Tylers Kneipe Foren-Übersicht Tylers Kneipe

 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste     RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 
Zum ChatSkypen

User stellen Alben vor
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12  Weiter Alle
 
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Discothèque
 
 
Autor Nachricht
Warg



Beiträge: 6051
Wörter pro Beitrag: 23

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 11:27                                  +/-

Depeche Mode wurden schon immer gehyped. Ich glaube die haben auch ihre größte Fanbase hier in Deutschland. Das Lied gefällt mir auch ganz gut und wenn es stimmt was Craggan schrub dann ist das wohl endlich wieder ein Album für mich.


Zitat:
akustischer Gitarrensound (wahrscheinlich ja simuliert)


Ich dachte Martin Gore spielt immer die Gitarre bei DM? Kann er nicht auch akkustisch spielen?

Nach oben
Antworten mit Zitat
Wichtel



Beiträge: 18026
Wörter pro Beitrag: 28

Private Nachricht senden E-Mail senden

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 16:11                                  +/-

Warg
Depeche Mode wurden schon immer gehyped.

Yes Immer wieder mal.

Nach oben
Antworten mit Zitat
Craggan



Beiträge: 23794
Wörter pro Beitrag: 34
Wohnort: Way Down South
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 27.04.2009, 23:26                                  +/-

kennt hier noch einer von Euch Jungvolk Siouxie and the Banshees?

Die Band um die Sängerin Susan Ballion war seinerzeit in den 80ern der Vorreiter der New Wave, Dark Age oder was auch immer Bewegung. Ich komme gerade drauf, weil ich heute im Auto unbändige Lust auf die Cover-Version von Iggy Pops Pasenger bekam und dann feststellen musste, dass die wohl noch auf Vinyl schlummert, weil ich sie nicht auf dem Ipod gefunden habe.

Jetzt läuft gerdade die LP (!) Thruogh the looking glass auf dem Dreher. Auf selbiger befinden sich in guter Tonqualität lauter geniale Coverversionen von den Doors (You're lost little girl, über das berühmte "Trust in me" der Schlange Kaa bis hin zu Nick Cave und Brian Ferry.

Ich weiß nicht, wer mich hier seinerzeit auf PJ Harvey gebracht hat (Parasite? Warst Du das?), aber er sollte sich das Album auf jeden Fall mal anhören! Eigentlich müsste es den Meisten von Euch gefallen (vielleicht bis auf die Dark Swedish Metal Fraktion)


_________________
If you’re tired of arguing with strangers on the Internet, try talking with one of them in real life (B. Obama's Farewell address speech, 11.1.2017)
Nach oben
AIM-Name Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 01.05.2009, 13:03                                  

Ich schulde euch ja noch eine Besprechung der neuen Bob-Dylan-CD, nicht? Smilie

*nick freude jubel jauchz*



Ich finde Together through life jetzt nicht so ein Erweckungserlebnis wie der Typ von der SZ, "das Größte, Schönste und Beste der letzten 30 Jahre...", nicht, weil ich alle Dylan-Alben der letzten 30 Jahre kennen würde, sondern weil ich die großartige "Modern times" von 2007 immer noch etwas besser finde.

Aber vielleicht sollte man die letzten Alben seiner Bobness auch nicht gegeneinander abwägen, sondern als Einheit ansehen, seit "Love and theft" macht er eben diese enzyklopädische Folk-Sache, sein persönliches Museum of Traditional American Musik, performed and refreshed by Bob Dylan. Da gibt es wenig Ausreißer nach unten und oben, sondern ein satte Ladung nagelneuer Songs auf höchstem musikalischem Niveau, die klingen, als wären sie 40 Jahre alt. Oder 70 Jahre. Oder hundert. Als würde der alte Mann mit dem Banjo auf der Veranda sitzen, während die South Georgia Miliz in ihren grauen Uniformen vorbeizieht, nach Norden, nach Gettysburgh, und der alte Mann ahnt schon, dass keiner zurückkommt...

Er fiedelt sich durch alle Stilrichtungen der amerikanischen Musikgeschichte, jetzt ist er am Rio Grande angelangt und re-animiert mit reichlich Akkordeon die Tex-Mex-Musik, der er schon mal vor 35 Jahren in seiner kurzen Western-Phase gestreift hat. Das Akkordeon ist gewöhnungsbürftig. Es klingt sehr nach Hitze, staubigen Dörfern, Mexikanern, die unter riesigen Hüten dösen und doch ist immer wieder genug Widerporstigkeit drin, viele kleine Brüche, die daran erinnern, dass hier ein Musiker spielt, der einfach so ziemlich alles schon mal gemacht hat und sich alles erlauben kann, bzw. eh keinen nach seiner Meinung fragt. Und wenn er jetzt auf Akkordeons steht, dann muss man da halt durch. Wenn er nächstes Jahr dann irgendwo an der Westküste rauskommt, klingt das sicher wieder anders. Hawaii-Gitarre? Die Wege des Meisters sind nicht zu ergründen.

Seine Stimme wird immer interessanter, es gibt nur ein Wort, um sie treffend zu bschreiben: knorrig. Eine Ent-Stimme. Baumbarts kleiner Bruder. Wie ein verdrehtes, uraltes Stück Kiefernwurzel, das am Rand des Canyons in der Sonne bleicht.

Mal ein Gedankenexperiment: angenommen Bob Dylan würde erst seit 10 Jahren Musik machen, dann wäre er spätestens seit "Modern times" ein renommierter Folk-Vertreter, behaupte ich mal, seine Musik käme im Radio und zu seinen Konzerten kämen regelmäßig ein- bis zweitausend Leute. Zumindest in den USA, wo sich seine letzten Platten sehr gut verkauften und wo es eine riesige, lebendige Folkszene gibt, die er mit seinen vibrierenden Alben ordentlich aufmischen würde, auch ganz ohne den Mythos Bob Dylan im Hintergrund. Und das ist schon ne Leistung, wenn die Spätalben eines Uralt-Recken so für sich stehen können, nicht nur ein Abklatsch der eigenen großen Zeit sind, die der Fan mehr aus gutem Willen kauft und um die Sammlung komplett zu halten.

Wer von den Helden der 60er kann so was noch vorweisen? Weiß jemand, wie das letzte Stones-Album heißt? Wurde das irgendwo besprochen? Leonard Cohen macht gerade sowas wie seine Abschiedstournee und veredelt noch mal alle seine großen Erfolge in aufwändigen Live-Aufnahmen, aber seine letzten Studio-Platten klimperten doch eher belanglos vor sich hin. Und ich liebe Cohen. Aber diese Energie, die Dylan hat, oder soll man besser sagen, diesen vollkommenen Stoizismus, den macht ihm so schnell keiner nach.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Thanil
Iniesta de Toto


Beiträge: 44953
Wörter pro Beitrag: 42
Wohnort: ...
Private Nachricht senden
Skype Name Website dieses Benutzers besuchen

BeitragVerfasst am: 01.05.2009, 14:08                                  +/-

Interessant (und bloggenswert). Aber hast du jetzt eigentlich auch konkret was zu dem Album geschrieben? hähö


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
Nach oben
Antworten mit Zitat
Bard
Ewig Erste Liga


Beiträge: 10459
Wörter pro Beitrag: 33
Wohnort: Kiel
Private Nachricht senden E-Mail senden

BeitragVerfasst am: 01.05.2009, 14:30                                  +/-

Nichtraucher
Seine Stimme wird immer interessanter, es gibt nur ein Wort, um sie treffend zu bschreiben: knorrig. Eine Ent-Stimme. Baumbarts kleiner Bruder. Wie ein verdrehtes, uraltes Stück Kiefernwurzel, das am Rand des Canyons in der Sonne bleicht.



Seine Stimme unterscheidet sich inzwischen so dermaßen vom jungen Bob Dylan, dass man ihn kaum noch als Dylan identifizieren könnte , wenn man nur die älteren Sachen kennt.


_________________
Strong, not entirely stable, leadership.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 02.05.2009, 19:49                                  +/-

Nicht nur seine Stimme hähö



Aber das ist das, was ich meinte: der aktuelle Bob Dylan hat nicht viel mit dem der 60er Jahre zu tun, und, und das ist eben das Schöne, er kann auch so für sich stehen, er braucht den Dylan der 60er Jahre gar nicht. Er klingt wahnsinnig lässig, selbstsicher und in sich ruhend. Er klingt als wäre er da, wo er immer hin wollte.

@thanil:
Soll ich jetzt was zu einzelnen Songs schreiben? Kaum jemand hört hier Dylan, das ist mir schon klar und auch ok. Daher bleibe ich lieber etwas allgemein (im Rolling-Stone-Forum schreiben sie hingegen zu jedem Song ellenlange Beiträge und würden mich alleine dafür, dass ich Dylan als Folk-Sänger bezeichne, teeren und federn. DYLAN ist doch kein Folk!!!...).

Ich schrub ja bereits, Tex-Mex-Style, mir etwas zu viel schunkelndes Akkordeon, die "Modern times" gefiel mir besser. Aber Dylans Songs sind alle auf so hohem Niveau, mit den besten Musikern der Szene eingespielt, geleitet von einem der erfahrensten Songwriter und Bandleader überhaupt, da wird Kritik schnell zur Geschmackssache. Dylan hat sichtlich Spaß an dem, was er gerade tut, und man kann es genießen, wenn man den Folk und Blues alter Männer mag. Sonst eher nicht.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Schalk



Beiträge: 3194
Wörter pro Beitrag: 46

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 02.05.2009, 21:03                                  +/-

Nichtraucher

Soll ich jetzt was zu einzelnen Songs schreiben? Kaum jemand hört hier Dylan, das ist mir schon klar und auch ok.

Kapitale Fehleinschätzung, würd ich sagen.


_________________
Der Wahn betreugt.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 09:25                                  +/-

Nein, denn du und Bard seid "kaum einer".


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
parasite



Beiträge: 1113
Wörter pro Beitrag: 56

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 14:09                                  +/-

Nun zwing doch nicht jeden, sich hier für dich zur Bestätigung zu melden, du elender Narzisst. Ich jedenfalls mag Dylan auch sehr gern, auch wenn ich nur ein Bruchteil seines Schaffens kenne. Yes

Nach oben
Antworten mit Zitat
Schalk



Beiträge: 3194
Wörter pro Beitrag: 46

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 18:44                                  +/-

Bei Bob Dylan bin ich schlecht ausgestattet, anteilig, der produziert auch wie verrückt. ?????


Studioalben:

Bob Dylan
The Freewheelin' Bob Dylan
The Times They Are a-Changin'
Another Side of Bob Dylan
Bringing It All Back Home
Highway 61 Revisited
Blonde on Blonde
John Wesley Harding
Nashville Skyline
Self Portrait
New Morning
Pat Garrett & Billy the Kid
Dylan
Planet Waves
Blood on the Tracks
The Basement Tapes
Desire
Street Legal
Slow Train Coming
Saved
Shot of Love
Infidels
Empire Burlesque
Knocked Out Loaded
Down in the Groove
Oh Mercy
Under the Red Sky
Good as I Been to You
World Gone Wrong
Time Out of Mind
"Love and Theft"
Modern Times
Together Through Life

Und noch: MTV Unplugged

CD, MP3, Vinyl


_________________
Der Wahn betreugt.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 21:03                                  +/-

Dann empfehle ich dir die Desire von 1976, die höre ich gerade sehr viel Yes Ganz tolle Scheibe.

Wir sind alle, egal wieviele Scheiben des Meisters wir haben, unter Dylanologen allenfalls der Abschaum, der oben auf dem Abschaum schwimmt. Du hast immerhin noch einen Plattenspieler!

Im Dylan-Thread im Rolling-Stone-Forum wurde gebeten, die CD erst zu besprechen, wenn die Vinyl-Version draußen ist, um die Plattenhörer nicht zu verspoilern. So sind die da drauf. Kritiken lesen sich dann auch ungefähr so: "Die Vinyl ist heute gekommen. Schöne 70-Gramm-Pressung. Riecht etwas komisch. Weiteres später." Niemand hat nerdigere Fans als Bob.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Bard
Ewig Erste Liga


Beiträge: 10459
Wörter pro Beitrag: 33
Wohnort: Kiel
Private Nachricht senden E-Mail senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 22:00                                  +/-

Ich besitze eigentlich auch nur zwei der ersten Alben aus den 60ern, den "Pat Garrett und Billy the Kid"-Soundtrack (toller Film übrigens) und "Blood on the Tracks". Dazu zwei Best of-Alben und einen Haufen MP3-Dateien. Das Dyansche Werk ist seit den Anfängen eben einfach so gewaltig angewachsen und in sich so komplex, dass es sehr viel Zeit braucht, sich da reinzuhören und wirklich ansatzweise behaupten zu können, sich mit Dylan auszukennen. Aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Yes

Manchmal bedaure ich allerdings, so jung zu sein. Es wäre schon toll gewesen, Dylan in seiner Frühzeit in den 60ern wirklich miterleben zu können, als über Dokus und Literatur und eben sein Werk nur noch mittelbar einen Eindruck vom jungen Dylan und seiner Zeit zu bekommen. Neben z.B. dem Mauerfall eines der Dinge, die ich gern bewusst erlebt hätte. Traurig


_________________
Strong, not entirely stable, leadership.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 23:22                                  +/-

Ich fand hier Wikipedia mal wieder sehr hilfreich. Da gibt es eine Auflistung aller Alben und Besprechungen der meisten. Grob kann man wohl folgende Phasen unterscheiden:

1962-1964: Der klampfige, systemkritische Protest-Dylan

1965-1968: Der wahnsinnig wichtige Folk-Rock-Dylan

1969-1974: Dylan macht sich rar, kurze Westernphase, dies und das

1975/1976: Furioses Comeback, Zenit des Schaffens

1977-1980: Macht mutwillig sein eigenes Denkmal kaputt

1980-1995: The dark age... Dylan macht komische Sachen, wird mehrmals totgesagt.

1997-2009: Comeback mit relaxtem Alt-Herren-Folk, Dylan ruht in sich selber.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Bard
Ewig Erste Liga


Beiträge: 10459
Wörter pro Beitrag: 33
Wohnort: Kiel
Private Nachricht senden E-Mail senden

BeitragVerfasst am: 03.05.2009, 23:40                                  +/-

Nichtraucher

1980-1995: The dark age... Dylan macht komische Sachen, wird mehrmals totgesagt.


Warum sind eigentlich so viele bedeutende Künstler in den 80ern in eine schöpferische Krise gerutscht? Was war bloß los mit dem Jahrzehnt? Genauso wie New Hollywood seit den ersten Blockbustern Ende der Siebziger eingegangen ist.


_________________
Strong, not entirely stable, leadership.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 04.05.2009, 21:10                                  +/-

Wahrscheinlich, weil Kleinpfeifenkrautler gerade anfing, sich für Musik zu interessieren


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 05.05.2009, 20:39                                  +/-

Dylanologen im Rolling-Stone-Forum:
Zitat:
Zu Deiner Frage: am Sound habe ich nichts auszusetzen. Klanglich ist das schon auf der deutschen Pressung tadellos und die US-Pressung soll ja sogar noch besser klingen (ist noch auf dem Weg zu mir).

Er kauft sich beide Vinyl-Versionen Smilie

Gepostet am 05.05.2009, 20:43:

Zitat:
Das Umdrehen stört mich dort überhaupt nicht, das konzentrierte Hören bereitet mir viel Vergnügen. Das Dylan Album auf CD zu hören wegen des Flows - lachhaft!

hähö

Markige Sprache. Lachhaft könnte es hier auch zum In-Wort bringen.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 08.05.2009, 15:26                                  +/-



Leonard Cohen, Live in London, 2008

Irgendwann letztes Jahr gab Leonard Cohen vor ausverkauftem Haus ein Konzert, dessen Mitschnitt diese herausragende Doppel-CD bildet. An einem Ort und Abend aufgenommen hat man natürlich eine gleichbleibende Tonqualität, einen chronologischen Aufbau und kann dem Konzert im Geiste nachfolgen, ein bisschen als wäre man da gewesen. Die CD kommt für lachhafte 16 € in einem bunt bedrucktem Pappschuber und mit sagenhaften 26 Songs, von denen kaum unter 5 Minuten läuft, der Schnitt liegt eher bei 6-7 Minuten. Also ein ziemlich fettes Paket Musik.

Cohen entschloss sich nach 14 Jahren halbwegs überraschend noch einmal um die Welt zu touren, er ist ja auch schon 74, der Mann aus Montreal. Die Kritiken zu dieser Tour reichten von begeistert bis religiös verzückt und ich war nicht da. Was ich aber heuer nachholen kann, er scheint wieder Geschmack am Touren gefunden zu haben und macht dasselbe diesen Sommer noch einmal, Köln und Berlin, wen's interessiert.

Mr. Cohen scheint diese Tour als Krönung seines Lebenswerkes angelegt zu haben, er singt alle seine Hits, wobei der Schwerpunkt auf den erfolgreichen Alben der 80er liegt, die ihn damals wieder in das Bewusstsein der Allgemeinheit zurückbrachten. Seine neuesten Scheiben spart er freundlicherweise weitgehend aus, er weiß, was die Leute wollen, sie wollen das Cohen'sche Vermächtnis, und das bekommt man hier. Cohen macht keine halben Sachen und bringt ein Dutzend Leute auf die Bühne, ein Background-Chor, Bläser, diverse Saitenspieler usw., leider finde ich das Gruppenbild nicht im Netz, das die CD zeigt. Ein beeindruckendes Aufgebot.

Entsprechend fett klingen die Lieder, er holt alles aus ihnen raus. Er nimmt jeden einzelnen Song und poliert ihn und schmückt ihn mit Gold und Geschmeide und poliert ihn nochmal, bis er im Licht funkelt wie Kristall. Der Sound ist kaum zu beschreiben, barock wäre ein Wort.... gediegen ein anderes... vielleicht trifft es überwältigend am besten? Alle Songs sind fetter, aufwändiger, länger und edler aufgenommen als die Studioversionen und zumindest was die alten Platten betrifft auch in besserer Qualität. Ich hab auch noch kein so sauber abgemischtes Live-Album gehört, ein perfekter Klang, als würde die ganze Combo vor einem im Wohnzimmer spielen. Ein Album, das ich gerne mal bei Craggans zuhause hören würde.

Manche Songs sind jetzt noch so viel schöner als sie bisher waren, (und da waren sie natürlich auch schon sehr, sehr schön), dass man sich fragt, ob das ganze Tour nicht in erster Linie der Songveredelung dient. Ein gigantisches Aufwertungsprojekt, das Cohen freundlicherweise nicht zuhause im Studio vornimmt, sondern die ganze Welt daran teil haben lässt. Er weiß einfach, dass er viele Perlen der Musikgeschichte geschrieben hat, fand sie aber vielleicht nach all den Jahren etwas fade aufgenommen. Die Tontechnik ist ja auch weiter und seine Erfahrung als Musiker mit den Jahren gewachsen und er hat jetzt auch sicher das Geld, die besten Musiker zu engagieren, die man kaufen kann. Die Background-Sängerinnen haben Stimmen, für die manche Pop-Queen töten würde, die Intrumentalsoli sind ein Ohrenschmaus nach dem anderen, die Platte ist pures, solides Klanggold.

Cohens Stimme ist noch tiefer und noch weicher geworden mit den Jahren, keine Ahnung, was das Geheimnis ist - mehr rauchen? Weniger rauchen? Kein Alkohol oder nur edler Whiskey? Eine der ganz großen Stimmen auf jeden Fall, und kein bisschen altersmüde. Bei der Textzeile in Tower of song, wenn er singt I had no choice, I was born with the gift of a golden voice, jubelt der ganze Saal so überraschend laut auf, dass ich im Sitz hochgefahren bin. Scheint so ein Cohen-Konzert-Insider zu sein. Ansonsten vermittelt der Publikumssound eher die Atmosphäre großen Respektes, niemand johlt in die ruhigen Parts, er wird nichts totgeklatscht und nach dem Verklingen der letzten Noten herrscht mitunter für Sekunden andächtige Stille, bevor der Applaus losbricht. Die Platte wurde in den Kritiken jetzt so oft mit einem Gottesdienst verglichen, dass ich das nicht auch noch mal tun will, aber.. egal, es ist ein Gottesdienst. Spätestens wenn er Songs wie Anthem und Halleluja singt. Ich mein, wann, wenn nicht dann?

Auf der anderen Seite leben die alten Cohen-Stücke natürlich auch von ihrer reduzierten Aufnahme und ihrem düsteren Klang, in all ihrer sanften Melancholie. Während man Alben wie Songs from a room am besten hören kann, nein, hören muss, wenn man allein mit einer Flasche billigem Rotwein in einem kargen Zimmer sitzt und still an der Welt verzweifelt, sollte man für diese Live-CD schon eine entspanntere Grundhaltung mitbringen. Cohen scheint ja auch sehr entspannt zu sein und seinen Frieden mit der Welt gemacht zu haben. Mitunter kippt die Instrumentierung ins Opulente, Überladene ab, der Kitsch blitzt auf. Cohen hat schon immer eine gewisse Schwäche für Kitsch gehabt, für gefühlsduselige Einschübe, für etwas zu viel an Backgroundgesang und etwas zu süßlich wimmernde Geigen. Muss man sich halt sagen, ok, ich zieh den guten Anzug an, Mr. Cohen ist in der Stadt und gibt sich die Ehre, das wird ein festlicher Abend, mit Sekt in funkelnden Gläsern, blitzenden Trompeten und wunderschönen Frauen in teuren Kleidern, die viel Haut zeigen. Die alten Platten bleiben ja so traurig und existenzialistisch, wie sie vor 40 Jahren aufgenommen wurden.

Kaufempfehlung:
Ein Cohen-Liebhaber kommt gar nicht dran vorbei, ein absolutes Muss. Ein Freund akustischer Opulenz und/oder Besitzer einer sehr teuren Anlage wird auch seine Freude daran haben. Für alle anderen keine Pflicht.


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Eiranion
Dr. rer. nat Frühstück


Beiträge: 12240
Wörter pro Beitrag: 44
Wohnort: Aachen
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 09.05.2009, 01:10                                  +/-

Um mal ein Thema wieder zurückzuspringen: Ich habe gerade mein erstes komplettes Dylan-Album gehört. Modern Times.
Sehr cool. Sehr entspannt. Unglaublich unaufgeregt. Mir gefällts. Mehr hab ich gerade aber auch nicht zu sagen, es ist spät und ich bin müde.


_________________
Schwarz und Gelb sind unsere Farben
Die wir in den Herzen tragen
Für immer
Für immer
Für immer
BVB!
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 26.06.2009, 11:15                                  +/-



Ich habe mich gestern in ein neues Album verliebt, da sich noch gar nicht kenne, aber all die Schnippsel im Netz reichen mir schon aus, es handelt sich um God help the girl, ein Projekt von Stuart Murdoch, des Sängers von Belle and Sebastian.

Melodische Popsongs im Stil von 60er-Jahre-Filmliedern á la Nancy Sinatra, mit verschiedenen Sängerinnen und einer 45-Mann-Kapelle aufgenommen, sehr schöner Sound. Irgendwie sollte das mal ein Musical/Film werden und jetzt ist nur noch der Soundtrack übrig oder so, hab ich noch nicht ganz durchstiegen. Aber hört und seht selbst:

Die Website mit Hörproben

Weitere (und bessere) Hörproben bei myspace

Ein offizielles Video

Ein "behind the scene"-Video, das sehr hübsche Sängerinnen zeigt, der gute Stuart Murdoch weiß, wie das Business funktioniert.

Oder um alles zusammenzufassen:


User, denen God help the girl gefallen könnte: Wichtelhexe, Kaylee, Helcaraxe


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


Beiträge: 14361
Wörter pro Beitrag: 34
Wohnort: in the moment
Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 26.06.2009, 11:30                                  +/-

Du könntest doch jetzt mal Jackson-Alben durchhören und uns vorstellen, PK.


_________________
„Hm, ich hätte Appetit auf generell asiatisch.“
(Tyler D.)
Nach oben
Antworten mit Zitat
Nichtraucher
Fun Bobby


Beiträge: 41118
Wörter pro Beitrag: 37

Private Nachricht senden

BeitragVerfasst am: 26.06.2009, 11:33                                  +/-

Wozu?


_________________
You met me at a very strange time in my life.
Nach oben
Antworten mit Zitat
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Tylers Kneipe Foren-Übersicht -> Discothèque Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12  Weiter Alle
Seite 7 von 12

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Impressum. Powered by phpBB © 2001, 2006 phpBB Group. Deutsche Übersetzung von phpBB.de