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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 07.03.2006, 05:23                                  


Ü-60-Coverart

Johnny Cash, The man comes around, revisited

1. The man comes around
Düsteres Endzeitdrama. Die Offenbarung des Johannes + Johnny Cash, das wird nicht lustig. Die Apokalypse kommt und niemand kann etwas dagegen tun. Der Text ist religous as hell (Holden Caulfield), aber doch distanziert genug, um auch zwischen den Zeilen lesen zu können. Johnny war kein Fanatiker, er phantasiert nicht von der Vernichtung der Ungläubigen im eitlen Bewusstein, zu den wenigen Auserwählten zu gehören, wie es Vertretern unangenehmer fundamentalistischer Denkrichtungen zu oft zu eigen ist. Nein, wir alle sind Sünder und werden gerichtet werden, ABER, wir können bis dahin so leben, wie wir es für richtig halten. Dann wird man sehen.
Der Song zeigt gut, was ich an seiner Musik prinzipiell schätze: Einfachheit. Am Ende der ersten Strophe kommt eine Akkordwechsel, die Gitarre fällt mehrere Oktaven oder wie man das nennt nach unten, synchron zu den Worten "and a golden ladder reaching down..", dieser Akkordwechsel beschert mir jedes mal eine Gänsehaut, was noch so ausgetüftelte Gitarrensoli nicht schaffen. Boom boom boom... ER wird kommen und wir haben ausgeschissen, aber gut... so läuft's halt. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, ect.
Grandios. Wuchtig, final, furchtbar, aber nicht bösartig oder rechthaberisch. Die Aussage, die ich sehe: Schau, was du mit deinem Leben machst, denn zu schnell ist es vorbei und dann wirst du dich eventuell dafür rechtfertigen müssen, vor wem auch immer. Vielleicht nur vor dir selber, aber wäre das so beruhigend? Ein ganz großes Lied, das eine ganz große Scheibe eröffnet Spitze

2. Hurt
Gleich an zweiter Stelle das beste Stück der Scheibe, finde ich. Ein Vermächtnis, ein Testament, geschrieben mit Noten und dürren Worten. Die nicht mal von ihm sind, sich aber so anhören. Jedes Wort passt, wie könnte man daran zweifeln, dass Johnny "had seen it all"? - "What have I become, my sweetest friend? Every one I know goes away in the end.." Gruslig. Johnny hatte sicher den Großteil seines Bekanntenkreises überlebt, inklusive seiner Frau. Ein ganzes Leben, in die dürre Zeilen eines Rockcovers(!) gepresst. Das Video sagt alles, das einzige Musikvideo, dass mich je zu Tränen rührte Traurig

3. Give my love to rose
Ein älteres, klassisches Country-Stück. Eine Erholung nach den beiden ultradüsteren Openern. Reichlich kitschig, und auch wenn es um Tod und ewige Liebe geht, berührt es mich nicht in dem Maß wie seine Vorgänger. Erinnert mich immer etwas an den Superheuler "Tell Laura I love her", und dann ist schnell Schluss mit der Ergriffenheit, denn dann wiederum muss ich an eine Szene aus "High fidelity" denken und dann bin ich ruckzuck bei Jack Black, und dann isses schnell Essig mit der ewigen Liebe...

4. Bridge over troubled water
Doch diese leichtfertige Stimmung ist schneller vorbei, als man "Vogelgrippe" keuchen kann. Johnny nimmt ein altes, grenzpeinliches Hippie-Lied aus bester, THC-geschwängerter Friede-Freude-Eierkuchenzeit und macht es sich zu eigen. Als würde er einen Kiesel am Strand aufheben und in seinen mächtigen Pranken drehen und wenden und überlegen, was man daraus wohl machen könnte.. Und dann singt er es einfach, den ganzen kitschig-christlichen Text, und jedes Wort klingt so.. wahr. Ein Lied, dass einen Menschen dazu treiben könnte, an Gott zu glauben. Was Simon & Garfunkel vor 30 Jahren schrieben, in welcher Stimmung und Absicht auch immer, wird zu einem ruhigen, aber unerschütterlichen Bekenntnis zum Glauben. Ein Glauben, den ich nicht teile, aber in dieser Form genieße und respektiere. Oder wie mein Religionslehrer sagte: "Der Glaube ist wie ein Messer. Man kann damit Menschen töten oder ihre Fesseln durchschneiden."

5. I hung my head
Wieder ein Cover, glaube ich. Egal. Was Johnny singt, ist Johnny. Er nimmt von jedem Song derart Besitz, dass ich Angst hätte, ihn meine Sachen covern zu lassen, wäre ich Musiker. Es könnte mich beschämen. Dass ich nicht diese Tiefe in meinen eigenen Worten zuvor gefunden habe, z.B. Grandios, in welch knappen Worten hier eine komplette Geschichte erzählt wird: ein Junge geht raus, mit dem Gewehr seines Bruders, halt mal so rumspielen. Natürlich erschießt er aus Versehen jemanden. Und büßt dafür, dabei wollte er das doch nicht, das Gewehr ging einfach los. Aber ein Mann muss nicht nur tun, was ein Mann tun muss, er muss auch für das einstehen, was er getan hat, ohne es zu wollen. Puh...

6. The first time ever I saw your face
Ein sehr langsames, elegisches Liebeslied. Johnny wird weich. Er besingt die Liebe seines Lebens und jedes Wort klingt wahr und echt. Allerdings muss ich wohl noch 35 Jahre älter werden, bevor ich die Liebe meines Lebens mit einem so getragenen und düsteren Lied beglücken würde. Das richtige Lied fürs Totenbett, der Rückblick auf ein gemeinsames Leben. Gänsehaut auch wieder hier, aber nichts für ein romantisches erstes Date Geschockt

7. Personal Jesus
Ich kenne das Depeche Mode-Original nicht, aber kann es mir auch gar nicht vorstellen. Zu weit scheinen Cash und die super-stylischen 80er-Popper auseinander zu liegen. Ein größerer Gegensatz scheint kaum denkbar. Das ist, als ob Marylin Manson John Denver covern würde... die Ärzte Hans Albers.. Rammstein Tokyo Hotel...obwohl? Und wieder: es klingt, als hätte Johnny es gerade eben erst auf eine Serviette gekritzelt, es MUSS von ihm sein, dieser Disput mit Jesus, die Einsamkeit, das Ringen mit sich und dem Glauben und der Welt... ich frage mich, ob er am Ende seines Lebens wirklich auch solche Musik gehört hat oder ob es an ihn herangetragen wurde. Ich mein', Johnny Cash covert Depeche Mode! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

8. In my life
Johnny Cash covert die Beatles, schon weniger abwegig. Und hier wieder ähnlich wie in "Hurt" der Effekt, dass der Text viel besser auf ihn zu passen scheint als auf den Songwriter selber. Der 20-, 30-jährige McCartney mag gesungen haben, "All these places I remember, all my life, though some have changed, some forever, not for better, some are gone and some remain.." und er hat es sicher auch so gemeint, aber wenn der 70-jährige, todkranke Cash, mit einem Gesicht wie Mount Rushmore das singt, "All these places have their moments, with lovers and friends I still can recall. Some are dead and some are living, in my life I loved them all...", dann bekommt das noch noch mal ein ganz anderes Gewicht. Cash nahm sich einfach die Songs, die seine Gefühle am besten ausdrückten und es schien ihm bumsegal zu sein, wer sie einst schrieb, ob Superstar oder Nischenmusiker. Ein ganz, ganz großes Cover, ohne das grandiose Original in irgendeiner Weise schmälern zu wollen. Ich bin sicher, Paul hat geweint, als er es gehört hat Yes

9. Sam Hall
Johnny, so wie man in Erinnerung hat: derb, rotzig, rebellisch. Die letzen Worte eines zum Tode Verurteilten an seine Henker, scheiß der Hund drauf, ich gehe, ihr bleibt, aber bildet euch bloß nichts drauf ein! Damn your eyes, my name is Sam Hall, Sam Hall! Ein ganz klassisches, gradliniges Countrystück in Tradition seiner alten Hits wie "Folsom prison blues", "San Quentin", "25 Minutes to live" ect. Und hier, noch einmal, bekommt seine Stimme dieses leicht Überschlagende, atemlose, wie man es aus den 60ern kennt. Damn your eyes!

10. Danny boy
Im Anschluss wird's mal wieder getragen. Oh nein, "The man comes around" ist kein Stimmungsalbum Echt schlimm
Mit dem irischen Folksong "Danny boy" singt Cash sowas wie sein eigenes Requiem, eine gewichtige Kirchenorgel schafft den nötigen Background. Die reduzierte Melodik irischer Volksmusik passt hier sehr gut zum sparsamen Arrangement. Johnnys Stimme trägt allein den ganzen Song, muss Höhen und Tiefen ohne jede melodische Begleitung allein ausloten, ganz auf sich gestellt. Das Ganze ist auch schnell vorbei, ein kurzes, gradliniges Stück Musik aus der alten Welt, mal eben eingenommen und interpretiert von einem Mann aus Arkansas. Auch wenn man weiß, wie herzzereißend irische Volksmusik sein kann, keine schlechte Leistung. Cash kannte wenig Berührungsängste, was Musikstile anging.

11. Desperado
Ein klassisches und eigentlich furchtbar kitschiges Cowboystück, wieder ein Cover, wenn ich nicht irre. Und hier versucht Cash gar nicht, seine Country-Wurzeln zu verbergen, hier dürfen auch schon mal Backgroundsänger mit einstimmen, die Country-Gitarre swingt, der Gesang schraubt sich in nicht mehr möglich gehaltene Höhen, aber Schnickschnack bleibt außen vor. Ein Lagerfeuerstück, mit genau dem Country-Touch, den es braucht. A warm campfire, a hot cup of coffee, and a good smoke...und irgendwo heult ein Kojote...

12. I'm so lonesome I could cry
Ein Hank Williams-Cover, sehr grenzwertig. Das typische, wohl unvermeidliche Country-Ich-bin-so-allein-und-unglücklich-Rührstück. Johnnys Stimme bewahrt das Stück vor Peinlichkeit, aber für mich ist es dennoch das schwächste Stück (was auf einer solchen CD noch nicht so viel zu sagen hat). Jaja, Liebeskummer ist schlimm. Nick Cave singt mit, aber ich muss sagen, ich find ihn schnell etwas "over the top"... Cave neben Cash in einem Song, das ist, als würde man sich einen BMW Roadster kaufen und dann damit bei der Formel 1 mitfahren. Irgendwie sinnlos.

14. Tear stained letter
Gradlinig geht’s auch weiter, wieder ein gutes altes Country-Stück, ein Cash-Stück. Erinnert an lang zurückliegende Zeiten und warum auch nicht? Die Gitarren treiben den Rhythmus voran, Johnny erzählt seine Geschichte, ein verstimmtes Klavier klimpert, und dann ist es auch schon wieder vorbei. Minutenschinderei konnte man Johnny nun wirklich nicht vorwerfen.

15. Streets of Laredo
Schließt an seine Vorgänger an, ein Lied aus jüngeren Tagen. Kraftvoll, wenn auch reduziert interpretiert. Ein Mann und seine Gitarre, was braucht es mehr? Wieder eine schnörkellos erzählte Geschichte, Männer und Waffen und eine raue, untergegangene Epoche.. Cash zeigt, dass er noch alles drauf hatte, er hätte jederzeit noch den Titelsong für einen John Ford-Western einspielen können, nur dass der schon lange tot ist. Aber da kann ja Johnny nichts für.

16. We'll meet again
Die Überraschung kommt am Schluss: ein beschwingtes, swingendes Stückchen, Musik für Verliebte. Die Gitarren schnurren, eine Klarinette(?) umschmeichelt die Reibeisenstimme des Meisters.. man sieht fast die Jungs in Unterhemden in einem Wohnzimmer in Arkansas sitzen und zusammen swingen, während jemand für kaltes Bier sorgt. Sehr, sehr old-fashioned und überraschend fröhlich und leichtherzig. Interessant, dass die Scheibe gegen Ende immer leichter und heiterer wird. Was wollte uns Johnny damit sagen?

We'll meet again... ja, wenn's mal so gewesen wäre... The man comes around war die letzte Platte, die zu Johnny Cashs Lebzeiten erschien und hier als letztes Lied gewinnt diese leichte Weise natürlich noch mal ziemlich an Gewicht. Von dem man sich aber nicht erdrücken lassen sollte. Noch bis zu seinem Tod hat Cash an einem neuen Album gearbeitet, er hatte noch was zu sagen. Kam nur nicht mehr dazu. Auf jeden Fall kann ich mir kein besseres Vermächtnis vorstellen als ein Album wie "The man comes around" zu hinterlassen, ein Querschnitt durch eine Epoche, in Stein oder zumindest in Bits und Bytes gemeißelt.

Ich freu mich schon auf die anderen drei "American Recordings"-Alben Smilie


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 07.03.2006, 11:05                                  +/-



Die Alben (sind nicht mit Elfen gleichzusetzen) werden in der Snorri-Edda (welche um das Jahr 1200 verfasst worden ist und als jüngere Edda gilt) häufig im Zusammenhang mit dem nordischen Göttergeschlecht der Asen erwähnt. Er unterscheidet zwischen Licht- und Schwarzalben, Namen, die stark deren Gesinnung widerspiegeln. Später kommen noch die Dunkelalben hinzu, was eine eher negative Mischform jener beiden ist.

Bei anderen Autoren besteht eine Hierarchie, bei welcher die Asen an oberster, die Alben an zweiter und die Zwerge an letzter Stelle stehen.

Wieder andere stellen die Alben in die Nähe der Zwerge, da álfr in der Tat ein Wortteil einiger Zwergennamen ist, z. B. Álfr, Gandálfr, Vindálfr, etc. Der Zwerg Alberich aus dem Nibelungenlied ist ein gutes Beispiel. Das englische Wort für Zwerg, Dwarf stammt von Dwarftalf, was Schwarzalb bedeutet. Nur ein Autor stellt Alben in die Nähe der Riesen.

Eine dämonische Seite der Alben liegt im Wort Hexenschuss, welches eine Übertragung des älteren Ausdrucks Albenschuss ist, sowie dem heute noch gebräuchlichen Wort Albtraum.

Es gibt jedoch wesentlich mehr positive Stellungen der Alben als negative. In der Heldensaga von Wieland dem Schmied wird Wieland als Führer und Landsmann der Alben bezeichnet, was mit seiner Kunstfertigkeit als Schmied zu tun hatte. In der Ahnenreihe des Königs Harald Schönhaar treten auch vom Begriff Alben abgeleitete Namen auf (Álfr, Álfgeirr, Gandálfr, Álfhild). Diesbezügliche Quellentexte weisen darauf hin, dass Alben als die schönsten Menschen bezeichnet werden. Nach Snorri sind die Lichtalben „schöner als die Sonne von Angesicht“. Álf war lange als Namensteil bei nordischen Namen häufig. Die altenglische Dichtung verwendet ælfsciene als albenschön für wunderschön. Ein Kenning bezeichnet die Sonne als Albenrad.

Snorri unterteilte die Alben in Lichtalben, Dunkelalben und Schwarzalben, wobei er Zwerge mit den letzteren gleichsetzt, die in Svartálfaheimr wohnen. Die Lichtalben beheimatet er in Álfheimr und die Dunkelalben in den Höhlen unter der Erde. Schon die Brüder Grimm wiesen darauf hin, dass die Unterteilung Snorris verdächtig dem Dualismus des christlichen Weltbildes von Engeln und Teufeln gleichsehe. Christliche Einflüsse sind auf jeden Fall nicht auszuschließen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass dieser Gegensatz der Licht- und Dunkelalben aus einem anderen Toten- und Fruchtbarkeitskult kommt. Dies jedenfalls findet sich in angelsächsischen Quellen.

Heute soll diese Form des Albenglaubens noch in Island verbreitet sein.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 08.03.2006, 23:40                                  +/-



Solitary man ist übrigens fast genauso gut wie "A man comes around" Yes Aber damit verschon ich euch für heute, ich würde mich auch wiederholen. Ich sag nur, "I see darkness"!*gänsehaut*

Das U2-Cover "One" ist auch nicht ohne. Die haben ja richtig tolle Lieder gemacht.. hätten mal öfter jemanden covern lassen sollen.

Die beiden anderen American-Recordings-Alben "Unchained" und "American recordings" sind nur unwesentlich schwächer, etwas countryger. Ich stelle fest, ich mag seine Rockcover besonders gerne. Würde er noch leben, würde ich eine Liste mit Covervorschlägen zusammenstellen und ihm schicken, er war ja sowas wie eine Rockstück-Veredelungsanlage.


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hatata



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BeitragVerfasst am: 11.03.2006, 20:43                                  +/-

Zitat:
16. We'll meet again
Die Überraschung kommt am Schluss: ein beschwingtes, swingendes Stückchen, Musik für Verliebte. Die Gitarren schnurren, eine Klarinette(?) umschmeichelt die Reibeisenstimme des Meisters.. man sieht fast die Jungs in Unterhemden in einem Wohnzimmer in Arkansas sitzen und zusammen swingen, während jemand für kaltes Bier sorgt. Sehr, sehr old-fashioned und überraschend fröhlich und leichtherzig. Interessant, dass die Scheibe gegen Ende immer leichter und heiterer wird. Was wollte uns Johnny damit sagen?

Meine lange Antwort wurde grade vom Browser gefressen, daher nochmal kurz:
Hier muss ich auf jeden Fall widersprechen. Der Song ist ganz klar ein Abschiedslied und die warmherzige Stimmung passt zum Tode, nicht zu "Unterhemden und Bier", zumindest nicht in der Art und weise, wie Du es dargestellt hast: leicht und heiter. Die Leichtherzigkeit im Angesicht des Todes - viel bedeutungsschwangerer und ja, mal wieder, auch christlicher, gehts doch kaum. Ich zitiere mal aus dem Kopf (ist schon länger her, daß ich das gehört habe, daher bitte nicht steinigen): "And will you please say hello, to all the folks that I know - tell 'em, that I won't be long, And they'll be happy to know, that as you saw me go, I was singing this song." Letzter Titel letztes Album. Bridge over troubled water - some sunny day - könnte man fast sagen. (Das war jetzt bestimmt sehr wirr, weil pro Satz ein Destillat aus ca zehn, aber so be it.)
Auf jeden Fall ein großes Album, ich sach nur (ebenfalls aus dem Kopf): "And behold! a pale horse, and its name, which stood on him, was death. And hell followed him."


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 24.03.2006, 22:08                                  

Ich kann es nicht leiden, wenn man mir widerspricht, deshalb hab ich dich erstmal negativ gerankt.


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Fîr



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BeitragVerfasst am: 25.03.2006, 16:50                                  



Tori Amos - Boys for Pele

"Boys For Pele ist das dritte Album von Tori Amos. Es erschien 1996 als Nachfolgealbum von Under The Pink. Mit Pele ist die hawaiianische Vulkan-Göttin (Mount Kilauea) gemeint. Tori Amos legt ein kompromissloses Album vor, auf dem sie neben dem obligatorischen Bösendorfer Flügel auch Cembalo , Harmonium wie auch Clavichord spielt.

Das Album handelt von dem Feuer, welches sie diversen Männern in ihrem Leben stahl und dem Weg ihre eigene Leidenschaft zu entfachen. Es ist als kontinuierliche Geschichte angelegt, die novellenartig eine Entwicklung anzeigt. Es geht dabei um überwältigende Begierden und Bedürfnisse sowie Liebe. Das Erkennen der eigenen Bedürfnisse spielt für Tori Amos eine wichtige Rolle für die Frauwerdung. Aus ihrer Sicht kann die Jungfrau Maria keinesfalls ein Vorbild für eine Frau sein.


Boys for Pele verkörpert für mich Tori Amos schlecht hin. Es gibt kein anderes Album, das so intensiv und schmerzvoll und märchenhaft ist. "From The Choirgirl Hotel" vielleicht, aber damit kann ich mich eben nicht ganz so identifizieren. Eine verlorene Liebe hat fast jeder schon erlebt, eine Fehlgeburt nicht. (Darum handelt "From the Choirgirl Hotel"-). Wenn es ein einziges Tori Album gäbe, das ich nur besitzen dürfte, dann würd ich dieses nehmen.
Die Songs sind fast alle einfach "groß" oder "stark" oder wie immer man das nennen sollte, da steckt Kraft dahinter. Solche Kraft, die nur aus großem Schmerz entstehen kann. Es ist perfekt, von vorne bis hinten. Oft wird es als Tori's "dunkelstes" Album beschrieben und sicher stimmt das auch, aber ich mag es gerade wegen dem spielerischen, verspielten, was ich darin höre.


1.Beauty Queen/Horses


"I want to capture the frequency. When you hear Beauty Queen, you are hearing this girl in that moment: She’s standing in that bathroom, watching those girls put on that lipstick. I don’t want us to be talking to her 15 minutes later about what she realized in that bathroom. I want her to go back to that moment in the bathroom: It’s white. It’s that funny fluorescent light. It’s that tile, with the green crud in between. It’s those old toilets with the beautiful handles. You can hear the sound of the water dripping. Time doesn’t exist in that moment. I wanted you to feel that kind of swimming, where you’re almost coming back from 15 feet under water, and you’re coming up, and you’re almost up. That’s what it’s like in that bathroom, when you’re looking and you’re realizing what’s really going on at your table. That’s what I want to catch. This is not a confident girl. You are not at acceptance level. You are in her brain, getting triggered. The little windshield wipers are going, and you’re starting to see it from the other side. [You want to bring that moment...] ...always onto the tape. Every time you hear it, that girl is in the bathroom, putting on that lipstick. Every time."
-- Tori; Musician, May 1996

"The record begins with the horses from "Winter" coming back to take me on this journey and we ride and go find the demons...
It's as if the horses have come to take us back, to descend, to find the dark side. By dark I mean what's hidden".


2.Blood Roses


"You know, when she says, "I think you're a queer, well, I think you're a queer and I've shaved every place where you've been, boy, God knows I know I've thrown away those graces..." it's very clear that the war has begun. You've just walked into the record and the war has begun. The blades are out. And she's become a piece of meat in her mind, she's willing to cut out her voice, she's willing to "cut out the flute from the throat of the loon, at least when you cry now he can't even hear you" It doesn't matter who the people are, you know, and if you resonate with letting yourself go that far to be needed or to keep something going, well, do you need another pound of flesh? What do you need, what more do you want? And that's the point when I say, "he likes killing you after you're dead". So from the beginning of the record on it's really obvious that you're walking into not what is going on on top of the table, the conversation with the rose at the dinner of the couple, but what's really going on in the couple. Sometimes the man changes, but it's her story. It's her, who she pulls in to work this out with, and the men that defecate, the men who can't be enough, the men who aren't ready to embrace themselves so no matter how much you like them you can't go there because ...they're not yet whole.."

"'Let go and love,' fuck that shit! My heart is scarred. I have a tear running down the middle of it and I'm not ready to say, 'Let go and love.'"

"So many girls will come to me with tears in their eyes and scratches all over their wrists from self-mutilation, and I'll say, 'I actually do understand the obsession to be difficult.' I mean, I was in absolute horror that I allowed myself to be raped. Blood Roses is the on-the-knees version of that, the ripped-open veins and the blood dripping, going 'Why is it my fault now?'"

3.Father Lucifer

"To visit Father Lucifer, to have a moment to dance... to go down in the dark, to visit with the dude! Not these Little prince of darkness wannabes...some of them are cute, but to visit the real energy force that has held the darkness: you go there with honor. And that takes a very big heart to hold the place of shadow. When I went to Lucifer I learned many things. But that whole thing of, he didn't see me watching from the airplane, he wiped a tear and threw away our appleseed...there's so much religious reference and metaphor coming back full circle from the myths. A part of her loved Lucifer, a part of her tried to find him in so many men that couldn't carry his energy."
-- Tori; B Side, 05/96

"Father Lucifer is really about going to have a cup of tea with Lucifer, which I had to do. Now, when I say Lucifer, I'm talking about the feelings that we hide from ourselves [not something that's twisted and evil, like during the Inquisition when they used Christianity to torture people. That's Satanism.] I had to go in this record when I was trying to find parts of myself that I had not let scream and dance and have a tear. I went to go visit Lucifer to get my talisman, which means my little magic key that took me to the places that I hadn't let myself go. That's really about having a little tango, a little dance, with Lucifer. The idea that Dark is not a scary thing if you go in there understanding there is a purity in Darkness. There's also a lot of distortion in Darkness. It's a choice where you want to go, and I wanted to get to the truth, not to the drama and to keeping me from the truth."


4.Professional Widow


"[Professional] Widow is my hunger for the energy I felt some of the men in my life possessed: the ability to be king. I wasn't content just being a muse. I was the creative force. I was in relationships with different men where if they could honour that, they couldn't honour the woman, and if they could honour the woman, they couldn't honor the creative force..."

"Give me peace, love and a hard cock: because you can't have one without the other. For her to really say, are you gay?/are you blue? that same person has had to say give me peace, love, and a hard cock, because if I hear Peace and Love one more time! That is so full of shit!"


5.Mr Zebra


"In Mr. Zebra we pick up Ratatouille Strychnine, who we love because she's our little double agent who can poison people and get us out of trouble when they're hurting us! But she's tired, she's tired of the poisoning."
-- Tori; B Side, 05/96

"Lyrics to me, when they become references so that Mr Zebra can be who you want it to be, although you know that there are certain clear words - Strychnine, sometimes she's a friend of mine. And you get a sense of the characters, of who they are. And I'm sure the person, women that you know that are Ratitouille Strychnine, and we can kinda love those women, but you have faces that are different from the faces that I see when I sing about um, that cute little babe that's poisoning the muffins in the kitchen. But we love her, too. And that was important in this record. This is really the hidden sides of the feminine, the ones that get a little wicked, and the reasons that they're wicked. That's what is being said also in the story, the reasons, 'cause they haven't been recognized, that they kinda have to mutiny for me to listen to them so that we can get to the heart, and that's really the core of the record."


6.Marianne


"I've got meanness in me. And some of you girls have meanness in you too. And it's not necessarily something I know we're very proud of. Well…sometimes I'm not when I'm vvvvvvvvicious. And that usually happens because…ohhhh god… who knows why. But it's funny when it happens and you just become one of these like um...you know those comic books? Sven the berserker? Well, it'd be nice if I had a better understanding of it. And I think those of you that have those crazy tempers know what I'm talking about. Now some of you are at the other end of those crazy tempers, which isn't that fun either is it? Or maybe it is, isn't it, you little mmmMmmMmm, you little gimp, you! (snort-laughs) But um, the thing is, this girl I knew once named Marianne, was the absolutely, you know, coolest. She was totally cool. And yet, she didn't have this meanness in her. She had so many other things in her, you know, but meanness wasn't one of them. So, when I was hangin around her, I didn't need to have this meanness. Basically when my mother said, 'hey, um, oh my god...Marianne killed herself.' The only thing I could think of was, 'Fuck you, mom.' Because, in truth, nobody was really the same after Marianne killed herself."
-- Tori intro to song; Milwaukee, WI 06/08/96


7.Caught A Lite Sneeze


"Caught A Lite Sneeze is about wanting to do anything to keep a relationship going, knowing that it's over, knowing that it's slipping through the hands."

"He was a lite sneeze, and not the flu. Guys would like to think they're the flu, but sometimes they're just a 'h'achoo'"


8.Muhammad My Friend


"I was singing in Christmas services (in '94); I was with my parents. I was watching the nativity, and after a while I said to myself, 'Wait a minute. There's something wrong here.' We were singing 'Away in a manger.'" "I kept getting more and more into the perfect little love with the lullaby of Away In A Manger. I started to get husky in the throat. I started to wonder who, with everybody speaking of the baby Jesus, should come up to the cradle. And I found that, of all people, I wanted to have a chat about it with Muhammad, because the prophet is the one who supposedly knows the law. So I decided that they needed to talk about the law - the law of the feminine that had been castrated with the birth of Christ."

"I wanted to know why the blueprint of the [Mary] Magdalene was not passed down..what was passed down was the whore that wiped Jesus' feet. We skipped the whole phase of the woman - having sexual desire, wisdom, passion. Being an equal to Jesus..."


9.Hey Jupiter


"I have a lot of gay friends who have taught me many things. Because of their experiences, they have taught me how to look at life differently. I want to be very open. I think they have gone through a lot to come out. And I really respect anybody who stands by their truth. I just like communicating with people. And I wanted to communicate with people who I think have taken a very truthful stand—in the face of a lot of judgment. Because I wasn’t a part of that world that much. I didn’t see how fierce it could be in this day and age. It shocks me sometimes. And it comes through in my work—like with Hey Jupiter, Are you gay / are you blue.”
-- Tori; Aquarian Weekly, Feb 21, 1996

"Hey Jupiter was especially hard...I’d made 13 calls from all over the world. I was getting ready to catch a plane from Phoenix to do the Vegas show, and I rang his number again, but no one was picking up. And in that moment, after all the...you know, the fiery redhead behaviour, drawing my lines, making my threats...I was lying there alone, feeling incredibly weak. Feeling like there are not enough sold-out shows, like it doesn’t matter that every American show is sold out, because I’m only alive when I’m on a stage with a piano. The rest of the time I’m just this shell. So, when I wrote Hey Jupiter, it was like, how could we have been so cruel? Because when we started it, there was so much love. Real caring. And I sit here hating someone who I had been head over heels in love with. Taking jets to meet up for four hours and then flying back to do a show the next night.’
-- Tori; Time Out, Dec 20, 1995


10.Way Down


"And the album going into Hey Jupiter and that is the point where she knows it’s over with this particular relationship, or ships, and it’s not ever gonna be what it was again. It is never going back. That’s where the whole record turns on its axis. As soon as she knows that, then you do the whole Way Down thing." -- Tori; B-Side magazine, May/Jun 1996


11.Little Amsterdam


"Go further into the place of the South, the place of the hidden, with Little Amsterdam, which is all metaphorical, about wanting to kill people, being angry at people that you feel have done something... the whole domination thing, the whole hierarchy, patriarchy...and her way to fight back and they are blaming her but it wasn't her bullet but she still believes it would have been fine if..." She makes a soft gunshot noise. "They lost him".
-- Tori; B Side, 05/96


12.Talula


"And it keeps moving into the dance of Talula, and her desperately trying to dance, desperately trying to figure out the whole idea of loss: it must be worth loosing if it's worth something. So if I feel like I am loosing something, at lease I valued something enough to loose it in the first place... it's going back into that train of thought. Talula is very much a riddle. The loss of Eric in my life was... it felt like half of me walked out the door. And Talula came as a nursery rhyme, my little dance that I would do when things were so sad. Because I started thinking 'but God, I have these feelings, which means...' we shared so many moments that I value, I really valued that, so what a gift that I can feel this loss, that I am not so numb, that I haven't cut myself off so much, and once I could feel the loss then I started to feel free. I want to dance and go 'yeah, I want to be with Talula. I want to be able to dance through the people that come in and go out of your life. I want to learn how to dance with the gifts when they come and the gifts when they need to take a different route.'"
-- Tori; B Side, 05/96


13.Not The Red Baron


"Then of course in the record we move into a whole other moment. "Not the Red Baron" is the moment of compassion for all the men on the record. It's where I could see their planes crashing, I could see that they have a side too. And if their planes would crash I stared to gain compassion for their side of it."
-- Tori; B Side, 05/96


14.Agent Orange


"There’s one called "Agent Orange". Naturally, if we're talking about the boy/girl matrix, there's going to be a war zone at some point in our story...and we go into "Agent Orange". If we're gonna have a war, we have to bring warfare in. I decided to make him a bodybuilder because that memory has to transmute also - the skin. To become like tango, the idea of tang, or the idea or orangina, an orange muscle secret agent who we long...that song, "Agent Orange" is the one o'clock cabaret moment, where you're had a couple of amarettos on the rock, and there's just a sadness. But you know that sadness when you know your relationship is over and you're still alive? You know you're not dead. You've got all your body parts. You're all there. You've got a date. He's got a new love.....and you go on with it."
-- Tori; Musician, May 1996


15.Doughnut Song


"Doughnut, that's so much to me the ache of... I think one of the most important lines in the entire record for me was you told me last night you were a sun now with your very own devoted satellite, happy for you and I am sure that I hate you, too sons too many too many able fires... there's the Cain and Abel reference, there's the idea that you can't have two whole beings together. And I couldn't live like that, and it made me really sad, that whether it's a female relationship or a male relationship, we're not supporting each other to make a whole. When I am not happy when you are taking you as far as you can. I can't support that or I withhold from you because the truth is I am afraid you aren't going to need me anymore."
-- Tori; B Side, 05/96


16. In The Springtime Of His Voodoo


"Which leads us into Voodoo... the key for me here is he was going to show me spring. Going to... and so much of my life has been about going to. Instead of what is happening now, [it's] what are we going to? Not what are we really giving to each other now. What am I promising him? That whole idea of looking to this, the idea that somebody else carries the voodoo, instead of becoming part of the voodoo and accessing it yourself. That's runs through the whole thing."
-- Tori; B Side, 05/96


17.Putting The Damage On


"And of course "Damage" speaks for itself. The song, being herself damaged, it's trying to teach myself about graciousness, and I have such a hard time with that. I have a very hard time. "Damage" was so essential for me to sing, it's one of the most difficult ones for me. I can look and have love and feelings for some of these people but... "
-- Tori; B Side, 05/96


18.Twinkle


"Yet the record isn't finished until Twinkle; it just wasn't finished until that song. That level of the flame, feeding the flame, because after all the stars, the fire, I had to go into that place of becoming that instead of trying to find it again."
-- Tori; B-Side magazine, May/Jun 1996





"Pele, so muß man wissen, ist eine hawaiianische weibliche Vulkangottheit, und die angesprochenen Boys, nun ja, sind die menschlichen Opfer, die den ungestümen Zorn dieser Dame besänftigen sollen. Im Bestreben, gestohlene "Feuer" wiederzuerlangen, wird im Album z.B. die Kreuzigungsgeschichte, bei der eine Frau die Rolle Jesus einnimmt, neu geschrieben und somit eine vergessene matriarchalische Mythologie heraufbeschworen. Tori Amos Hauptfiguren (Jupiter, Muhammed, Lucifer) haben männliche Namen, doch die Umgebung, in die sie versetzt werden, ist voller weiblicher Symbolhaftigkeit und Ausdruckskraft (wie die Schädel-Rosen-Malereien einer Georgia O'Keeffe).

Das Album stellt ein komplexes und formloses, manchmal unergründliches Werk von grotesk-pophafter Kammermusik dar. Das fast uneingeschränkte Vertrauen gegenüber folgenden Elementen lassen es gleichsam wunderschön und geisterhaft wirken: Das große Bosendorfer-Klavier, das klirrend-kalte Cembalo (auf dem sie wie ein Punk-Rocker herumdrescht) und ihre künstlerisch ausgereifte Stimme, (die so erdig wie jene von Joni Mitchell und so außerordentlich wie die von Björk anmutet). Das Album führt uns einerseits auf eine prätentiöse und hemmungslose Reise, ist jedoch zugleich eine Synthese aus Talent, Vorstellungskraft und verworrener Vision.

Leicht macht sie es sich (und uns) nicht, die klassisch trainierte Predigertochter aus North Carolina, mit ihrem dritten Songwriter-Album. Tori Amos taucht textlich in psychische und seelische Untiefen, streift Männer und Mythologie. Ihre elegischen Piano-Etüden pendeln zwischen gespenstisch-düster und fröhlich-hell, durchbrochen vom Spinett als skurriler Klangfarbe, von schrägen Grooves mit Trommel-As Manu Katché oder getragenen Bläsern . Da geht kaum etwas glatt ins Ohr, dafür dringt alles tief."


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 07.04.2006, 21:46                                  +/-



Viel ist ein tolles Album von einer tollen Band, aber darum soll es gar nicht gehen, das müsst ihr schon selber wissen. Nein, toll ist, dass die Luxus-Edition, in edlem Pappschuber und ganz in weiß, eine DVD enthält, mit ca. 1 Stunde Filmmaterial über die Entstehung der Platte. Man sieht das Video zur Single "Troy" (sehr lustig grins ), erfährt, wie es entstand, dann begleitet man die vier in die kreative Einsiedelei in eine Berghütte in Österreich und weiter bis zum Launch der neuen, sehnlichst erwarteten Scheibe.

Mein Gott, hatten die viel Spaß... allein in den Aufnahmen der kreativen Sessions werden mehrere Songs angerissen, die nicht auf dem Album sind, aber Lust auf mehr machen.. ich sag nur: Michi Beck und sein Kühlschrank.. hähö Aber vielleicht muss man dafür wieder fünf Jahre warten Ja, sie machen nur alle fünf Jahre ein Album, aber darauf warte ich gerne, wenn es jedesmal so überzeugend wird wie "4:99" und "viel" (Tarantino macht auch nur alle fünf Jahre eine Film, aber wer würde die Wartezeit für unangemessen halten?).

Wie auch immer, mal ganz davon ab, was man von den Jungs hält, darum geht es gar nicht, es geht um die Idee! Ein Album mit selbsterklärender DVD auf den Markt zu bringen ist einfach... genial! Macht gleich nochmal soviel Spaß. Sollte Schule machen. Hat Potential. Man erfährt so viel über die Songs, ihre Entstehungsgeschichte und all das Herzblut, das darin steckt. Das Booklet des 21. Jahrhunderts sozusagen.

Schule machen!

Gewalt ist keine Lösung


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 08.05.2006, 17:41                                  +/-

Nichtraucher
Nein, wir alle sind Sünder und werden gerichtet werden, ABER, wir können bis dahin so leben, wie wir es für richtig halten.


Nichtraucher
Grandios. Wuchtig, final, furchtbar, aber nicht bösartig oder rechthaberisch. Die Aussage, die ich sehe: Schau, was du mit deinem Leben machst, denn zu schnell ist es vorbei und dann wirst du dich eventuell dafür rechtfertigen müssen, vor wem auch immer. Vielleicht nur vor dir selber, aber wäre das so beruhigend?


Es mag rechthaberisch klingen, und ich möchte dir den Spaß an Johnny Cash keinesfalls verderben, aber gerade vor dem Hintergrund des biblischen Firlefanzes würde ich deiner sehr liberalen(!) Interpretation nicht ohne weiteres zustimmen wollen. Vielmehr enthält das Lied etliche mehr oder weniger direkte Appelle an den Hörer, in sich zu gehen und Buße zu üben.

"Tu was du willst" ist das Legat des Teufels!

So höre nun die Auslegung der Worte unseres Herrn:

And I heard, as it were, the noise of thunder: One of the four beasts
saying: "Come and see." And I saw. And behold, a white horse.


Offb. 4,5 Vision von Gottes Thron: "Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus."

"The four beasts" sind hier ausnahmsweise einmal keine Geschöpfe des Höllenreichs, sondern vier Engel, ganz voller Augen vorne und hinten, Wächter, die vor Gottes Thron stehen.


(Hab leider kein besseres Bild gefunden. Es müssten aber schöne Holzstiche davon existieren.)

"Dann sah ich: Das Lamm öffnete das erste der sieben Siegel; und ich hörte das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm! Da sah ich ein weißes Pferd, und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben, und als Sieger zog er aus, um zu siegen." Wie man sieht, ist der Sinn bei Johnny Cash leicht verändert. Dort sieht es so aus, als gelte der Ruf "Komm!" dem Seher Johannes, in der Offb. ist jedoch der erste Reiter angesprochen. Mit diesem Reiter ist der Krieg gemeint. Der zweite symbolisiert den Bürgerkrieg, der dritte Teuerung und Hungersnot, der vierte Pest und Massensterben.

All diese Plagen, die die Reiter mit sich bringen, sind Ankündigungen des messianischen Königreiches der Endzeit, der Gläubige (und nur dieser!) kann ihnen getrost, ja freudig entgegensehen, s. Offb. 6, 10: "Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, Gericht zu halten und unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen?"

There's a man goin' 'round takin' names. An' he decides who to free
and who to blame. Everybody won't be treated all the same. There'll be
a golden ladder reaching down. When the man comes around.


Jesus kehrt als Richter wieder, aber nur für jene, die an ihn nicht geglaubt haben: Joh. 3,18: "Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat."

The hairs on your arm will stand up. At the terror in each sip and in
each sup. For you partake of that last offered cup, or disappear into
the potter's ground. When the man comes around.


Der letzte Kelch. Wer aber keinen Anteil an Christus hat, fällt dem ewigen Tod anheim: Joh. 6, 53: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch."

Hear the trumpets, hear the pipers. One hundred million angels
singin'. Multitudes are marching to the big kettle drum. Voices
callin', voices cryin'. Some are born an' some are dyin'. It's Alpha's
and Omega's Kingdom come.


Offb. 1, 8; s.a. 21, 6: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende."
Gottes Sohn existierte schon, bevor er lebte (Praeexistens, Erklärung des Paradoxons durch das Konzept der Hl. Dreifaltigkeit) und am Ende der Zeiten wieder. Er begründet dann, nach Beseitigung des Großen Tieres (*) das Tausendjährige Reich, und schließlich, nachdem der Teufel in einen Feuersee geworfen ist, die endgültige Herrschaft Gottes auf Erden.

Whoever is unjust, let him be unjust still. Whoever is righteous, let
him be righteous still. Whoever is filthy, let him be filthy still.
Listen to the words long written down. When the man comes around.


Die betreffende Stelle in Offb. 22, 10 -13 lautet vollständig: "Und er (der Engel) sagte zu mir:
"Versiegele dieses Buch mit seinen prophetischen Worten nicht! Denn die Zeit ist nahe. Wer Unrecht tut, tue weiter Unrecht, der Unreine bleibe unrein, der Gerechte handle weiter gerecht, und der Heilige strebe weiter nach Heiligkeit. Siehe ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende."

Merke: Es werden ausschließlich jene gerichtet, die nicht an Christus glauben, ihnen ist die Verdammnis gewiss. Doch wieder nichts mit "leben, wie wir es für richtig halten", "selber richten", Masturbation, etc. pp. Höre also auf die Worte des Meisters Johnny Cash oder du bist gearscht!!


(*) Großes Tier:

Offb. 17,3: "Und er entrückte mich im Geiste in eine Wüste. Und ich sah ein Weib auf einem scharlachroten Tiere sitzen; das Tier war ganz voll von lästerlichen Namen und hatte 7 Köpfe und 10 Hörner."



Die Hure Babylon und das Große Tier. Klar, hier hatte Johannes in Wirklichkeit die Stadt Rom und den Kaiserkult im Sinn. Also nichts mit Prophetie über die ferne Zukunft, sondern Asbach Uralt von vorvorgestern!

Dennoch mag man einen aktuellen Bezug konstruieren. Der moderne Mensch vergöttlicht sich selbst und seine Sinnlichkeit. (Bestes Beispiel: AdrianB oder auch Aleister Crowley, das selbsternannte "Große Tier", die Witzfigur, der die Satanisten nachrennen.)

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 09:54                                  +/-

Hmm, ich hatte heftigere Reaktionen auf meine theologische Belehrung erwartet. Wir könnten auch mal Bibelabende abhalten, falls Interesse besteht.

Es grüßt der ungeliebte Kulturpessimist Helcaraxe sein geschrumpftes Auditorium Hallo

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hatata



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 10:11                                  +/-

Was soll man denn darauf antworten? Daß man Aleister Crowley toll findet?


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 10:30                                  +/-

Oder dass man Johnny Cash ablehnen soll?


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 10:38                                  +/-

hatata
Was soll man denn darauf antworten? Daß man Aleister Crowley toll findet?

Nein, man könnte antworten: "Wieder mal typisch", "Böse!" oder auch: "Stimmt ja gar nicht".

Nichtraucher
Oder dass man Johnny Cash ablehnen soll?

Das sowieso nicht, das ist höchstens ein Grund Johnny Cash nicht abzulehnen.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 10:50                                  +/-



Erst erzählt mir hatata, dass ich "We'll meet again" nicht verstanden hätte, jetzt kommst du mir gleich mit der Bibel.. schreibt halt eure eigenen Interpretationen Mit den Augen rollen


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 10:57                                  +/-

Ja, 'tschuldigung, die Mühe hätte ich mir ja nicht gemacht, wenn mich deine Interpretationen nicht irgendwie angesprochen hätte. Smilie Klar oder? Noch dazu in diesem Unterforum, in dem ich sonst nie schreibe.

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hatata



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 11:17                                  +/-

pk, stell doch mal die Weld vor.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 11:22                                  +/-

Die Weld ist ziemlich rotzig und enthält erstaunlich wenig Songs bei erstaunlich langer Laufzeit. Neil "jetzt kommt erstmal ein siebenminütiges Gitarrensolo" Young halt hähö

Muss sie aber noch ein paarmal hören, um mehr zu sagen. Könnte perfekte Grillmusik sein.


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hatata



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 11:33                                  +/-

Ich finde sie besonders toll mit Kopfhörern gehört. Eben für diese Klanggewebe-solos relativ einfacher Machart. Diese Art der Rezeption ist alledings dem Hintergrundgeräusch beim Grillen diametral entgegengesetzt, merk ich grade. Tut mir leid, wirklich keine Absicht. Traurig
Hast Du denn schon einen Lieblingssong? Ich fand nach dem ersten Hören glaub ich Crime in the City am besten, und "Farmer John". zwinkern Hey Hey My My fand ich plöd. So kann sich die Welt ändern, obwohl ich CITC immer noch mag.


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Lothiriel
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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 11:35                                  +/-

hatata
-solos


Echt schlimm

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hatata



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 11:35                                  +/-

Wir reden hier über einen Amerikaner. (edit: und jetzt kommt mir nicht mit Kanada).


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Akt



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 15:58                                  +/-

ich glaube sie spielt auf die falsche form "solos" an. das hat doch mit amis nichts zu tun


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Tritonus



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 16:00                                  +/-

Genau. Es heißt Solen.

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Akt



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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 16:18                                  +/-

also bitte. es heißt solata


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