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Der Geschichtenerzähler
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SilentBeutlin



Beiträge: 1390
Wörter pro Beitrag: 37

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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 17:27                                  +/-

Helcaraxe
Das Wort "kontinuinal" gibt es nicht.

Deswegen ist es großgeschrieben.

Edit: Der Anfang sollte eigentlich eine Flash-Animation werden, mit redenden Bäumen während im Hintergrund zeitrafferartig jahrhunderte vergehen, bis der eine Baum dann mitten im Gespräch einfach von einer Sekunde auf die andere nur noch ein Stumpf ist. Aber ich hab natürlich keine Lust, Flash™ anzuwerfen und mich hinzusetzen.

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sphinx



Beiträge: 4202
Wörter pro Beitrag: 47
Wohnort: der falsche
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BeitragVerfasst am: 20.05.2006, 21:16                                  +/-

Vorlesung mit Happy End

Der Dozent ist schon altersergraut, in Frieden und Weisheit und, so darf man vermuten, am akademischen Futtertrog. Es sei ihm gegönnt. Wenn er plant, das alles vorzutragen, was er auf dem Wust von Notizblättern stehen hat, den er gerade ordnend auf dem Pult verstreut, war er fleißig und tut tatsächlich was für sein Geld, aber dann wird man zu leiden haben…
Der letzte, der sich in den überfüllten Hörsaal - immerhin, es ist Semsteranfang- schleicht, quetscht sich auf die Treppe, zwischen einen dicken Kerl mit Mp3-Player und ein rothaariges Mädchen ohne Schreibzeug. Wenigstens noch ein Sitzplatz. Was er hier zu suchen hat, weiß er selber nicht. Um es sich zu erklären, schreibt er schön groß auf seinen Block die Überschrift, so, wie es im Vorlesungsverzeichnis steht: „Überblicksvorlesung- Die Deutsche Philosophie von Kant bis Heidegger“
Diesen Satz unterstreicht er, dann nimmt er einen Strohhalmschluck aus seinem Papp- Kaffeebecher und verbrüht sich die Zunge. Der Dozent fängt an. Nein, er fängt nicht an, er hat ein Problem mit dem Mikrophon. Wenn er ohne Mikrophon spricht, versteht man ihn schlecht. Wenn er mit Mikrophon spricht, versteht man ihn garnicht. Trotzdem beschließt er, mit zu sprechen, dafür ist das Gerät schließlich da. Nach ein paar Sekunden steht ein technisch begabter Student in der zweiten Reihe auf, geht zum Pult und fummelt ein wenig am Mikrophon herum. Alle zucken zusammen, als die Stimme des Dozenten, noch immer undeutlich, dafür aber plötzlich laut wie das Göttliche Donnergrollen am Horeb über die Bankreihen dröhnt und die Träumenden aus ihren Träumen reißt. Die Show kann beginnen.
Mitschrift dessen der als Letzter gekommen ist:
„Kant. Grundlegung zur Metaph. D. Sitten. Der kategor. Imperatiev; maßgebl. Einfluss- Fichte-Hegel usw
deutscher Idealism. Dem entgegengesetzt ist der angelsächsische Empirismus; Primat der Sinnlichkeit (???)
Hölderlinzitat: „Taten-(???) und gedankenvoll“ vergleich auch: Französische Revolution.
Der Geist als d“ ab hier macht ein Kaffeespritzer das Geschriebene unleserlich.
„Subjekt- Objektbeziehung“
Im Anschluss daran einige Zeichnungen, die alle einen Zopf darstellen. Wohl den Zopf der Rothaarigen, die der als letzter Gekommene seit einer Weile mit äußerst anerkennenden Seitenblicken bedenkt. Schließlich kritzelt er sehr klein ins linke Eck des Blattes: „Lust, nachher in die Cafeteria mitzukommen?“. Erst bedeckt er diese Worte schüchtern mit der Hand, dann jedoch fasst er sich ein Herz und schieb den Block zur Rothaarigen hin.
Sie liest, sie schaut sich den Schreiber genau an, sie lächelt. Das dreiundzwanzigste „Ähm“ des Dozenten hallt, überlaut, von den Wänden. Der, der zuletzt gekommen ist, hört es nicht. Denn sie, die lächelte- oh Wunder das sich ereignet! - hat auch genickt.


_________________
worauf wartet ihr noch? stopft euch den schmuck
in die busen, den büchsenöffner, das cembalo,
bietet der nemesis eine pauschale an
und packt! die vergütungen ein,
die gasmaske und den unterleib!
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Ramujan



Beiträge: 6287
Wörter pro Beitrag: 44

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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 20:49                                  

Die kleine Seifenblase

Für Nimmermeer, ohne die es diese Geschichte
nicht gäbe, und für meine Eltern, ohne
die es mich nicht gäbe.



http://static.flickr.com/50/161556903_a9cd3d9d19.jpg



Huhu! Hallo, da hinten! Hier schwebt die Musik. Ich interferiere. Ach, wir kennen uns noch gar nicht? Um mich vorzustellen: Bin Seifenblase. Wurde in einem Ring geboren, oder besser: Aus einem Ring gepustet. Hallo! Gestatten, angenehm. Auch ich habe die Ehre.

Und nun schwebe ich hier zusammen mit meinen Brüdern - oder mit meinen Schwestern, so genau lässt sich das nicht sagen; ein Drittel Luft, ein Drittel Seifenwasser, ein Drittel Mundgeruch. Vielleicht sollte ich erwähnen, teils der Information wegen, teils aufgrund der Freude, die angeben bereitet, dass ich aus einem dünnen, bipolaren Wasserfilm bestehe; innen und außen klammern sich Seifenmoleküle an der Membran, zur Kugel gekrümmt: hydrophiles Carboxylat, hydrophober Alkylrest. O, wir singen Lieder der Vergänglichkeit.

Woher ich das weiß? Dumme Frage, ich kann schließlich auch sprechen.

Hallo? Na? Hallo! Warum schaut denn niemand?

„Du bist zu kla-ha-hain“, interferiert eins meiner Geschwisterblasen und schwebt an mir vorbei.

„Zu kla-hein. Kla-hein. Kla-hein“, interferieren drei weitere Seifenblasen im Chor und überholen mich ebenfalls.

„Klein. Ha-hein.“ Die nächste. Ja, wo bin ich denn hier? In der Oper?

„Im Ba-aa-lett.“

Und da geht der Tanz tatsächlich los: Wenn die Vorstellung noch nicht angefangen hat, dann tut sie es jetzt. Seifenblasen umkreisen mich; sie wirbeln; sie gleiten auf Wellen aus Luft - große und kleine und noch größere und ich die kleinste.

„La-Lala. Lalalalalala“, singen meine Geschwister und ich versuche, ihnen zu folgen.

Nun wartet doch mal, interferiere ich. Will mitmachen, bin nicht so schnell. Hey, du da ... Ein Lufthauch ergreift Besitz von mir und zieht mich mit – in die Tiefe des Raums, einer dicklichen Blase hinterher, die rot und violett und grünlich schimmert. Sie dreht sich in einen – und nun: in einem – Lichtstrahl. Dreht sich um. Leuchtet. „Laaaa-laa ...“, singt sie und kreist den Lichtsprenkeln einer Wand entgegen. Dann platzt die Blase und löst sich auf in Seifengeruch.

Nun ja, das kann ja jedem Mal passieren.

Ich wende mich um, der Hauch trägt mich fort. Die Geschwister tänzeln im Raum verteilt. Ihre Musik wird leiser. Eine mittelgroße Blase gerät ins Blättergewimmel einer Yucca-Palme und kommt auf der anderen Seite der Flora nicht wieder hervor, eine weitere verschwindet im Maul eines Stoffkrokodils. Die Tenside rutschen nach unten und ziehen weitere Blasen auf links und in die Endlichkeit.

„La-la-la-la-la“ - nur noch vereinzelte Stimmchen, wenige Farben. Der Lufthauch hält mich in der Schwebe. Unter mir fallen die letzten Geschwister in den Teppich wie zu üppig geratene Sommerregentropfen; sie verlöschen wie Funken. Aus und vorbei. Die Musik wird zur Stille.

Hallo? Sieht mich jetzt jemand? Nur noch ich! Schaut her. Ich bin allein. Niemand mehr da, den man sonst noch betrachten könnte. Hallo! Nun guckt schon her, gleich ist alles vorbei. Hier bin ich, betrachtet mich. Schaut her, ich interferiere.

Bin so klein. Der Lufthauch kommt zurück, durch das Fenster oder die Tür, ich weiß es nicht. Er lässt die Blätter der Yucca-Palme erzittern, fährt durch das offene Maul des Krokodils und reisst mich ins Licht, in die Sonne, zu den Sprenkeln an der Wand. Mein Leben zieht wie ein Seifenfilm an mir vorüber: Der Ring, das Pusten, die Geschwister. Alles ist da.

Ja? Hallo? Nun guckt doch endlich. Das ist eure letzte Gelegenheit. Hallo? Hallo? Gleich, gleich ist alles zu Ende. Guckt doch. Jetzt.

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Zarathustra



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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 21:32                                  +/-

Ganz toll.

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Wichtel



Beiträge: 18043
Wörter pro Beitrag: 28

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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 21:42                                  +/-

Wie schön! Und wir gucken. Ganz sicher.

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einBaum



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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 21:42                                  +/-

Ja, echt! *applaudier* Smilie

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Alex



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BeitragVerfasst am: 25.08.2006, 01:13                                  

Ursprünge

Der Patient in Bett 117 fieberte. Stöhnend wälzte er sich auf dem engen Lazarettbett hin und her. In seinen Träumen hörte er unaufhörlich die deutschen Granaten über die Schützengräben jaulen und spürte die Erde erzittern, wenn sie in unmittelbarer Nähe einschlugen. Er sah die verstümmelten Leichen seiner Kameraden, die man aus den Gräben hob, um selber Platz und Deckung zu finden und roch den widerlich süßlichen Geruch frischen Blutes, das an einigen Stellen der Gräben in wahren Pfützen stand. Er spürte die mit Regen, Blut, Urin und Kot verklebte Erde unter seinen Fingern, als er sich zusammenkauerte, um dem Hagel von Dreck, Stahl und menschlichen Körperteilen zu entgehen, der bei jedem deutschen Volltreffer auf die britischen Soldaten niederprasselte. In seinen Ohren gellten die Todesschreie derer, denen ein rasches, gnädiges Ende zuteil wurde und die entsetzlichen, kaum als menschlich zu erkennenden Schreie der Verwundeten, die mit abgetrennten Gliedern oder zerfetzten Gedärmen stunden- und nächtelang im Niemandsland der Stacheldrahtverhaue ihr qualvolles Sterben durchlitten.

Er empfand das Gefühl des Gefangenseins im Schützengraben, das hilflose Ausgeliefertsein gegenüber der menschenverachtenden Kriegsmaschinerie. Er haßte die stählernen Vernichtungsmaschinen, die tagein, tagaus ihre dröhnende Sinfonie der Zerstörung aufführten, die Felder, Bäume, Häuser und Menschen zu einem einheitlichen graubraunen Brei der Verwesung schlugen, er haßte sie mit einer Inbrunst, die ihn selbst überraschte. Die Welt war für ihn zusammengeschrumpft auf die toten, schwarzen killing fields, endlose Landschaften durchsetzt mit Granattrichtern, Stacheldraht, Schützengräben und immer wieder notdürftig ausgebesserten Unterständen. Die Zeit verlor jede Bedeutung: Solange man unter dem Stahlgewitter lag, wurden die Minuten zu Stunden und die Ruhepausen, in denen es möglich war, etwas zu essen oder kurz einzunicken, kamen einem wie kurze, kostbare Augenblicke vor. Der psychische Druck war unbeschreiblich. Lachende junge Männer, frisch von der Universität oder aus der Schule, waren nach einer Woche an der Front zitternde Greise – wenn sie so lange überlebten.

Gegen Morgen fiel der Patient in ruhigeren Schlaf. Er erwachte, als jemand seinen Puls fühlte und sah ein Gesicht über sich gebeugt. Ein älterer Mann in der Uniform eines Militärarztes mit klaren blauen Augen, einem grauen Vollbart und altmodisch lang getragenem Haar sprach ihn an. "Ah, Sie sind wach. Können Sie mich verstehen, Lieutenant?"

Der Patient nickte, versuchte zu sprechen und brachte ein leises, heiseres "Ja" heraus.

"Und wie fühlen Sie sich?"

Der Lieutenant fühlte sich orientierungslos. "Wo bin ich hier? ... Welcher Tag ist heute?"

"Sie sind im Hospital von Le Touquet und es ist Montag, der 30. Oktober 1916. Sie sind mit Pyrexie hier eingeliefert worden, 'Grabenfieber' nennen es die Soldaten. Wir versuchen unser Möglichstes, aber es ist eine weitgehend unbekannte Krankheit. Im Moment können wir nicht mehr tun, als Mittel gegen die Fiebersymptome zu verabreichen." Der Arzt ließ seinen sorgenvollen Blick durch den überfüllten Lazarettsaal schweifen. "Es gibt immer mehr solcher Infektionen, die Fälle gehen in die Hunderte. Hoffentlich gelingt es bald, der Krankheit Herr zu werden. – Mein Name ist Dr. Randolph." Er lächelte dem jungen Offizier noch einmal aufmunternd zu und ging dann zum nächsten Bett. Der Lieutenant sank in die Kissen zurück, bemühte sich, im Deckenverputz über seinem Bett irgendwelche sinnvollen Strukturen oder Muster zu erkennen, und als ihm das nicht gelang, dämmerte er wieder ein.

In den nächsten Tagen kam das Fieber immer wieder. Zwischen den Fieberanfällen hatte er wache Momente, doch er verlor den Überblick über die Zeit und mußte Ärzte und Schwestern nach dem Datum fragen. Meist jedoch war er kaum ansprechbar. Dann war er mit den Dingen beschäftigt, die sein Unterbewußtsein zur Bearbeitung heraufholte und die von Fieberphantasien verfremdet wurden. Seine Verlobte tauchte in seinen Träumen auf, auf die er so lange Jahre hatte warten müssen – ah, richtig, sie war ja inzwischen seine Frau. Die kurze Zeit ihrer Ehe während seiner Militärausbildung fiel ihm wieder ein, als sie ihm von Ausbildungslager zu Ausbildungslager nachgereist war und sich im nächsten Ort ein Zimmer genommen hatte, eine glückliche, aber auch problematische Zeit, drohend überschattet von seiner näherrückenden Abkommandierung an die Front und von ihrer drückenden finanziellen Lage.

Er bat eine der Schwestern, ihm ein Bündel Briefe aus seinem Tornister zu geben und sie brachte sie ihm, zusammen mit dem kleinen Bild seiner Frau, das ihn überallhin begleitet hatte und das er nun neben dem Bett aufstellte. Wenn er den Kopf nach rechts drehte, konnte er sie sehen. Mehr als einmal – aus Fieberphantasien auftauchend – erkannte er sie nicht und wunderte sich, wer das hübsche, schwarzhaarige Mädchen auf dem Bild wohl sein mochte. Dann wieder strömten die Erinnerungen auf ihn ein, die langen Spaziergänge, die sie unternommen hatten, um zusammen alleine zu sein, die Streifzüge durch die einsamen Wälder, wo seine Frau wie eine Fee, wie eine Elfe, für ihn getanzt und gesungen hatte.

Die meisten Patienten in diesem Saal des Hospitals waren leicht bis mittelschwer verwundet oder erkrankt, manche bereits rekonvaleszent. Nur wenige waren schwerere Fälle, so wie Private Kaleb Bourne in der nächsten Bettreihe, an dessen Bett Dr. Randolph häufig verweilte, um den Schwestern und Pflegern spezielle Anweisungen zu geben. Eine der Schwestern, Nurse Gladreel, eine ernste blonde Schönheit, schien sich die Sorge um Bournes Wohlergehen zu ihrer ganz persönlichen Aufgabe gemacht zu haben. Je schlechter seine Prognose wurde, umso aufopfernder kümmerte sie sich um ihn, ohne dabei aber andere Patienten zu vernachlässigen. Dem Lieutenant wurde in dieser Zeit erstmals klar, welch ein verantwortungsvoller und schwieriger Beruf der eines Heilers doch war – viel mehr eine Berufung als ein bloßer Broterwerb.

Einmal wurde der Lieutenant unsanft geweckt, weil Lazaretthelfer mit einer Trage an sein Bett stießen, als sie einen neuen Patienten unter Aufsicht des Arztes zum Operationssaal brachten. Die Uniform des Mannes wirkte ungewohnt und gleichzeitig vertraut. Der Lieutenant runzelte die Stirn.

"Ein deutscher Pilot," erläuterte der Arzt kurz. "Bei Arras abgeschossen und mit schweren Verbrennungen hier eingeliefert."

"Warum behandeln sie ihn?" fragte der Lieutenant bitter. "Er verdient den Tod!"

"Verdient den Tod. Das will ich meinen. Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben." Dr Randolph sah sich zur nächsten Bettreihe um, wo Private Bourne leise vor sich hin stöhnte. "Können Sie es ihnen geben? Dann seien Sie auch nicht so rasch mit Ihren Todesurteilen zur Hand."

Am Abend starb der Deutsche und der Lieutenant grübelte lange über die Worte des Arztes nach. Er dachte an seinen Schulfreund Rob Gilson, der gefallen war, als er am ersten Juli – am ersten Tag der Schlacht an der Somme – sein Regiment ins Gefecht geführt hatte. Rob war nur einer von zwanzigtausend britischen Soldaten gewesen, die an diesem furchtbaren Tag ihr Leben ließen. Zwanzigtausend! Zwanzigtausend Schicksale, zwanzigtausend trauernde Familien, Eltern, Geschwister, Frauen und Kinder. Aber wie wenig sagte selbst eine solche Zahl aus. Wie wenig ließ sich das, was an der Front geschah, mit bloßen Nummern ausdrücken. Die Schlacht an der Somme war noch immer im Gange – noch jetzt im November. Inzwischen mußten die Verluste in die Hunderttausende gehen. Für den Lieutenant ganz persönlich war der erste Juli mit Robs Tod das Ende eines Lebensabschnitts gewesen.

Unter den Briefen neben seinem Kopfkissen befand sich einer von seinem Freund Geoffrey B. Smith, den er wohl ein Dutzend mal gelesen hatte. Der Lieutenant entfaltete ihn erneut:

"I saw in the paper this morning that Rob has been killed. I am safe but what does that matter? Do please stick to me, you and Christopher. I am very tired and most frightfully depressed at this worst news. Now one realises in despair what the T.C.B.S. really was."

Er erinnerte sich, wie entsetzt er beim ersten Lesen dieser Nachricht gewesen war. Der T.C.B.S., das waren vier Jungen, die auf der Schule durch ihr gemeinsames Interesse für Philologie und Literatur zusammengefunden hatten. Sie lasen, diskutierten, schrieben Gedichte, führten Dramen auf, spielten Rugby und hielten auch nach der Schulzeit engen Kontakt. Wäre der Krieg nicht gekommen, dann würden sie jetzt vielleicht an der selben Universität studieren. Aber nun – nun war der T.C.B.S. erledigt – ihre gemeinsamen literarischen Träume, ihre Hoffnungen zunichte. Wahrscheinlich würden sie allesamt draufgehen. Der junge Mann bemühte sich angestrengt, an irgend etwas Angenehmes zu denken, aber es fiel ihm nichts ein. Nichts, was ihm Mut machte, nichts, was ihm Hoffnung gab, selbst sein tiefer, unerschütterlicher Glaube war ihm hier keine große Hilfe mehr. Erst der Schlaf erlöste ihn von seinen Grübeleien.

Irgendwann in der Nacht erwachte er. Vielleicht war es die ungewohnte Stille im Saal, die ihn geweckt hatte, denn die meisten Patienten schliefen ausnahmsweise sehr ruhig. Er drehte den Kopf nach links. Neben dem Bett von Kaleb Bourne saß Schwester Gladreel. Eine Karbidlampe legte einen matten Lichtschleier um das blonde Haar, das ihr widerspenstig unter der Krankenschwestern-Haube hervorquoll. Sie hatte sich vorgebeugt und hielt ihre Augen unverwandt auf Bournes bleiches Gesicht gerichtet, so als könnte sie ihn allein mit ihrem Blick und der Macht ihrer Gedanken am Leben halten. Sie hatte seine linke Hand ergriffen und streichelte sie sanft. Ihre Lippen bewegten sich, doch der Lieutenant konnte nicht hören, was sie sagte. Nachdem er das Paar eine Weile beobachtet hatte, fiel er wieder in tiefen, traumlosen und gnädig fieberfreien Schlaf.

Als Dr. Randolph ihn auf seiner Morgenvisite besuchte, fühlte sich der Lieutenant beinahe erholt. Trotzdem müsse er mit weiteren Fieberanfällen rechnen, meinte der Arzt. So schnell werde man das trench fever leider nicht los. Der Patient nutzte die fieberfreie Zeit, um den Waschraum aufzusuchen, zu duschen und sich nach längerer Bartwuchsperiode endlich wieder zu rasieren. Es war außerordentlich erleichternd, sich selber waschen und ohne fremde Hilfe zur Toilette gehen zu können. Als er in den Krankensaal zurückkehrte, kam er sich wieder wie ein selbstständiger Mensch vor.

Schwester Gladreel war wie gewohnt auf ihrem Posten und ging von Bett zu Bett, doch dem Lieutenant fiel auf, daß sie sehr still und in sich gekehrt wirkte und ihre Arbeiten fast mechanisch ausführte. Ihre Augen waren gerötet wie von einem Gasangriff – oder vom Weinen.

Ein Lazaretthelfer war dabei, das leere Bett von Private Bourne neu zu beziehen. Fragend blickte der Lieutenant Dr. Randolph an, der nicht weit entfernt stand. Das Gesicht des Arztes verdüsterte sich und er schüttelte langsam den Kopf. "Er hat es nicht geschafft. Armer Kerl. Er hatte von Anfang an nicht viele Chancen." Er seufzte und wendete sich ab.

Tags darauf war das Fieber in unvermittelter Stärke wieder da und der Lieutenant konnte sein Bett nicht verlassen. Schwester Gladreel kühlte ihm die Stirn mit feuchten Tüchern und flößte ihm Medikamente ein. Dann wurde sie zu einem Notfall gerufen und ließ das Wasserbecken auf dem Stuhl neben seinem Bett stehen. Wie von einer unwiderstehlichen Macht wurde der Blick des Lieutenants von der Wasserschale angezogen. Die glatte Oberfläche schien im Halbdunkel des großen Saals tiefe Geheimnisse zu bergen. Halb und halb war er sich darüber klar, daß das Fieber seine Spielchen mit ihm trieb; dennoch beugte er sich hinüber und blickte in das Becken. Zuerst erkannte er nur die Decke des Saals und sein eigenes Gesicht, aber dann wurde das Becken dunkel und es erschien ein Bild. Er sah einen britischen Soldaten unter düsterem Himmel eine Dorfstraße entlanggehen. Dann explodierte eine Granate und der Mann krümmte sich blutend am Boden. Nun erkannte ihn der Lieutenant: Es war G. B. Smith. Die ganze Vision dauerte nur einige Sekunden, aber sie erschütterte den Lieutenant zutiefst. War das, was er gesehen hatte, Wirklichkeit? Würde es irgendwann Wirklichkeit werden? Oder war es wie so vieles andere, was er in den letzten Tagen geträumt hatte, nur Fieberphantasie?

Er zog den letzten Brief heraus, den er von G. B. S. erhalten hatte.

"My chief consolation is that if I am scuppered tonight – I am off on duty in a few minutes – there will still be left a member of the great T.C.B.S. to voice what I dreamed and what we all agreed upon. For the death of one of its members cannot, I am determined, dissolve the T.C.B.S. Death can make us loathsome and helpless as individuals, but it cannot put an end to the immortal four! [...] May God bless you, my dear John Ronald, and may you say the things I have tried to say long after I am not there to say them, if such be my lot.
Your G. B. S."


Langsam ließ der Lieutenant den Brief sinken. War es das, was ihm die Vision gezeigt hatte: Das Ende des T.C.B.S.? Erst Rob, dann G. B. S.? Wie mochte es Christopher ergehen, der auf einem Kriegsschiff Dienst tat? Und er selbst? Würde man ihn zurück an die Front schicken, wenn er genesen war? Als er langsam wieder in einen Dämmerschlaf driftete, war es ihm, als könne er G. B. Smiths Worte hören: "...dann wird immer noch ein Mitglied des großen T.C.B.S. übrig sein, um auszusprechen, was ich erträumt habe und worüber wir alle einig waren". Der Lieutenant wünschte, er könnte so zuversichtlich sein wie G. B. S. Wenn nur er alleine übrigbleiben sollte, würde er diese Verpflichtung erfüllen können? War es nicht eine zu große, zu erdrückende Aufgabe, für andere Menschen sprechen, ja geradezu für sie leben zu müssen? Den Kopf voller trüber Gedanken verbrachte der Patient eine schlaflose Nacht.

Am Morgen schien die Sonne hell durch die Fenster und Dr. Randolph tauchte mit der Nachricht auf, daß mehrere britische Truppentransporter angelegt hätten. "Es ist soweit! Sie sind transportfähig und können mit einem der Lazarettschiffe über den Kanal setzen. Seien Sie froh! Sie werden die Heimat und Ihre Frau wiedersehen, Lieutenant Tolkien. Ich wünsche Ihnen eine gute Reise."


~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~


Historischer Hintergrund:
Vom 29.10. bis 8.11.1916 wurde Lt. J. R. R. Tolkien im Hospital von Le Touquet behandelt, bis ihn ein Truppentransporter zurück nach England brachte. Was man damals als "Pyrexie mit unbekannter Ursache" oder "trench fever" bezeichnete, erwies sich als eine durch das Bakterium Bartonella quintana hervorgerufene und durch die Menschenlaus Pediculus humanus übertragene Krankheit, die sich vor allem bei Soldaten im ersten und zweiten Weltkrieg unter mangelhaften hygienischen Bedingungen ausbreitete (und die neuerdings bei Obdachlosen in urbanen Slums und bei HIV-Patienten auftritt). Tolkien litt noch bis 1918 an den Folgen der Krankheit.

Die sogenannte erste Schlacht an der Somme dauerte vom 1. Juli bis zum 13. November 1916 und kostete über 1,2 Millionen Menschenleben: etwa 420.000 Engländer, 195.000 Franzosen und 650.000 Deutsche.

Der "T.C.B.S." (Tea Club, Barrovian Society) war eine Gruppe von älteren Schülern, die die Aufsicht über die Schulbibliothek der King Edward School von Birmingham hatten und dort Tee zubereiteten oder sich im Restaurant des Kaufhauses Barrow trafen. Die Kerngruppe bestand aus Robert Q. Gilson (gefallen 1.7.1916), Geoffrey Bache Smith, genannt G. B. S. (gefallen 3.12.1916), Christopher Wiseman und J. R. R. Tolkien. Christopher blieb zeitlebens ein enger Freund Tolkiens und drängte ihn wiederholt, sein großes episches Werk niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Tolkien nannte seinen jüngsten Sohn nach seinem einzigen überlebenden Schulfreund.

Zitate aus Briefen von G. B. Smith aus:
Carpenter, H. (1977): J. R. R. Tolkien – A Biography. – London (Allen & Unwin).

[Während die meisten historischen Daten stimmen, habe ich mir einen Anachronismus geleistet: Den letzten Brief von G. B. S. erhielt Tolkien erst im Dezember in England, nicht wie hier dargestellt schon im November.]


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"Can you indeed? And can you guess anything else after this long and curious story of mine?"

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 25.08.2006, 09:52                                  +/-

Kleine Anmerkung: Die Zahlen im Footer sind die Verluste, nicht die Toten. Die englische Wikipedia listet 146 000 tote Alliierte und 165 000 tote Deutsche auf.


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Pure Vernunft darf niemals siegen!
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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 25.08.2006, 10:23                                  +/-

Oh Gott, ich muss schrecklich viel nachlesen, scheint mir. Geschockt

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Alex



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BeitragVerfasst am: 25.08.2006, 12:59                                  +/-

Nichtraucher
Kleine Anmerkung: Die Zahlen im Footer sind die Verluste, nicht die Toten. Die englische Wikipedia listet 146 000 tote Alliierte und 165 000 tote Deutsche auf.

Stimmt. Ich habe "casualties" unlöblicherweise mit Gefallene statt mit Verluste übersetzt. Gut beobachtet.

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 25.08.2006, 15:58                                  +/-

Danke übrigens für das Lob. Smilie

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Ramujan



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Wörter pro Beitrag: 44

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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 13:47                                  +/-

Ein paar Worte noch zu Alex' Geschichte:

Die Idee finde ich gut (auch wenn ich das Wort Tolkien mittlerweile nicht mehr hören kann Smilie ). Die Geschichte funktioniert auf zwei Ebenen: Wenn man den Herrn der Ringe nicht kennt, kommt das Ende überraschend (sofern man schon mal was von Tolkien gehört hat), wenn man das Buch gelesen oder die Filme gesehen hat, findet man ein paar geschickt eingestreute Referenzen (Viele, die leben, verdienen den Tod ...), die das Ende vorwegnehmen - und die, denke ich, das ausmachen, was deine Geschichte interessant macht. Souverän geschrieben, ohne Ausfälle, Experimente, Mätzchen, wie gewohnt.

Leider funktioniert die Geschichte dennoch nicht richtig, zumindest nicht bei mir: Ich finde sie sehr kühl und distanziert. Das interessante Geschehen findet fast ausschließlich in Rückblenden statt, was noch nicht so schlimm wäre, aber leider zählst du die Plot-Points einfach nur herunter. Erst passierte das, dann das, dies war schrecklich und jenes schlimmer ... Das passt eher zu einem Sachtext; Atmosphäre entsteht so nicht. Du richtest dich mit deinem Stil eher an tell als an show aus (Show, don't tell), damit ziehst du mich als Leser nicht in das Geschehen.

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Alex



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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 21:04                                  +/-

Danke Ramujan!

Das liegt bei mir wohl daran, daß den Naturwissenschaftlern von klein auf eingetrichtert wird, wie wichtig es ist, sachlich-distanziert und möglichst unpersönlich zu schreiben. Da muß man immer wieder ganz bewußt dagegen ankämpfen. Zum anderen merke ich (und merkte ich schon als ich schrieb), daß ich durchaus Hemmungen habe, eine gut bekannte Figur der Zeitgeschichte allzu sehr auszuschlachten und für Erfundenes zu "mißbrauchen".

Davon abgesehen bin ich durchaus nicht tolkienmüde – auch wenn ich mich nicht den ganzen Tag mit ihm beschäftigen würde.

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"Can you indeed? And can you guess anything else after this long and curious story of mine?"

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 28.08.2006, 11:19                                  +/-

Beides wundervolle Geschichten, die ich jetzt endlich gelesen habe, Ramujan und Alex.

Ramujan
ein Drittel Luft, ein Drittel Seifenwasser, ein Drittel Mundgeruch

LOL. Das, würde ich mal sagen, ist ein echter Ramujan. grins

Ramujan
"Sie sind im Hospital von Le Touquet und es ist Montag, der 30. Oktober 1916. Sie sind mit Pyrexie hier eingeliefert worden, 'Grabenfieber' nennen es die Soldaten.

Spätestens ab da wusste ich, dass es wieder um Tolkien geht. zwinkern Darf man fragen, was die Motivation zum Schreiben der Geschichte war? Hast du die Biographie von Carpenter kürzlich gelesen? Ist die Geschichte schon älter? Oder hast du doch wieder begonnen, 'Fanfiction' zu schreiben?

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 28.08.2006, 11:44                                  +/-

Auch dir Danke fürs Lesen, Helcaraxe. grins


Zitat:
um anderen merke ich (und merkte ich schon als ich schrieb), daß ich durchaus Hemmungen habe, eine gut bekannte Figur der Zeitgeschichte allzu sehr auszuschlachten und für Erfundenes zu "mißbrauchen".


Ach Quatsch, das machen andere auch. Personen der Zeitgeschichte müssen da durch.

Was Tolkien angeht: "Meine" Tolkienzeit war sicherlich als ich sechzehn oder siebzehn war. Ich hatte die Bücher gerade gelesen und hab mir überlegt, wie toll es wäre, an die Filmrechte zu gelangen. Glücklicherweise hab ich sie nie bekommen, ich hätte einen richtigen Trashfilm gedreht - und ich hätte auch weitaus mehr an der Handlung geändert. Heute weiß ich: Die Fans hätten mich gelyncht - Peter Jackson hat mir das Leben gerettet.

Dann hat mein Deutschlehrer bei jeder guten Gelegenheit gegen Tolkien gewettert, die Bücher seien Unterhaltungsschund, nur des profanen Eskapismus wegen geschrieben - dabei hatte er sie nie gelesen. Stattdessen hat er für Wallander-Romane geschwärmt, die tatsächlich Unterhaltungsschund sind - ich wusste das, ich hatte mal eins gelesen. Somit habe ich mich moralisch und intellektuell überlegen gefühlt. Das waren noch Zeiten. Mittlerweile, nachdem ich sehe, was Tolkien für Wellen zieht, denke ich manchmal, er hatte Recht. Schade. Eigentlich.

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Waldelb



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BeitragVerfasst am: 30.08.2006, 21:43                                  +/-

Ramujan
Die kleine Seifenblase
...


Ich glaube ich habe die Geschichte gerade zum 7. oder 8. mal gelesen, seit du sie gepostet hast. Bin total begeistert. Am Ende steigen mir immer ein paar Tränchen in die Augen, so schön.


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 30.08.2006, 23:09                                  +/-

Uff, mehr kann man sich als Schreiber kaum wünschen - ein Kommentar zum Ausdrucken und An-Die-Wand-Pinnen.

Vielen Dank fürs Lesen & Kommentieren. Smilie

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 31.08.2006, 10:26                                  +/-

Ich hab nicht geweint. Zunge

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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 31.08.2006, 10:35                                  +/-

Du bist ja auch ein harter Mann.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 01.09.2006, 00:05                                  +/-

Ich erzähl jetzt auch mal ne Geschichte.


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Pure Vernunft darf niemals siegen!
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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 06.09.2006, 11:36                                  

Eine Kneipengeschichte

»Tanz den Thanil«, sagte sie. »Triskel dein Bein. Rap den Rareb.«

Gerade saßen wir noch in ihrem Zimmer auf dem Sofa, bei Wein und Pfeifenkraut, obwohl wir Nichtraucher waren, schauten uns alte Kai-Lee-Filme auf einem Fernseher an, dessen Bild ins Sepiafarbene übergegangen war, und redeten über Gott und die Welt. An der Wand hingen Aktfotos von Waldelben, außerdem ein Portrait von Turing in Lebensgröße; eine seltsame Kombination.

Danach hatten wir uns auf den Roller ihres Vaters gesetzt, eine KPM-50, und waren heimlich und ganz inkognito rausgefahren. Wir hatten beide keinen Führerschein und beide waren wir noch keine Achtzehn, aber wen interessierte das? Es ging in die Einöde, ins Gebiet am Rande der Stadt, dorthin wo die Elessare grasen und Celebriane im Aufwind durch den Himmel segeln. In der Ferne ein Wald, in der Nähe nur Sumpfwiesen, Wildrosen und ein Baum, unter den wir uns setzten und unter dem wir eine Flasche zehn Jahre alten Arbrandwein öffneten. Er schmeckte uns nicht.

»Gimli mal her«, sagte sie und kippte den Alkohol, nachdem ich ihr die Flasche gereicht hatte, in die Wurzeln des Baumes. »Damit er groß und stark wird«, erklärte sie.

Der Mond ging auf.

»Los, tanz schon!«

»Du hast den Schalk im Nacken«, sagte ich.

»Hatatata«, äffte sie mir nach. »Komm schon, so schön wird es nimmermeer.«

»Gleich gibt es Regen.«

»Das ist nur der Moorgott. Alles im Loth.«

»Der Moorgott oder die Wetterhexe«, und wir lachten und rollten über den Boden.

»Natürlich, Durden, ganz klar«, kicherte sie. Es donnerte. »Was war das?«

»Das war ein helcaraktisches Grollen«, erklärte ich mit ernster Miene.

»Erfinde doch nicht immer solche Wörter.«

»Ein Sturmtief«, sagte ich und pfiff durch die Zähne, wie der Wind es tat. Die ersten Tropfen fielen; es wurde kälter. Ein Blitz durchzuckte die Abenddämmerung.

»Das arwen wir nun davon.« Wir lachten und liefen zum Roller. Er sprang nicht an …






… ich würde die Geschichte ja so gerne weiter erzählen, nur bedauerlicherweise sind mir gerade die Nicknamen ausgegangen. Schade. grins

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Triskel
Dressed-Pugly


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BeitragVerfasst am: 06.09.2006, 12:01                                  +/-

Das ist wirklich sehr schade, denn die Geschichte ist super. grins

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