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Der Geschichtenerzähler
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Morgi



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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 19:55                                  +/-

Ich kritisiere des pks Geschichte doch gar nicht vorwiegend ihres Stiles wegen - obwohl ich ihn eher mau finde - sondern hauptsächlich aufgrund ihres abgedroschen-klischeeüberladen-langweiligen Inhalts. Ihr müsst einem passionierten Sade-Liebhaber nicht die Faszination skurriler Trash-Satiren erklären - aber diese Literaturgattung muss, wie schon erwähnt, auch tatsächlich provozierende, hass- wut- und empörungsauslösende Inhalte haben und nichts wiederkäuen, dem 95% der Bevölkerung wohlwollend nickend zustimmen. Wenn der pk eine Satire über sympathisch dargestellte, kleinkinderfickende Nazis schriebe, die sich bei der Lektüre der Leidensberichte sexueller Missbrauchsopfer einen runterholen, fände ich das bspw. sehr löblich.
In Deutschland eine Satire auf die US-Republikaner zu schreiben ist ungefähr so originell, provokant und lustig wie eine im Vatikan verfasste Satire auf Atheisten und Moslems.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 21:52                                  

Gib einem Mann einen Fisch und er wird einen Tag satt. Aber zündest du seinen Bart an, so stinkt das fürchterlich!


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Was hab ich denn getan, dass du mich immer quälst und sagst, du liebst mich nicht??
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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 22:58                                  +/-

Wer sagt denn, dass pk eine bitterbitterböse Satire, die den gattungsüblichen rigiden Hass-, Wut- und Empörungsmaßstäben entspricht, schreiben wollte? Die Geschichte wäre also nur dann gelungen , wenn ich danach das dringende Bedürfnis hätte, ihm für diese Unverschämtheit eine reinzuschlagen bzw. seinen Bart anzuzünden?


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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 23:02                                  +/-

Nein, die Geschichte wäre dann literaturallgemeingottmässig gelungen, wenn sie sich um Morgoths Lieblingsthema dreht: Libertin-Sex. *gähn*


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Ha! You afraid to get wet?
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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 23:09                                  +/-

Kaylee
Libertin-Sex.


Ach bitte, das Thema ist doch dermaßen ausgelutscht und durchgenudelt, da geht die Erregungskurve inzwischen sofort in den Keller und baumelt schlapp vor sich hin.



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Gerstenbob



Beiträge: 12713
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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 23:14                                  +/-

Kaylee
Nein, die Geschichte wäre dann literaturallgemeingottmässig gelungen, wenn sie sich um Morgoths Lieblingsthema dreht: Libertin-Sex. *gähn*


War doof, merkste selber.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.09.2008, 23:21                                  +/-

Die Story war auch keine Satire, sondern eine Groteske. Aber dafür noch viel zu unblutig. Ich befürchte, AgdV hätte sie nur bedingt gefallen.

Shit, lest den Meereswahnsinn, aber lasst mich in Ruhe Smilie


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 13.09.2008, 08:13                                  +/-

Und ich dachte, das wäre eine Parodie?

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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 13.09.2008, 08:16                                  +/-

Grotesk!


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I dont know, what you are talking about.
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Glaurung



Beiträge: 27621
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BeitragVerfasst am: 15.09.2008, 22:33                                  

Aufgepaßt, jetzt gibts mal was von mir zu lesen. Das erste Kapitel einer (theoretisch) längeren Erzählung. Ist so schon ziemlich lang, aber es reicht vermutlich, einen Teil zu lesen, um einen qualifizierten Kommentar abzugeben. Über Feedback würde ich mich jedenfalls freuen.

Vorbemerkung: Ich versuche, zu unterhalten, die Geschichte hat keinen künstlerischen Anspruch und ist auch nicht witzig. Ist im Wesentlichen konventionelle Fantasy Marke Bahnhofsbuchhandlung. Daher würde mich vor allem interessieren, ob ihr denkt, daß Erzählweise, Stil und Inhalt interessant und spannend genug sind, um jemanden bei der Stange zu halten, der Kram dieser Art halt gerne liest zwinkern


Geburtstag

„He, Tarcil, wach auf!”
Er öffnete die Augen. Es war stockdunkel. Aber das hatte nichts zu sagen, denn der Dachboden, auf dem die Kinder schliefen, hatte keine Fenster. Er drehte sich um, und jetzt sah er seine Schwester Rama, die in der Dachluke stand und ihn ansah.
„Wir haben dich lange genug schlafen lassen. Die Sonne steht schon am Himmel. Vater muß auf die Weide, und du auch.”
Normalerweise wachte er stets bei Sonnenaufgang auf, weil einer seiner Brüder auf ihm herumhüpfte oder ihn mit einem Grashalm an der Nase kitzelte. Er rieb sich schnell den Schlaf aus den Augen, warf sich seinen einzigen Kittel über den Körper und stieg durch die Luke nach unten. Das Haus hatte wie alle im Dorf nur einen Raum und einen engen Dachboden. Seine Eltern schliefen unten, neben dem Herd. Er und seine sechs Geschwister drängten sich unter dem Dach.
Jetzt saß die ganze Familie um den grobgezimmerten Tisch herum und schien zu warten. Auch das war ungewöhnlich, denn die harte Tagesarbeit ließ kaum Zeit für ein gemeinsames Familienleben. Sein Vater sagte:
„Setz dich, Junge.”
Er gehorchte. Als er saß, holte sein Vater eine kleine Holzkiste unter dem Tisch hervor.
„Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag, sein Sohn”, sagte er dann, „und das hier ist für dich. Sei vorsichtig damit, denn es ist sehr wertvoll.”
Da fiel es ihm endlich ein! Er hatte Geburtstag. An jenem Tag wurde er siebzehn. Mit zitternden Händen nahm er sein Geschenk entgegen. Es war das erste Mal, daß er etwas geschenkt bekam. Seine Geschwister hatten noch nie etwas bekommen, er war der älteste Sohn. Er zerriß das Band, das das Holzkistchen verschloß und nahm den Deckel ab. Dann stieß er einen Freudenruf aus. In der Kiste lag ein großes, blitzendes Messer. Er nahm es vorsichtig heraus und wog es in der Hand. Es war sehr schwer. Es war ein schmuckloses, einfaches Messer, aber solide gearbeitet und haltbar und scharf. Jetzt verstand er, warum sein Vater so viele Rinder an den Fremden verkauft hatte, der durch das Dorf gekommen war.
Er bedankte sich überschwenglich. Seine Mutter und seine Geschwister gratulierten ihm ebenfalls zum Geburtstag. Seine Schwestern Rama und Ana gönnten ihm das Geschenk, aber in den Augen seiner kleineren Brüder leuchtete der blanke Neid. Er besaß bestimmt das beste Messer im Dorf. Er freute sich schon darauf, vor den anderen Jungen damit anzugeben.
Nach dem kurzen Frühstück, das aus grobem Brot mit reichlich Butter bestand, war auch seine Geburtstagsfeier beendet. Sein Vater beendete das Essen, indem er aufstand.
„Tarcil”, sagte er, „du nimmst heute die große Herde. Treibe sie bis zum Fluß hinunter, hörst du? Sie sind mir noch zu dünn. Ich war gestern am Fluß. Das Gras dort steht schon hoch genug. Dort können die Viecher richtig fett werden.”
„Ja, Vater”, sagte Tarcil.
„Und nimm Ramil mit. Er kann dir helfen. Nun geh los, sonst kommst du nicht vor der Dunkelheit zurück.”
Tarcil nahm seinen Hirtenstock und das Messer und trat aus dem Haus. Sein kleiner Bruder folgte ihm auf dem Fuß. Er war fast neun Jahre alt und ging schon manchmal allein auf die Weide, wenn er nahe des Dorfes bleiben konnte.
Heute hatten sie einen weiteren Weg vor sich. Tarcil rief die Hunde und die beiden Brüder trieben die Herde aus dem Gehege, wo sie die Nacht verbracht hatte. Ramil half eifrig mit. Er stellte sich schon recht geschickt an.
„Ich bin stolz auf dich, Ramil”, lobte Tarcil ihn, als sie die Herde auf den richtigen Weg gebracht hatten. Der Jüngere lächelte glücklich über das Lob.
Sie brauchten zwei Stunden, um den Fluß zu erreichen. Die Sonne hatte ihren Höchststand schon überschritten, als die Tiere durstig ihre Mäuler in das Wasser steckten. Aber das saftige Gras am Fluß glich die verlorene Zeit spielend wieder aus. Ramil und Tarcil setzten sich unter einen niedrigen Baum. Natürlich wollte der Kleine das Messer in die Hand bekommen. Tarcil erlaubte es ihm, nachdem er lange gebettelt hatte.
Die Arbeit an diesem Tag war leicht. An einer Seite hinderte der Fluß die Tiere am Weglaufen, so daß die Hunde die Arbeit ganz allein erledigen konnten. Die Sonne wanderte träge über das Firmament. Im Gras summten die Grillen. Es war sehr warm, obwohl der Sommer noch nicht begonnen hatte. Am Nachmittag fingen sie an, mit dem Messer auf Ziele zu werfen. Tarcil schnitzte eine Zielscheibe in die Rinde eines Baumes und warf darauf. Er traf meistens, denn er hatte schon früher mit dem Messer seines Vaters geübt. Aber sein neues Messer lag viel besser in der Hand und war schwerer. Ab und zu ließ er auch Ramil werfen, aber er warf stets daneben.
Die Sonne stand schon tief, als sie begannen, die Herde zusammenzutreiben. Plötzlich brach Unruhe aus. Die Hunde bellten, und die Rinder stampften. Dann herrschte Chaos. Die Tiere liefen in alle Richtungen auseinander. Tarcil mußte aufpassen, nicht niedergetrampelt zu werden. Ein Schmerzensschrei ertönte, und dann sah er den Wolf. Er mußte sich gegen den Wind durch das hohe Gras angeschlichen haben. Es war ein großer, grauer Steppenwolf, ein gutes Stück höher als die Hunde. Er hatte sich in die Flanke eines halbwüchsigen Rindes verbissen, das verzweifelt versuchte, den Angreifer abzuschütteln. Er eilte dem Tier zu Hilfe, so schnell er konnte. Auch seine Hunde stürzten sich mutig auf ihren wilden Verwandten. Als der sie bemerkte, ließ er von seinem Opfer ab und schien kämpfen zu wollen. Aber das war ein Fehler. Bevor er sich versah, hatten sich beide Hunde in seinem Fell festgebissen. Mit denen wäre er noch fertig geworden, aber Tarcil hob seinen schweren Hirtenstock über den Kopf und ließ ihn wuchtig auf den Schädel des Wolfes niedersausen. Seine Hunde stoben aus der Gefahrenzone. Dann machte er mit einem weiteren Schlag dem Wolf den Garaus. Er stieß ihn mit dem Stiefel an, aber er rührte sich nicht mehr. Er hatte ihm den Schädel zertrümmert. Das große Tier hatte ein schönes Fell, und Vater würde sich freuen, wenn er es mit nach Hause brächte.
Aber nur, wenn die Herde vollzählig wäre. Ramil hatte sich schon von selbst daran gemacht, die verstreuten Tiere wieder zusammenzutreiben, aber er war allein der Aufgabe nicht gewachsen. Die Rinder waren weit auseinandergelaufen. Tarcil sah sich zuerst das verletzte Tier an. Die Kuh war ein Stück weit gelaufen, als der Wolf von ihr gelassen hatte, und war dann stehengeblieben. Sie war nicht schwer verletzt. Der Wolf hatte wohl die richtige Stelle verfehlt, denn nur ihre dicke Haut war geritzt und blutete. Also begann er, den Rest der Herde wieder zusammenzubringen.
Es war eine schwere Arbeit, und als sie es geschafft hatten mußte Tarcil entdecken, daß zwei große Tiere fehlten. Er stieg auf einen Baum, aber er konnte sie nirgends sehen.
„Verdammt!” fluchte er, „und das an meinem Geburtstag.”
„Was machen wir jetzt?” fragte Ramil. „Es wird gleich dunkel.” Tarcil überlegte.
„Schaffst du es, die Herde allein nach Hause zu bringen?”, fragte er. Ramil wirkte geschmeichelt, daß Tarcil ihm so eine verantwortungsvolle Aufgabe anvertrauen wollte, aber auch ängstlich.
„Und wenn noch mehr Wölfe kommen?”
„Das war der erste in diesem Jahr. Warum sollten gerade heute gleich zwei hier in der Gegend sein? Außerdem gebe ich dir die Hunde mit. Du mußt vor der Dunkelheit zurück sein, sonst findest du vielleicht den Weg nicht mehr. Ich kann nicht ohne die beiden Kühe zurückkommen. Du willst doch nicht, daß Vater von uns enttäuscht ist?”
„Nein. Ich schaffe es. Wenn du meinst, ich schaffe es, dann kann ich es auch!” Er lachte seinen großen Bruder vertrauensvoll an. Der legte ihm die Hand auf den Kopf.
Er half Ramil noch, die Herde auf den Weg zu bringen. Den Rest würden die Hunde fast allein machen können. Als die letzte Kuh hinter einer Bodenwelle verschwunden war, machte er sich auf die Suche nach den verschwundenen Tieren. Er wußte nicht, in welche Richtung sie gelaufen waren. Daher lief er auf gut Glück los und erklomm den nächsten Hügel, um eine bessere Übersicht zu haben. Doch auch von dort sah er nichts, denn das Land war voller Falten, in die er nicht hineinsehen konnte. Ihn verließ der Mut, aber noch wollte er nicht aufgeben. Er lief weiter und rief dabei ständig laut, um die Kühe anzulocken, die sich sicherlich allein und verlassen ohne ihre Herde fühlten.
Dann ging die Sonne unter. Dunkelheit kam über das Land. Er fürchtete sich nicht, aber seine Hoffnung schwand, die Tiere doch noch zu finden.
„Hoffentlich ist Ramil sicher nach Hause gekommen”, brummte er vor sich hin.
Um Mitternacht gab er auf. Er hatte alles versucht. Vater würde sicher nicht böse sein, nur enttäuscht. Er kehrte zu der Stelle zurück, wo der tote Wolf lag und hob ihn auf. Im Dunkeln konnte er ihm nicht das Fell abziehen, daher mußte er ihn ganz mitnehmen. Er hängte sich den Kadaver über die Schultern und machte sich auf den Heimweg. Es war kühl geworden. Er zitterte unter seinem dünnen Kittel. Er ging so schnell er konnte, aber das tote Tier war schwer. Die nächtlichen Geräusche des wilden Landes flößten ihm nun doch etwas Furcht ein. Er dachte an die Schauergeschichten, die die Fremden erzählt hatten. Er hatte darüber gelacht wie sein Vater und alle anderen im Dorf. Die Kobolde lebten irgendwo weit im Osten. Seit Menschengedenken hatte sich keiner mehr über den Fluß gewagt oder gar einen Menschen angegriffen. Wahrscheinlich gab es sie gar nicht wirklich.
Als er sich dem Dorf näherte, war er so in Gedanken, daß er zuerst gar nichts bemerkte. Im Umkreis des Dorfes kannte er jeden Stein sogar im Dunkeln. Deshalb sah er kaum auf und hing nur seinen düsteren Gedanken nach. Doch als nur noch ein niedriger Hügelkamm zwischen ihm und seinem Zuhause lag, sah er das Licht. Es war ein roter, flackernder Lichtschein, der auf dem Hügelkamm tanzte. Als ob dahinter ein großes Feuer brannte.
Ein Haus mußte in Brand geraten sein. Er verdoppelte seine Geschwindigkeit, um beim Löschen zu helfen. Doch er ahnte, daß nicht nur ein Haus brannte. Der Lichtschein war zu stark.
Ihm troff der Schweiß von der Stirn, als er den Hügel erklomm. Auf halbem Wege ließ er den toten Wolf fallen. Nun hörte er auch Schreie. Schreie von Frauen, von sterbenden Männern. Und kehliges Gebrüll, wie er es nie zuvor vernommen hatte. Es gab keinen Zweifel, das Dorf wurde angegriffen. Er zog seinen Hirtenstab aus dem Gürtel und griff ihn fest mit beiden Händen. Wahnsinnige Angst hatte ihn befallen. Nicht Angst um sich, sondern um seine Leute im Dorf.
Keuchend erreichte er den Hügelkamm. Der Himmel war jetzt bewölkt, aber das flache Tal, in dem das Dorf lag, war von grellem Feuerschein erleuchtet. Es war ein entsetzlicher Anblick. Alle Häuser brannten lichterloh. Überall wimmelte es von dunklen Gestalten. Metall glänzte matt im Widerschein des Feuers. Viele der Angreifer hielten Fackeln in den Händen. Immer noch hörte er Schreie. In der Mitte des Dorfes hatten die Angreifer einige Leute zusammengetrieben. Er konnte sie nicht erkennen, aber vielleicht war jemand aus seiner Familie dabei. Fast wäre er losgerannt, um ihnen zu Hilfe zu eilen. Nicht Feigheit hielt ihn zurück. Es war einfache Vernunft. Er konnte hier nicht helfen, es waren einfach zuviele. Er bemerkte, daß ein Ring von berittenen Gestalten eng um das Dorf gelegt war. Hier und dort verstreut auf der Erde lagen zusammengekrümmte Körper. Es konnte niemand entkommen sein. Der Überfall war zu gut geplant gewesen.
Unfähig, zu denken, zu handeln oder wenigstens wegzulaufen, starrte er gelähmt auf die Vorgänge im Dorf. Es dauerte nicht lange. Die Leute auf dem Dorfplatz waren offenbar die Frauen des Dorfes. Er hörte ihre Schreie, als sie geschändet wurden. Er konnte nicht mehr hinsehen und warf sich auf den Boden, mit dem Gesicht zur Erde. Die Verzweiflung raubte ihm die Besinnung. Als er wieder denken konnte, war es vorbei. Im Dorf hörte er nur noch die Rufe der Angreifer, die sich sammelten. Es waren Dutzende. Sie schrien mit hohen, kreischenden Stimmen, wie das Geschrei von Vögeln. Die dunklen Gestalten schwangen sich auf ihre Pferde. Einer von ihnen schwenkte einen Speer über dem Kopf, dann galoppierten sie davon in die Nacht, direkt von Tarcil weg. Sie verschwanden in der Nacht wie ein Albtraum, aber hinter ihnen lagen Tod und Zerstörung.
Tarcil wartete noch einige Minuten, bevor er hinunter in die Flammenhölle lief. Überall stank es nach verbranntem Fleisch. Schon bevor er die brennenden Häuser erreicht hatte, stolperte er über Tote. Er sah sich jeden an. Er kannte sie alle, aber es war niemand aus seiner Familie dabei. Eine irrationale Hoffnung keimte in ihm auf.
Es war sehr heiß zwischen den Ruinen. Das Haus seiner Familie war eingestürzt, aber dadurch waren die Flammen erstickt worden. Die Tür war herausgerissen. Er steckte seinen Kopf hinein, doch beißender Qualm raubte ihm den Atem. Die Hälfte des Hauses schien noch zugänglich zu sein, aber ihm wurde klar, daß in dem beißenden Rauch niemand mehr am Leben sein konnte. Also lief er auf den Dorfplatz, wo die Angreifer die Frauen geschändet hatten. Irgendwie hatte er angenommen, daß sie die Frauen mit sich genommen hätten, aber er wurde eines Schlimmeren belehrt. Sie lagen alle dort auf der Erde. Im Schein des Feuers sah er, daß ihnen die Kehlen herausgeschnitten worden waren. Nach kurzem Suchen fand er seine Mutter und seine beiden Schwestern. Ana war erst zwölf gewesen. Auch ihr war die Kehle durchgeschnitten worden. Er warf sich über ihre Leiche, aber keine Träne floß über sein Gesicht.
Was waren das für Leute, die das getan hatten? Er hatte gehört, daß Räuber sehr blutrünstig waren, aber er hatte noch nie gehört, daß sie ein ganzes Dorf auslöschten. Was hatten sie gesucht? Er stand auf und lief ziellos um die Ruinen herum. Dann sah er, daß die Rinder sich tot in den Gehegen häuften. Die Angreifer hatten sie alle abgeschlachtet und liegengelassen. Was für Räuber brannten alles nieder und ließen wertvolles Vieh einfach für die Aasfresser liegen?
Sie sind nicht gekommen, um zu rauben, dachte er. Sie sind nur gekommen, um zu töten. Aber warum? Wer waren sie?
Rote Wut loderte in ihm auf. Er würde den Mördern folgen und seine Leute rächen! Er erinnerte sich an sein Messer und zog es aus dem Gürtel. Die blanke Klinge blinkte im Feuerschein. Doch was konnte ein Junge mit einem Messer gegen eine ganze Heerschar tun? Verzweiflung übermannte ihn. Er dachte an das harte, doch gütige Gesicht seines Vaters, und an die Freude in seinen Augen, als er ihm das Messer geschenkt hatte. Er warf sich neben seiner toten Schwester auf den Boden und weinte endlich. Irgendwann schlief er darüber ein.
Als er erwachte, waren die Feuer heruntergebrannt, aber der Morgen hatte bereits gedämmert. In einigen Häusern schwelte es noch. Ein frischer Wind wirbelte die Asche auf. Er begann, die fehlenden Mitglieder seiner Familie zu suchen. Im Haus fand er seine Brüder. Es sah aus, als hätten sie sich im Haus versteckt, denn die Tür war von außen aufgebrochen worden. Wenigstens hatte man kurzen Prozeß mit ihnen gemacht. Er ließ die Leichen im Haus liegen, denn sie waren stark versengt. Auch Ramil war unter den Toten. Damit war seine letzte Hoffnung dahin.
„Du hast es also vor der Dunkelheit geschafft, kleiner Bruder”, flüsterte er heiser.
Einige Zeit suchte er seinen Vater vergeblich. Schließlich entdeckte er ihn unter dem Schutt des eingestürzten Hauses. Seine Beine waren verschüttet. In der Hand hielt er noch ein Messer, das blutig war. Er berührte ihn nicht. Die letzte Erinnerung sollte nicht die Kälte seiner toten Hand sein.
Als er sich eben abwenden wollte, sah er aus dem Augenwinkel etwas Sonderbares unter den verkohlten Holzbalken. Er sah genauer hin und erkannte einen Fuß, der aus den Trümmern ragte. Es war kein menschlicher Fuß. Er hatte sechs Zehen und war ledrig-grün. Tarcil schreckte entsetzt zurück, doch dann trat er näher. Was immer das da unter dem Schutt war, er mußte es sich ansehen, um zu wissen, wer seine Familie ermordet hatte. Er begann, die Kreatur auszugraben. Als das Bein bis zum Knie freigelegt war, bekam er plötzlich Angst, daß es noch leben könnte. Aber das war doch Unsinn! Er machte weiter.
Als er den letzten gebrochenen Balken von der Leiche gewälzt hatte, gab es keinen Zweifel mehr, daß die Schauergeschichten wahr geworden waren. Die Kreatur hatte grünlich-braune Haut, dünne, gebogene Gliedmaßen und kurze, stumpfe Krallen an den großen, dünnen Händen. Der Kopf wirkte im Verhältnis zum Körper groß, aber das lag wohl vor allem an der langen, spitzen Nase und den riesigen Ohren, die wohl mal steif in die Höhe geragt hatten, aber nun zerquetscht und angekohlt waren.
Tarcil sah mit Grausen in das häßliche, bösartige Gesicht des Monsters. Aber dann dachte er, daß die Kreatur gar nicht so angsteinflößend aussah. Sie war dünn und nicht besonders groß, nicht einmal fünf Fuß. Zu klein, um ein richtiges Pferd zu reiten, die Reittiere mußten Ponys gewesen sein. In der Nacht war ihm das in seiner Angst gar nicht aufgefallen.
In einem Ringkampf hätte er das Biest besiegt. Es mußte ein Kobold sein, genau so wurden diese Wesen in den Schauergeschichten beschrieben, die seine Mutter ihm als Kind erzählt hatte, wenn er etwas angestellt hatte. Aber selbst in den schlimmsten Geschichten hatten die Kobolde niemals ein ganzes Dorf ausgelöscht. Sie bestraften immer nur unartige Kinder.
Er trat näher heran und stellte fest, daß der Kobold nicht von dem herabstürzenden Schutt erschlagen worden, sondern an einem Stich in den Hals gestorben war. Vielleicht hatte sein Vater ihn getötet. Er fühlte Stolz bei diesem Gedanken.
Doch dann schauderte es ihn wieder, als er daran dachte, daß diese Monster über die Frauen hergefallen waren. Er setzte sich stumm zwischen die Toten. Sein Kopf war leer. An sich selbst dachte er keinen Augenblick. Doch irgendwann spürte er nagenden Hunger und merkte wieder, daß er noch unter den Lebenden war. Er fragte sich, was er tun sollte. Auf einmal fühlte er sich unglaublich einsam. Er dachte ernsthaft an Selbstmord. Doch als er sein Messer in der Hand wog, entschied er sich dagegen.
„Nein, so nicht”, sagte er sich, „wenn du sterben wolltest, hättest du es gestern ehrenvoll tun können.”
Er steckte das Messer wieder weg. Nun, da er beschlossen hatte zu leben, konzentrierte er sich ganz darauf. Er wurde sich der Gefahr bewußt, am Ort des Massakers zu verweilen. Wie leicht konnten die Angreifer zurückkehren. Er überlegte, wohin er sich wenden sollte. Die nächste Siedlung war Tagesreisen entfernt. Und vielleicht gab es auch die schon nicht mehr. Trotzdem beschloß er, dorthin zu gehen.
Tarcil suchte in den Trümmern nach Ausrüstung und Proviant für seine Reise. Nach einigen Stunden harter und schmutziger Arbeit hatte er einen ansehnlichen Haufen Trockenfleisch und Brot zusammen, das er zwischen den schwelenden Trümmern aufgelesen hatte. Außerdem suchte er nach etwas festerer Kleidung, konnte aber wenig finden, was nicht blutbeschmiert oder vom Feuer zerfressen war. Da fiel ihm der Wolf wieder ein, den er am Abend zuvor auf dem Hügel hatte fallen lassen. Er schleppte ihn her und zog ihm das Fell ab. Dieses hängte er über die Hitze eines noch schwelenden Feuers, während er seine Ausrüstung in einen Rucksack packte. Die Riemen waren angesengt, hielten aber noch.
Am Nachmittag brach er auf. Das Wolfsfell war leidlich trocken. Es widerstrebte ihm, seine Toten unbestattet zurück zu lassen, aber er hatte das Gefühl, daß die Angreifer jeden Augenblick zurückkommen konnten. Deshalb wandte er sich ab und schlug die Richtung nach Osten ein. Bei sich hatte er Proviant, seinen Hirtenstab, sein Messer und einige Utensilien, um Feuer zu machen oder etwas zu kochen. Er ächzte unter der Last, obwohl er von einem Leben voll harter Arbeit einen starken Körperbau hatte. Als ihn der erste Hügelkamm von dem Dorf trennte, wurde ihm erst klar, welch großen Verlust er erlitten hatte. Stumm vor Schmerz kämpfte er sich weiter voran. Erinnerungen an die Toten schossen ihm unaufhörlich durch den Kopf. Doch als es Abend wurde, machte sich eine dumpfe Taubheit in seinem Kopf breit. Das Leben, das er gekannt hatte, war beendet. Nichts würde es zurückbringen.

Die nächsten Tage waren eine eintönige Plackerei. Immer war er allein und in Angst, berittene Gestalten vor sich auf der Ebene zu sehen. Nachts kletterte er auf Bäume, wenn er welche finden konnte. Er hatte schon früher in der Wildnis übernachtet, wenn er mit seinem Vater verirrte Rinder suchen mußte. Vor der Wildnis hatte er keine Angst. Er ernährte sich von Trockenfleisch und hartem Brot, das jedoch bald zur Neige ging. Die Anstrengungen der täglichen Märsche zehrten an seinen Kräften.
Nach einer Woche fand er ein Dorf. Er hatte sein ganzes Leben den Umkreis seines eigenen Dorfes nicht verlassen, bevor das Unglück passierte. Es war zwar üblich, daß die jungen Frauen das Dorf verließen, um in anderen Dörfern zu heiraten, aber die Söhne blieben stets an ihrem Geburtsort. Sein Vater hatte schon eine Frau für ihn gesucht. In ein oder zwei Jahren hätte er heiraten sollen.
Das Dorf, vor dem er stand, war dem seinen ganz ähnlich. In der Mitte war ein Brunnen, um den sich die zwei Dutzend kleiner Häuser gruppierten. Zwischen den Häusern sah er Kinder spielen. Eine Frau hängte Wäsche auf eine Leine, die zwischen zwei Hütten gespannt war. Sicherlich waren keine Männer im Dorf, denn es war Vormittag. Anscheinend hatte diese Siedlung noch nichts von dem Schatten gemerkt, der auf das Land gefallen war. Er setzte sich wieder in Bewegung und schritt auf die Häuser zu.
Er hatte die erste Hütte fast erreicht, als ein Ruf ertönte:
„Ein Wolf! Ein Wolf!” rief eine schrille Kinderstimme.
Er stutzte bei dieser unerwarteten Begrüßung. Er hatte das Wolfsfell völlig vergessen. Er hatte den Kopf daran gelassen und über seinen Kopf gelegt, so daß der Pelz um seine Schultern hing. Jetzt am Tage war das sehr warm, aber nachts war er froh über die Wärme, die der tote Wolf ihm spendete. Ihm war klar geworden, daß er dem Wolf sein Leben verdankte, aber er wußte nicht recht, ob er ihm dankbar sein sollte.
Auch abgesehen von dem Wolfspelz sah er ziemlich merkwürdig aus. Er war schmutzig, sein Gesicht war schwarz und seine Fingernägel dreckig. Sein Kinn war voll ungleicher Stoppeln, denn ihm wuchs noch kein richtiger Bart. Er sah sehr heruntergekommen aus.
Auf den Ruf des Kindes hin liefen alle zusammen. Natürlich glaubte niemand, daß ein Wolf am hellichten Tag ins Dorf kommen würde. Bald war er von einem Dutzend Kindern umringt, die ihn teils furchtsam, teils neugierig anstarrten. Mehrere Frauen kamen hinzu. Eine mit einem kleinen Baby im Arm ergriff das Wort.
„Wer bist du?” fragte sie.
„Ich heiße Tarcil”, antwortete er.
„Woher kommst du, und was suchst du hier?”
„Ich komme aus Barn. Ich bin ein Flüchtling und suche Hilfe.”
Eine junge Frau, ungefähr in seinem Alter, redete dazwischen:
„Ein Flüchtling? Wovor flüchtest du?“ Sie drehte sich zu den anderen um. „Bestimmt hat er etwas verbrochen. Er sieht böse aus!”
„Still, Mara!” befahl die Ältere. „Sag, Tarcil, wovor flüchtest du? Wir sind arme Leute und können nicht viel entbehren.”
„Ich flüchte vor denen, die mein Dorf niedergebrannt und mein ganzes Volk ermordet haben.”
Wie erwartet rissen die Weiber vor Schreck die Augen weit auf, und die Kinder zitterten bei seinen Worten.
„Wenn Räuber hinter dir her sind, verschwinde aus unserem Dorf!” rief die junge Frau, die ihm immer unsympathischer wurde. „Bevor du das Unheil zu uns führst.”
„Das Unheil wird über euch kommen, mit mir oder ohne mich”, sagte Tarcil unerbittlich. „Mein Dorf gibt es nicht mehr. Alle sind tot, versteht ihr, alle! Ich bin nur am Leben, weil ich ein verlorenes Rind gesucht habe in der Nacht. Deshalb warne ich euch: Flieht, solange ihr noch könnt. Bald werden sie auch hier sein. Es sind gräßliche grüne Kobolde. Meinen Schwestern haben sie die Kehlen durchgeschnitten, nachdem sie sie geschändet hatten.”
Er nahm nicht gerade Rücksicht auf die anwesenden Kinder, aber er wollte, daß diese Leute ihm glaubten. Auf den Gesichtern der Frauen zeigte sich jetzt blankes Entsetzen.
„Er lügt doch nur”, sagte die junge, aber sie glaubte es selbst nicht.
„Komm in unser Haus”, sagte die ältere Frau mit dem Kind, „dort kannst du dich ausruhen und warten, bis die Männer zurückkommen. Mein Mann ist der Vorsteher. Ihm kannst du deine Geschichte erzählen.”
Sie führten ihn in ein Haus und wiesen ihm eine Bettstatt zu. Er streckte sich lang aus und schlief bis zum Abend.

Das Schlagen einer Tür weckte ihn. Der Vorsteher war offensichtlich nach Hause gekommen. Er setzte sich auf und begrüßte ihn respektvoll.
„Hallo, Herr. Weißt du, wer er bin?”
„Die Weiber haben es mir erzählt.” Er sprach sehr laut. Er war ein großer Mann mit roter Haut und blondem Bart. „Stimmt es, daß du aus Barn kommst?”
Tarcil nickte und erzählte ihm die ganze Geschichte. Am Schluß wiederholte er seine Warnung.
„Geht fort von hier. Es sind nur ein paar Tagesreisen bis Barn. Ihr habt sicher nicht mehr viel Zeit. Es ist ein Glück, daß sie noch nicht hier sind.”
Der Vorsteher brummte unwillig.
„Ich brauche deine Warnungen nicht, Junge”, wies er ihn zurecht. „Meinst du, wir geben alles auf, weil irgend jemand erzählt, es wären Kobolde unterwegs? Wahrscheinlich waren es nur ganz gewöhnliche Räuber.”
„Aber ich habe sie doch gesehen. Mein Vater tötete einen von ihnen. Es sind grüne Kreaturen mit bösartigen Gesichtern!” Doch der Vorsteher schaute nur ungläubig.
„Ich mache dir einen Vorschlag”, sagte er, etwas freundlicher. „Du kannst bei uns bleiben. Mein Sohn ist letztes Jahr gestorben. Du kannst seine Stelle einnehmen. Du bist groß und kräftig. Ich kann dich bei den Herden brauchen. Ich habe keinen Sohn mehr. Wenn du tüchtig bist, gebe ich dir nächstes Jahr meine Tochter und du wirst mein Erbe.”
Einen Moment war Tarcil in Versuchung, auf dieses großzügige Angebot einzugehen. Vielleicht war es nur ein zufälliger Streifzug der Kobolde gewesen. Vielleicht waren sie längst wieder aus der Gegend verschwunden. Doch er wußte, daß es nicht so war. Längst hatte er seinen Entschluß gefaßt.
„Du bist sehr großzügig, Herr” sagte er, „aber ich kann nicht hierbleiben. Ich weiß, daß sie kommen werden. Ich werde nach Westen über den Fluß gehen, wo es Städte gibt und der König die Menschen schützt. Und ich hoffe, ihr tut es auch.”
Einen Moment sah er Zweifel und Furcht im Gesicht des Mannes. Dann brummte er:
„Du mußt selbst wissen, was du tust. Ich werde dir etwas Proviant geben, und dann verschwindest du aus dem Dorf. Aber ich rate dir, mach nicht meine Leute mit deinen Warnungen verrückt. Wir haben schon genug Probleme hier!”
Er verließ lautstark das Haus. Kurz darauf kam seine Frau herein und bot Tarcil an, daß er die Nacht noch in ihrem Haus verbringen könnte. Er lehnte jedoch ab. Er erinnerte sich, daß sie bei Nacht angriffen. Also gab sie ihm frisches Brot und einige Äpfel. Dann verließ er das Dorf Richtung Westen. Die Dorfbewohner würdigten ihn keines Blickes.
Er wanderte bis in die Nacht, da er ja den Nachmittag verschlafen hatte. Einige Stunden vor der Morgendämmerung fand er einen Baum mit einer breiten Astgabel, in der er schlafen konnte. Er hängte seinen Rucksack mit dem Proviant an einen hohen Ast und machte es sich gemütlich, so gut es ging. Doch als er eben einschlafen wollte, gewahrte er ein Licht in der Ferne. Er strengte seine Augen an. Kein Zweifel, am östlichen Horizont flackerte ein roter Lichtschein. Er zog sich den Wolfspelz vors Gesicht und brummte:
„Sie wollten ja nicht hören.”


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 17.09.2008, 22:10                                  +/-



Aber ich brauche eure Aufmerksamkeit nicht, denn mit 82,3%iger Wahrscheinlichkeit wird mein Werk nächstes Jahr von Suhrkamp veröffentlicht Yes grins


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Craggan



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BeitragVerfasst am: 17.09.2008, 22:22                                  +/-

oh sorry! Aber das ist SO lang, dass ich mir das mal ausdrucken wollte und am Wochenende in Ruhe lesen will Yes



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BeitragVerfasst am: 17.09.2008, 22:37                                  +/-

Glaurung


Aber ich brauche eure Aufmerksamkeit nicht, denn mit 82,3%iger Wahrscheinlichkeit wird mein Werk nächstes Jahr von Suhrkamp veröffentlicht Yes grins


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 01:27                                  

Disclaimer: Dieses Posting spiegelt meinen Leseeindruck wieder und ist keine literaturtheoretische Betrachtung.

Eindruck: Sehr solide, wie von dir nicht anders zu erwarten sehr flüssig geschrieben und gut zu lesen, ohne große Stolpersteine. Allerdings auch sehr konventionell, selbst für eine Fantasy-Geschichte. Andererseits würde es mich durchaus interessieren, wie es nach dem Cliffhanger weitergeht.

Was mir fehlt ist der Schmöckerfaktor, den Fantasy meines Erachtens haben sollte, die Geschichte saugt mich nicht in ihre Welt. Vielleicht ein paar Punkte, die das beheben könnten. Inwieweit du das einbaust, musst du natürlich selber wissen. zwinkern

Sinnlicher schreiben: An einer Stelle stinkt es nach verbranntem Fleisch, ansonsten zwängst du die Geschichte in rein visuelle und akustische Eindrücke. Wie riecht deine Welt? Wie fühlt sie sich an? Die noch warmen Steine, die deinem Helden in den Handteller schneiden, während er den Leichnam seines Vaters aus dem Schutt wühlt, der glatte Stahl und die groben Schnitzereien der Klinge, während er das Messer dutzende Male in der Hand dreht, der wilde Geruch des Wolfsfells, ... Kurz: Distanz abbauen. Über Messer, deren Faszination und wie man diese in Worte fassen kann, kannst du hier im Forum recherchieren.

Dynamischer schreiben: Der Wolf hatte ... der Tag war ... in der Ecke lag ... das sind alles langweilige Verben, die deine Geschichte in Schwarz-Weiß-Farben malen. Statt: "Der Wolf hatte glänzendes Fell", "Das Wolfsfell glänzte ..."; solche Sätze wie "Es war warm" kann man auch eindringlicher beschreiben. Der Geschichte einen Charakter geben.

Dafür Offensichtliches weglassen ("Dann herrschte Chaos"-) und Vages greifbarer machen ("Es war harte Arbeit"-)

Die Menschen wirken fremd und distanziert, das brennende Dorf könnte auch eine Meldung in der Tagesschau sein. Schon ganz am Anfang, wenn du deinen Helden aufwachen lässt, könntest du ein paar Eigenheiten seiner Familie aufzeigen. Die Schwester, die sich fast verplappert hätte und ihre Hand vor den Mund schlägt, der sonst so strenge Vater, der am Morgen nur gütig brummt, und das ganze dann bitte ohne meine Klischees. zwinkern Wenn du gut bist, kannst du deinen Leuten in wenigen Wörtern Sehnsüchte, Eigenheiten, Merkmale in ihr Leben malen. Und falls das etwas prototypisch daherkommt, ist das bei Fantasy-Nebenfiguren nicht so schlimm.

Mehr Details, interessante Beobachtungen einbauen. Fantasy heißt Welten bauen.

Insgesamt: Ich habe den Eindruck, dass du deine Geschichte besser ausmalen, farbenfroher, bildgewaltiger erfinden kannst, die Kunst ist es natürlich, die Farben nicht allzu grell und augenkrebselnd aufzutragen, das Ganze nicht ausufern zu lassen.

Gepostet am 19.09.2008, 02:30:

Mein Posting wirkt durch die Fülle seiner Vorschläge natürlich wieder wie eine beißende Kritik. Um eine bessere Relation der guten und schlechten Seiten aufzuzeigen, hier eine Zusammenfassung:

+ solide geschrieben, gut lesbar
- Schmöckerfaktor bzw. Sogkraft könnte größer sein
0 etwas konventionell (was für die Bahnhofsbuchhandlung aber vielleicht nicht das schlechteste ist)

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Craggan



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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 06:57                                  +/-

Zitat:
Mein Posting wirkt durch die Fülle seiner Vorschläge natürlich wieder wie eine beißende Kritik


nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil - ich finde es sehr konstruktiv und ausgesprochen stark auf den Punkt gebracht! Spitze


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 07:54                                  +/-

oh sorry! Aber das ist SO lang, dass ich mir das Lesen mal sparen wollte. Nach RJs Review habe ich allerdings mal vertikal gelesen und bin doch neugierig geworden und werde den Text am Wochenende in Ruhe lesen. Yes


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 09:23                                  +/-

Vielen Dank Spitze

Die Kritik kann ich nachvollziehen. Ist schwierig für mich, mit weniger Distanz zu schreiben. Gefühle und Emotionen sind halt ein sehr glitschiges Pflaster, da wirds schnell peinlich. Aber ich werde mal versuchen, darauf zu achten, etwas lebendiger zu sein (wenn und falls ich mich mal ans zweite Kapitel machen werde, was ich eigentlich schon letzte Woche tun wollte Geschockt ).

Ich schreibe wohl ungefähr so, wie ich lese. Mir ist aufgefallen, daß ich das "Beiwerk" in Büchern praktisch überlese, also detaillierte Schilderungen der Umwelt, von Kleidung, Aussehen der Charaktere etc. Eigentlich folge ich nur der nackten Handlung und den Dialogen. Mein Bild von Personen und Welt bleibt immer sehr diffus und hat mit den tatsächlich beschriebenen "Fakten" des Buches oft wenig zu tun.

Das Kapitel (wie auch die ganze Buchidee) stammt übrigens im Wesentlichen von 2001. Wenn ich mal schriftstellerische Anwandlungen hatte (selten), bin ich immer wieder dahin zurückgekehrt, ohne jedoch wirklich weiterzuschreiben (es gibt ein alternatives erstes Kapitel und den Anfang eines zweiten, die aber Mist sind). Für den Handlungsplan hatte ich einige gute Ideen, aber ich habe nie das gefunden, was die Episoden miteinander verbindet und ein Buch draus macht. Letzte Woche habe ich nochmal scharf nachgedacht und hatte einen kleinen Geistesblitz. Jetzt paßt es grundsätzlich, glaube ich. Fehlt nur noch die gelungene Implementierung hähö

Jedenfalls habe ich das an sich fertige Kapitel nur dahingehend geändert, daß es jetzt 3. Person ist, ursprünglich war es eine Ich-Erzählung. Außerdem ein paar sprachliche Fehler korrigiert. Am Anfang was gelöscht, da gab es eine Art Einführung des Ich-Erzählers, war zu trocken. Und die Monster sahen anders aus, waren eher so Schweine. Außerdem wußte man gleich, wer sie geschickt hat.

Weitere Änderungen habe ich vertagt, da ich lieber mal was Neues schreiben will, statt noch zehn Jahre am ersten Kapitel rumzudoktern. Allerdings ist natürlich die Frage, ob meine Schreibfertigkeiten in den letzten Jahren besser geworden oder nicht eher verkümmert sind.

P.S.: Mein Beitrag hatte ja zwei Sterne. Jetzt frage ich mich: Haben das wirklich 4-5 Leute gelesen, oder sind das Sterne nach dem Motto "Ich hab zwar keine Lust es zu lesen, aber ich finds gut, daß du dich getraut hast"? ????? zwinkern


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 09:34                                  +/-

Zitat:
Das Kapitel (wie auch die ganze Buchidee) stammt übrigens im Wesentlichen von 2001


ich habe eben ernsthaft überlegt wie der Zusammenhang zwischen der Story und dem Film herzustellen ist. Dann dachte ich an den Buchladen. Erst dann, beim Weiterlesen, dämmerte mir, dass auch das Jahr gemeint sein könnte hmmmm


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 10:30                                  +/-

Ok, bin durch. Ich finde die Geschichte auch sehr gut geschrieben. Muss sich mMn nicht vor Banhofsbuchandlungs-Fantasy verstecken. Was Verbesserungsmöglichkeiten angeht, schließe ich mich RJ an. Die Sprache klingt z.T. etwas nüchtern, im Polizeimeldungsstil, beispielsweise:

Glaurung
Er war fast neun Jahre alt und ging schon manchmal allein auf die Weide, wenn er nahe des Dorfes bleiben konnte.


Glaurung
Er fragte sich, was er tun sollte. Auf einmal fühlte er sich unglaublich einsam. Er dachte ernsthaft an Selbstmord. Doch als er sein Messer in der Hand wog, entschied er sich dagegen.


Bei den Dialogen gefällt mir der Vater am besten ("Treibe sie bis zum Fluß hinunter, hörst du? Sie sind mir noch zu dünn."-). Die Jungs sind mir wieder zu nüchtern, so dass ihre Gespräche etwas biblisch anmuten:

Glaurung
Außerdem gebe ich dir die Hunde mit. Du mußt vor der Dunkelheit zurück sein, sonst findest du vielleicht den Weg nicht mehr. Ich kann nicht ohne die beiden Kühe zurückkommen.


Das ist, glaube ich, bei modernen Fantasy-Büchern eher unüblich und muss verkregelt werden.

Inhaltlich ist die Geschichte in der Tat eher konventionell. Als Leser hofft man inständig, dass Tarcil kein Findelkind und nicht königlicher Abstammung ist.
Allerdings soll es ja auch das erste Kapitel sein, und es macht durchaus neugierig. Ich würde weiter lesen, weil ich wissen möchte, was die Kobolde gesucht haben und wer sie geschickt hat. Man könnte aber sicher noch mehr Sense of Wonder einbauen. Vielleicht könnte es einen Hinweis auf das düstere Geheimnis geben, dass sich hinter dem Messer verbirgt. Ich mag es ja dark und hätte es daher cool gefunden, wenn die "harmlosen" Rednecks im Nachbardorf gar nicht so überrascht auf den Angriff reagiert hätten, sondern eher darauf, dass jemand überlebt hat...

Vorgehen: Ich würde vorschlagen, dass Du Dich nicht ewig mit dem ersten Kapitel aufhältst. Sprachliche Dinge kann ja auch der Lektor korrigieren, bzw. Du wenn der Verlag sagt, dass es zu 70% publiziert wird, wenn Du noch kleine Verbesserungen vornimmst. Man muss Dinge auch mal fertig kriegen. Oder gleich was Neues anfangen.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 10:47                                  +/-

Psycho Dad
Als Leser hofft man inständig, dass Tarcil kein Findelkind und nicht königlicher Abstammung ist.

hähö Das war in dem verworfenen anderen ersten Kapitel so Verlegen

Hm ja, der Inhalt ist wohl wirklich zu konventionell, seh ich ein. Es wird zwar bald besser (denke ich), das erste Kapitel ist quasi nur Kick-Off, danach gibts erstmal einen kleinen Zeitsprung. Aber das erste Kapitel ist ja besonders wichtig. Mal sehen, ob sich da nicht noch ein paar neugierig machende Details einbauen lassen. Genauer gesagt habe ich sogar was in der Hinsicht entfernt, weil es nicht mehr zum geänderten Plot paßt.

Zitat:
Ich finde die Geschichte auch sehr gut geschrieben. Muss sich mMn nicht vor Banhofsbuchandlungs-Fantasy verstecken.


Das hört man natürlich gern Smilie Immer wenn ich in solchen Buchhandlungen stehe und durch die Schund(Serien-)literatur blättere, denke ich mir: Also das ist sprachlich und inhaltlich so schlecht, schlechter kann ich's eigentlich auch nicht machen.


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 11:12                                  +/-

Da ich mir auch schon so einige Morgi-Romananfänge durchlas, werde ich mir deinen am Wochenende auch mal vorknöpfen.

Aber sei gewarnt: Ich HASSE Fantasy! Böse


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BeitragVerfasst am: 19.09.2008, 14:32                                  +/-

Liest sich erstmal wie eine klassische HdR-Fanfiction aus der Non-Slash-Ecke. Da es aber in einem eigenen Kosmos spielt, kann es nur besser sein. Fanfiction ist bekanntlich bestenfalls Talentvergeudung.


Lob
Man könnte sagen, die Erzählung ist trocken und distanziert, man könnte sie aber auch als wuchtig und unbarmherzig bezeichnen. Erinnert mich etwas an Italowestern, in denen gleich am Anfang ziemlich ungerührt Unschuldige weggemetzelt werden, was dann einen Rachefeldzug lostritt, der sich gewaschen hat.

Um aus deiner "Not" (dich mit emotionaler Beschreibung schwer zu tun), hier eine Tugend zu machen, könntest du den Protagonisten noch etwas mehr als unemotionalen Klotz schildern, mit einem harten Kern unter einer rauen Schale, der feststellen muss, dass er sich erschreckend gut als Rächer eignet. So jemand, bei dem die Mörder an den Falschen geraten sind. So ein sehr junger Charles Bronson.

Mir gefällt auch noch das "struppig, stinkendes Wolfsfell, auf Bäumen schlafen", das bringt Farbe rein. Der soll ruhig stinken und leiden, in vielen Fantasystorys reisen die Helden monatelang durch die Wildnis, ohne sich je auch nur rasieren zu müssen.


Tadel
Ich stolperte über ein Wort, "irrational", zu modern, und die manchmal sehr kurzen Sätze, besonders wenn sie in Folge kommen:

Zitat:
Plötzlich brach Unruhe aus. Die Hunde bellten, und die Rinder stampften. Dann herrschte Chaos. Die Tiere liefen in alle Richtungen auseinander. Tarcil mußte aufpassen, nicht niedergetrampelt zu werden. Ein Schmerzensschrei ertönte, und dann sah er den Wolf.

Kann ein Stilmittel sein, um z. B. zu zeigen, dass gerade alles wie in Zeitlupe passiert, oder dass sich Spannung aufbaut, während nichts wirklich passiert, à la Sie standen sich gegenüber. Der Fremde trug den Hut tief im Gesicht. Seine Hand spielte am Colt. Irgendwo bellte ein Hund, so in der Art. Aber in der zitierten Szene passiert ja sogar ganz viel gleichzeitig, da würden mehr Kommas den Lesefluss gut tun und könnten eine Atemlosigkeit reinbringen, die das Geschehen zusätzlich spiegelt.

Auch ansonsten wirkt manches hölzern, naja, haben die andern schon gesagt. Mach die restliche Story einfach schön düster und gemein, dann passt das auch wieder. Lass die Lovestory raus.

Als gradlinige, klassische Fantasystory sicher tauglich. Allerdings würde ich das als Buch nicht lesen, ich hab die Phase hinter mir, nichts für ungut. So ein Buch würde gar nicht auf meinem Radar auftauchen (in Bahnhofsbuchhandlungen steh ich auch immer in einer anderen Ecke...).


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