irgendeine zufriedenstellende Lösung?

Was die Ambivalenz angeht, so findet sich diese in anderen erotischen Romanen durchaus auch, ja, sie macht in gewisser Weise den Reiz dominant/submissiver Konstellationen aus. "Gordon" von Edith Templeton beschreibt beispielsweise ebenfalls eine solche liaison dangereuse, wenn auch auf literarisch wesentlich höherem Niveau und ohne Märchenprinzen.

Auch in "9 1/2 Wochen" gibt es eine Szene, in der die namenlose Protagonistin sich mit der Forderung ihres Geliebten konfrontiert sieht, vor seinen Augen zu masturbieren. Sie weigert sich strikt, woraufhin er ihr bedauernd erklärt, dass er sich nun leider gezwungen sehe, sie aus seinem Leben zu verbannen, denn solange sie bei ihm sei, geschehe, was er wolle. Er ruft ein Taxi, zieht sie noch sorgsam an, so wie er es immer getan hat, und erst als das Taxi schon unten steht, fällt sie vor ihm auf die Knie, klammert sich an ihn und beteuert, alles zu tun, was er von ihr verlangt, wenn sie nur bei ihm bleiben darf. Wie gesagt: Hatten wir alles schon! (Nur in "Gordon" oder "9 1/2 Wochen" eben literarisch viel besser umgesetzt.)

Aber in lilas Ausführungen wird ja schon deutlich, dass der Erfolg von Shades of Grey vermutlich auf den Wiedererkennungswert der Heldin zurückzuführen ist. Anastasia Steel ist so sehr das nette, etwas naive Mädel von nebenan, dass jede zweite Leserin sich in ihr wiederentdecken kann. Das dürfte bei den Protagonistinnen der etwas anspruchsvolleren erotischen Literatur wohl eher nicht der Fall sein.

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lila



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 01:16                                  

Kapitel 6 - Vom Helikopter in den Playroom

Christian - man ist ja jetzt schon per du - fährt Ana nach Hause. Mit irgendeiner fetten Karre. Die Penis-Metaphern. It's over 9000! I can't even...

Jedenfalls, im Auto hört er Musik und Ana meint einen Anflug von Zugänglichkeit zu erkennen und ist höchst erfreut. Die Freude wird dann von Kate und Elliot getrübt, die zuhause fröhlich am Frühstückstisch sitzen und sich zum Abschied einem leidenschaftlichen Kuss und - unglaublich, aber wahr - dem schlichten Ausdrücken ihrer Gefühle hingeben. Ana findet das dann schon ein bisschen schade, dass Christian nicht so ist.

Später holt er sie dann von der Arbeit ab, um sie eben mit dem Helikopter nach Seattle zu fliegen. Insert viel Gelaber darüber, wie sicher, aber gefangen sie nicht in dem Flieger ist und wie toll Christian das Fliegen findet, weil man dabei so viel Kontrolle ausüben kann. Mal abgesehen davon, dass er ein Kontrollfreak ist, hat er auch irgendwie kein anderes Gesprächsthema.

Zuhause angekommen, soll Ana dann erstmal das Non-Disclosure-Agreement unterschreiben. Was sie, wie man das heute halt so macht, tut, ohne selbiges zu lesen. Man muss nämlich wissen, die ist inzwischen schon so horny, dass ihr das alles egal ist, so lange sie nur endlich mal mit Christian in die Kiste kann. Christian ist dann so ein bisschen sauer, aber eigentlich auch nicht wirklich.

“Does this mean you’re going to make love to me tonight, Christian?” Holy shit. Did I just say that? His mouth drops open slightly, but he recovers quickly.

“No, Anastasia it doesn’t. Firstly, I don’t make love. I fuck… hard. Secondly, there’s a lot more paperwork to do, and thirdly, you don’t yet know what you’re in for. You could still run for the hills. Come, I want to show you my playroom.”

My mouth drops open. Fuck hard! Holy shit, that sounds so… hot. But why are we looking at a playroom? I am mystified.


Also eigentlich will ich ja nicht Leute dissen, die mit Sex aus welchen Gründen auch immer warten, aber in dem Fall: Bitch, get your shit together! Wenn du 21 Jahre lang einfach nix anziehend fandest, dann wird einfach ALLES "hot" klingen und wenn du dann nicht weißt, was ein Playroom ist... I can't even... how is that even possible...

Kapitel 7 - Der Vertrag

Wir werden mit einer ausführlichen Beschreibung des Playrooms beglückt. Der so spektakulär jetzt nicht klingt. Halt recht fancy, weil Grey halt die Kohle hat, sich den teuren Scheiß zu kaufen. Außerdem steht da auch ein Bett drin. Also das ist ja jetzt doch noch recht gemäßigt für so vermeintlichen Hardcore-BDSM-Kram. Ich hätte mir da jetzt Käfige und sowas erwartet. Wobei auch so ein Kreuz drin steht. Und was in den Laden der Kommode ist, weiß man noch nicht.

Jedenfalls, Ana checkt gar nix, ist aber weiter horny. Christian erklärt er dann, dass er will, dass sie ihn pleasen will, indem sie sich ihm unterwirft. Und Anas Unterbewusstsein so: Whatever, geil... FIIIICKÖÖÖÖN!!!

Aber, jetzt noch nicht, denn da gibt es ja noch paperwork. Also erstmal zum Esstisch gesetzt, Christian befiehlt ihr dann zu essen, während sie die Regeln durchgehen. Da hätten wir dann:

- Obedience (na no na ned)
- mindestens 7 h Schlaf, sie muss ja auch fit sein
- gegessen wird nur, was Cheffe befiehlt, und gesnackt werden maximal Früchte; man fragt sich, ob es hier um Sex oder Gesundheitsberatung geht
- Kleidung wird natürlich auch vorgegeben, aber auch von Cheffe bezahlt
- Fitness, mind. 4 Mal die Woche mit personal trainer; again, worum geht es hier eigentlich?
- Hygiene - alles rasiert, versteht sich (Und Ana so: Hä? Alles? Ws? *dhum*)
- auf die eigene Sicherheit achten, nicht zu viel trinken, rauchen, etc. - ich sachs ja, Gesundheitsberatung
- und natürlich darf mit niemand anderem rumgemacht werden.

Ana handelt Christian dann auf 3 Mal exercise runter und macht sich dadurch wieder irgendwelche Hoffnungen, außerdem meint sie ja, dass er sie eh fit halten wird.

Noch lustiger sind dann die (seine) Hard Limits:
No acts involving fire play
No acts involving urination or defecation and the products thereof
No acts involving needles, knives, piercing, or blood
No acts involving gynecological medical instruments
No acts involving children or animals
No acts that will leave any permanent marks on the skin
No acts involving breath control

Also für jemanden, der angeblich schon jahrelang BDSM macht, ist der aber recht lasch dabei. Als er sie dann nach ihren Limits fragt, kommt raus, dass sie noch Jungfrau ist. Da ist er dann auch erstmal sauer, weil sie ihm das längst hätte sagen sollen, weil das geht ja so nicht und überhaupt.

Kapitel 8 - And, finally, the (vanilla) sex

Christian ist entsetzt und ein bisschen sauer auf sich selbst. May God forgive me! Ana weiterhin notgeilblind und mit Selbstkasteiung beschäftigt.

“And a nice young man hasn’t swept you off your feet? I just don’t understand. You’re twenty-one, nearly twenty-two. You’re beautiful.” He runs his hand through his hair again.

Beautiful. I flush with pleasure. Christian Grey thinks I’m beautiful. I knot my fingers together, staring at them hard, trying to conceal my goofy grin. Perhaps he’s near-sighted, my subconscious has reared her somnambulant head.


Christian fragt sie noch einmal, ob sie gehen will, will sie aber nicht, also meint er, dass sie diese Situation jetzt rectifyen werden. Ana checkts wieder nicht. Christian: I'm gonna make love to you. Und Ana so: Oh myyyy....

Also, die Regeln werden für heute einmal aufgehoben, weil ihr der Christian jetzt mal die Basics beibringen muss. Also verziehen sie sich mal ins Schlafzimmer

ACHTUNG - SEXSZENE

Ironischerweise wäre das jetzt schon fast ein gutes Beispiel für wie man das mit dem Consent machen könnte, denn die Sexszene ist das unproblematischste an dem ganzen Buch bis jetzt. Christian gibt den Gentleman für das erste Mal, fragt bei allem noch mal nach, ob sie das wirklich will, überhäuft sie mit Komplimenten und Aussagen darüber, wie sehr er sie will. Verstehe schon, dass das zieht. Nur: Man kann halt in keiner Situation davon ausgehen, dass Ana auch nur ansatzweise in der Lage ist, dazu ihre Meinung abzugeben oder Konter zu geben. Die ist da in ihrem Dusel, findet alles super und checkt wie immer die Hälfte nicht. Während Christian doch immer wieder recht deutlich macht, worauf er eigentlich hinaus will nach diesem kurzen Ausnahme-"Vorspiel":

“We’re going to have to work on keeping you still, baby."
“You are very responsive,” he breathes. “You’re going to have to learn to control that, and it’s going to be so much fun teaching you how.”
“Oh, Ana, what I could do to you”
Wäre alles okay oder unter Umständen sogar irgendwie sexy, wenn man wüsste, dass sie weiß, was das bedeutet... aber für sie ist das halt alles so Hihi, der steht auf mich. Und macht das creepy.

Damit hat das Buch für mich schon vor jeglichem BDSM-Sex den BDSM-Charakter verloren, denn jeder ernsthafte Dom hätte die längst weggeschickt.

Wir lernen auch, dass Ana bisher nicht mal masturbiert hat. Also muss erstmal rausgefunden werden, wie man sie denn zum Orgasmus kriegt.

“Let’s see if we can make you come like this”

Erkenntnis: Reicht, wenn man bisschen mit ihren Nippeln rumspielt. 1 orgasm down.
Ana in dem Ganzen so: Holy shit. Oh my. He is so freaking hot. Holy Moses. Jeez. Oh please.

So bis hierhin ist Grey noch nicht mal vollkommen nackt, zieht sich dann aber irgendwann mal doch die Unterhose runter und fragt nochmal nach, ob sie das jetzt wirklich machen will. Ana im Angesichte einer Erektion: Holy Cow! Die Eloquenz dieser Frau, unglaublich.

Will sie natürlich, er sagt ihr, dass er sie jetzt ficken wird (we're talking missionary here), geht's aber erstmal langsam an, aber dann macht er halt, sie findet's super, weil sie einfach noch nie Sex hatte und irgendwie alles super findet. Und danach fragt er, ob er ihr weh getan hätte. The irony isn't lost on him, haha.

Oh, ja, und nicht zu vergessen, er erwähnt ca. 10489 Mal, dass sie gut riecht. Und zwischendurch wird irgendwann auch mal gefingert.

“You are mine,” he whispers. “Only mine. Don’t forget it.” His voice is intoxicating, his words heady, seductive. I feel his growing erection against my thigh.



Naja, dann nimmt er sie noch mal von hinten, findet das, wie die ganze Zeit davor, super, dass sie so "responsive" ist, sie kommt noch mal und dann schlafen sie ein.

Ana wacht dann alleine im Bett auf und findet Christian am Klavier vor, der irgendwas melancholisches spielt. Soooo deep!! Ana geht voll drauf ab, und als er ihr erzählt, dass er mit 6 Jahren angefangen hat, Klavier zu spielen, stellt sie sich den putzigen kleinen Christian vor. Er befiehlt ihr, ins Bett zu gehen - sie muss ja ausgeruht sein, verspricht aber, für heute mal neben ihr zu schlafen.

“Sleep, sweet Anastasia,” he murmurs, and I close my eyes, but I can’t help feel a residual melancholy either from the music or his demeanor. Christian Grey has a sad side. *herzchenaugen* *schmacht* *schmacht*



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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 01:55                                  +/-

50 Shades of Me:



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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 07:23                                  +/-

Dieser Vertrag! Und alles andere! Danke, lila, für deinen Opfermut. Ich hatte mir auch schon überlegt, mir das Dingens jetzt irgendwann mal anzutun, einfach weil ich's wissen wollte. Aber ich bin dir zutiefst dankbar, dass du mir das abnimmst. E. L. James scheint von BDSM wirklich keine Ahnung zu haben. Nun muss das per se kein Nachteil sein. "Die Geschichte der O" ist auch reine Fiktion ohne jeden realen Hintergrund, allein geschrieben, um einen Mann zu beeindrucken. Aber E. L. James hat auch von Literatur keine Ahnung, und das ist das Problem. Abgesehen davon hatte Pauline Réage wenigstens Schneid!

Und ich komme immer noch nicht über diesen Bubi hinweg, den sie da für die Rolle des düster-zerrissenen Kontrollfreaks gecastet haben. Der sieht wirklich eher aus wie einer, der hinter einer verschlossenen Tür seine X-Box-Games hortet.

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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 12:12                                  +/-

Also bisher war das ja nicht viel SM. Eigentlich gar nichts. Wann kommt das endlich?


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lila



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 13:23                                  +/-

Also ich bin jetzt in Kapitel 11, gab zwar noch etwas mehr Sex, aber SM-Maximum war, dass er ihre Hände mal mit einer Krawatte gefesselt hat. Holy Shit. PK muss sich also noch gedulden.

Außerdem hat Christian Grey sich jetzt ausnahmsweise mal als man of good taste erwiesen und Ana ein Mac Book Pro gekauft (sie hat nämlich gar keinen Computer - wie die ihr Studium gemacht hat, ist mir auch ein Rätsel). Das so neu ist, dass man es noch nicht im Laden kaufen kann. Obviously.

(Wahrscheinlich) heute Abend dann mehr über den Vertrag (diesmal in voller Länge, hahahahaha), absurde Sexszenen und den eigentlichen Star des Buchs - Kate.

@Arianrhod:
Danke auch für die Vergleiche mit anderen Werken. Diese ganze erotische Literatur ist ja nicht so mein Ding, das kenne ich alles maximal vom Namen her. Aber mit dem ganzen Hype drum herum fällt das auch schon wieder fast in mein Forschungsgebiet und hat sich bis jetzt schon als ganz interessanter Zugang zu der Perspektive herausgestellt, die mir halt immer fehlt, nämlich die der "Otto-Normalfrau", bzw. bestätigt auf weite Strecken, was ich dazu so vermutet hatte.

Aber mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte. Mir kribbelt jetzt nämlich schon die Stirn vom permanenten Facepalmen.


Gepostet am 19.02.2015, 13:36:

Oh, und Anas X-Box-Bemerkung im Zusammenhang mit dem Playroom steht so ähnlich auch im Buch.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 14:11                                  +/-

Moment, war da nicht eine Graduationparty? Wie geht das denn so ganz ohne Comput... Doppelmoment, aus irgendeinem Grund dachte ich Anastasia wäre Journalismusstudentin? Sie studierte aber Literatur? Aber mit Mac trägt Mr Grey ja sein Herz doch am rechten Fleck.


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lila



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 14:15                                  +/-

Ja, keine Ahnung, wie die ihr Studium gemacht hat. Irgendwann erzählt sie auch, dass sie gerade ein Essay fertig geschrieben hat - ob sie das nun mit der Guttenberg'schen Buchpresse oder einem Unicomputer gemacht hat, weiß ich aber nicht. Kate hat jedenfalls einen Laptop und sie ist auch die Journalismusstudentin, Ana studiert English Literature. Aber irgendwie wollen die beide ins Publishing oder so. Ich schiebe das mal auf das amerikanische Undergrad-Unisystem, wo man zwar nominell irgendein Fach studiert, aber eigentlich immer nur alles und nix macht.

Gepostet am 19.02.2015, 14:17:

Witz an der ganzen Graduation-Geschichte ist übrigens: Die studieren an einer Uni, der Grey wohl immer wieder einen Haufen Kohle überlässt. Deswegen darf er bei der diesjährigen offiziellen Graduation auch die Zeugnisse überreichen. Ich hoffe mal, das kommt noch vor, wenn er dann Ana das Zeugnis gibt. hähö


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 14:48                                  +/-

Und danach gibt‘s dann Haue für die einzige „eins minus“? *knicknack*

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wieso sich hier so viele auf dieses Buch und den Film stürzen. Das erinnert sehr an die Auseinandersetzung kritischer Intellektueller mit „Dschungel-Camp“. Da erscheinen nach jeder ausgestrahlten Folge zwanzig Feuilleton-Berichte, die in epischer Länge gleichzeitig das Geschehen im Detail nacherzählen UND anprangern. Ich stelle mir bildlich vor, wie die Journalistinnen und Journalisten vor dem Fernseher ihren Kummer in Chips und Bier ertränken müssen, um das alles zu ertragen.

Auch ne Art von SM. Nie ohne Lustgewinn. So schließt sich der Kreis.

Gepostet am 19.02.2015, 15:06:

Trotzdem gibt‘s von mir natürlich Sterne für das unterhaltsame Lese-Projekt grins


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 15:06                                  +/-

Thanil
Das erinnert sehr an die Auseinandersetzung kritischer Intellektueller mit „Dschungel-Camp“. Da erscheinen nach jeder ausgestrahlten Folge zwanzig Feuilleton-Berichte, die in epischer Länge gleichzeitig das Geschehen im Detail nacherzählen UND anprangern.


Ey, da sprichst du echt eine Pest an! Keine Ahnung warum Dschungelcamp diese kulturelle Nachbesprechung hat. Weil das deutsche Fernsehen sonst nichts zu bieten hat und Kritiker irgendwas rezipieren müssen?


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 17:44                                  +/-

Thanil

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wieso sich hier so viele auf dieses Buch und den Film stürzen.


Schrob ich andernthreads:

Im Prinzip könnte es mir ja egal sein, was andere Menschen so unter Abgründen verstehen, ob real oder fiktiv, aber mich nervt, wenn es derartig sintflutartige Kreise zieht, daß es bestimmten Aussagen über Frauen allgemein Vorschub zu leisten scheint.


Jetzt stolpere ich, wenn ich bloß meine Email-Seite aufrufe, über Interviews mit "Sexualtherapeuten" bzw. "Sexualforschern", die sowas raushauen:

Wie wirkt sich die Aufmerksamkeit für das Thema auf unser Sexualleben aus?

Kurt Seikowski: Die Bücher bedienen den Urinstinkt: Die Frau will genommen werden. Das ist ein Muster, das man den Frauen heutzutage auszureden versucht. Es funktioniert aber nach wie vor, wie auch im Tierreich. Die Gleichberechtigung in der Liebe und beim Sex wollen viele Frauen gar nicht.

[...]

Wollen Frauen im Bett dominiert werden?

[...]Dominiert zu werden kommt Frauen entgegen. Aus ihrer Sicht heißt das: 'Ein Mann gibt mir das Gefühl, die Schwächere zu sein.'


Wtf??? Selbst wenn es da Tendenzen geben sollte, die nicht soziologisch bedingt sind, was sollen diese schiefen Pauschalaussagen? Und natürlich wieder mit Seitenhieb gegen Feministen & Co., die "den Frauen" angeblich irgendwas "auszureden" versuchen. "Heutzutage". *rolleyes* (Als Eva Herman verkündete, die Männer zuckten angesichts der emanzipierten Frauen nur noch "verständnislos mit ihren starken Schultern, an die wir uns so gerne lehnen möchten", waren sich wenigstens noch die meisten "Fachleute" einig, daß die Frau spinnt.) Mir verursachen solche Aussagen einfach Unbehagen. Ich mag nicht in einer Gesellschaft leben, in dem derartiges Konsens wird.


Immerhin aber auch:

Wie wirkt denn der Hype auf Männer?

Seikowski: Ich habe mich mit vielen unterhalten: Die meisten Männer lesen oder schauen es gar nicht. Auch Frauen, die sexuell zufrieden sind, lesen die Bücher gar nicht erst. Es eignet sich vor allem für diejenigen, die etwas vermissen.
Viele Männer fühlen sich davon eingeschüchtert: Der Typ ist Milliardär und kann ihr alles kaufen. Männer beklagen sich in meiner Sprechstunde: 'Ich muss immer der Aktive, Starke sein.'

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Thanil
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 18:07                                  +/-

Und die Hoffnung ist, dass jemand auf der Suche nach den 50 Schattierungen auf die kritischen Beiträge stößt und danach schlauer ist?

Ganz schön aufklärerisch gedacht… Vermutlich denken sich das die FAZ-Feuilletonisten ebenfalls – bemerken dabei aber gar nicht, dass auch distanziertes und „ironisches“ Konsumieren in erster Linie ein Konsumieren ist. Ich schätze 80-90 Prozent aller Dschungel-Glotzer betrachten sich selbst als „ironische Konsumenten“. [/kulturpessimist]


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 18:23                                  +/-

Thanil
Und die Hoffnung ist, dass jemand auf der Suche nach den 50 Schattierungen auf die kritischen Beiträge stößt und danach schlauer ist?


Nee, so konkret nicht. Ist eher ein Bedürfnis nach Auskotzen sowie das Ausloten der Befindlichkeiten in meinem Umfeld und das Schlauerwerden durch Austausch mit anderen bzw. Rezeption weiterer differenzierter Meinungen, außerdem das Sichvergewissern, daß andere das ähnlich sehen und man nicht völlig irr ist... Halt die üblichen Diskussionsgründe. zwinkern

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lila



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 18:28                                  +/-

Ich bin jetzt mal ehrlich und sage, dass ich das tatsächlich interessant finde. Also nicht die "Handlung", aber was sich daraus und dem ganzen Hype darum ablesen lässt - wobei mir das auch ähnliches Unbehagen wie Celebrian bereitet.

Dieses Buch kumuliert einfach alles, was sich in der Gesellschaft so an (Hetero-)Sexismus befindet, liefert dabei zynisch gesagt auch die Abrechnung für die Fehltritte des Feminismus der letzten Jahrzehnte und läutet auch noch den Endkampf der Emanzipation am Schlachtfeld der heterosexuellen Sexualität ein. The final frontier! Sex sells - da hören dir plötzlich alle zu. Das wird jetzt alles oder nichts.

Wenn wir Glück haben, gibt es als Reaktion die vierte Welle des Feminismus, die mit dem allen aufräumt, wenn wir Pech haben, geht's zurück ins Mittelalter.

Gepostet am 19.02.2015, 18:30:

Oder, wie man als Sozialwissenschaftlerin immer so schön sagen kann: Das hat sich alles schon längst abgezeichnet. hähö

Gepostet am 19.02.2015, 18:37:

Sex wars 2.0!!!


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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 19.02.2015, 19:01                                  +/-

Echt? So viel Bedeutung messt ihr dem bei? Klar, die Zitate des Sexualtherapeuten sind steinzeitlich, aber selbst das ist doch nicht neu. Schon vor zehn Jahren bin ich drüben im DAF gegen derlei Verallgemeinerungen ins Feld gezogen. Der Mythos, dass eine liebende Frau den Geliebten wahlweise ändern/retten/umkrempeln/heilen kann, wenn sie ihn nur lang und tief genug liebt, setzt auch schon Spinnweben an. Das wird jetzt eben alles kurzfristig wieder an die Oberfläche gespült, aber so ein drittklassiger Flachlandroman besitzt doch nicht die Macht, einen feministischen Endkampf heraufzubeschwören. (Davon abgesehen bin ich mir gar nicht sicher, auf welcher Seite Alice Schwarzer mitkämpfen würde; die fand das Buch nämlich gar nicht so schlecht.) Dazu ist die heutige Zeit viel zu schnelllebig.

Und um mal eben die Sexualtherapeuten zu rehabilitieren: Ich war im Herbst bei einem Workshop von David Schnarch, einem in Fachkreisen ziemlich bekannten und anerkannten Sexualtherapeuten. Bei dem war von derlei Pauschalurteilen nichts, aber auch gar nichts zu hören. Im Gegenteil, er erzählte, in mindestens 50% aller Fälle aus der Praxis sei der Mann derjenige mit dem geringeren sexuellen Verlangen. Und auch, dass Wertschätzung und Respekt außerordentlich bedeutsame Aphrodisiaka seien, dass es dabei aber in erster Linie darum ginge, sich selbst wertzuschätzen und zu respektieren und auf dieser Basis dann dem Partner zu begegnen. David Schnarch würde wahrscheinlich sogar der Hypothese anhängen, dass eine Partnerschaft uns zu besseren Menschen machen kann. Aber wenn sie das tut, dann gleicht dieser Prozess eher einem Schmelztiegel als einem Dornröschenkuss - und er betrifft immer beide Partner gleichermaßen.

Edit: Eben habe ich mal nachgeschaut, was Alice Schwarzer denn aktuell zu dem Film sagt und mir ist zugegebenermaßen ein bisserl die Kinnlade runtergefallen.

Alice Schwarzer
Aber es ist keine Pornografie. Denn hier geht es nicht um depersonalisierte Fickszenen, sondern um eine Frau und einen Mann, ihre Geschichte und ihre Gefühle, in die erotische Szenen plus ein paar Hardcore-Spielchen eingebettet sind. Immer steht im Vordergrund seine Rücksichtnahme auf sie. Christian ist ein charmanter Sadist. Und Anastasia lässt sich nie zum passiven Objekt degradieren, sie bleibt denkendes und handelndes Subjekt.


Der Traumprinz liebt seine Wachgeküsste ebenso wie sie ihn. Er ist ritterlich, fürsorglich und ein fantastischer Liebhaber – solange er es nicht übertreibt.


Die trotz ihrer Naivität keineswegs schwache Literaturstudentin verlässt den strahlenden Multimillionär, der ganz nebenher auch noch Gutes in Afrika tut. Sie unterwirft sich ihm letztendlich eben nicht! Und genau das macht wohl die Faszination der Millionen Leserinnen aus: Das Spiel mit dem Feuer, das sie selber löschen können.


Wie aber lässt sich dann die Fülle von SM-Darstellungen in Medien, Literatur, Film und Kunst erklären? Sie scheint das Wunschdenken gewisser Männer zu sein. Die, die sich in ihren Chefsesseln oder Hausherr-Positionen von emanzipierten Frauen bedroht sehen. Die, die Frauen eben lieber auf allen Vieren imaginieren als ihren aufrechten Gang zu akzeptieren.


Äh, was? Hat die dasselbe Buch gelesen wie du, lila? Und wie, bitte, kann man sich zu der gewagten These versteigen, die Darstellung sadomasochistischer Praktiken in der Kunst entspringe dem Wunschdenken "gewisser Männer"? Es sollte selbst Alice Schwarzer nicht entgangen sein, dass einige der besten erotischen Romane sadomasochistischer Prägung von Frauen geschrieben wurden. Und selbst wenn ich mich der These des oben zitierten Herrn natürlich nicht anschließe, ist es doch unbestritten, dass es Frauen gibt, die an masochistischen Szenarien und dem Spiel mit Dominanz und Unterwerfung uneingeschränkt Gefallen finden. Das dann einfach nur als patriarchal versaute Erotik abzutun, erscheint mir doch etwas billig.

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