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Indianer verstaatlichen Erdöl- und Erdgasproduktion
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 16:43                                  +/-

Der bolivianische Präsident Evo Morales, der dem "indianischen" Volksstamm der Aymara angehört, hat die Verstaatlichung der Erdöl- und Erdgasproduktion seines Landes in Gang gesetzt. Die Bevölkerung von Bolivien besteht zu 80% aus den Nachkommen der Ureinwohner. Morales ist der erste Präsident Boliviens, der aus dieser Bevölkerungsschicht stammt. Seine Politik wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen.

Heute haben Soldaten der bolivianischen Armee die Erdöl- und Erdgasfelder besetzt. Die ausländischen Konzerne, die in Bolivien investiert haben (vor allem Briten, Brasilianer und Franzosen) haben nun 180 Tage Zeit, um sich mit der Regierung auf eine entsprechende Abänderung der Verträge zu einigen. Was in dieser Zeit und danach passiert ist natürlich unbekannt.

Ich eröffne diesen Thread, weil Bolivien nur ein weiteres südamerikanisches Land ist, in dem eine Anti-Globalisierungsbewegung die Kontrolle übernimmt. Zuvor gab es dies bereits in Venezuela (großer Exporteur von Erdöl), Brasilien, Uruguay, Argentinien und sogar Chile. Tagesschau.de formuliert dies so:

Tagesschau.de
Die südamerikanische Linke ist im Aufwind. Denn der wirtschaftsliberale Kurs hat in den meisten Ländern versagt. Armut und soziale Ungleichheit sind gewachsen. Dagegen rebellieren immer mehr Südamerikaner. Sie fordern einen Kurswechsel - und wählen links.

Von Britta Scholtys, tagesschau.de

Der Linkstrend in Südamerika setzt sich fort. Das hat der Wahlsieg der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet in Chile erneut gezeigt. Bis auf Kolumbien stehen derzeit in fast allen großen Ländern Südamerikas linksgerichtete Politiker an der Spitze: Nestor Kirchner in Argentinien, Luiz Inacio Lula da Silva in Brasilien, Tabaré Vazquez in Uruguay, Michelle Bachelet in Chile, Evo Morales in Bolivien und Hugo Chavez in Venezuela. Angesichts der zunehmend größeren Kluft zwischen Arm und Reich auf dem Subkontinent, fordern immer mehr Südamerikaner auch an den Wahlurnen einen Wechsel.


Obwohl ich der Meinung bin, dass eine solche linke (?) Verstaatlichungspolitik wie sie in Venezuela und Bolivien stattfindet, für Europa keine Alternative wäre, habe ich irgendwie Sympathien für diese Volksbewegungen in Südamerika. Es ist ja nun einmal schwer zu leugnen, dass die oftmals vom Internationalen Währungsfond und ähnlichen Taktgebern der neoliberalen Globalisierungspolitik erzwungene Wirtschafts- und Innenpolitik gerade in Südamerika zu krassen Fehlentwicklungen geführt hat.

Ich denke schon, dass diese Länder sich von "uns" nicht ausbeuten lassen sollten. Ich bin mir bewusst, dass dies auf Dauer zu steigenden Preisen für Erdöl und Erdgas, Bananen und andere südamerikanische Produkte führen wird, bin aber bereit diesen Preis zu zahlen, wenn dafür der Lebensstandard in den ausgebeuteten Ländern ansteigt. Ich sehe nicht ein, dass diese Länder durch weltökonomische Zwänge dazu ausgeliefert sein sollen, der Welt billige Rohstoffe zu verkaufen, alles vorbei an der einheimischen Bevölkerung. Das ist doch genau die Politik, die beispielsweise in Ländern wie Nigeria dazu führt, dass schwer bewaffnete Soldaten ärmste Einheimische erschießen, weil sie beispielsweise Erdöl von den Pipelines multinationaler Konzerne illegal abzapfen.

Wenn korrupte Eliten sich am Sellout der Rohstoffbasis eines an sich reichen Landes schamlos bereichern und dies in mehr oder weniger friedlichen Revolutionen gestoppt wird, dann ist das doch gut, oder?


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 16:51                                  +/-

Es ist krass. Ich geh durch die Fussgängerzone und denke alle paar Meter: Alter, das ist doch Evo Morales, der da in die Pan-Flöte sabbert Überrascht

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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 17:00                                  +/-

Na toll. Und ich habe Gewissensbisse, wenn ich bei der Kombination dunkle Hautfarbe + Kakaoprodukte schmunzeln muss. :nene:


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„Hm, ich hätte Appetit auf generell asiatisch.“
(Tyler D.)
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Oxford
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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 17:04                                  +/-

Psycho Dad
Na toll. Und ich habe Gewissensbisse, wenn ich bei der Kombination dunkle Hautfarbe + Kakaoprodukte schmunzeln muss. :nene:


Siehst du, das ist der Unterschied, den ich im Friedman-Thread zu erklären versucht habe. Ich habe KEINE Gewissensbisse, du schon. Daher wissen wir jetzt auch, wer von uns der Rassist ist Spitze

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Morgi



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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 20:25                                  +/-

Irgendwie gibt es in der südamerikanischen Politik keinen gesunden Mittelweg. Entweder herrschen rechtsrandige, semifaschistische Militärdiktatoren, oder linksrandige, semikommunistische Populisten Geschockt
Morales an sich ist schon mal ein sehr unangenehmer Mensch, so rein instinktiv. Das andauernde Auftreten in Militärstiefeln und mit gezückter Waffe, die wüsten Drohungen, der wilde Antiamerikanismus, die Neigung zum Kommunismus und die Sympathie für Steinzeitdespoten wie Fidel Castro - alles ziemlich eklig.
Bolivien wird auch ziemlich bald merken, wie sehr sich ein Staat durch Enteignungen ins eigene Fleisch schneidet - spätestens dann, wenn in den nächsten Wochen und Monaten die Investorenflucht das Land finanziell ausbluten lassen wird. Welcher klar denkende Geschäftsmann hat noch Interesse, sich in einem Land zu engagieren, in dem es jeden Tag geschehen kann, dass bewaffnete Soldaten sein Unternehmen besetzen und ihm mitteilen, dass es in Staatsbesitz übergegangen sei?
Ganz abgesehen davon, dass wirtschaftliche Diktatur über kurz oder lang auch immer zu gesellschaftlich-politischer Diktatur führt.
Das Dumme ist nur, dass ich in den meisten südamerikanischen Staaten keine zivilisierte politische Gruppierung sehe, die eine vernünftige Politik betreiben könnte. Wenn es mit Morales oder Chavez einmal bergab geht, werden sie wohl von halbfaschistischen Militärs ersetzt, deren Herrschaft eher noch schlimmer sein wird.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 22:41                                  +/-

Um ein paar Missverständnisse und Hintergründe aufzuklären:

Normalerweise investieren Unternehmen, auch ausländische Gesellschaften. Aber in der Mineralölbranche... da geht es nicht darum eine Fabrik aufzubauen, sondern um möglichst effizienten, schnellen und lukrativen Raubbau von Resourcen. Und wenn das Öl weg ist, ist es weg. Volkswirtschaftlich ist es eigentlich recht sinnvoll, dass Gewinne aus Bodenschätze wenigstens anteilig dem Staatshaushalt zugute kommen.

Die Verträge der staatlichen Erdölgesellschaft mit den privaten Firmen sind auch ziemlich schlecht. Ich habe gelesen, Vertragsgrundlage sei ein Preis von 15 Dollar je Barrel, der Weltmarktpreis liegt aber bei 60 Dollar! Nicht gerade fair. Und die Scheichs in Dubai und den Emiraten sind auch nur so reich, dass sie sich vergoldete Prachtstädte in der Wüste leisten können, weil die Kohle in ihre Taschen fließt und nicht nur in die der Ölkonzerne.

Das da jetzt markig mit Soldaten aufgetreten wird, heißt auch nicht, dass eine Verstaatlichung demokratisch anrüchig sei. Laut Thanils Tagesschaulink ist das mit einer Volksabstimmung abgesegnet.

Wegen dem linkspolitischen südamerikanischen Block gegen die rechtskonservative USA... tja, sie war fast 200 Jahre lang der Hinterhof von Nordamerika: Seit 1823 intervenierten die Vereinigten Staaten über 100-mal militärisch in Mittel- und Südamerikas. Da erwacht jetzt einfach nur ein neues Selbstbewusstsein und die Idee des lateinamerikanischen Paniberismus gabs seit der Unhängigkeit und Simon Bolivar.

Außerdem sympathisiere mit Ländern die wenigstens ein bisschen gegen die Globalisierung und Neoliberalismus revoltieren. Viva La Revolución!

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Morgi



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BeitragVerfasst am: 02.05.2006, 22:51                                  +/-

Zitat:
Volkswirtschaftlich ist es eigentlich recht sinnvoll, dass Gewinne aus Bodenschätze wenigstens anteilig dem Staatshaushalt zugute kommen.


Das kann man doch aber friedlich und zivilisiert mit einer höheren Mineralölsteuer regeln. Außerdem gehe ich davon aus, dass bei Morales damit die Hemmschwelle überschritten ist, die wirtschaftliche Macht beim Staat zusammenzuballen. Glaubst du wirklich, Morales hätte jetzt noch Bedenken, auch andere Unternehmen und Wirtschaftszweige zu verstaatlichen, wenn er das gerade als sinnvoll ansehen sollte? Sowohl in Venezuela als auch in Bolivien sehe ich die massive Gefahr, dass sich dort eine Wirtschaftsdiktatur etablieren wird, eine Sowjetunion light. Und wie ich schon schrieb: Nach der wirtschaftlichen Freiheit kommt praktisch zwangsläufig auch die politische und gesellschaftliche Freiheit dran. Ein Staat, der alle relevanten Wirtschaftszweige eisern im Griff hat, kann mit seinen Bürgern und dem politischen System im Grunde machen, was er will.
Für mich schmeckt Morales´ Programm nach einem verdünnten Mini-Lenin.
Und ganz unseriös betrachtet, gefällt mir mein Bauchgefühl einfach nicht. Bei der Herrschaft markig und aggressiv auftretender Demagogen, die ihre Wählerschaft mit antiamerikanischen und antikapitalistischen Ressentiments ködern, wird nichts Gutes herauskommen.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 00:45                                  +/-

MorgothderGrosse
Zitat:
Volkswirtschaftlich ist es eigentlich recht sinnvoll, dass Gewinne aus Bodenschätze wenigstens anteilig dem Staatshaushalt zugute kommen.


Das kann man doch aber friedlich und zivilisiert mit einer höheren Mineralölsteuer regeln.


An diesem Satz sieht man, dass du von Bolivien (und Südamerika im Allgemeinen) nicht viel Ahnung hast. Was bringt eine hohe Mineralölsteuer in einem Land, in dem die Leute mit Ochs und Pferd unterwegs sind, oder mit dem Fahrrad, wenn's hochkommt.

Natürlich gibt es auch in Bolivien Straßen und Autos, aber der Großteil der Bevölkerung ist arm und hat keine Autos. Das sind Kokabauern und Tagelöhner von denen wir hier sprechen.

Nee, mit einer Mineralölsteuer kriegst du da keine Einnahmen. Die Ressourcen werden abgebaut und ins Ausland geliefert. Das geht völlig am Binnenmarkt vorbei.


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Kaylee



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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 09:19                                  +/-

Gibt es keine Mineralölausfuhrsteuer? ?????


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Ha! You afraid to get wet?
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 10:11                                  +/-

Du meinst wohl Zölle auf Exporte. Wäre vermutlich auch eine Möglichkeit. Ich denke aber mal, dass es sehr mühsam wäre bei täglich schwankenden Weltmarktpreisen die Zölle anzupassen. Man müsste ja einen ganzen bürokratischen Apparat haben, der das auch kontrolliert. Viel einfacher ist wohl direkt die Kontrolle über die Ressourcen zu übernehmen und sie dann nach Belieben auf dem Weltmarkt verkaufen zu können.


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 10:40                                  +/-

Zitat:
Viel einfacher ist wohl direkt die Kontrolle über die Ressourcen zu übernehmen und sie dann nach Belieben auf dem Weltmarkt verkaufen zu können.


Was aber gleichzeitig politische Instabilität, Investorenflucht und möglicherweise einen Handelsboykott der USA nach sich ziehen wird - finde ich nicht unbedingt begrüßenswert, aber ich denke, dass es darauf hinausläuft. Und das wird Morales wissen.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 04.05.2006, 11:47                                  +/-

Vielleicht weiß er das. Vielleicht sind er und seine Unterstützer davon überzeugt, dass es an der schlechten Lebenssituation der überwiegenden Mehrheit nichts weiter ändern wird.

Vielleicht ist er aber auch davon überzeugt, dass aufgrund des sich verknappenden Angebots an fossilen Energieträgern ein wirklicher Boykott nicht zu Stande kommen wird.


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Diamond Dog



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 14:33                                  +/-

MorgothderGrosse
Irgendwie gibt es in der südamerikanischen Politik keinen gesunden Mittelweg. Entweder herrschen rechtsrandige, semifaschistische Militärdiktatoren, oder linksrandige, semikommunistische Populisten Geschockt

das liegt aber nicht an denen, sondern an dir. Was ist z.b. lula, Kommunist oder Nazi?

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Diamond Dog



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 14:36                                  +/-

MorgothderGrosse
Bolivien wird auch ziemlich bald merken, wie sehr sich ein Staat durch Enteignungen ins eigene Fleisch schneidet - spätestens dann, wenn in den nächsten Wochen und Monaten die Investorenflucht das Land finanziell ausbluten lassen wird.
`
lächerliches Szenario. Das Land wird - im Gegenteil - durch solche Aktionen finanziell gesunden, da die Profite jetzt für Bolivien eingestrichen werden, nicht mehr für Erdgaskonzern XY.

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Morgi



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 14:39                                  +/-

Zitat:
lächerliches Szenario. Das Land wird - im Gegenteil - durch solche Aktionen finanziell gesunden, da die Profite jetzt für Bolivien eingestrichen werden, nicht mehr für Erdgaskonzern XY.


Das ist doch Quatsch. Die bolivianische Regierung wird sich mit dem gestohlenen Kapital jetzt vielleicht zwei, drei Jahre ganz gut finanzieren können, dann wird das Land durch wirtschaftliche und politische Isolation, die Investorenflucht und die wahrscheinlich bald einsetzende innere Korruption verarmen und ökonomisch ausbluten. Wie es in sozialistischen Staaten eben üblich ist.

EDIT: Grade auf der "Titanic"-Seite entdeckt:

Zitat:
Evo Morales-Anekdoten (1)
Eines Morgens wachte Evo Morales auf, hatte großen Hunger und kein Geld im Haus. Ratlos grübelte er eine Weile, was nun zu tun sei. Doch dann fiel ihm wieder ein, daß er ja Präsident von Bolivien war, und schnell hatte er die halbe Bäckerei und eine stattliche Marmeladenfabrik verstaatlicht. "Nun aber zum Geschäft", murmelte der gesättigte Morales schmunzelnd und wandte sich der Innenpolitik zu.


hähö

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 15:03                                  +/-

Morgi, vielleicht unterscheidet sich der Weg, den Morales geht, gar nicht so stark von dem Weg, den diverse arabische Emirate gegangen sind. Die fossilen Ressourcen werden zu hohen Kartellpreisen in alle Welt verkauft und man leistet sich vor Ort für das Geld extravagante Sozialstaaten oder versucht für die Zukunft noch andere Industriezweige aufzubauen, z.B. Tourismus.

Der Unterschied könnte schlicht und ergreifend sein, dass in Bolivien früher nur eine winzige Elite saumäßige Gewinne machte, und der Reichtum jetzt eben breiteren Schichten zugänglich wird (wodurch natürlich auch nicht so viel für jeden 'rumspringen wird).


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Diamond Dog



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 16:01                                  +/-

MorgothderGrosse
Das ist doch Quatsch. Die bolivianische Regierung wird sich mit dem gestohlenen Kapital

welches gestohlene Kapital?

gestohlen wurde vor allem das Erdgas und das Erdöl Boliviens...

bezüglich deiner Prophezeihungen: abwarten, Venezuela z.b. gehts ganz gut...



achja Morgi... warum diskutieren wir das eigentlich nicht im FF? Hallo grins

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Morgi



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 18:41                                  +/-

@thanil. Und habe ich diese arabischen Staaten verteidigt? Es handelt sich dabei praktisch ausnahmslos um extrem unfreie, halbdiktatorische Staaten mit mittelalterlichen politischen Strukturen. Das ist ganz sicher nicht der Weg, den ich anderen Staaten wünsche. Übrigens sind die arabischen Staaten gar nicht sooo reich, wie oft suggeriert wird. Sogar der reichste von ihnen, die Vereinigten Arabischen Emirate, ist mit einem jährlichen BSP/Kopf von rund 20 000 US-Dollar merklich ärmer als die USA oder Japan und immer noch etwas ärmer als die meisten alten EU-Staaten. Kuwait, Saudi-Arabien, Jemen oder der Oman sind sogar ziemlich drastisch ärmer als Europa oder Nordamerika. Ich wage zu behaupten, dass die arabischen Staaten die EU, Japan und die USA, was den Durchschnittswohlstand angeht, schon längst bei weitem überholt hätten, wenn dort wirtschaftlich und politisch freie Strukturen herrschen würden.

Zitat:
Der Unterschied könnte schlicht und ergreifend sein, dass in Bolivien früher nur eine winzige Elite saumäßige Gewinne machte, und der Reichtum jetzt eben breiteren Schichten zugänglich wird (wodurch natürlich auch nicht so viel für jeden 'rumspringen wird).


Der Staat hat aber einfach nicht das Recht, seine erfolgreicheren Bürger bzw. Unternehmen zu bestehlen, um das Diebesgut so zu verteilen, wie er es für gut hält. Wenn ein Unternehmer erfolgreich wirtschaftet, ohne dabei kriminell zu handeln, hat der Staat ihm seinen Reichtum zu gönnen. Natürlich kann man erfolgreiche Unternehmer durch Sozialgesetzgebungen und höhere Steuern an ihre gesellschaftliche Verantwortung mahnen - ihr gesamtes Eigentum ohne nähere Begründung zu rauben, ist dagegen verbrecherisch. Erfolgreich zu sein, ist keine Straftat.

@Pornobalken.
Zitat:
welches gestohlene Kapital?

gestohlen wurde vor allem das Erdgas und das Erdöl Boliviens...


Wenn ich mich nicht irre, hat Morales auch das ganze in Bolivien vorhandene Kapital der Erdöl- und Erdgasgesellschaften an sich gerissen - auch, wenn das weitaus weniger sein wird als der potentielle Wert der Rohstoffe.
Und man kann nun einmal nicht abstreiten, dass Morales bzw. der bolivianische Staat sich schlicht räuberisch verhalten haben. Er hat, ohne dass irgendeine Straftat vorlag, Rohstoffe und Kapital gestohlen, die von diesen Unternehmen einmal rechtmäßig erworben wurden. Sollte ich in meinem Hof eine Ölquelle entdecken, hat der deutsche Staat auch nicht das Recht, mein Haus von Soldaten besetzen zu lassen, mich zu enteignen und die Erträge der Ölquelle in die Staatskasse fließen zu lassen.

Zitat:
achja Morgi... warum diskutieren wir das eigentlich nicht im FF?


In dem Geisterboard lebt doch niemand mehr Geschockt

EDIT: Noch ein allgemeiner Nachschub an beide. Offenbar seid ihr nicht ganz von der sozialistischen Fehlannahme losgekommen, dass ein Staat wohlhabend wird, wenn man die Reichen beklaut und ihren Besitz aufteilt. So hübsch das auch klingen mag - es klappt einfach nicht. Die Sowjetunion, der gesamte ehemalige Ostblock, Kuba und diverse andere Dritte-Welt-Sozialismen beweisen sehr eindrucksvoll, dass man so mit Sicherheit keine stabile Volkswirtschaft auf die Beine stellt. Es wird auch in Bolivien nicht klappen.

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#18



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 20:54                                  +/-

Ich bezweifle, dass anhand des Beispiels Bolivien die große Lust gegeben ist, in eine deiner staatstheoretischen Diskussionen abzudriften Geschockt .

Zitat:
Die Sowjetunion, der gesamte ehemalige Ostblock, Kuba und diverse andere Dritte-Welt-Sozialismen beweisen sehr eindrucksvoll, dass man so mit Sicherheit keine stabile Volkswirtschaft auf die Beine stellt.


Kennste China?
Es stimmt schon, dass die sozialistische Wirtschaft in der UdSSR beim Aufbau eines Wohlstandes versagt hat. Allerdings liegt das nicht am Sozialismus und dem so ungerechten Beklau der Reichen, sondern an radikalem Moskauer Zentralismus, Qualitätsmangel und Strukturkrisen in der Industrie in den 80ern, einem zu starken militärindustriellen Produktionskomplex, den Konflikten zwischen den Minderheiten und den enormen Unterschieden im Lebensstandard zwischen den Russen und den Turkmenen, Kirgisen etc.


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 21:24                                  +/-

Chinas Wirtschaft floriert momentan, weil der wirtschaftliche Sozialismus dort gerade verschwindet und der Marktwirtschaft Platz macht (Dass China politisch immer noch eine kommunistische Diktatur ist, ändert daran nichts).
Als China noch sozialistisch gewirtschaftet hat, ging es dem Land verflucht dreckig. In den ersten Jahrzehnten unter Mao derart schlimm, dass zig Millionen Chinesen an Hunger verreckt sind.

Der Sozialismus hat ja nicht nur in der Sowjetunion versagt und zu Armut und Korruption geführt. Sondern auch in Ungarn. In Polen. In Rumänien. In der DDR. In Kuba. In Vietnam. In...
Irgendwie ist es aber auch typisch deutsch, an einer Idee festzhalten, die zwar in 100 von 100 Fällen, in denen ihre Umsetzung versucht wurde, katastrophal gescheitert ist, die ja aber irgendwie beim 101. Versuch doch klappen müsste, weil man die Theorie ja für richtig befunden hat...

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Thanil
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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 23:46                                  +/-

Wie immer ist es nützlich einen Blick in die Wikipedia zu werfen, bevor man in Grundsatzdebatten abgleitet. Sonst redet man nicht über das ursprüngliche Thema, sondern weit entfernt von konkreten Fakten und Situationen über philosophische Fragen (Sozialismus vs. Kapitalismus, etc.).

Wikipedia über Bolivien
Verstaatlichung des Erdgassektors

Bolivien verfügt über Südamerikas zweitgrößte Erdgasreserven, 90 Prozent davon gehen in den Export. Präsident Morales kündigte im Wahlkampf an, die mit dem Ley de Capitalizacion 1994 privatisierte Industrie wieder unter staatliche Kontrolle zu stellen. Am 1. Mai 2006 erließ er zu diesem Zweck das Decreto Supremo Nr. 28701. Danach übernimmt die staatliche YPFB (Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos) ab diesem Datum die 50% Aktienanteile an den Unternehmen Chaco SA (Tochterfirma von BP), Andina SA (Tochterfirma von Repsol) und Transredes SA (Tochterfirma von Shell), die im Zuge der damaligen Privatisierungen an einen Pensionsfonds gegangen waren. Das D.S. verpflichtet darüber hinaus die genannten Firmen, so viele Aktion an YPFB zu verkaufen, daß diese die Aktienmehrheit erhält.


Für mich klingt das so, als habe der Staat Bolivien vor ca. 10 Jahren seine Mehrheitsanteile an den genannten Firmen in einem Pensionsfonds geparkt. Das war wohl eine ähnliche Privatisierung, wie sie in Deutschland mit der Deutschen Bahn und der Telekom durchgeführt wurde, jedenfalls was die erste Phase angeht.

Darüber hinaus stellen wir fest, dass es sich bei den betroffenen Unternehmen um Tochterunternehmen multinationaler oder global agierender Unternehmen handelt: Shell, BP und Repsol.

Es kann also nicht die Rede davon sein, dass der Staat Bolivien damit aufstrebende und erfolgreiche Schichten der eigenen Bevölkerung schädigt, sondern höchstens die Kriegskassen einiger "Global Players", die - vermutlich trotz hoher Steuern - für billiges Geld bolivianische Ressourcen "absahnen", um sie mit schöner Marge auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

Zitat:
Für die übrigen im Land tätigen erdgasfördernden und -verarbeitenden Unternehmen enthält das D.S. die Verpflichtung, innerhalb von 180 Tagen neue Verträge mit YPFB auszuhandeln, die dieser die Kontrolle über Förderung und Produktion erlauben. In der Zwischenzeit wird der Steuersatz auf die in den großen Gasfeldern San Alberto und San Antonio tätigen Repsol und Petrobas auf über 80% erhöht.

Mit diesen Maßnahmen soll laut Morales das bolivianische Volk die Souveränität über seine wichtigsten Ressourcen wiedererlangen. Er plant daher nach seiner Aussage ähnliche Maßnahmen im Bergbau- und Forstsektor. Die Regierungen von Spanien (Repsol) und Brasilien (Petrobas) haben ihre Besorgnis ausgedrückt.


Die Frage ist halt, wie viel Nutzen Bolivien daraus zieht, wenn multinationale Konzerne in Bolivien Ressourcen ausbeuten, von den Gewinnen aber wenig oder nichts im Lande bleibt.

Es handelt sich um eine völlig andere Situation als in anderen Ländern. Mit Europa ist das schon einmal gar nicht vergleichbar. Vielleicht auch nicht mit China oder Russland. Das sind ja alles keine Länder, die von außen her "ausgeplündert" werden oder wurden.

Entscheidend ist, dass Morales eine Wirtschaftspolitik betreibt, welche die innere Entwicklung des Landes befördert. Das Geld, das mit dem Ergashandel verdient wird, muss sinnvoll im Inland investiert werden, damit sich - ähnlich wie vielleicht in China - eine prosperierende Wirtschaft entwickeln kann.


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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 00:32                                  +/-

Zitat:
Für mich klingt das so, als habe der Staat Bolivien vor ca. 10 Jahren seine Mehrheitsanteile an den genannten Firmen in einem Pensionsfonds geparkt. Das war wohl eine ähnliche Privatisierung, wie sie in Deutschland mit der Deutschen Bahn und der Telekom durchgeführt wurde, jedenfalls was die erste Phase angeht.


Folglich waren die bisherigen Eigentümer rechtmäßige Besitzer und keine Banditen, die sich die Rohstoffe widerrechtlich angeeignet haben. Oder nicht?

Zitat:
Darüber hinaus stellen wir fest, dass es sich bei den betroffenen Unternehmen um Tochterunternehmen multinationaler oder global agierender Unternehmen handelt: Shell, BP und Repsol.


Äh, na und? Ist es weniger schlimm, wenn eine Regierung Menschen oder Unternehmen einer anderen Staatszugehörigkeit beraubt?

Zitat:
Es kann also nicht die Rede davon sein, dass der Staat Bolivien damit aufstrebende und erfolgreiche Schichten der eigenen Bevölkerung schädigt, sondern höchstens die Kriegskassen einiger "Global Players", die - vermutlich trotz hoher Steuern - für billiges Geld bolivianische Ressourcen "absahnen", um sie mit schöner Marge auf dem Weltmarkt zu verkaufen.


Ja, Gewinn zu machen ist in der Tat der Sinn jeder Form von Wirtschaft. Ich weiß aber auch nicht so ganz, was unmoralisch daran ist, Gewinn anzustreben, wenn man dabei immer im Rahmen des Legalen bleibt.

Zitat:
Entscheidend ist, dass Morales eine Wirtschaftspolitik betreibt, welche die innere Entwicklung des Landes befördert.


Und das schafft man am besten, indem man sein Land in die totale Isolation treibt und von der Weltwirtschaft vollkommen abschneidet, wie es Morales momentan tut ugly

Zitat:
Das Geld, das mit dem Ergashandel verdient wird, muss sinnvoll im Inland investiert werden, damit sich - ähnlich wie vielleicht in China - eine prosperierende Wirtschaft entwickeln kann.


Erstens wird es schon einmal schwierig werden, die Rohstoffe loszubekommen, weil Bolivien sich grandios ins politische Abseits manövriert hat. Zumindest gehe ich davon aus, dass die USA ihre Handelsbeziehungen zu Bolivien abbrechen werden - und das wäre schon mal ein herber Schlag. Und zweitens ist es doch geradezu absurd, von einer mehr oder weniger planwirtschaftlichen Staatszwangswirtschaft eine prosperierende Wirtschaftsentwicklung zu erwarten. Eine blühende Wirtschaft entsteht durch eine vitale Szene von Privatunternehmern oder gar nicht. So sehr ich mich anstrenge, mir fällt nicht ein einziges historisches Beispiel eines Staates ein, in dem eine staatlich extrem kontrollierte Zwangswirtschaft zu einer ökonomischen Gesundung geführt hat. Am Ende sahen diese Staaten alle aus wie ehemalige Ostblockstaaten oder noch schlimmer.

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