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Alles was ich über de Sade nie wissen wollte
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GuyIncognito



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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 10:21                                  +/-

Helcaraxe
Sie wäre auch gar nicht zu kritisieren, wenn es nicht Leute gäbe, denen das alles noch nicht weit genug geht und die ständig Illiberalität monieren. zwinkern

Solche Leute gab es immer und wird es immer geben. Wie es auch Menschen gibt, denen die Freizügigkeit zu weit geht und die lieber eine strengere Moral einführen würden.

Jeder will seine Persönlichkeit ausleben.

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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 10:22                                  +/-

Bestreitet ja keiner.

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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 12:31                                  +/-

Hel.:
Was für Praktiken, von denen bisher die Rede war, würdest du denn gerne mal ausführen? Mit den Augen rollen

Zum Thema Liberalität/Illiberalität ist ja in früheren Threads schon fast alles gesagt worden, die Wiederholung wäre (fürs erste) langweilig, daher nur noch mal der obligatorische Hinweis, dass man auch bei Sade natürlich zwischen den lediglich nicht der Norm entsprechenden (und in keiner Weise zu verurteilenden) und den auf Gewaltakten basierenden Praktiken unterscheiden muss (was die Libertins selbst unsinnigerweise nicht wirklich tun).

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 13:08                                  +/-

Adrian, hast du mal "American Psycho" gelesen? Und falls ja, wie würdest du die in diesem Roman dargestellte Mischung aus Sex und Gewalt im Verhältnis zu de Sade's Ausführungen sehen?


_________________
„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 13:41                                  +/-

AdrianB
Hel.:
Was für Praktiken, von denen bisher die Rede war, würdest du denn gerne mal ausführen? Mit den Augen rollen

Also, gegen die Orgie an sich ist ja nichts einzuwenden. zwinkern Man müsste nur die Lustknaben und die "Peitschen, Klatschen, Skalpelle, Beißzangen, Stilette und andere Marterinstrumente" weglassen. Wobei ...uhm... *spank* *knicknack*

AdrianB
Zum Thema Liberalität/Illiberalität ist ja in früheren Threads schon fast alles gesagt worden, die Wiederholung wäre (fürs erste) langweilig

Stimmt.

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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 13.06.2006, 20:00                                  +/-

thanil: Ne, kenn ich leider nicht. Sollte ich das ändern?

Lassen wir jedenfalls noch mal unsere Philosophen zu Wort kommen:

" - Glaubst du denn, dass keiner von ihnen schlecht sei, bohrte Jerome weiter.
- Ich denke, dass jeder von ihnen natürlich ist; daraus könnt ihr zur Genüge ersehen, dass ich sie allesamt für gut befinde; denn entweder weiß die Natur nicht, was sie tut, oder sie hat uns lediglich jene Triebe eingehaucht, die den Absichten, die sie mit uns verfolgt, unentbehrlich sind.
- Demnach, folgerte Jerome, waren die abartigen Gemüter des Tiberius und des Nero naturgewollt?
- Gewiß, und ihre Verbrechen haben der Natur gedient; denn es gibt kein einziges Verbrechen, das ihr nicht diente, kein einziges, auf das sie verzichten könnte.
- Diese Lehrgebäude stehen derart felsenfest, warf Clement ein, dass es mir nicht in den Kopf will, wie man überhaupt noch auf sie zurückkommen kann.
- Ihre Verderbtheit entzückt mich, erklärte Severino; deswegen, und um Sylvestre und Ambroise Gelegenheit zu geben, ihren Scharfsinn besser zur Geltung zu bringen, habe ich ihnen widersprochen.
- Wir wollen nicht so ungerecht sein, meinte Ambroise, auch nur einen Augenblick zu bezweifeln, dass du hier lediglich aus Spielfreude in die Rolle des Widerspruchsgeistes geschlüpft bist und dass die von mir dargelegte Gesinnung deinen Geist nicht weniger beherrscht als den meinigen.
- Ich will doch sehr hoffen, dass diese Gesinnung von euch allen geteilt wird, bekräftigte Severino; womöglich ist sie bei mir noch viel ausgeprägter; ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich mich nach einem Verbrechen von derartigem Ausmaß sehne, dass alle meine Leidenschaften auf einen Schlag befriedigt würden; doch unter allen Verbrechen, die ich kenne, finde ich keine Nahrung, um die Leidenschaften zu stillen, die mich verzehren; alles bleibt hinter meinen Vorstellungen zurück, und nichts befriedigt meine Gelüste.
- Seit Urzeiten schon stehe ich an diesem Punkt, stimmte Jerome bei, und seit mehr als 20 Jahren habe ich nunmehr nur noch einen Steifen, wenn ich mir ein Verbrechen ausmale, das alles übersteigt, was der Mensch vollbringen kann; leider aber kann ich es nie und nimmer in die Tat umsetzen; alles, was wir auf Erden tun, ist lediglich der allerschwächlichste Schatten dessen, was wir vollbringen möchten; und die Unmöglichkeit, der Natur zu schaden, ist nach meinem Dafürhalten die größte Strafe für den Menschen.
- Steht er Ihnen, Jerome? fragte Severino
- Davon kann keine Rede sein, meine Freunde; seht meinen Schwanz, wie schlaff er ist. Ah! Ob er mir steht oder nicht, ich verspüre stets denselben Drang zum Bösen, stets eine gleichbleibende, unersättliche Gier, Böses zu wirken, tat ich dies doch öfter kalten Sinnes denn hitzigen Blutes.
- Demnach, stellte Severino fest, sind Sie nur in diese Ordenskutte geschlüpft, um die Menschen zu nasführen.
- Freilich, bestätigte Jerome; dies ist das Mäntelchen der Heuchelei; das einzige, das man niemals ablegen sollte. Die höchste aller Künste auf Erden ist die Täuschung; es gibt nichts, was mehr fommt; nicht die Tugend gereicht dem Menschen zum Wohl, sondern ihr Schein; wer niemals einer Sache auf den Grund geht, dem genügt die Hülle.
- Und schon entstehen auf einen Schlag lauter neue Laster, denn ihrer tausend erwachsen aus der Heuchelei.
- Ein weiterer Grund, sie zu lieben, bestätigte Jerome; ich gestehe euch, dass ich in meiner Jugend nur dann herzhaft fickte, wenn das Opfer durch Tücke und Heuchelei in meine Gewalt geriet; eines Tages muss ich euch wohl die Geschichte meines Lebens erzählen.
- Wir brennen darauf, ihr zu lauschen, sprachen wie aus einem Mund Ambroise und Clement.
- Dann werdet ihr gewärtigen, dass ich des Verbrechens niemals überdrüssig ward.
- Eh! wer vermöchte dies, rief Sylvestre; gibt es etwas, das die Seele mächtiger erregt? etwas, das die Sinne nachhaltiger kitzelt als das Verbrechen? Oh, meine Gefährten!; könnten wir ihm doch nur tagein, tagaus und ohne Unterlaß frönen!
- Gemach, gemach, fährt Severino in seiner Rolle als Widerspruchsgeist fort, der Tag wird kommen, an dem der Glaube euer Herz umstimmen wird, an dem euch der Gedanke an das höchste Wesen sowie an den ihm gebührenden Gottesdienst aller Vorgaukelungen der Sinneslust berauben und euch dazu bewegen wird, diesem heiligen Gott alle Regungen eures Herzens anzuvertrauen, in dem das Verbrechen ehedem überhand genommen hatte.
- Freund, versetzt Ambroise, die Religion treibt ihr Unwesen nur in den Köpfen der Leute, die ohne sie nichts erklären können; sie ist das Nec plus ultra der Unwissenheit; unseren philosophischen Blicken jedoch gilt die Religion nur als dummdreistes Ammenmärchen, das höchstens unsere Verachtung ernten kann; denn welche Aufschlüsse vermittelt uns diese hehre Religion wirklich? Ich wünschte sehr, dass man mir dies auseinandersetzte; je genauer man sie durchforscht, desto deutlicher gewahrt man, dass dieses theologische Traumgeflitter nur das angetan ist, alle unsere Vorstellungen in Nebel zu hüllen und alles zum Mysterium zu wandeln. Erklärt man etwa die Natur, indem man ihre Vorgänge unbekannten Kräften, unsichtbaren Mächten und unstofflichen Ursachen zuschreibt? Kann sich der menschliche Geist wirklich zufrieden geben, wenn man ihm erzählt, er solle sich über das, was er nicht begreift, durch die noch weitaus unverständlichere Vorstellung eines Gottes Klarheit verschaffen, den es nie gab? Kann das Wesen des Menschen, das für sich allein genommen schon schwierig genug zu erhellen ist, durch das Wesen Gottes faßlich werden, unter dem man sich nichts vorstellig machen kann und das den gesunden Menschenverstand vor den Kopf stößt? Fragen Sie einen Christen, will sagen einen Dummbart, denn nur einem Dummbart steht es an, Christ zu sein; fragen Sie ihn, sage ich, wes Ursprunges die Welt sei, er wird ihnen sagen, Gott habe die Welt erschaffen; fragen Sie ihn nun, was Gott sei, er weiß es nicht; was erschaffen bedeute, er hat keine Ahnung; wo die Ursache für Seuchen liege, für Hungersnöte, Dürren, Überschwemmungen, Erdbeben, er wird Ihnen sagen, im Zorn Gottes; fragen Sie ihn, welche Mittel solches Leid lindern könnten, er wird Ihnen entgegnen: Gebete, Opfer, Wallfahrten, Spenden, Gottesdienste. Doch warum zürnt der Himmel? Weil die Menschen schlecht sind; warum sind die Menschen schlecht? Weil ihr Wesen verderbt ist; wo liegt die Ursache dieser Verderbnis? Das komme daher, wird man Ihnen antworten, dass der erste Mann, von der ersten Frau verführt, einen Apfel verspeist habe, an den zu rühren ihm sein Gott verboten hatte; wer brachte die Frau dazu, eine solche Torheit zu begehen, wenn das Wesen des von Gott geschaffenen Menschen doch ursprünglich gut war? Der Teufel; doch wer hat den Teufel erschaffen? Gott; wieso schuf Gott den Teufel, der dazu ausersehen ist, das Menschengeschlecht in Sünde fallen zu lassen? man weiß es nicht; es ist dies ein Mysterium, welches im Schoße jener Gottheit verborgen liegt, die ihres Ortes ein Mysterium ist. Werden Sie weiterbohren? Werden Sie einen solchen Esel fragen. was die Grundlage der Taten und Regungen des menschlichen Herzens sei? Er wird ihnen sagen, dies sei die Seele; was aber soll die Seele sein? Ein Geist; und was ist ein Geist? eine Wesenheit, die weder Form noch Farbe, weder Teile noch Ausdehnung aufweist; wie lässt sich eine solche Wesenheit denken? Wie kann sie einen Körper bewegen? man weiß es nicht; schon wieder ein Mysterium. Haben auch die Tiere Seelen? Nein; und warum sehen wir sie dennoch handeln, fühlen, denken, ganz wie die Menschen? Hier verstummen sie, weil sie keine Antwort wissen; in Wahrheit aber liegt der Grund ganz woanders; wenn sie den Menschen nämlich eine Seele zusprechen, dann nur aufgrund des Nutzens, den sie aus der Macht ziehen können, die sie sich über diese Seelen anmaßen, nur um mit ihnen nach Muße schalten und walten zu können; aus den Seelen der Tiere jedoch würden sie keinen vergleichbaren Nutzen ziehen, und für einen Doktor der Theologie wäre es allzu entwürdigend, wenn er seine eigene teure Seele mit derjenigen eines Schweines auf eine Stufe stellen müsste. In der Tat, um die Rätsel der körperlichen und geistigen Welt zu lösen, muss man sich recht knäbische Antworten aus den Fingern saugen!
- Doch wenn alle Menschen Philosophen wären, warf Severino ein, hätten wir keinen Nutzen mehr aus unserem Scharfsinn, und wir würden nicht mehr so einfach Opfer finden.
- Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass man dem Pöbel niemals die Augenbinde lüften sollte, erwidert Ambroise; er soll in seiner Stumpfheit und seinen Vorurteilen versumpfen, alles andere ist Nebensache. Woher nähmen wir die Opfer unserer Geilheit, wenn alle Menschen Verbrecher wären!Nein, wir wollen den Pöbel auf ewig unter dem Joch des Irrtums und der Lüge schmachten lassen; lasst uns fortwährend das Tyrannenszepter stützen, die Thronsessel schützen; diese wiederum schützen die Kirche; und die Gewaltherrschaft, als Ausgeburt dieser Allianz, wird unsere Vorrechte auf der ganzen Welt bewahren. Nur mit der eisernen Zuchtrute lassen sich die Menschen gängeln; ich wünschte, dass alle Herrscher, die hieraus gewaltigen Gewinn zögen, unseren Machtbereich ausweiten würde und dass in einem jeden dieser Staaten die Inquisition am Ruder wäre. Seht nur, wie sie das spanische Volk an seinen Herrscher fesselt; nirgendwo sind die Ketten so stählern wie in jenen Ländern, in denen sich dieses gnadenlose Gericht des Geschäftes annimmt, sie zu schmieden. Man jammert darüber, dass es blutrünstig sei; sei`s drum! ist es nicht besser, 10 Millionen fügsame Untertanen zu haben als 20 Millionen unbotmäßige? Nicht die Zahl seiner Untertanen macht die Größe des Fürsten aus, sondern die Tatsache, dass er die von ihm regierten Menschen unumschränkt beherrscht und knechtet; und eine solche Zwinggherrschaft kann stets nur mit Hilfe des Inquisitionsgerichtes statthaben, das, zur Wahrung von des Fürsten Ruhmesglanz, Tag für Tag all jene hinschlachtet, welche dies bedrohen. Eh! was zählt der Blutzoll, der zur Besiegelung herrschaftlicher Rechte entrichtet wird!
- Ich möchte wetten, meinte Sylvestre, dass diese wackeren Dominikaner in ihren Inquisitionsfoltern recht schmackhafte Nahrung für ihre Geilheit finden.
- Daran dürft ihr keinen Zweifel hegen, bekräftigte Severino, ich brachte nämlich sieben Jahre in Spanien zu; ich war mit dem damaligen Großinquisitor eng befreundet. Es gab wohl in ganz Asien keinen Harem, der unseren Verliesen gleichkäme; Weiber, Mädchen, Knaben, ich verfügte über Menschen beiderlei Geschlechts, jedweden Geblüts, aus allen Altersklassen und von allen Rassen; auf einen Wink hin lag mir alles zu Füßen; die Stockmeister waren meine Eunuchen, der Tod mein Zuhälter; man kann sich gar keinen Begriff davon machen, welchen Gewinn ich aus der von ihm verbreiteten Schreckensangst zog.
- Ah! Fick, was will man mehr, erregte sich Jerome, dessen Schwengel zu schwellen begann und der sich folgerichtig des 18jährigen Mädchens bemächtigt hatte; eh! was gibt es Wollüstigeres als die Freuden eines Gewaltherrschers; man muß dem objekt seiner Begierde Gewalt antun; sowie es sich aus freien Stücken hingibt, verfliegt die Lust.
Und da dieser unzüchtige Gedanke unsere Philosophen in Wallung versetzte, war zu gewärtigen, dass das Abendmahl in ein Bacchusfest ausarten würde."

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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 10:05                                  +/-

Hm, ich muss wohl mal wieder was zum Besten geben. Yes

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 10:59                                  +/-

Nö. Liest doch eh kein Mensch hier. Es wäre noch interessant gewesen, wenn du auf meinen Diskussionsansatz eingegangen wärest. Aber so? Laaangweilig!


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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 12:41                                  +/-

Doch, Morgi zB wollte Zugaben. Abgesehen davon bereitete es mir immer schon großes Vergnügen, meine Mitmenschen mit immer denselben Witzen/Geschichten etc. in den Wahnsinn zu treiben. Yes

Die Frage, die du in deinem "Diskussionsansatz" aufgeworfen hast, habe ich u.a. durch weitere Textbeispiele zu beantworten versucht, auf das wenige andere in deinem Beitrag, auf das sich einzugehen lohnte, bin ich durchaus eingegangen.

Zu den "phliosophischen Ausführungen" der Klosterbrüder hättest DU ja zB mal Stellung beziehen können, du Schweinebacke.

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:04                                  +/-

Dafür müsste ich mich ja durch deine ewig langen Textwüsten kämpfen. Ich denke, es wäre deine Aufgabe, aus den Textwüsten das deiner Meinung nach Beachtliche in eigenen Worten herauszuarbeiten und zur Diskussion zu stellen. Du könntest zum Beispiel dabei auch deutlich machen, welche Positionen du selbst vertrittst. Ich habe keine Lust mit de Sade zu diskutieren, sondern mit dir! Yes


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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:20                                  +/-

In eigenen Worten? Bullshit, das wäre dann ja nicht mehr der Originaltext.

Den Rest habe ich nicht getan, weil ich meinem Publikum ein gewisses Maß an Intellekt und eigenem Urteilsvermögen zugetraut hatte und erstmal dessen "geistreiche Kommentare" abwarten wollte, die ja aber leider ausblieben, abgesehen von einem solchen Helcaraxes, der aber leider völlig an der Sache vorbei ging.

Fazit: Ihr seid Schweinebackén (du ganz besonders) Yes

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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:28                                  +/-

Dann kannst du ja jetzt weiter Textlawinen ins Browserfenster wichsen. Spitze


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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:41                                  +/-

Nö! Ihr seid mir doch zu blöde.

Wahrscheinlich hast du dich heute morgen darüber gewundert, dass dein Frühstücksbrot mit dir geredet hat, das dich dann auf Nachfrage belehrte: "Wenn so ein Holzkopf wie du reden kann, wieso sollte ich es dann nicht können, wo ich doch aus bestem Weizenmehl bin?"



Zuletzt bearbeitet von Adrian am 08.08.2006, 14:48, insgesamt einmal bearbeitet
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:58                                  +/-

Es war nicht mein Frühstücksbrot, sondern meine Klobrille!


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Helcaraxe



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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:04                                  +/-

Deine Klobrille ist aus Weizenmehl!? Überrascht

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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:12                                  +/-

Thanil hat recht! Bums, aus, Mickey Maus!


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:28                                  +/-

Helcaraxe
Deine Klobrille ist aus Weizenmehl!? Überrascht


Ääh... Ja. http://www.marcusseidel.com/foren/smilies/smilnuts.gif

Oxford
Thanil hat recht! Bums, aus, Mickey Maus!


Das würde ich gern öfter von dir hören! grins


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:29                                  +/-

Dann gib mir Anlass grins

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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 13:15                                  +/-

Also gut, es nervt natürlich, in diversen Diskussionen (die man teilweise auch noch selbst angeleiert hat Geschockt ) immer wieder irgendwas von Humanität und Liberalität etc. zu sülzen, daher hier zur Abwechslung und nach langer Pause mal wieder was von meinem Lieblingsautoren, dem ich unendlich dankbar bin für die zahllosen humoristischen Höhepunkte, die er mir bereitet hat. Man kann ja über Sade sagen, was man will, er ist philosophisch wie literarisch einfach eine SINGULARITÄT, so etwas gab es noch nie zuvor und wird es wohl auch nie wieder geben. Spitze
Wir befinden uns hier in Band IV (das aus dem alten Thread war aus Band II) von "Justine und Juliette", in dem ein ehrwürdiger Bischof seine philosophischen und politischen Vorstellungen entwickelt. Ein Diskurs ohnegleichen!

"- Ganz recht, erwiderte der Bischof; wiewohl ich selber ein großer Verbrecher bin, wünschte ich, wie ich Ihnen nicht verhehlen will, dass es viel öfter zu gerichtlichen Hinrichtungen käme, als dies bislang der Fall ist, und vor allem, dass sie viel abschreckender ausfielen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand...doch nur Geduld, fuhr er fort und stieg herunter, um sich auf eines der Sofas zu fläzen; wir wollen diese Frage etwas genauer untersuchen, während ich neue Kräfte sammle. Nur keine Angst, Dubois, Ihr Schützling wird schon nicht zu kurz kommen.
Ihr gabt mit euren Worten der Vermutung Ausdruck, dass die Todesstrafen, die ich verhängen würde, unvergleichlich viel härter ausfielen als jene, die heutzutage in Anschlag gebracht werden; selbstverständlich wären unter meiner Herrschaft viel haarsträubendere Todesstrafen an der Tagesordnung, dies steht außer Frage. Dabei solltet ihr bedenken, dass die Unterwürfigkeit des Volkes, diese für jeden Machthaber vollkommen unverzichtbare Unterwürfigkeit, stets nur äußerster Härte und Grausamkeit zu verdanken ist. Jedes Oberhaupt, das mit Sanftmut regieren wollte, würde binnen Kürze vom Thron gestoßen werden; jenes unter dem Namen "Volk" bekannte Ungeziefer schreit geradezu danach, mit der Zuchtrute geführt zu werden; sowie ihr ihm Gelegenheit gebt, sich seiner Stärke bewusst zu werden, seid ihr verloren. Weshalb sollte man es also aufklären? Welcher Nutzen erwächst dem Fürsten aus einem Volk von Philosophen? Der beherrschte Untertan darf keine anderen Tugenden kennen als Duldsamkeit und Unterwürfigkeit; Geistesschärfe, Philosophie, Wissenschaft dürfen nur den Herrschenden zuteil werden. Werden diese Grundsätze mißachtet, bricht unverzüglich größtes Unheil über uns herein. Sobald sich in einem Staat ein jeder zur Mitsprache berufen fühlt, verflüchtigt sich seine Handlungsfähigkeit; denn dieser Hirnbrünstigkeit entspringt stets nur die Geißel der Anarchie. Nun, um diese Gefahr zu umschiffen, gibt es nur eins: äußerst gestrenge Gesetze erlassen, dem Volk jegliche Bildung vorenthalten, sich insbesondere der verderblichen Pest des Presswesens entgegenstellen, da diese das Brennglas jeglicher Volksaufklärung darstellt, und es schließlich durch ebenso zahlreiche wie grausame und ungerechte Hinrichtungen in Angst und Schrecken versetzen. Es gibt auf Erden kein fährnißreicheres Tier als das Volk; und jede Regierung, die es nicht zu grenzenloser Knechtschaft verdammt, gräbt sich naturnotwendig ihr eigenes Grab. Einzig und allein die unmäßigste Gewaltherrschaft verbürgt Sicherheit; lockert die Zügel, das Volk wird einen Aufstand wagen; gewöhnt es an den Wohlstand, es wird binnen kurzem unverschämt; klärt es auf, es wird euch beschimpfen.
Ihr solltet indes wissen, werte Freunde, dass ich mit "Volk" ausschließlich jene unter der Bezeichnung "Dritter Stand" bekannte Klasse meine, euch aber weiß Gott nicht. VOLK nenne ich jene nichtswürdige und verachtenswerte Klasse, die von der Natur als allgegenwärtiger Abschaum auf unseren Planeten geschleudert wurde und die wenn, dann nur im Schweiße ihres Angesichtes überleben darf; ebendieser Klasse habe ich immerwährende Ketten und Demütigungen zugedacht, denn ihre einzige Daseinsberechtigung besteht darin, den anderen zu Diensten zu sein. Ihr aber, die ich euch über den nichtswürdigen Pöbel erhebe, ihr solltet keinen Augenblick zögern, euch der allerdespotischsten Regierung freiwillig zu unterwerfen, denn sie allein wird eure Vorrechte wahren und durchsetzen. Wenn sie sieht, dass ihr nach ihrem Vorbild die Versklavung des Pöbels vorantreibt, wird sie sich geschmeichelt fühlen und eich, ganz nach euren Wünschen, einen Teil ihres Überflusses abtreten; und die von ihr erlassenen grausamen Gesetze werden eure Häupter stets nur streifen, um dafür diejenigen des Pöbels umso unbarmherziger zu treffen. Gibt es ein Land auf Erden, wo die Mächtigen glücklicher sind als in der Türkei? Zugegeben, sie fürchten den Galgen; doch dieser ereilt sie nur in Ausnahmefällen; da er lediglich für Verbrechen gegen den Staat vorgesehen ist, laufen sie keinerlei Gefahr, für ihre eigenmächtigen Frevel, für ihre heimlichen Greueltaten büßen zu müssen. Oh, ein Hoch! ein Hoch auf derlei Regierungen! Ich liebe die Zuchtrute, die mich verschont und mit der ich die anderen in Angst und Schrecken versetzen kann. Die Gewaltherrschaft eines Despoten, der sich seine Opfer nach Lust und Laune aussucht, ist viel süßer als die Herrschaft eines Gesetzes, das alle gleichermaßen trifft. Jawohl, ich wiederhole es liebend gern: Wenn ich Herrscher wäre, so flösse das Blut des Pöbels ohne Unterlaß; durch blutigste Schauspiele würde ich Zeit meines Lebens Angst und Schrecken verbreiten; schuldig oder unschuldig, ich würde die Leute schlachten; ich würde sie sämtlicher Mittel berauben, aus denen sie Kraft schöpfen könnten; ich würde sie durch pausenlose Fronarbeit gefügig machen und ihnen das Leben so sehr erschweren, dass es ihnen gar nicht erst in den Sinn käme, ihr Joch abzuschütteln...
- Man müsste sie zu Lasttieren herabwürdigen, sprach der Abbe, die man jederzeit abschlachten dürfte; gleich jenen Rindern, die in unseren Fleischereigeschäften feilgeboten werden; man müßte sie mittels Steuren und Abgaben ausquetschen...
- Ihr solltet euch stets vor Augen halten, nahm der Bischof den Faden wieder auf, dass die Triebfedern des Staates von diesem verderbnisreichen Geschmeiß wie von Rost befallen werden; vertilgen wir es also ruhig, rotten wir es mit Stumpf und Stiel aus; folgen nun die wichtigsten Winkelzüge, die ich in Anschlag brächte, um dieses Ziel zu erreichen.
1. Zuvörderst ist es unerläßlich, den Kindsmord nicht nur zu dulden, sondern ihn gesetzlich abzusichern; einzig und allein dank dieses weisen Vorgehens nahm in China die Überbevölkerung ab, die hiebevor an den Kräften des Staates zehrte und wie ein gewaltiges Joch auf ihm lastete. Zwingen wir das Volk, das wir uns untertan machen wollen, unter dieses Gesetz; hüten wir uns in erster Linie davor, für die Früchtchen seiner Ausschweifungen irgend Zufluchtsstätten zu errichten; jene, die das Kind unter dem Herzen trägt, soll durch den Zwang, es in aller Öffentlichkeit zu werfen, jeder Möglichkeit beraubt werden, es zu retten; wenn sie ihre Leibesfrucht am Leben zu halten versucht, muss sie zum Tode verurteilt werden.
2. Desweiteren tut es Not, den Bauern alljährlich einen Besuch abzustatten und den Familien jeglichen Überschuß gnadenlos abzuknöpfen. Diese Besuche müssen unangekündigt erfolgen, und alle überzähligen Hausbewohner müssen gnadenlos niedergemetzelt werden. Da eine jede Familie an drei Kindern mehr als genug hat, soll alles, was über diese Zahl hinausgeht, den todsäenden Eisen des Henkers zum Opfer fallen. Dank solcher Vorkehrungen wird man nicht mehr länger fürchten müssen, dass sich der fragliche Bauer noch einmal dazu erkühnen wird, mehr Kindern das Leben zu schenken, als es ihm von Gesetz wegen verstattet ist. Belastet ihn für jede Gesetzesübertretung mit einer Unmenge von Steuerabgaben, sollte er ihm wiederholt zuwiderhandeln, so schlachtet sein Weib vor seinen Augen ab, und vergeßt dabei nie, dass sämtliche Schwierigkeiten, die einer Regierung erwachsen, stets nur von der Überbevölkerung herrühren. Geht also mit härtesten Mitteln gegen jeglichen Wohlstand und jegliches Glück in dieser nichtswürdigen Klasse vor, wenn ihr das Übel bei der Wurzel packen wollt. Unterdrückt den aberwitzigen Überfluß in seinen Reihen; lasst diesen Bauernlümmeln nur gerade das Lebensnotwendigste; wenn sie erst einmal gezwungen sind, sich für das nackte Überleben zu Tode zu schuften, werdet ihr schon sehen, dass sie sich nicht mehr dermaßen vermehren. Gewinnt die Überzeugung, dass die Natur diese nichtswürdigen Wesen nur geschaffen hat, damit sie uns als Spielzeug dienen; dies ist ihr Wille und ihr Wunsch. Der Schwache wurde nur geschaffen, um sich dem Starken nützlich zu machen, ebenso wie die Frau nur geschaffen wurde, um sich dem Mann nützlich zu machen; um seine Mutwilligkeiten zu befördern. Unterjocht ihn demnach ohne jede Hemmung; zwingt ihn durch die Not, in die ihr ihn stürzt, auf dem Antlitz der Erde nur noch eine Nebenrolle zu spielen; bringt ihn so weit, seine überzähligen Kinder eigenhändig in euren Lustgemächern abzuliefern, wo ihr sie nach Lust und Laune hinopfern könnt. Nur so vermag man diesen Unrat wegzuschwemmen, der die Triebfedern des Staates, wenn man nicht allenthalben auf der Hut ist, früher oder später zum Erlahmen bringt.
3. Ein weiterer unerlässlicher Punkt geht dahin, das Volk wieder unter das Joch der Knechtschaft zu zwingen, das es aufgrund der Torheit und der verfehlten Politik unserer Könige abzuschütteln vermochte. In ihrer Furcht vor der Macht des Adels haben diese Narren das Volk befreit, um ein Gegengewicht zu schaffen, ohne dabei die unterschiedliche Natur dieser beiden Gewichte in Betracht zu ziehen…ohne zu bedenken, dass diese Adelsschicht, die sie zu schwächen suchten, unweigerlich auch den Thron mit sich in den Abgrund reißen würde. Sollen die Könige die Bauern, die sie ihren vormaligen Lehnsherren abgenommen haben, meinetwegen für sich behalten, doch dürfen sie niemals aus der Knechtschaft entlassen werden; nichts birgt so viele Gefahren wie die Freiheit des Volkes. Einzig durch die unnachgiebigste Unterdrückung dieser Klasse, einzig durch ihre Unterwerfung unter die unerbittlichste Knechtschaft, durch die allergrößte Verknappung ihrer Nahrung, durch die vollständige Tilgung ihrer Rechte, durch den Zwang, sich ihr karges Brot um den Preis der schwersten Knochenarbeit zu erkaufen, wird es möglich sein, die verderbliche Überbevölkerung einzudämmen, welche für jede Regierung ein schreckliches Unheil darstellt, das über kurz oder lang ihren Untergang herbeiführen wird. Jedes Mitleid ist fehl am Platz; wenn ein Baum durch überzählige Äste ausgezehrt wird und sich sein nährender Saft nicht mehr gleichmäßig verteilen kann, so schneidet, stutzt, bricht man Äste ab; der Stamm erstarkt, und der Baum ist gerettet. Henri IV wünschte, dass ein jeder Bauer Sonntags ein Huhn im Topf habe, doch Henri sprach als Politiker und nicht als Monarch; da er mit Rücksicht auf seine schwache Stellung allen Grund hatte, sich nicht verhaßt, sondern beliebt zu machen, war es ebenso richtig, solche Reden zu schwingen, wie es falsch gewesen wäre, derart lächerliche Versprechen einzulösen. Man täusche sich nicht: Der Wohlstand der Mächtigen und das Elend des Volkes entspringen ein und derselben Quelle; sobald der Bauer reich wird, müssen wir unsere Privilegien aufgeben. Noch einmal, nicht die Zweige sollen gedeihen, sondern der Stamm. Rafft also ohne alle Gewissensbisse alles, was euch zusteht, wieder an euch; jedwedes andere Vorgehen hieße, sämtliche Einrichtungen der Natur auf den Kopf zu stellen; es hieße, alle ihre Einflüsterungen in den Wind zu schlagen; als ob uns wahre „Menschlichkeit“ nicht dazu anhalten müsste, die hinfälligen und nichtswürdigen Geschöpfe zugrunde zu richten, damit wir uns den Bauch voll schlagen können! Fern seien uns alle Anwandlungen des Mitleids! Lieber wollen wir unmenschlich und barbarisch sein, wenn wir einzig um den Preis eines solchen Vorgehens die Natur in Ehren halten und die erhabene Ordnung, mit der sie uns als Beispiel vorangeht, durch alle unsere Handlungen wahren können. Eh! Wer wollte denn in Abrede stellen, dass das Mitleid die größte aller menschlichen Schwächen ist! Und wäre es nicht eine falsche Menschlichkeit, wenn sie darauf hinausliefe, alle Grundsätze des natürlichen Gesetzes auf den Kopf zu stellen? Werdet ihr ein Gefühl adeln, dessen Widernatürlichkeit wie auch dessen selbstgefährdende Wirkung derart offen zutage tritt? Ebensogut könnte man sagen, das Herrchen würde eine gute Tat vollbringen, wenn es auf sein Essen verzichtete, um es dem Hunde abzutreten. Kein Zweifel, die Barmherzigkeit ist in jedem Fall eine Schwäche; doch unter diesen Umständen wird sie zu einer wahren Wahnwitzigkeit…zu einem Staatsverbrechen; kurz und gut, wessen Herz sich von ihr rühren lässt, verdient Bestrafung.
4. Eine weitere Maßnahme, auf die noch weit weniger verzichtet werden kann, ist die vollständige Abschaffung aller öffentlichen und privaten Almosen. Ich wünschte, dass jedem eine grausame Strafe auferlegt würde, der sich weiterhin erdreistete, dieser verderblichen Wohltätigkeit zu frönen. Wir jammern über das Bettlerpack, und doch locken wir es mit milden Gaben herbei. Würden wir einen pinselhaften Tropf, der sich beklagt, von Fliegen belästigt zu werden, nicht auslachen, wenn er sich mit Honig einriebe, um sie zu verjagen? Ich wiederhole: keinerlei Almosen! Wir sollten stets eingedenk sein, dass Jesus die Mildherzigkeit nur gepredigt hat, weil er selbst ein lumpiger Bettler war, den die Römer nicht mit allgemeiner Verachtung, sondern mit der grausamsten und unmenschlichsten Todesfolter hätten bestrafen müssen. Unter Louis XIV ward der Vorschlag laut, alle Armen auszurotten und sie erbarmungslos aufzuhängen; dieser Plan, der einer solch weisen Regierung nur zum Ruhme gereichte, hätte bis in unser Jahrhundert Auswirkungen gehabt; wir würden heute nicht von diesem wuchernden Ungeziefer belästigt. Besinnen wir uns auf diesen erhabenen Plan zurück; lasst uns die feste Überzeugung gewinnen, dass wir uns nur dann allerlei Unbill ersparen können, wenn wir ihn aufs gewissenhafteste ausführen. Bedenken wir, dass man dem Staat nicht Abbruch, sondern Eintrag tut, wenn man die Armen aufopfert; warum also sollte man sie verschonen? Würdet ihr einen von überschüssigen Körpersäften geplagten Menschen tadeln, wenn er eine Arznei einnähme, die ihn wieder gesund und munter macht? Mit unserem Fall hat es die gleiche Bewandnis; und um die Wirkung der von mir geforderten Rosskur für unseren Staat zu steigern, wünschte ich, dass dieses niederträchtige Gesindel bei öffentlichen Stier- und Gladiatoren kämpfen zuhauf aufgerieben würde, wie es weiland in Rom mit den Christen geschah; dass man es den wilden Tieren zum Fraß vorwürfe; dass die Frauen gevierteilt; die Söhne aufgeschlitzt; die Töchter mit Zangen in Stücke gerissen würden; dass man sich die allergrausamsten und unmenschlichsten Todesfoltern beifallen ließe; dass man ihnen die erlesensten Marterungen zudächte, welche die kaltsinnigste Grausamkeit überhaupt ersinnen kann. Ihr würdet sehen, wie schnell die Erde dank solcher Mittel von den Auswüchsen gesäubert wäre, die sie heute besudeln. Ich sehe, dass euch die Pläne zu solch unmenschlichen Spielen die Haare zu Berge stehen lassen; doch wer wollte daran herumdeuteln, dass sie binnen kurzem ebenso gut besucht wären wie eure Bälle und eure Theateraufführungen? Nero glänzte als Ödipus auf der Bühne und zerschnitt nach seinem Abgang genüsslich die niedlichen Brüste der heiligen Cäcilia und die hochwohlgeborenen Arschbacken von Schwester Agatha, die alle beide so närrisch waren, an Christus zu glauben. Diese ebenso edlen wie aufreizenden Schauspiele sind des Geistes einer großen Nation würdig und erscheinen uns nur so lange anstößig, wie sie einen ungewohnten Anblick darstellen; beim ersten Mal würde man vielleicht erschaudern; beim dritten Mal aber würde man sich bereits um die besten Plätze reißen. Sind denn unsere öffentlichen Plätze nicht jedes Mal überfüllt, wenn jemand von Gesetz wegen hingerichtet wird? Hier verhielte es sich nicht anders. Wir wären in der Tat große Narren, wenn wir uns von solcherlei Schaupielen abschrecken ließen, indes wir uns im geheimen eine Greueltat nach der anderen erlaubten. Eh! Welche Genugtuung erführe doch dank eines solchen Planes der Haß, den so viele Edelleute auf diese nichtswürdige Klasse hegen; Saint-Pouanges, der Erzbischof von Toulouse, vermochte keinem einzigen Angehörigen des dritten Standes zu begegnen, ohne ihn mit einer Flut von Schimpfreden und Schlägen einzudecken und sich daran zu weiden, wie seine Leute diesem Kerl zu seinen Füßen den Garaus machten. Ich jedenfalls wäre, wie ich gestehen muss, fuhr dieser Libertin feurig fort, nicht der letzte, der an ihnen teilnähme…was sage ich! Mein namenloser Hass auf diese nichtsnutzige Klasse würde mich noch zu weit einschneidenderen Maßnahmen treiben, ja, ich würde voll Wonne die Aufgabe übernehmen, mir neue, allergrausamste Folterungen für sie auszudenken, denen ich sie eigenhändig unterziehen wollte…Weiter im Text.
5. Unterstützt diese Schritte zur Entvölkerung durch den Brauch, die Junggesellen, die Onanisten, die Knabenschänder, die Tribaden auszuzeichnen, kurzum all jene Menschen, die sich, als eingeschworene Feinde der Fortzeugung, nur von einem Grundsatz leiten lassen: deren Keime zu verschleudern oder sie zu zernichten. Auch der Mörder muss in einem solchen Staat zu Ehren kommen; sobald es sich darum dreht, jenen schädlichen Überfluß, der an einem Staat nagt, einzudämmen, so solltet ihr euch davor hüten, ausgerechnet jene Leute zu bestrafen, die eure Absichten durch ihr Zerstörungswerk befördern; ehrt und belohnt sie, dann werdet ihr euer Ziel erreichen.
6. Zur Untermauerung dieser von mir dargelegten Maßnahmen sollte das gesamte Getreide in öffentliche, über die wichtigsten Städte Frankreichs verteilte Lagerhäuser verfrachtet werden, allwo dem Besitzer sein Geld nur unter der Auflage ausbezahlt wird, dass er für sich selbst lediglich den Eigenbedarf behält. Dieser Vorwand mag euch als Rechtsgrundlage für Hausdurchsuchungen dienen, bei denen ihr mit aller härte vorgehen solltet, um diesen armen Schluckern auch noch das abzuknöpfen, was ihr ihm zunächst für seinen jämmerlichen Lebensunterhalt gelassen habt; unter der Versicherung, er werde dafür bezahlt, bringt ihr ihn dazu, diesen vorgeblichen Überschuß gleichfalls abzuliefern. Ihr haltet Wort; doch drei Monate später bürdet ihr ihm Abgaben auf, die doppelt so hoch sind wie der Betrag, den er zuvor erhalten hat; zwingt ihn, die Rechnung ohne jeden Aufschub zu begleichen. Wenn er nicht zahlen kann, metzelt ihn nieder; wenn doch, so steht er zumindest bei Einbruch des Winters ohne Geld und ohne Nahrung da; und nur mit knapper Not konnte er wenigstens sein Saatkorn retten. Im darauf folgenden Jahr dasselbe Lied. Und glaubt ihr nicht, dass sich der arme Tropf nach drei oder vier solchen Jahren, hoffnungslos am Hungertuche nagend, gezwungen sehen wird, seine Hütte als Bettler zu verlassen? So geschieht es; und versucht ja nicht, ihn davon abzuhalten; sechs Monate später aber sollt ihr äußerst strenge Gesetze gegen die Bettler erlassen; schlachtet sie, knüpft sie auf, ohne jede Gnade. Und hoppla, allein schon durch diesen schlichten Streich schrumpft die Bevölkerung binnen zehn Jahren um die Hälfte. Lasst den Rest wissen, dass ein Bauer, um solcherlei Quälereien zu entgehen, nichts Angelegentlicheres tun könne, als sich wieder unter das Joch der Feudalherrschaft zu begeben; dass er alles, was er hienieden noch besitzen mag, seinem Herren verpfänden soll; dafür sei ihm jener kleine Rest, der ihm noch bleibe, sicher, denn die Güter der Lehnsherren würden nicht angetastet. Gebt ihm zu verstehen, dass er durch diese Verpfändung den Nutznießer darauf verpflichten könne, ihm seinen Schutz und Schirm angedeihen zu lassen; dass ihm dieser sein winziges Gut erhalten werde, an dem er sich auch fürderhin in Frieden erfreuen dürfe, sofern er nur die Forderungen seines Lehnsherren restlos und zu dessen Zufriedenheit erfülle. Um nicht mehr übers Ohr gehauen zu werden; um nicht mehr als selbständiger Landwirt der Gefahr des Hungertodes ausgesetzt zu sein oder als Bettler am Galgen zu enden, wird sich der Unglücksrabe zu allem verpflichten; und schon ist aus ihm wieder ein Leibeigener geworden. Doch sollte er, in Ketten geschlagen und zur härtesten Arbeit und kargsten Ernährung gezwungen, gleichwohl von neuem damit beginnen, sich wie die Kaninchen zu vermehren, dann sollt ihr ihn erneut in die Schranken verweisen; da euch das Opfer diesmal auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, genügen noch plumpere Schliche. Dämmt jegliche überflüssige Nachkommenschaft ein; die beschlagnahmten Güter eines hingerichteten Missetäters sollen stets in den Besitz von dessen Herrn übergehen, auf dass nach und nach die ganze Rasse erlischt und der Lehnsherr wieder allen Besitz hamstern kann. Vorbei mit der furcht vor Aufruhr oder Aufstand; eure Aufwiegler schmachten unter dem Joch der Arbeit oder dem Richtbeil; auf jeden Fall aber wird ihre Zahl gewaltig schrumpfen. Nun muss nur noch die allerdespotischste Regierung über die Einhaltung dieser Maßnahmen wachen und ihnen durch allergrausamste Mittel Nachdruck verleihen; dann herrscht wieder Ruhe im Land, die Hydra ist bezwungen und unsere Sicherheit gewahrt.
- Eure Exzellenz haben einen Steifen, bemerkte die Dubois.“

Spitze

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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 13:40                                  +/-

Wann hast du eigentlich angefangen, Sade zu lesen? Ich habe gerade mal Abschnitt 4 gelesen und das könnte genausogut von dir geschrieben sein. Entweder du hast Sades Stil gründlich kopiert oder du stammst von ihm ab hähö


_________________
I have come here to chew bubble-gum and kick ass. And I'm all out of bubble-gum.
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Adrian
Die Zahnfee


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BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 13:45                                  +/-

Quatsch mit Soße, ich verwende doch zB nicht diese durch zahllose Halbsätze in die Länge gezogenen Aufzählungen, die penetranten Superlative ("allergrausamst"-) usw.

Humoristisch hat die Schweinebacke mir natürlich unverkennbar Anregungen gegeben. Spitze

Zum ersten Mal gelesen habe ich ihn vor 1 1/2 Jahren.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 15:44                                  +/-

AdrianB
sollte das gesamte Getreide in öffentliche, über die wichtigsten Städte Frankreichs verteilte Lagerhäuser verfrachtet werden, allwo dem Besitzer sein Geld nur unter der Auflage ausbezahlt wird, dass er für sich selbst lediglich den Eigenbedarf behält. Dieser Vorwand mag euch als Rechtsgrundlage für Hausdurchsuchungen dienen, bei denen ihr mit aller härte vorgehen solltet, um diesen armen Schluckern auch noch das abzuknöpfen, was ihr ihm zunächst für seinen jämmerlichen Lebensunterhalt gelassen habt;
[...]
Lasst den Rest wissen, dass ein Bauer, um solcherlei Quälereien zu entgehen, nichts Angelegentlicheres tun könne, als sich wieder unter das Joch der Feudalherrschaft zu begeben; dass er alles, was er hienieden noch besitzen mag, seinem Herren verpfänden soll;


Scheint so, als hätte Stalin und das Politbüro auch de Sade gelesen und diese Satire in die Realität umgesetzt:

http://en.wikipedia.org/wiki/Holodomor

Zitat:
the famine of 1932-1933 in Ukraine was caused not by infrastructure breakdown, or war, but by deliberate political and administrative decisions (e.g., see [28]). The result was disastrous. Within a few months, the Ukrainian countryside, one of the most fertile agricultural regions in the world, was the scene of a general famine.
The Soviet government denied initial reports of the famine, and prevented foreign journalists from travelling in the region.

Moscow appointed leader Postyshev declared that "1933 was the year of the defeat of Ukrainian nationalist counter-revolution."[32] This "defeat" encompassed not just the physical extermination of a significant portion of the Ukrainian peasantry, but also the virtual elimination of the Ukrainian clergy and the mass imprisonment or execution of Ukrainian intellectuals, writers and artists.


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/9/92/Holodomor6.jpg
Auf in die Kolchose!



Zuletzt bearbeitet von Tyler Durden am 21.01.2007, 15:46, insgesamt einmal bearbeitet
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