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Western mit und ohne John Wayne
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Warg



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BeitragVerfasst am: 11.02.2019, 09:58                                  +/-

Es fehlt natürlich das *hüstel* Highlight der 90er Jahre: Wild Wild West. Come on! I dare you!

Schaust Du auch die modernen Western der 2000er? The Lone Ranger, Bandidas, etc?


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Die Fahrbahn ist ein graues Band.
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Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.02.2019, 10:10                                  +/-

Ich schau ja nicht alles, nur das, was ich billig bekomme und was mich reizt. "Wild wild West" habe ich leider mal geschaut, Schwamm drüber. Lone Ranger und Bandidas möchte ich eher nicht sehen.

Im Moment habe ich hier die DVDs zu 70er-Spätwestern, noch ein alter John Ford, und die Dollartrilogie, die ich zwar kenne, aber ewig nicht mehr gesehen habe. Weiß gar nicht, ob ich die überhaup in der OV kenne. Ich springe also etwas hin und her, je nachdem, wie die DVDs eintrudeln. Zudem schau ich so längere Filme auch nur noch am Wochenende. Wird also eher ein Langzeitprojekt.

Gepostet am 11.02.2019, 09:24:

Es gibt übrigens furchtbar viele Western seit 2000, stelle ich fest. Kann ich unmöglich alle schauen. Sind filmhistorisch sicher auch nicht mehr wichtig. Der Western starb in den späten 70ern und wurde nochmal in den 80ern kurz wiederbelebt. Die 80er/90er-Western hatten nochmal einen neuen Ansatz, wieder mehr Abenteuer und Spaß im Sattel und auch mal Flintenweiber und Popmusik. Ich habe aber den Eindruck, dass die Western seit 2000 keinen eigenen Ansatz mehr haben, das Genre scheint mir recht statisch. Alles ist düster und die Menschen sind gemein zueinander. Die aktuellen Western erscheinen mir wie die endlose Fortführung des desillusionierten Spätwesterns.

Aber das ist nur eine Theorie, ich kenne zuwenig davon.


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parasite



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BeitragVerfasst am: 13.02.2019, 18:10                                  +/-

Ich wollte dir gerade "Hell or High Water" empfehlen, der mir sehr gut gefallen hat und den ich mir mehrere Male angeschaut habe. Dann bin ich aber natürlich auf deine Rezension gestoßen, wegen der ich den Film höchst wahrscheinlich überhaupt entdeckt und angeguckt habe. Zut! Kannst du ähnliche Filme empfehlen? So in die Richtung(en), sozialkritische Neowestern, tragische Brüdergeschichten, witty dialogs, etc?

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BeitragVerfasst am: 13.02.2019, 19:32                                  +/-

Gutes Stichwort, denn wie ich feststellen musste, bezeichnet der Begriff "Neowestern" genau diese Filme wie "Hell or high water", die Westernelemente in die Gegenwart oder eine andere, spätere Zeit als den Wilden Westen verlegen. Die Western der 80er/90er haben offenbar keinen eigenen Namen. Man könnte sie Pop-Western nennen, oder MTV-Western. Ich habe den Begriff Neowestern also bisher falsch benutzt.

Ich bin ja eher klassischer Westernfan, für mich gehören immer drei Elemente dazu: die Geschichte muss im Westen der USA spielen (Bürgerkriegsfilme sind in der Regel daher auch keine Western), zwischen ca. 1850 und 1910 (keine Autos bitte), und es muss irgendie um die Eroberung des Westens gehen, also um den Übergang von der "Wildnis" zur "Zivilisation". Kann optimistisch, pessimistisch oder komplett dekonstruierend sein. Aber es muss das Grundthema sein, der Übergang vom Naturzustand zur menschengemachten Ordnung, mit der Zwischenstufe der Barbarei.

Ok, nach diesem kleinen Exkurs... die echten Neowestern kenne ich gar nicht so. "There will be blood" wird immer genannt, sehr gut, aber nicht gerade "witty". Und "No country for old man", dabei geht es aber eher um den Übergang von der Zivilisation zurück in die Barbarei. Puh. Ziemlich "westerig" fand ich noch "Badlands" aus den 70ern von Terrence Malick. Ist aber auch eher düster. Ziemlich starke Westernelemente hat auch "Winter's bone", toller Soundtrack.

Ein Western mit tollen Wortgefechten ist der Original-"True grit", wo sich John Wayne gegen eine vorlaute Göre behaupten muss. Ich mag den Film sehr, er ist für mich der perfekte US-Western, er hat einfach alles, was es braucht. Ein düsterer Buddy-Western mit John Wayne ist "The searchers", der erste pessimistische US-Western, ein wichtiger Film, sehr einflussreich und stilprägend. Eine tolle Road-Story mit kantigen Charakteren und einer sehr melancholischen Grundstimmung. Aber wahrscheinlich willst du gar keine so Uralt-Film-Tipps haben... aber die hatten halt gute Drehbücher. "Winchester '73" hat eine tragische Brudergeschichte, und "High noon" und "The man who shot Liberty Valance" gelten ja als die intelligentesten und anspruchsvollsten Western überhaupt. Die waren schon gut damals.


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parasite



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BeitragVerfasst am: 14.02.2019, 18:51                                  +/-

Aight, von den Neueren kenn' ich die meisten schon. Winter's Bone ist mir noch entgangen. Die Klassiker werde ich mir mal geben, ich muss sie nur finden. Die Neuverfilmung von "True Grit" hatte mich irgendwie nicht überzeugt. Bin gespannt, ob ich John Wayne sehen kann, ohne dass mein meme-infested brain zu laut aufschreit: "Den interessiert's!"

Western als ein Genre, das nicht totzukriegen ist und in neuem Gewand immer wieder in Erscheinung tritt, ist ein interessantes Phänomen. Darauf geht dieser Videoessay am Rande ein, obwohl die Lebensphasen eines Genres vor allem anhand von Superheldenfilmen dekliniert.



Dzienks!

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BeitragVerfasst am: 14.02.2019, 23:50                                  +/-

Western haben immer etwas Mythisches, es sind ja keine reinen Historienfilme, auch wenn sie sowas eigentlich sein könnten. Die Zeit und der Raum sind ja eng eingegrenzt und was wirklich dort geschah ausreichend erforscht und belegt, gleichzeitig darf man eine Westerngeschichte aber immer wieder völlig frei erfinden, kann archaische, zeitlose Dramen erzählen und muss sich an die Realität nur so ungefähr halten. Gibt es das für irgendeine andere Epoche, diese Freiheit? Das macht sicher viel vom Reiz aus, und warum das Genre nicht totzukriegen ist.




Soldier Blue (1970)

Der Film, der hier als "Wiegenlied vom Totschlag" lief, war wegen seiner realistischen Gewaltdarstellungen lange auf dem Index, wurde oft geschnitten und hatte in meinem Hinterkopf immer den Ruf, eine Abnormität zu sein, ein sadistischer Gewaltporno, etwas, was man sich nicht unbedingt anschauen muss. Das Plakat ist aber schon recht ikonisch, auch wenn die gefesselte, nackte Frau im Film nie auftaucht. Mittlerweilen gibt es die ungeschnittene Version frei ab 16 zu kaufen, also hab ich mal diese Lücke gefüllt. Und wurde überrascht, er ist anders, als ich dachte. Weit weniger ein Gewaltporno als "The wild bunch", eher eine merkwürdige Melange aus Hippi-Romantik und Vietnam-Schock. Ich denke, ohne den Vietnamkrieg ist der Film nicht zu verstehen. "Soldier Blue" hat erstmal einen schönen Hippie-Look, mit satten Goldtönen, wallenden Haaren im Gegenlicht und einem herrlichen Hippie-Kitsch-Soundtrack. Die Filme der späten 60er haben einfach ein unverwechselbares Flair, das ich sehr mag. Das sieht hier erst mal alles ein bisschen aus wie "Harold and Maude" im wilden Westen.

Ein blutjunger naiver Soldat und eine ruppige Blondine überleben als einzige einen Angriff der Cheyenne auf ihren Tross und müssen sich nun zum nächsten Fort durchschlagen. Die Frau hat einige Jahre als Kriegsbeute bei den Cheyenne verbracht, verhält sich immer noch wie eine Halbwilde und schockiert den armen Jungen mit ihrem losen Mundwerk und ihrem derben Pragmatismus, aber nach einer Menge Zickerei kommt man sich natürlich doch näher. Das ist alles sogar ganz lustig und erinnerte mich an Filme wie "African Queen", nur mit vertauschten Rollen.



Aber dann stellt sie auch klar, wer in diesem Krieg die eigentlichen Opfer sind und wer der Eindringling ist, und der staunende Bursche steht hier recht deutlich für die US-Öffentlichkeit, die zur selben Zeit häppchenweise erfuhr, was ihre Militärmaschine in einem Dritte-Welt-Land anrichtet. In der zweiten Hälfte kippt das dann, wenn die Kavallerie ausreitet, den Indianerüberfall zu sühnen und die beiden Turteltäubchen in die Frontlinie stolpern. Man metzelt ein Indianerdorf nieder, hier stand wohl das Sand-Creek-Massaker von 1864 Pate, aber sicher auch My Lai, dessen Aufarbeitung 1970 die USA beschäftigte und verstörte. Die letzten 20 Minuten haben dann den Ruf dieses Films begründet, jede Abscheulichkeit wird gezeigt, die Kamera schaut nie weg und die Körperteile fliegen durch die Gegend. Aufgrund damaliger Effekttechnik und weil wir heute alle GoT-gestählt sind, ist das sicher nicht mehr ganz so schockierend wie 1970, aber immer noch recht unappetitlich.



Für die Westerngeschichte ist das sicher ein wichtiger Film, als Film aber zerfällt er etwas zu stark in seine Einzelteile. Wozu die Liebesgeschichte, wenn dann alles im Blut versinkt? Sind die Indianer hier nun grausame Krieger wie zu Filmbeginn, oder wehrlose Hippies wie am Ende? Und niemanden aus diesem Dorf lernt man vorher kennen, das taucht einfach nur auf, um ausgelöscht zu werden, eine hakelige Dramaturgie. Die schauspielerischen Leistungen sind kaum erwähnenswert und die Romanze ist recht cheesy.

Dennoch, ich mochte den Look des Films und respektiere seinen kompromisslosen Ansatz. Das ist wirklich Welten entfernt von good old Hollywood und hat das harte, zynische Kino der 70er mit eingeläutet. Ein Film, in dem sich das amerikanische Kino verpuppte, man kann dem Epochenwechsel live zuschauen.


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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 00:42                                  

Little big man (1970)

Im selben Jahr wie "Soldier Blue" kam gleich noch ein Film über die Indianerkriege ins Kino, der auch ein berüchtigtes Massaker im Mittelpunkt hatte, My Lai hatte wohl die Nation ins Mark getroffen. Interessant, wie politisch das Westerngenre sein kann, wenn es will.



Dustin Hoffman spielt hier Jack Crab, der mit 121 Jahren im Altenheim interviewt wird und, sobald das Tonband läuft, ohne Punkt und Komma seine Lebensgeschichte erzählt. Wie das damals war im wilden Westen. Die Geschichten, die er erzählt, sind völlig unglaublich und verrückt und wahrscheinlich erfunden, oder auch nicht? Man weiß es nicht. Es ist eine wilde Fahrt durch 50 Jahre, er erlebt die wildesten Dinge, lernt viele berühmte Personen kennen, erlebt den ganzen wilden Westen in eigener Anschauung und hat alles schon mal gemacht. So wie Forrest Gump, die Parallelen sind unübersehbar. Musste auch an den wilden Simplicissimus denken. Im Mittelpunkt aber stehen Jacks Jahre bei den Cheyenne, die ihn zu einem halben Indianer gemacht haben, und dennoch reitet er am Ende mit General Custer in die Schlacht am Little Big Horn. Die er dann auch als einziger überlebt, entgegen allen Geschichtsbüchern.



Ich weiß echt nicht, was ich von diesem Film halten soll, er lässt mich ratlos zurück... ich mein, oh boy, die haben in den 70ern schon komische Filme gedreht. Drogen oder wie? "Little big man" ist sicher der bisher skurrilste Western, den ich kenne. Weite Abschnitte sind komödiantisch, teilweise platter Slapstick, teilweise zotige Sexkomödie, Teile sind ganz schön verdrogt, dann gibt es sehr schöne, realistisch anmutende Darstellungen der indianischen Lebensart, die ich so erst wieder bei "Dancing with wolves" gesehen habe. Und dann gibt es ein Massaker, orientiert an der Schlacht von Washita, das mich mehr mitgenommen hat als das explizite Grauen in "Soldier Blue". Denn auch wenn hier auf die ganz krassen Splattereffekte verzichtet wurde, lernt man vorher halt die Indianer kennen, und dann sterben sie alle. Wenn dann Jack Crabs bildhübsche Squaw mit seinem neugeborenen Sohn in den Kugelhagel läuft und das Blei durchbohrt sie und den Säugling in ihren Armen und sie sterben unklammert im Schnee... das dreht mir den Magen um. Denn es ist ja so oder ähnlich passiert, dutzendfach. Also auch hier ganz klar wieder das Vietnam-Thema. Aber was ist das denn im Gesamten, in all den 134 Minuten Laufzeit? Eine Tragikomödie? Ein lustiger Schocker? Eine Groteske? Die haben sich schon was getraut, damals. 70er halt. Puh.



Beeindruckend ist Dustin Hoffmans Spiel, der den offiziellen Rekord hält für die weiteste Altersspanne einer Rolle in einem Film, die vom selben Darsteller gespielt wird. Und die Produktionswerte sind weit höher als im B-Movie "Soldier Blue", das sieht schon alles sehr gut aus. Perverserweise dann auch das Massaker im Schnee, mit Gegenlicht und einer weißen Bergkette im Hintergrund. So schön kann Genozid sein. Insgesamt fand ich den Film aber zu zerfasert und über weite Strecken zu albern, um ihn wirklich gut zu finden. Ich glaube, ich kann ihn gar nicht beurteilen.

Ganz merkwürdiger Film. Hat mich schon lange interessiert, bin nie zu gekommen. Jetzt also auch abgehakt. Die Indianerfilme der 70er sind ein eigenes Subgenre, eng mit dem Vietnam-Trauma verknüpft. Von manchen wird er Film bei imdb auch gehörig gehasst wegen seines anti-white racism, immer noch ein heißes Eisen.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 09:36                                  +/-

Zitat:
Von manchen wird er Film bei imdb auch gehörig gehasst wegen seines anti-white racism, immer noch ein heißes Eisen.


Das sind doch bestimmt Trumpisten.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 10:35                                  +/-

Ich hab den als Kind mal irgendwann im Dritten gesehen. Die drei Schwestern seiner Squaw schliefen mit im Tippi und ningelten in einer Nacht dann hintereinander sie wollten auch beglückt werden. Es war die Hölle, aber die eigentliche Heldentat seines Lebens war es das geschafft zu haben. Das habe ich mir anscheinend gemerkt, die Massaker weniger.

Mir ging es dann auch ähnlich aber andersherum als ich später Forrest Gump gesehen habe, da wusste ich wo der sich anlehnte.


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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 18:32                                  



How the west was won (1962)

Dieser Film ist ein cineastisches Monster von Frankenstein'schen Ausmaßen. Ein auf dem Zenit des US-Western gedrehtes 15-Millionen-Dollar Starvehikel der Superlative. Gedreht auf Cinerama, mit drei 35mm-Kameras gleichzeitig und 8 Mikrofonen für Surround-Sound. Cinerama-Filme konnten nur in kuppelförmigen Kinos gezeigt werden, die damals überall aus dem Boden schossen. In den 50ern bis Mitte der 60er waren diese Filme sehr erfolgreich, auch "How the West was won" war ein Kassenschlager, dann starb diese Technik einfach wieder aus, bzw. wurde durch das Imax-System ersetzt.

Die allermeisten Cinerama-Filme waren Natur- und Reisedokus, denn einen narrativen Spielfilm damit zu drehen war die Hölle: Die Sets mussten riesig gebaut werden sein, damit die Ränder nicht auftauchen, die Kamera hatte die Ausmaße eins Kleinwagens und brauchte ein ganzes Team von Technikern zur Bedienung, für Nahaufnahmen musste sie 50 cm nah an das Gesicht des Darstellers gebracht werden um nichts zu verzerren, und bei Dialogen durften sich die Schauspieler nicht anschauen, sondern mussten einen Punkt hinter der Schulter des anderen fixieren, die Wölbung der Leinwand glich das dann wieder aus. Der Zelluloidverbrauch war dreimal so hoch, so dass die Szenen nur wenige Takes brauchen durften etc., so kann man nicht gut schauspielern. Verrückt, überhaupt einen Zweieinhalb-Stunden-Film damit umzusetzen. So sah das Bild im Kino aus, muss man sich jetzt halt auf eine Halbkugel projeziert vorstellen:



Auf meiner Bluray sind zwei Versionen des Films, einmal so gewölbt, und einmal für den flachen Bildschirm nachbearbeitet, so wie er im TV lief. Dabei gab es früher immer deutlich sichtbare Streifen, dort wo die drei Filme zusammenstießen:



Auf der Bluray wurden diese Streifen digital rausretuschiert, das sieht alles sehr gut aus, allerdings immer mit einem leichten Fischaugen-Effekt: Die Ränder wölben sich, reitet eine Kutsche von links nach rechts durchs Bild, fährt sie eine Kurve. Die Bildqualität an sich ist aber spitze und auch die Räumlichkeit des Tons ist herauszuhören.

Hollywood fuhr damals alles auf, die größten Namens des Western-Genres wurden verpflichtet, John Wayne, Henry Fonda, James Stewart, Gregory Peck, John Ford, in den schönsten Landschaften der USA gedreht, mit 12000 Statisten, mit nicht einer, sondern gleich fünf lose verbundenen Geschichten und den spektakulärsten Stunts, die der Western je gesehen hat. Ok, dramaturgisch blieb da einiges auf der Strecke, das Spiel der Darsteller ist oft hölzern, die Geschichten altbacken und moralisierend und der Sprechertext von Spencer Tracy mitunter unfreiwillig komisch. Da hat sich halt der Sieger der Geschichte sein eigenes Denkmal gesetzt, und der Western nochmal allen gezeigt, wer in Hollywood den dicksten Schwanz hat. Ein paar Jahre später war das Goldene Zeitalter dann bereits vorbei, aber das ist ja oft so, dass die pompöseste Ausführung einer Epoche bereits in ihren Niedergang fällt. Historisch ist der Film auf jeden Fall sehr wichtig, als Höhe- und Endpunkt einer Epoche, künstlerisch eher nicht so.

Wobei, die Actionszenen, die die Möglichkeiten des Cineramas ausreizten, sind schon beeindruckend. Ähnlich wie heute im 3D-Kino (die Parallelen drängen sich auf), wurden Szenen nur gedreht, um das Publikum in die Sessel zu pressen, dauernd rast was auf die Kamera zu, oder die Kamera auf ein Hindernis, nur um im letzten Moment abzubremsen. Da trampelt eine riesige Bisonherde in Panik ein Bahnarbeitercamp in Schutt und Asche, da jagen 100 Indianer ein Dutzend Planwagen, eine Rinder- und eine Pferdeherde durch die Prärie, Wagen überschlagen sich, Körper schleudern durch die Luft, Pferde und Kühe straucheln und fallen übereinander, das ist Mad Max Fury Road in der 1962-Edition. Ein Zug entgleist in voller Fahrt und die Wagons bohren sich beinahe in die Kamera und so weiter. Krasser Scheiß. Wahrscheinlich inflationsbereinigt der teuerste Western aller Zeiten. Zusammen mit den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und der perfekten Bild- und Tonqualität ist die Bluray schon ein Erlebnis. Schade, dass man den Film nie mehr so sehen wird können, wie er gedacht war, in glorious Cinerama.


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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 19:54                                  +/-

Das würde sich doch für VR anbieten. Man würde das Gesichtsfeld wohl ziemlich gut abdecken.


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BeitragVerfasst am: 17.02.2019, 20:04                                  +/-





Faszinierend. Ich wusste gar nicht, dass es ein "IMAX" vor dem IMAX gab. Und die haben das mit den gleichen Gimmicks (Achterbahn) verkauft wie die ersten VR Demos. In der Grafik sieht man eine andere Hybris neben dem teuren Dreh: Man brauchte 5 Leute um einen Film abzuspielen. Drei um jeden Projektor zu bedienen, dann einen der den Sound kontrolliert (wie du schriebst Surround Sound! Der Ton wurde von einem vierten Band abgespielt.) und einen "Picture Control Engineer" der immer wieder nachjustiert.



Fun Fact: Der Typ der Cinerama erfunden hat, hat auch Wasser-Skis erfunden. Deshalb wird in der Demo Wasser-Ski Schigefahren.


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Zuletzt bearbeitet von Tyler Durden am 18.02.2019, 15:16, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 18.02.2019, 10:54                                  +/-

Deshalb wird 3D auch eine Nische bleiben. Solche Gimmiks lenken nur ab und verkomplizieren alles unnötig.

Faszinierend aber finde ich die Bildqualität auf der Bluray. Ich hab letztens mal meine Godfather-DVD eingelegt und fast Augenkrebs bekommen, so verwaschen war das. Aber hier, bei einem Film, der fast 60 Jahre alt ist, ein Spitzenbild. Liegt sicher auch am aufwändigen Erstellungsprozess, da hatte man halt das beste Equipment und alles vom Feinsten. Viellleich hilft auch, dass die Kopien nicht so abgenudelt waren, da der Film sicher nicht so oft gezeigt werden konnte.

Man sieht das hier gut in diesem Video über den Restaurationsprozess, krasse Vorher-Nachher-Unterschiede:

https://www.youtube.com/watch?v=Rix5n-_5V3I


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BeitragVerfasst am: 18.02.2019, 12:23                                  +/-

Die Originale werden aber doch gar nicht durchgeorgelt, oder?


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BeitragVerfasst am: 18.02.2019, 12:42                                  +/-

Oft gibt es keine Originale mehr bei so alten Filmen. Wie es jetzt hier ist, weiß ich nicht. Aber ich habe auf anderen DVDs Restaurationsberichte, da erfährt man haarsträubende Dinge - die Originale sind verschimmelt, aufgelöst, verloren oder verbrannt, und man suchte alle Kinos ab nach Filmrollen ab und fand dann eine Kopie im Keller eines Synchrostudios und den Ton holte man sich von Tapes aus der Erbmasse des längst verstorbenen Tonmeisters u.ä.

Die ganze Filmmusik von "Das Boot" zum Beispiel konnte nur restauriert werden, weil Klaus Doldinger noch eine private Kopie hatte. Die Filmfirmen sind früher auch sehr nachlässig mit den Originalen umgegangen, wenn der Film nicht mehr im Kino lief wurden die Rollen in einem nassen Keller weggesperrt und beim nächsten Umzug vergessen u.ä.

Gepostet am 18.02.2019, 12:03:

Ich mag ja auch an so alten Streifen, dass man in Ermangelung von CGI vieles tatsächlich machen musste. Also wirklich ein Bahncamp aufbauen, ein paar lebensmüde Stuntmen dort platzieren und dann 500 Bisons in Panik versetzen und durchtreiben. Sowas konnte man dann wohl nur genau einmal drehen, denn das Camp war danach Schotter. Oder einen Zug aus den Schienen werfen in vollem Tempo. Der war dann halt kapott. Kann man schon mal machen. Die Verfolgungsjagd mit dem Wagentreck durch die Prärie ist echt das Krasseste, was ich in dem Sektor kenne. Da kommt höchstens noch das Wagenrennen von Ben Hur ran. Das war schon alles ein bisschen crazy.


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BeitragVerfasst am: 19.02.2019, 10:47                                  +/-

Ich hab jetzt mit der DVD von "Heaven's gate" angefangen und direkt wieder ausgemacht, die Bildqualität geht gar nicht. Hab gleich die Blueray geordert, in der Hoffnung, das diese anschaubarer ist. Ich kauf überhaupt ab jetzt nur noch Blurays, das Einzige, was der Full-HD-Qualität bei Netflix halbwegs gleichkommt. Hängt natürlich auch mit dem großen TV zusammen. Die alten DVDs sind dafür nicht gemacht. Muss ich jetzt alle nochmal kaufen? Traurig


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BeitragVerfasst am: 19.02.2019, 10:53                                  +/-

Warst du kurz davor dich vollständig zu fühlen?


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BeitragVerfasst am: 19.02.2019, 10:57                                  +/-

Eigentlich wollte ich nie mehr DVDs kaufen, wozu auch. Aber um an ein von den Streamingdiensten vernachlässigtes Genre wie Western zu kommen, ist das immer noch die beste Art. Second-hand-DVDs sind per amazon Marketplace echt billig (Blurays leider immer noch deutlich teurer). Netflix hasst Western und amazon Prime hat zwar einige im Angebot, aber fast alle nur mit deutscher Tonspur und im 4:3-Format.


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BeitragVerfasst am: 19.02.2019, 13:52                                  +/-

Sicher wirst du für deine DVDs am Markt einen fairen Preis erhalten Yes


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BeitragVerfasst am: 19.02.2019, 14:39                                  +/-

Die Portokosten wären nett Yes


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BeitragVerfasst am: 22.02.2019, 21:23                                  +/-

Tyler Durden
Apropos Heaven‘s Gate: Hast du den gesehen? Einer der größten Kinoflops der Geschichte der ein Genre für Jahre beerdigte und sein Filmstudio in den Ruin trieb. Da würde mich mal deine Rezension interessieren.



Epic movie review incoming... Yes




Heaven's Gate (1980)
Director's cut

Der Film ist berühmt dafür, sein Studio United Artists, das Autorenkino als auch das ganze Westerngenre beinahe in den Untergang getrieben zu haben. Bei 11 Millionen Dollar an geplantem Budget kostete "Heaven's Gate" am Ende 44 Millionen (heute circa 150 Mio) und spielte in seiner Laufzeit in den USA sagenhafte 3,5 Millionen ein. Autsch. United Artists konnte sich den Hintern zwar mit seinem erfolgreichen Bond-Franchise retten, wurde dann aber wenig später von MGM geschluckt. Vier Jahre kam kein Western ins Kino, dann ging es doch weiter. Und durch Zweit- und Drittverwertung soll "Heaven's Gate" seine Kosten heute wieder reingeholt haben, das Autorenkino war jedoch wirklich hinüber. Es wurde aber auch einfach vom Zeitgeist überholt, die Kassenknüller damals waren ja bereits Star Wars und der Weiße Hai. Das Kino ging in eine andere Richtung, ein mehrstündiges melancholisches Kostümdrama war gerade nicht gefragt. Ein bisschen schade, denn bei einem Erfolg wollte Regisseur Michael Cimino als nächstes einen epischen Indianerfilm komplett in der Sprache der Sioux drehen und wäre damit "Dancing with wolves" glatt zehn Jahre zuvor gekommen.



Aber wie ist "Heaven's Gate" denn nun als Film? Mir hat er sehr gut gefallen, aber es ist kein "richtiger" Western. Hier wurde völlig auf das mythische Element verzichtet und tatsächliche Geschichte erzählt, es ist eher ein Historienfilm, ein Auswandererdrama, erinnerte mich auch an Filme wie "Big Country" und "Giganten". "Sittengemälde" nennt man sowas, glaube ich. Der Film fühlt sich an, als würde ihm ein russischer 1500-Seiten-Roman aus dem 19. Jahrhundert zugrunde liegen. Er erzählt die Geschichte der osteuropäischen Einwanderer, die als letzte Siedlerwelle in den Westen kamen, wo sie auf eine Wand an Ablehnung stießen. Hintergrund ist der Johnson County War in Wyoming 1890, als lokale Rinderbarone Todesschwadronen anheuerten, um die slawischen Kleinbauern zu terrorisieren, die ihre Verteidigung dann, von den Behörden im Stich gelassen, in die eigenen Hände nahmen.



Cimino ging es in erster Linie darum, eine bestimmte Epoche der USA so überzeugend wie möglich zum Leben zu erwecken und entfesselte dafür eine im Western nie gekannte Ausstattungsorgie. Hier geht es nicht mehr um ein generisches Kaff in der Prärie, hier wurde eine ganze, aufblühende, wuselige, reale Provinzmetropole aus dem Boden gestampft, mit Kopfsteinpflaster, mehrstöckigen Steinhäusern und quirligen Straßenszenen. Das erinnerte mich an die historischen New York-Szenen aus "The godfather II", die ja auch dort den Großteil des Budgets verschlungen hatten. Cimino steckte Unsummen in gigantische Sets, Kostüme und Requisiten und das Ergebnis sieht toll aus, ich konnte mich an all den Details gar nicht satt sehen. So hat die ganze Stadt eine Mordsgaudi, in einer Festhalle zu den Klängen einer Band Rollschuh zu laufen, diese ikonische Szene bringt die Handlung vielleicht nicht voran, ist aber großartig anzuschauen. Denn die Menschen damals hatten ja auch Entertainment, die hingen nicht nur im Saloon herum bis zur nächsten Schießerei. Und ganz fantastisch ist auch der Glacier National Park in Montana, wo gedreht wurde, meine Güte, ist es dort schön. Traumhaft, und perfekt in Szene gesetzt, der Film ist jede Minute ein Fest für die Augen.



Die Handlung selber entwickelt sich sehr langsam, das Ganze geht ja auch 217 Minuten, aber ich fand den Film nicht lahm oder langweilig. Gut, ich habe ihn mir entspannt auf zwei Abende aufgeteilt, im Kino war das sicher etwas herausfordernder. Aber manche Geschichten brauchen ihre Zeit. Ähnlicher Rhythmus wie bei "Dancing with wolves", und auch "Once upon a time in the west" ist ja nicht gerade kurz. Passt schon. "Heaven's Gate" hatte auch eine illustre Besetzung, zumindest aus heutiger Sicht: Kris Kristofferson in der Hauptrolle als grüblerischer Marshall zwischen allen Stühlen, Christopher Walken in einer seiner seltenen ernsten, tragenden Rollen, John Hurt, der in den endlos langen Drehpausen zwischendurch mal eben den "Elefantenmensch" drehte, ein blutjunger Mickey Rourke (mit dem Cimini später den hervorragenden "Year of the dragon" machte), Brad Dourif, der Dude himself, Jeff Bridges noch jung, unverbraucht und strotzend vor pausbäckiger Gesundheit. Sowie eine großartige, betörende Isabelle Hupert als sanftmütige Puffmutter, Französinnen sind einfach immer eine sichere Bank.



Interessant fand ich das babylonische Sprachgewirr, all die Einwanderer reden noch viel in ihren Sprachen, da fliegen dauernd russische, polnische, bulgarische und deutsche Satzfetzen herum, ohne untertitelt zu werden. Ganz witzig dann, die deutschen Dialoge zu verstehen, die durchaus Sinn machen und auch von Muttersprachlern gesprochen wurden, und den Rest nicht. Viele der bettelarmen Neusiedler tragen noch ihre heimischen Trachten, russische Babuschkas im Wilden Westen, abends werden traurige slawische Weisen zur Balaleika gesungen, das zusammen erschafft eine schöne, lebendige Anmutung der großen Wanderung nach Westen, gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren, wie es zu Füßen der Freiheitsstatue eingraviert steht.



Und dann kamen sie und wurden wieder gedemütigt und ermordet, der Film ist durchaus auch eine politische Anklage an das korrupte System, als der Staat sich zum Büttel der reichsten Kaste machte, und Gerechtigkeit für die Besitzlosen nicht zu erlangen war, es sei denn mit Gewalt. Die Endschlacht ist gewaltig und verdient den Namen Schlacht, das ist kein Shoot-out mehr, das ist im Prinzip ein Bürgerkrieg im Kleinen. "Heaven's Gate" zeichnet hier ein ziemlich düsteres Bild der frühen amerikanischen Gesellschaftsordnung, vielleicht auch ein Grund, warum der Film zu Beginn der Reagan-Ära so floppte. Das wollte keiner hören. Make Ameria great again.

Ich hab nur zwei Kritikpunkte:

- Die Schauspielerriege kann dem allgemeinen hohen Niveau des Films nicht ganz folgen, es fehlt an Charisma. Ich mag Kris Kristofferson als Musiker, aber er trägt als Hauptdarsteller kein 4-Stunden-Drama. John Hurt taucht kaum auf, Christopher Walken wirkt merkwürdig deplatziert, der Dude ist zu jung, ok, Isabelle Hubert spielt alle an die Wand. Gelernt ist eben gelernt.

- So schön die Landschaft ist im Glacier Park, niemals könnten dort Kleinbauern ihr Auskommen sichern. Borealer Nadelwald und Heide bis zum Horizont, niemals kommt auch nur ein Getreidefeld ins Bild. Von was sollen die gelebt haben? Da wurde ein Stück Realismus der Liebe zu schönen Bildern geopfert.

Ansonsten aber ist "Heaven's Gate" ein großes Stück Kino, das sich einfach etwas übernommen hat, finanziell und künstlerisch. Kann passieren, und wie gesagt, der Zeitgeist war dagegen. Heute, mit der Bluray, Director's cut mit Bonusmaterial und Schnick und Schnack, aber auf jeden Fall ein Erlebnis. Der Film hat mir echt gefehlt in meiner Sammlung und ist ein Muss für Film-Freaks, und ich meine nicht nur Western-Fans. Markierte eine Zeitenwende.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 22.02.2019, 22:51                                  +/-

Nice. Hätte jetzt sofort Bock den zu schauen.

Leider illusorisch!


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„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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