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Extravagante Künstler
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Morgi



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BeitragVerfasst am: 13.05.2006, 23:40                                  +/-

Glenn Gould, der vielleicht exzentrischste Pianist der Moderne und einer meiner Lieblingspianisten, hier bei einer Studioaufnahme:



wikipedia schreibt:

Zitat:
Glenn Herbert Gould (* 25. September 1932 in Toronto, Kanada; † 4. Oktober 1982 ebenda) war ein bedeutender kanadischer Pianist des 20. Jahrhunderts und zudem Komponist und Musikautor. Er ist vor allem für seine Bach-Aufnahmen bekannt.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Repertoire
3 Goulds Interpretationen
4 Radio-Dokumentationen
5 Kompositionen
6 Schriften
7 Biographien und Verwandtes
8 Literarische Darstellungen
9 Filmische Darstellung
10 Weblinks



[Bearbeiten]
Leben
Nachdem Gould bereits ab seinem dritten Lebensjahr das Klavierspiel von seiner Mutter erlernt hatte, die nach eigenen Angaben entfernt mit dem Komponisten Edvard Grieg verwandt war, besuchte er ab dem Alter von zehn Jahren das Royal Conservatory of Music in Toronto.


Glenn Gould während eines Konzerts in der Sowjetunion 1957.Dort studierte er Klavier bei Alberto Guerrero, Orgel bei Frederick C. Silvester und Musiktheorie bei Leo Smith. Den internationalen Durchbruch schaffte er 1955 mit seinem USA-Debüt in New York. Nur Tage später wurde er für das Label Columbia Records verpflichtet, dem er bis an sein Lebensende treu blieb; es entstand die berühmte erste Aufnahme von Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen. Zwischen 1955 und 1964 konzertierte Gould ausgiebig in Nordamerika und Europa, darunter auch eine Serie legendärer Auftritte in der Sowjetunion 1957.

Zunehmend wurde er jedoch des Konzertierens überdrüssig, da er die Art des Konzertes eines einzelnen Künstlers vor einer großen Menge von Menschen für den Künstler unwürdig und für die Musik ungeeignet hielt. Daher konzentrierte er sich ab 1964 ganz auf die elektronischen Medien und gab bis zu seinem Tod kein einziges öffentliches Konzert mehr. Es entstanden weiterhin zahlreiche Tonaufnahmen für CBS, daneben Ton- und auch Filmaufnahmen für die kanadische Rundfunkgesellschaft CBC, sowie drei Dokumentar-Hörspiele für eben diese. Gould hatte großes Interesse am Aufnahmeprozess und besaß daher ein eigenes Tonstudio, in dem er die Auswirkungen des Zusammenschneidens einer Aufnahme aus unzähligen Versionen („takes“-) auf das musikalische Argument erforschte. Mit der Zeit wurde Gould immer kontrollsüchtiger, so dass selbst Zeitungs- und Fernsehinterviews von ihm selbst Wort für Wort verfasst wurden. Goulds Schriften gehören dennoch zum brillantesten, was über Musik geschrieben wurde, und sind gesammelt in zwei Bänden auch auf Deutsch erschienen (siehe Schriften).

1982, nur wenige Monate nach Erscheinen seiner zweiten Aufnahme der Goldberg-Variationen und neun Tage nach seinem 50. Geburtstag starb Gould an den Folgen eines Schlaganfalls. Den enormen Erfolg dieser zweiten Aufnahme, der den der ersten noch in den Schatten stellte, konnte er nicht mehr miterleben.

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Repertoire
Goulds Aufnahmen konzentrieren sich auf den Barock, die Klassik und die klassische Moderne. So finden sich nahezu das gesamte Klavierwerk von Johann Sebastian Bach, die meisten Beethoven- und alle Mozartsonaten, das gesamte Klavierwerk von Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg und alle Sonaten für Klavier sowie für Bläser mit Klavierbegleitung von Paul Hindemith.

Goulds teils scharf artikuliertes Spiel ist nicht unumstritten. Während diese Art der Interpretation bei Barockmusik als Cembalo-Imitation sehr erfolgreich war, wurden seine röntgenartig zergliederten Mozart-Sonaten von der Kritik zerrissen. Zu den Komponisten der Romantik und ihren Werken hatte Gould, der sich halb im Scherz einst als „der letzte Puritaner“ bezeichnete, ohnehin größtenteils ein schwieriges Verhältnis, weil er in den Werken dieser musikalischen Epoche das strukturelle Element der Musik zu sehr vernachlässigt sah. Allerdings existieren trotzdem einige Aufnahmen romantischer Musik, wie z. B. zehn Intermezzi und vier Balladen von Johannes Brahms, fünf Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy, die Klaviersonate Nr. 3 h-moll von Frédéric Chopin (dessen Musik er genau wie die Robert Schumanns eigentlich ablehnte), Klaviersonaten von Alexander Skrjabin und Klaviermusik, Lieder und das Melodram Enoch Arden von Richard Strauss sowie der Mitschnitt der legendären Aufführung des 1. Klavierkonzertes von Johannes Brahms mit Leonard Bernstein am Dirigentenpult. Außerdem spielte Gould mit einem Orchester Wagners Siegfried-Idyll ein, das er auch zusammen mit einigen anderen Transkriptionen Wagnerscher Werke für den Konzertflügel aufnahm. Zu dieser Art von Aufnahmen zählen auch die Transkriptionen von Beethovens 5. und 6. Symphonie durch Franz Liszt (gegenüber dessen eigenen Werken er ebenfalls eine starke Abneigung hegte), die er 1968 für die Columbia (5. Symphonie) bzw. das kanadische Radio (6. Symphonie) auf Tonträgern festhielt.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf die Vielzahl von Goulds Aufnahmen detaillierter einzugehen. Für einen kompletten Katalog seiner Aufnahmen sei auf die Weblinks verwiesen.

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Goulds Interpretationen
Der in nahezu allen seinen Aufnahmen leise, aber hörbar mitsummende Gould genießt heute noch ein einzigartiges Ansehen, insbesondere aufgrund seiner Bach-Aufnahmen mit den zwei legendären Einspielungen der Goldberg-Variationen, einem Werk, das mit dem Namen Glenn Gould und seiner Lebensgeschichte untrennbar verbunden ist. Nach wie vor aber werden seine intellektuell anspruchsvollen Interpretationen bei Hörern klassischer Musik meist entweder begeistert aufgenommen oder energisch abgelehnt. Dies liegt offenbar an seinem oft ungewöhnlichen Verständnis allgemein bekannter und etablierter Werke, die er von einem nicht romantisierenden Standpunkt aus betrachtete und interpretierte. Es ist aber eine nicht den Tatsachen entsprechende - jedoch häufig angeführte - Behauptung, Goulds Klavierspiel sei unsensibel oder gar mechanisch. Seine Spielweise war zwar stets bis ins letzte Detail durchdacht, stark von seinem Intellekt geprägt und unkonventionell, jedoch ist er in seinen Aufnahmen als wandlungsfähiger und auf seine eigene, besondere Art tief empfindender Künstler zu erleben. Strittig war oft seine Wahl extrem schneller (und bisweilen auch langsamer) Tempi, die aber trotzdem nicht auf Kosten der Transparenz und Klarheit der musikalischen Darbietung ging. Seine untraditionelle Spieltechnik, die wohl das Produkt des langjährigen Klavierunterrichts durch die Mutter in seiner Kindheit war und kaum der eines normalen Pianisten ähnelte, ermöglichte ihm diese technische Virtuosität, die oft als seelenlos dargestellt wurde. Sein überwiegend für Barockmusik gewähltes Non-legato-Spiel (nicht staccato!) war als ungewöhnliches Stilmittel bei vielen Kritikern und romantisch orientierten Hörern verpönt und maßgeblich mitverantwortlich für seinen Ruf als Exzentriker.


Vor einem Auftritt mit Orchester, 1959.Durch seine einzigartige Technik versuchte er aber auch die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments zu erweitern. Durch spezielle Arten des Anschlags vermochte er auf dem Klavier Stücke regelrecht zu orchestrieren, indem er, was auf diesem Instrument recht schwierig ist, bei polyphoner Musik die einzelnen Stimmen in unterschiedlichen „Klangfarben“ spielte.

Tatsächlich lag es Gould fern, in seinen Interpretationen romantische Effekte zu erzielen, wie es viele andere Pianisten z. B. durch rhythmische Freiheiten zu erreichen suchen. Beispielsweise spielte Gould Barockmusik streng rhythmisch, was ihm von Seiten der Kritik oftmals zum Verhängnis wurde. Jedoch wirken beispielsweise seine Bach-Interpretationen gerade durch ihre rhythmische Intensität für viele Hörer mitreißend. Die Aufnahmen der Werke Johann Sebastian Bachs waren es auch schließlich, die hauptsächlich seine bis heute anhaltende Geltung begründeten. Er tat sich aber ebenso als Interpret der Werke Ludwig van Beethovens hervor, die in seinen Einspielungen mit großer Leidenschaft, teils jugendlich-ungestüm, teils nachdenklich-stimmungsvoll erklingen. Weiterhin gilt er als großer Schönberg-Interpret. Allerdings ist auch sein respektloses Verhältnis zu Mozart bekannt, das sich in einer heftig umstrittenen Gesamtaufnahme seiner Klaviersonaten niederschlug.

Zum tieferen Verständnis von Goulds Interpretationen muss gesagt werden, dass er sich nicht als rein wiedergebender Interpret, sondern vielmehr als nachschöpfender, Klavier spielender Komponist verstand. Dies ist letztlich auch der Grund seiner Bemühungen, bekannte Musik in oftmals nicht bekannter, ungewohnter Weise aufzuführen. Es ging ihm darum, Facetten der Musik aufzudecken, die von der Tradition vernachlässigt wurden. In die gleiche Richtung ging sein Streben, wenig populäre Musik zu spielen, wie z. B. die von Bach, die zwar zu allen Zeiten als Meilenstein abendländischer Kunst galt, aber lange Zeit wegen ihrer Komplexität kaum zu größerer Beliebtheit innerhalb breiter Hörerschichten gelangte. Gould versuchte diese Musik nicht wie üblich dem Publikum durch interpretatorische Annäherungen an das populäre romantische Repertoire näher zu bringen, sondern wagte es, Alte Musik in all ihren Eigenheiten lebendig und ohne akademischen Dünkel, aber stets exakt und überdacht zu spielen. Zeugnis vom Erfolg dieser Herangehensweise legen die phänomenalen Erfolge seiner beiden Einspielungen der Goldberg-Variationen ab, von der teilweisen Inakzeptanz durch Kritik und Publikum die bis heute anhaltenden Anfeindungen seiner Person.

Kurz erwähnt seien auch seine Orgel-Einspielungen der Kunst der Fuge von Bach. Die Mikrophone standen so nah an den Orgelpfeifen, dass Windgeräusche hörbar waren, auch wurde so die Raumakustik unterdrückt. Diese dadurch sehr fremd aber ungemein transparent klingenden Aufnahmen wurden von der Fachwelt weitestgehend abgelehnt. Es sind einige der wenigen Einspielungen auf denen Gould nicht auch singend zu hören ist.

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Radio-Dokumentationen
Weniger bekannt als seine Musikaufnahmen sind Goulds Radio-Dokumentationen für die CBC, die aber trotzdem die Anerkennung der Kritik fanden. Besonders hervorzuheben ist unter ihnen die Solitude Trilogy, eine Serie von drei Hörspielen über das Leben nördlich des Polarkreises. Sie besteht aus dem ersten Teil The Idea of North, der vom Norden und seinen Bewohnern handelt, The Latecomers, einer Sendung über Neufundland, und The Quiet in the Land, einem Hörspiel über die Mennoniten in Manitoba. Alle Teile der Solitude Trilogy benutzen eine Technik, die Gould selbst „kontrapunktisches Radio“ nannte. Hierbei sprechen mehrere Personen gleichzeitig, aber nicht willkürlich aneinander vorbei. Der Sinngehalt des Gesagten der einzelnen Personen ergänzt sich gegenseitig - ähnlich wie die Stimmen einer Fuge. Goulds Co-Produzent bei diesen Dokumentationen, Lorne Tulk, erzählte einst, dass Gould diese Technik bei The Idea of North aus einer gewissen Notlage heraus entwickelt hatte. Die Sendung durfte nur 60 Minuten dauern, aber Gould besaß Material für weitere 14 Minuten, das er unbedingt verwenden wollte. Auf diese Weise kam ihm, der ohnehin ein großes Faible für die Kompositionstechniken des Barock besaß, die Idee, Gesprochenes wie kontrapunktische Musik zu behandeln. Diese neuartige Technik, die nicht nur die Sprecher untereinander, sondern auch das Gesprochene mit unterlegter Musik verband, in Verbindung mit Goulds großen Fähigkeiten im Schneiden von akustischem Material lassen diese Hörspiele weit aus der Masse herausragen.



Glenn Gould war ein merkwürdiger Mensch - unglaublich erfolgreich, wochenlang mit seiner Einspielung von Bachs "Goldberg-Variationen" auf Platz eins der Charts, Millionär durch seine Musik und trotzdem ein extrem introvertierter, menschenscheuer Einzelgänger, der sein Publikum hasste und nur noch Studioaufnahmen produzierte und mit erst 50 Jahren einsam und wohl jungfräulich starb. Goulds exzentrisches Verhalten war berühmt: Er spielte immer barfuß, wusch sich vor Auftritten seine Hände in brühend heißem Wasser, führte immer eine Götzenstatue und einen Koffer voller Medikamente, Pillen und Vitaminpräparaten mit sich - obwohl er kerngesund war.

Gould beim Spielen:



Einige Jahre später:


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Morgi



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 14:51                                  +/-

Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1871-1915), russischer Komponist und Pianist:



Hat wunderschöne, an Chopin und Liszt angelehnte Klaviersonaten geschrieben, hatte aber vor allem eine interessante Vision grins :

Zitat:
Nachdem Skrjabin mit Schriften der Theosophischen Gesellschaft in Berührung gekommen war, reifte in ihm der Gedanke, ein Gesamtkunstwerk ungesehenen Ausmaßes zu schaffen, das in Indien unter einer Halbkugel mit 2.000 Mitwirkenden unter Einbeziehung sämtlicher Künste und Sinneseindrücke so lange immer wieder aufgeführt werden sollte, bis die gesamte Menschheit das so genannte Mysterium erlebt hätte und in kollektive Ekstase versetzt worden wäre, was, wie Skrjabin glaubte, die Menschheit auf eine höhere Bewusstseinsstufe gehoben hätte, mit ihm selbst als der messianischen Figur in ihrer Mitte. Eine Blutvergiftung wegen eines Abszesses auf der Oberlippe machten diesen hochfliegenden Plänen 1915 ein jähes Ende, so dass Skrjabin das Erleben eines Scheiterns erspart blieb. Sein Spätwerk zeigt eine stilistische Entwicklung auf, die erahnen lässt, dass Skrjabin, hätte er weitergelebt, zu den großen Neuerern in der Musikgeschichte gezählt worden wäre.

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Diamond Dog



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 19:07                                  +/-

David Bowie



Thin White Duke, Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Halloween Jack, Heroinabhängiger, Goebbelsverehrer, Dune-Schauspieler,...

kaum jemand ist facettenreicher als der Brite mit den unterschiedlich gefärbten Augen.

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Ulven



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BeitragVerfasst am: 24.07.2006, 00:17                                  +/-



Michael Hedges

Aerial Boundaries
Silent Anticipations
Because it's there (on harp guitar)


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Éomunds Tochter



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BeitragVerfasst am: 24.07.2006, 15:15                                  +/-

Diamond Dog
David Bowie



Thin White Duke, Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Halloween Jack, Heroinabhängiger, Goebbelsverehrer, Dune-Schauspieler,...

kaum jemand ist facettenreicher als der Brite mit den unterschiedlich gefärbten Augen.


UND singender Kobold mit mehr Lidschatten als Jennifer Connelly und Tennisball in der Leggins.

ugly




Dance, magic dance! Oh-oh!

rolling on the floor...

Aber: ich bin mir sicher, er hatte jede Menge Spaß beim Dreh. grins


_________________
This is not war. This is pest control.
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Ulven



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BeitragVerfasst am: 26.07.2006, 22:42                                  +/-

Diamond Dog
Dune-Schauspieler


Falls du die David Lynch-Verfilmung meinst, so muss ich dir widersprechen, da hat Bowie nicht mitgespielt.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 29.12.2006, 19:46                                  



The heart of saturday night

Während ich mich durch die 3-CD-Box Orphans höre, mit all den Songs, die irgendwo runtergefallen sind, mal eine kleine Tom-Waits-Rundschau:



The early years
Angefangen hat er in den frühen 70ern als Barpianist, und das im Wortsinne, er war Barpianist in einem Hotel und das hört man seinen frühen Alben allein schon den Titeln an: Closing time (1973), The heart of saturday night (1974), Nighthawks at the diner (1975) und Small change (1976). Allesamt großartige Alben, die ihm einen Namen in der amerikanischen Jazzszene einbrachten. Denn das war Jazz, recht versoffen und verraucht zwar, aber kann man als Barjazz laufen lassen. Ein verstimmtes Klavier, herzzereißende Melodien und eine warme, tiefe Reibeisenstimme waren sein Markenzeichen. In den Texten geht es meist um einsame Männer, Trinker und Lebenskünstler, die im Schummerlicht übler Kaschemmen dem Glück hinterherträumen. Melancholische Großstadtballaden, irgendwo zwischen dem letzten Bier und der ersten Straßenbahn. Ein gutes Beispiel ist das bittersüße Martha der ersten Platte: ein Mann ruft nachts und wahrscheinlich betrunken seine Jugendliebe an und heult ihr die Ohren voll, dass er oft an sie denke und dass mit ihr alles anders gelaufen wäre blabla.. Waits hält hier geschickt die Balance von Gefühl und Komik. Einerseits macht sich der Mann ziemlich zum Affen, andererseits, wer kann's ihm verdenken? So Texte halt Smilie

Die frühen Alben sind allesamt recht zugänglich, gradlinige kleine Songs, wunderschöne Melodien, gerade so gegen den Strich gebürstet, dass Kitsch nicht aufkommt. Kann man bedenkenlos seiner Freundin zu Weihnachten schenken (was für spätere Alben so nicht mehr uneingeschränkt gilt). Auf Small change ist aber schon ein Wandel zu bemerken, es wird ruppiger. Gleich im ersten Song, Tom Traubert's Blues, bürstet Toms durch allerlei Exzesse hörbar angeschlagene Stimme über die süßlichen Streicher, dass es nur so scheppert. Hier wankt jemand einsam und unglücklich durch die Straßen einer fremden Stadt, no one speaks english and everything's broken... das muss auch so klingen. Der Song wurde ebenso erfolgreich wie glattgebügelt von Rod Stewart gecovert, quasi Tom Waits erster Hit. Aber nur das Original hat den wütenden Schmerz, der nun immer häufiger auftauchen wird. Tom Waits hat in der Zeit viel gesoffen und allgemein kein gesundes Leben geführt. Dafür blitzt immer mehr Humor durch die Zeilen, und sei es Galgenhumor, das grandiose The piano has been drinking ist sowas wie die Parodie auf sein eigenes Image als Barpoet, die Bilder sind so schief wie die Harmonien, der ganze Raum scheint sich zu drehen, besser wurde ein gehöriger Vollrausch nie vertont hähö And the carpet needs a haircut.. the waiter is a sumo wrestler.. the telephone runs out of cigarettes.. and the piano has been drinking, not me... auch weitere Titel wie Invitation to the blues oder Bad liver and a broken heart weisen in diese Richtung.




Neue Ufer
Die nächsten Jahre geht es so weiter, klavierlastige Kneipenmusik, aber die Töne werden rauer, die Texte ruppiger, abgehackter, kryptischer. Waits löst sich vom Jazz und experimentiert mehr mit Boogie, Blues und Folk. Das tut seiner Musik gut, auch wenn die Freundinnenkompatibilität leiden mag. Immer öfter taucht mal ein martialischer Tango auf oder eine windschiefe Polka. Waits kramt im Fundus akustischer Musik der letzten 100 Jahre, elektrische Instrumente scheinen ihn nicht groß zu interessieren. 1980 heiratet er Kathleen Brennan, die ihn seitdem auch musikalisch begleitet, sie wird sehr oft als Co-Writer aufgeführt. Mit ihrer Hilfe bekommt er seine Sauferei in den Griff, die alte Johnny-and-June-Geschichte. So gestärkt und geläutert ist die Zeit reif für etwas radikal Neues: 1983 verstört Tom Waits mit Swordfishtrombones seine Fans, ein Album, das weh tut.



Er schreit, röchelt und grunzt sich durch die Songs, die nun so gar keine Kneipengemütlichkeit mehr ausstrahlen. Aber er findet hier endgültig seinen Stil, eine Fülle instrumentaler Klangmuster werden von dumpfen Schlägen vorangetrieben, mal schnell, mal langsam, und nur durch seine markante Stimme zusammengehalten. Ein Befreiungsschlag, er wollte wohl nicht sein Leben lang der Mann am Klavier sein. Er hat sich mit Swordfishtrombones quasi neu erfunden. Bei aller Ruppigkeit erhält er sich aber sein Gespür für leise Töne, es gibt kein Waits-Album ohne mindestens ein, zwei todtraurige Liebesballaden. Man muss vielleicht genauer hinhören, aber der alte Romantiker ist immer noch da. Waits ist so grob wie er zart sein kann, das Schöne und das Biest, der Säufer mit dem weichen Herz. Und es lohnt sich immer, auf die Texte zu achten, er erzählt wundervolle kleine Geschichten über so ziemlich alles Yes






Die goldenen 80er
Die neu gewonnene Freiheit nutzt Waits für zwei Alben, die ihm endgültig den Durchbruch als ernstzunehmenden Tonkünstler bringen, Rainbirds (1985) und Frank's wild years (1987). Beide sind schlicht genial und ich empfehle sie jedem als Einstieg in die Musik von Waits. Sie liegen "in der Mitte", sind nicht mehr so gepflegt jazzig wie die frühen Alben, aber auch nicht so experimentell wie Swordfishtrombones und spätere Sachen, weit hörbarer, und voller Energie. Die ungeheure kreative Kraft des "neuen" Waits' sprüht aus jeder Note. Man hat den Eindruck, nachdem er nicht mehr so viel trinken und traurig sein muss, weiß er gar nicht, wohin mit seiner Energie. Unbändige Lebenslust, viel Humor, Spiel mit allen Arten akustischer Musikstile, eine tolle Mixtur. Während die 80er für viele Künstler der 60er und 70er Jahre eher Stagnation und kreative Öde bedeuten, lebt der alte Barpianst erst richtig auf. Immer öfter klingen seine Songs wie Zirkusmusik aus vergangenen Tagen, diesen Jahrmarktklang hat er bis heute nicht mehr abgelegt, er liebt das billige, blecherne Heischen um Aufmerksamkeit, das Tröten, Trommeln und Fiepen einer Fülle alter und hoffnungslos verstimmter Instrumente. Ich glaube, er kauft sich seine Instrumente auf Flohmärkten und Haushaltsauflösungen zusammen. Gerne kommen nun auch Töpfe, Pfannen und singende Sägen zum Einsatz. Music is everywhere.. man muss sie nur herauslocken. Manchmal singt er durch einen Wasserhahn, zumindest hört es sich so an. Sein Spieltrieb kennt keine Grenzen und kein Genre ist vor ihm sicher.






Filme und so
Mit der grandiosen Scheibe Frank's wild years erreicht er den Zenit seiner ersten Lebenshälfte, finde ich, und er fand es vielleicht auch, denn in dieser Zeit schaut sich Waits immer mehr in anderen Jagdgründen um. Er versucht sich erfolgreich als Schauspieler und liefert in "Down by law" von Jim Jarmusch eine tolle Performance ab. Seitdem taucht er immer wieder in kleinen Rollen auf, in "Rumble fish" oder "Cotton club", in "Short cuts" von Robert Altmann und sicher am bekanntesten in "Dracula" von Coppola. Er spielt da den Irrenhauspatienten, der Käfer isst und auf die Ankunft seines Herrn wartet.. eine Paraderolle für Waits. In "Der König der Fischer" gibt er den amputierten Vietnamveteranen, ihm liegen die Außenseiterrollen. Filme interessieren ihn aber nicht nur vor der Kamera. Nachdem er bereits einzelne Songs für Filme geschrieben hat (Sea of love-Titelsong), schreibt er 1991 den kompletten Soundtrack für "Night on earth" von Jim Jarmusch, einer meiner Lieblingssoundtracks überhaupt, ein bekacktes Meisterwerk! Und die beste Musik, um nachts Auto zu fahren. Immer mal wieder tauchen Wait-Songs in Filmen auf, wenn man drauf achtet, auch dort, wo man sie nicht erwartet, in "Shrek II" oder "Robots".

Parallel beschäftigt sich Waits in den 90ern mit Musicals, sein Hang zum Drama kommt da wohl durch. Er schreibt die Musik für eine moderne Adaption des "Freischütz", das Musical Black rider. Die dazu gehörende CD ist von düsterer Größe, die Stücke, die Waits auch selber einspielt und singt, reichen vom Jahrmarktbudenzauber bis zur sanft gruselnden Schauermär, alles ziemlich gothic. Tolle Musik für trübe Wintertage. Später kommt die "Alice-in-Wonderland"-Adaption Alice und die "Woyzek"-Adaption Blood money hinzu, und noch mehr Stücke von Kurt Weill und überhaupt scheint ihn die deutsche Literaturwelt zu interessieren. Ihm gefällt wohl das Morbide daran.





Herumschreien
1992 knallt Tom Waits seiner mittlerweilen deutlich gewachsenen Fangemeinde das Album Bone machine vor die Nase. Das ist kein Spaß! Als wäre ihm der Ruhm zuviel geworden, als würde er befürchten, vom Mainstream, von Hollywood und dem Broadway eingesaugt zu werden, spielt er ein Album ein, dass an Ruppigkeit Swordfishtrombones fast noch übertrifft. Er schreit wieder. Das kann er gut, herumschreien. Wenn der erste Song gleich Earth Died Screaming heißt, dann ist das auch genau so gemeint. Er grunzt und schnauft und nuschelt sich durch eine Platte voller wüster Kleinode. Sein Trick ist, erst schreibt er eine wunderschöne Melodie, für die andere Musiker einen Finger hergeben würden, und dann zertrümmert er sie bis zur Unkenntlichkeit mit allem, was zur Hand ist. Am Schluss hat man aber doch wieder etwas, das wie Musik klingt. Das ist wie ein Wunder. Er erschafft Musik, indem er versucht, sie umzubringen, ein ständiger Prozess aus Tod und Wiedergeburt. Fast religiös. Ein Kritiker beschrieb Bone machine damals als gehäutetes Künstlerfleisch, das ist nicht schlecht, auch wenn ich die Platte humorvoller seh. Waits hat sichtlich Spaß am Kaputtmachen. Zwischendurch kommt dann wieder eine kleine, harmlose Ballade, wie sie Sonntagnachmittags im Radio laufen könnte (natürlich läuft niemals irgendwas von Waits im Radio Mit den Augen rollen ), zum Ausruhen. Dann wird wieder geschrien. Bone machine ist das Album zum Abhärten, wenn man das übersteht, kann einen Tom Waits nicht mehr kalt erwischen. Dann hat man mit ihm Blutsbrüderschaft geschlossen und bekommt zur Belohnung die Mule variations.







In the countryside
In den 90ern zieht Waits mit Frau und Kindern aufs Land, in die Hügel bei San Francisco. Irgendwo dort nimmt er 1999 Mule variations auf und verblüfft aufs Neue seine Anhängerschaft. Waits, der doch immer die Stimme des Großstadtblues war, der Kneipenpoet, der im Morgengrauen schwankend nach dem Taxi winkt, klingt hier so ländlich wie Papa Schlumpf. Mule variations ist, schon wieder, ich trau's mich kaum zu schreiben, ein Meisterwerk. Es fängt noch etwas bullig an, mit dem brachialen Big in Japan, um uns den Übergang zu erleichtern, nehme ich an, dann wird es immer ruhiger und entspannter. Die Grillen zirpen, der Wind streicht träge übers Getreide, aus dem Schuppen kommen komische Geräusche, irgendwo dudelt ein Radio... Waits verwendet hier alles, was auf so einer Farm halt rumliegt, es ist ein ständiges Klackern und Hämmern und Bürsten. Ich glaube, er verwendet gar keine Instrumente mehr, die man in einem Laden kaufen kann. Dennoch klingt alles sehr musikalisch, fein und ausgefeilt. Viele kleine Geräusche, die von überall her kommen, verweben sich wie von selber zu einem harmonischen Klangteppich. Vielleicht hat Waits aber so auch so kleine Kohlenmännchen wie in "Chihiro" in seinem Sold, die eifrig alles zusammentragen, was er braucht. Ich hab keine Ahnung, wie er diesen Sound hinbekommt, aber er ist toll Smilie Ein Kritiker beschrieb das Album als einen verrosteten Traktor, der hinterm Schuppen steht und zwischen dessen Radspeichen das hohe Gras wächst. Genau so. Das perfekte Sommeralbum, um es abends auf der Veranda zu hören, während Mücken in der Lampe verzischen. Mittlerweilen ist Waits voll und ganz beim Folk angekommen und trinkt auch nur noch grünen Tee.





Und heute?
Nach den Mule variations kam noch das bereits erwähnte Alice-Album, düsterer Folkrock, auch schon mal etwas härter, und Blood money. Sind beides sowas wie "Abfallprodukte" seiner Musicalphase, Alben, die auf den Musicals aufbauen, sie aber nicht genau wiedergeben. Das Musical Alice lief wohl in Hamburg, keine Ahnung. Vielleicht weiß Loth mehr? Beide Alben sind genialisch, pessimistisch, morbide und etwas verrückt. Nicht als Einstieg zu empfehlen, aber segensreich, wenn man mal etwas im Unreinen mit der Welt ist. Tom Waits zeigt einem dann, dass das ganz normal ist, ich mein, schauen wir uns die Welt doch mal an, oder? If there's one thing you can say about mankind, is that there's nothing kind about man. Düster, düster Geschockt

Hier und auch schon in früheren Alben zeigt sich, dass Tom Waits etwas verrückt ist. Das meine ich wirklich so. Er ist ein Stück weit verrückt. Nicht so verrückt wie die berühmte Scheißhausratte, aber er spinnt definitiv. Er ist der Meinung, dass bestimmte Dinge sich nur so ausdrücken lassen, wie er es tut, auch wenn das nicht wirklich anhörbar ist, aber manchmal muss er halt schreien und wüten und grunzen und mit einem Hammer auf eine leere Öltonne schlagen, immer wieder, und das presst er dann auf Platte und verkauft es. Ich denke, er muss das machen, damit nicht sein Kopf platzt. Wir müssen uns das anhören, damit er ein normales Leben führen kann, mit Frau und Kindern, auf seiner kleinen Farm. Damit er sie nicht umbringt oder mit dem Traktor Amok fährt. Ist okay für mich. Mach ich gerne. Hier erinnert mich Waits etwas an Helge Schneider. Helge spinnt auch. Ich meine damit, dass Helge das meiste seiner völlig schwachsinnigen Sachen einfach tun muss, damit er nicht durchbrennt, so sehe ich das. Da kommt man auch nicht an ihn ran. Das ist nicht Kalkül oder eine Masche, Helge muss so sein. Interessanterweise führen Helge und Tom beide ein bürgerliches Familienleben, mit Heim und Kindern und ohne jeden Skandal und Tratsch. Sie leben sich eben in ihrer Arbeit aus. Soviel zu Tom und Helge.






Real gone ist das nächste Album, wieder toll, klar. Etwas wie eine Mischung aus Alice und Mule variations, etwas ruppiger, aber voll filigraner Instrumentierung. Allmählich wiederhol ich mich. Tom Waits hat seinen Stil gefunden und ist kreativ noch lange nicht erschöpft. Sein letzter Streich ist wieder weit lebensfroher als "Alice", die bereits erwähnte 3-CD-Box Orphans, in der Waits all die Songs versammelt, die er noch irgendwo so rumliegen hatte. Alle neu eingespielt, darunter auch kleine Geschichten, die er einfach mal so erzählt und dazu komische Geräusche auf irgendwas macht, man möcht es gar nicht so genau wissen. Da gibt es eine kleine Gute-Nacht-Geschichte, die fängt ganz anheimelnd an, Once upon a time, there was a little kid, with no one left in the world... dann erfährt man, dass es der letzte Mensch auf Erden ist, und dann reist es zu den Sternen und als es zurückkommt ist die Erde ein umgedrehter Pisspott ..and now sleep, little one.. Geschockt ja, Papa. Wie es wohl so ist, als Kind von Tom Waits aufzuwachsen?






So, das war's auch schon Smilie Tom Waits. Nochmal zusammengefasst: erst melancholischer Barpoet, dann wüster Existenzialist, dann Filmmuse, dann Folksinger, dann alles zusammen, auf jeden Fall ist Tom ein Original, wie es sie kaum noch gibt. Tom Waits ist Tom Waits ist Tom Waits, schreibt laut.de, und da haben sie recht Yes

Sympathische Randnotiz: er hasst Werbung und führte in den letzten Jahren mehrere Rechtsstreite mit Firmen, die seine Songs unerlaubterweise in Werbespots einsetzten. Noch ne Randnotiz: 2007 soll ein Album erscheinen, auf dem Scarlett Johanssen(!) Songs von Tom Waits covert. Na, da bin ich mal gespannt


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You met me at a very strange time in my life.
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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 30.12.2006, 01:11                                  +/-

Zitat:
2007 soll ein Album erscheinen, auf dem Scarlett Johanssen(!) Songs von Tom Waits covert.


Die passende Stimme dafür hat sie ja.


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 30.12.2006, 16:43                                  +/-

Die wird aber ganz anders geschrieben. Ich krieg das auch nie auf die Reihe.


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„Scientists told them, it was a really bad idea. They didn‘t listen.“ – „That‘s going to be carved on humanity‘s gravestone.“
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Wolter



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BeitragVerfasst am: 31.12.2006, 10:06                                  +/-

Pfeifenkrautler
Parallel beschäftigt sich Waits in den 90ern mit Musicals, sein Hang zum Drama kommt da wohl durch. Er schreibt die Musik für eine moderne Adaption des "Freischütz", das Musical Black rider. Die dazu gehörende CD ist von düsterer Größe, die Stücke, die Waits auch selber einspielt und singt, reichen vom Jahrmarktbudenzauber bis zur sanft gruselnden Schauermär, alles ziemlich gothic. | Später kommt die "Alice-in-Wonderland"-Adaption Alice ... hinzu,...
[...]
Das Musical Alice lief wohl in Hamburg, keine Ahnung.

Ich kann mich an die Berichterstattung darüber noch erinnern - und ulkig, ich weiß nur 90%ig sicher, daß ich diese nicht bloß derartig aufmerksam verfolgt habe, sondern die Aufführung im Thalia-Theater tatsächlich besucht habe. Was mich die 10% zweifeln läßt, ist die völlig geschwundene Erinnerung an die Musik; andererseits habe ich die Kostüme/Bühnenbilder von Robert Wilson in ihrem surrealen gezackten "Dr. Caligari"-Stil noch ziemlich plastisch vor Augen - so meine ich letztlich doch, daß ich der öffentlichen Aufmerksamkeit um das Trio Waits/Wilson/Burroughs (und natürlich auch der "Freischütz"-Verwandschaft) wegen tatsächlich drin war, die mir letztlich doch fremde Musiksprache aber einfach nicht hängengeblieben ist. Geschockt Naja, ist 16 Jahre her, ist wohl verzeihlich...
"Alice", auch mit Wilson als Regisseur (und Bühnenbildner), wurde ebenfalls im Thalia-Theater Hamburg uraufgeführt, aber das ist dann doch ziemlich spurlos an mir vorübergegangen. Wahrscheinlich, weil ich auch nie die literarische Vorlage von Carroll gelesen habe... Verlegen
Über "Alice" von hansenet schicke ich aber meine hochklügelnden Beiträge ins Forum. zwinkern


Pfeifenkrautler
...wie sie Sonntagnachmittags im Radio laufen könnte (natürlich läuft niemals irgendwas von Waits im Radio Mit den Augen rollen-)...

Werch ein Illtum - auch wenn es Mittwochabend war:

Tom Waits im Deutschlandradio Kultur am 22. 02. 2006 - Bremen 1977 - Das mp3-Archiv des Senders hat die 87 Minuten sogar auch noch kostenfrei verfügbar:

In Concert: Tom Waits (19,9 MB)


[Aber Vorsicht: lieber noch heute im Alten Jahr herunterladen als im Neuen, sprich morgen - es ist eigentlich, wie alle Files aus dieser Zeit, längst überfällig. Vielleicht machen die Netz-Archivare mit dem Jahreswechsel Tabula rasa...]

Pfeifenkrautler


3. Nicht mehr in Internetforen schreiben

hähö

Wolter

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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 10:45                                  +/-

Nichtraucher, deine Waits-Huldigung liest sich wirklich gut, und ich hatte auch brav ein Sternchen vergeben. War sogar ausreichend neugierig gemacht, um mir ein Album zu besorgen: Night on Earth. Das war so dermaßen schrammelig, dumpf und seltsam, daß ich an eine vermurkste Aufnahme glaubte. Also hörte ich mir eben noch die Hälfte von "Frank's Wild Years" an, immerhin von dir zum Einstieg empfohlen. Leider genau das gleiche: Waits nuschelt gleichförmig und kaum hörbar vor sich hin (singen kann man das eigentlich nicht nennen), dazu dumpfes Geschrammel (klingt, als wären die Hochtöner meiner Boxen ausgefallen) und alles zusammen einfach nur leblos, ohne Rhythmus, ohne Melodie. Mehr Geräusch als Musik. Und jedes Stück klingt gleich. Ich bin etwas ratlos ?????


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 11:22                                  +/-

hähö

Das ist die normale Abstoßungsreaktion des Körpers auf geniale Musik, keine Sorge. Okay, geh einen Schritt zurück und besorg dir noch "Closing time". Diese Chance solltest du ihm noch geben. Eigentlich hab ich auch so angefangen, wenn ich ehrlich bin. Dazu Whisky trinken, kann ruhig der von Aldi sein.


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Thanil
Iniesta de Toto


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 12:22                                  +/-

Nichtraucher
Dazu Whisky trinken, kann ruhig der von Aldi sein.


Wo ist Arbrandir, wenn man ihn mal braucht? Echt schlimm


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 13:57                                  +/-

Es MUSS sogar der von Aldi sein, du Willi.


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Oxford
Dr. Olympics


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 14:03                                  +/-

Wieso hört NR eigentlich nur noch die melancholische Musik von alternden, teils toten (Ex-)Besuffskis? Echt schlimm


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Somit sage ich, nicht ich schreibe das, sondern mein Zeitgewissen.
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titania



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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 14:35                                  +/-

Weil er einen exquisiten Musikgeschmack hat, wie ihn nur wirkliche Connaisseurs haben. Yes


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 16:13                                  +/-



Guter Musikgeschmack hat auf jeden Fall nichts mit dem Alter zu tun.


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sphinx



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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 16:27                                  +/-

Oxford
Wieso hört NR eigentlich nur noch die melancholische Musik von alternden, teils toten (Ex-)Besuffskis? Echt schlimm

vermutlich haben diese faktoren einen einfluss auf die stimme eines menschen. Yes


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worauf wartet ihr noch? stopft euch den schmuck
in die busen, den büchsenöffner, das cembalo,
bietet der nemesis eine pauschale an
und packt! die vergütungen ein,
die gasmaske und den unterleib!
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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 17:05                                  +/-

Würde es Oxi beruhigen, wenn ich ausplaudere, dass ich gestern die Yeah yeah yeahs für mich entdeckt habe?


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 17:12                                  +/-

Was hältst du eigentlich von Bill Withers?

Gut, "Closing Time" werd ich mir dann bei Gelegenheit auch noch anhören. Aber Whisky trink ich nicht dazu, bäh.


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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 17:20                                  +/-

Sagt mir gar nichts.


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Glaurung



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BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 17:39                                  +/-

Überrascht Na, "Ain't No Sunshine", "Use me", "The Same Love That Made Me Laugh" und so. Wurde leider schon 100000x in Werbespots verwendet, ist aber trotzdem genial. Und er hat eine schöne Suff-Stimme zwinkern

Your love is like a a chunk of gold
Hard to gain, and hard to hold
Like a rose that's too soft to touch
Love has gone, and it hurts so much
Well and Why
Must the same love that made me laugh
Make me cry?
Well now you think of love as sitting on a mountain
Think of it as being a great big rock
Won't you think before you started to roll it down
Because once you start it, you can't make it stop


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Zuletzt bearbeitet von Glaurung am 11.01.2007, 01:38, insgesamt einmal bearbeitet
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