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Western mit und ohne John Wayne
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 10:57                                  +/-

Oder ich schau einfach die Filme, aus denen die von Tarantino benutzten Morricone-Stücke stammen. Tarantino hat ja Ahnung von Trash. Wer, wenn nicht er?

Meine Güte, hatte Morricone einen Lauf damals... der hatte quasi das Monopol auf die Filmmusik eines ganzen Subgenres. Ich weiß gar nicht, was ich am tollsten finde... neben "Ecstasy of gold" stammt ja aus "The good the bad and the ugly" auch noch "The trio", unfassbar dynamisch. Da steh ich ab Minute 1:44 aber auf der Tischplatte, die Hände in der Luft gereckt und dirigiere mein unsichtbares Orchester. Ich will dieses Stück im Hintergrund haben, wenn ich einen Zug besteige und langsam durch die Reihen gehe, auf der Suche nach einem freien Platz.

Aus "Mein Name ist Nobody" stammt das Thema der wilden Horde, ein weiteres Meisterwerk. Und der launige Titelsong ist ja auch von ihm. Ziemlich genial ist auch das Thema aus "Two mules for sister Sarah", wo Morricone auch wieder Tiergeräusche eingebaut hat, nebst Engelsgesang. Der ganze Film quasi im Titelthema. Es gibt auch Klassiker aus ziemlich unbekannten Filmen wie das melancholische Thema aus A pistol for Ringo, was ich sehr schön finde. Muss nicht immer Drama sein. Und Tarantino verwendet gleich zwei Stücke aus "Der Gehetzte der Sierra Madre" in "Inglorious basterds", vielleicht muss der auch noch auf meine Liste. Wäre noch ein Kopfgeldjägerdrama mit Lee Van Cleef.

Morricone hat die Stücke oft geschrieben nur nach dem Lesens des Drehbuchs, vor den Dreharbeiten, der Regisseur konnte dann den Film drumherum drehen. Zumindest bei OUATITW weiß ich, dass die Musik für manche Szenen aus Lautsprechern gespielt wurde und Leone dann die Bewegungen der Darsteller und der Kamera darauf abgestimmt hat. In einer Szene reitet Fonda langsam los, wird dann schneller, genau im Rhythmus. Deswegen sieht das auch alles so geil aus Smilie


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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 15:06                                  +/-

Nichtraucher

Aus "Mein Name ist Nobody" stammt das Thema der wilden Horde, ein weiteres Meisterwerk.


Das zitiert ja am laufenden Meter den Walkürenritt... Überrascht paßt inhaltlich natürlich, aber wirkt doch ein bissel nervig mit diesen Quäktrompeten.

Ecstasy of Gold ist schon geil. Aber an OUATITW kommt es für mich nicht ran, das Hauptthema ist so glorios überdehnt wie der ganze Film.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 17:30                                  +/-

Seine Instrumentierung war bei den Italowestern ja oft absichtlich "hässlich" und sperrig. Passte wohl gut zum zynischen, brutalen Grundton und dem trashigen Habitus. Ganz cool finde ich da auch "Chased" aus irgendeinem B-Western:

https://www.youtube.com/watch?v=kL37qoMKxoY

Ziemlich dreckig, mit tollen Streichern und einem gehetzten Rhythmus. Ich mag die Bratsche oder was das ist, die hat was von Appalachenfolk. Schön erdig.

Gepostet am 02.03.2019, 17:51:

Zu Morricones großen Melodien gehört sicher auch Indios Theme aus "For a few dollars more", das bekam ich nach dem Film tagelang nicht mehr aus dem Kopf. Es fängt mit den Klängen von Indios Spieluhr an, die im Film eine wichtige Rolle spielt, dann kommt eine ultrabrutale Kirchenorgel, da steht man senkrecht im Bett, also von Effekten versteht der Mann was grins Später wird es dann ganz zärtlich sogar, denn auch ein grausamer Schurke wie Indio hatte mehr als eine Seite. Ein Thema, das einen Charakter komplett erläutert:

https://www.youtube.com/watch?v=9fEndGSMu_c

Ich hatte ganz früher ein Morricone-Doppelalbum und kenne viele dieser Themen daher schon ewig, auch wenn ich die Filme dazu viel später oder nie gesehen habe. "Indio's theme" war immer schon so ein Evergreen bei mir, habe ich jetzt durch den Film wiederentdeckt. Schlimmer Ohrwurm.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 18:34                                  +/-

Und wem das alles zu brutal ist, Morricone konnte ja auch ganz hübsche kleine Weisen schreiben. Aus demselben Film wie "Chased" stammt dieses bezaubernde kleine Gepfeife:

https://www.youtube.com/watch?v=Tnq7oS3oo9k

Shit, die Liste der Spaghettiwestern mit offenbar bedeutenden Morricone-Soundtracks wächst... damn you, Tarantino!


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Warg



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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 22:06                                  +/-

Oxford
My least favorite thread.

Immer wenn ich ins Film Forum klicke, weil es einen neuen Beitrag gibt, und dann nur dieser Thread neu ist, ärger ich mich schwarz.




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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 22:10                                  +/-

Gibt es eigentlich irgendeinen Filmmusikschaffenden, der auch nur annähernd an Morricone heranreicht? Ist das überhaupt möglich? Oder ist er nicht nur der größte der Vergangenheit sondern aller Zeiten in Ewigkeit Amen? Did we peak? Peak Filmmusik?


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019, 23:47                                  



Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993)

Der gefürchtete Outlaw Doc Snyder muss nach 30 Jahren Herumtreiberei zu seiner Mutter in seine Heimatstadt Texas zurückkehren, da er einen Sack schmutzige Wäsche hat. Aus reiner Gewohnheit überfällt er unterwegs eine Postkutsche, doch das ist eine schlechte Idee: er verliert dabei den Wäschesack und macht sich den arroganten Nasenmann zum Todfeind, der von nun an nur noch das Ziel kennt, Doc Synder auszuschalten. Ohne dies zu ahnen, erreicht Snyder Texas, wo ihm seine grantelnde Mutter erzählt, dass sein nichtsnutziger Bruder Hank im Knast sitzt und morgen gehängt werden soll, ausgerechnet am Mutttertag. Ein dubioser Kommissar 00 Schneider taucht auf und stellt Nachforschungen nach Doc Snyder an. Zu allem Überfluss hat sich auch noch der rachsüchtige Nasenmann im Saloon einquartiert, nun ganz im Outfit eines skrupellosen Killers. Doc Snyder hat also alle Hände voll zu tun. Wenigstens sein Wäschesack taucht wieder auf.



Aus diesem komplexen Einstiegsszenario entwickelt sich ein wendungsreiches Spiel, in dem Doc Snyder weitaus öfter durch List und Tücke zum Ziel kommt als durch pure Gewalt: er lässt dem Nasenmann in die Stiefel scheißen, befreit seinen Bruder in raffinierter Verkleidung aus dem Gefängnis und stellt mithilfe seines musikalischen Talents sogar den Haussegen bei den dysfunktionalen Snyders halbwegs wieder her. Doch Doc Synder kann nicht aus seiner Haut, all die Harmonie ist nichts für den alten Outlaw und er bringt seinen tumben Bruder dazu, mit ihm zusammen die Bank von Texas zu überfallen. Ab da geht alles schief, bald hat Snyder die ganze Stadt gegen sich und die gerade erst wieder zusammengeführte Familie zerbricht. Snyder ist wieder ganz auf sich gestellt. Nur der liebe Gott steht ihm bei, der in der Nähe in einem Wohnwagen lebt.



"Texas" gilt allgemein als Wiedergeburt, Höhepunkt, Abschluss und Apotheose des deutschen Westerns, einer in den 60ern sehr erfolgreichen Spielart des Genres. Doch anders als die romantisierenden Vorläufer mit ihren moralisch handelnden Helden zeigt "Texas" eine mitleidlose, harte Realität, die es dem gealterten, traumatisierten Outlaw unmöglich macht, sich wieder ins zivile Leben zu integrieren. Am Ende muss er das tun, was er am besten kann, töten. "Texas" ist die desillusionierte Absage an die Idee der alles heilenden Familienbande, ein Schlag ins Gesicht des klassischen Schwarzwaldwesterns, die Aufarbeitung des gerade zurückliegenden Golfkriegs mag eine Rolle gespielt haben. Unter dem durchaus vorhandenen Humor und den unterhaltsamen Gesangseinlagen gähnt die Leere eines Lebens, das keine Alternative mehr kennt als die Gewalt. Ein harter, aber wichtiger Film.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019, 04:11                                  +/-

Okay, DAS kam unerwartet.


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Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 03.03.2019, 11:24                                  +/-

Bin halt grad unrettbar auf dem Euro-Western-Trip... interessant aber ist, dass Helges Film tatsächlich die Handlung eines klassischen US-Westerns hat: der Veteran, der nicht mehr mit dem Zivilleben klar kommt und von offenen Rechnungen der Vergangenheit eingeholt wird. Das gab es in den 50ern öfter und konnte man sicher in Verbindung mit dem Trauma der aus dem Weltkrieg heimkehrenden Soldaten setzen.

Die Umsetzung steht dann aber eher in der Tradition der frühen Italowestern, also Trash hoch zehn. Da es während der Dreharbeiten viel geregnet hat, kam ein "Schlammwestern" raus, ein Sub-Subgenre, das es tatsächlich gab im Italowestern, begründet durch "Django". Ein klein bisschen steckt auch der Karl-May-Western drin, als ein schnöseliger Preuße auftaucht, als comic relief, sowas hatten die ja gerne. Helge kennt also schon seine Western, und ich fand diese kleine Besprechung von ihm von "Il grande silenzio", den er mag und den ich jetzt wohl auch mal sehen muss:

https://www.youtube.com/watch?v=1QbUz6euFuA

Gepostet am 03.03.2019, 11:33:

Thanil
Gibt es eigentlich irgendeinen Filmmusikschaffenden, der auch nur annähernd an Morricone heranreicht? Ist das überhaupt möglich? Oder ist er nicht nur der größte der Vergangenheit sondern aller Zeiten in Ewigkeit Amen? Did we peak? Peak Filmmusik?

Morricone hat in 50 Jahren ca. 500 Soundtracks geschrieben und nur für einen davon einen Oscar bekommen. Aber wie ein YT-Kommentar sagt: "That's ok, because Oscars are for the mere mortals. Not big enough for Morricone."


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 03.03.2019, 21:41                                  +/-

Wow, Iris Berben in einem Italowestern, ganz schön hot... Smilie

https://youtu.be/jXfzlgRDTiI?t=55

Immer witzig, wer da alles mitgewirkt hat. War wohl ne schnelle Mark für europäische Darsteller, und ein paar nette Wochen in Spanien. Da die ohne Ton gedreht wurden, gab es ja keine Sprachbarrieren.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.03.2019, 00:50                                  

Da ich von Morricone nicht so schnell wieder runterkomme, musste ich noch zwei Morricone-"Western" nachschieben. Beide gehören zum Subgenre "Revolutionswestern", die in den Wirren des mexikanischen Bürgerkriegs zwischen 1910 und 1920 spielen. Für mich sind das eher Kriegsfilme, keine Western mehr, es wird mit der Technologie des Ersten Weltkriegs gekämpft, und komplett auf mexikanischem Boden. Es gibt aber echt ne ganze Menge Filme dieser Kategorie, diese gesetzlose Phase war wohl eine beliebte Projektionsfläche und in gewisser Weise eine zeitliche Verlängerung des Wilden Westens. Für den Italowestern hatte das natürlich auch den Vorteil, dass die Drehorte in Spanien und die spanischen Statisten Mexiko glaubwürdiger wiedergeben konnten als die nordamerikanische Prärie.




Giù la testa (1971)

"Todesmelodie" in Deutschland, Leones zweiter Film seiner "Amerika-Trilogie", die der Dollartrilogie folgte. Anders als OUATITW ist das wieder ein sehr italienischer Film, back to the roots, dreckig und auch ein bisschen trashig. Er beginnt als launiges Buddie-Movie mit fast derselben Konstellation wie in "The good, the bad and the ugly", ein hagerer, spöttischer Nordeuropäer und ein lustiger, dicker Südländer müssen sich Not oder Übel zusammenraufen. Leone hatte sogar wieder Eastwood und Wallach in Betracht gezogen, aber Eastwood hatte es nicht mehr nötig, in europäischen Filmen mitzuspielen, die in den USA seit jeher als Kassengift gelten. So wurde es James Coburn als irischer Bombenleger, der auf der Flucht vor den Engländern in die Wirren der mexikanischen Revolution gerät und sich mit einem lokalen Räuberhauptmann zusammentut. Was so launig beginnt, wird dann immer düsterer, die Revolution frisst ihre Kinder und die Geschichte erstickt in Blut. Ich habe nicht mehr so viele Massenhinrichtungen gesehen seit "Schindlers Liste". Puh, das ist kein Spaß mehr. Leone hatte die Ideale des Westerns bereits zerstört, nun dekonstruiert er jede Revolutionsromantik, denn Revolution führt hier immer nur zu noch mehr Leid und Tod und ändert niemals etwas. Ein Abgesang auf die Revolten von 1968. Das ist alles sehr dark Traurig



Der Zynismus des Italowestern wurde auch mit den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs erklärt, der in Italien nach dem Sturz Mussolinis faktisch zu einem Bürgerkrieg wurde, in dem Italiener anderen Italienern furchtbare Dinge antaten, auf beiden Seiten der Frontlinie. Wer weiß, was der 13/14-jährige Leone da mitansehen musste. Insoweit waren die Italowestern vielleicht auch eine Kriegsaufarbeitung in Italien.

Großartig ist hier natürlich wieder Morricones Sounddtrack, mit einem sehr schönen Main theme, das mitunter etwas ins Kitschige abdriftet, aber es ist eben, wie gesagt, ein sehr italienischer Film. Große Gefühle sind erlaubt. Das Thema variiert ab 1:30 Jill's Theme, fügt aber noch mehr hinzu, es geht im Film auch um das verlorene Leben des Iren, damals in Irland, seine große Liebe, und um den Verrat durch seinen besten Freund. Für einen so brutalen und düsteren Film ist das Thema erstaunlich romantisch und fast positiv. Ich mag es sehr gerne.





Il mercenario (1969)

Von Sergio Corbucci, Leones Kollegen, der immer die ein bisschen kaputteren Filme gemacht hat, mit den noch fieseren Typen. Es beginnt wieder ganz ähnlich wie Todesmelodie, ein polnischer Söldner (Franco Nero) und ein mexikanischer Rebellenführer müssen sich zusammenraufen. Der Söldner ist in Mexiko gestrandet und lässt sich von den Rebellen anheuern, in der Hoffnung, dass sie genug Banken überfallen, um daraus einen lukrativen Job zu machen. Im Lauf der Zeit wird der Pole aber irgendwie zum Hoffnungsträger der Revolution, eine Rolle, der er dann durchaus was abgewinnen kann und die seiner Eitelkeit schmeichelt. Das erinnerte mich sogar dann und wann ein bisschen an "Lawrence von Arabien". Grundthema ist hier, wieweit der Mensch etwas braucht, an das er glauben kann, und was passiert, wenn das mit der Realität zusammenstößt. Also gar nicht mal so dumm. Der Film bleibt natürlich trashig und billig runtergekurbelt, wobei die Kampfszenen alle sehr trocken und knackig inszeniert sind. Das wemmst schon ordentlich. Ein kleiner, gemeiner Macho-Film mit mehr Hirn, als man vermuten würde und originellen optischen Ideen wie ein Showdown in Clownskostüm.



Und die Musik natürlich... hier hat Tarantino sich gleich zwei Stücke für "Kill Bill" ausgeliehen, einmal das Grundthema mit seinem verlorenen Gepfeife, und dann das geniale "L'arena" aus dem Showdown, der in einer Stierkampfarena stattfindet, beide hier hintereinander zu hören:

https://www.youtube.com/watch?v=PyZg3FdxJG8

"L'arena" gehört auch zu den vielen Meisterwerken Morricones, ein absoluter Gänsehautsong. Besonders, wenn man dazu die Szene aus Kill Bill im Kopf hat, wo sich die Braut aus dem Sarg kämpft. Tarantino wusste genau, wo er sich bedienen muss. Hier merkt man aber auch den Unterschied zwischen Big-budget- und Low-budget-Produktionen - "Il mercenario" hat echt nur die beiden Melodien. Das Grundthema kommt immer und immer wieder, fast zum Überhören. Aber hier war halt nicht mehr drin. Das ist schon ein Unterschied zu einem Soundtrack wie bei OUATITW mit seinen einzelnen Themen für jede wichtige Figur. Schön aber, dass Morricone zwar in solchen Fällen an Masse, aber nicht an Klasse gespart hat.


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Gimli



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BeitragVerfasst am: 04.03.2019, 22:04                                  +/-

Nichtraucher
BTW, hat jemand Interesse an den Blurays der Dollartrilogie zu einem Freundschaftspreis? Smilie

Na klar, warum nicht.

Brauchst du vielleicht den dritten Teil als DVD?


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Euseppus



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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 07:01                                  +/-

Thanil
Gibt es eigentlich irgendeinen Filmmusikschaffenden, der auch nur annähernd an Morricone heranreicht? Ist das überhaupt möglich? Oder ist er nicht nur der größte der Vergangenheit sondern aller Zeiten in Ewigkeit Amen? Did we peak? Peak Filmmusik?


Um an Bernard Herrmann und erst recht John Williams auch nur annähernd heranreichen zu können, würde sich Morricone ganz schön anstrengen müssen.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 08:33                                  +/-

Seine Bedeutung für den Western ist auf jeden Fall unumstritten. Und nur darum geht es in diesem Thread.


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 09:14                                  +/-

Naja, Thanil hatte das schon sehr allgemein formuliert. Ich kenne Herrmann nicht, aber Williams finde ich auch besser als Morricone, einfach perfekter, vielseitiger, runder. Morricone hat ein Händchen für Dramatik und keine Angst vor Kitsch. Was ich abseits vom Western auch von ihm mag, ist das Thema zu Frantic:
https://www.youtube.com/watch?v=IpQi3DBYuCc

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 09:27                                  +/-

Ja, die Ermahnung geht auch Herrn thanil. Und an dich, wegen Verwendung eines Nicht-Western-Soundtracks Zunge

Morricone hat sich seinen Western-Sound ja auch nicht aus der leeren Luft gezogen. In "Rio Bravo" von 1959 kommt das spanische Stück Deguello vor, das bereits vor Alamo gespielt worden sein soll, um die Belagerten einzuschüchtern. Das klingt schon ziemlich "morriconisch". Und in "Bin ich schön" gibt es eine südspanische Marienprozession (die war echt und wurde guerillamäßig gefilmt), da wird ein getragenes Bläserstück gespielt, das langsam anfängt und sich dann zu gewaltigem Pomp aufschwingt. Da liegen also wohl wichtige Einflüsse. Vielleicht hat er sich gedacht damals, die drehen in Südspanien, da muss ich was schreiben, was zur Landschaft passt, Genre erstmal egal. Die Verwendung von Tier- und Naturgeräuschen hat er laut Interview von John Cage gelernt, da war er Teil einer Improvisationsgruppe in den 60ern.


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Zuletzt bearbeitet von Nichtraucher am 05.03.2019, 10:05, insgesamt einmal bearbeitet
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Nichtraucher
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 10:05                                  +/-

Sicher kam Morricone auch entgegen, dass die Filme damals alles eher B-Movies waren, und die Regisseure seiner Musik viel Platz einräumen konnten. Die Drehbücher waren ja eher lose Scripte. Die waren vielleicht ganz froh, mal zwei Minuten nur Musik zu haben, ohne groß was drehen zu müssen, nur zwei Männer, die umeinander rumschleichen oder jemand reitet über eine Ebene. Teilweise sind die Filmaufnahmen ja eher das Musikvideo zum Morricone-Stück, das in voller Länge gespielt wird. Leone beschrieb Morricone auch mal als Co-Regisseur, denn während seine Stücke liefen, musste Leone nur die Figuren im Rhythmus bewegen, der Ablauf der Szenen wurde von der Musik vorgegeben und stand schon fest.


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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 10:46                                  +/-

Was aber, glaube ich, recht einzigartig bei Morricone ist, zumindest für die damalige Zeit, sind seine extrem anstrengenden und lauten und "hässlichen" Stücke mit "Rumschrei"-Gesang, sowas muss man sich erstmal trauen. Z. B. in Navajo Joe. Ziemlich krasser Scheiß, "Try this as a clock alarm in the mornings" hähö Tarantino hat ein Stück aus dem Film auf Kill Bill gepackt, The silhouette of doom, auch ziemlich dissonant und nervenzerfetzend.

Oder die Hymne für Vamos amatar Companeros, dieser schrille Gesang. Naja, passt halt, im Film wird wohl sehr viel getötet. Auch einer der Revolutionswestern. Kommt auf meinen Radfahrsoundtrack, das pusht das Adrenalin grins Und zur selben Zeit gab es im US-Western halt noch schmalzigen Gesang und Streicherteppiche. Das muss schon ganz schön reingeknallt haben in die Hörgewohnheiten, damals.

Was auch richtig gut knallt, ist das Thema aus Nobody ist der Größte unter Verwendung von "Für Elise", auch ne Mischung. Nachdem er in "Mein Name ist Nobody" Wagner zitiert hat, ist das natürlich nur folgerichtig.

Eine absolute Seltenheit sind Morricone-Stücke mit richtigen Texten, da finde ich das hier interessant, aus La resi di conti. Klingt zuerst ein bisschen bondig, wird dann aber wieder recht schrill und laut, und dann wird auch noch gerappt. Ziemlich abgedreht, aber geil hähö Auch ein guter Wachmacher am Morgen.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 14:00                                  +/-

Jaguttäh, wasn das hier für‘n Thread-Faschismus? Habe mich zu der Aussage pro Morricone hinreißen lassen. Kann zwar aus offensichtlichen Gründen die Filme nicht gucken, aber zumindest die Anspieltipps werden natürlich verfolgt.

Bin ja auch ein großer Fan der Star-Wars- und Indiana-Jones-Töne, ABER John Williams ist mir ansonsten auch einfach zu glatt, zu perfekt, zu „high brow“. Ich mag gerade das dilettantisch anmutende der Morricone-Kompositionen. Das hat viel Herz und Mut zur Lücke. Ich gebe aber wie immer freimütig zu, dass ich von Musik und Komposition keine Ahnung habe. Das is vielleicht MEINE Meinung, Mann.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 15:22                                  +/-

Sorry, ich wollte niemandem den Mund verbieten, nur das Feld einschränken. Das Fass wäre halt sehr groß, würde man es hier öffnen, Morricone hat ja auch noch hunderte von Nicht-Western vertont.

Finde halt faszinierend, was ich hier so an Morricone-Perlen entdecke, bzw. was für Filme Tarantino alles kennt hähö Morricone war aber doch nicht ganz der einzige Komponist hier, Louis Bacalov hat auch einiges gemacht. Z. B. die Musik von The grand duel mit Lee Van Cleef, das Thema hat Tarantino auch für Kill Bill verwendet. Kann man, wie viele alte Western, komplett auf YT schauen, in schauerlicher Qualität.

Soundtracks von Morricone, die ich wohl mir näher anhören muss:

Un genio, due compari, un pollo (Nobody ist der Größte)
La Resa Dei Conti (Der Gehetzte der Sierra Madre)
E per tetto un cielo di stelle (Die (B)Engel lassen grüßen)
Il grande silenzio (Leichen pflastern seinen Weg)
Da uomo a uomo (Death rides a horse)
Navajo Joe (Kopfgeld ein Dollar) Hey, mit Burt Reynolds! Smilie

Und ich muss mal was gegen die Namensverwirrung machen, ich benutze englische, italienische und deutsche Titel durcheinander. Ist aber auch ein totales Chaos, da hat jeder übersetzt, was er wollte, teilweise gibt es mehrere Titel in derselben Sprache für einen Film.


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Warg



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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 16:39                                  +/-

Wenn wir schon über Western-Soundtracks sprechen, dann dürfen natürlich Oliver Onions nicht fehlen. Die Musik zu Vier Fäuste für ein Hallelujah und die rechte und linke Hand des Teufels sind legendär.

Und dabei meine ich noch nicht mal die Haupthemen, sondern auch gerne mal aus so Nebenschauplätzen, wie beim großen Fressen im Restaurant.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019, 17:53                                  +/-

Celebrian
Ich kenne Herrmann nicht


Danke! Hier stellte ich mir vor wie Euse mit den Augen rollte. hähö Bestimmt ein Pionier der Stummfilmzeit den heute keiner mehr kennt ...


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Zuletzt bearbeitet von Tyler Durden am 05.03.2019, 20:49, insgesamt einmal bearbeitet
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