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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 17:27                                  +/-

Karl May hat das auch so gemacht and nobody raised a brow.


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Eiranion
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 17:29                                  +/-

Sehr gutes Beispiel:

Relotius hat ihn besucht, er hat den Arzt, der Nadim psychologisch betreut, im Gefängnis getroffen. Beide Personen gibt es, und Relotius hat es geschafft, zu ihnen in das Hochsicherheitsgefängnis der Autonomen Region Kurdistan zu kommen, nahe der Stadt Dschamdschamal. Doch was Nadim ihm erzählt, reicht Relotius offenbar nicht. "Ich habe nicht genug Zeit mit dem Jungen gehabt", sagt er, und habe deshalb mit Details "ausgeschmückt", Gleiches gilt für die Person des Arztes. Weil es an Details fehlte, habe er beide Charaktere "notgedrungen aus meiner Sicht weitererzählt." Welche und wie viele Details Relotius erfunden hat, ist noch unklar. Doch es gibt in dem Text eine Szene, in der Nadim auf dem Boden seiner Zelle sitzt und Verse des Koran zitiert. "Nadim hat keinen dieser Verse vergessen. Er sagt sie nacheinander auf, wie schüchterne Kinder Gedichte aufsagen, zu Boden sehend, atemlos." Es folgen einzelne Suren und Verse in deutscher Übersetzung. Ob Nadim die Koransuren kennt, wisse er nicht, räumt Relotius jetzt ein. Er habe mit ihm nicht darüber gesprochen.


Ich halte es für ziemlich unmöglich, das als Redaktion zu verhindern wenn der Autor tatsächlich so viel Hang zum Betrug hat.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 17:48                                  +/-

Solche ausgeschmückten Details sind zwar nicht schön... aber irgendwie auch keine Fake News. Ich hoffe, dass das Fass, welches jetzt geöffnet wird, nicht zu groß wird.

Wenn man jede Lüge von rechten Hetzblättern oder Politikern derart aufbauschen würde, wie ein paar hinzugedichtete Details, dann kämen wir aus dem "erschüttert sein" gar nicht mehr raus.


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Tyler Durden
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 17:56                                  +/-

Natürlich sind das Fake-News.

In seiner Geschichte über Fergus Falls frisiert Relotius auf verletzend hochmütige Weise die Zeitgeschichte. Um einen kernigen Auftakt zu haben, erzählt er, dass am Ortseingang gleich neben dem Willkommensschild ein zweites Schild aufgestellt sei, "halb so hoch, aber kaum zu übersehen... Auf diesem Schild, aus dickem Holz in den gefrorenen Boden getrieben, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: 'Mexicans Keep Out' - Mexikaner, bleibt weg."

Das Schild, das der ganzen Geschichte den Grundton gibt, hat nie existiert, es stand nur in der Fantasie des Autors herum. Er hat die Erfindung trotzdem als Faktum an Hunderttausende Leser weitergereicht, einfach so. Und die Einwohner von Fergus Falls hat er damit beleidigt. Es wirkt so, in der Gesamtsicht, dass ihm Menschen, die keine Kinder mehr sind, nichts sagen. Es gibt Ausnahmen, aber den Einwohnern von Fergus Falls gibt Relotius falsche Biografien, wie es ihm gerade passt, als wäre er ein Puppenspieler. Er versteigt sich auch zu grotesken Lügen wie jener, dass die Kinder der John-F.-Kennedy-Highschool ihre Vorbilder für den amerikanischen Traum gemalt hätten und zwar so: "Sie malten", schreibt Relotius, "nicht ein einziges Bild von einer Frau. Eine Klasse malte Barack Obama, zwei malten John D. Rockefeller. Die meisten malten Donald Trump." All das ist gelogen, einfach alles, es ist ausgedachter Mist.


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Eiranion
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 17:58                                  +/-

Es gibt da leider auch Fälle, wo er sich fast alles ausgedacht hat. Er war z.B in irgendeinem amerikansichen Kaff um sich echte Trump-Wähler in freier Wildbahn anzusehen und konnte einfach keinen guten Zugang zu einer Story finden. Also hat er dem Ort mal eben ein "Mexicans not welcome"-Schild am Ortseingang angedichtet und dann quasi alle Charaktere in seiner Reportage erfunden.

Es sieht für mich so aus, dass er nicht systematisch seine ganzen Geschichten erfunden hat, aber je weniger erfolgreich seine Recherchen waren, desto mehr hat er dazu erfunden um am Ende bei der gleichen "Qualität" des Artikels anzukommen.

Gepostet am 19.12.2018, 17:59:

Edit: As Tyler said.


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Celebrian
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 18:14                                  +/-

Tyler Durden
Natürlich sind das Fake-News.

In seiner Geschichte über Fergus Falls frisiert Relotius auf verletzend hochmütige Weise die Zeitgeschichte. Um einen kernigen Auftakt zu haben, erzählt er, dass am Ortseingang gleich neben dem Willkommensschild ein zweites Schild aufgestellt sei, "halb so hoch, aber kaum zu übersehen... Auf diesem Schild, aus dickem Holz in den gefrorenen Boden getrieben, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: 'Mexicans Keep Out' - Mexikaner, bleibt weg."

Das Schild, das der ganzen Geschichte den Grundton gibt, hat nie existiert, es stand nur in der Fantasie des Autors herum. Er hat die Erfindung trotzdem als Faktum an Hunderttausende Leser weitergereicht, einfach so. Und die Einwohner von Fergus Falls hat er damit beleidigt. Es wirkt so, in der Gesamtsicht, dass ihm Menschen, die keine Kinder mehr sind, nichts sagen. Es gibt Ausnahmen, aber den Einwohnern von Fergus Falls gibt Relotius falsche Biografien, wie es ihm gerade passt, als wäre er ein Puppenspieler. Er versteigt sich auch zu grotesken Lügen wie jener, dass die Kinder der John-F.-Kennedy-Highschool ihre Vorbilder für den amerikanischen Traum gemalt hätten und zwar so: "Sie malten", schreibt Relotius, "nicht ein einziges Bild von einer Frau. Eine Klasse malte Barack Obama, zwei malten John D. Rockefeller. Die meisten malten Donald Trump." All das ist gelogen, einfach alles, es ist ausgedachter Mist.



Überrascht Scheiße. Das ist leider linke Hetzpropaganda. Lügenpresse. So ein Arsch.

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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 19:10                                  +/-

Nun hat auch der Spiegel seine Hitlertagebücher. Sauber verarscht. Das wird der Reputation des Blattes einen ordentlichen Dämpfer verleihen.

Gepostet am 19.12.2018, 19:17:

Wikipedia
[Relotius] schrieb freiberuflich unter anderem für den Cicero, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die NZZ am Sonntag, die Financial Times Deutschland, die taz, die Welt, das SZ-Magazin, die Weltwoche, Zeit Online und das Schweizer Magazin Reportagen, angeblich auch für The Guardian.


Ob seine Artikel in den Blättern ebenso "ausgeschmückt" worden sind?


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einBaum



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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 19:41                                  +/-

Selbst wenn er "nur" Details ausgeschmückt hätte, wären es Fake News. Es verstößt gegen jeden journalistischen Kodex, Kontexte zu erfinden oder Quellen zu zitieren, die das Geschriebene nie gesagt haben. Jedes Detail sollte recherchiert und bestätigt werden. Wenn es das nicht wurde oder unbestätigt bleibt, muss man es weg lassen. So hab ich's noch gelernt. So wird es wohl auch noch gelehrt an den Journalistenschulen. Eine der Hauptaufgaben für Volontäre der Boulevardblätter ist es, das Alter der Subjekte zu recherchieren, damit man es schick in Klammer hinter Namen oder Funktion der Personen setzen kann, über die man gerade schreibt. Gerade weil Journalismus so eine kleinteilige Sisyphosarbeit ist, bei der man auch für einen Dreizeiler am besten gleich drei Telefongespräche führt, kann ich über den andauernden "Lügenpressen"-Vorwurf der Verschwörungstheoretiker nur den Kopf schütteln. Eigentlich.

Mir macht eher Sorgen, dass Relotius sich genötigt sah, soviel Kram zu erfinden. Das kann pathologisch an ihm selbst liegen. Oder dem immensen Druck geschuldet sein, der aufgrund abnehmender Auflagenzahlen und Werbeeinnahmen und entsprechend immer weniger Festanstellungen auf dem Qualitätsjournalismus außerhalb der Öffentlich-Rechtlichen lastet. Die Klappspaten-Onlinekonkurrenz ist halt schneller, sensationeller und kostenloser. Es ist ein Elend.

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Bard
Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 19:43                                  +/-

Es kann auch einfach Geltungssucht sein.


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Oxford
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 20:01                                  +/-

Eiranion
Es gibt da leider auch Fälle, wo er sich fast alles ausgedacht hat. Er war z.B in irgendeinem amerikansichen Kaff um sich echte Trump-Wähler in freier Wildbahn anzusehen und konnte einfach keinen guten Zugang zu einer Story finden. Also hat er dem Ort mal eben ein "Mexicans not welcome"-Schild am Ortseingang angedichtet und dann quasi alle Charaktere in seiner Reportage erfunden.

Es sieht für mich so aus, dass er nicht systematisch seine ganzen Geschichten erfunden hat, aber je weniger erfolgreich seine Recherchen waren, desto mehr hat er dazu erfunden um am Ende bei der gleichen "Qualität" des Artikels anzukommen.

Gepostet am 19.12.2018, 17:59:

Edit: As Tyler said.


Ja okay...


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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 20:18                                  +/-

Die Geschichte erinnert sehr an diverse Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Die Leute werden mit ihren erfundenen Daten, Plagiaten, blanken Lügen, Studienrecycling, statistischen Tricks immer erfolgreicher, und treiben das immer weiter bis sie sich in ihrer Disziplin einen Namen gemacht haben und nicht mehr zurück wollen / können. Der allgemeine Konsens dazu ist dass das nur die Spitze des Eisberges ist. Nur alle paar Jahre fliegt mal ein "großer" Fall auf.

Diederik Stapel hat für mindestens 58 Publikationen Studiendaten manipuliert oder komplett frei erfunden. Er hat diese Daten oft an seine Doktoranden für ihre Publikationen weitergereicht. Die wiederum waren glücklich weil sie von ihrem Prof einen hübschen "funktionierenden" Datensatz bekamen, der auch noch zu medienverwertbaren Aussagen führte ("Fleischesser sind egoistischer als Vegetarier"). Bis das ganze aufflog galt Stapel als einer der wichtigsten Forscher in seinem Gebiet.

Zitat:
Stapel did not deny that his deceit was driven by ambition. But it was more complicated than that, he told me. He insisted that he loved social psychology but had been frustrated by the messiness of experimental data, which rarely led to clear conclusions. His lifelong obsession with elegance and order, he said, led him to concoct sexy results that journals found attractive. “It was a quest for aesthetics, for beauty — instead of the truth,” he said. He described his behavior as an addiction that drove him to carry out acts of increasingly daring fraud, like a junkie seeking a bigger and better high. (...) Some friends, he said, asked him what could have made him stop. "I am not sure," he told me. "I don’t think there was going to be an end. There was no stop button. My brain was stuck. It had to explode. This was the only way."

Quelle: NYT

Die Publikationslistenverlängerung ist eben der Dopaminrausch der Wissenschaft. Man wundert sich schon sehr wie heftig die kognitive Dissonanz sein muss um die Ergebnisse dann noch in Medien und auf Konferenzen zu präsentieren, in Buchkapiteln zu beschreiben, auf ihrer Basis Doktoranden zu betreuen und an Stelle von ehrlichen Wissenschaftlern Forschungsgelder und Preise zu bekommen.

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einBaum



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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 20:36                                  +/-

Mitleid finde ich auch falsch. Der Typ bringt einen ganzen Berufsstand in Verruf. Das macht mich sauer, zumal ich richtig gute Journalist*innen kenne, die teils jahrelang arbeitslos waren. Und dann kommt da so ein Trottel und hat auch noch Erfolg mit seinen Wolkenkuckucksheimen. Die Frage ist eher, inwieweit solche Shananigans systemisch bedingt sind. Durch den absurden Publikationszwang in der Wissenschaft zum Beispiel, oder durch den Kosten- und Zeitdruck im Journalismus. Umso wichtiger, solche faulen Eier möglichst öffentlich auszusortieren.

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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 20:58                                  +/-

Ja, man kann nicht ignorieren dass das System eine große Rolle spielt. Ich könnte mich jedes Mal übergeben wenn ich höre dass "ein Paper eine schöne runde (neue) Geschichte erzählen muss" (Sind Negativergebnissen denn nicht relevant? Und und und). Ein anderer Faktor vom System ist dass er solchen pathologischen Lügnern und Manipulatoren erst den Aufstieg ermöglicht. Dem Journalisten der beim Spiegel zuerst Verdacht schöpfte wurde ja auch erstmal nicht geglaubt.

"Von 2003 bis heute wurde in der Wissenschaft so viel publiziert wie vom Beginn der Menschheitsgeschichte bis 2003." (Quelle)

(Edit: Es ist natürlich auch falsch ein rein düsteres Bild von der Manipulierbarkeit dieser Vertrauenssysteme zu zeichnen. Damit tut man vielen Leuten die verantwortungsvoll und ehrlich mit ihrer Disziplin umgehen Unrecht. Wegen diesen funktioniert es ja im großen und ganzen doch und dass SPON den Fall jetzt im Detail thematisiert ist der richtige Umgang.)



Zuletzt bearbeitet von DMolloy am 19.12.2018, 21:14, insgesamt einmal bearbeitet
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Eiranion
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 21:13                                  +/-

Der Publikationsdrang ist schon teilweise absurd. Mein Experiment hat mittlerweile eine Veröffentlichungsrate von 3 Papern die Woche und ich habe anscheinend in den letzten 6 Jahren 481 Veröffentlichungen auf dem Konto: http://inspirehep.net/author/profile/J.F.Schulte.1 ugly

Das ist natürlich ein etwas spezieller Fall, das Arbeiten in riesigen Kollaborationen mit tausenden von Autoren führt das System schon irgendwie ad asurbdum. Immerhin veröffentlichen wir fleißig Negativergebnisse, gehört auch dazu wenn man jeden Stein umdreht auf der Suche nach der nächsten großen Entdeckung. Gerade dass wir so viele Autoren sind und alles kollektiv läuft schützt uns relativ gut for einzelnen Manipulatoren. Aber perfekt sind unsere internen Prozesse natürlich auch nicht.


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Bard
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 21:16                                  +/-

Ich kann mich durchaus an einige Artikel erinnern, die sich nun als Fakes entpuppt haben (oder Fake/Reality-Mischmasch). Ein Artikel über Colin Kaepernick z.B. Oder den deutschen Jihadisten Denis Cuspert und dessen (reale?) Lovestory mit einer ehemaligen FBI-Agentin. Oder den jungen syrischen Widerstandskämpfer, der glaubt, 2011 den Bürgerkrieg ausgelöst zu haben.

Wenn man sich das nochmal vergegenwärtigt, erscheint vieles zu gut und zu konstruiert, um wahr zu sein. Zumindest jetzt. Speziell die Texte über die USA triefen eigentlich vor Klischees, wenn man sich die Zitate nochmal anschaut.

Der Stil von Relotius ist dabei auch typisch für viele Spiegel-Artikel. Personalisierend, viel Symbolkraft, kurze bedeutungsschwangere Sätze, manchmal annähernd kitschig. Er hat das adaptiert und mit etwas Talent zum Fabulieren und Gespür für die Befindlichkeiten von Lesern und Redakteueren zu einem glaubhaften Lügengebäude ausgebaut. Lügengebäude, die so perfekt erscheinen, dass sie auch noch mit Preisen überhäuft werden.


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Zuletzt bearbeitet von Bard am 19.12.2018, 21:28, insgesamt einmal bearbeitet
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Thanil
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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 21:26                                  +/-

Ich glaube das hat nichts mit Druck oder Publikationszwang zu tun. Unter Druck leiden Leute, sie werden aber nicht zu systematischen Betrügern. Das ist wohl eher eine tiefgreifende Persönlichkeitsverformung, eine Ausprägung von Soziopathie. Im Zentrum vermute ich irgendeine narzisstische Störung.

Bin natürlich nur Laie und sage meine persönliche Meinung. Ich fände es jedenfalls falsch jetzt den Verdacht auf „das System“ zu lenken. Diese Hochstapler gäbe es in jedem System. Es ist der verlockende, einfache und kurze Weg zu Ruhm und Reichtum. Für Leute, die von einem Gewissen und irgendwelchen Verantwortungsgefühlen nicht weiter behindert werden.


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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 21:55                                  +/-

Respekt verdient ja sein Kollege Juan Moreno, der sich erst intern zum Buhmann und Nestbeschmutzer gemacht hat und dann auf eigene Faust in die USA gereist ist, um erfolgreich zu beweisen, dass Relotius geflunkert hat.


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Ewig Erste Liga


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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 22:51                                  +/-

Auf einem anderen Blatt steht, dass der Spiegel die Aufarbeitung ausgerechnet in Form einer Reportage unters Volk bringt: Fühlen, was sein könnte


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Olmops



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BeitragVerfasst am: 19.12.2018, 23:24                                  +/-

Mir gehen alle Artikel seit Jahren auf den Sack, die durch Einbindung oder Umrahmung mit der persönlichen Geschichte von irgendeinem Betroffenen den Leser auf der emotionalen Schiene beeinflussen wollen. Ich bin nicht wirklich traurig, wenn dieser Stil jetzt außer Mode kommen sollte.


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Thanil
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BeitragVerfasst am: 20.12.2018, 05:52                                  +/-

Sehe ich genauso, und das war für mich vor vielen Jahren ein Hauptgrund den Spiegel abzuschießen.


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DMolloy



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BeitragVerfasst am: 20.12.2018, 12:42                                  +/-

Detailliertes Statement zu dem Artikel über Fergus Falls, aus Fergus Falls: Der Spiegel journalist messed with the wrong small town

Die Dreistigkeit ist schon erschreckend. Gibt es irgendwo eine komplette Liste seiner Artikel?


Postillon: In eigener Sache

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Nichtraucher
Fun Bobby


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BeitragVerfasst am: 20.12.2018, 13:37                                  +/-

Den Artikel hab ich auch gelesen. Und den mit der Grenze zu Mexiko. Ich fühle mich beschmutzt und verraten.


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