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Meereswahnsinn reloaded
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 14:31                                  +/-



Love ect.

Charlotte starrte nun schon seit zehn Minuten wie benommen auf das Foto, das sie gerade in ihren neuen Mails gefunden hatte. Sie merkte nicht, dass Kaylee ihr vorwurfsvoll mauzend um die Beine strich und überhörte das aufdringliche Piepen von Yvans nagelneuem Hochdruckcappuchinobrüher, das aus der Küche drang. Mit zittrigen Fingern schloss sie den Mailaccount, dann brach sie über der Tastatur zusammen und schluchzte hemmungslos. Kaylee blickte irritiert zu ihr hoch und vergaß beinahe ihren Hunger. Die Cappuchinomaschine explodierte.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 14:41                                  +/-

Was bisher geschah

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 20:58                                  +/-



"Und? Wie ist die Sonnenbrille?" Charlotte gab sich wirklich Mühe, das konnte ihr niemand absprechen. Verdammt aber auch. Die Sonne schien, der Atlantik rauschte, Möwen kreischten, alles könnte so schön sein, aber Yvan zog ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Nichtmal die original supernova-taugliche ultra-freshe Space-Sonnenbrille von Palpatine, die sie ihm aus Berlin hatte mitgehen lassen, konnte ihn aufheitern. Missmutig brütend saß er nur so da, in seinem schwulen rosa Hemdchen, keine Ahnung, warum er das so liebte, manchmal machte sie sich wirklich ihre Gedanken, aber ehrlich, wir reden hier immer noch von einem Mann, oder nicht, und dann noch so ein mediterranes Hormonpaket wie Yvan, versteh' einer die Südländer und ihren Kleidergeschmack. Auf jeden Fall, er brütete. Schaute nicht nach rechts, wo Charlotte alles zeigte, was sie hatte, noch nach links, wo barbusige Amerikanerinnen die kurze Freiheit von ihrem bekackten Nazistaat genossen, statt dessen immer nur geradeaus, aufs Meer. Dorthin, wo gestern sein doofes Modell-U-Boot, die "Seegurke" abgesoffen war. Männer!

Charlotte ließ sich in den Sand gleiten und blinzelte in den knallblauen Himmel. Sie hatte gehofft, der Kurztrip an die See würde sie auf andere Gedanken bringen, ihr diese bescheuerte Elbengöre aus dem Kopf treiben, die und ihren prallen Bauch. Ließ sich da aufpumpen von irgendsoeiner hergelaufenen Schlampe, wer ist die überhaupt? Charlotte hatte keinen blassen Schimmer, aber sie konnte das selbstzufriedene Grinsen der blonden Schickse nicht aus ihren Gedanken vertreiben. Verärgert richtete sie sich auf. Yvan hatte sich keinen Milimeter gerührt. Die Amerikanerinnen rieben sich jetzt gegenseitig mit Sonnenöl ein. Das Nichtstun machte Charlotte rammdösig. Sie versuchte es noch einmal bei Yvan.

"Schatz, wie wär's, wir gehen in eine von den Strandhütten und vögeln ne Runde?" Doch er schaute sie nicht mal an, nur seine Lippen bewegten sich: "La Boum I". Er klang dabei unendlich gelangweilt. Charlotte drehte verärgert den Kopf weg. Sie hätte keinen bekackten Schauspieler heriaten sollen, der nichts als 30 000 bekackte französische Scheißfilme im Kopf hat, das und seine bekackten Modell-U-Boote! Warum hatte sie nicht einen vernünftigen Kerl genommen? So einen wir diesen pfeifenkrautler damals, der war doch okay. Oder eine Elbenprinzessin. Bekackt! Charlotte warf den Amerikanerinnen, die sich jetzt gegenseitig mit ihren Handys fotografierten, finstere Blicke zu. Noch ein Tag an diesem Strand und sie wäre ein Fall für den Meereswahnsinn, soviel war sicher.

Etwas muss passieren!

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 21:03                                  +/-

Ich finde, die Thematik bedarf eines größeren Publikums.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 21:34                                  +/-

Sagte Mike und stoppte die DVD. "Wir sollten Wang und die anderen anrufen, ob sie vorbei kommen, die hatten doch mit dem ersten Teil so viel Spaß.." Juliane versuchte, sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Wieder nichts mit einem Abend mit Mike allein. Bekackte Nerds!

"Sicher, warum nicht?" zwitscherte sie in gespielter Geselligkeit. "Andererseits..." Sie runzelte reichlich übertrieben die Stirn und wartete etwas, um Mike eine Chance zu geben, es auch zu bemerken. Es dauerte fast etwas zu lange, sie bekam schon einen Krampf, aber dann sprang er doch drauf an: "Was denn? Du meinst.. wegen... du weißt schon..?" Juliane schaute konzentriert an ihm vorbei. Jetzt nur nichts falsch machen. "Äh ja, weißt du... ich würde Alfredo gerne etwas aus dem Weg gehen. Das ist alles noch zu frisch, zwischen uns, und das tut immer noch weh, weißt du.." Sie trug etwas dick auf, aber das war schon okay. Jemand wie Mike brauchte das. "Können wir nicht einfach den Film allein anschauen? Du kannst ihn ja immer noch mit den Jungs in der WG anschauen, oder?" Mike sah sich Filme, die ihm gefielen, bis zu einem Dutzend Mal an, das wusste sie, warum auch immer. Männer. Aber heute war Frauenabend, hatte sie gerade beschlossen. Nur sie und Charlotte (die sie irgendwie richtig liebgewonnen hatte, so schräg der Rest des Filmes auch sein mochte) und Mike, der schüchterne, etwas tapsige Flug- und Raumfahrtstudent, dessen Steuerknüppel sie heute noch.. sie ermahnte sich, sich zusammenzureißen. Alles der Reihe nach. "Komm wieder auf die Couch." Ihr Lächeln war so zuckrig, dass es einen Diabetiker hätte töten können. Sie klopfte sanft mit der Hand auf das Spongebob-Kissen neben sich, Mike klappte willenlos sein Handy wieder zu und wie von unsichtbaren Fäden gezogen steuerte er das Sofa an. Seine Brille war verrutscht, Juliane fand das süß.

Draußen regnete es, sie hatten Wein, Krabbenchips und Charlottes Gesicht, nicht unbedingt klassisch schön, aber von einer gewissen faszinierenden Attraktivität, hing im Stand-by-Modus wie eingefroren über "Han Solo", Julianes selig schlummerndem Scotchterrier. Der Abend war noch jung.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 22:33                                  +/-

rolling on the floor...

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Arwen gegen den Vulkan



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BeitragVerfasst am: 10.10.2005, 22:45                                  +/-

Luke Skywalker warf einen Blick über das stillgelegte kleine, von ihm gemietete Fabrikgelände am Rande von Paris. Sehr gut! Hier würde sie niemand stören. Das kleine Kontingent von Sturmtruppen in unauffälliger Zivilkleidung überwachte das Gelände, während die Techniker dabei waren, die Kohlenstoffgefrieranlage aufzubauen. Luke legte seinen Sith-Mantel ab und schlüpfte in einen eleganten Smoking, die passende Abendgarderobe für sein bevorstehendes Treffen mit Charlotte.
Gestern war er in Paris angekommen. Der Imperator persönlich hatte ihn auf diese Mission geschickt. Charlotte glaubte auch weiterhin daran, dass durch ihre Hilfe die Rebellenallianz immerhin die Hälfte von Luke's Heimatgalaxis befreit hatte und dass Luke nun der Anführer einer neuen Republik und eines neuen Jedi-Ordens war. Luke hatte mehrfach mit Charlotte korrespondiert, seit der Imperator den Entschluss gefasst hatte, Charlotte zunächst in Sicherheit zu wiegen, um schließlich höchstpersönlich mit ihr abzurechnen. Selbstverständlich hatte das Fräulein Arwen keine Ahnung davon, was wohl letztendlich auch besser so war.

Ja, das Fräulein Arwen hatte immer noch starke Gefühle für Charlotte. Und umgekehrt war dies wohl auch der Fall, was Luke auf eine diabolische Idee gebracht hatte. Schon wieder überkam ihn der Impuls, wie ein kleiner Junge zu grinsen, als er an die beiden gefälschten Schreiben dachte, die er aus purer Bosheit an Charlotte geschickt hatte. Die dunkle Seite der Macht hatte wahrlich von ihm Besitz ergriffen, und in vollem Bewusstsein dieses Umstandes genoss Luke jedes erquickende, sardonische Genuss-Erlebnis, das ihm dieser willkommene neuerworbene Zustand einbrachte, ungemein. Das erste Schreiben hatte nur aus ein paar Zeilen und einer Foto-Montage, die Arwen mit einer neuen "Liebhaberin" zeigte, bestanden. Aber allein das hatte Charlotte schon zu einem Frust-Urlaub am Atlantik veranlasst, wie Luke herausgefunden hatte. Das war vor zwei Wochen gewesen. Mit hämischem Kichern rekapitulierte Luke in Gedanken den Wortlaut seines zweiten Schreibens, von dem die arme kleine Charlotte, inzwischen nach dem enttäuschenden Urlaub wieder in Paris, auch wieder glauben musste, es stamme vom Fräulein Arwen:

Hallo Charlotte,

Weißt Du, in jeder Beziehung, die sich ihrem Ende nähert, kommt irgendwann der Moment, wo man mal tacheles reden sollte, und dieser Moment ist zwischen uns nun gekommen! Ich bin mir hier in dieser faszinierenden Galaxis über so manches klar geworden. Die Scheiß-Rebellen haben sich zwar eine Hälfte der Galaxis unter den Nagel gerissen, aber in der anderen Hälfte, wo weiterhin Urgroßvati regiert, ist alles weiterhin cool. Und wie cool das ist, kannst Du Dir überhaupt nicht vorstellen! Oh ja, ich habe hier mehr Spaß als ich jemals mit Dir hatte! Hier gibt es haufenweise süße Mädchen und Frauen, die wissen, wo's lang geht! Nicht so wie Du! Ich treibe es hier mit einer nach der anderen. Und ja, die lassen sich auch als Vorspiel von mir spanken! Klatsch, klatsch, patsch, mit meiner flachen Hand auf ihre festen prallen nackten Arschbacken! Nicht so wie Du, Du prüde spießige Mademoiselle-Rühr-meinen-Arsch-nicht-an! Also, um es kurz zu machen, da ich wirklich endgültig die Schnauze voll von Dir habe: Du brauchst gar nicht erst zu versuchen, mich zu kontaktieren, Prinzesschen! Ich habe hier in dieser Galaxis endlich begriffen, was es heißt, glücklich und sexuell ausgefüllt zu sein. Und dafür, dass ich mich überhaupt so lange mit einer langweiligen hochnäsigen zickigen Cheese-Eating-Surrender-Monkey-Schlampe wie Dir abgegeben habe, könnte ich mich ohrfeigen!

Mit freundlichen Grüßen,
Arwen


Charlotte musste das Schreiben wohl gestern erhalten haben. Luke hätte zu gern ihr Gesicht gesehen. Nun ja, er würde ja heute mit ihr zu Abend speisen, in einem feinen eleganten Restaurant. Luke würde den perfekten Gentleman spielen. Er erinnerte sich noch sehr genau, was Charlotte ihm mitgeteilt hatte, damals, bevor er zur dunklen Seite der Macht bekehrt worden war: "Wenn du mal nach Paris kommst.. was? Paris, Frankreich, Erde. Ja, genau. Dann gehn wir auf die Rolle, Meister Luke, versprochen!" Nun galt es, dieses Versprechen einzulösen. Ja, er hatte einen Auftrag auszuführen. Aber vorher wollte er seinen Spaß haben. Er hatte es nicht eilig. Und es bereitete ihm Vergnügen, so zu tun, als sei er weiterhin der liebe nette Freund, für den Charlotte ihn immer noch hielt. Er konnte ruhig ein paar Tage in Paris verbringen. Alles mit der Ruhe.

"Lord Skywalker?" riss ihn der Cheftechniker aus seinen Gedanken. "Ja?" erwiderte Luke herrisch. "Wir haben die Anlage installiert. Sie ist von jetzt an verfügbar und betriebsbereit, wann immer Sie sie benötigen, my Lord." "Sehr gut!" Luke betrachtete wohlwollend das Werk der Techniker. "Diese Anlage ist zwar nicht die modernste, aber sie dürfte ausreichen, um Charlotte für ihre Reise zum Imperator einzufrieren!" Der Cheftechniker gab zu bedenken: "Lord Skywalker, wir benutzen diese Anlage normalerweise nur zum Einfrieren von Kohlenstoff. Es könnte das Fräulein Charlotte umbringen, wenn Sie sie da reinstecken." Luke dachte einen Moment nach. "Ich möchte unseren wichtigsten Fang für den Imperator unversehrt wissen. Wir werden die Anlage testen! Ich weiß zwar im Moment noch nicht, an wem, aber da wird sich schon irgendwas ergeben."
Vergnügt schritt Luke von dannen und rückte seinen Smoking zurecht. Die Arbeit war für heute erst mal erledigt. Nun stand ein Abend mit Charlotte an, der recht amüsant zu werden versprach.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 09:10                                  +/-

Kaylee schloss mit einem sanften Tritt den Kühlschrank und setzte ihren Spaziergang durch die Wohnung fort, während sie genüsslich am Créme-Fraiche-Becher nippte. Sie hatte, wie immer wenn Charlotte und Yvan nicht da waren, ihre Menschengestalt angenommen und ließ es sich mal wieder gutgehen. In der Regel plünderte sie erst den Kühlschrank, spielte dann etwas an der Stereoanlage rum (sie liebte Edith Piaf), brachte etwas Unordnung in Yvans Modellbauecke (ihre kleine Rache dafür, dass er sie gerne mal vom Sofa warf) und probierte sich für den Rest der Zeit durch Charlottes Kleiderschrank. Da sie auch in humanoider Form ihre Katzeninstinke behielt, hatte sie es bisher immer geschafft, alle Spuren zu verwischen, bevor ihre zweibeinigen Ernährer zurück kamen. Was dann im Kühlschrank fehlte oder noch irgendwo herumlag, kreidete Charlotte meist Madame Odeur, der dickleibigen Haushälterin an. Yvan allerdings warf ihr manchmal so seltsame Blicke zu, wenn er mal wieder über einem U-Boot-Modell verzweifelte... Kaylee war sich nicht sicher, ober er nicht etwas ahnte.

Ein Schlüssel im Schloss an der Haustür, vier Stockwerke unter ihr, ließ sie die Ohren spitzen. Während sie sich noch versonnen ihre Fingerspitzen ableckte, rechnete sie sekundenschnell die Zeit aus, die sie noch hatte, bevor Madame Odeur ächzend und schnaufend durch die Wohnungstür quellen würde. Sie streifte Charlottes seidenen Morgenmantel ab, darunter war sie nackt, viel aufzuräumen gab es diesmal nicht. Sie huschte ins Yvans Arbeitszimmer, schnüffelte kurz genießerisch am Klebstoff, mit flinken Fingern warf sie ein paar Flakrohre in den Kasten mit dem Gestänge, vertauschte zwei Tauchbunker und versteckte eine Bedienungsanleitung unter einem Stapel abgelehnter Drehbücher. Dabei fiel ihr Blick aus dem Fenster, und was sie dort, über den grauen Schieferdächern von Paris sah, ließ ihr alle im Moment nicht existenten Nackenhaare hochstehen: SIE waren gekommen! Die verdammten Pyramiden!



Madame Odeur hatte gerade ihre altmodische Netztasche abgestellt und sich keuchend gegen den Türrahmen gelehnt, als die kleine rote Katze wie ein Schatten an ihr vorbeihuschte, hinaus ins Treppenhaus, und noch bevor Madame Odeur auch nur merde sagen konnte, war nicht mal mehr die Schwanzspitze zu sehen. Die alte Dame jammerte und rollte mit den Augen, nicht schon wieder! Jetzt musste sie diese verdammte Katze wieder einfangen, möglicht noch bevor die Attals von ihrem Kurztrip nach Französisch-Guayana zurückkehrten. Seit sie nach Paris gezogen war, nichts als Ärger!



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 11.10.2005, 10:40, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 10:04                                  +/-

Charlotte sah noch einmal zu Yvan herab und ein Welle der Zärtlichkeit durchflutete sie. Er war irgendwie schon süß, gerade wie er da jetzt schlief, so tief und fest wie ein Baby. Sie hatten die ganze Nacht durch gevögelt, bis sie nur noch zwei schweißnasse ineinander verkeilte Klumpen Fleisch waren, Charlotte wollte ihm nochmal alles geben, was sie hatte, denn sie würden sich nun ja sehr lange nicht wiedersehen.

Sie streifte sich ihre alte Armeetasche mit den falschen Papieren, dem dicken Notenbündel und der nagelneuen, sauber zusammengefalteten Uniform über und öffnete lautlos die Balkontür, das vielstimmige Morgenkonzert der Tropen spülte ins Zimmer. Charlotte hatte sich den Entschluss nicht leicht gemacht, aber nun, nachdem sie alles so lückenlos durchgeplant hatte, musste sie es auch durchziehen. Man muss zu seinen Gefühlen stehen, das hatte sie von Arianrhod gelernt, und Charlotte war entschlossen, Arwen nicht so einfach gehen zu lassen. Die Liebe ihres Lebens! Wie hatte sie nur jemals glauben können, eine andere Frau so zu lieben? Der Gedanke an ihren Flirt mit Arianrhod zum Beispiel war ihr immer noch peinlich, selbst abgesehen vom grotesken Altersunterschied (wieviel? 50, 60 Jahre?), nein, das ging gar nicht. Sie schüttelte entschieden den Kopf. Und sowieso, Charlotte war immer der eher praktische Typ gewesen und so war auch ihr Abschiedsbrief ausgefallen, den sie auf ihrem Kopfkissen zurückließ:

Zitat:
Lieber Schnuckel

Du weißt, ich schätze dich, als Mensch, aber fast noch mehr als Mann. Du hast es mir immer gut besorgt. Aber du solltest wissen, dass du nicht der einzige von uns beiden bist, der auf Mösen steht. Daher muss ich nun fort, ich hoffe, du verstehst das. Keine Sorge, ich komme zurück. Kümmer dich um Kaylee.

Küsschen, deine Charlie


Behende stieg sie die Feuerleiter herab, die an der Außenwand des Hotels hinunterführte, wenn sie aufblickte, konnte sie über den dunklen Baumwipfeln das vielfarbige Leuchtfeuer von Kourou sehen, dahinter die massige, pechschwarze Silhouette der Ariane 8, die sich verheißungsvoll vor dem Morgenhimmel abzeichnete. Charlottes Herz schlug bis zum Hals, bald würde sie Arwen wiedersehen!




Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 11.10.2005, 10:42, insgesamt einmal bearbeitet
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 10:15                                  +/-



Die Pyramiden ließen mal wieder nicht mit sich reden.

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Arwen gegen den Vulkan



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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 15:11                                  +/-

"Hör' gut zu, mein Kind... Du bist völlig in meiner Gewalt! Entweder Du nimmst sofort menschliche Gestalt an oder Du kannst Dich mit ein paar Freunden vergnügen, meine Verehrteste!" Mit einem kalten, sardonischen Lächeln deutete Luke auf einen Käfig voll schmutziger Streunerkater. Kaylee hatte keine andere Wahl als sich zu fügen. "Na also, so gefällst Du mir doch gleich viel besser" sagte Luke, während er lüsterne Blicke auf Kaylees nun menschlichen nackten Körper warf.
"Übrigens, eine interessante Konstruktion, Eure Pyramidenraumschiffe. Nanotechnologie auf höchstem Niveau, womit auch endlich geklärt wäre, wie die Pyramiden sich vervielfältigen. Hättest wohl nicht gedacht, dass wir in der Lage wären, eine Pyramide zu kapern, hmm? Dachtest, Deine Freunde kämen, um Dich zu holen? Ihr Anthropofeliden haltet Euch für so clever." "Das sind nicht meine Freunde!" unterbrach Kaylee den dunklen Lord der Sith. "Ich habe mit denen nichts mehr zu tun. Die sind genauso meine wie Eure Feinde!"
"Ja ja, red' Du mal..." murmelte Luke, während er sich abwandte. Irgendetwas hatte er vor, sagte sich Kaylee. Sie hatte ein ganz mieses Gefühl bei der Sache. Schließlich drehte sich Luke mit einem Ruck herum: "Also, wo ist Charlotte? Ich war mit ihr verabredet, hier in Paris!" "Von mir erfährst Du gar nichts!" erwiderte Kaylee trotzig. "Und da Du so viel über uns Anthropofeliden weißt, dürfte Dir auch klar sein, dass wir eher sterben, als Geheimnisse preiszugeben." Luke trat dicht an sie heran und raunte ihr leise zu: "Und mir ist ebenfalls klar, dass Ihr keineswegs kälteresistenter seid als andere Spezies..."

Einige Minuten später waren die Offiziere um Luke versammelt und erhielten ihre Order: "Ich will, dass Charlotte gefunden wird! Ihre Spur soll aufgenommen und verfolgt werden, und wenn es bedeutet, die gesamte Oberfläche dieses Planeten zu durchkämmen!" Die Offiziere konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Hihi, durchkämmen" raunte einer von ihnen. Luke warf ihm einen strengen Blick zu. "Was ist?" "Oh nichts, my Lord!" Luke wollte zu einer scharfen Replik ansetzen, doch in diesem Moment hatte die Kohlenstoffgefrieranlage ihr Werk vollendet. Der Carbonitblock wurde herausgehievt. "Nun, Cheftechniker, hat Kaylee überlebt?" "Ja, Lord Skywalker, sie lebt. Sie befindet sich im tiefsten Winterschlaf." Luke lächelte zufrieden. "So eine nackte Frau in Carbonit gibt ein wirklich dekoratives Einrichtungsstück ab! Das werden wir mal nicht auf den Müll schmeißen, sondern mitnehmen."

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 17:13                                  +/-

"Kannst du mal bitte anhalten, ich hol mir nur schnell noch ein Bier und es ist grad so spannend."

Auf dem Weg in die Küche drehte sich Mike pflichtschuldig um, "Äh, kann ich dir was mitbringen?" Juliane winkte ab. Während Mike am Kühlschrank rumorte, warf die langmähnige Kunststudentin verärgert die Fernbedienung auf den Couchtisch, dass die Gläser klirrten. Han Solo blinzelte sie aus einem Auge träge an. Sie war sauer.

Nicht nur, dass Mike sich gerade mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch ihren Biervorrat trank, den sie eigentlich für Alfredo angelegt hatte, da war der nächste Ärger schon vorprogrammiert, nein, der Kerl wollte sich tatsächlich den Film ansehen! Wie gebannt saß er jetzt schon seit einer Stunde vor der Glotze, ihre Versuche, Konversation zu machen, wurden allenfalls mit einem abwesenden Brummen belohnt und ihren übrigen Avancen erging es nicht besser. Sie hatte sich leicht gegen ihn gelehnt, er war ohne hinzuschauen zur Seite gerutscht. Sie hatte den rechten Träger ihres Tops herabgleiten lassen, bis es ihr zu kühl an der Schulter wurde. Sie hatte sich den Fuß massiert, ungefähr 500 mal durch die Haare gestrichen, an ihren Ohrringen gespielt, den Arm auf die Sofalehne gelegt und wie abwesend an ihrem Bauchnabelpiercing gefummelt, aber nix! Einmal hatte sich Mike recht plötzlich zu ihr umgedreht, ihr wär fast das Weinglas aus der Hand gerutscht, wohin nur mit dem Krabbenchip, den sie gerade mit beiden Backen kaute, so konnte sie ihn doch nicht küssen? Aber er hatte nur gefragt, ob er die Szene noch mal zurückspulen könne, er hätte da was nicht verstanden. HA! Was gab's da zu verstehen?? Das war der Meereswahnsinn II, das war einfach nur kompletter Bockmist mit Soße obendrauf! Wer sich das ausgedacht hat, spielt auch auf Autobahnen!

Juliane sah zu Han Solo rüber. Der hatte es gut, der war kastriert.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 18:14                                  +/-



"Äußere Schleuse check."
"Innere Schleuse check."
"Alle System klar."
"Rampe klar."
"Radio klar."
"Sichtverbindung klar."


"Sehr gut." Professor Weinsteins Augen blitzten zufrieden. Das würde ein Bilderbuchstart werden. Wie alle Starts seiner Missionen, da war er sehr penibel. Diesmal war es natürlich besonders wichtig, die erste bemannte Ariane-Mission, wie aufregend! Naja, "beweibt" eigentlich, denn nach dem längsten Auswahlverfahren der europäischen Raumfahrt hatte man sich für eine Frau, Dr. Ellen Arroway entscheiden. Amerikanerin, was den Symbolwert erheblich senkte, wie viele fanden und für einigen Widerspruch in Paris gesorgt hatte, aber das war eben so. Das war Politik, nichts für einen Mann der Wissenschaft und Weinstein sah sich sowieso als Kosmopolit. In nervöser Spannung überwachte er die letzten Vorbereitungen zum Liftoff, jetzt kamen als letzte auch die Männer vom Schleusentrupp in die Zentrale und bekamen das obligatorische Champagnerglas in die Hand gedrückt. Alle in der Zentrale wirkten aufgekratzt, sprachen etwas zu laut, lachten und knufften sich gegenseitig in die Rippen. Weinstein hatte keine Zeit für Späße, seine Hand schwebte über dem Schlüssel.

10..

9..

8..


Mechanisch zählte eine Computerstimme den Countdown. Der Schleusentrupp stieß bereits an. Keine Manieren.

7..

6..

5..


Alle Systeme liefen. Perfekt. Hinter Weinstein knallte ein Sektkorken.

4..

3..

2..


Weinstein fasste den Schlüssel mit zwei Fingern, jemand rief nach Cräckern.

1..

Liftoff!




Ein Traumstart! Majestätisch schraubte sich die Ariane in den wolkenlosen Himmel über Guayana, das gesamte Team feierte ausgelassen, leere Champagnerflaschen rollten zwischen Weinsteins Füße. Der Professor nahm nun zum erstenmal seit Stunden seine Umgebung wahr. So hatte er das Team noch nie erlebt, erhitzte Gesichter wohin er sah, Männer und Frauen lagen sich in den Armen, kleine Trikolore-Fähnchen wurden entrollt, der Chef der Funküberwachung, ein korpulenter, stets schwitzender Mittvierziger aus der Provence, stimmte die Marseillaise an und alle fielen ein. Weinstein schwante etwas.

Wenig später fand der einheimische Wachdienst Dr. Arroway, die seit drei Stunden in Kofferraum ihres Mietwagens eingeschlossen gewesen war, und die Sache wuchs sich zu einem internationalen Skandal aus. In Paris aber tanzten die Menschen auf den Straßen und feierten die erste Französin im Weltall.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 20:44                                  +/-



"Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert."
"Hmm? Hast du was gesagt?"

Prinzessin Leia liebte es, wenn ein Plan funktionierte. Nichts war einfacher gewesen, als den vereinsamten Frachterpiloten für ihre Zwecke einzuspannen. Eine ihrer leichtesten Übungen! Man kannte sie ja zur Genüge, diese Typen: Immer im Dienste des Imperiums, immer auf Achse. Die Gescheiteren schrieben auf den langen einsamen Flügen vielleicht Sonette voll Traurigkeit, in denen sie die Tage und Wochen ihres Alleinseins wortreich bejammerten - allesamt Einzelgänger, Ahasvere des interplanetaren Verkehrswesens. Dieses Exemplar hier schien Schusswaffen und Jagdtrophäen zu horten, die Cockpit und Laderaum der Fähre "Tydirium" auf groteske und irgendwie auch pompöse Weise dekorierten. Gehörnte Schädel hingen neben den Backenzähnen riesiger Weltraummaden, in Spiritus eingelegte Augäpfel irgendeiner Kreatur gingen in einem Glas mit Ewok-Hoden eine nicht unbrisante Mischung ein. Ja, aus diesem Holz waren sie geschnitzt, die Frachterpiloten des Sklaventransportwesens. Nerds! Und dennoch, Leias derzeitiger Begleiter schien nicht ganz so dumpf und abgestumpft wie seine Berufsgenossen zu sein. Genau genommen war er sogar irgendwie süß, mit seinem Vollbart, dem heiter wirkenden rundlichen Gesicht und dem Ansatz eines Schmerbauches, über dem sich die schwarzbraune Uniform des Imperiums beachtlich spannte.
Rentip Flakfeuer, so sein Name, war bei seinem Onkel Chuck auf Endor aufgewachsen und hatte als junger Mann (also vor langer Zeit) ein nicht unbeträchtliches Vermögen mit der Jagd auf kleine filzige Pelztiere in Lederhosen gemacht, die man heute gemeinhin "Ewoks" nannte. Mittlerweile hatten die Wissenschaftler des Imperiums aber richtig erkannt, dass diese Ewoks die Flora und das ökologische Gleichgewicht Endors empfindlich störten, indem sie mit ihren Krallen völlig sinnfreie Fallenkonstruktionen gegen imaginäre extraplanetare Angreifer aus dem Holz der seltenen Redwood-Bäume schnitzten. Diese waren aber zur Abholzung und anschließenden Duftbäumchen-Produktion für die 2942 chemischen Toiletten des zweiten Todessterns vorgesehen. Das bislang bestehende System der Fangquoten musste leider aufgehoben und der Ewok-Abschaum zur großangelegten Schädlingsbekämpfung freigegeben werden. Ins Bodenlose stürzende Preise für Ewoksteak in der ganzen Galaxis waren die Folge.
Rentip hatte sich danach noch einige Jahre als erfolgloser Glücksspieler, dann Tellerwäscher und schließlich Kanalrohrputzer auf den Kasinoplaneten des Outer Rim durchgeschlagen, bis er eines Morgens von den Werbern des Imperiums mit sanftem Druck aus der Gosse befördert und in einen ihrer üblichen Knebelverträge gezwungen wurde.

Soweit die nicht sonderlich herzerwärmende Lebensgeschichte des Rentip Flakfeuer.

"Ich sagte gerade, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Dein Plan, lieber Rentip, mich nicht dem Imperium auszuliefern, sondern auf diesen Mond da zu bringen, der... wie heißt der gleich?"
"Endor. Das ist mein geheimer Lustmond!"
"Ääähm, ja. Also, mich nach Endor zu bringen. Das war aber äußerst süß von dir."
"Du vergisst unsere kleine Abmachung bestimmt nicht, nicht wahr, Schatz?" Ein dünner Speichelfaden rann aus Rentips Mundwinkel, seine Backen röteten sich, die Brille beschlug.

Natürlich, es hatte gewisse Zusicherungen geben müssen, bestimmte Gegenleistungen sollten erbracht werden, die auch ausschweifenden, enthemmten Geschlechtsverkehr als letzte Option nicht ausschlossen. Der Gedanke ließ Leia in ihrem knappen Sklavinnen-Kostüm schaudern, und Rentip krümmte sich wollüstig.

"Wird's denn gehen?"

"Tja, das werden wir dann gleich mitbekommen, wenn der Funkspruch durchkommt, Süße. Hab den Code aber schon ewig nicht mehr benutzt. Onkel Chuck wird ja Augen machen. Ich muss dich allerdings dringend warnen: Er mag ja alt und senil sein, aber er hat eine noch viel ausgeprägtere Schwäche für junge Mädchen und großkalibrige Waffen, als das bei mir der Fall ist. Auch ist er gesellschaftspolitisch weniger liberal eingestellt als ich."

"Fähre Tydirium, bitte nennen Sie uns Ladung und Ziel!"

Flakfeuer hatte sich bereits eine schlagfertige Antwort zurechtgelegt, er grinste spitzbübisch: "Ersatzteile und technisches Personal für Endor."

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Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.10.2005, 22:26                                  +/-

Zuerst war alles wie gewohnt gelaufen. Madame Odeur hatte die Vorhänge zugezogen, den getrockneten Mohrenkopf in die Mitte des Kreideoktagons, das sie auf den Schlafzimmerteppich gezeichnet hatte, platziert und die üblichen Formeln gemurmelt, es hatte den üblichen Feuerzauber gegeben, den gängigen Gestank und schon stand wieder einmal ein Tempelritter in vollem Ornat vor ihr, völlig verpeilt, wie immer. Doch dann war ihr die Sache irgendwie aus dem Ruder gelaufen.

"Hübsch, Ihr seid umgezogen?"
Guy de Vaudeville, 13. Großmeister des Tempelritterordens, sah sich um, während er gleichzeitig versuchte, sein verheddertes Wehrgehenk zu ordnen.
"Nein, nein, das hier ist bei..äh.. Freunden."
Madame Odeur wedelte unbestimmt mit der Hand, sie hatte jetzt keine Zeit, über Inneneinrichtung zu plaudern.
"Kommen wir zum Geschäft."
Der Großmeister blickte gequält, wie immer.
"Geht es wieder um die Katze?"
"Es ist keine gewöhnliche Katze, das wisst Ihr."
Madame Odeur wollte sich diesmal auf keine Debatten einlassen, die Zeit drängte.
"Sie ist heute morgen verschwunden, kurz nachdem die Pyramide aufgetaucht ist und ich habe leider die Befürchtung, dass.."
"Pyramiden?" Der Großmeister sah sie scharf an. "Wo?"
Mit wenigen Schritten eilte er ans Fenster und riss den Vorhang zurück.
"Herr im Himmel!"
Madame Odeur seufzte.
"Ja gut, wie auch immer, Kaylee, also die Katze..."
Doch Guy de Vaudeville hörte schon gar nicht mehr zu. Mit wildem Blick sah er gehetzt um sich, seine Hand spannte sich um den Schwertgriff.
"Das riecht nach übler Teufelei! Das ist eine Angelegenheit für DEN RAT!"
"Neiiin, nicht der Rat!"
Madame Odeur hob flehend die Hände, aber zu spät: schon verblassten die geschmackvoll gestrichenen Altbauwände der Attals und das hübsche 30qm-Schlafzimmer mit dem original japanischen Eibenholz-Futon wich einer kalten, steinernen Schwärze, aus der sich nach und nach wuchtige Bögen und mächtige romanische Säulen herausschälten, deren Kapitelle sich im Dunkel einer himmelweiten Decke verloren. "RAT, Rat, Rat..." Die letzten Worte von Madame Odeur hallten in den kalten Weiten wieder. Irgendwo tropfte Wasser. Kacke!

Kurz darauf hatte sich die gigantische Halle gefüllt, Hunderte von bärtigen, eisenbewehrten, schwitzenden und müffelnden Tempelrittern hatten sich um die Lade mit dem Heiligen Hobel versammelt, gespenstisch beleuchtet von zwei langen Reihen rußender Pechfackeln. Der Rat diskutierte auf Latein und Madame Odeur verstand kein Wort. Das war immer der schlimmste Teil, außerdem war es furchtbar klamm in der Ordensburg, die Luft war feucht und in den Ecken huschten kleine pelzige Wesen herum, man mochte ja gar nicht dran denken. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis der Rat zu einer Entscheidung gekommen war, denn jeder durfte seine kleine Ansprache halten, der hagere deutsche Erzkanzler Theodor von Lingen ebenso wie der schmerbäuchige belgische Prälat Hercutio Poirot, dessen Angewohnheit, seinen schmalen Schnurrbart zu zwirbeln, Madame Odeur fast wahnsinnig machte. Draußen dämmerte es bereits, als Guy de Vaudeville den Rat endlich auflöste und Madame Odeur klingelten die Ohren, der Abschlussgottesdienst mit den 40-strophigen Psaltergesängen hatte sie endgültig geschafft. Sie kippte den Becher gewürzten Wein, den ihr der Großmeister anbot, in einem Zug hinunter und sah zu ihm auf.

"Nun?"

Guy de Vaudeville strich sich durch den Bart. Minutenlang, so schien es ihr. Es war zum Ausrasten. Schab, schab, kratz kratz. Zwischendurch nippte er gedankenverloren am Wein und ließ sich endlich neben ihr auf die Kaminbank fallen, uraltes Eichenholz ächzte. Abwesend starrte er ins Feuer, das im einfamilienhausgroßen Kamin loderte, Madame Odeur schenkte ihm stumm nach. Eine Weile sagte niemand was. Dann räusperte sich der Templer.
"Pyramiden sind eine heikle Angelegenheit." Er sprach langsam, als müsste er erst alles aus einer anderen Sprache übersetzen. Obwohl, vielleicht tat er das ja? Madame Odeur nickte nur, sie wollte ihn jetzt nicht unterbrechen. "Da muss man vorsichtig sein. Da braucht es Fingerspitzengefühl!" Madame Odeur ließ im Geiste noch mal all die grobschlächtigen, kettenhemdbewehrten Raubritter Revue passieren, die die Speerspitze der christlichen Untotenarmee stellten und hatte so ihre Zweifel. Die sie aber für sich behielt.

"Einerseits haben wir mit den Pyramiden noch die eine oder andere Rechnung offen.." der Großmeister wog etwas theatralisch den Kopf hin und her, "...andererseits haben wir nun seit fast 700 Jahren einen Burgfrieden mit der anderen Seite und den werde ich nicht wegen einer Katze aufs Spiel setzen."
"Es ist keine gewöhnliche Katze," warf Madame Odeur gebetsmühlenartig ein.
"Sicher, eine Katzenfrau, eine Formwandlerin, wie auch immer. Wir schulden Euch etwas, Madame, und ich habe mich stets bemüht, Euch zu Diensten zu sein, das wisst Ihr, aber man fordert nicht leichtfertig einen Gott heraus. Oder gar .. Götter.. wer weiß, was sich alles hinter diesen verdammten Pyramiden verbirgt? Ich befürchte, diesmal kann ich euch nicht helfen. So Leid es mir tut." Der Großmeister lehnte sich müde, aber recht selbstzufrieden wirkend zurück. Etwas zu selbstzufrieden, fand Madame Odeur und beugte sich vor.
"Götter.. so wie Bastet, die Göttin der Fruchtbarkeit? Die Göttin im Katzengewand?"
Sie goss sich Wein nach und genoss das verwirrte Schweigen des Großmeisters. Wenn sie jetzt ihre Karten geschickt ausspielte, würde es morgen in den Straßen von Paris von Tempelrittern nur so wimmeln und der Rest sollte ein Kinderspiel sein, Pyramiden hin oder her. Da hatte sich schon ganz andere Dinger gedeichselt!

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 08:42                                  +/-

Warum ist eigentlich jeder Mann in diesen Geschichten schmerbäuchig und trägt einen Vollbart?

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 08:47                                  +/-

Charlotte summte vergnügt. Alles lief nach Plan. Vor 10 Minuten hatte sie die vorderen und die Steuerbordschubwerke gekoppelt und genau am berechneten Scheitelpunkt ihrer Flugparabel den Orbit verlassen. Jetzt schwebte sie lautlos durch die samtene Schwärze, unter ihr schimmerte blaugrün die Erde, von der sie sich mit 30 000 Kilometer in der Stunde entfernte, über ihr glitzerte das Silberband der Milchstraße. Es war noch schöner, als sie es sich vorgestellt hatte, und das Navigieren der 300-Tonnen-Raumkapsel ein Kinderspiel. Dr. Knokk hatte ihr ja alles haarklein erkläutert, damals, vor seinem dramatischen Ende, und sie war froh, so aufmerksam zugehört zu haben. Im Bett war der Mann ja eine Niete gewesen, sozusagen der letzte Nagel im Sarg ihrer Männergeschichten, aber fachlich ein Ass.

Die langstreckentaugliche Personenkapsel der Ariane war auf Kurs, alles Systeme arbeiteten einwandfrei, Zeit, für Stimmung zu sorgen. Charlotte fütterte Erasmus, den Bordcomputer, mit den Mp3s aus Palapatines i-Pod, der Imperator hatte einen erstaunlich undogmatischen Musikgeschmack, und seit ihrem Berlinbbesuch war sie besonders in deutsche Volksmusik verschossen. Tipp, tipp, tipp..Track 16, da war es. Genau das brauchte sie jetzt. Sie drehte den Regler in den roten Bereich, lümmelte sich in den Navigatorsessel und wippte mit den Zehen im Takt der uralten Weise:

Ich fliege hier in meiner Rakete,
wer weiß, ob ich meine Heimat, die Erde,
jemals wiedersehen werde.

Ich bin der lustige Astronaut und ich singe ein Lied.
Ich bin so ein lustiger Astronaut und ich singe ein Lied.


Lalalalalala...

Die Erde, wer weiß, ob ich sie jemals wiedersehen werde,
sie liegt hinter mir, meine Heimat ist dort.

Ich fliege hier in meiner Rakete,
ich fliege hier in meiner Rakete,
ich fliege hier in meiner Rakete, denn

Ich bin der lustige Astronaut und ich singe ein Lied.
Ich bin so ein lustiger Astronaut und ich singe ein Lied.


Lalalalalala...

Jaja. Ich bin der lustige Astronaut.
Ich fliege hier in meiner lustigen Rakete.
Fixsterne und Planeten winken mir zu.
Ich weiß, dass Mister Spock mit Vornamen Karl-Heinz heißt, denn..

Ich bin der lustige Astronaut und ich singe ein Lied.
Ich bin so ein lustiger Astronaut und ich singe ein Lied.


Lalalalalala...



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 14.10.2005, 22:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 08:50                                  +/-

Helcaraxe
Warum ist eigentlich jeder Mann in diesen Geschichten schmerbäuchig und trägt einen Vollbart?

Stimmt doch gar nicht. ?????

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 08:54                                  +/-

Du hast also meine Geschichte über Rentip Flakfeuer gar nicht gelesen. Traurig

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 09:13                                  +/-

Doch, klar, und die hat mir auch sehr gut gefallen Spitze Aber er ist doch einzige schmerbäuchige Volbartträger bisher, oder? Zumindest in dieser Kombination.

Fühl dich bitte frei, jeden beliebigen meiner Handlungsstränge weiterzuschreiben, wenn du magst. Sind ja genug Smilie

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 10:25                                  +/-

Nichtraucher
Doch, klar, und die hat mir auch sehr gut gefallen Spitze Aber er ist doch einzige schmerbäuchige Volbartträger bisher, oder? Zumindest in dieser Kombination.

Ja gut, dann entweder schmerbäuchig oder bärtig.

Nichtraucher
Fühl dich bitte frei, jeden beliebigen meiner Handlungsstränge weiterzuschreiben, wenn du magst. Sind ja genug Smilie

Schwierig. Erst muss der Handlungsstrang mit Leia fertigwerden, den AgdV so anmaßend torpediert hat. zeter und mordio Nein, da musst du jetzt selber durch, finde ich. Was baust du halt dauernd neue Handlungsstränge ein? Den mit Mike, z.B.? Oder Kaylee? Ich glaube auch, dass höchstens noch du, Arwen und ich die Geschichte überblicken können. Man müsste mal alles in eine pdf-Datei pasten.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 12.10.2005, 11:17                                  +/-

Also ich hab alles im Griff. Smilie

Ist doch eigentlich ganz simpel, im Kern geht es um eine große Liebe, der Rest gruppiert sich drumrum. Und dann sind da natürlich noch die Pyramiden.

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