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Musical Madness
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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 09.03.2015, 06:10                                  +/-

Nope, ich komme schon seit Wochen zu nix mehr, nicht mal meine Oscar-Filme habe ich zu Ende geschaut. Traurig Und auf iTunes gibbet dat Dingen auch nicht...

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 14.04.2015, 23:00                                  +/-

Beiträge, die ich noch schreiben wollte…

Euseppus
Es könnte gut sein, dass das, was auf der Bühne so phänomenal funktioniert, nämlich das zeitliche Gegeneinanderschalten von je einem Song aus dem Anfang der Beziehung von Jamie und einem aus dem Ende der Beziehung von Cathy, ein echter Hinkefuß des Filmes ist:
Es sind ja - bis auf die Nummer in der "Mitte" - alles echte Solosongs. Gefilmt ist es aber als Paargeschichte - der somit die Dynamik fehlt, die Duette auf der Leinwand absolut zu entfalten imstande sind. Zwei spielen, einer darf immer nur singen. Dass sie, wie im Trailer zu sehen, auch kurze (!) Dialoge oder Oneliner dazugeschaltet haben, ist natürlich zu begrüßen.
Ohne ganz ganz gaaanz viele eigene Ideen ist das Ding so nicht ins Laufen zu bringen. Und was man aus der Form des Musicals gemacht hat, ist natürlich durch den Trailer auch nicht zu klären - sie könnten es auch ins Chronologische gemanscht haben, das würde dann einen riesigen Reiz des Stückes ruinieren, weil das enorm viel Pathos und Drama hervorruft, ohne dass Pathos und Drama je ausgesungen, ausgespielt oder ausgesprochen werden müssten.


Zeitliches Gegeneinanderschalten: Nein, kein Hinkefuß. Womit ich jetzt auch schon verraten habe, daß sie es nicht ins Chronologische gemanscht haben, Jamie erzählt nach wie vor vorwärts und Cathy rückwärts. Es ist trotzdem ganz anders als auf der Bühne. Im Theater hat man tatsächlich immer nur einen, der spielt, und der meist das Publikum mehr oder minder direkt anspricht, das funktioniert im Film natürlich nicht. Dort hat man in fast allen Szenen beide, einer singt und hat eher eine Kommentarfunktion, gibt also die Sichtweise in der Szene an, der andere kann aber im Sprechdialog reagieren. Als Zuschauer sieht man auch die komplette Szene und hat nicht wie im Theater nur die Schilderung des jeweiligen Erzählers. Auf der einen Seite entfällt damit zwar die Spannung, die aus dem Errätseln von dem, was eigentlich passiert ist, entsteht, auf der anderen Seite bekommt man aber noch eine neue Erzählebene rein.
Letzteres kann gut oder schlecht sein.
"Schlecht" sind eigentlich fast alle Szenen aus dem Trailer, bzw. die Szenen, die möglichst professionell und geplant gefilmt wurden. Wenn man den Interviews der Beteiligten glaubt, dann hatten sie allerdings weder Zeit noch Geld, um alles "richtig" zu filmen, wollten den Film aber unbedingt machen, weshalb viele Szenen im Hauruckverfahren durchgezogen wurden. Und das sind die Szenen, in denen gelegentlich alle Gäule mit Frau Kendrick und Herr Jordan durchgehen und die die glatten Szenen eher "nett" aussehen lassen, wie ein Musikvideo zu einem Lied, aber nicht mehr. Diese Hauruckszenen dagegen… ja, da ist die Beleuchtung mal suboptimal oder die Tonqualität schwankt, weil die Beteiligten nicht immer ins Mikro singen/sprechen, egal! Die beiden rocken alles weg. Meine beiden absoluten Highlights sind der Schmuel-Song, Anna Kendrick kann so herrlich genervt sein, wenn ihr Herzblatt im Überschwang beim Geschichtenerzählen die Wohnungseinrichtung in Schutt und Asche legt, und Jeremy Jordan hat einen Spaß daran, den Bogen völlig zu überspannen. hähö Und dann noch die verkorkste Auditionszene. Kendrick zelebriert den schlimmsten Albtraum jedes Bühnenkünstlers und Jason Robert Brown geht in seinem Cameo-Auftritt als unfähiger Auditionpianist auf. Gekrönt wird das mit Cathys anschließender Abkotzerei am Handy, als sie Jamie davon erzählt, und mit der Feststellung gipfelt, daß die Leute ja eh keine Ahnung hätten. "I mean… those were the people that cast Russel Crowe in Les Misérables!!!" Frau, du sprichst mir aus dem Herzen!

Ich weiß nicht, ob der Film tatsächlich so geeignet ist für jemanden, der vom Stück noch nie etwas gehört hat. Wenn man vorher nicht weiß, wie die Erzählstruktur aufgebaut ist, stelle ich mir das schwierig vor, das zu durchschauen, weil halt meist beide im Bild sind und die Übergänge dadurch nicht mehr so spürbar sind. Wenn man sich darauf eingelassen hat, macht es aber mehr Spaß als im Theater, diesen Sichtwechsel zu verfolgen, weil man höllisch aufpassen muss, wer da gerade was macht und manchmal Kleinigkeiten eine Szene plötzlich anders wirken lassen können. Die Übergänge zwischen den Szenen sind oft fließend, gerne ohne Schnitt oder mit sehr unauffälligem Schnitt gefilmt, und dann stellt man verdutzt fest, daß man selber ja noch den Filter für die Sichtweise wechseln muss und und hoppla, wirkt die Szene durch die neue Sicht schon wieder anders als 1,5 Sekunden vorher.

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 17.04.2015, 18:31                                  +/-

City of Angels hat übrigens vor ein paar Tagen den Olivier Award als Best Musical Revival gewonnen:



Gepostet am 17.04.2015, 19:49:

Und beim Rumklicken finde ich noch mehr interessante Videos von den Awards:

Miss Saigon:



Und Kevin Spacey, der für seine Dienstzeit am Old Vic geehrt wurde und mit Beverly Knight zusammen einen singt:

Hut ab, Herr Spacey! Was können sie eigentlich nicht?

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 17.04.2015, 20:26                                  +/-

City of Angels habe ich auch schon mal live gesehen, wobei ich zu der Darstellerin der Oolie ein sehr persönliches Verhältnis hatte. zwinkern Die Idee der beiden Wirklichkeiten, der realen und der literarischen, hat mir ausgesprochen gut gefallen, und die Songs waren überwiegend klasse.

Mit dem Song aus Miss Saigon werde ich hingegen nicht so recht warm. Das ist für mich zu sehr der typische Musical-Kitsch. Die Tage, in denen ich das mochte, sind wohl unwiderbringlich vorbei.

Zwei Produktionen, die ich neulich gesehen habe, waren "Vier Hochzeiten und ein Musical" am Prinzregententheater und "Shrek - das Musical" in der kleinen Olympiahalle. Letzteres habe ich auch nur aus verwandtschaftlichen Gründen besucht, es war aber wie befürchtet eine lieblos und langweilig zusammengeschusterte Massenproduktion, die dem Film leider nicht im Mindesten das Wasser reichen konnte. "Vier Hochzeiten und ein Musical" (im Original: "The Drowsy Chaperone") beeindruckte zwar wie immer durch die Leistungen der Absolventen der Theaterakademie, blieb aber ansonsten trotz selbstironischer Musicalreferenzen als Stück auch eher belanglos.

Was hingegen immer geht, sind die alten Klassiker (letztes Jahr im Freien Landestheater - in bayerischer Textversion):


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 17.04.2015, 21:55                                  +/-

Puha. Ich hab bei Herrn Spaceys musikalischem Abschied oben gerade ein paar Tränchen im Augenwinkel verdrückt...
@Loth: A - aha, jetzt will ich die Verfilmung auch sehen. Smilie
@Arianrhod: Die "Elisabeth" soll richtig gut sein, ohne festes Bühnenbild, nur mit Menschen auf ner Bühne und beweglichem/fahrbarem Requisitenzeuchs. Und darauf folgt ja dann tatsächlich "The holy grail"... Du hälzesnichfürmöglich...
wobei ich zu der Darstellerin der Oolie ein sehr persönliches Verhältnis hatte.

Aha... Erzähl!

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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 17.04.2015, 22:07                                  +/-

@Miss Saigon: Ich hätte mir gewünscht, daß sie einen weniger kitschigen Song genommen hätten. Ich wollte es ja auch nicht gucken und bin nur rein, weil es sonst zu ernsthafteren, freundschaftlichen Verwerfungen gekommen wäre. Aber dann war ich sehr überrascht, wie sehr sie das Stück umgebaut hatten.

@Shrek: Da hätte ich auch mehr erwartet. Ich hab's in London gesehen, weil der Lebensgefährte eines Freundes mitgespielt hat und besagter Freund mich mitgezottelt hat. Eigentlich hätte das so ein netter Abend werden können. Ich war völlig auf gute Unterhaltung eingestellt, belanglos, aber witzig. Und dann wurde es der blanke Horror! Und wir konnten nicht mal weg, weil unsere Jacken backstage in einer Garderobe lagen und draußen Minusgrade herrschten. Das Foyer war leider auch zu kalt zum Abhängen, nur deshalb habe ich auch den zweiten Akt gesehen. Ätzend, wenn das beste an einem Stück die Rattenkinderpantoffeln sind.

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 17.04.2015, 23:01                                  +/-

Euseppus
@Arianrhod: Die "Elisabeth" soll richtig gut sein, ohne festes Bühnenbild, nur mit Menschen auf ner Bühne und beweglichem/fahrbarem Requisitenzeuchs.

Oh, danke für den Tipp! Ja, die Elisabeth wollten wir uns eigentlich auch noch anschauen, mein Schwesterlein und ich. Sie hat die schon in diversen Inszenierungen gesehen, aber ich kenne nur die CD.

Zitat:
wobei ich zu der Darstellerin der Oolie ein sehr persönliches Verhältnis hatte.

Aha... Erzähl!

You've got mail!

@Lothiriel: Ja, der zweite Akt war besonders ätzend. Selten so gelangweilt. Es zog sich alles ganz fürchterlich, und das Herumgesinge hat es nicht gerade besser gemacht. Aber stimmt, die Rattenschuhe waren nett!

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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 27.05.2015, 20:16                                  +/-

Jetzt hab ich sie gesehen, die Elisabeth. Zum ersten Mal übrigens, ich kannte bislang nur die CD.

Die Inszenierung gefiel mir gut (das neu renovierte Deutsche Theater übrigens nicht minder), allenfalls die LED-Wand mit den bunten Bildern hätt's manchmal nicht gebraucht. Die Elisabeth war phantastisch, auch Lucheni und Franz Joseph haben uns sehr gut gefallen, nur den Tod fand ich zu affektiert und manieriert in seinem Gesang wie auch in seinem Spiel. Aber das ist wohl ein Dilemma, das dieser Rolle innewohnt. (Schon Uwe Kröger fand ich nicht so dolle. Und meine Schwester meinte, sie habe eigentlich nur in der Stuttgarter Inszenierung einen Tod gesehen, der ihr wirklich zugesagt habe.)

Die Melodien sind mittlerweile ja schon ganz schöne Gassenhauer, trotzdem ist das für mich ein großes Musical, sowohl was den Text als auch was die Musik angeht. Die Liebesgeschichte zwischen Sissi und dem Tod, die verquere Beziehung der Kaiserin zu ihrem Mann und ihrem Sohn und über allem der beißend-ironische Blick Luigi Luchenis - das ist schon eine höchst gelungene Interpretation des Sisi-Motivs.


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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 09.06.2015, 17:58                                  +/-

Matilda geht auf US-Tour und anlässlich der Premiere in L.A. warf sich ausgerechnet Jack Black in Pose. Ich kichere. Dezent.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 09.06.2015, 21:21                                  +/-

So sieht Johnny Galecki in 1-2 Jahren aus.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 10.06.2015, 10:33                                  +/-

hähö Aber echt.


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Arianrhod



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BeitragVerfasst am: 10.02.2016, 23:46                                  +/-

"Ich habe Gott gesehen und sie war cool."

Kurz vor Weihnachten - solange wollte ich schon hier davon berichten - haben wir in den Münchner Kammerspielen "Peaches Christ Superstar" gesehen, ein Musicalprojekt der Elektropunksängerin Peaches. Ich kannte die Dame vorher nicht, bin musikalisch in jener Gegend nicht so bewandert. Mein Liebster schon - der hasst dafür Musicals und Andrew Lloyd Webber ganz besonders. Die besten Voraussetzungen also, dass wir beide an diesem Abend viel Spaß haben würden.

"Peaches Christ Superstar" ist das bekannte Musical als konzertante One-Woman-Aufführung. Sämtliche Rollen werden nur und ausschließlich von Peaches gesungen, auch in den Ensemble-Stücken. Peaches war wohl schon als junges Mädchen ein Fan des Musicals und hat vor dem Spiegel zur Platte mitgesungen (wahrscheinlich mit der Haarbürste als Mikro wie wir alle).

Nun mag ich "Jesus Christ Superstar" recht gerne, es ist eines der wenigen Webber-Musicals, die ich wirklich gelungen finde, aber die Vorstellung, dass ein und dieselbe Personen alle Rollen singt und das auch nur zu Klavierbegleitung, erschien mir doch etwas befremdlich, lebt das Stück doch meines Erachtens von der rockigen Instrumentierung und den Gegengesängen, z.B. zwischen Jesus und Judas. Aber den Hintergrund fand ich charmant und ich war auch neugierig, was Peaches aus dem Stück macht.

Kurz gefasst: Ich war höchst angetan. Zwar reichte Peaches stimmlich nicht an ausgebildete Musicaldarsteller heran, aber was ihr an Klangfülle fehlte, machte sie durch Expressivität und Durchhaltevermögen wett. Ich war schwer beeindruckt von dem Kraftakt, den es bedeuten musste, wirklich sämtliche Stimmen auf einmal zu singen, teilweise fast ohne Atempause. Das Stück war zwar gekürzt, aber dennoch gab es nur einmal in der Mitte eine Pause, ansonsten wurde fast ununterbrochen gesungen. Darüber hinaus überzeugte mich Peaches auch mit ihrer Spielfreude und ihren Entertainerqualitäten. Sie hat das Stück wirklich gelebt und interpretiert, speziell im zweiten Teil hat sie mich total mitgerissen.

Sie trägt im ganzen Stück nur zwei Kostüme, im ersten Akt ein merkwürdiges Ganzkörperkondom mit Wurstpellenkragen und im zweiten eine goldglitzerndenes Astronautengewand. Es gibt auch keine Requisiten (von einer Peitsche einmal abgesehen), das Ganze lebt wirklich nur von der Musik und dem Gesang.

Lustig - und im Nachhinein ein wenig enttäuschend - war übrigens, dass uns anfangs im Publikum einige Leute auffielen, die ziemlich extravagant kostümiert waren, was uns schon zu der Hypothese veranlasste, dass eine Punktsängerin offenbar deutlich schrägeres Publikum anzieht, sich die schrillen Vögel dann aber später als Komparsen erwiesen, die bei "Jesus Christ Superstar" die Bühne stürmten und herumtanzten.

Alles in allem ein gelungener Theaterabend, bei dem mir natürlich auch insofern das Herz aufging, als Jesus doch eher selten von einer Frau dargestellt wird. Smilie



Edit: Dieses Video zeigt noch besser, was es heißt, alle Rollen auf einmal zu singen (ab Minute 6:00 oder noch besser 7:00):


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Quar



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BeitragVerfasst am: 12.06.2016, 22:30                                  

Auf die Gefahr hin, nochmal Neid auszulösen, muss ich mir jetzt auch nochmal mein absolutes Highlight in New York von der Seele schreiben:

Athene und ich haben am letzten Abend in New York Karten für Hamilton gewonnen. Aktuell machen da wohl an manchen Tagen 10.000 Leute mit. Deswegen konnte wir das auch erstmal überhaupt nicht fassen. grins

Im Nachhinein war es dann wie ein Zeichen, dass wir am Vormittag in der U-Bahn Leslie Odom jr. gesehen hatten.


Dann kommen wir zum Theater, gehen an der laaangen Schlange vorbei und dürfen neben der Tür warten. Neben uns stehen Leute, die vermutlich ab 500 Dollar für eine Karte bezahlt haben (das Stück ist bis Januar 2017 ausverkauft) und gucken sehr irritiert, wie hier zwei Touristen einfach nach vorne durchmaschieren. Dann geht's rein in Theater und wir werden zu unserem Platz geführt: In die erste Reihe. Mitte! (111 )

Das war unser Blick:


Hamilton ist seit einem Jahr der heiße Scheiß am Broadway. Das Richard Rogers Theater, in dem das Stück läuft, ist aber auch sehr klein. Deswegen wundert es mich nicht, dass die Karten schnell weg sind.
Wirklich großartig finde ich, dass die komplette erste Reihe für die Gewinner einer täglichen Lotterie reserviert sind. Man kann online teilnehmen und wird um 16 Uhr benachrichtigt ob man gewonnen hat. Dann muss man das Ticket innerhalb einer Stunde bezahlen (10$, wooh!) und schon ist man drin und hat die besten Plätze im Haus.

Hinter Athene und mir saß eine ältere New Yorkerin, die das Stück schon siebenmal gesehen hat. Sie bat mich bitte mal kurz in's Orchester zu schauen ob der Dirigent brünett oder blond sei. "He's got dark hair." - "Oh good, then it's the original composer." Außerdem warnte sie uns schon mal vor, dass im zweiten Akt ein hübscher Tänzer aus dem Orchestergraben (es war mehr ein Loch im Boden) auftauchen wird. "He's very nice to look at." Links neben uns saß eine Mutter mit ihren Töchtern, die aus Philadelphia hergefahren waren ("When we saw we'd won, we got in the car!") sowie eine ehemalige Musical-Darstellerin und ihr Mann.
Athene und ich waren zu diesen Zeitpunkt schon so: Ich hatte auch schon einen Blick in's Programm geworfen und festgestellt, dass bis auf Jonathan Groff alle Original-Darsteller dabei waren. Smilie

Und dann ging's los:



Leider gibt es sehr wenige funktionierende YouTube-Clips, aber sie geben das Erlebnis auch wirklich nicht akkurat wieder. Dieser Clip ist schon acht Jahre alt, als der Autor und Hauptdarsteller von Hamilton, Lin-Manuel Miranda im Weißen Haus das erste Mal einen Song aus diesem Stück aufführte. Es hat sich kaum etwas verändert seit dem. Er sagte wohl einmal, als Obama ihm eine Standing Ovation gab, wusste er, das Stück würde sich wohl lohnen. grins

Und wie es sich lohnt!
Die Musik ist großartig, die Darsteller absolut mitreißend, das Stück witzig und ehrlich. Mir stand mehrmals das Wasser in den Augen. Und das passiert mir wirklich nicht häufig.
Letztendlich geht es um das Leben von Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister der USA. Er hatte eine sehr bewegte Kindheit und wurde früh Waise. Während des Unabhängigkeitskriegs der USA ging er nach New York und wurde schnell Privatsekretär von George Washington. Sein Leben war sehr bewegt und kurz. Im Alter von 47 Jahr starb er nach einem Duell mit Aaron Burr, damals Vizepräsident der USA.

Die Rollen im Stück sind multikulturell besetzt und das tut Hamilton sehr gut. Besonders Daveed, der sowohl Thomas Jefferson als auch La Fayette spielt, ist großartig. Die Musik ist sehr vielfältig. Häufig wird Hamilton als "Hip Hop Musical" beschrieben, aber es gibt hier viel mehr Musikstile. Trotzdem ist dies ein Stück, das deutlich frischer und modernen wirkt als so manch Klassiker. Man könnte noch so viel mehr zu diesem Stück sagen, aber ich will es mal dabei bewenden lassen.

Wir haben uns das Album nach Ende der Vorstellung gekauft und mir geht es schon seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf.

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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 13.06.2016, 07:43                                  +/-

Smilie Smilie Smilie Smilie Smilie

Neid - klar!
Aber freut mich auch. Smilie
Ich freu mich immer, wenn etwas so Tolles gelingt und alle das zu schätzen wissen. Jetzt auch sehen will!
You made my day! Smilie


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 13.06.2016, 08:46                                  +/-

Quar und Jetti, ihr habt es genau richtig gemacht: Shows ansehen, Shows ansehen, Shows ansehen. Das sind die drei wichtigsten Dinge, die man in NYC tun sollte Yes Spitze


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Thuringwethil



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BeitragVerfasst am: 13.06.2016, 10:38                                  +/-

Ach lustig. Mir sagten "Hamilton" und Lin-Manuel Miranda bis vor ein paar Tagen gar nichts, aber dann hatte ich das neueste Carpool-Karaoke-Video von James Corden gesehen und fand Miranda da so sympathisch. Cooler Bericht. Smilie



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Oxford
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BeitragVerfasst am: 13.06.2016, 11:57                                  +/-

Dank Emma wusste ich schon vor Wochen davon (und bin deswegen auch ganz neidisch auf Quar).

Tolles Interview, unbedingt ansehen!



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Quar



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BeitragVerfasst am: 13.06.2016, 19:20                                  +/-

Hamilton Eröffnung der Tony Awards.
grins

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 14.06.2016, 08:12                                  +/-

Gibt's auch Musicals über Amokläufe? Oder ist das immer nur so Eskapismus?


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 15.06.2016, 21:02                                  +/-

Wie wärs mit "A new brain"? Musical über Hirntumor. Oder "Next to normal"? Über eine Mutter und Hausfrau mit bipolarer Störung?
Musiktheater ist ja nun ein Erzählmedium wie jedes andere, mit dem Du jede Geschichte der Welt erzählen kannst. Was ist eigentlich gegen Eskapimus einzuwenden? Auch ein Musical über Hirntumor ist Eskapismus - ist ja nicht der eigene Hirntumor.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 16.06.2016, 12:54                                  +/-

Ich hab doch gar nichts gegen Eskapismus.

Gepostet am 16.06.2016, 14:09:

Sonst wär ich ja nicht hier.

Gepostet am 16.06.2016, 14:13:

Hier läuft gerade "The bodyguard". Soll ich da rein? Ich kenn dne Film nicht, wär also völlig unverspoilert.


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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 18.08.2016, 22:53                                  +/-

Jesus Christ Superstar
Regent's Park Open Air Theatre




Der Überraschungshit des Sommers. Ich bin eher zufällig hingestolpert, die Karte hatte ich vor Monaten besorgt, weil das Open Air Theatre im Regent's Park einfach ein unfaßbar tolles Ambiente hat, man läuft gefühlte 2km durch den Park, bis man da ist, vor der Vorstellung wird gegrillt, die Bar befindet sich unter mit Lichterketten behangenen Bäumen, mich würde es nicht wundern, wenn die Feen aus Shakespeares Sommernachtstraum auftauchen würden. JCS schien da ein Stück für einen netten Abend zu sein…

Premiere hatten die ein paar Tage vor meinem Besuch, ich hatte am Rande mitbekommen, daß die Kritiken wohl gut waren, und Leute, denen ich erzählt habe, daß ich hingehen würde, haben das nur kommentiert mit: "Oh, die sollen rocken!!!" Understatement of the year. Die zelebrieren die volle Arenashow, kombiniert mit einer bitterbösen Analyse von Politik und Populismus.

Da wäre Jesus. Möchte die Dinge verändern, sehr idealistisch, aber ein bißchen naiv. Im fliegen die Massen zu, zumindest am Anfang.

Die Priester. Sehen ihre Felle davonschwimmen und sind von Jesus daher nicht so begeistert. This Jesus must go!

Judas. Wird das Ganze unheimlich, er sieht, wohin der Konflikt mit der Priesterschaft führen wird. Seine Versuche, die Eskalation zu verhindern, indem er Jesus zu einem Zeitpunkt ausliefert, an dem er meint, daß dieser noch mit einem blauen Auge davonkommen wird, gehen gründlich schief, wir wissen, wie diese Geschichte endet.

Pilatus. Bekommt Jesus vorgesetzt, um ihn zu Tode zu verurteilen. Sieht eigentlich keinen Grund dazu, will das auch nicht, hat aber einen von der Priesterschaft aufgepeitschten Mob gegenüber, der Blut fordert. Opfert schlußendlich lieber Jesus als sich selbst.

Petrus. Verleugnet Jesus, als die Stimmung in der Masse umschlägt.

Alle diese Beteiligten versuchen ständig, den Mob auf ihre Seite zu ziehen, bzw. werden stark in ihren Handlungen vom Mob beeinflußt. Bis einer weint am Kreuz hängt. Die unterschiedlichen Interessengruppen spiegeln sich u.a. in der Musik wieder: Bei Jesus ist es z.B. eher unplugged und akustisch, Maria Magdalena geht eher Richtung Jazz, Judas kommt aus der Funk-/Soul-Ecke, und wenn Pilatus sauer wird, dann kracht einem Metal um die Ohren. (Diese Stimme, diese Stimme, ich bin verliebt! Sehr!) Es stehen lauter Leute auf der Bühne, die selber Rockmusik machen, und das merkt man. Die Leadgitarre wird auch relativ häufig von den Protagonisten auf der Bühne gespielt, die restlichen Musiker sind so untergebracht, daß Blickkontakt möglich ist, es ist irre, was die da an Ausdrucksmöglichkeiten rausholen. Es tut dem Stück gut, wenn man den Leuten Interpretationsfreiheiten läßt, die alle Beteiligten auch reichlich nutzen, die rocken alle nach vorne, das ist ziemlich schnell ein ziemlicher Battle auf der Bühne. Wenn ich überlege, wie sehr man hierzulande schon versucht hat, das eher in Richtung Passionsspiele zu inszenieren… Ich mag es auch, daß man im Regent's Park nicht am Ende noch eine weihevolle Himmelfahrt zeigt und das Stück unter unnötigem Kitsch begräbt, die lassen Jesus einfach hängen. Ein sehr starkes Bild, wenn man nur die Silhouette gegen den Nachthimmel sieht, sich der Bühnennebel langsam verzieht und es urplötzlich so still ist, daß man den Wind in den Bäumen hört. Man weiß auch nicht, ob man dieses Bild schaurig oder schön finden soll. Bei allen Szenen, die die Priester involvieren, ist Gold im Einsatz: Als Schmuck, als Schminke oder einfach so als Glitter. Bei der Verurteilung von Jesus wird dieser vom Mob ebenfalls mit Glitter beworfen, der bleibt am Kunstblut natürlich gut hängen und Jesus sieht danach recht besudelt aus. Aber später am Kreuz… interessante Effekte auf nicht unattraktivem Körper! *knicknack*

Das Stück ist jedenfalls bis hinten gegen ausverkauft, es wird ins Westend ziehen, sobald dort ein Theater frei wird. Ich bin zwar skeptisch, ob der Einsatz von Bengalos innerhalb von einem Gebäude so doll ist, und ich befürchte, daß in der Pyrotechnik Abstriche gemacht werden müssen (dabei sieht das Gold an den Pharisäern bei der Szene im Tempel im Flackern von echtem Feuer so toll aus!), aber sollte sich die Chance bieten, diese Inszenierung zu sehen: Tut es!
Ich hoffe ja, daß die noch eine CD aufnehmen, verdient hätte es diese Leistung. Ganz London ist in die Stimme von Tyrone Huntley als Judas verliebt. Ich bleibe aber Spalter und schmachte weiter bei David Thaxton als Pilatus. Smilie

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