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Still composing composers
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Wolter



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BeitragVerfasst am: 09.05.2015, 00:19                                  +/-

Euseppus
Alles, was heute komponiert wird, ist zeitgenössische Musik. Wenn sich die Insider-Crowd im Elfenbeinturm gerne als "DIE Moderne" hochjazzen möchte (also als die "verbindliche zeitgenössische Musik" oder soiwas wie die offizielle), dann ist das deren Anliegen.
Ich sehe das mit der ZGM (= Zeitgenössische Musik) als eine rein private Angelegenheit eines jeden Einzelnen; wir leben auch in der Musikwelt innerhalb eines dermaßen extremen Pluralismus, dass es schon sehr engstirnig ist, behaupten zu wollen, "man" sei jetzt "DIE Zeitgenössische Musik".
Ich selber bin offen für alles und hole mir raus, was mir entweder ästhetisch gefällt oder mich formal/intellektuell/.... reizt.
Von einer Kanon-Idee habe ich mich schon längst verabschiedet. Was ein Rihm macht, finde ich genauso (rein-)hörenswert wie die mich extrem antörnenden Stücke eines Fazil Say, die Klangwelt einer Gubaidulina sind genauso hörenswert wie wenn ein Ensemble für alte Musik sich den Popsongs der Beatles annimmt (frei erfundenes Beispiel, um das Spektrum anzudeuten).
In der Welt "DER" ZGM habe ich mich längere Zeit mal bildungsbürgertechnisch aufgehalten, um dann zu merken, dass das Spektrum mir zu klein und die Welt dafür irgendwie zu bunt ist.

Die Frage, wie man überhaupt sowas wie ZGM für sich definiert, ist extrem spannend, genauso, wie die, wie man sich darin als Rezipient zurechtfinden kann. Grüßgott an die Globalisierung und vielen Dank.

Gepostet am 04.05.2015, 11:22:

Gidon Kremer finde ich ja anbei ein gutes Beispiel dafür, wie ein Weltmusiker von jetzt und heute "Zeitgenössische Musik" auf so lustvolle wie ernsthafte Art und Weise für sich definieren kann.

Okay, ich formuliere die Frage mal ein wenig um, denn latürnich steht jedem diejenige Ausprägung des Musikgeschmacks zu, die sich bei ihm durch welche Umstände auch immer entwickelt hat:

Ist für die Definition dessen, was im eigentlichen "engen" Sinne als Neue Musik (NM) oder zeitgenössische Musik bezeichnet werden kann – so vielfältig ihre Ausprägungen im Einzelnen auch sein mögen – ihre mehr oder weniger deutlich hörbare (oder in der Partitur sichtbare) künstlerische Originalität essentiell? Will sagen/fragen: Hat ein Komponist eine Chance auf fachlich begründete "NM-kollegiale" Anerkennung, wenn er zwar sehr eingängig und unterhaltsam schreibt, man beim Hören eines Stücks aber doch irgendwie das Gefühl hat (oder es aufgrund umfassender musikstilistischer Bildung sogar definitiv weiß), daß dessen persönliche Musiksprache nichts wirklich "kreativ Neuausgedachtes" bieten kann?

Auf Sallinens erwähnte Komposition bezogen: ich finde sie sehr unterhaltsam, und vielleicht sind in der Partitur sogar für Kenner raffinierte kompositionstechnische Innovationen verborgen – aber so richtig was Originelles im ursprünglichsten Wortsinne kann ich (als Laie) da nicht hören. Aber vielleicht ist das auch "nur" Sallinens persönliche "Köchel-Nummer 522", die er sich einfach mal aus Jux geleistet hat, als Kontrast zu seinem Bemühen um "NM-Anspruch" in seinen "normalen" Kompositionen? (Ich frage so, Verlegen weil ich von ihm andere Kompositionen noch nicht kenne.)



(Ich erinnere mich, daß wir beide an Phil Glass’ Musik das Bemühen um Kreativität vermißten, wobei aber zumindest ich dabei durchaus sagen kann, daß mir ein Glass-Stück meist nicht quer im Gehörgang liegt, sondern es durchaus angenehm daherkommt. Nur langweilt man sich halt etwas schnell, wenn man vor nicht allzu langer Zeit etwas mehr Musik von ihm gehört hat... was mir bei Musik von Bach nie passieren würde. Von der wird einem nie langweilig! *apodiktischfeststell* zwinkern)

Euseppus
wir leben auch in der Musikwelt innerhalb eines dermaßen extremen Pluralismus [...] Ich sehe das mit der ZGM (= Zeitgenössische Musik) als eine rein private Angelegenheit eines jeden Einzelnen; [...] Von einer Kanon-Idee habe ich mich schon längst verabschiedet.

Das regt mich noch zu weiterem "lauten Nachdenken" an... zwinkern

Es ist auch mir nicht entgangen, daß es die von dem Dreigestirn Boulez-Nono-Stockhausen und ihren Anhängern in den 50er Jahren mehr oder weniger offen angestrebte/propagierte Festlegung der Neuen Musik auf bestimmte kompositionstechnische (serielle) und auch weltanschauliche (linke) "Pflichterfüllungen" schon längst nicht mehr gibt. So einen öffentlich inszenierten ideologisch motivierten Affront wie den der genannten drei gegenüber einem ihnen "zu tonal" komponierenden Kollegen (Henze) gibt es heute natürlich schon längst nicht mehr, und auch kakophonieverliebte Penderecki-Hasser hassen nur noch still vor sich hin. zwinkern

Der überambitionierte künstlerisch-politische Anspruch der NM, (quasi parallel zu den damaligen Schriftstellern etwa der "Gruppe 47") auf die Gesellschaft positiv einzuwirken, hat sich also verflüchtigt, es trat für nicht wenige Komponisten gewissermaßen der Musikgenuß des Publikums als eine nicht unwichtige Richtgröße wieder in den Vordergrund, und die von Dir erwähnte Privatheit eines jeden, sich aus dem NM-Spektrum individuell stilistisch das einem am meisten zusagende auszuwählen, folgt daraus ganz von selbst. Der heutige "extreme Pluralismus" hat für mich dabei allerdings einen Nachteil: da es in unserer Zeit einen akustisch identifizierbaren musikalischen Epochenstil, wie er jeweils frühere Zeitalter geprägt hatte (Renaissance, Barock, Klassik, Romantik...), nicht mehr gibt, sind auch die früher in allen Kompositionen mehr oder weniger gut aus der Partitur "herausanalysierbaren Orientierungspunkte" verlorengegangen, anhand deren man verschiedene Kompositionen verschiedener Komponisten qualitativ miteinander vergleichen kann.

Heutzutage kann jeder Komponist sich mehr oder weniger konsequent sein eigenes Regelwerk erfinden, nach dem er seine Musik gestaltet, und dadurch schafft er sich die Handhabe – und das ist der von mir bedauerte Nachteil –, sich einer (vom Geschmack einigermaßen unabhängigen) Qualitätseinschätzung von Laien praktisch vollständig zu entziehen: wie soll ich jetzt beurteilen, ob das Stück XY ein – gemessen an dem erwähnten Regelwerk – "gutes" und "gelungenes" ist? Es ist natürlich auch schon okay, wenn einem spontan – ohne genau sagen zu können, wieso – dieses XY gefällt oder mißfällt, aber ich will verstehen, warum die "Experten" eine Komposition als gelungen loben oder als mißlungen kritisieren, auch wenn ihnen keine eindeutig identifizierten kanonisierten Qualitätskriterien mehr zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe sie mir das ansonsten hätten erklären können! *mitFußaufstampf*

Euseppus
Gidon Kremer finde ich ja anbei ein gutes Beispiel dafür, wie ein Weltmusiker von jetzt und heute "Zeitgenössische Musik" auf so lustvolle wie ernsthafte Art und Weise für sich definieren kann.

Jo, ihm haben viele heutige Tonkünstler was geschrieben und gewidmet – unter den etwas jüngeren geigespielenden Künstlerpersönlichkeiten mit Faible für heutige ohrenkitzelnde Werke stechen für mich übrigens Carolin Widmann und Patricia Kopatchinskaja heraus. Erstere hat gestern Abend – vom WDR übertragen – ein neues Violinkonzert von Marc Andre uraufgeführt (muß es mir noch mal anhören, um mein Laienurteil abzugeben), und zweitere kenne/schätze ich mit Werken von z. B. Peter Eötvös, Fazil Say (mit dem sie auch oft kammermusikalisch auftritt, da Say nebenbei ein brillanter Pianist ist) oder Sofia Gubaidulina (vor knapp drei Monaten habe ich Kopatchinskajas Interpretation ihres 1. Violinkonzerts "Offertorium" in der Laeiszhalle gelauscht, wobei ich mich davon überzeugen konnte, daß sie tatsächlich barfuß auftritt... zwinkern – und dieses Violinkonzert hatte Widmungsträger Gidon Kremer vor 34 Jahren uraufgeführt, womit sich der Kreis schließt!). Famose Künstler sie alle! Spitze

Randnotiz: in dem WDR-Konzert wurde zu Anfang eine Komposition von Luigi Nono gespielt und damit an seinem 25. Todestag – und genau so lang, aus reinem Zufall der zeitlichen Koinzidenz, nenne ich eine CD mein eigen, auf der auch eine Nono-Komposition drauf ist zwinkern – seiner gedacht.


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 09.05.2015, 19:03                                  +/-

Da ich im Vorbeitrag Carolin Widmann erwähnte... gleich nach den 20-Uhr-Nachrichten wird im Kulturradio des rbb ein Konzert gesendet, das vor drei Wochen in der Berliner Philharmonie gegeben worden ist. Es beginnt mit einer Komposition von ihrem als Komponist höchst erfolgreichen Bruder Jörg, die ebendieser "Babylon-Suite" genannt hat. Weil zudem der Dirigent Kent Nagano heißt, ist die Schlußfolgerung, daß es sich dabei um ein musikalisch-konzertantes Destillat seiner vor ca. 2½ Jahren in München von Nagano uraufgeführten Oper «Babylon» handelt, wohl nicht allzu gewagt zwinkern.

Das "normale" Publikum war begeistert, die schriftliche Kritik gab sich eher unterwältigt.

Auf diese Diskrepanz im Pausengespräch der damals vom BR ausgestrahlten (Ur-?)Aufführung angesprochen, gab er sich ziemlich souverän (hier mit meinen ihn auch interpretierenden Worten): die extremen Reaktionen in beide Richtungen seien doch sinnbildlich für die in der Handlung thematisierten Extreme zwischen "heidnischer" (sinnenfroher babylonischer) und jüdischer (asketischer) Religiosität; die Stil-Imitationen (z.B. des bayerischen Defiliermarsches hähö) seien zwar nicht zu bestreiten, aber jede Einzelimitation für sich eindimensional als "epigonal" anzuprangern, das würde der Gesamtbild nicht gerecht, denn man müsse da auch das "große Ganze" im Auge behalten, das Konzept, nach dem diese verschiedenen Stilistiken miteinander kombiniert würden; dergestalt rezipiere man ja auch die Musik von Gustav Mahler, dessen Sinfonien und Lieder ja ebenfalls von "epigonalen" Scheinzitaten nur so strotzten, und deren spezielles Miteinanderkombinieren eben doch wieder etwas Neues ergebe.

Dadurch, daß ich mir die Oper und das Gespräch heute Nachmittag wieder angehört habe, entfällt für mich nun praktisch weitgehend meine vorherige argumentative Konzentration auf die mögliche stilistische "Nicht-Originalität" einer neuen Komposition zwinkern.


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BeitragVerfasst am: 09.05.2015, 21:37                                  +/-

Eine Oper von Peter Sloterdijk? *skeptisch* Ich verstehe übrigens kein Wort, obwohl laut Libretto auf deutsch gesungen wird. Braucht man da einfach nur Oper-Erfahrung oder ist das normal, dass der Liedtext zu einem Ohr hinein und durchs andere hinaus geht?


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BeitragVerfasst am: 09.05.2015, 21:55                                  +/-

TD
Eine Oper von Peter Sloterdijk?

Yes Je nun, vollständig: Eine Oper von Jörg Widmann und Peter Sloterdijk. Geschliffen formulieren kann der als Librettist Neuland betretende Filosof ja.

TD
Ich verstehe übrigens kein Wort, obwohl laut Libretto auf deutsch gesungen wird. Braucht man da einfach nur Oper-Erfahrung oder ist das normal, dass der Liedtext zu einem Ohr hinein und durchs andere hinaus geht?

Meinst Du die paar Musikstellen, von denen die BR Klassik-Radiokritik untermalt wird? Naja, Ensemblestellen sind meistens schwer bis gar nicht verständlich, und wenn Sopranstimmen sich in die Höhe schrauben... kommen noch andere akustische Erschwernisse hinzu, die die Textverständlichkeit beeinträchtigen. zwinkern

Aber über Kopfhörer geht es besser. Yes

Jo, und das ist meine Antwort. Auf die nächste Auskunft mußt Du dank Deiner hochwohllöblichen softwaregenerierten Illiberalitäts-Demaskierung knapp 65 Minuten warten! Spitze grins


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 09.05.2015, 23:02                                  +/-

Na, das Babylon-Ding lief doch gerade im Kulturradio RBB bis 23 Uhr ... Halt. Moment, ich sehe gerade, da könnte ich auch zu spät und bei Igor Strawinsky Psalmensinfonie gewesen sein.

Mit Carolin Widmann Violinkonzert von Mark Andre tat ich mich ähnlich schwer wie mit Euses Komposition ....


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 14.05.2015, 13:49                                  +/-

????? Komisch, ich hatte da doch recht optimistisch angenommen, daß meine Qualitätskriterien-Bemerkungen dem hochgeschätzten Herrn Experten genügend Motivation zu kompetenten Erwiderungen hätten liefern können.

Die Frage bleibt nämlich auch bei der collagenhaften Ineinanderschiebung verschiedener Stile (→ Alfred Schnittke: Polystilistik, → Bernd Alois Zimmermann: Kugelgestalt der Zeit): wann ist sowas "künstlerisch wertvoll", und wann ist es eben doch nur epigonal?



@ Tyler: das Violinkonzert von Mark Andre hast Du über meinen Link im WDR-Konzertplayer gehört, oder? *sichergehenwill* zwinkern

Ach so, und wo hast Du Kompositionen vom Euseppus gehört? *neugierig*


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 14.05.2015, 14:10                                  +/-

Dadurch, daß ich mir die Oper und das Gespräch heute Nachmittag wieder angehört habe, entfällt für mich nun praktisch weitgehend meine vorherige argumentative Konzentration auf die mögliche stilistische "Nicht-Originalität" einer neuen Komposition

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BeitragVerfasst am: 14.05.2015, 14:26                                  +/-

Nur darauf bezogen, daß das Argument – oder die Denkweise – weggefallen ist, die Qualität einer Komposition aufgrund im Detail herausgehörten "Ist-schon-mal-dagewesen"’s per se schon in Zweifel zu ziehen! Die (für Laien sich so darstellende) Undurchschaubarkeit der vom Komponisten verwendeten (ggf. eben durch eigenes Regelwerk konzipierten) Kompositionstechnik – und die Frage, ob die jeweilige Komposition die in ihr ausgeführte Technik auf kreative Weise mit Leben erfüllt – bleibt mir als Problem erhalten. zwinkern

(Hatte mich vorher vielleicht ungeschickt ausgedrückt... Verlegen)




[In eigener Sache] Nach diesem Beitrag kann ich bis morgen Mittag nix mehr antworten, weil der Admin mit seiner für mich modifizierten Forumssoftware mir weiterhin die "linksliberale Toleranz" der Kneipe demonstriert...


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BeitragVerfasst am: 14.05.2015, 17:00                                  +/-

Ich hatte an dieser Frage schon ziemlich rumüberlegt. Ich kann darauf wieder nur subjektive Antwort geben, weil jeder meiner "KollegInnen" das ebenfalls wieder ganz anders für sich bewerten würde.
In konzentrierter Form: Das Mittel ist noch nicht die Kunstform selbst. Genauso wenig die individuelle Klangsprache ("Kompositionstechnik" ist, glaube ich, tatsächlich zu "technisch"). Man kann verschiedene Kompositionsmittel oder die Ästhetik einer Klangsprache aus verschiedenen Gründen ablehnen oder gutfinden - oder einfach sehr subjektiv "mögen" (meistens liegt es daran, wie nahe man der Sache jeweils selber ist, glaube ich - traurigerweise...). Generell sind Mittel und Sprache aber einfach. Sie sind weder gut noch schlecht. Spannend wird es erst in dem Moment, in dem der Komponist sie in seinem Sinne einsetzt. Und da kann ich mir schon vorstellen, dass es auch einen "billigen" Einsatz von Mitteln gibt oder einen "intelligenten" oder einen "komplexen" oder .....
Da schon besprochen, hier vielleicht bezogen auf Glass:
Eines der Hauptmittel und somit auch essentieller Bestandteil seiner Sprache ist die Wiederholung und Variation von Akkordbrechung, was durch wechselnde Instrumentierung verschiedene Klangfarben durchläuft. Meine Kritik daran ist nicht, dass er es macht, sondern dass er seit Jahrzehnten nichts anderes macht. Handwerklich gilt da: Das kann ich auch. (Oder, für alle Komponisten und Arrangeure des Globus gesprochen: "Das kann jeder.")
Ist es originär? In seinem ganz speziellen Fall ja, weil es mitunter seine "Erfindung" ist (so an der Entstehung der Minimal Music beteiligt wie er ja war.) Ist es originell? Nein, das Gegenteil.

Jetzt ist Glass aber ein sehr sehr einfach daliegender Fall - und trotzdem würde mir wohl ein Großteil aller Komponisten entweder widersprechen und die, die mir beipflichteten, würden das wieder aus ganz anderen Gründen tun, als ich selber es begründen könnte.
"Originell" und "künstlerisch wertvoll" sind dermaßen komplexe Begriffe, dass auch die Herangehensweise, wie ich sie eben aufgezogen habe, nicht wirklich greift (erst das Handwerk, ergo Mittel und Klangsprache, dann der Kontext) - zumindest nicht für den Rest der Welt.
Es gibt vielleicht Kriterien dafür, etwas noch eher als "abgeschmackt" o.ä. bezeichnen zu können (z. B. wenn sich ein Komponist zu Tode zitiert oder ein Mittel bis zum Erbrechen einsetzt), das wohl noch am ehesten. Ansonsten wird es so viele verschiedene Standpunkte und Haltungen geben, die mit Ästhetik zu tun haben oder dem, was ich am jeweiligen Tag zum Frühstück gegessen habe, dass es da keine kanonische Bewertung gibt.

Ich habe in München vor einem Jahr die UA einer Kammeroper erlebt, die ich sehr spannend fand. Eine eigene Klangsprache, die aber auch aus dem Barock zitierte (wörtlich und teilweise "sinngemäß", sprich durch Fugato oder Arioses, etc.); eine Art Crossover also, und das kann ja schnell mal plump werden. Das ist dem Komponisten nicht passiert; dabei war er aber jetzt nicht automatisch "originell": Er hat mit stilistischer Sicherheit zwei Welten vereint, ohne eine von beiden der Lächerlichkeit preiszugeben, das ja; vor allem aber hat er das im Dienst einer gewissen Sache getan:
Er hat zum einen in einer Oper die Gattung Oper reflektiert (ohne dabei "meta" zu werden - also nicht nur stilsicher, sondern auch "unverkünstelt" - interessant, dass ich hier als Bewertungskriterien v.a. aufführe, in welche Fettnäpfchen er NICHT gestakst ist, oder?), zum anderen aber hat er - und das scheint mir das Wichtige - dies alles bewusst um seines Sujets willen eingesetzt, der kargen Handlung der Oper (Mann kommt als eine Art Wiedergänger zu seiner Familie zurück und darf nur bleiben, wenn jemand ihn noch genug liebt): Diese Handlung wurde von ihm philosophisch durchdacht und aus diesem Durchdenken wurde dann ein kompositorischer Überbau, für den er sich entschied, diese und jene Mittel einzusetzen.

Ich denke, dieser Horizont ist es, den es eigentlich zu bewerten gilt bei einem Kunstwerk, und nicht die eingesetzten Mittel, bzw. deren Originellität, oder auch die Klangsprache. Ein Künstler hat natürlich sein handwerk zu beherrschen, sonst fängts ja auf dieser Ebene schon an, nix zu werden. Da es meiner Ansicht nach in einer Bewertung darum gehen muss, wie denn diese Mittel warum eingesetzt werden, wird die Fragestellung dadurch so unendlich weit, dass es letzten Endes keine klare und einfache Antwort darauf geben kann - und auch nicht darf -, wie originell und wie künstlerisch wertvoll die Klangsprache eines Komponisten ist. Jeder Komponist, der aufgeführt wird, kann sehr gut orchestrieren und beherrscht sein Handwerk. Die Auseinandersetzung über seine Kunst muss also auf einer weit weit erhöhteren Ebene stattfinden. Und ich persönlich glaube, dass ich da selbst immer nur aus meinem eigene Geschmack heraus beurteilt habe - und ja, ich glaube, der Großteil meiner "KollegInnen" tut das auch. Und das hat vielleicht jeweils viel mehr mit ganz generellen Haltungen als mit musikalischem Geschmack zu tun.

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Wolter



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BeitragVerfasst am: 26.07.2015, 15:23                                  +/-

@ Eusebio: als zugegeben schwacher Ersatz dafür, daß ich mit meiner Erwiderung irgendwie nicht zu Potte komme (wo anfangen, wie strukturieren... *prokrastinier*), habe ich jetzt einen Hörtipp, der in etwa einer knappen Dreiviertelstunde losgeht:

hr 2 Kultur, Musikalische Streifzüge mit Niels Kaiser, 17.05-18.00:
American Piano Pioneer: Leo Ornstein

Der Mann war ein Phänomen! Gelebt hat er – bitte festhalten! – von 1892 bis 2002.

(Und er hat was mit meinem Urgroßvater gemeinsam, wie die Schurkenuser-Leser vielleicht noch wissen. zwinkern)


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 06.02.2016, 11:07                                  +/-

Bruckners 9. Symphonie, seine letzte.
Warum unter "Still composing composers"? Weil es eine Erstaufnahme ist - der vollständigen Symphonie.
Bruckner trug ja (samt Dvorak und Mahler) zu dem Mythos bei, dass nach Beethoven alle großen Symphoniker über ihre 9. nicht hinauskamen. Bei Mahlers handschriftlicher Partitur finden sich zahlreiche Eintragungen a la "Warum?", etc., sogar Tränen haben sie im Nachhinein darauf gefunden, da hat einer wirklich mit diesem "Fluch" der Musikgeschichte und seinem eigenen Schicksal gerungen.
Anton Bruckner, der gebückte, kleine, unansehnliche Organist, der diese eigenwilligen Klangkathedralen von Symphonien baute, hat seine 9. ebenfalls nicht vollendet - bisher gab es im Konzertbetrieb immer schon den Schluss nach dem 3. Satz.
Vor wenigen Jahren hat aber Rattle mit den Berlinern eine vollständige Aufnahme herausgebracht. Rattle ist ja einer der umtriebigsten und jetzt-zeitigsten Künstler der Gegenwart; unter seiner Einflussnahme haben sich Musikwissenschaftler drangemacht, den Schlusssatz zu rekonstruieren. Das Überraschende (erzählt das Booklet): Da war gar nicht soviel zu machen! Über 90 % des Satzes lagen fertig (!) von Bruckner vor, der Rest musste nur noch instrumentiert werden.
In meiner Jugend war ich Bruckner-Fan, ganz böse; ich kenne alle Symphonien sehr gut und eine meiner Examensprüfungen (Musikgeschichte) habe ich über Bruckner und seine Symphonien gehalten.
Als ich dann die Rattle-CD liegen sah, dachte ich mir natürlich: "WTF!!!!???"

So. Also:
Ernüchterung. Ich weiß gar nicht so genau, warum. Denn Bruckner ist hier einfach - - Bruckner. Ein zerklüftetes erstes Thema, ein andersgeartetes zweites, ein fetter Bläserchoral. Der ganze Satz einteilbar in die üblichen Abteilungen an Verarbetungstechniken, Sequenzierungen bis zum Umfallen, Steigerungen ins Nichts...
Ich bin zum Einen enttäuscht, dass Bruckner das macht, was ich ihm mit zunehmendem Alter und abnehmendem Fandome begann, übelzunehmen: Er macht immer das Gleiche. Das fällt einem natürlich besonders dann auf, wenn man sich auf "Was NEUES vom Meister!" eingestellt hat. Ich darf ihm da eigentlich nicht böse sein: Es ist ein echter Bruckner. Und bestätigt damit leider auch die Kritikpunkte, die ich erst sehr spät an ihm zugelassen habe.
Nur: Diese Verarbeitungen wären ja okay - wenn das zugrundeliegende Material spannend wäre!
Ich hatte mich natürlich auf neue (!!!) Themen, tolle Melodien gefreut, die ich einer inneren Bruckner-Library zuordnen darf!
Aber genau das ist die größte Enttäuschung: Das ist das unvorhandendste Themenmaterial EVER in einer romantischen Symphonie. Die Themen 1 und 2 könnte ich auch nach zweifachem Durchhören des Satzes nicht Nachsingen oder irgendwie rhythmisch andeuten o.ä.
Der Bläserchoral: Der ist ein Glanzstück, sehr schlichte Melodik, teils tolle, riesige Klangfarben, die er dem mit auf den Weg gibt. Da kommt scheint mal die Idee "Großer Abschied" auf.
Aber sonst: Zum xten Male die gleichen kompositorischen Verhaltensweisen - aber jetzt um nichts drumherum. Traurig



Da kann ich nur "Beethovens 10." empfehlen, 1. Satz. grins
Hat vor 20 Jahren ein Amerikaner aus irgendwas Beethovenschem destilliert. Sehr schöne Musik (erinnert an das Konzert für Klavier, Chor und Orchester vom Duktus her) und ich kann ziemlich bestimmt sagen, dass das NICHT Beethovens Zehnte geworden wäre. hähö



Wunderschönes Thema im A-Teil. Smilie Alleine das ist es wert.


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 22.02.2016, 20:11                                  +/-

Jetzt gibt es quasi eine Sendung "Not any more composing composers"! zwinkern


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 05.03.2016, 23:46                                  +/-

Eleonore Büning, F.A.Z.-Musikkritikerin:
(Einleitende Worte zur Jubilarwürdigung für Aribert Reimann, der gestern 80 geworden ist)
Komponieren ist die brotloseste aller Künste. Das gilt immer noch, trotz Gema, trotz Urheberrecht, beinahe wie zu den Zeiten Bachs. Von der Aufführung ihrer Werke leben jedenfalls die wenigsten. Wer sich heutzutage den Luxus leistet, Musik zu erfinden, der muss, will er sich nicht gleich auf Gebrauchsmusik verlegen, den Lebensunterhalt quer finanzieren durch Stipendien, Residenzen oder Lehraufträge, bei denen er wiederum Kompositionsschüler ausbildet, die dann ihrerseits Stipendien, Residenzen brauchen. Und so weiter: Was Wunder, dass sich in der zeitgenössischen Musikszene immer wieder Seilschaften, Clans und Schulen bilden.

In Internetzeiten scheint es noch andere Möglichkeiten für den kreativen SichdenLuxusLeister von Welt zu geben. Yes zwinkern

Reimann hat übrigens dort sehr interessant über seinen «Lear» (den ich mir dann auch noch durchs Ohr gepustet habe) und andere Werke bzw. andere Künstlerpersönlichkeiten gesprochen. Und dort gibt’s eine kleine Bildergalerie.


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BeitragVerfasst am: 06.03.2016, 23:59                                  +/-

Bedauerlicherweise habe ich dem löblichen Herrn Kneipenkompositör nicht rechtzeitig diese interessante Sendung empfehlen können, da Tylers Dämlacksoftware dem ach so pöhsen Wolter mal wieder das Einstellen von Beiträgen vor einer bestimmten Uhrzeit (diesmal 23.33) verwehrt hat. Smilie

In besagter Sendung wurde in einer Wort-Musik-Collage von einigen Komponisten – Klaus Lang, Isabel Mundry, Chaya Czernowin, Georg Nussbaumer, Richard Barrett – die Frage gewälzt (in meinen Worten ausgedrückt), wie man etwas lehren kann, was höchstens gerade erst im Werden oder sogar noch nicht einmal entstanden ist... was im Gegensatz zu dem, was inzwischen musikalische Tradition geworden ist, sozusagen noch keinen festen Grund unter sich hat; und ob mit der künstlerischen Tätigkeit auch eine politische Haltung verbunden sein müsse...



Aus Beitrags-Einspar-Gründen (ugly) kommt auch dies mal hierher, was ich, wenn es mir möglich gewesen wäre, um 18.27 Uhr selbstverständlich im richtigen Thread untergebracht hätte:

Nikolaus Harnoncourt (einer, der uns unverzagt das Wunder der Musik hörbar machen konnte) ist gestorben. Traurig

Als er vor drei Monaten seinen imaginären Taktstock urplötzlich (und mit einem berührenden Brief an sein Publikum in Wien) an den Na aus der Hand gab, da hatte er es im Gespür... oder kurz vorher eine schlimme Diagnose gestellt bekommen.

Traurig

Das mit der schlimmen Diagnose scheint zu stimmen: in einer der späteren Radionachrichten kam die Formulierung "nach schwerer Krankheit gestorben"... Geschockt


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BeitragVerfasst am: 07.03.2016, 20:43                                  +/-

Ich habe heute auf B4Klassik eine wunderschöne einstündige Hommage von Freunden und Weggefährten gehört - und (ohnehin Fan der historischen Aufführungspraxis) sofort wieder Lust bekommen, weitere Harnoncourt-Interpretationen zu entdecken (z. B. seine Einspielung der letzten drei Mozart-Symphonien).

Irre, was dieses Jahr so alles am Stück verstirbt........... Traurig Traurig Traurig


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 16.04.2016, 22:59                                  +/-

Heute wird der Komponist Pēteris Vasks 70 Jahre alt, und das lettische Radio hat das schon die ganze Woche gefeiert:



Unterm Rīgaer Dom macht er’s nicht. Spitze



Sympathische Übereinstimmung, was den unprätentiösen Kleidungsstil anbetrifft. Aber nach Pk-Maßstäben qualifiziert er sich wahrscheinlich nicht für den Bärte-Thread, oder? zwinkern

Seine Musik ist verhältnismäßig tonal und oft sehr melancholisch. Meist gelingt es ihm so, durch seine Musik eine (nonverbale) Botschaft – vēstījums – der Humanität zu transportieren...



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Wolter



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BeitragVerfasst am: 01.07.2016, 22:41                                  +/-

Jubiläumswoche des Pauls Dambis (weil gestern 80 geworden) im Lettischen Radio:

"Lieder des Meeres", Streichquartett Nr. 6, "Rīgaer Psalmenbuch"
"Stimmen der Hirten", "Buch für Cembalo" und "Shakespeare-Musik"
"Albrecht Dürer zum Gedenken", Streichquartett Nr. 5 u. c.



Interessiert außer den Hauskomponisten der Kneipe (wenn überhaupt wen, und er wird's wahrscheinlich eklektizistisch u./o. epigonal finden) wahrscheinlich keinen, aber egal. zwinkern Letten sind eben nicht so auf die Gleichung modern = kakophon fixiert. Yes

Der berühmtere Komponistenjubilar – Hans Werner Henze wäre heute 90 geworden – klingt für "ungeschulte" Ohren sicherlich noch gewöhnungsbedürftiger. Um so erstaunlicher ist, daß er seinerzeit bei Luigi Nono, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, den Platzhirschen der ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte, seiner Ablehnung der herrschenden seriellen Musikästhetik bzw. -doktrin wegen (was bedeutete, daß er durchaus noch "melodiös" komponierte) auf extrem starken Widerstand stieß.



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Gerstenbob



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BeitragVerfasst am: 03.07.2016, 19:43                                  +/-

Aha, sehr interessant. hähö


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 03.07.2016, 21:48                                  +/-

Wolter
und er wird's wahrscheinlich eklektizistisch u./o. epigonal finden


Falls Du mich meinst: Sehe ich gar nicht so. Stil-Eklektizistisch heranzugehen, finde ich absolut okay bis gut in der globalisierten Welt - und das, wo ich eben bei YT reingehört habe, hat mich eher an die Neue Einfachheit ab den 60ern erinnert, so an Gorecki in weniger meditativ - da würde ich den guten Mann eher historisch sehen in seiner Klangsprache; hat ja jeder seinen Kontext, aus dem er erstmal nicht rauskann.


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 03.10.2016, 22:57                                  +/-

Das vielleicht erste zeitgenössische Musikstück, das ich je im Konzertsaal erlebt habe, müßte dieses hier von Steve Reich gewesen sein (natürlich gab es bei dem weiter unten erwähnten Kremer keine "Ballett-Inszenierung" zwinkern):



Damals in den frühen 80er Jahren (wie ich jetzt Jahrzehnte später vermute) trat Gidon Kremer in der Hamburger Musikhalle auf, hauptsächlich natürlich mit klassischem Programm. Zwischen die diversen Klassiker hat er aber auch das gemogelt: ein Stück für eine Violine, die von sich selbst auf mehreren Tonbandspuren begleitet wird. Der Gag des Stücks besteht darin, daß die verschiedenen Stimmen gegeneinander versetzt ("phasenverschoben" daher der Titel Violin Phase) erklingen – und Kremer hat dabei dergestalt den Überblick behalten, daß er Überrascht absolut gleichzeitig mit den Tonbandklängen, ohne daß sich in der Musik das irgendwie angekündigt hätte, aufgehört hat!



Herzliche Gratulation an Steve Reich zum heutigen 80. Geburtstag!



edit nach Mitternacht:

Jetzt gibt es im Deutschlandradio Kultur noch eine nachträgliche Geburtstagswürdigung. Spitze


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 31.01.2017, 23:58                                  +/-



Gratulor!

Philip Glass, der andere große Vetreter der Minimal Music (s. Vorbeitrag), ist heute nun auch 80 Jahre alt geworden. Auf BR Klassik wurde in der vorigen Stunde erzählt, daß seine (für zeitgenöss. Komponisten vergleichsweise ziemlich) große Popularität ihm auch eine Parodie in South Park beschert hat:



So ab und zu kann ich seine Musik durchaus mit Genuß hören (das Repetitive in ihr bzw. der Mangel an wirklicher Überraschung von Stück zu Stück macht sie dann aber zunehmend langweilig).

Die folgende ist aber gut:



Darüber hinaus sind die Glass’schen Kompositionen als Einschlafmusik für die Sleep-Funktion im mp3-Player natürlich bestens geeignet! Spitze


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Wolter



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BeitragVerfasst am: 15.02.2017, 23:57                                  +/-

John Adams, der das Dreigestirn der Minimal Music komplettiert, hat (noch ist es...) heute nun ebenfalls runden Geburtstag, allerdings ein Jahrzehnt jünger.



Immer wieder gern gehört! Spitze


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