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Hell und Schnell - Lesezirkel
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Wichtel



Beiträge: 18028
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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 07:35                                  +/-

Guten Morgen!!!

In nächster Zeit beschäftigen wir uns hier mit insgesamt 555 komischen Gedichten aus fünf Jahrhunderten. Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer haben sie in diesem Band gesammelt:





Wir beginnen mit dem Ersten Raum, der Ehrenhalle. Walhalla des Witzes: Komische Klassiker, klassische Komik. In ihr befinden sich Werke von den, auf dem Bild versteckten, achtzehn Herren.






Version für Rentner



*hibbel*




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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 13:05                                  +/-

Ja, dann mach mal. Los, ein Gedicht!


_________________
Was hab ich denn getan, dass du mich immer quälst und sagst, du liebst mich nicht??
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Wichtel



Beiträge: 18028
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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 14:28                                  +/-

Gotthold Ephraim Lessing (wer findet ihn?)

Die Sinngedichte an den Leser

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? - Nein.
Wir wollen weniger erhoben
Und fleißiger gelesen sein.



Ja .... äh ... hübsch. Ich kenne nichts von Klopstock, aber seine Biografie klingt so, wie ich sie mir dank Lessing vorstellte.
Die dritte Zeile finde ich gut: Wir wollen weniger erhoben .... erhabenhoben .... das sollten viele Menschen mal gesagt bekommen.

Und weil ich jetzt den Stiefel verstehe, was sie meinte "man kann ja auch nicht zu jedem Gedicht was sagen" lese ich gleich mal weiter. Das Folgende gibt alleine schon von der Länge mehr her. Ist allerdings von Göte. Gegen den habe ich eine klitzekleine Aversion, weil ich mit ihm lesen lernen musste, weil ich ihn falsch schrieb. Aber seine Gedichte sind in Ordnung. Größtenteils. Balladen konnte er besser, aber das hier ist ja komisch, nicht tragisch.

Rezensent

Da hatt`ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt`just mein gewöhnlich Essen,
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt`.
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen
Über mein Essen zu räsonieren:
"Die Supp`hätt`können gewürzter sein,
Der Braten brauner, firner der Wein."
Der Tausendsakerment!
Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent.



Goethe kennt ja nichts, drückt sich so gewählt aus, wie es jeder in seiner guten Stube tut. Draußen weniger, da reißt man sich ja am Riemen, aber zu Hause, da schimpft und flucht man ja schon mal recht gerne und über die Maßen. Das gefällt mir.
Und dann noch über eine menschliche Eigenart sich so öffentlich zu beschweren ..... *grins*

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sphinx



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 14:39                                  +/-

mich deucht, da wird jemand einfach nicht gern kritisiert.... hähö


_________________
worauf wartet ihr noch? stopft euch den schmuck
in die busen, den büchsenöffner, das cembalo,
bietet der nemesis eine pauschale an
und packt! die vergütungen ein,
die gasmaske und den unterleib!
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Gymnopédies



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 18:27                                  +/-

mehr! weiter!


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Traveller, there is no path;
Paths are made by walking
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MetkrugSturmtief



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 18:54                                  +/-

Goethe hatte übrigens Höhenangst, da hätte das weniger erhoben sein wollen auch gut zu ihm gepaßt.
Er hat sich aber dann doch selbst aus dem Sessel erhoben und auf dem Straßburger Münster gegen die Angst gekämpft.



Ansonsten: Was kann denn der arme Rezensent dafür, wenn ihn der Teufel abführt.Echt schlimm

Klopstock scheint ja gar nix lustiges geschrieben zu haben. Wenn man schon ein Eingangsgedicht wählt, das ihn erwähnt, hätte man doch auch eins von ihm mit reinpacken können, oder?
Muß Herr Klopstock noch ein bißchen erhoben und ungelesen bleiben. Pech gehabt.

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sphinx



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 20:13                                  +/-

das beste an kloppstock ist sowieso hölderlin. hähö


_________________
worauf wartet ihr noch? stopft euch den schmuck
in die busen, den büchsenöffner, das cembalo,
bietet der nemesis eine pauschale an
und packt! die vergütungen ein,
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Alex



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 22:49                                  +/-

Gleich beim dritten Gedicht scheiden sich die Geister – mein Geist jedenfalls. Oder mein Geschmack. Der findet nämlich, daß Heinrich Heines Mein Herz, mein Herz ist traurig ... kein "komisches Gedicht" ist. Manchen mag die Gegenüberstellung der suizidalen Gefühle des der Heimat entfremdeten Ich-Erzählers mit dem fröhlichen Treiben um ihn herum vielleicht komisch vorkommen – mir nicht. Ich empfinde das Gedicht als tragisch, nicht komisch oder humorvoll.

Heinrich Heine – Die Heimkehr (1823)

Mein Herz, mein Herz ist traurig,
doch lustig leuchtet der Mai;
ich stehe, gelehnt an der Linde,
hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
ein Knabe fährt im Kahne,
und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
in winziger, bunter Gestalt
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
und springen im Gras herum:
das Mühlrad stäubt Diamanten,
ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
ein Schilderhäuschen steht;
ein rotgeröckter Bursche
dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
die funkelt im Sonnenrot,
er präsentiert und schultert -
ich wollt, er schösse mich tot.



Außerdem haben Gernhardt & Zehrer den Titel unterschlagen.

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Arbrandir



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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 22:59                                  +/-

Steht dieses Gedicht tatsächlich im Hell und Schnell-Band? Mann, is' ja voll krass.



Warum verschenke ich auch Dinge, die ich selbst nicht kenne...?!? *hader*


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Life is hard. After all, it kills you.
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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 10.02.2006, 23:21                                  +/-

Der volksliedhafte Ton, der nicht mehr ganz geläufige Konjunktiv "schösse", die Schulweisheit, daß Heine ja immer irgendwie spöttisch drauf ist - und schon haben wir ein vermeintlich komisches Gedicht... Jedenfalls wären das die Gründe, die mir einfallen. *spekulier*

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 00:55                                  +/-

Warum heißt das Buch "Hell und schnell"?


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 01:25                                  +/-

Wieso heißt Du so, wie Deine Eltern Dich nannten?


Auf dem Klappentext steht, dass "mehr als zweihundert weitere helle und schnelle, ... Dichter, Liedtexter, Sprachspieler und Parodisten." drin sind.
Innen steht, dass es aufhellen soll über den doch vorhandenen Humor der Deutschen.



Zuletzt bearbeitet von Wichtel am 11.02.2006, 11:05, insgesamt einmal bearbeitet
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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 02:25                                  +/-

@Alex
Zum Titel: Wie man es nimmt. Die Heimkehr ist ja irgendwie zyklisch, wenn ich mich recht entsinne. Müsste aus dem "Buch der Lieder" sein. Und das Mein Herz ist eines der ersten fünf. Glaube ich.

Egal.

Mein Herz, ... ist vielleicht nicht komisch, aber ironisch schon. Finde ich. Tragisch hingegen finde ich es weniger. Vielleicht noch, dass das Ich gerne sterben würde, aber so besonders ernst klingt das nicht.
Er steht über allem, schaut auf alles herab, er nimmt es also alles nicht so ernst. Beobachter ist er, in meinen Augen ein wenig ironisch. Lustig leuchtender Mai. Mädchen, die bei schwerer Arbeit (Bleichen) herumspringen. Menschen und Ochsen im selben Atemzug. Freundliche Lusthäuser. Dieser Soldat, der mit seiner Waffe spielt ... für wen stolziert er denn? Für sich?

Und: Wer beim Angeln pfeift .... hat sie nicht mehr alle.

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Arbrandir



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 04:59                                  +/-

Wetterhexe
Er steht über allem, schaut auf alles herab, er nimmt es also alles nicht so ernst. Beobachter ist er, in meinen Augen ein wenig ironisch. Lustig leuchtender Mai. Mädchen, die bei schwerer Arbeit (Bleichen) herumspringen.

Er ist von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Beobachtet von außen das, an dem er keinen Anteil mehr hat, inklusive der "Lusthäuser in bunter Gestalt".


Zitat:
Menschen und Ochsen im selben Atemzug.

Lustig? Oder verbittert?


Zitat:
Dieser Soldat, der mit seiner Waffe spielt ... für wen stolziert er denn? Für sich?

Kann schon sein. Darauf kommt es nicht weiter an. Das lyrische Ich wünscht sich jedenfalls, dieser "rotgerockte Bursche" würde nicht einfach nur eitel mit seiner Waffe hantieren, sondern sie auch dazu benutzen, ebendieses Ich zu töten.

Vom Idyll zur harschen Realität. Von der von außen betrachteten Spielzeugstadt zur ernstzunehmenden Aktion.


Zitat:
Und: Wer beim Angeln pfeift .... hat sie nicht mehr alle.

hmmmm


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 10:59                                  +/-

Arbrandir
Zitat:
Und: Wer beim Angeln pfeift .... hat sie nicht mehr alle.

hmmmm

Den hmmmm blick ich nicht.

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Celebrian
Katen-Löwin


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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 13:21                                  +/-

(Zur Sicherheit vorweg: Mir wurde hinterbracht, mein obiges Posting sei mißverständlich. Es sollte Alex und Arbrandir zustimmen, ich finde das Gedicht auch nicht lustig.)



Zitat:
Dieser Soldat, der mit seiner Waffe spielt ... für wen stolziert er denn? Für sich?

Hm, für sich selbst stolzieren Soldaten doch in seltenen Fällen, würde ich sagen. Das Ich steht doch auf einer Bastei? Vermutlich gibt es da irgendwelche Wachtürme, die irgendein deutscher Kleinfürst bemannt hat. Insofern gehört der Soldat einfach in das Stadtbild, das im Laufe des Gedichts entsteht.


Zitat:
Und: Wer beim Angeln pfeift .... hat sie nicht mehr alle.

Wer beim Angeln pfeift, ist glücklich. Er angelt offensichtlich nicht, weil er dringend einen Fisch braucht, sondern weil er gern faul im Kahn herumliegt und das Wasser glucksen hört.



Vor allem mit dem Titel kommt mir das Gedicht wirklich abgründig vor, da kehrt einer heim, aber alles ist fremd und fern. Es ist nicht einmal mehr sehnsuchtsvolles "Ach, könnte ich noch dazugehören", er ist schon einen Schritt weiter, dieser Wunsch kann nicht mehr in ihm wachwerden, dazu ist die freundliche Welt zu fremd geworden.



Wenn Robert Gernhardt heute das Gedicht geschrieben hätte, wäre es eine Parodie auf einen Weltschmerzjüngling. Aber Heine damals... ich finde, da wären schon deutlichere Signale nötig gewesen. Etwa im Stil von "Das Fräulein stand am Meere".



Zuletzt bearbeitet von Celebrian am 12.02.2006, 02:03, insgesamt einmal bearbeitet
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Alex



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 13:32                                  +/-

Nichtraucher
Warum heißt das Buch "Hell und schnell"?

Das bezieht sich auf den dem Buch als Motto vorangesetzten Text auf Seite 4:

Ich habe nur eine Bitte: Sollte (was ja immerhin möglich wäre) in Ihrem Aufsatz das Wort Blödsinn oder Stumpfsinn, wenn auch noch so glänzend epithetiert, vorkommen, so ersetzen Sie es meinethalben durch Wahnwitz oder Tollheit oder dergleichen; da Sie es wahrlich begreifen werden, daß es auf die Dauer nicht angeht, einen Humor, dessen vielleicht einziger Vorzug gerade in einer gewissen Art von Geistigkeit, von Helligkeit und Schnelligkeit besteht, mit diesen zwei üblen deutschen Philister- und Bierbankausdrücken, in denen sich, wie Sie hieraus erraten, die Mehrzahl meiner "Kritik" gefällt, abzustempeln.

Christian Morgenstern
Antwort an einen Redakteur (1910)



Zuletzt bearbeitet von Alex am 11.02.2006, 17:10, insgesamt einmal bearbeitet
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Alex



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 14:02                                  +/-

Wetterhexe
Mein Herz, ... ist vielleicht nicht komisch, aber ironisch schon. Finde ich. Tragisch hingegen finde ich es weniger.

"Ironisch" kann man über Heines Gesamtwerk drüberschreiben, das betrifft seine heiteren, ernsten und traurigen Werke, die lauten wie die leisen Töne. Und nur zu oft geht er in einem Vierzeiler von Heiterkeit zu Trauer über.

Man sollte vielleicht nicht unberücksichtigt lassen, was Zehrer auf den Seiten 503-521 unter der launigen Überschrift "Die Stiftung Lyriktest informiert" über den Auswahlprozeß dieser Gedichte erzählt. Wie sich die beiden Herausgeber – die an sich schon einen recht ähnlichen Humorgeschmack haben müssen – in Streitfällen arrangiert haben.

– Also, das von Heinz Erhardt hier ist ja wohl schon mal total daneben.
– Wieso? Ich find's lustig!
– Ich bitte dich: "Müllirallala, Müllirallala!" Das ist schlechter als Kabarett.
– Ach was, schau doch nur: "Wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen" – Spitzenwortspiel! Spitzengedicht! Eins meiner liebsten! Wenn das nicht reinkommt, schrei ich.
– Okay, okay, aber dann nehmen wir zum Ausgleich noch einen Schwitters.
– Oh Gott, Schwitters, der alte Pfuscher.
– Und zwar das vom Fischgerippe. Das ist nun wirklich Weltklasse.
– Naja, wenn's uuunbedingt sein muß ...
– Ja. Muß. Unbedingt. (schriller Pfiff) hehe ... genial!


Vielleicht verdankt Heines Mein Herz, mein Herz ist traurig seine Aufnahme einer gewissen Betriebsblindheit der beiden Herausgeber/Auswähler. Wenn man anderthalb Jahre lang aus einem Meer an komisch gemeintem Dichtwerk das tatsächlich Komische zu fischen versucht, und das nur nach dem eigenen Geschmack, dann dürfen einem schon ein paar Mißgriffe unterlaufen. Es ist ja auch ein Machwerk der "singenden Herrentorte aus dem Ruhrgebiet" in das Buch geraten.

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titania



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 14:26                                  +/-

Celebrian
(Zur Sicherheit vorweg: Mir wurde hinterbracht, mein obiges Posting sei mißverständlich. Es sollte Alex und Arbrandir zustimmen, ich finde das Gedicht auch nicht lustig.)

Fand ich nicht. Ich hatte das genauso verstanden.


Zitat:
Vor allem mit dem Titel kommt mir das Gedicht wirklich abgründig vor, da kehrt einer heim, aber alles ist fremd und fern. Es ist nicht einmal mehr sehnsuchtsvolles "Ach, könnte ich noch dazugehören", er ist schon einen Schritt weiter, dieser Wunsch kann nicht mehr in ihm wachwerden, dazu ist die freundliche Welt zu fremd geworden.


Ist das nicht ein vorherrschender Teil Heines? Dieses "Nirgends Dazugehören", überall fremd zu sein?


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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 15:08                                  +/-

Vielleicht wollten die beiden Herren Autoren ja aber auch gerade am Anfang etwas schockieren, bzw an den Kontrapunkt des allzu Komischen erinnern, ohne den die Heiterkeit ja gar nicht exisitieren kann. Auch einige Gedichte weiter kommen erst mal recht makabre Sachen. Hell und schnell heißt offensichtlich nicht, nicht existentiell…


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Wichtel



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 15:32                                  +/-

Ich habe nicht gelesen, was die Autoren so zu den Gedichten und zu ihrem Entscheidungsprozess schrieben. An sowas gehe ich lieber unbeeinflusst.


---

Das nächste ist mein absoluter Heine-Favorit. :Herzchenaugen:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

"Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."

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Alex



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BeitragVerfasst am: 11.02.2006, 18:14                                  +/-

Das Fräulein stand am Meere ... ist zeitlos, keine Frage. Allerdings hat Heine noch mehr zu bieten und in den nächsten Sälen folgt auch noch einiges davon.

Wetterhexe
Ich habe nicht gelesen, was die Autoren [eigentlich sind es die Herausgeber] so zu den Gedichten und zu ihrem Entscheidungsprozess schrieben. An sowas gehe ich lieber unbeeinflusst.

Das ist in Ordnung; schließlich steht dieses Kapitel ja auch am Ende und nicht am Anfang des Buchs. Aber nachdem ich alle sechs Hallen durchwandert (oder vielmehr durcheilt) hatte, mußte ich auch dort noch reinlesen. Ich hoffe, du nimmst mir nicht übel, daß ich daraus zitiert habe.

Ich wollte wissen, was Zehrer (& Gernhardt, den ich in den Zehrer'schen Text mit hineinimpliziere) über die erste Halle zu sagen haben (Achtung Wetterhexe: hier nicht weiterlesen, wenn du unbeeinflußt bleiben willst):

Nach Abschluß der hart, aber jederzeit fachgerecht geführten Verhandlungen blieben genau 555 Gedichte übrig, die für geeignet erachtet wurden, die komische deutschsprachige Dichtung würdig zu repräsentieren. Einige von ihnen tun dies längst. Immer wieder, zum Teil schon seit Generationen, findet man sie in Sammelwerken, Zitatensammlungen, Schulbüchern und auf Kalenderblättern nachgedruckt, ihre prägnantesten Passagen haben sich zu kurrenden Spruchweisheiten verfestigt, kurz: sie sind in den festen Bestand des Allgemeinbildungsguts eingegangen. Den 25 musterhaftesten Werken der komischen Lyrik deutscher Zunge haben die Herausgeber eine Ehrenhalle errichtet. Mindestens dieses Viertelhundert Gedichte sollte jeder Gebildete auswendig können (der Rest des Buchs ist fakultativ). Aber sind sie auch besonders komisch? Da die meisten der hier gerühmten Dichter an anderer Stelle mit weniger landläufigen Proben ihres Schaffens vertreten sind, kann jeder Leser die Frage für sich selbst beantworten.

So. Ich beschränke mich zunächst einmal auf die Feststellung, daß ich nicht zu den Gebildeten (sensu Gernhardt/Zehrer) gehöre. Über Sinn oder Unsinn dieser 25er-Auswahl und über die Frage Aber sind sie auch besonders komisch? kann man vielleicht besser am Ende dieser Halle diskutieren.

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