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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 19:31                                  +/-

Das ist doch alles Quatsch. Das Blut eines Kinderschänders ist genauso gut wie das Blut des Papstes. Es kommt wenn überhaupt auf gesundheitliche Merkmale an. Und da kann es gut sein, dass das Blut des Kinderschänders deutlich besser ist.


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 19:48                                  +/-

Wie gesagt, es geht gar nicht um das Blut, sondern darum ob man andere, die den allgemein anerkannten moralischen Standard gebrochen haben, ausgrenzt (selbst wenn es den eigenen Interessen entgegensteht). Anderes Beispiel: Ein Kollegenschwein bringt zu seinem Geburtstag Kuchen mit. Ein liberal gesinnter Mensch wird sich ein Stück nehmen, denn der Kuchen ist genauso gut wie der des Papstes. Jemand mit eher konservativem Charakter wird, so würde ich zumindest dem Artikel nach vermuten, eher nachtragend die Nase rümpfen als etwas von seiner Nemesis anzunehmen.

Dahinter steckt tatsächlich auch eine Logik. Wir Menschen sind darauf programmiert Geschenke zu erwidern, so knüpfen wir Beziehungen.


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 19:52                                  +/-

Was Zara ja geschrieben hat.

Zitat:
Und vor allem: Unterscheiden sich Linke/Liberale und Konservative auch anhand ihrer Kopfform?

Mit entsprechenden Untersuchungen befasst sich die Phrenologie und die ist seit mehr als 200 Jahren out. Zunge


Ich finde die Aussage des Artikels interessant, aber nicht besonders überraschend. Wenn man den Text weiter fasst, steht dort: Die politische Weltanschauung lässt sich nicht bzw. nicht vollständig von weiteren Charakter- und Gefühlsmerkmalen trennen.

Welche Charaktermerkmale korrelieren, kann mit Hilfe von Statistik untersucht werden. Statistik operiert aber immer nur auf Datenmengen, nie auf individuellen Einzelerscheinungen. Es gibt natürlich auch Konservative, die mit ihren Vätern kebbeln, diese sind aber in der Gruppe aller Konservativer in der Minderheit.

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Arwen gegen den Vulkan



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BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 23:17                                  +/-

Oxford
Das Blut eines Kinderschänders ist genauso gut wie das Blut des Papstes.

Auf der Suche nach einem guten Gegenteil zum Phänomen des Kindesmissbrauchs fällt Dir als erstes die katholische Kirche ein? ?????

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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 02.06.2009, 19:55                                  +/-

Oxford
Das Blut eines Kinderschänders ist genauso gut wie das Blut des Papstes.


Bin ich immer noch auf dem WGT? ?????


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 02.06.2009, 19:57                                  +/-

Blut ist Blut, ihr Pfeifenköppe... solange es nicht durch Viren verseucht ist.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 02.06.2009, 21:48                                  

Ich würde mir von Christoph Daums Blut keine Transfusion mehr machen lassen.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 02.06.2009, 23:04                                  +/-

rolling on the floor...


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Psycho Dad
Sultan der Rhetorik


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BeitragVerfasst am: 03.06.2009, 07:49                                  +/-

Glaurung
Der Artikel verlinkt auf YourMorals, wo man Moral-Tests machen kann. Die Seite ist allerdings momentan extrem langsam.


Jetzt nicht. Der Amerikaner schläft wohl gerade. Die Seite ist supi. Man kann ganz viele Persönlichkeitskonstrukte an sich testen und erfährt die Ergebnisse. Schade ist natürlich, dass sich die Norm auf Internetuser bezieht, die diese Seite ansurfen, also vermutlich eh schon den Typ Heise-Leser.

Besonders interessant wäre die Seite auch für Morgi. Da kann er mal nachlesen, in welchen Persönlichkeitsdimensionen Menschen alles nicht gleich sind. Und das haben die ganz ohne Spekulation herausgefunden, sondern nur durch Ausprobieren.




Iiiiieh, es gibt haufenweise Leute, die da weniger Ekel angekreuzt haben. Bäh. Diese Menschen gehören doch weggesperrt.

Gepostet am 03.06.2009, 09:09:

Psycho Dad
Schade ist natürlich, dass sich die Norm auf Internetuser bezieht, die diese Seite ansurfen


Hui, das merkt man vor allem an der Big 5 Personality Scale. Also die Vergleichswerte auf der Seite lieber doch nicht ernst nehmen!


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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 19:08                                  +/-

Ramujan
Die neuronale Aktivität etwa, die Stoffwechsel und Herzschlag reguliert, bleibt uns verschlossen (erlebt wird dagegen die Rückkopplung: Ein "schlagendes Herz fühlt sich an"). Warum werden wir uns der Informationsverarbeitung im Hirnstamm nicht bewusst, erleben aber unser Denken im Neokortex? Warum ist das so?


Weil diese neuronalen Aktivitäten nicht mit den Gehirnstrukturen bzw. -prozessen verschaltet sind, die für höhere Gehirnfunktionen verantwortlich sind.

Aber zum Problem des Vergleichs von Gehirnfunktion und Rechenleistung eines Computers. Die Nervenzelle ist als informationsverarbeitende Einheit nicht mit einem Schalter in einem Computer vergleichbar, der nur die Zustände an und aus kennt. Sie trägt viel mehr Informationen und ist mit hunderten bis tausenden anderer Nervenzellen verschaltet. Man könnte eher sagen, dass sie selbst ein kleiner Prozessor ist, der die Signale dieser vielen Synapsen verarbeitet.

Für die Verarbeitung dieser Signale spielt es eine Rolle, wie sie zeitlich sequenziert sind und wie die Synapsen räumlich auf der Nervenzelle verteilt sind. Es spielt eine Rolle, welche Neurotransmitter ausgeschüttet werden und welche der Rezeptorarten darauf wie reagieren. Das Neuron ist nicht einfach nur ein oder aus, sondern es reagiert auf diese Signale mit unterschiedlichen Membranpotentialen und Feuerraten. Langfristig lernt die Zelle nicht nur, indem sie neue Verbindungen aufnimmt und alte trennt, sondern auch durch die Veränderung der Zellmembran.


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 19:35                                  +/-

Zitat:
Weil diese neuronalen Aktivitäten nicht mit den Gehirnstrukturen bzw. -prozessen verschaltet sind, die für höhere Gehirnfunktionen verantwortlich sind.


Das ist aber nur eine anatomische Aussage. Warum neuronale Aktivität in bestimmten ("höheren" Kortex-)Regionen erlebbar ist, neuronale Aktivität in anderen Regionen jedoch nicht, erklärt diese Antwort meines Erachtens nicht zufriedenstellend. Ist Bewusstsein ein Abfallprodukt neuronaler Aktivität (einerseits derzeit die plausibelste naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits zu lückenhaft, um wirklich zufriedenzustellen), blaibt die Frage, warum nicht sämtliche neuronale Aktivität zu Bewusstseinsprozessen führt. Ist Bewusstsein grundsätzlich mit höheren (sprachlichen) Denkleistungen verbunden, bleibt die Frage, warum uns Dinge bewusst werden, die nicht an höhere (sprachliche) Systeme geknüpft sind (wie etwa Schmerz, aber auch visuelle, akustische oder olfaktorische Eindrücke).

Zitat:
Langfristig lernt die Zelle nicht nur, indem sie neue Verbindungen aufnimmt und alte trennt, sondern auch durch die Veränderung der Zellmembran.


Ein wichtiger Baustein des Lernens sind Synapsen bzw. deren Plastizizät (also deren Vermögen, Reize weiterzureichen und zu blockieren). Und dass einfache künstliche neuronale Netze, wie sie in der Informatik etwa zur Mustererkennung eingesetzt werden, das biologische Vorbild nur unzureichend widerspiegeln, ist klar. Es gibt derzeit allerdings ein sehr ambitioniertes Projekt, das eben auch solche Parameter wie Hormone, Neurotransmitter und unterschiedliche Membranpotentiale simulieren soll. Derzeit ist man (wenn ich auf dem richtigen Stand bin) dabei, eine kortikale Säule im Gehirn einer Ratte nachzumodellieren.

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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 19:50                                  +/-

Ramujan
Warum neuronale Aktivität in bestimmten ("höheren" Kortex-)Regionen erlebbar ist, neuronale Aktivität in anderen Regionen jedoch nicht, erklärt diese Antwort meines Erachtens nicht zufriedenstellend.


Was wäre denn für Dich eine zufriedenstellende Ursache, um Deine Warum-Frage zu beantworten? Eine evolutionsbiologische? Auf die Frage, warum kann man mit den Fingern sehr leicht eine Banane schälen und mit den Zehen eher schwer, kann man z. B. auch anatomisch oder evolutionsbiologisch antworten.

Eine evolutionsbiologische Antwort auf o. g. Frage wäre, dass die Evolution bisher anscheinend nicht auf die Idee gekommen ist (*adrianprovozier*), dass es von Vorteil sein könnte, wenn Menschen aktiv planen, ob, wann und mit welchem Druck ihr Herz schlägt. Bzw. sind andere Aufgaben für diese Planungseinheit möglicherweise wichtiger, so dass es die Natur nicht für nötig befunden hat, dass wir uns auch noch über die Aktivität des Gekröses Gedanken machen müssen.

Zitat:
Ist Bewusstsein grundsätzlich mit höheren (sprachlichen) Denkleistungen verbunden, bleibt die Frage, warum uns Dinge bewusst werden, die nicht an höhere (sprachliche) Systeme geknüpft sind (wie etwa Schmerz, aber auch visuelle, akustische oder olfaktorische Eindrücke).


Der Schmerzreiz ist ebenso wie aktustische und visuelle Informationen ja ziemlich wichtig, um irgendwelche Entscheidungen zu fällen.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 19:53                                  +/-

Wer sagt denn eigentlich, dass man nicht theoretisch lernen kann, die üblicherweise unbewussten Prozesse des Körpers bewusst zu machen (und in einem zweiten Schritt sogar zu beeinflussen)? Was ist zum Beispiel mit diesen indischen Jogiberts, die ihren Herzschlag verlangsamen können, etc.?


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 20:34                                  +/-

Zitat:
Eine evolutionsbiologische? Auf die Frage, warum kann man mit den Fingern sehr leicht eine Banane schälen und mit den Zehen eher schwer, kann man z. B. auch anatomisch oder evolutionsbiologisch antworten.


Nee, so meinte ich das nicht. Sondern allgemeiner: Warum "erleben" wir unsere neuronale Aktivität? Und warum erleben wir sie nicht als "elektrisches Gewitter", sondern als Eindruck, Gedanke, Emotion, ...?

These: Neuronale Aktivität projiziert ein Bewusstsein so wie die elektrischen Bauteile in einem Beamer ein Bild auf eine weiße Wand projizieren.
Erkenntnis: Aber nicht jede neuronale Aktivität projiziert.
Frage: Wenn meine These stimmt, was projizieren die Neuronen, die am Bewusstseinsprozess mitwirken, anders als Neuronen, die das nicht tun?

Im Wiki-Artikel zum neuronalen Korrelat des Bewusstseins gibt es tatsächlich eine Art Erklärungsversuch (von dem ich zuvor nie gehört habe):

Zitat:
Die beiden Forscher nahmen an, dass eine oszillierende Aktivität im 40-Hz-Bereich das neuronale Korrelat des Bewusstseins sei.


Das würde zumindest erklären, warum wir bestimmte Aktivität erleben, andere nicht. Wir erleben nämlich nur Aktivität im 40-Hz-Bereich. Eine Erklärung dafür, warum sich 40-Hz-Wellen in unserem Gehirn irgendwie "anfühlen" (und zwar als Eindruck, Gedanke, Emotion), ist aber auch das nicht (zumindest nicht für mich). Außerdem scheint die Theorie schon wieder überholt oder zumindest nicht vollständig zu sein:

Zitat:
Dies haben selbst Crick und Koch in einem ihrer letzten, gemeinsamen Aufsätze erklärt: „Wir glauben nicht mehr, dass synchronisiertes Feuern - etwa die so genannte 40-Hz-Oszillation - hinreichend für das neuronale Korrelat des Bewusstseins ist.“


Sympathisch finde ich auch Olmops Gedanken, die ich sehr gut nachvollziehen kann und die ich einfach mal in diesen Thread hinüberrette:

Zitat:
Ich vermute, es gibt einfach irgendeinen Prozeß, den noch keiner auf dem Schirm hat. Thanils Argumentation führt letztlich dazu, einem beliebigen Computer ein ebensolches Erleben zuzuschreiben, wie wir es haben (und letztlich damit möglicherweise auch noch vielen anderen "Dingen").

Das lehne ich aber ab, nicht nur weil es schwer vorstellbar ist (vgl. Relativitätsthorie, Quantenmechanik und Konsorten), sondern aus dem viel zwingenderen Grund, weil eine solche Wahrnehmung erst bei einem Wesen mit einem zentralen Nervensystem Sinn macht, bzw schlimmer noch: eigentlich zwingend erforderlich ist.

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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 20:47                                  +/-

Ramujan
bleibt die Frage, warum uns Dinge bewusst werden, die nicht an höhere (sprachliche) Systeme geknüpft sind (wie etwa Schmerz, aber auch visuelle, akustische oder olfaktorische Eindrücke).


Diese Dinge werden aber auch vorher stark gefiltert. Man denke an die Hintergrundunterhaltungen auf einer Party und plötzlich hört man irgendwo seinen Namen.

Oder auch das Video mit dem Moonwalking Bear. Verlinke ich aber nicht, sondern stattdessen das hier:



Oder Derren Browns "Person Swap"



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Psycho Dad
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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 21:18                                  +/-

Zitat:
Die beiden Forscher nahmen an, dass eine oszillierende Aktivität im 40-Hz-Bereich das neuronale Korrelat des Bewusstseins sei.


Ja, es gibt sicher irgendein neuronales Korrelat des Bewusstseins, ein Muster neuronaler Aktivität. Manche Informationen werden auf diese Art verarbeitet werden, andere nicht. Die Informationen, die auf diese Art verarbeitet werden, werden vom vorverarbeitenden System eben als besonders wichtig klassifiziert, z. B. wenn ein Geräusch besonders laut ist, oder top-down gebahnt, z. B. wenn unser Name fällt.

Ramujan
Nee, so meinte ich das nicht. Sondern allgemeiner: Warum "erleben" wir unsere neuronale Aktivität? Und warum erleben wir sie nicht als "elektrisches Gewitter", sondern als Eindruck, Gedanke, Emotion, ...?


Weil es für die Planung von Handlungen wichtig ist, die wichtigsten Sinnesinformationen aus allen Kanälen zu kennen, mit dem Gedächtnis abzugleichen, und reflektiv darüber nachzudenken. Wenn Dein großer Zeh all das könnte, würde er die gleichen Fragen posten.


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 21:24                                  +/-

Mmmh. Ich habe wahrscheinlich ein nicht so stark ausgeprägtes reduktionistisches Weltbild wie du.

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 31.10.2009, 21:25                                  +/-

Mir ist das alles zu hoch.


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Lass die Finger von dem ganzen neumodischen Kram.
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Gerstenbob



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BeitragVerfasst am: 01.11.2009, 02:22                                  +/-

Nichtraucher
Mir ist das alles zu hoch.


Dann schau dir halt "Free Willy" an. Mit den Augen rollen


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Gerstenbob



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BeitragVerfasst am: 01.11.2009, 03:32                                  +/-

Psycho Dad
Weil es für die Planung von Handlungen wichtig ist, die wichtigsten Sinnesinformationen aus allen Kanälen zu kennen, mit dem Gedächtnis abzugleichen, und reflektiv darüber nachzudenken.


Ich dachte, der aktuelle Stand der Wissenschaft ist der, dass die Planung der Handlungen im Unterbewusstsein stattfindet, bevor sie im Bewusstsein gespiegelt wird, und zwar als eine solche Illusion, sodass es scheint, als wäre die Entscheidung vom Bewusstsein selbst getroffen worden.


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Ramujan



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BeitragVerfasst am: 01.11.2009, 12:52                                  

Zitat:
Mir ist das alles zu hoch.


Ich finde das alles sehr kompliziert, aber auch hochinteressant. Ich versuch's mal mit einer Laienerklärung. Mehr kann ich auch nicht, der Text kann also zu stark vereinfacht sein und ich kann natürlich auch keine Garantie übernehmen, dass ich keine Fehler eingebaut habe.

Es geht um diese Gebilde:



Das sind Nervenzellen, sogenannte Neuronen. Im menschlichen Gehirn gibt es je nach Schätzung mehrere hundert Milliarden bis zu einer Billion davon. Diese Nervenzellen sind miteinander verknüpft und tauschen sich mittels elektrochemischer Signale aus.

Ein Neuron feuert ein Signal, das Signal läuft eine Art Leitung entlang und wird von einer Reihe weiterer Neuronen empfangen (die Leitungen sind meistens stark verzweigt; es gibt Neuronen, die mit bis zu zweihunderttausend weiteren Neuronen verknüpft sind).

Sobald ein Neuron von seinen Nachbarn eine bestimmte Intensität an Signalen empfangen hat, feuert es, leitet also selbst ein Signal zu seinen Nachbarn.

Die Neuronen sind über Synapsen verbunden, die die Signale verstärken oder abschwächen können. Hier vermutet man einen ganz zentralen Punkt der Informationsverarbeitung im Gehirn, weil sich durch Lernprozesse die synaptischen Verbindungen verändern. Nimmst du im Urlaub beispielsweise immer einen bestimmten Geruch war, sagen wir Rosmarin, fährst dann nach Hause und riechst dort wieder Rosmarin, denkst du möglicherweise an diesen Urlaub zurück. Das Gehirn hat eine Assoziation erschaffen; die Neuronen, die für den Riecheindruck zuständig sind, feuern und aktivieren Bereiche, die dich an den Urlaub erinnern lassen. Die Signale können den "Urlaubsbereich" erreichen, weil die Synapsen auf dem Weg dorthin das Signal passieren lassen.

Wie die einzelnen Bereiche im Gehirn verknüpft sind, wie diese Informationsübermittlung im Detail funktioniert, und was es sonst noch so an Informationsverarbeitung im Gehirn gibt, damit lassen sich natürlich ganze Bibliotheken füllen (unzählige Gehirne haben sich darüber zermartert!!). Aber im Großen und Ganzen ist das der Grundaufbau des menschlichen Gehirns: ein elektrochemisches Gewitter an Signalen, die mal mehr, mal weniger weitergereicht werden. Und nicht nur das menschliche Gehirn funktioniert so, sondern die Gehirne sämtlicher Wirbeltiere. Auch das einfache Strickleiternervensystem von Gliederfüßern (Insekten & Friends) funktioniert im Prinzip nicht viel anders.



Damit lässt sich der menschliche Geist als Maschine aus mehreren hundert Milliarden Schaltern und mehreren Millionen Kilometern Kabellänge beschreiben, die unablässig Gedanken, Gefühle und Eindrücke produziert. Außerirdische Lichtwesen, die völlig anders ticken, und uns untersuchen, könnten schlußfolgern, dass wir zwar intelligent handeln, aber nur scheinbar bewusst, so ähnlich wie wir Schachcomputern Intelligenz, aber kein Bewusstsein bescheinigen. Sie würden uns versklaven und uns für alle Zeit zur Produktion von Glühbirnen verdonnern -- und das ethisch völlig korrekt finden (so wie wir keine Probleme darin sehen, Computer für unsere tägliche Arbeit zu verwenden und Blue Screens als technisches Problem und nicht als emotionale Rückmeldung auffassen).

Nun ist es aber so, dass es ein "Erleben" dieser elektrochemischen Prozesse im Gehirn gibt. Dieses Erleben fühlt sich an. Und wir erleben keine feuernden Neuronen, nicht die Elektrizität, die über die Nervenbahnen pulsiert; die genaue Informationsverarbeitung bleibt uns verschlossen. Wenn ihr diesen Text lest und auf den Monitor schaut, dann fühlt es sich an, die Farben zu sehen, das Schwarz der Buchstaben, das Rot im Hintergrund. Ihr nehmt die Farben nicht als das wahr, was sie sind: als Lichtwellen, die auf die Netzhaut des Auges treffen und zu neuronaler Aktivität führen, sondern als Farben. Es fühlt sich an, die Bedeutung hinter dem Schwarz der Buchstaben zu entschlüsseln (ihr seht das Schwarz der Buchstaben wahrscheinlich gar nicht mehr, sondern erlebt nur noch die aufblitzende Bedeutung dahinter). Es fühlt sich an dieses Posting langweilig, belanglos, interessant, faszinierend zu finden. Es fühlt sich an erst einmal in die Küche zu rennen und ein Bier aufzumachen (oder einen Kater zu haben, wir haben schließlich Sonntagmorgen).

Das nennt man phänomenales oder Qualia-Bewusstsein. Qualia ist die Kluft zwischen der physikalischen elektrochemischen Aktivität der Nervenzellen im Gehirn und dem Erlebnis, das daraus hervorgeht.



Vielleicht kann man das Qualia-Problem mit einem Beamer vergleichen: Im Beamer befindet sich eine elektrische Repräsentation des Bildes, das auf die Leinwand projiziert wird. Die elektrische Interna bleibt verschlossen, die Projektion nicht. Im Beamer gibt es auch Schaltkreise, die nichts mit dem Bild auf der Leinwand zu tun haben, etwa die Steuerung für den Lüfter. Im Gehirn wären das zum Beispiel Regelkreise für den Stoffwechsel; diese nehmen wir auch nicht bewusst wahr.

Zurück zur Kluft zwischen der Aktivität der Nervenzellen und dem daraus resultierenden Empfinden: Möglicherweise gibt es diese Kluft tatsächlich gar nicht, und Qualia ist nur ein esoterisches Konzept. Das neuronale Muster, das entsteht, wenn wir Blau sehen, ist gleichzeitig der Eindruck von Blau -- so wie die elektrische Repräsentation im Beamer gleichzeitig auch dessen Bild ist. Bewusstsein ist damit nur ein Abfallprodukt, das entsteht, wenn unser neuronales Programm abläuft -- das ist durchaus ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte und der eine gewisse existentielle Widerlegung erfährt, wenn man sich mit dem Hammer auf den Finger haut. Ich persönlich finde diese Ansicht nicht wirklich befriedigend, weil sie bedeutet, dass überall dort, wo komplexe dynamische Prozesse ablaufen, ein Empfinden dieser Prozesse emergieren könnte, auch wenn diese Bewusstseinsphänomene auf anderen, sich von unseren unterscheidenden Ebenen ablaufen mögen: im Server-Park von Google, in einem Ameisenhaufen (Stichwort: Ist eine Ameise möglicherweise frei von Bewusstsein, aber ein Ameisenhaufen als komplexes Ganzes nicht mehr?) oder in Ökosystemen (Stichwort: Gaia-Hypothese).

Gedankenexperiment: Im Beamer-Beispiel übersetzen Flüssigkristalle die elektrischen Informationen in Farbwerte, die von einer Glühbirne auf eine Leinwand geworfen werden. Gibt es im Gehirn möglicherweise auch so eine Glühbirne, die das Muster neuronaler Aktivität auf unser Bewusstsein wirft? Ein Konzept, von dem wir bisher noch nichts ahnen? Gibt es tatsächlich eine Kluft zwischen physikalischer und erlebter Repräsentation von Blau?

Das ist eine ziemlich große Frage. Vielleicht lässt sich diese Frage auch nie beantworten, weil wir nur die Möglichkeit haben, unser Gehirn mit Hilfe unseres Gehirns zu verstehen und damit in einer Erkenntnissschleife gefangen sind. Ein bisschen mutet dieses Unterfangen für mich so an, als würde man sich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen. Gut möglich also, dass die Antwort auf die Frage, was Bewusstsein überhaupt ist, sich jenseits dessen befindet, was wir je entdecken können.

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Gerstenbob



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BeitragVerfasst am: 01.11.2009, 13:15                                  +/-

Schönes Posting. Offen bleibt allerdings die Frage, welche Kriterien die "Projektion", um bei deinem Vergleich zu bleiben, überhaupt auslösen? Bei welchen neurologischen Prozessen leuchtet die Birne unseres Bewusstseinsbeamers stärker, bei welchen schwächer? Was ist im Sinne der Evolution der Vorteil für uns, dass wir bestimmte Eindrücke oder Gedanken sehr bewusst wahrnehmen, und andere überhaupt nicht?


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