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Western mit und ohne John Wayne
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 14.04.2005, 00:13                                  +/-

Hier geht's zu den vorhergegangenen Westernbesprechungen. Und nun geht's weiter:



Es wird Regen geben...

Unforgiven ("Erbarmungslos"), Clint Eastoods "früher Spätwestern" von 1993. Ein gealterter Revolverheld nimmt einen letzten Auftrag an, eine sehr klassische, fast schon abgeschmackte Story. Aber Eastwood, der hier auch Regie führte, bereichert den simplen Plot mit allerlei interessanten Gedanken. Es fängt an wie ein Anti-Western, Will Munny (Eastwood, extrem vernarbt und totenköpfig) lebt ein eintöniges, arbeitsames Leben als Schweinefarmer im Nirgendwo, und nur seine beiden kleinen Kinder scheinen ihn aufrecht zu halten. Seine Frau Claudia, die ihn vom Suff und vom Morden heilte, liegt seit drei Jahren unter dem Gras der Prärie, aber für Will ist sie stets da. Sie hat ihn bekehrt, sie ist sein Engel, sein besseres Ich. Doch das Leben ist hart als Farmer, die Schweine haben die Pest, die Knochen machen nicht mehr mit und die Kinder wollen was zu essen. So nimmt Will einen letzen Auftrag an, der ihm 500$ und seinen Kindern ein besseres Leben bringen soll: er soll zwei Cowboys töten, die einer Hure das Gesicht zerschnitten haben. Die Belohnung wird von den gesammelten Ersparnissen ihren Kolleginnen ausgesetzt, das ist mal eine wirklich originelle Eröffnung, wehr- und ehrlose Frauen heuern einen Killer an, um die Gewalt zu rächen, die ihnen angetan wurde. Cool.

Munny kommt nicht allein, er fühlt sich nicht mehr ganz fit, auch wenn er in seinem früheren Leben der gemeinste und härteste Killer westlich des Irgendwas war, eine lebende Legende. Aber er ist alt geworden, verdammt alt, und so reiten mit ihm sein alter schwarzer Freund Ned, Morgan Freman, toll wie immer, und ein Milchgesicht namens Schofield Kid, glühender Bewunderer des greisen Revolverschwingers. Im ersten Drittel lässt der Film keine Gelegenheit aus, sich über den klassischen Western und seine Protagonisten, besonders Clint Eastwood selber, lustig zu machen. Will kommt nicht aufs Pferd, er kann nicht mehr schießen, allerlei Zipperlein plagen in, sein alter Kumpel Ned denkt nur noch an das kuschelige Ehebett, beide fluchen über den harten Boden als Schlafstatt und unterhalten sich über Frauenmangel und Masturbation (mit Sicherheit ein Novum im Genre!), man hat fast das Gefühl, einem Rentnerausflug zuzusehen. Eastwood parodiert hier all seine alten Westernrollen in einem Maß, das den Film beinahe ins Komödiantische abgleiten lässt.

Aber dann, gerade im rechtem Moment, schwenkt der Fokus rüber nach "Big Whiskey", dem Städtchen, in dem die Bluttat an der unglücklichen Hure stattfand, und Big Whiskey, so wird schnell klar, ist kein Platz für Outlaws. Hier regiert der brutale und sadistische Marshall "Little Bill", Gene Hackman in einer wirklich furchterregenden Performance, und sein Wille ist Gesetz. Er hasst Outlaws, er hasst jeden, der seine absolute Macht über die Stadt in Frage zu stellen wagt. Bald schon sehen wir, wie er einen großsprecherischen Revolverheld nach allen Regeln der Kunst zusammenfaltet und erleben ihn mal als bedrohlichen Maniac, mal als charmanten Plauderer, eine Glanzrolle für Hackman, das alte Raubein. In dieses strikt regierte Kleinstkönigtum reiten die drei Killer hinein und das riecht natürlich nach Ärger. Letztendlich führen sie ihren Auftrag aus, auch wenn am Schluss nur noch Munny übrigbleibt, die Lorbeeren zu ernten, aber das "was" ist hier nicht so wichtig wie das "wie". Als ob der Pulverdampf Munnys alte Lebensgeister wiedererweckt hätte, verpuppt sich der altersschwache Familienvater in einer düsteren, faszinierenden Metamorphose zurück in den skrupellosen, unbarmherzigen Killer. Und wenn ich "unbarmherzig" schreibe, meine ich "unbarmherzig".. William Munny war der Alptraum des Westens, er killte Frauen und Kinder, er killte jeden, der ihm dumm kam, und jeden, der das Pech hatte, ihm betrunken zu begegnen. Er war ein Säufer und Mörder, aber ein verdammt guter. So gut, dass er noch lebt, und Stück für Stück kommt dieser alte, hassenswerte Will hervor, Eastwood liefert eine wunderbare Charakterstudie eines Mannes ab, der mit sich bereits abgeschlossen hatte, mit seiner dunklen Vergangenheit, und doch ihr nicht entrinnen kann. Wie in einer griechischen Tragödie helfen letztendlich alle Ausflüchte nicht, er muss sich seinem Schicksal stellen, er ist ein Killer, nur dieses Handwerk beherrscht er. Die nebulösen Erinnerungen an all seine schnapsgetränkten Gräueltaten treiben Will beinahe in den Wahnsinn, aber helfen ihm auch, diese letzte Herausforderung zu bestehen. Mitunter musste ich an Filme wie "Apocalypse now" denken, ja, auch der Western hat seine Entwicklung... in einem spektakulären Blutbad rottet er schlussendlich die halbe Stadt aus, verdient die ersehnte Pension und reitet in den Sonnenuntergang...

Auch wenn der Schluss jetzt genretypisch klingt, metzelt sich der Film doch durch den klassischen Western wie ein amoklaufender Revolverschwinger: Gut ist schlecht ist gut ist böse.. man weiß nicht, wo einem der Kopf steht. Ein gedungener Killer, der seine Opfer aus dem Hinterhalt über den Haufen schießt, der waffenlose Männer mit seiner doppelläufigen Schrotflinte wegpustet, wird zum Retter und Held und wieder zum Killer... Je weiter der Film voran schreitet, umso düsterer wird Eastwood, die letzen zwanzig Minuten sind seine Augen unter der Hutkrempe nicht mehr zu sehen, und nur die Leiber, die, von seinem Bleihagel getroffen, links und rechts wegspritzen, zeigen, dass dieser Mann noch lebt. Eiskalt wie der Tod vollendet er seinen Auftrag, gelernt ist eben gelernt.

"Unforgiven" ist ein gut gemachter und spitzenmäßig besetzter Spätwestern, auch wenn ich jetzt nicht genau weiß, wofür er damals vier Oskars bekommen hat, Vielleicht passte er einfach sehr gut ins damalige Selbstverständnis Hollywoods, keine Ahnung. Düster, dreckig, gradlinig, und doch mit atemberaubend schönen Landschaftsaufnahmen der Rocky Mountains, hier schließt der Film nach 40 Jahren den Bogen zum klassischen US-Western: die staubigen Einöden der Italowestern werden wieder vom satten Grün der Prärie und den schneebepuderten Gipfeln der Berge, dem "wilden Westen" abgelöst. Eine Art "Marlboro-Country" mit Toten sozusagen.



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 14.04.2005, 20:44, insgesamt einmal bearbeitet
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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 14.04.2005, 10:22                                  +/-

*tiefLufthol* …Wwoooow!!

*verneiig*

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 14.04.2005, 16:33                                  +/-

Deine Beschreibung von Gene Hackmann erinnert mich an seine Rolle als Stadt-Tyrann in "Schneller als der Tod". Ein eher durchschnittlicher Mittneunziger Western mit Sharon Stone und Russel Crowe. Kommt alle Jahre wieder auf Pro 7 und das einzige gute ist, dass Leonardo DiCaprio am Schluss erschossen wird.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.08.2005, 11:14                                  +/-

Gestern abend um 23:00 Uhr lief auf irgendeinem dritten Programm - NDR? - der Western Valdez mit Burt Lancaster, den man in seinem Mexikaneroutfit tatsächlich kaum erkennen konnte. Ich habe wenige Minuten nach Beginn des Films hineingezappt, und ich konnte nicht mehr wegschalten. Es war wirklich ein ganz überzeugender Western! Das Grundmuster ist natürlich wohlbekannt: ein unscheinbarer, aber gerechtigkeitsliebender Mann erkennt ein Unrecht und versucht es aus der Welt zu schaffen. Zunächst mit friedlichen Mitteln, doch als ihm sein mächtiger Gegenspieler mitsamt seiner Bande von Revolverhelden nichts als Hohn und Spott, sowie Gewalt antut, greift er zur Selbstjustiz. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.

Was mich an Valdez irgendwie fasziniert hat, das war die kompromißlose Härte der Inszenierung. Es hatte fast etwas von einer klassischen Tragödie: beide Hauptfiguren, der Protagonist wie der Antagonist, haben glaubwürdige Handlungsmotivationen und die bringen sie in einen Konflikt miteinander, weil beide aus Stolz nicht von ihrer Position abrücken. Der Antagonist - in diesem Falle der reiche Grundbesitzer Tanner - ist einfach nur stolz und stur, nicht wirklich böse. Valdez ist Hilfssherrif und Angehöriger der mexikanischen Minderheit. Er wird generell mit Mißachtung und Herablassung behandelt, niemand hat Respekt vor ihm, obwohl er das Gesetz repräsentiert. Der Stein gerät ins Rollen, als Tanner einen durchreisenden Afroamerikaner (im Film immer Neger genannt -> PD wird sich freuen! grins ) verhaften lassen will, der angeblich jemanden ermordet hat. Durch eine unglückliche Verkettung erschießt Valdez den Mann, der eine indianische Squaw hinterläßt, für die Valdez wenigstens eine finanzielle Entschädigung organisieren will. Doch Tanner weigert sich sturköpfig, seine Mitschuld anzuerkennen und auch nur einen Dollar für die Frau zu geben. Damit beginnt ein Alleingang von Valdez, um Gerechtigkeit für die Frau und Respekt gegenüber ihm als Repräsentanten des Gesetzes zu erringen.

Letztlich kommt es zur Konfrontation in der Wildnis, die elf von Tanners Leuten das Leben kostet, doch dann am Filmende passierte das völlig unerwartete:

Spoiler:
Das Ende ist völlig offen! Am Ende stehen sich Tanner und Valdez gegenüber, aber es kommt nur noch zu einem kurzen Dialog, keiner endgültigen Entscheidung. Als Tanners Leute Valdez doch noch gekriegt haben und Tanner ihnen befielt, Valdez zu erschießen, weigern sie sich, weil sie inzwischen großen Respekt für Valdez als ebenbürtigen Gegner haben. Sie überlassen Tanner diesen "dreckigen Job", doch dieser zögert und zaudert, vermutlich weil er weiss, dass Valdez ihm eigentlich im Kampf Mann gegen Mann weit überlegen ist. Er flucht dann nur noch und sagt "Ich hätte dich vor drei Tagen erschießen sollen." Darauf Schwenk zu seinem Handlanger und ersten Revolverhelden, der Valdez gefangen genommen hat und seinem Boss schon viel früher gesagt hatte, dass diese Jagd sinnlos sei und er sich besser auf seine Viehgeschäfte in einer anderen Stadt konzentriert hätte: "Oder zum Viehmarkt fahren sollen." Darauf Schwenk zu Valdez: "Oder mir die 100 Dollar geben sollen." Ende.


Das hat mir irgendwie sehr imponiert.

Es ist natürlich ein Genre-Film mit altbekannten Elementen, aber meiner Meinung nach sehr gut und packend inszeniert. Auf Schwarzweißmalerei wurde weitgehend verzichtet. Im Laufe des Films zeigen die mutmaßlichen "Bad Guys" immer wieder Charakterzüge, die man als nobel und ehrenwert bezeichnen muss, während Valdez mit seiner Sturköpfigkeit und Brutalität, die auch vor Entführung und Erpressung nicht zurückschreckt, manche Charaktereigenschaften an den Tag legt, die man normalerweise den bösen Jungs zurechnen würde.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.08.2005, 12:36                                  +/-

Don't call it a Western!



Ein weiteres Meisterwerk aus den letzten Tagen der Technicolor-Ära, ein klassischer Edelwestern, der aber nie den ganz großen Bekanntheitsgrad erreichte wie andere Genreklassiker und der ihm doch zustände, denn "Big Country" braucht sich hinter diesen nicht zu verstecken. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass der Film so oft gar nicht wie ein Western wirkt, die klassischen Westernelemente des Kampfes zwischen Gut und Böse oder der Eroberung des Westens werden kaum ausgespielt. Im Vordergrund des 200-Minuten-Epos' steht das Drama der Akteure und eben das "big country", die staubtrockene, endlose Weite im Südwesten der USA. So erinnerte mich der Film auch oft an "Giganten" oder "Gone with the wind", er bedient sich eher der Bildsprache dieser Monumentalstreifen, seiner Szenerie angemessen, denn weiß Gott, es ist ein "weites Land"!



Endlos wie ein Ozean aus Staub und Gras brütet das Land unter der Sonne des Südens, wie winzige Inseln wirken die weit verstreuten Ansiedlungen, verloren geradezu. Die Kamera schwelgt bereits in der allerersten Einstellung in den ungeheuren Dimensionen und stellt von Anfang an die Verhältnisse klar: aus großer Distanz gefilmt wirkt die Postkutsche, die durch den Titelspann zieht, wie ein Gefährt aus dem Flohzirkus, das Städtchen, das ihr Ziel ist, wie eine Spielzeugkulisse und die Menschen dort wie Ameisen. Fast zögerlich folgt der Fokus der Kutsche und wir sehen Gregory Peck als Ostküstengentleman John McKay mit steifen Knochen aussteigen, eine schier endlose Fahrt ist zu Ende. Gerade im Westen angekommen wird er schon zur Zielscheibe des Spotts, in seinem grauen Anzug und der stutzerhaften Melone. Steve Leech, ein grimmiger Charlton Heston, Vorarbeiter der Terrill-Ranch, erlöst ihn und schafft ihn samt Koffer und Hutkarton in die Arme von McKays Verlobter, der Rancherstochter Pat. Es gibt eine kussreiche Wiedersehensszene, Pat verliebte sich während ihres Bildungsaufenthaltes in Baltimore in den schmucken Erben einer Reederei, und nun soll die Hochzeit standesgemäß hier draußen, auf der Ranch ihres Vaters, gefeiert werden.

McKay passt so gut in die raue Welt des Westens wie ein Fisch in einen Sandkasten. Man erfährt auch nicht, was ihn trieb, hierher zu reisen, anstatt, wie sicher üblich, seine Frau zu sich zu holen, aber genau davon lebt der Film, von dieser umgedrehten "Giganten"-Geschichte, dem Zusammenprall zweier Kulturen desselben Landes. McKay wird von seinem Schwiegervater in spe, dem "Major", ein waschechter Rinderbaron, in rauer Herzlichkeit aufgenommen, aber schnell eckt er an, trotz oder vielleicht gerade wegen seines ruhigen, höflichen Wesens. Er lässt sich von den Hannassey-Brüdern schikanieren, local trash und Söhne des verhassten Nachbarn, ohne sich zu wehren, ja, er sieht darin nicht einmal einen Grund zum Zorn! Er weigert sich, das wildeste Pferd zu reiten, wie es von jedem Neuen auf der Ranch erwartet wird und er ist einfach immer nur höflich. Er ist kein Mann! Leech, ein eisenharter Bursche, ein auf der Ranch aufgewachsenes Findelkind, sieht sich schnell in seiner Ablehnung des Neuen bestätigt: nicht nur, dass dieser Stutzer ihm die bildhübsche Pat, auf die er sich Hoffnungen gemacht hatte, unter der Nase weggeschnappt hat, nein, er ist nicht mal ein Kerl, der sie auch verdient hätte, was für eine Verschwendung!


Buck Hannassey stellt sich vor

McKay sieht sich um in seinem neuen Leben und was er sieht, missfällt ihm: er scheint zwischen die Fronten eines Bürgerkriegs geraten zu sein, die mächtigen und reichen Terrills und ihre Nachbarn, die ärmlichen, aber vielköpfigen Hannasseys stehen sich in unversöhnlichem Groll gegenüber, jede Gelegenheit, dem anderen das Leben schwer zu machen, wird genutzt, denn hier draußen sind wir unser eigenes Gesetz, wie der Major ihm erläutert. Der Honeymoon versinkt hinter dem staubigen Horizont und Ärger zieht auf. Pat, die ihren Vater anbetet und seine engstirnige Weltsicht bedingungslos teilt, kann ihren Verlobten nicht verstehen, es ist, als hätte sie einen anderen Menschen geliebt, drüben in Baltimore, sicher nicht diesen Feigling! Aber McKay ist nicht feige, er macht nur die Dinge gerne auf seine Art. Er ist zur See gefahren, er kennt raue Sitten und harte Kerle zur Genüge, er weiß, wie sie ticken und er lässt sich nicht gerne von ihnen sagen, wann er ein ganzer Kerl zu sein hat. Er ist einfach zu alt für den Scheiß. Er reitet "Wild Thunder", das Schreckenspferd, aber erst, als keiner zusieht. Er schlägt sich auch mit Leech, der ihm das Leben schwer macht, aber nicht, als dieser ihn unter den Augen aller herausfordert, sondern mitten in der Nacht, unter Männern. Es wird ein furioses Duell bis zum Morgengrauen, ein großartiges Geknüppel! Und kein Schuss ist bisher gefallen. Wer eine Bleioper erwartet hat, ist hier wirklich im falschen Film.

Doch dann spitzen sich die Ereignisse zu, an der privaten Front ebenso wie in der endlosen Prärie: Die Dürre plagt die Herden und der Kampf ums Wasser entbrennt, wie jeden Sommer. Wer seine Herde durch diese schwere Zeit bekommt, kann weiter existieren, wer nicht, wird langfristig das Feld räumen müssen. Die Nerven liegen bloß bei den Terrills und den Hannasseys und das ergiebigste Wasserloch befindet sich auf dem Land der pragmatischen Julie Maragon, einer Freundin von Pat, die damit das Zünglein an der Waage darstellt. Sie bearbeitet die Ranch nicht mehr und lebt in der Stadt, aber sie teilt die Wasserrechte mit beiden Nachbarn, genauso wie es ihr Großvater einst hielt und wie sie es zu halten ihm versprach. Sie ahnt als Einzige, dass der Verkauf der Ranch an eine der beiden Familien zum Blutbad führen wird, denn diese würde sofort der anderen das Wasser verweigern. Als Einzige? Vielleicht nicht, denn völlig überraschend kauft der stille Yankee McKay ihr die Ranch ab, genau wissend, dass er sich damit in die Schusslinie begibt. Weiß der Teufel, was ihn reitet, aber er macht damit seine Existenz zum Unterpfand des Friedens. Beide Seiten bekommen ihr Wasser oder keine, da stellt er klar. Und Pat kann sich die Hochzeit an den Hut stecken, das macht er auch klar, wenn er es auch netter formuliert. Pat ist wie vor den Kopf geschlagen, gut, sie hatten gestritten, gut, sie war von seinem Verhalten enttäuscht gewesen, aber sie lieben sich doch! Nun, anscheinend nicht mehr, niemand kann in den verschlossenen McKay hineinschauen, aber irgendetwas in ihm hat sich grundlegend gewandelt. In einer sehr rührenden Szene macht er Schluss mit Pat und man hat direkt Mitleid mit der verzogenen Schnepfe, ich mein, wir reden hier immerhin von Gregory Peck! Smilie



Nun also haben wir links die Terrills, mit einem heulenden Töchterlein, einem zusammengeprügelten Leech und einem Major, der sich für das Gesetz hält und entschlossen ist, die Sache noch in diesem Sommer zu regeln. Rechts hausen die Hannasseys im Blanco Canon, abgerissen und roh, aber mindestens genauso stolz und dickköpfig und ebenfalls zu allem entschlossen. Mittendrin das hagere Greenhorn mit seinen unergründlichen Plänen. Eine großartige Konstellation und irgendwann schwirrt dann doch noch das Blei durch die Luft, in einem raffiniert konstruierten Finale, das das typische Westernpublikum damals ziemlich auf die Folter gespannt haben dürfte. Das unvermeidliche Duell findet statt, aber so, wie es kein Western je sah, und wer schließlich wen erschießt ist kaum vorherzusagen. Machtvoll prallen die Charaktere aufeinander, jeder so prall und farbig gezeichnet wie es ein Technicolor-Film verlangt und doch vielschichtiger und überraschender als im Genre üblich - Rufus, das dickleibige, struppige Oberhaupt der Hannasseys, wandelt sich vom Abziehbild des rohen Schurken zum Hüter der Fairness, während der selbstgerechte Major seine Maske der Wohlanständigkeit verliert. Leech, sein Quasi-Ziehsohn, sieht sich in einen schweren Loyalitätskonflikt geworfen, etwas viel für sein schlichtes Gemüt, und Julie Maragon bekommt einen dramatischen Auftritt als Jungfrau in der Drachenhöhle. Oft wirkt der Film wie ein Kammerspiel, viele Szenen stehen sich einfach nur Akteure gegenüber und reden, aber dann fährt die Kamera auch immer wieder zurück, weit weit hinaus in den Himmel über der Prärie und degradiert der Kampf der Menschen um etwas Wasser und etwas Liebe zum Gewusel kleiner Insekten im Sand.

Ein wunderbarer Film mit einem tollen Score, ideal für trübe Sonntagnachmittage und Käsekuchen, und Mr. Peck auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist nun wirklich ein prächtiger Anblick. Eigentlich ist "Weites Land" ein Schmachtwestern.. Smilie



Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 11.08.2005, 15:25, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 11.08.2005, 13:03                                  +/-

Bring on the fangirlies!

Ich hab jetzt Bock den Film zu sehen. grins

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Lothiriel
Wissende


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BeitragVerfasst am: 11.08.2005, 13:15                                  +/-

Ich will den auch mal wieder sehen!

Btw., Herr Bernetar, ich warte noch auf eine gigantische Rezension. :zaunpfahl:

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.08.2005, 13:22                                  +/-

Wenn Ihnen dieser Film gefallen hat, empfehlen wir...

Titanic (1997)


Überrascht

imdb stinkt!

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 10:40                                  +/-

Oh Gott, ich habe gerade 4 John-Wayne-Western bestellt... Überrascht

Aber wenn die auch alle so billig sind.. shit.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:04                                  +/-

Na dann wird's ja bald voll hier im Trööt.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:07                                  +/-

Weiß nicht. Ich könnte ja jetzt schon die sechs besprechen, die ich seit "Liberty Valance" gesehen habe... aber man muss Prioritäten setzen. Sind ja auch nicht alle gut.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:09                                  +/-

Es sind einfach zuviele. Der Mann hat ja praktisch nichts anderes gemacht in seinem Leben.

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:10                                  +/-

Mach doch mal eine Liste und wir sagen dir von welchem wir uns eine Rezension wünschen!?

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:22                                  +/-

Nein, ich hab da schon was geplant... eine Synopse Smilie

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:31                                  +/-

*beeindrucktschau*

Diese Kirchentage haben ja ganz ungeahnte Auswirkungen…

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 11:37                                  +/-

?????

Meinst du vielleicht Synode?

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 12:00                                  +/-

Klar. *nicknick* hmmmm


*gggg*

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 12:06                                  +/-

Das bezieht sich nicht zwingend auf die Bibel, weißt du. Das geht auch mit John-Wayne-Western.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 12:07                                  +/-

John Wayne hat sowieso eine Menge Gemeinsamkeiten mit Jesus.

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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 15.08.2005, 12:18                                  +/-

Hört sich interessant an. Bin gespannt!

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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 05.12.2005, 22:24                                  +/-

Es ist wirklich ganz einfach:



Ich liebe diesen Film.
Ich mag Esel und ein liebenswerter Esel spielt eine tragende Rolle. Ich liebe Clint Eastwood und auch Shirley MacLaine. Mir gefaellt die Musik, Ennio Morricone ist unverkennbar. Er hat so verboten gute, treffsichere und ohrwurmlastige Filmmusik komponiert, dass es nicht mehr feierlich ist. Ausserdem mag ich langsame, ruhige Szenen, da hat mein Auge Zeit, sich einzufinden. Und mein Kopf auch. Explosionen, die einem keine Augenueberreizung verursachen finde ich ebenso prima wie blaue Augen, die man fast nicht sieht, weil sie immer so laessig zusammengekniffen sind. Ich kann das schon verstehen, mit dem Zusammenkneifen: Das Licht in Westerngegenden ist schon sehr grell und so ohne Sonnenbrille kneift man halt. Mit Sonnenbrille saehe mann ein wenig neben der Spur aus, aber Sonnenbrillen gab es damals ja noch nicht. Ausserdem hat dieser Film einen unglaublich hohen Lernfaktor! Man lernt, was man tun muss, wenn man von einem Indianerpfeil in die Schulter getroffen wird und grad keinen Arzt zur Hand hat. Wie man sich gegen einen Bergloewen schuetzt, einen Klapperschlangenschwanz korrekt einsetzt. Und dass nicht Handtuecher, sondern Streichhoelzer das Wichtigste sind, denn ohne Streichholz kein Essen, keine Explosion, keine Pfeilentfernung, kein Nichts.

Ich mag Western, egal, ob sie amuesant sind oder tragisch, spannend oder langweilig. Ich mag Western, in denen John Wayne nicht mitspielt, ausser Red River, den mag ich, obwohl er mitspielt.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 05.12.2005, 22:47                                  +/-

Zitat:
Ich mag Esel und ein liebenswerter Esel spielt eine tragende Rolle.

Ist das wortwörtlich gemeint? hähö
Und sollten wir hier die Schnittmenge im Filmgeschmack Wetterhexes und Helcaraxes entdeckt haben?

Wetterhexe:
<- Ich

Ich kenne "Two Mules for Sister Sara" gar nicht. ("Ein Fressen für die Geier" = deutscher, spankenswürdiger Nonsens-Filmtitel)
Aber da ausnahmslos alle Eastwood-Western toll sind, wird dieser keine Ausnahme sein.


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I'm not tired of everyone and that includes myself
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